Cisaprid

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Der Wirkstoff Cisaprid zählt zu den Prokinetika, die die Motilität des Gastrointestinaltraktes steigern. Der Wirkstoff löst schwere kardiale Nebenwirkungen aus und wurde daher in vielen Ländern vom Markt genommen. In Deutschland ordnete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte im Jahr 2000 das Ruhen der Zulassung cisapridhaltiger Arzneimittel an; seither ist der Wirkstoff hier nicht mehr im Handel. Für die betreffenden Beschwerden stehen andere Prokinetika zur Verfügung, die allerdings ihrerseits Anwendungsbeschränkungen unterliegen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Cisaprid?

Cisaprid
Der Wirkstoff wurde bei einer Refluxösophagitis, generellen Bewegungsstörungen des Magen-Darm-Traktes, Magenlähmungen und bei Verstopfung angewendet.
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Cisaprid gehört zur Gruppe der Prokinetika. Prokinetika sind Wirkstoffe, die die Motilität, also die Beweglichkeit, des Magen-Darm-Traktes fördern. Es wurde aufgrund schwerer Nebenwirkungen in vielen Ländern vom Markt genommen, da es Herzrhythmusstörungen verursacht und das QT-Intervall verlängert.

Chemisch ist es ein Derivat des Benzamids. Die Formel lautet C23H29ClFN3O4. Es wurde 2000 in den USA vom Markt genommen, daraufhin erfolgte auch in Deutschland ein Ruhen der Zulassung. In einigen Ländern ist es jedoch weiterhin erhältlich.

Pharmakologische Wirkung

Cisaprid ist ein indirektes Parasympathomimetikum, das heißt, es verstärkt die Wirkung des Parasympathikus. Der Parasympathikus ist ein Teil des autonomen Nervensystems und der Gegenspieler des Sympathikus. Der Stoff Cisaprid stimuliert Serotonin-5HT4-Rezeptoren. Infolge dieser Stimulation bewirken die Rezeptoren eine Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin.

Acetylcholin spielt bei der Reizweiterleitung eine zentrale Rolle. Es wird in den synaptischen Spalt ausgeschüttet und tritt mit den Rezeptoren auf der postsynaptischen Membran in Interaktion. Die Membran der Zielzelle ändert aufgrund dessen ihre Ionenpermeabilität, was entweder eine Erregung (Depolarisation) oder eine Hemmung (Hyperpolarisation) der Zielzelle auslösen kann.

Beim Einsatz des Wirkstoffes Cisaprid kommt es infolge des Acetylcholins zu einer Steigerung der Motilität und zu einer erhöhten Peristaltik. Es wirkt insgesamt also prokinetisch. Als Nebenwirkung ist ein proarrhythmischer Einfluss auf das Herz bekannt, wobei bei Cisaprid vor allem ein gehäuftes Auftreten des sog. Long-QT-Syndroms beobachtet wurde.

Das Long-QT-Syndrom ist eine zur Gruppe der Kanalopathien gehörende Erkrankung des Herzens, bei der es zu einem pathologisch verlängerten QT-Intervall kommt. Tritt das Long-QT-Syndrom infolge einer Gabe von Cisaprid auf, liegt ein sekundäres, also ein erworbenes LQT-Syndrom vor. Infolge der Nebenwirkung wurde das Medikament in vielen Ländern vom Markt genommen.

Die Bioverfügbarkeit des Cisaprids beträgt ca. 30-40%, der Wirkstoff liegt im Blut hauptsächlich gebunden an Plasmaproteine vor, die Plasmahalbwertszeit beträgt etwa zehn Stunden. Metabolisiert wird Cisaprid hauptsächlich in der Leber, über das Cytochrom P450-System, und im Darm. Ausgeschieden wird der Wirkstoff über die Niere und die Galle.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Der Wirkstoff wurde bei einer Refluxösophagitis, generellen Bewegungsstörungen des Magen-Darm-Traktes, Magenlähmungen und bei Verstopfung angewendet. Die Indikationen leiten sich aus den pharmakologischen Eigenschaften des Cisaprids ab, das erwünschte Wirkungsgebiet ist der Magen-Darm-Trakt.

Bei der Refluxösophagitis liegt eine Entzündung der Speiseröhre vor, die durch einen Reflux (ein Zurückfließen) des sauren Magensaftes ausgelöst wird. Kontraindikationen stellen Herzrhythmusstörungen sowie eine Tachykardie dar. Die Kontraindikationen sind auf die schweren Nebenwirkungen des Cisaprids im Bereich des Herzens zurückzuführen.


Verabreichung und Dosierung

Die folgenden Angaben zu Verabreichung und Dosierung geben den Stand wieder, der galt, solange Cisaprid im Handel war.

Cisaprid ist ein Medikament, das eingesetzt wurde, um bestimmte Magen-Darm-Erkrankungen zu behandeln, insbesondere solche, die mit einer verzögerten Magenentleerung einhergehen, wie zum Beispiel bei gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) und anderen Motilitätsstörungen. Es wirkt durch die Steigerung der Freisetzung von Acetylcholin, einem Neurotransmitter, der die Beweglichkeit des Magen-Darm-Trakts erhöht.

Bei der Verabreichung und Dosierung von Cisaprid müssen mehrere wichtige Aspekte berücksichtigt werden. Zunächst ist es entscheidend, das Medikament genau nach Anweisung des Arztes einzunehmen. Die Dosierung hängt von der spezifischen Erkrankung, dem Alter des Patienten und der individuellen Reaktion auf das Medikament ab. Typischerweise wurde Cisaprid oral, meist vor den Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen, eingenommen, um die Magen-Darm-Motilität zu optimieren.

Wichtig ist auch, das Risiko von Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu beachten. Cisaprid kann das QT-Intervall im EKG verlängern, was zu schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen führen kann. Daher sollte es nicht von Patienten mit bekannten QT-Verlängerungen oder in Kombination mit anderen Medikamenten, die das QT-Intervall beeinflussen, eingenommen werden.

Aufgrund der Risiken, insbesondere im Zusammenhang mit Herzrhythmusstörungen, wurde die Verwendung von Cisaprid in vielen Ländern stark eingeschränkt oder verboten. Patienten, die Cisaprid einnehmen oder in Erwägung ziehen, sollten dies nur unter strenger ärztlicher Überwachung tun und alle möglichen Alternativen sowie die spezifischen Risiken und Vorteile mit ihrem Arzt besprechen.

Die Einhaltung der empfohlenen Dosierungen und die regelmäßige Überwachung durch den behandelnden Arzt sind entscheidend, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung mit Cisaprid zu gewährleisten. Patienten sollten auch auf mögliche Nebenwirkungen achten und ihren Arzt informieren, wenn unerwartete Symptome auftreten.

Risiken & Nebenwirkungen

Als Risiken und Nebenwirkungen sind Herzrhythmusstörungen und die bereits genannte Verlängerung des QT-Intervalls zu nennen. Die Nebenwirkungen sind drastisch und können mitunter tödlich sein. Das Medikament bzw. der Wirkstoff wurde in vielen Ländern vom Markt genommen, da die Risiken bei der Anwendung als zu hoch bewertet wurden.

Eine Anwendung Cisaprids kommt in Deutschland nicht mehr in Betracht, da die Zulassung ruht; für die betreffenden Beschwerden stehen andere Wirkstoffe aus der Gruppe der Prokinetika zur Verfügung, deren Anwendungsgebiete allerdings ihrerseits eingeschränkt worden sind.

Kontraindikationen

Cisaprid, einst für seine Fähigkeit geschätzt, die Magen-Darm-Motilität durch die Freisetzung von Acetylcholin zu erhöhen, weist mehrere wichtige Kontraindikationen auf, die vor seiner Anwendung berücksichtigt werden müssen. Diese Einschränkungen sind überwiegend auf das Potenzial von Cisaprid zurückzuführen, schwerwiegende kardiovaskuläre Nebenwirkungen, insbesondere Herzrhythmusstörungen, zu verursachen.

Eine der bedeutendsten Kontraindikationen ist das Vorhandensein oder die Geschichte von kardialen Problemen, insbesondere solchen, die das QT-Intervall betreffen. Patienten mit angeborenen oder erworbenen QT-Verlängerungen sind einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Torsade de Pointes, einer potenziell lebensbedrohlichen Form der ventrikulären Tachykardie, ausgesetzt, wenn sie Cisaprid einnehmen. Daher ist Cisaprid bei Patienten mit bekannter QT-Verlängerung strikt kontraindiziert.

Des Weiteren sollten Patienten, die gleichzeitig Medikamente einnehmen, die das QT-Intervall verlängern können oder die den Abbau von Cisaprid im Körper durch Hemmung des Cytochrom P450 3A4-Enzyms verlangsamen, Cisaprid meiden. Solche Medikamente umfassen bestimmte Antibiotika, Antimykotika, Antidepressiva und Antiarrhythmika.

Patienten mit signifikanten Elektrolytstörungen, wie Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie, sollten ebenfalls kein Cisaprid erhalten, da diese Zustände das Risiko für Herzrhythmusstörungen weiter erhöhen können.

Darüber hinaus ist Cisaprid bei Personen mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Medikament oder seinen Bestandteilen kontraindiziert. Nicht angewendet werden darf Cisaprid ferner, wenn eine Steigerung der Magen-Darm-Bewegung selbst schädlich ist – bei einer Blutung im Magen-Darm-Trakt, bei einem mechanischen Verschluss und bei einem Durchbruch der Darmwand. Die Fachinformationen der heute verfügbaren Prokinetika Metoclopramid und Domperidon führen genau diese drei Zustände mit genau dieser Begründung als Gegenanzeigen auf.

Aufgrund dieser Kontraindikationen und des Risikos schwerwiegender Nebenwirkungen wurde die Verwendung von Cisaprid in vielen Ländern stark eingeschränkt oder ganz eingestellt.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Bei der Verwendung von Cisaprid ist besondere Vorsicht geboten, da es signifikante Wechselwirkungen mit einer Vielzahl anderer Medikamente aufweisen kann, die schwerwiegende, potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkungen zur Folge haben können. Diese Interaktionen sind hauptsächlich auf die Fähigkeit von Cisaprid zurückzuführen, das QT-Intervall zu verlängern, sowie auf seinen Metabolismus über das Cytochrom P450 3A4-Enzymsystem.

Einer der kritischsten Aspekte betrifft die Kombination von Cisaprid mit Medikamenten, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern können. Dazu gehören bestimmte Antiarrhythmika, Antipsychotika, Antidepressiva und Antibiotika. Die gleichzeitige Anwendung dieser Medikamente mit Cisaprid kann das Risiko für Herzrhythmusstörungen wie Torsade de Pointes dramatisch erhöhen.

Zusätzlich kann die gleichzeitige Anwendung von Cisaprid mit Medikamenten, die das Cytochrom P450 3A4-Enzym hemmen, zu erhöhten Plasmakonzentrationen von Cisaprid führen. Zu diesen Medikamenten zählen einige Makrolidantibiotika (z.B. Erythromycin), Azol-Antimykotika (z.B. Ketoconazol), HIV-Protease-Inhibitoren und bestimmte Kalziumkanalblocker. Eine solche Erhöhung der Cisaprid-Spiegel im Blut kann das Risiko von QT-Verlängerungen und folglich von Torsade de Pointes verstärken.

Medikamente, die die Kalium- oder Magnesiumspiegel im Blut senken können, wie bestimmte Diuretika, erhöhen ebenfalls das Risiko von Herzrhythmusstörungen, wenn sie zusammen mit Cisaprid verwendet werden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sowohl Kalium- als auch Magnesiumionen eine Schlüsselrolle bei der Aufrechterhaltung der normalen Herzrhythmen spielen.

Wegen dieser Wechselwirkungen war vor jeder Verordnung von Cisaprid eine vollständige Übersicht über die übrige Medikation erforderlich; sie gehörte zu den wichtigsten Maßnahmen, um schwerwiegende Nebenwirkungen zu vermeiden.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Cisaprid aufgrund von Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen keine Option ist, gibt es mehrere alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Unterstützung von Patienten mit gastrointestinalen Motilitätsstörungen. Diese Alternativen zielen darauf ab, ähnliche therapeutische Effekte zu erzielen, indem sie die Magen-Darm-Motilität verbessern oder die Symptome der zugrunde liegenden Erkrankung lindern.

Einer der häufigsten Ersatzstoffe für Cisaprid ist Metoclopramid. Dieser Wirkstoff wirkt als Dopamin-Rezeptor-Antagonist und stimuliert die Magen-Darm-Motilität; bei gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) und Gastroparese wurde er lange aus diesem Grund eingesetzt. Metoclopramid kann jedoch Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Unruhe und in seltenen Fällen tardive Dyskinesie verursachen. Seine Anwendungsgebiete sind seit einer europäischen Überprüfung erheblich eingeschränkt: Die Europäische Kommission beschränkte den Wirkstoff Ende 2013 auf eine kurzzeitige Anwendung und auf die Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen, etwa nach einer Chemo- oder Strahlentherapie, nach Operationen und bei Migräne. Bei Erkrankungen, die eine Langzeitbehandlung erfordern, überwogen die Risiken den Nutzen.

Domperidon ist eine weitere Alternative, die besonders für ihre geringeren zentralnervösen Nebenwirkungen bekannt ist, da sie die Blut-Hirn-Schranke nicht in dem Maße wie Metoclopramid überwindet. Domperidon wirkt ebenfalls als Dopamin-Rezeptor-Antagonist, trägt aber selbst ein Risiko für eine Verlängerung des QT-Intervalls. Nach einer europäischen Überprüfung im Jahr 2014 ist es nur noch zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen zugelassen; für Beschwerden wie Blähungen oder Sodbrennen darf es nicht mehr angewendet werden. Ausgeschlossen ist die Anwendung bei mittelschwerer oder schwerer Leberfunktionsstörung, bei bestehenden Störungen der Herzerregung oder des Herzrhythmus und bei erhöhtem Risiko für solche Störungen, ebenso zusammen mit Arzneimitteln, die ähnlich auf das Herz wirken oder den Abbau von Domperidon hemmen.

Erythromycin, ein Antibiotikum, hat prokinetische Eigenschaften, die bei bestimmten Patienten zur Verbesserung der Magenentleerung beitragen können. Es ahmt die Wirkung von Motilin nach, einem Hormon, das die Magen-Darm-Motilität fördert. Erythromycin wird manchmal als kurzfristige Lösung bei Gastroparese eingesetzt, obwohl seine Wirksamkeit mit der Zeit nachlassen kann.

Für Patienten, bei denen diese pharmakologischen Ansätze nicht geeignet sind oder nicht ausreichen, können diätetische Anpassungen, Verhaltensänderungen und unterstützende Therapien wie Ernährungsberatung, Akupunktur und körperliche Bewegung hilfreich sein, um Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Insgesamt erfordert die Wahl der besten Alternative eine individuelle Beurteilung durch den behandelnden Arzt, der die spezifischen Bedürfnisse und Bedingungen des Patienten berücksichtigt, um eine sichere und wirksame Behandlung zu gewährleisten.

Einordnung und Abgrenzung

Die Wirkstoffmonografie beschreibt Cisaprid als Prokinetikum, das als auswählender Anreger von Serotonin-5-HT4-Rezeptoren eine Freisetzung von Acetylcholin bewirkt, und nennt als Anwendungsgebiet die Linderung von Sodbrennen bei Patienten mit einer Entzündung der Speiseröhre durch Rückfluss von Magensaft. Beide Angaben stehen dort im Präteritum: Der Stoff wurde so angewendet.

Der Weg von der Rezeptoranregung zur gesteigerten Beweglichkeit verläuft nach dieser Darstellung über die Nerven der Darmwand. Die Anregung der Rezeptoren führt dort zur Freisetzung von Acetylcholin; dieses fördert die Zusammenziehung der glatten Muskulatur des Magen-Darm-Trakts. Weil die wellenförmige Bewegung dadurch verstärkt wird, beschleunigen sich die Entleerung des Magens und der Durchgang durch den Dünndarm.

In den amtlichen Verzeichnissen ist Cisaprid weiterhin als Wirkstoff geführt, doch die Zahl der Präparate im Handel ist null. Die Wirkstoffmonografie nennt als Grund für die Marktrücknahme Bedenken wegen schwerwiegender Nebenwirkungen am Herzen, insbesondere der Verlängerung des QT-Intervalls, und hält fest, dass die möglichen Gefahren die Vorteile des Arzneimittels überwogen – besonders bei Patienten mit vorbestehenden Herzproblemen und bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter anderer Arzneimittel.

Innerhalb der Prokinetika hat Cisaprid einen nahen Verwandten, der in der Aufzählung der Alternativen leicht übersehen wird: Prucaloprid greift wie Cisaprid an den Serotonin-5-HT4-Rezeptoren an und ist damit dessen nächster Verwandter, während Metoclopramid und Domperidon an den Dopaminrezeptoren ansetzen und deshalb einem anderen Wirkprinzip folgen. Die Wirkstoffmonografie führt Prucaloprid ausdrücklich unter den Möglichkeiten auf, die an die Stelle des Cisaprids getreten sind, und nennt als dessen Anwendungsgebiet die chronische Verstopfung. Der Vergleich zeigt zugleich, dass die Verwandtschaft im Wirkprinzip nicht bedeutet, dass ein Stoff den anderen ersetzen könnte: Die Anwendungsgebiete sind verschieden.

Bemerkenswert ist der Umgang des Arzneimittelrechts mit dieser Wirkstoffgruppe insgesamt. Von den Prokinetika, die nach dem Ruhen der Zulassung des Cisaprids als Ersatz in Betracht kamen, sind zwei in ihren Anwendungsgebieten nachträglich eingeschränkt worden: Metoclopramid durch eine Entscheidung der Europäischen Kommission, Domperidon nach einer europäischen Überprüfung. Prucaloprid ist auf ein enges Anwendungsgebiet beschränkt. Die Geschichte des Cisaprids steht damit nicht für sich allein, sondern am Anfang einer Neubewertung, die mehrere Vertreter dieser Gruppe erfasst hat.

Wie eng der verbliebene Anwendungsbereich der Prokinetika inzwischen gefasst ist, zeigt der Vergleich der drei genannten Wirkstoffe: Metoclopramid ist auf eine kurzzeitige Anwendung und auf die Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen beschränkt, Domperidon allein auf die Linderung von Übelkeit und Erbrechen, und Prucaloprid auf die chronische Verstopfung. Das Anwendungsgebiet, für das Cisaprid zugelassen war – die Linderung von Sodbrennen bei einer Entzündung der Speiseröhre durch Rückfluss von Magensaft –, wird damit von keinem der drei Nachfolger in derselben Weise abgedeckt.


Quellen

  • Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
    ISBN: 9783132405233
  • Rosien, U., Berg, T., Layer, P. (Hrsg.): Facharztwissen Gastroenterologie und Hepatologie.
    ISBN: 9783437213038
  • Layer, P., Rosien, U. (Hrsg.): Praktische Gastroenterologie.
    ISBN: 9783437233722
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541

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