Prochlorperazin

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Der Arzneistoff Prochlorperazin findet in der Humanmedizin hauptsächlich als Medikament gegen Übelkeit, Erbrechen und Migräne Verwendung. Gelegentlich wird der Dopamin-Antagonist auch verschrieben, um psychiatrische bzw. psychische Erkrankungen zu behandeln. Prochlorperazin ist demnach sowohl ein Antiemetikum als auch ein Neuroleptikum.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Prochlorperazin?

Die Behandlung bzw. Unterbindung von massiver Übelkeit und starkem Erbrechen stellt eines der Hauptanwendungsgebiete von Prochlorperazin dar. Es wird auch verschrieben, um eine Migräne zu therapieren.
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Der medizinische Wirkstoff Prochlorperazin zählt zu den Antiemetika. Unter diesem Begriff werden Stoffe bzw. Präparate zusammengefasst, die – wie Prochlorperazin – gegen Übelkeit und Erbrechen verabreicht werden.

Da sich Prochlorperazin an die Dopamin-Rezeptoren des menschlichen Gehirns anbindet, entfaltet der Stoff auch psychoaktive Wirkungen. Er wird deshalb gelegentlich als Neuroleptikum eingesetzt, um psychische bzw. psychiatrische Erkrankungen wie eine Schizophrenie oder Angststörung kurz-, mittel- oder langfristig zu therapieren. Im Vergleich zur antiemetischen Behandlung wird die verabreichte Dosis in diesen Fällen allerdings um ein Vielfaches erhöht.

Darüber hinaus findet Prochlorperazin auch Anwendung, um starke Migräneattacken zu behandeln. Der weiße bis weißgelbliche Stoff wird in der Chemie und Pharmakologie durch die Summenformel C 20 – H 24 – C - I – N 3 – S beschrieben, was einer moralen Masse von 373,943 g/mol entspricht. In Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht momentan keine Zulassung.

Pharmakologische Wirkung

Prochlorperazin zählt aufgrund seiner pharmakologischen Eigenschaften sowie seiner Effekte zur Gruppe der Dopamin-Antagonisten. Als Antagonisten werden solche chemischen Substanzen bezeichnet, welche die Wirkung einer ihnen ähnelnden Referenzsubstanz, dem sogenannten Agonisten, aufheben, verringern oder einen entgegengesetzten Effekt verursachen.

Prochlorperazin bindet sich also gleich der Referenzsubstanz Dopamin an die D2-Rezeptoren des menschlichen Gehirns an. Durch die Anbindung sind die Rezeptoren blockiert. Es entsteht eine antriebsmindernde, antipsychotische Wirkung, die auch leicht sedierende Effekte aufweist.

Die pharmakologische Wirkung von Prochlorperazin entspricht damit weitestgehend der Wirkung der anderen Phenothiazine wie Perphenazin, Thioridazin, Fluphenazin oder Thiethylperazin. In der Literatur wird deshalb auch darüber berichtet, dass Prochlorperazin eine leichte Affinität an den Serotonin-Rezeptoren (5HT2-Rezeptoren) aufweist. Der Stoff blockiert folglich auch diese Rezeptoren, was die Wirkung verstärken kann.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Prochlorperazin hat ein relativ breites Anwendungsgebiet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es sowohl neuroleptische bzw. sedierende Effekte als auch antiemetische Wirkungen aufweist. Die Behandlung bzw. Unterbindung von massiver Übelkeit und starkem Erbrechen stellt eines der Hauptanwendungsgebiete von Prochlorperazin dar. Es wird auch verschrieben, um eine Migräne zu therapieren.

Neben diesem antiemetischen Einsatzgebiet findet Prochlorperazin aber auch als Neuroleptikum Verwendung, um diverse psychische Erkrankungen zu therapieren. Zu diesen zählen u. a. Psychosen, die durch eine Schizophrenie verursacht werden, sowie verschiedene Angst- und Zwangsstörungen.

Die Einnahme erfolgt ausschließlich oral in Filmtablettenform. Die verschriebene Dosis zur Therapie von psychiatrischen Erkrankungen ist jedoch um ein Vielfaches höher als die Menge des Wirkstoffs, die zur antiemetischen Behandlung verabreicht wird.

Prochlorperazin unterliegt in jedem Land, in dem eine Zulassung besteht, der Apotheken- und Verschreibungspflicht. Die Substanz kann also nicht ohne ärztliches Rezept erworben werden. Die Vergabe erfolgt ausschließlich über zugelassene Apotheken.

Das bekannteste Präparat, das ausschließlich auf Prochlorperazin als aktiven Wirkstoff aufbaut, wird in den USA unter dem Handelsnamen Compazine® vertrieben.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht für Prochlorperazin derzeit keine Zulassung. Der Stoff darf in diesen Ländern in keinem Präparat verarbeitet werden. Es stehen allerdings andere Arzneimittel zur Verfügung, die ähnliche Wirkungen aufweisen.


Risiken & Nebenwirkungen

Wie bei allen Medikamenten muss vor der erstmaligen Einnahme von Prochlorperazin überprüft werden, ob eine Allergie oder sonstige Unverträglichkeiten bestehen. Ist dies der Fall, darf eine Behandlung nicht durchgeführt werden. Denn in diesen Fällen liegt eine Kontraindikation vor. Hiermit wird beschrieben, dass eine medizinische Gegenanzeige eine Anwendung verbietet.

Prochlorperazin ist auch kontraindiziert, wenn schwere Erkrankungen der Leber oder Nieren diagnostiziert wurden, da diese Organe maßgeblich am Abbau der Substanz beteiligt sind. Auch darf Prochlorperazin nicht zusammen mit Cisaprid, Terfenadin oder Astemizol eingenommen werden.

Zudem ist auf Wechselwirkungen mit anderen Arzneien zu achten. So verstärkt Prochlorperazin die Wirkungen von Alkohol und anderen Betäubungsmitteln, was typisch für Vertreter seiner Wirkstoffklasse ist. Vor der Durchführung einer Operation und der Vergabe von Narkosemitteln ist dementsprechend auf die Einnahme von Prochlorperazin hinzuweisen. Der Konsum von Alkohol sollte während der Dauer der Behandlung unterbleiben.

Darüber hinaus kann Prochlorperazin nach der Einnahme zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, was allerdings nicht zwingend der Fall sein muss. Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Prochlorperazin gehören u. a. Störungen des Extrapyramidalmotorischen Systems (EPMS), ein auffälliger Abfall des Blutdrucks (Hypotonie), eine Überschreitung der Herzfrequenz (Tachykardie) sowie Kopfschmerzen, allgemeines Unwohlsein und Mundtrockenheit. Beim Auftreten von Nebenwirkungen ist medizinischer Rat umgehend einzuholen.

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