Appetitzügler

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Wer sich erfolglos durch verschiedenste Diäten gekämpft hat, sieht oft in der Einnahme von Appetitzüglern seine letzte Chance zur schlanken Figur. Doch die „Abnehmpillen“ sind umstritten. Was für Präparate gibt es, und welche Alternativen bestehen?

Inhaltsverzeichnis

Was sind Appetitzügler?

Appetitzügler
Appetitzügler bauen selbst kein Fett ab, sorgen aber für eine geringere Nahrungsaufnahme. Vom Grundgedanken her sind sie für sehr stark Übergewichtige konzipiert.

Hunger und Sättigungsgefühl unterliegen komplizierten und umfangreichen Mechanismen, die im menschlichen Gehirn ablaufen und noch nicht bis ins letzte Detail erforscht sind. Es ist jedoch erwiesenermaßen möglich, dem Gehirn das Signal „satt“ bzw. „kein Appetit“ über Pharmaka, also Medikamente, zu vermitteln.

Appetitzügler sind demnach also Mittel, die über bestimmte Botenstoffe das Hungerzentrum im Gehirn manipulieren. Dabei vermitteln sie gleichzeitig meist eine Art Glücksgefühl oder Stimmungshoch. Es kann dadurch zu vermehrter Aktivität kommen, die über einen angeheizten Stoffwechsel einige Kalorien verbrennt und so die Gewichtsreduktion etwas unterstützt.

Der Effekt ist allerdings gering. Appetitzügler bauen selbst kein Fett ab, sorgen aber für eine geringere Nahrungsaufnahme. Vom Grundgedanken her sind sie für sehr stark Übergewichtige konzipiert.

Geschichte & Entwicklung

Die Geschichte der Appetitzügler reicht bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück, als die Suche nach effektiven Methoden zur Gewichtsreduktion begann. Die ersten Appetitzügler, die in den 1930er Jahren populär wurden, enthielten Amphetamine. Diese Substanzen waren für ihre stimulierenden Eigenschaften bekannt und wurden zunächst zur Behandlung von Müdigkeit und Depressionen verwendet. Sie zeigten jedoch auch eine appetithemmende Wirkung, was zur Anwendung bei Übergewicht führte. Benzedrin, ein Amphetamin, war einer der ersten kommerziell verfügbaren Appetitzügler.

In den 1950er und 1960er Jahren erlebte die Nutzung von Amphetaminen als Appetitzügler einen Boom. Sie wurden als Wundermittel zur Gewichtsreduktion angepriesen. Jedoch führte der weit verbreitete Missbrauch dieser Substanzen zu erheblichen gesundheitlichen Problemen, einschließlich Abhängigkeit, Herzproblemen und psychischen Störungen. Diese Nebenwirkungen führten zu einer strengeren Regulierung und Einschränkungen ihrer Verwendung.

In den folgenden Jahrzehnten suchten Wissenschaftler nach sichereren Alternativen. Die Entdeckung von Phentermin in den 1950er Jahren bot eine neue Option, da es eine geringere Suchtgefahr hatte. In den 1990er Jahren wurden Medikamente wie Fenfluramin und Dexfenfluramin breit eingesetzt, die jedoch aufgrund von Risiken für Herzklappenerkrankungen Ende der 1990er Jahre wieder zurückgezogen wurden.

Heutzutage werden zur Gewichtsreduktion Wirkstoffe wie Orlistat, das die Fettaufnahme blockiert, und Liraglutid, ein GLP-1-Agonist, eingesetzt. Diese modernen Medikamente werden in der Regel unter ärztlicher Aufsicht verschrieben und sind Teil eines umfassenden Behandlungsplans, der auch Diät und Bewegung umfasst.

Medizinische Anwendung, Wirkung & Gebrauch

Adipositas, also extremes Übergewicht, gilt als Erkrankung. Die Fettleibigkeit kann eine Reihe von Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Knochen- und Gelenkschäden verursachen.

Ist eine Gewichtsreduktion also medizinisch notwendig, so stehen in Deutschland verschreibungspflichtige Medikamente zur Verfügung, die unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden können. Lange Zeit setzte man dabei auf die Hemmung der Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin, die Sättigungsgefühle auslösen sollte; der wichtigste Vertreter dieser Gruppe, Sibutramin, wurde 2010 europaweit vom Markt genommen, weil er das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhte. Ein anderer Ansatz hemmt die fettverdauenden Enzyme im Dünndarm, wodurch das Nahrungsfett unverdaut ausgeschieden wird.

Damit werden dann bei gleichbleibender Nahrungsmenge Kalorien gespart. Wie Appetitzügler wirken auch Amphetamine, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, und ephedrinhaltige Mittel. Appetitzügler werden vom Arzt oft als Einstieg in eine Ernährungsumstellung verordnet. Sie sind aber nicht für einen dauerhaften Gebrauch geeignet.

Sättigung ist übrigens auch durch Quellmittel und Ballaststoffe zu erzielen – hier handelt es sich aber um ein „echtes“ Sättigungsgefühl, da der Magen mit durch Flüssigkeitsaufnahme aufgequollenen Präparaten gefüllt ist. Es handelt sich dabei nicht um Appetitzügler, sondern um so genannte „Schlankheitsmittel“, zu denen auch Fatburner, Abführmittel, Diuretika (entwässernde Mittel) und Schlankheitstees zählen.

Pflanzliche, natürliche & pharmazeutische Appetitzügler

Geht man über den strengen, „medizinischen“ Begriff des Appetitzüglers hinaus, so lassen sich außer dem pharmazeutischen Medikament noch andere Formen von Appetitzüglern ausmachen.

Es gibt nämlich pflanzliche, natürliche und homöopathische Mittel, denen eine appetitzügelnde Wirkung zugeschrieben wird. Rezeptfrei erhältliche Mittel enthalten nicht die Wirkstoffe der verschreibungspflichtigen Appetitzügler – diese sind ausnahmslos verschreibungspflichtig oder betäubungsmittelrechtlich erfasst –, sondern es handelt sich um pflanzlich bzw. natürlich hergestellte Produkte wie 5-HTP (eine Form der Aminosäure Tryptophan, gewonnen aus der Heilpflanze Griffonia).

Die Homöopathie setzt die Madar-Pflanze ein, und zwar die getrocknete Wurzelrinde, die im Hunger-Sättigungszentrum den Appetit senken soll. Sie wird in Form von Globuli (Zuckerkügelchen als Wirkstoffträger) verabreicht. Ein über den Placeboeffekt hinausgehender Wirknachweis fehlt für solche Zubereitungen. Vor allem gegen mäßiges Übergewicht empfehlen sich allerdings wirklich natürliche Appetitzügler: Lebensmittel, die schnell und anhaltend sättigen, den Magen gut füllen oder den Stoffwechsel anheizen.

Ein Glas Wasser vor der Mahlzeit ist kalorienfrei und füllt den Magen ähnlich wie ein Quellmittel. Eier, Linsen, Tomaten, Topinambur oder Äpfel wirken appetithemmend durch ihre natürlichen Inhaltsstoffe. Scharfe Gewürze wie Chili können die Fettverbrennung geringfügig steigern.


Risiken & Nebenwirkungen

Vor allem pharmazeutische (chemische) Appetitzügler, aber auch Amphetamine und Ephedrine können starke bis sehr starke Nebenwirkungen haben. Von der Schleimhauttrockenheit über Herzrasen, Schwindel, Schlafstörungen, Blutdruckanstieg, Impotenz, Übelkeit und Unruhe bis hin zu Fettstühlen, Blähungen und Stuhlinkontinenz ist die Palette der unerwünschten und teilweise gefährlichen Begleiterscheinungen einer Einnahme von Appetitzüglern enorm breit. Welche davon auftreten, hängt vom Wirkstoff ab: Fettstühle und Stuhlinkontinenz gehen auf die im Darm wirkenden Mittel zurück, Herzrasen und Unruhe auf die zentral wirkenden.

Manche Mittel tragen außerdem ein Suchtpotential, da sie ähnlich wie Amphetamine wirken. Daher sind verschiedene Präparate auf dem deutschen Markt verboten, andere sind verschreibungspflichtig und müssen unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Weitere Wirkstoffe wurden aus anderen Gründen zurückgezogen: Die Zulassung von Rimonabant wurde im November 2008 EU-weit ausgesetzt, nachdem sich schwere psychische Nebenwirkungen gezeigt hatten, und am 16. Januar 2009 auf Antrag des Herstellers zurückgenommen; die Zulassungen für Sibutramin ruhen wegen des erhöhten Herz-Kreislauf-Risikos seit August 2010, in Deutschland ist seither kein sibutraminhaltiges Arzneimittel mehr zugelassen.

Auch pflanzliche Präparate sind nicht automatisch „harmlos“, sondern können Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln haben. Hinzu kommt, dass eine Ernährungsumstellung und die notwendige Bewegung, die zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion führen, nicht gefördert werden.

Anwendung & Sicherheit

Die genaue Anwendung von Appetitzüglern variiert je nach Wirkstoff und individuellem Behandlungsplan, sollte jedoch immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Diese Medikamente werden je nach Wirkstoff geschluckt oder unter die Haut gespritzt. Ein Überschreiten der verordneten Dosis erhöht das Risiko von Nebenwirkungen. Begleitend zur Einnahme werden oft eine kalorienreduzierte Diät und regelmäßige körperliche Aktivität empfohlen, um die Wirksamkeit der Behandlung zu maximieren.

Die Sicherheit von Appetitzüglern ist ein kritischer Aspekt und hängt stark vom verwendeten Medikament und der Einhaltung der vorgeschriebenen Anwendung ab. Obwohl moderne Appetitzügler strengen Sicherheitsprüfungen unterzogen werden, können sie dennoch Nebenwirkungen verursachen.

Häufige Nebenwirkungen können Übelkeit, trockener Mund, Kopfschmerzen und erhöhte Herzfrequenz sein. Seltenere, aber ernstere Nebenwirkungen umfassen Herz-Kreislauf-Probleme und psychische Veränderungen. Daher ist eine regelmäßige Überwachung durch einen Arzt erforderlich, insbesondere bei Langzeitanwendung.

Die Qualitätskontrolle bei der Herstellung von Appetitzüglern erfolgt durch umfangreiche Prüfungen auf Reinheit, Wirksamkeit und Sicherheit. Hersteller müssen strenge regulatorische Anforderungen erfüllen, die von Gesundheitsbehörden wie der EMA festgelegt werden.

Diese Prüfungen umfassen präklinische Studien, klinische Studien und Post-Marketing-Überwachung, um sicherzustellen, dass die Medikamente den Sicherheitsstandards entsprechen. Zudem werden Produktionsprozesse überwacht, um Konsistenz und Qualität der hergestellten Medikamente sicherzustellen.

Alternativen

Neben Appetitzüglern gibt es mehrere alternative Medikamente und Therapieformen zur Unterstützung der Gewichtsabnahme. Eine wichtige Gruppe sind die Lipase-Hemmer, wie Orlistat. Orlistat blockiert die Fettaufnahme im Darm, wodurch etwa 30 % des aufgenommenen Fetts unverdaut ausgeschieden werden. Im Gegensatz zu Appetitzüglern wirkt Orlistat lokal im Magen-Darm-Trakt und hat keinen Einfluss auf das zentrale Nervensystem, was das Risiko für systemische Nebenwirkungen verringert.

Eine andere Alternative sind GLP-1-Agonisten wie Liraglutid, ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt, die auch zur Gewichtsabnahme beitragen können. Diese Medikamente verzögern die Magenentleerung und fördern das Sättigungsgefühl, was die Nahrungsaufnahme reduziert. Sie haben zusätzlich den Vorteil, den Blutzuckerspiegel zu regulieren, was besonders bei adipösen Patienten mit Diabetes von Nutzen ist.

Zusätzlich zu pharmakologischen Optionen gibt es nicht-medikamentöse Therapieformen wie verhaltenstherapeutische Ansätze, Ernährungsberatung und körperliche Aktivität. Verhaltenstherapie hilft Patienten, Essgewohnheiten zu ändern und emotionales Essen zu kontrollieren. Ernährungsberatung bietet maßgeschneiderte Diätpläne, während regelmäßige Bewegung den Kalorienverbrauch erhöht und die allgemeine Gesundheit verbessert.

Im Vergleich zu Appetitzüglern, die direkt auf das Hungergefühl wirken, bieten diese alternativen Ansätze eine umfassendere Behandlung von Fettleibigkeit. Sie adressieren mehrere Aspekte des Gewichtsmanagements und haben oft ein geringeres Risiko für systemische Nebenwirkungen. Allerdings erfordern sie häufig eine stärkere Eigenmotivation und langfristige Änderungen des Lebensstils.

Forschung & Zukunft

Aktuelle Trends in der Forschung zu Appetitzüglern konzentrieren sich auf die Entwicklung sicherer und effektiver Medikamente mit geringeren Nebenwirkungen. Ein bedeutender Trend ist die Erforschung von GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid, die nicht nur den Appetit regulieren, sondern auch die Blutzuckerkontrolle verbessern. Diese Medikamente verzögern die Magenentleerung und fördern das Sättigungsgefühl, was zu einer reduzierten Nahrungsaufnahme führt. Studien zeigen, dass Semaglutid eine signifikante Gewichtsabnahme fördern kann, wodurch es zu einer vielversprechenden Option für die Behandlung von Fettleibigkeit wird. In der Europäischen Union ist Semaglutid seit Januar 2022 zur Gewichtsregulierung zugelassen.

Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist die Erforschung von Kombinationstherapien, die verschiedene Wirkmechanismen kombinieren, um die Gewichtsabnahme zu maximieren. Die Kombination von Bupropion und Naltrexon, die auf das Belohnungssystem im Gehirn und das Hungergefühl wirkt, um das Verlangen nach Nahrung zu reduzieren, ist in der Europäischen Union bereits seit März 2015 als Arzneimittel zur Gewichtsregulierung zugelassen.

Die Forschung beschäftigt sich auch intensiv mit der Rolle von Mikroben im Darm (Mikrobiota) und ihrer Beziehung zum Appetit und Stoffwechsel. Es wird untersucht, wie die Manipulation der Darmmikrobiota durch Präbiotika, Probiotika oder Diäten das Gewicht beeinflussen kann.

Ein innovativer Behandlungsansatz ist die Entwicklung von Medikamenten, die auf den Mechanismus der braunen Fettaktivierung abzielen. Braunes Fett verbrennt Kalorien zur Wärmeerzeugung, und die Aktivierung dieses Gewebes könnte zu einer erhöhten Energieausgabe führen.

Zusätzlich werden personalisierte Medizinansätze erforscht, bei denen genetische Profile genutzt werden, um maßgeschneiderte Therapien für Patienten zu entwickeln. Dies könnte die Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung verbessern, indem sie spezifisch auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmt wird.

Arzneimittel, Lebensmittel oder etwas dazwischen

Ob ein Mittel, das den Appetit dämpfen soll, vor dem Verkauf geprüft worden ist, hängt daran, unter welchem Recht es steht – und dieser Unterschied ist der Packung kaum anzusehen. Ein Arzneimittel braucht eine Zulassung: Eine Behörde prüft Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität, bevor es auf den Markt darf. Ein Nahrungsergänzungsmittel ist dagegen rechtlich ein Lebensmittel. Wer es herstellt oder einführt, muss es dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit lediglich anzeigen und dabei ein Muster des Etiketts vorlegen, und zwar spätestens beim ersten Inverkehrbringen (§ 5 der Nahrungsergänzungsmittelverordnung). Eine Prüfung der behaupteten Wirkung findet dabei nicht statt; die Anzeige ist eine Meldung, keine Genehmigung.

Was auf der Packung stehen darf

Weil die Vorabprüfung fehlt, setzt das europäische Recht bei der Aussage an. Gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel sind nur zulässig, wenn sie eigens zugelassen sind, und für Schlankheitsmittel zieht die Verordnung eine zusätzliche Schranke: „Angaben über Dauer und Ausmaß der Gewichtsabnahme“ sind ausnahmslos unzulässig (Artikel 12 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006). Ein Versprechen über verlorene Kilogramm in einer bestimmten Zeit ist damit nicht bloß unseriös, sondern rechtswidrig – gleich, ob es zutrifft oder nicht.

Zugelassen ist umgekehrt wenig. Zu den erlaubten Aussagen im Umfeld der Gewichtsabnahme gehört die für Glucomannan, ein Quellmittel aus der Konjakwurzel: Es „trägt im Rahmen einer kalorienarmen Ernährung zu Gewichtsverlust bei“. Auch diese Angabe ist an Bedingungen geknüpft, unter anderem an eine Warnung, dass bei Schluckbeschwerden oder unzureichender Flüssigkeitszufuhr Erstickungsgefahr besteht. Ein Quellstoff, der aufquillt, bevor er den Magen erreicht, ist kein harmloses Lebensmittel.

Wer die Kosten trägt

Auch ein verschreibungspflichtiger Appetitzügler wird für gesetzlich Versicherte in aller Regel nicht auf Kassenrezept verordnet. Das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch schließt Arzneimittel von der Versorgung aus, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht, und nennt dabei ausdrücklich Mittel, die überwiegend „zur Abmagerung oder zur Zügelung des Appetits, zur Regulierung des Körpergewichts“ dienen (§ 34 Absatz 1). Der Ausschluss knüpft am Anwendungsgebiet an, nicht an der Schwere des Übergewichts. Er ist einer der Gründe, warum Mittel zur Gewichtsreduktion so häufig privat und über das Internet beschafft werden.

Ein Wirkstoff verschwindet vom Markt

Die Reihe der zurückgezogenen Wirkstoffe ist noch länger geworden. Amfepramon, ein zentral wirkender Appetitzügler, war in der Europäischen Union zur Gewichtsreduktion zugelassen und ist in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes aufgeführt. Der Pharmakovigilanzausschuss der Europäischen Arzneimittel-Agentur bestätigte am 27. Oktober 2022 seine Empfehlung, die Zulassungen zu widerrufen; die zuständige Koordinierungsgruppe schloss sich am 10. November 2022 mehrheitlich an, und die Europäische Kommission entschied am 13. Januar 2023 verbindlich für alle EU-Staaten.

Ausschlaggebend war dabei nicht eine neu entdeckte Nebenwirkung, sondern ein Befund über die Anwendung: Die zuvor angeordneten Beschränkungen hatten sich als nicht ausreichend wirksam erwiesen. Das Mittel wurde länger angewendet als vorgesehen, außerdem bei Menschen mit Herz- oder psychischen Erkrankungen und in der Schwangerschaft. Eine Zulassung kann also auch daran scheitern, wie ein Mittel tatsächlich benutzt wird – nicht nur daran, wie es wirkt.

Quellen

  • Biesalski, H. K., Bischoff, S. C., Pirlich, M., Weimann, A. (Hrsg.): Ernährungsmedizin.
    ISBN: 9783132445956
  • Kasper, H., Burghardt, W.: Ernährungsmedizin und Diätetik.
    ISBN: 9783437230066
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Weber, M. M., Parhofer, K. G. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel.
    ISBN: 9783437238574
  • Ordemann, J., Elbelt, U. (Hrsg.): Adipositas- und metabolische Chirurgie.
    ISBN: 9783662486979

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