Fluphenazin
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei Fluphenazin handelt es sich um einen Wirkstoff, der aufgrund seiner Eigenschaften in der Humanmedizin bereits seit den 1960er Jahren erfolgreich als Neuroleptikum eingesetzt wird. Fluphenazin ist u. a. bei psychotischen Syndromen mit Wahnzuständen und Halluzinationen, einer diagnostizierten Schizophrenie und psychomotorischen Erregungszuständen indiziert.
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Was ist Fluphenazin?
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Der medizinische Arzneistoff Fluphenazin wurde in der Bundesrepublik Deutschland bereits im Jahre 1961 zur Behandlung von Krankheiten zugelassen. Unter den Handelsnamen Omca® und Lyogen® wurde der Stoff in Tablettenform verschrieben und zur Behandlung diverser psychischer bzw. psychiatrischer Erkrankungen eingesetzt.
Der weiße Feststoff wird wegen seiner Eigenschaften der Wirkstoffklasse der Neuroleptika zugeordnet und bildet einen Teil der Gruppe der sogenannten Phenothiazine. Fluphenazin weist eine molare Masse von 437,52 g/mol auf. In der Chemie und Pharmakologie wird der Arzneistoff durch die Summenformel C 22 – H 26 – F 3 – N 3 – O – S beschrieben.
In Tablettenform wird der Wirkstoff weiterhin in anderen Ländern angeboten, etwa in den Vereinigten Staaten, wo zahlreiche generische Präparate zum Einnehmen zugelassen sind. In Deutschland führen die Arzneimittelverzeichnisse als Fertigarzneimittel gegenwärtig nur noch Injektionslösungen mit dem Depotwirkstoff Fluphenazindecanoat.
Fluphenazin unterliegt in der Leber dem Abbau über das Enzym CYP2D6. Arzneimittel, die dieses Enzym hemmen, können deshalb den Blutspiegel des Neuroleptikums anheben.
Pharmakologische Wirkung
Fluphenazin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Phenothiazine. Als solches gilt es als ein Neuroleptikum und verfügt über antipsychotische und sedierende Eigenschaften. Fluphenazin zählt zu den sogenannten hochpotenten Neuroleptika, zu denen auch die verwandten Arzneistoffe Haloperidol und Perphenazin gehören. Diese bilden die neuroleptisch potenteste Gruppe der ersten Generation von Neuroleptika.
Die pharmakologische Wirkung von Fluphenazin macht den Arzneistoff zu einem Dopaminantagonisten. Er bindet sich kompetitiv an die Dopamin-Rezeptoren (D2-Rezeptoren) im menschlichen Gehirn und hemmt dadurch die Anbindung des Botenstoffs Dopamin. Es kommt zu einem leicht sedierenden, antipsychotischen und antriebsmindernden Effekt.
Neben der Wirkung auf die Dopamin-Rezeptoren ist Fluphenazin ebenfalls an den Serotonin-Rezeptoren (5HT2-Rezeptoren) aktiv. Auch hier wird eine Anbindung des Botenstoffs Serotonin verhindert, was zu einer Verstärkung der sedierenden, antipsychotischen und antriebsmindernden Auswirkungen führt.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Da Fluphenazin, anders als andere Neuroleptika wie z. B. Triflupromazin, nur neuroleptische bzw. sedierende Effekte auslöst, findet der Wirkstoff in der Humanmedizin ausschließlich in der Psychiatrie Verwendung. In der Tiermedizin kommt Fluphenazin hingegen auch als Beruhigungsmittel zur Einleitung einer Narkose zum Einsatz.
Zum Einnehmen werden in anderen Ländern Filmtabletten angeboten. Daneben steht eine ölige Depotform (Fluphenazindecanoat) zur Verfügung, die in den Muskel gespritzt wird. Der Vertrieb erfolgt ausschließlich über Apotheken, da der Arzneistoff in Europa und den USA der Verschreibungs- und Apothekenpflicht unterliegt.
Derzeit findet der Arzneistoff ausschließlich in Monopräparaten Anwendung. Für Medikamente, die Fluphenazin als aktiven Wirkstoff enthalten, besteht eine Indikation, wenn bei Patienten eine Schizophrenie diagnostiziert wurde. In diesen Fällen kann Fluphenazin verschrieben werden, um eine Rezidivprophylaxe durchzuführen oder um chronische Psychosen zu therapieren. Aber auch bei Denkstörungen, akuten Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Ich-Störungen wird Fluphenazin verschrieben. Die Anwendung kann, je nach Behandlungsziel, kurz oder langfristig erfolgen, wobei letzteres die Regel ist.
Verabreichung & Dosierung
Bei der Verabreichung und Dosierung von Fluphenazin, einem Antipsychotikum aus der Gruppe der Phenothiazine, gibt es wichtige Aspekte zu beachten, um die Wirksamkeit zu maximieren und das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren. In Deutschland wird Fluphenazin als Depotspritze in den Muskel verabreicht; Tabletten und flüssige Zubereitungen zum Einnehmen gibt es nur in anderen Ländern. Die Dosierung hängt von der Schwere der Symptome, dem Alter des Patienten und dessen individuellem Ansprechen auf die Behandlung ab.
Zu Beginn der Therapie wird häufig eine niedrigere Dosis verschrieben, die schrittweise angepasst wird, um die optimale Wirkdosis zu finden. Eine sorgfältige Überwachung des Patienten ist erforderlich, insbesondere zu Beginn der Behandlung oder bei Dosisanpassungen, da Fluphenazin mit einem Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen wie Muskelsteifheit, Zittern und Bewegungsstörungen verbunden ist.
Die Depotform von Fluphenazin, die alle zwei bis vier Wochen injiziert wird, erfordert eine genaue Planung, um eine gleichmäßige Wirkstofffreisetzung sicherzustellen. Bei älteren Patienten oder Menschen mit Leber- und Nierenproblemen sollte die Dosierung vorsichtiger angepasst werden, da diese Patienten anfälliger für Nebenwirkungen sind. Für die Ersteinstellung einer Behandlung soll die Depotform allerdings gar nicht verwendet werden, ebenso wenig bei älteren oder geschwächten Patienten und bei Patienten mit erhöhtem Nebenwirkungsrisiko, etwa bei gestörter Leber- oder Nierenfunktion.
Darüber hinaus sollte Fluphenazin nicht abrupt abgesetzt werden, um das Risiko eines Absetzsyndroms zu vermeiden. Eine schrittweise Reduzierung der Dosis wird empfohlen. Patienten sollten regelmäßig auf Nebenwirkungen wie Sedierung, Blutdruckabfall oder Anzeichen eines tardiven Dyskinesie-Risikos überwacht werden.
Risiken & Nebenwirkungen
Vor der erstmaligen Einnahme von Fluphenazin muss geprüft werden, ob eine Unverträglichkeit (Allergie) gegen den Wirkstoff vorliegt. Ist dies der Fall, sollte eine Behandlung nicht durchgeführt werden. Eine solche Kontraindikation ist auch gegeben, wenn Patienten unter schweren Erkrankungen der Leber leiden; bei Funktionsstörungen der Nieren ist Vorsicht geboten. Darüber hinaus kann die Einnahme von Neuroleptika die Effekte von Schmerz- und Narkosemitteln verstärken. Vor einer Operation ist die Dosis der zur Anwendung kommenden Präparate folglich entsprechend zu verringern. Da durch Fluphenazin auch die Wirkung von Alkohol verstärkt wird, sollte kurz vor oder nach der Einnahme des Wirkstoffes kein Alkohol getrunken werden.
Weil es sich bei Fluphenazin um ein Neuroleptikum handelt, kann es nach der Einnahme zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Dies muss allerdings nicht zwingend der Fall sein. Dennoch berichten einige Patienten über Störungen des Extrapyramidalmotorischen Systems (EPMS). Diese drücken sich meist durch einen Tremor (unwillkürliche, rhythmisch erfolgende Kontraktion verschiedener Muskelgruppen) oder Rigor (pathologisch gesteigerte Anspannung der Skelettmuskulatur) aus.
Aufgrund der Einnahme von Fluphenazin kann es auch zu Blutdruckwerten unterhalb von 100/60 mmHg (Hypotonie) kommen. Möglich ist auch, dass die Behandlung mit Fluphenazin zu einer langfristigen Überschreitung der alterstypischen Herzfrequenz (Tachykardie) führt.
In einigen klinischen Studien berichteten Behandelte auch über Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, die sich in Erbrechen, Übelkeit, allgemeinem Unwohlsein und Obstipationen (Verstopfungen) äußerten. Zu den weiteren bisher bekannten Nebenwirkungen zählen auch Mundtrockenheit und Kopfschmerzen.
Eine eigene Bedeutung hat die Spätdyskinesie, eine spät auftretende Bewegungsstörung mit unwillkürlichen Bewegungen vor allem im Gesicht. Ältere Menschen und darunter besonders ältere Frauen scheinen dafür anfälliger zu sein. Das Risiko und vor allem die Gefahr, dass die Störung bestehen bleibt, nehmen mit der Dauer der Behandlung und mit der Höhe der verabreichten Menge zu; sie kann jedoch auch schon nach kurzer Behandlung und bei niedriger Menge auftreten. Die neuroleptische Behandlung selbst kann die ersten Anzeichen zunächst verdecken, sodass sie erst nach dem Absetzen sichtbar werden. Eine gesicherte Behandlung dieser Bewegungsstörung ist bislang nicht bekannt.
Bei allen Neuroleptika besteht zudem die Möglichkeit eines malignen neuroleptischen Syndroms mit Fieber, Muskelsteifheit, Bewusstseinsstörungen und Entgleisung des vegetativen Nervensystems. Fieber ist dabei häufig das erste Zeichen. Weil die Beschwerden nach einer Depotinjektion entsprechend den Behandlungsabständen noch längere Zeit anhalten können und weil eine erneute Gabe eines Neuroleptikums lebensbedrohlich wäre, kommt der richtigen Zuordnung der Beschwerden entscheidende Bedeutung zu.
Fluphenazin senkt die Krampfschwelle. Bei organischen Hirnschäden, bei Gefäßverkalkungen der Hirngefäße und bei einer Neigung zu Krampfanfällen ist deshalb besondere Vorsicht geboten; begünstigt werden Anfälle durch hohe Mengen zu Behandlungsbeginn, durch schnelle Steigerungen und durch abruptes Absetzen hoher Mengen. Menschen mit Epilepsie sollen nur behandelt werden, wenn sie gleichzeitig ein Mittel gegen Krampfanfälle erhalten.
Unter Antipsychotika sind Fälle von venösen Thrombosen und Lungenembolien berichtet worden. Vor und während der Behandlung sollen deshalb alle Umstände erfasst werden, die eine Thrombose begünstigen, und entsprechende vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden.
Vor Behandlungsbeginn ist das Blutbild einschließlich des Differentialblutbildes und der Blutplättchenzahl zu kontrollieren; bei krankhaften Werten darf nicht behandelt werden. Nach Beginn der Behandlung sind über vier Monate wöchentliche Blutbildkontrollen vorgesehen, danach können die Abstände bei unauffälligen Befunden größer werden. Fieber, Entzündungen an Zahnfleisch und Mundschleimhaut, Halsschmerzen oder grippeähnliche Beschwerden sind ärztlich abzuklären und nicht in Eigenregie zu behandeln. Regelmäßig überprüft werden außerdem Körpergewicht, Blutzucker, Blutfette, Zahnstatus, Nieren- und Leberfunktion sowie die Kreislaufverhältnisse einschließlich einer Ableitung der Herzstromkurve.
Bei älteren Menschen mit einer Demenzerkrankung, die mit herkömmlichen Antipsychotika behandelt werden, ist die Sterblichkeit nach den Daten zweier großer Anwendungsstudien leicht erhöht. Die Ursache dafür ist nicht bekannt. Fluphenazindecanoat ist zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenzerkrankungen nicht zugelassen. Für einige atypische Antipsychotika wurde bei Demenzkranken zudem ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle beobachtet; dass dies auch andere Antipsychotika betrifft, lässt sich nicht ausschließen, weshalb bei erhöhtem Schlaganfallrisiko Vorsicht geboten ist.
Kontraindikationen
Typische Kontraindikationen für die Verwendung von Fluphenazin betreffen bestimmte medizinische Zustände und individuelle Empfindlichkeiten, die das Risiko von schwerwiegenden Nebenwirkungen erhöhen können. Eine der wichtigsten Kontraindikationen ist eine bekannte Überempfindlichkeit oder Allergie gegenüber Fluphenazin oder anderen Phenothiazinen, da dies zu schweren allergischen Reaktionen führen kann.
Patienten mit schweren Lebererkrankungen oder einer stark eingeschränkten Leberfunktion sollten Fluphenazin nicht einnehmen, da das Medikament in der Leber metabolisiert wird und eine weitere Schädigung verursachen könnte. Auch bei schwerer Niereninsuffizienz ist Vorsicht geboten, da die Ausscheidung des Medikaments beeinträchtigt sein könnte.
Besondere Vorsicht ist ebenfalls bei Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen geboten, wie unkontrollierter Hypertonie, Herzinsuffizienz oder bestimmten Herzrhythmusstörungen. Das Medikament kann den Blutdruck beeinflussen und das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen erhöhen.
Ein Koma, eine schwere Depression und ein bestehendes Parkinson-Syndrom führt die deutsche Fachinformation als Gegenanzeigen auf; bei diesen Erkrankungen des zentralen Nervensystems darf Fluphenazin nicht angewendet werden.
Weitere Kontraindikationen umfassen das Vorhandensein einer Knochenmarkssuppression oder einer Blutbildungsstörung, da Fluphenazin die Blutzellproduktion beeinträchtigen kann. Zudem sollte das Medikament nicht bei stillenden Frauen angewendet werden, da es in die Muttermilch übergeht und dem Säugling schaden könnte. Die Anwendung bei älteren Patienten mit Demenz ist ebenfalls kritisch, da sie ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und Tod aufweisen.
Die deutsche Fachinformation nennt darüber hinaus weitere Gegenanzeigen. Ausgeschlossen ist die Anwendung bei bestehenden prolaktinabhängigen Tumoren, also bei Geschwülsten der Hirnanhangdrüse, die auf dieses Hormon ansprechen, und bei Brustkrebs. Der Grund liegt darin, dass Neuroleptika die Ausschüttung von Prolaktin steigern und ein Teil der menschlichen Brusttumoren nach Untersuchungen an Gewebekulturen von Prolaktin im Wachstum angeregt wird.
Ausgeschlossen ist die Anwendung ferner bei einer akuten Vergiftung mit zentral dämpfenden Arzneimitteln wie Opiaten, Schlafmitteln, Antidepressiva, anderen Neuroleptika oder Beruhigungsmitteln sowie bei einer akuten Alkoholvergiftung. Ein bereits einmal nach Fluphenazin aufgetretenes malignes neuroleptisches Syndrom schließt eine erneute Behandlung ebenfalls aus, ebenso eine schwere Schädigung der Blutzellen oder des Knochenmarks und eine Leukopenie, also ein Mangel an weißen Blutkörperchen.
Bei Kindern unter zwölf Jahren darf Fluphenazin nicht angewendet werden. Für Kinder über zwölf Jahren und für Jugendliche fehlen ausreichende Studien, sodass eine Verordnung nur nach besonders sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen soll.
Besondere Vorsicht verlangen außerdem ein angeborenes langes QT-Syndrom, ein entsprechendes Syndrom in der Familie und andere bedeutsame Herzerkrankungen, ferner ein niedriger Kaliumspiegel im Blut (Hypokaliämie), ein Phäochromozytom, ein Glaukom, eine Verengung des Magenausgangs, eine Prostatavergrößerung mit Harnverhalt, chronische Atembeschwerden und Asthma sowie Arbeit oder Aufenthalt bei hohen Temperaturen. Ein bestehender Kaliummangel ist vor Behandlungsbeginn auszugleichen.
Interaktionen mit anderen Medikamenten
Fluphenazin kann mit einer Vielzahl anderer Medikamente interagieren, was die Wirkung entweder verstärken oder abschwächen und das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen kann. Eine der wichtigsten Interaktionen betrifft Zentralnervensystem (ZNS) dämpfende Substanzen, wie Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Alkohol oder Opioide. Die gleichzeitige Einnahme kann die sedierende Wirkung verstärken, was zu verstärkter Schläfrigkeit, Atemdepression oder einem erhöhten Risiko für Koma führen kann.
Die Kombination mit Antihypertensiva kann den blutdrucksenkenden Effekt dieser Medikamente verstärken und möglicherweise zu einem gefährlichen Blutdruckabfall führen. Auch die gleichzeitige Anwendung von Anticholinergika sollte mit Vorsicht erfolgen, da Fluphenazin anticholinerge Wirkungen hat, die zu Mundtrockenheit, Verstopfung oder Harnverhalt führen können.
Vorsicht ist geboten, wenn Fluphenazin mit anderen Antipsychotika oder Medikamenten, die das Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen erhöhen, kombiniert wird, da dies zu einer Verschlimmerung von Bewegungsstörungen führen kann. Auch die gleichzeitige Einnahme mit Lithium sollte sorgfältig überwacht werden, da Berichte über neurotoxische Wirkungen existieren.
Blutverdünner wie Warfarin können ebenfalls mit Fluphenazin interagieren, was das Blutungsrisiko erhöhen könnte. Außerdem können Medikamente, die den CYP2D6-Enzymstoffwechsel beeinflussen, wie einige Antidepressiva, die Plasmakonzentration von Fluphenazin verändern, was zu einer Überdosierung oder einer verminderten Wirksamkeit führen kann. Auch die gleichzeitige Anwendung mit Levodopa, einem Medikament zur Behandlung der Parkinson-Krankheit, kann die Wirksamkeit von Levodopa verringern.
Das gilt ebenso für Dopaminagonisten wie Bromocriptin, Amantadin und Cabergolin. Umgekehrt können andere Dopamingegenspieler wie Metoclopramid oder Alizaprid die Bewegungsstörungen verstärken.
Von der Kombination mit trizyklischen Antidepressiva rät die Fachinformation ab: Deren Blutspiegel steigt an, und es ist mit einer erhöhten Giftigkeit beider Wirkstoffe zu rechnen, insbesondere mit einer Verlängerung des QT-Intervalls. Zu vermeiden ist außerdem die gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln, die selbst das QT-Intervall verlängern, den Kaliumspiegel senken oder den Abbau von Fluphenazin über CYP2D6 hemmen; als Beispiele nennt die Fachinformation Antiarrhythmika der Klassen IA und III, Makrolid-Antibiotika, Mittel gegen Malaria, bestimmte entwässernde Mittel sowie die Antidepressiva Paroxetin und Fluoxetin.
Lithiumsalze können die Blutspiegel von Fluphenazin und umgekehrt Fluphenazin die Lithiumspiegel erhöhen. Damit wächst das Risiko von Bewegungsstörungen wie Gangunsicherheit, Zittern und Muskelsteifheit; sehr selten wurden bei der Kombination von Neuroleptika und Lithium schwere Schädigungen des Nervensystems berichtet.
Mit Anticholinergika wie Atropin oder Biperiden und mit anticholinerg wirkenden Antidepressiva addieren sich die anticholinergen Wirkungen. Das kann sich in Sehstörungen, einem Anstieg des Augeninnendrucks, Mundtrockenheit, beschleunigtem Herzschlag, Verstopfung, Beschwerden beim Wasserlassen, Sprechblockaden oder Gedächtnisstörungen äußern; zugleich kann die Wirkung von Fluphenazin abgeschwächt werden.
Ein Blutdruckabfall unter Fluphenazin darf nicht mit Adrenalin behandelt werden. Adrenalin kann den Blutdruck dann weiter senken statt ihn anzuheben. Kombinationen mit anderen Sympathomimetika können umgekehrt zu Blutdruckkrisen führen. Die gleichzeitige Behandlung mit weiteren Neuroleptika soll vermieden werden.
Alternative Behandlungsmethoden
Wenn Fluphenazin nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist, stehen mehrere alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Verfügung, um psychotische Symptome zu behandeln. Atypische Antipsychotika sind eine gängige Alternative, da sie oft weniger extrapyramidale Nebenwirkungen verursachen. Beispiele hierfür sind Risperidon, Olanzapin, Quetiapin und Aripiprazol. Diese Medikamente wirken auf verschiedene Neurotransmittersysteme und sind besonders bei Patienten geeignet, die empfindlich auf die Nebenwirkungen typischer Antipsychotika reagieren.
Clozapin ist ein weiteres atypisches Antipsychotikum, das bei therapieresistenten Schizophrenien eingesetzt wird, allerdings mit besonderer Vorsicht aufgrund des Risikos einer Agranulozytose, einer schweren Blutzellerkrankung, die regelmäßige Blutkontrollen erfordert.
Haloperidol ist ein typisches Antipsychotikum, das eine Alternative zu Fluphenazin darstellen kann, jedoch mit einem ähnlichen Nebenwirkungsprofil, weshalb es vorsichtig eingesetzt wird. Für Patienten, die leichte Symptome haben oder eine Ergänzungstherapie benötigen, können Stimmungsstabilisatoren wie Valproinsäure oder Lamotrigin sinnvoll sein.
In bestimmten Fällen können psychosoziale Interventionen wie kognitive Verhaltenstherapie und psychoedukative Programme die Pharmakotherapie ergänzen oder teilweise ersetzen, insbesondere wenn Medikamente nicht gut vertragen werden. Diese Ansätze helfen, die sozialen und kognitiven Funktionen zu verbessern und den Umgang mit Symptomen zu erleichtern.
Zudem können pflanzliche Präparate wie Baldrian oder Johanniskraut in milden Fällen zur Beruhigung eingesetzt werden, allerdings immer unter ärztlicher Aufsicht, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden. Eine antipsychotische Behandlung können sie nicht ersetzen.
Quellen
- Benkert, O., Hippius, H. (Hrsg.): Kompendium der psychiatrischen Pharmakotherapie.
ISBN: 9783662676844
- Laux, G., Dietmaier, O.: Praktische Psychopharmakotherapie.
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- Falkai, P., Laux, G., Deister, A., Möller, H.-J. (Hrsg.): Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
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- Falkai, P., Laux, G., Kapfhammer, H.-P., Möller, H.-J. (Hrsg.): Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie.
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- Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
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