Echopraxie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die sogenannte Echopraxie ist dadurch gekennzeichnet, dass Betroffene in zwanghafter Weise die Bewegungen anderer imitieren und wiederholen. Sie ist ein Symptom und keine eigenständige Krankheit. Das Erscheinungsbild gehört zu den Echomatismen, die bei Erwachsenen symptomatisch im Rahmen neurologischer und psychischer Krankheiten wie beispielsweise des Tourette-Syndroms oder der Schizophrenie auftreten. In einigen Fällen kann die Echopraxie auch bei Demenzkranken vorkommen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Echopraxie?

Echopraxie
Die Bewegungen anderer Personen werden von den Betroffenen der Echopraxie direkt nachgeahmt. In diesem Fall wird von sofortiger Echopraxie gesprochen.
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Unter dem Begriff Echopraxie wird die pathologische Nachahmung beobachteter Bewegungen anderer Personen verstanden. Das komplexe Störungsbild bezieht sich auf die Motorik und tritt immer unwillkürlich auf. In einigen Fällen tritt sie in Verbindung mit der Katatonie (krankhafte Störung des Bewegungsablaufs) gemeinsam mit der sogenannten Echolalie in Erscheinung.

Hier unterliegen die Betroffenen dem Zwang, gehörte Worte anderer nachzusprechen. Die Echopraxie tritt im Allgemeinen bei Schizophrenie, Asperger-Syndrom, Autismus, Intelligenzminderung und dem Tourette-Syndrom auf. In einigen Fällen können auch Alzheimer-Patienten betroffen sein. Werden ausschließlich Gesten und Gebärden nachgeahmt, wird von der sogenannten Echomimie gesprochen.

Bei Kleinkindern ist das Nachahmen von Bewegungen dagegen ein normaler Entwicklungsschritt und keine Störung.

Ursachen

Die Bewegungen anderer Personen werden von den Betroffenen der Echopraxie direkt nachgeahmt. In diesem Fall wird von sofortiger Echopraxie gesprochen. Sie kann allerdings auch verzögert auftreten und sich permanent wiederholen. Beim sogenannten Tourette-Syndrom handelt es sich um eine Tic-Störung, bei der die Echopraxie häufig vorkommt.

Es werden von den Betroffenen unwillkürlich und plötzlich Muskelbewegungen ausgeführt, die sich häufig auf stereotype Weise wiederholen. Meist sind sie auch nicht zweckgebunden. Das Krankheitsbild tritt auch bei anderen Erkrankungen wie der Schizophrenie auf. Meist geht diese mit Symptomen wie Halluzinationen, Störungen des Ichs und Wahnvorstellungen einher.

Die Echopraxie tritt aber auch bei der globalen Aphasie auf. Diese bezeichnet eine schwere Schädigung des Sprachzentrums, welche beispielsweise durch einen Tumor, ein Trauma oder einen Schlaganfall hervorgerufen werden kann.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome der Echopraxie sind durch motorische Tics gekennzeichnet. Sie können in manchen Fällen mit Gesichtszuckungen, verminderter Impulskontrolle, Räusperzwang und Aggressivität verbunden sein. Diese Tics sind sehr unterschiedlich ausgeprägt und individuell verschieden. In besonders schweren Fällen können die Betroffenen keine willkürlichen Bewegungen mehr durchführen.

Auch das sogenannte Restless-Legs-Syndrom ist von der Echopraxie abzugrenzen. Dieses Krankheitsbild ruft unwillkürlich ausgeführte Beinbewegungen hervor. Die Echopraxie tritt auch bei kindlichen Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen, unterschiedlichen Zwängen, Selbstverletzung und vielen anderen Verhaltensstörungen auf. Beim Tourette-Syndrom kommt es meist zwischen dem zweiten und zehnten Lebensjahr zu den ersten Symptomen.

Die motorischen Tics treten häufig am Anfang der Erkrankung auf. Ein großer Teil der Betroffenen leidet unter komplexen Tics, die gleichzeitig mehrere Muskelbereiche des Körpers betreffen. Während des Krankheitsverlaufs bildet sich in etwa 50 Prozent der Fälle eine Echopraxie aus, die zu einem späteren Zeitpunkt auch spontan wieder nachlassen kann. Dieser Vorgang wird als Remission bezeichnet. Bei der Echopraxie kommt es meist auch zu begleitenden Störungen wie beispielsweise Zwangsstörungen oder Aufmerksamkeitsstörungen.

Diagnose

Zur Diagnose der Erkrankung wird eine ausführliche Anamnese der Betroffenen durchgeführt. Die einzelnen Symptome werden dann sehr genau beobachtet und analysiert. Dies erfolgt über einen langen Zeitraum, um die Schwere der Erkrankung einordnen zu können.

Die Diagnose erfolgt mittels eines Fragebogens und einer Schätzskala, welche speziell zur Diagnostik psychischer und neurologischer Erkrankungen bereitgestellt werden. Wichtig ist auch die Einschätzung des Patienten bezüglich seines Gesundheitszustandes. Dabei wird auch die Familie einbezogen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wer bei sich oder anderen immer wieder motorische Tics feststellt, sollte mit einem Arzt sprechen bzw. gemeinsam mit dem Betroffenen zum Arzt gehen. Der Zwang, Bewegungen zu imitieren, deutet auf eine Echopraxie hin, die in jedem Fall ärztlich behandelt werden muss.

Es empfiehlt sich, bei ersten Anzeichen dieser Störung medizinischen Rat einzuholen. Sollte es nach einem Trauma, Schlaganfall oder Tumor zu Symptomen der Echopraxie kommen, muss in jedem Fall der zuständige Arzt konsultiert werden. Menschen, die bereits an einer psychischen Erkrankung leiden, sollten mit genannten Symptomen umgehend zum verantwortlichen Therapeuten gehen.

Wird die Echopraxie frühzeitig erkannt und behandelt, sind die Heilungsaussichten generell sehr gut. Begleitend zur ärztlichen Behandlung sind regelmäßige Besuche bei einem Psychologen angezeigt. In schweren Fällen ist ein vorübergehender Klinikaufenthalt sinnvoll. Da die Symptome der Echopraxie sehr unterschiedlich verlaufen können, sind außerdem regelmäßige Kontrollbesuche beim Arzt angezeigt. Sollten sich weitere Beschwerden einstellen, ist eine Umstellung der Medikation notwendig.

Behandlung & Therapie

Die Echopraxie kann in den meisten Fällen medikamentös behandelt werden, wobei die Symptome häufig nicht ganz verschwinden. Die Medikamente werden zur Linderung des Erscheinungsbildes eingesetzt. Auch aus psychosozialer Sicht kann so die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessert werden. Die Therapie erleichtert den Wiedereinstieg in die Gesellschaft und trägt zum allgemeinen Wohlbefinden der Patienten bei.

Da die Symptome der Echopraxie individuell sehr unterschiedlich verlaufen, wird allgemein eine langsame Steigerung der Medikamentendosis empfohlen. Schlägt die Therapie an, kann die Dosis zunächst beibehalten werden. Verstärken sich die Symptome jedoch, so ist es ratsam, eine Medikationsänderung erst dann einzuleiten, wenn sich die Symptome über einen Zeitraum von mehreren Wochen wieder steigern. Auf diese Weise soll ein ständiger Wechsel der Medikamente verhindert werden.

Zur Linderung der Beschwerden bei einer Echopraxie werden häufig Antipsychotika wie beispielsweise Risperidon oder Aripiprazol eingesetzt. Diese führen jedoch nicht selten zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Gewichtsschwankungen und Müdigkeit. Als Alternative kommen benzamidhaltige Medikamente wie Sulpirid oder Tiaprid zum Einsatz.

Zur klassischen Therapie der Echopraxie werden unter anderem auch Haloperidol oder Pimozid verwendet. Bei der Einnahme dieser Präparate kommt es vergleichsweise häufig zu Nebenwirkungen. Diese älteren Wirkstoffe werden deshalb heute deutlich zurückhaltender verordnet als früher; Pimozid ist in Deutschland inzwischen nicht mehr im Handel. Weiterhin wird die Echopraxie mit Tic-reduzierenden Medikamenten wie Tetrabenazin, Topiramat und Tetrahydrocannabinol therapiert.

Aussicht & Prognose

Da die Echopraxie ein Symptom und keine eigenständige Erkrankung ist, richtet sich ihr weiterer Verlauf in erster Linie nach der Grunderkrankung. Wird eine Echopraxie frühzeitig diagnostiziert und behandelt, sind die Aussichten auf eine Genesung sehr gut. Die Beschwerden nehmen in der Regel rasch ab und das Wohlbefinden steigt langsam wieder an. Ist die Grunderkrankung gut behandelbar, sind viele Patienten nach einigen Monaten bis einem Jahr beschwerdefrei. Ein erneutes Auftreten der Echopraxie-Symptome ist zwar denkbar, bei entsprechender Medikation aber sehr unwahrscheinlich.

Wird die Erkrankung nicht behandelt, nimmt sie einen schweren Verlauf. Die Symptome nehmen rasch an Intensität zu und schränken die Lebensqualität des Betroffenen erheblich ein. Dadurch entwickeln sich oft auch psychische Beschwerden, die einer eigenständigen Behandlung bedürfen. Die typischen Tics verstärken sich und rufen eine Vielzahl von Folgebeschwerden hervor. In manchen Fällen können die Verhaltensstörungen ein Leben lang bestehen bleiben. Die Patienten benötigen dann eine dauerhafte therapeutische Betreuung.

Im Falle des Tourette-Syndroms ist eine vollständige Genesung unwahrscheinlich. Durch eine medikamentöse Therapie und eine Verhaltenstherapie können die Symptome allerdings stark reduziert werden. Die motorischen Tics können zu Gelenkschäden und anderen Problemen führen. Die Aussicht auf ein weitgehend beschwerdearmes Leben ist dank Arzneimitteln wie Topiramat und Tetrabenazin dennoch gut.


Vorbeugung

Einer Erkrankung wie der Echopraxie kann im Allgemeinen nicht vorgebeugt werden. Dies gilt vor allem auch für das sogenannte Tourette-Syndrom. Das liegt darin begründet, dass diese Krankheitsbilder bis zum heutigen Zeitpunkt nicht restlos geklärt sind. Somit fehlt die entsprechende Grundlage zur Vorbeugung.

Es wird aber davon ausgegangen, dass die Ursachen zum Teil genetisch bedingt sind, zum Teil aber auch in der frühen Kindheit erworben wurden. Denkbar ist auch ein Zusammenhang mit unterschiedlichen Stressfaktoren, die sich ungünstig auf die Hirnentwicklung in der Kindheit auswirken. Hierbei spielt das Stresshormon Cortisol eine nicht unbedeutende Rolle.

Aber auch im Erwachsenenalter können Stresssituationen bei gleichzeitig vorhandener genetischer Vorbelastung eine Echopraxie auslösen. Daher sollte zur Vorbeugung jeglicher Stress vermieden werden. Hierbei helfen auch diverse Entspannungsübungen.

Nachsorge

Echopraxie kann bei frühzeitiger Diagnosestellung gut behandelt werden. Die Aussichten auf eine Genesung sind dann sehr gut. Zur Linderung der Beschwerden bei einer Echopraxie werden dem Patienten häufig Antipsychotika verordnet. Daher ist eine turnusmäßige, fachärztliche Untersuchung durch den Neurologen notwendig.

Wird die Echopraxie nicht behandelt, nehmen die Symptome rasch an Intensität zu. Sie schränken dann die Lebensqualität erheblich ein. Es gibt nur wenige Möglichkeiten und Einflussfaktoren, um den Alltag mit dieser Erkrankung zu bewältigen. Daher ist darauf zu achten, dass sich ein Echopraxie-Patient stets fettarm, vitamin- und mineralstoffreich ernährt. Das Rauchen, der Alkohol- und gar Drogenmissbrauch verschlimmern die Symptome massiv und sind nach Möglichkeit zu vermeiden. Auch Stress bei der Arbeit oder im Alltag kann Symptome dieser Erkrankung auslösen.

Empfehlenswert ist es, dass Patienten mit Echopraxie sich einer Selbsthilfeorganisation oder Gesprächsgruppe in ihrer Wohnortnähe anschließen. In der Gemeinschaft und im Austausch mit Gleichbetroffenen und gegebenenfalls ihren Angehörigen können somit Probleme der Alltagsbewältigung der Echopraxie-Erkrankten diskutiert und besprochen werden.

Die Selbsthilfegruppe kann ein vertrauensvoller Zusammenschluss von Betroffenen werden und damit der psychischen Stabilität des Patienten dienen. Psychische Beschwerden (zum Beispiel Depressionen) können somit durchaus vermieden werden, die sonst einer eigenständigen neurologischen Behandlung bedürfen.

Das können Sie selbst tun

Die Echopraxie ist eine motorische Störung, bei der dritte Personen zwanghaft und unwillkürlich nachgeahmt werden. Teilweise werden auch gehörte Worte als sogenannter Tic wiederholt. Das Syndrom kommt oftmals als Begleiterscheinung bei Asperger, Autismus, Schizophrenie und Tourette vor. Es kann aber auch aufgrund eines Traumas oder Tumors, welcher eine Schädigung des Sprachzentrums ausgelöst hat, in Erscheinung treten.

Eine Selbsthilfe für Betroffene basiert nur auf wenigen Möglichkeiten, den Alltag so weit es geht selbständig zu bewältigen. Da die plötzlichen Muskelbewegungen und verbalen Tics je nach Fall verschieden stark ausgeprägt sind, muss bei einer individuell gestellten Anamnese der Therapieplan auch im Rahmen der Selbsthilfe eingehalten werden.

Die Tic-reduzierenden Medikamente können den Körper stark belasten und Nebenwirkungen hervorrufen. Daher ist eine fettarme und vitamin- sowie mineralstoffreiche Ernährungsweise zu befolgen. Schlechte Angewohnheiten wie Rauchen, Alkohol- und Drogenmissbrauch sind zu vermeiden. Bei Stress kann sich das Syndrom verschlimmern. Empfohlen werden regelmäßige Entspannungsübungen und ausgiebige Spaziergänge in der Natur, möglichst in Begleitung.

Lässt sich das Symptom auf ein Kindheitserlebnis zurückführen, ist eine Psychotherapie zur Bewältigung des Traumas eine hilfreiche Maßnahme. Wird die Echopraxie von schweren Wahnvorstellungen und Halluzinationen begleitet, sollte bezüglich der Verletzungsgefahr des Patienten das betreute Wohnen eingeleitet werden.

Quellen

  • Falkai, P., Laux, G., Deister, A., Möller, H.-J.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
    ISBN: 9783132432673
  • Möller, H.-J., Laux, G., Kapfhammer, H.-P. (Hrsg.): Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie.
    ISBN: 9783662492932
  • Remschmidt, H., Becker, K. (Hrsg.): Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.
    ISBN: 9783132411227
  • Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie.
    ISBN: 9783132410961
  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606759

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