Beclometason

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Beclometason ist einer der vielen gegen Asthma bronchiale eingesetzten Wirkstoffe. Er gehört zu der jüngeren Generation von Glukokortikoiden, die dank ihrer lokal begrenzten Wirkung weniger Nebenwirkungen haben als andere Asthma-Mittel. Daher kann es auch bei Kindern eingesetzt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Beclometason?

Beclometason ist einer der vielen gegen Asthma bronchiale eingesetzten Wirkstoffe.

Beclometason ist ein Wirkstoff, der zur Gruppe der inhalativen Glukokortikoide gehört. Die synthetisch hergestellte Substanz hat die Summenformeln C24H32O4 und C22H29ClO5 und wird ausschließlich in Verschreibungs- und apothekenpflichtigen Medikamenten eingesetzt.

Beclometason wirkt anti-allergisch, entzündungshemmend und immun-suppressiv. In Arzneimitteln liegt es in Form von Beclometason-Dipropionat vor. Das ist ein weißes, fast unlösliches kristallines Pulver. Es ist bei Raumtemperatur in festem Zustand. Sein Schmelzpunkt liegt bei 212 °C.

Beclometason-Dipropionat gehört zu den wirksamsten Substanzen, die zur Behandlung von Asthma verwendet werden und wird auch bei allergischem Schnupfen eingesetzt. Seine anti-entzündliche Wirkung beruht darauf, dass sich der Wirkstoff an intrazelluläre Glukokortikoid-Rezeptoren anheftet. Bei sehr hoher Dosierung kann er jedoch negative Wirkungen auf Körper und Psyche haben.

Pharmakologische Wirkung

Beclometason hat vasokonstriktive, anti-inflammatorische, anti-allergische und immun-suppressive Eigenschaften. Es lässt die entzündeten Schleimhäute schneller abschwellen, sodass die Atemwege wieder frei werden. Der Wirkstoff verringert die Bildung von Bronchialschleim und verflüssigt ihn zugleich, sodass er besser abgehustet werden kann. Außerdem hat er einen entkrampfenden Effekt auf die Bronchialmuskulatur.

Bei Patienten mit allergischem Schnupfen vermindert Beclometason die Sekret-Bildung in der Nase und sorgt so für eine ungehinderte Nasenatmung. Da die Wirk-Substanz größtenteils auf den Schleimhäuten verbleibt, verringert sich das Risiko von Nebenwirkungen.

Bei Erkrankungen der Atemwege hat Beclometason eine stärkere Wirksamkeit als andere Glukokortikoide. Es hemmt die Produktion von Prostaglandinen im Körper und schränkt die Bildung von Immunzellen ein. So können entzündliche Prozesse schnell bekämpft und Reaktionen des Immunsystems unterdrückt werden. Bei inhalativer Anwendung wird Beclometason nur langsam von den Lungenbläschen aufgenommen und hat daher eine langanhaltende Wirkung.

Beclometason dient bei allergischer Rhinitis, Asthma bronchiale, Sinusitis, chronischer Bronchitis und chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen wie COPD als Langzeitbehandlung. Als Akut-Mittel kann es bei Rauchvergiftungen und Giftunfällen eingesetzt werden, da es die Atemnot schnell lindert und Lungenschäden vorbeugt.

Da der Wirkstoff einen stark begrenzten lokalen Effekt hat, gelangt nur wenig davon in das Blut. Im Blut bindet er sich zu etwa 87 Prozent an Blutplasma-Eiweiße. In der Leber wird das Beclometason-17,21-dipropionat umgehend zu Beclometason-21-monopropionat und Beclometason (freier Alkohol) verstoffwechselt. Sein Abbau im Körper erfolgt durch bestimmte Enzyme (Esterasen). Die Stoffwechsel-Abbauprodukte werden vom Körper über Harn und Stuhlgang ausgeschieden.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Als Mittel zur Inhalation (bei Atemwegserkrankungen) wird es 2-mal täglich angewandt. Nach der Einnahme sollte der Patient unbedingt eine Kleinigkeit essen oder seinen Mundrachenraum gründlich ausspülen. Sonst könnte es zur Bildung von Soor (einer Pilzerkrankung) kommen.

Das Medikament mit Beclometason wirkt zeitlich verzögert und erreicht erst nach etwa 48 Stunden seine volle Wirksamkeit. Es wird als Langzeit-Therapeutikum angewendet und eignet sich nicht für akute Asthma-Anfälle. Da seine systemischen Auswirkungen sehr gering sind, kann man es auch Kindern ab 4 Jahren verordnen, die an Asthma bronchiale leiden. Sie nehmen das Beclometason unter Aufsicht eines Erwachsenen ein. Bei Kindern sollte parallel zur Behandlung eine regelmäßige Kontrolle des kindlichen Wachstums erfolgen. Kommt es zu Wachstumsstörungen, muss die Dosis umgehend verringert oder eine andere Behandlungsmethode angewandt werden. Die Dosierung erfolgt entsprechend den Informationen auf der Packungsbeilage.

Der an Atemwegserkrankungen Leidende nimmt morgens und abends 1 bis 2 Hübe. Um den Behandlungserfolg nicht zu gefährden, empfiehlt sich eine regelmäßige Anwendung. Die tägliche Dosis beträgt bei Erwachsenen 0,4 bis 0,6 mg, bei Kindern ist sie entsprechend niedriger.

Bei Beclometason Nasensprays liegt der Dosis Richtwert bei 200 Mikrogramm täglich, wobei die Dosierung individuell auf den Patienten abgestimmt wird. Beclometason ist als Mono- und als Kombinationspräparat erhältlich und wird beispielsweise unter den Handelsnamen Qvar®, Beclo Orion®, Beconase®, Bronchocort®, Aerocortin®, RatioAllerg®, Rhinivict®, Ventolair®, Inuvair® und Formodual® verkauft.


Risiken & Nebenwirkungen

Zu den am häufigsten bei der Einnahme von Beclometason Präparaten beobachteten Nebenwirkungen gehören Mundsoor, Husten, Reizungen der Hals-Schleimhaut, Heiserkeit, Infektionen, Verdauungsstörungen, paradoxer Bronchospasmus, Grüner Star (Glaukom), Grauer Star (Katarakt), Kopfschmerzen, Mundtrockenheit und Entzündungen im Mund-Rachenraum.

Bei Kindern kann es zum Auftreten von Wachstumsverzögerungen kommen. Daher sollte es bei ihnen nur in der niedrigsten therapeutisch wirksamen Dosierung eingesetzt werden. Beim Auftreten eines paradoxen Bronchospasmus sollte die Beclometason Anwendung sofort beendet werden.

Seltener kommt es zu Störungen des Geruchs- und des Geschmackssinns, Nasenbluten, Hautausschlägen, Juckreiz, Urtikaria, reduzierter Stress-Resistenz, Verringerung der Knochen-Dichte sowie Schwellungen und Rötungen an Gesicht, Augen, Rachen und Lippen.

In höherer Dosis eingesetzt, kann es Auswirkungen auf den gesamten Körper haben und sogar zu einer gestörten Nierenfunktion, Verhaltensstörungen und Fettumverteilung im Körper führen. Bei der gleichzeitigen Gabe anderer Kortikoide und von Sympathomimetika kann das Mittel deren Wirkung noch verstärken.

Nicht angewendet werden sollte Beclometason bei Atemwegsinfektionen, Augeninfektionen, bei Lungentuberkulose, Überempfindlichkeit gegenüber der Wirk-Substanz, Schwangerschaft und Stillzeit. Da es beim Ungeborenen die Nebennierenfunktion schädigen kann, sollte der Arzt das Medikament nur nach gründlicher Risiko-Nutzen-Abwägung verordnen. Wie andere Glukokortikoide kann es in die Muttermilch gelangen. Daher sollten Stillende, die das Mittel als Langzeittherapie oder in höherer Dosis einnehmen müssen, umgehend abstillen.

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