Ammoniumbituminosulfonat
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 7. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Wirkstoffe Ammoniumbituminosulfonat
Bei Ammoniumbituminosulfonat handelt es sich um ein Antiphlogistikum, das in der Behandlung von Hauterkrankungen Verwendung findet. Das Mittel ist in Form einer schwarzen Salbe und als Lösung auf die zu behandelnde Hautstelle aufzutragen. Medikamente mit Ammoniumbituminosulfonat sind apothekenpflichtig und rezeptfrei.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist Ammoniumbituminosulfonat?
Ammoniumbituminosulfonat ist ein Naturprodukt. Es ist auch unter der Bezeichnung Ichthyol bekannt und wird aus schwefelreichen und fossile Fischrelikte enthaltenden Ölschiefern durch trockene Destillation gewonnen.
Im nächsten Verarbeitungsschritt - Sulfonierung und anschließende Neutralisation einzelner Ölfraktionen des rohen Schieferöls - entsteht Ammoniumbituminosulfonat, und zwar als Sulfonatsalz in einer wässrigen Lösung. Das Naturerzeugnis Ammoniumbituminosulfonat ist ein Gemisch aus vielen Komponenten. Anders als Teere enthält Ammoniumbituminosulfonat nur geringe Spuren polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe.
Ein wichtiger Unterschied zu den meisten anderen Arzneistoffen liegt darin, dass Ammoniumbituminosulfonat keine einheitliche chemische Verbindung ist. Es handelt sich um ein Vielstoffgemisch, dessen Bestandteile sich aus dem Ausgangsgestein und aus dem Herstellungsgang ergeben. Eine Strukturformel, wie sie für einen Einzelwirkstoff angegeben werden kann, gibt es deshalb nicht; das Arzneibuch beschreibt den Stoff über sein Herstellungsverfahren und über Kenngrößen wie den Gehalt an gebundenem Schwefel. Aussagen über „den Wirkstoff“ beziehen sich damit immer auf ein Gemisch, dessen Zusammensetzung in engen Grenzen schwanken kann.
Mit Ammoniumbituminosulfonat lassen sich Hauterkrankungen wie Ekzeme, Furunkel, Akne und Schuppenflechte therapieren. Außerdem hat es sich als hilfreich bei entzündlichen rheumatischen Beschwerden erwiesen. Meistens kommt der Wirkstoff als Zugsalbe in 10-, 20- sowie 50-prozentiger Konzentration zum Einsatz. Den positiven dermatologischen Effekt von Ammoniumbituminosulfonat entdeckte der deutsche Arzt Paul Gerson Unna.
Die Handelsnamen der hieraus hergestellten Monopräparate lauten Ichtholan®, Thiobitum®, Ichthyol® und Ichtho-Bad®. Nicht alle diese Präparate sind heute noch im Handel; am gebräuchlichsten ist Ichtholan®. Als Kombinationspräparat ist Ammoniumbituminosulfonat zum Beispiel unter dem Namen Aknederm® im Handel.
Charakteristisch für die Ammoniumbituminosulfonat-Salbe ist ein teerartiger Geruch. Bei Verwendung kann es zu schwarzen Verfärbungen der Wäsche kommen.
Der Name Ichthyol geht auf das griechische Wort für Fisch zurück und erinnert an die versteinerten Fischreste in dem Gestein, aus dem der Stoff gewonnen wird. Paul Gerson Unna, auf den die Einführung in die Hautheilkunde zurückgeht, gehörte zu den prägenden Hautärzten des späten 19. Jahrhunderts. Die von ihm begründete Anwendung hat sich in ihren Grundzügen seither kaum verändert – für ein Arzneimittel dieses Alters ein ungewöhnlicher Befund.
Warum der Abstand zu den Teeren bedeutsam ist, zeigt der Blick auf ihre heutige Rolle: Die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe sind der Grund, aus dem teerhaltige Zubereitungen in der Hautheilkunde stark zurückgedrängt worden sind. Ammoniumbituminosulfonat teilt mit ihnen Farbe und Geruch, nicht aber deren Gehalt an dieser Stoffgruppe – ein Beispiel dafür, wie wenig das äußere Erscheinungsbild über die Eigenschaften eines Naturstoffs aussagt.
Pharmakologische Wirkung
Ammoniumbituminosulfonat wirkt entzündungshemmend und zählt somit zu den Antiphlogistika. Außerdem wirkt es antibakteriell, antiseborrhoisch, antiekzematös, antipruriginös, antimyzetisch und durchblutungsanregend.
Ammoniumbituminosulfonat hemmt die Hyaluronidase, die Talgdrüsensekretion, die Leukozytenmigration und die Freisetzung von chemotaktischen Faktoren aus den Granulozyten. Außerdem vermindert es die Schuppenbildung, indem es die Zellproliferation reduziert. Hochkonzentriert angewendet kann es eine leichte Hautreizung hervorrufen.
Der Wirkstoff Ammoniumbituminosulfonat setzt sich aus verschiedenen organischen Substanzen zusammen. Hiervon sind insbesondere Aromate wie Phenol effektiv. Sie wirken antibakteriell, dämmen die Talgdrüsensekretion ein und hemmen tieferliegende Entzündungen von Muskeln und Gelenken. Ammoniumbituminosulfonat setzt sich aus kurzkettigen und langkettigen Molekülen zusammen. Dank seiner kurzkettigen Moleküle überwindet es die Hautbarriere, bekämpft das inflammatorische Geschehen und wirkt aufgrund der entzündungshemmenden Wirkung auch schmerzlindernd.
Die langkettigen Moleküle wiederum führen zu einem osmotischen Druckgefälle auf der Hautoberfläche. Der so entstehenden Zugwirkung gelingt es, Eiteransammlungen zur Hautoberfläche zu transportieren, wodurch Abszesse rascher abheilen. Ebenfalls vermindert die Zugwirkung Gelenkergüsse und Schwellungen bei Faser- und Gelenkentzündungen.
Die Aufzählung der Wirkungen lässt sich auf zwei Grundprinzipien zurückführen. Das erste ist chemischer Art: Bestandteile des Gemisches greifen in die Vorgänge der Entzündung ein, hemmen Enzyme und Botenstoffe und bremsen die Vermehrung von Hautzellen wie die Absonderung von Talg. Das zweite ist physikalischer Art: Die großen Moleküle bleiben auf der Hautoberfläche und ziehen Flüssigkeit nach außen. Nur das erste Prinzip erklärt die entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung, nur das zweite die Zugwirkung; ihren Nutzen verdankt die Salbe dem Zusammentreffen beider.
Kaum eine Rolle spielt dagegen der Weg durch den Körper, der bei innerlich angewendeten Arzneistoffen im Mittelpunkt steht. Ammoniumbituminosulfonat bleibt weitgehend dort, wo es aufgetragen wird; nennenswerte Mengen gelangen nicht in den Blutkreislauf. Aus dieser Beschränkung auf den Ort der Anwendung folgt ein großer Teil dessen, was den Wirkstoff kennzeichnet: die geringe Zahl von Wechselwirkungen, das Ausbleiben von Beschwerden fernab der behandelten Stelle und zugleich der Umstand, dass tiefer gelegene Entzündungen nur so weit erreicht werden, wie die kurzkettigen Bestandteile in die Haut eindringen.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Der entzündungshemmende Arzneistoff Ammoniumbituminosulfonat lässt sich zur Therapie verschiedener inflammatorischer Haut-, Muskel- und Gelenkleiden einsetzen:
- Akne
- Furunkel
- Ekzeme
- Schuppenflechte
- Gelenkentzündungen
- Muskelentzündungen
- Abszesse
- Nagelbettentzündungen
Daneben ist Ammoniumbituminosulfonat empfehlenswert zur Therapie entzündlicher und degenerativer Erkrankungen des Bewegungsapparats wie:
- Arthrose
- Arthritis
- Tendovaginitis
- Epicondylitis
- Periarthritis
- Bursitis
Ammoniumbituminosulfonat ist als Salbe und als Lösung erhältlich, wobei die Anwendung als Salbe bevorzugt stattfindet.
Der Wirkstoff Ammoniumbituminosulfonat kann per Zugkraft der Salbe Eiteransammlungen aus tiefer gelegenen Hautschichten an die Hautoberfläche holen. Seine entzündungshemmende Wirkung verringert zusätzlich Schmerzen. Die typischen Beschwerden von Akne beispielsweise lindert Ammoniumbituminosulfonat, indem es den Verstopfungen der Talgdrüsenausführungsgänge entgegenwirkt, die dort angesiedelten Bakterien bekämpft und die Weiterentwicklung zu Furunkeln verhindert. Ammoniumbituminosulfonat wirkt desinfizierend und hauterweichend.
Die beiden Listen unterscheiden sich darin, wie tief der Wirkstoff wirken muss. Bei den Hauterkrankungen liegt das Ziel unmittelbar unter der Auftragsstelle. Bei den Erkrankungen des Bewegungsapparats muss er die Haut erst durchdringen, um das darunter liegende Gewebe zu erreichen. Dass ein und dieselbe Zubereitung beidem dient, hat seinen Grund in der Zusammensetzung des Gemisches: Die kurzkettigen Bestandteile überwinden die Hautbarriere und wirken in der Tiefe, die langkettigen bleiben oben und entfalten dort die Zugwirkung, die auch Schwellungen und Ergüsse in den darunter liegenden Strukturen vermindert.
Eine Besonderheit gegenüber vielen anderen Arzneistoffen ist der rechtliche Status: Ammoniumbituminosulfonat ist nicht verschreibungspflichtig. Die Präparate sind apothekenpflichtig, werden also ohne ärztliche Verordnung, aber allein über die Apotheke und mit der dortigen Beratung abgegeben. Diese Einstufung beruht auf der äußerlichen Anwendung und der geringen Aufnahme in den Körper. Sie bedeutet nicht, dass die Anwendung ohne Grenzen wäre – die Gegenanzeigen und die Beschränkung auf unversehrte Haut gelten unabhängig davon, ob ein Arzt beteiligt ist.
Verabreichung & Dosierung
Bei der Verabreichung von Ammoniumbituminosulfonat, auch als Ichthyol bekannt, sind einige wichtige Aspekte zu beachten, um eine sichere und wirksame Anwendung zu gewährleisten. Dieses Präparat wird äußerlich angewendet und ist vor allem für die Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen, Abszessen, Furunkeln und Ekzemen vorgesehen.
Das Medikament sollte immer nach Anweisung des Arztes oder gemäß der Packungsbeilage dosiert werden. Typischerweise wird eine dünne Schicht auf die betroffene Hautstelle aufgetragen und bei Bedarf mit einem Verband abgedeckt, um die Wirkung zu verstärken. Je nach Schweregrad der Entzündung kann die Anwendung ein- bis mehrmals täglich erfolgen. Die genaue Dosierung hängt vom Zustand der Haut und der Reaktion des Patienten ab.
Wichtig ist, dass Ammoniumbituminosulfonat nur auf intakte Haut aufgetragen wird. Kontakt mit Schleimhäuten, offenen Wunden oder Augen sollte vermieden werden, da dies zu Reizungen führen kann. Bei der Anwendung auf empfindlicher Haut oder bei größeren Hautflächen sollte der Arzt konsultiert werden, um mögliche Nebenwirkungen oder Allergien auszuschließen.
Da das Präparat Hautverfärbungen verursachen kann, empfiehlt es sich, die behandelte Stelle zu bedecken und den Kontakt mit Kleidung zu vermeiden. Es sollte außerdem sichergestellt werden, dass das Mittel nicht über längere Zeit ohne ärztliche Rücksprache verwendet wird, um unerwünschte Hautreaktionen zu vermeiden.
Risiken & Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen von Ammoniumbituminosulfonat beschränken sich im Wesentlichen auf gelegentlich mögliche lokale Hautreaktionen wie Hautausschlag, Rötung, Juckreiz oder Brennen.
Da es schleimhautreizend ist, soll der Kontakt mit den Augen vermieden werden. Ebenso darf es nicht in offene Wunden gelangen. Ammoniumbituminosulfonat ist kontraindiziert bei einer Überempfindlichkeit gegenüber Zubereitungen aus Schieferölen sowie bei Schwangeren und Stillenden ab einer Wirkstoffkonzentration von 20 %.
Kindern sollte Ammoniumbituminosulfonat nur in den niedriger konzentrierten Zubereitungen unterhalb dieser Grenze aufgetragen werden, da ihre Haut besonders sensibel reagiert. Da Ammoniumbituminosulfonat die Aufnahme weiterer Substanzen in die Haut fördert und deren Wirkung verstärkt, sollte dieser Wirkstoff nicht parallel mit anderen Arzneimitteln für die Haut verwendet werden.
Bemerkenswert an der Liste der Nebenwirkungen ist, was in ihr fehlt. Bei innerlich angewendeten entzündungshemmenden Wirkstoffen stehen Magen, Nieren und Herz-Kreislauf-System im Vordergrund der Risiken; bei Ammoniumbituminosulfonat spielt das keine Rolle, weil der Stoff den Ort der Anwendung kaum verlässt. Dafür tritt eine andere Größe an ihre Stelle: der Zustand der Haut. Er ist es, der die Anwendung begrenzt – auf unversehrter Haut ist die Verträglichkeit gut, auf verletzter Haut und auf Schleimhaut nicht.
Kontraindikationen
Typische Kontraindikationen bei der Verwendung von Ammoniumbituminosulfonat betreffen vor allem bestimmte Hautzustände oder besondere Patientengruppen, bei denen die Anwendung nicht empfohlen wird. Eine wesentliche Kontraindikation ist eine bekannte Überempfindlichkeit oder Allergie gegen Ammoniumbituminosulfonat oder einen der sonstigen Bestandteile des Präparats. Bei allergischen Reaktionen wie Hautausschlag, Juckreiz oder Rötungen sollte die Behandlung sofort abgebrochen und ein Arzt aufgesucht werden.
Auch bei offenen Wunden oder großflächigen Hautverletzungen darf das Mittel nicht angewendet werden, da es nicht für den direkten Kontakt mit verletztem Gewebe geeignet ist und zu Reizungen oder Infektionen führen kann. Gleiches gilt für den Kontakt mit Schleimhäuten oder Augen, da dies zu starken Reizungen führen kann.
Für Schwangere und stillende Frauen sind die höher konzentrierten Zubereitungen kontraindiziert; die niedriger konzentrierten sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden, da keine ausreichenden Daten über die Sicherheit der Anwendung in diesen Phasen vorliegen.
Zudem sollte das Präparat nicht bei Kindern unter 12 Jahren ohne ärztliche Rücksprache verwendet werden, da deren Haut empfindlicher ist und das Risiko für Nebenwirkungen erhöht sein könnte. Auch Patienten mit bestimmten Hauterkrankungen wie Rosazea oder perioraler Dermatitis sollten das Mittel nur nach Absprache mit einem Arzt nutzen, da es in diesen Fällen ungeeignet sein kann.
Der Systematik nach folgen diese Gegenanzeigen aus zwei verschiedenen Überlegungen. Die erste betrifft die Beschaffenheit der behandelten Fläche: Wo die Hautbarriere fehlt oder von vornherein gestört ist, gelangt mehr des Gemisches in tiefere Schichten als vorgesehen, und die reizende Wirkung überwiegt. Die zweite betrifft Personengruppen, für die keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen; hier begrenzt nicht ein bekanntes Risiko die Anwendung, sondern das Fehlen von Daten. Beide Begründungen führen zu derselben Zurückhaltung, sind aber nicht dasselbe – und nur die zweite kann sich mit einer besseren Datenlage ändern.
Interaktionen mit anderen Medikamenten
Ammoniumbituminosulfonat weist im Allgemeinen nur wenige dokumentierte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auf, da es vorwiegend äußerlich angewendet wird und die systemische Aufnahme minimal ist. Dennoch sollte Vorsicht geboten sein, wenn es in Kombination mit anderen topischen Präparaten verwendet wird.
Insbesondere sollte vermieden werden, Ammoniumbituminosulfonat gleichzeitig mit anderen hautreizenden oder stark wirksamen lokalen Medikamenten auf die gleiche Hautpartie aufzutragen. Dies könnte das Risiko für Hautreizungen, Überempfindlichkeitsreaktionen oder Dermatitis erhöhen. Zum Beispiel können topische Steroide oder Retinoide, die bei bestimmten Hauterkrankungen angewendet werden, in Kombination mit Ammoniumbituminosulfonat die Haut empfindlicher machen und Irritationen verstärken.
Zudem ist Vorsicht geboten, wenn Ammoniumbituminosulfonat gleichzeitig mit anderen entzündungshemmenden oder antibakteriellen Mitteln angewendet wird, da dies die Wirkung dieser Präparate beeinflussen könnte. Die gleichzeitige Verwendung sollte daher nur nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen.
Auch wenn systemische Wechselwirkungen bei der äußerlichen Anwendung unwahrscheinlich sind, sollten Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen, besonders bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen oder bei immunsuppressiver Therapie, ihren Arzt über alle verwendeten Medikamente informieren. In solchen Fällen kann eine ärztliche Überwachung notwendig sein, um mögliche unerwartete Wechselwirkungen auszuschließen.
Alternative Behandlungsmethoden
Wenn Ammoniumbituminosulfonat nicht vertragen wird, gibt es mehrere alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe, die zur Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen und Infektionen eingesetzt werden können. Eine häufig verwendete Alternative sind Zinkoxid-haltige Cremes oder Pasten. Zinkoxid wirkt entzündungshemmend, wundheilungsfördernd und antibakteriell, was es besonders bei Hautreizungen, Ekzemen und kleinen Wunden nützlich macht.
Für Patienten mit bakteriellen Hautinfektionen können antiseptische Salben wie solche mit Povidon-Jod oder Chlorhexidin verwendet werden. Diese Wirkstoffe desinfizieren die Haut und beugen einer Ausbreitung von Infektionen vor, ohne stark reizend zu wirken.
In Fällen von entzündlichen Hauterkrankungen wie Ekzemen oder Dermatitis können kortisonhaltige Cremes oder Salben verschrieben werden. Hydrocortison oder stärker wirksame Kortikosteroide werden eingesetzt, um Entzündungen und Juckreiz zu lindern, besonders bei akuten Schüben.
Für Patienten mit empfindlicher Haut oder Allergien gegen bestimmte Wirkstoffe könnten auch natürliche Heilmittel wie Kamillen- oder Calendula-Salben eine Option sein. Diese pflanzlichen Präparate wirken entzündungshemmend und fördern die Heilung, ohne die Haut stark zu reizen.
Darüber hinaus können feuchtigkeitsspendende und pflegende Cremes mit Inhaltsstoffen wie Panthenol oder Urea die Hautregeneration unterstützen und Reizungen lindern, ohne aggressiv zu wirken.
Bei der Auswahl unter diesen Möglichkeiten lohnt der Blick darauf, welchen Zweck sie jeweils ersetzen sollen. Antiseptische und kortisonhaltige Zubereitungen wirken gegen Keime und gegen die Entzündung, ersetzen aber die Zugwirkung nicht, mit der Ammoniumbituminosulfonat Eiteransammlungen an die Oberfläche befördert. Umgekehrt reicht die Zugwirkung dort nicht aus, wo eine ausgedehnte bakterielle Infektion vorliegt. Die genannten Mittel sind deshalb nur zum Teil austauschbar; welches von ihnen infrage kommt, hängt weniger vom Ort der Beschwerden ab als von der Frage, ob eine Entzündung gedämpft, ein Keim bekämpft oder ein Eiterherd zur Entleerung gebracht werden soll.
Quellen
- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
ISBN: 9783437426223
- Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
ISBN: 9783132446069
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Dirschka, T., Oster-Schmidt, C., Schmitz, L. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie.
ISBN: 9783437223037
- Zink, A. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Dermatologie und Allergologie.
ISBN: 9783437238376
