Endosonographie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Endosonographie ist ein schonendes Untersuchungsverfahren, das bestimmte Organe mittels Ultraschall aus dem Inneren des Körpers abbildet. Besonders häufig werden mit dieser Methode der Diagnostik die Verdauungsorgane und die Brusthöhle untersucht. Die Vorteile der Endosonographie liegen in der Strahlungsfreiheit, der unmittelbaren Nähe zum untersuchten Organ und der Möglichkeit, gleichzeitig Biopsien oder therapeutische Eingriffe vorzunehmen.
Was ist die Endosonographie?
Bei der Endosonographie handelt es sich um einen Ultraschall, der nicht als klassische Variante durch Bewegen des Schallkopfes auf der Haut durchgeführt wird, sondern die Bilder direkt aus dem Inneren des Körpers liefert.
Möglich wird dies mithilfe von starren oder flexiblen Endoskopen, die vom Untersucher direkt in die abzuklärenden Organsysteme beziehungsweise in der Nähe liegende Körperöffnungen eingeführt werden können. An der Spitze des Endoskops befindet sich eine kleine Ultraschallsonde, mit der besonders aussagekräftiges Bildmaterial gewonnen werden kann, da sie sich im Idealfall direkt am zu beurteilenden Gewebe wie zum Beispiel der Schleimhaut von Magen oder Darm befindet.
Wie bei der klassischen Sonographiemethode kann auch bei der Endosonographie das aufgezeichnete Geschehen im Inneren des Körpers parallel am Bildschirm mitverfolgt werden. Dies ist besonders dann sinnvoll, wenn der Ultraschall aus dem Körperinneren nicht nur der Aufspürung von beispielsweise Entzündungen, Engstellen oder Tumoren gilt, sondern parallel unter Sichtkontrolle zur Abrundung der Diagnostik zudem Punktionen aus dem Gewebe vorgenommen werden sollen.
Funktion, Wirkung & Ziele
Dieses spezielle Instrument ist nur wenig dicker als die Endoskope, die für eine gewöhnliche Spiegelung verwendet werden. Es eignet sich hervorragend, um Wände von Speiseröhre und Magen, Zwölffingerdarm und Enddarm auf ihren Zustand zu überprüfen. Selbst Veränderungen, die nur wenige Millimeter groß sind, können mit der Endosonographie aufgespürt werden. Durch die oft frühzeitige Entdeckung sind eventuelle Tumore besonders gut therapierbar. Flexible Endoskope sorgen dafür, dass der Arzt auch an eher schlecht zugänglichen Stellen im Körper Einblick erhält.
Besonders feine Sonden, die in die Gangsysteme des Verdauungsapparates eingeführt werden können, sind dazu geeignet, Erkrankungen im Bereich von Galle und Bauchspeicheldrüse aufzuspüren. Mithilfe von Endoskopen, die mit speziellen Vorrichtungen versehen sind, können während der Untersuchung Gewebeproben entnommen oder Zysten entleert werden. Bei auffälligen Befunden können erste Aussagen über die Gut- oder Bösartigkeit eines Polypen oder die Tiefe, mit der ein Tumor im Gewebe sitzt, gemacht werden.
Auch im Bereich der Enddarmerkrankungen hat die Endosonographie bereits einen wichtigen Stellenwert: Durch die Einführung des relativ dünnen Endoskops mit Schallkopf in den Enddarm ist eine Kontrolle nach Hämorrhoiden-Operationen, die Abklärung von Stuhlentleerungsstörungen und die Suche nach gutartigen oder bösartigen Geschwulsten möglich. Zudem ist auf diese Weise eine belastungsarme Nachsorge nach Krebstherapien möglich. Im gynäkologischen Bereich wird, etwa wenn eine Frau über Schmerzen oder anhaltende Blutungen klagt oder in der Frühschwangerschaft ist, mit dem vaginalen Ultraschall ebenfalls eine Sonographie im Inneren des Körpers durchgeführt.
Mithilfe eines stabförmigen Gerätes, das einen Schallkopf besitzt, ist ein aussagefähiger Überblick über das kleine Becken möglich. Es können Tumore, Entzündungen und verschiedene Blutungsquellen entdeckt werden. Bei Schwangeren kann – ohne jede gefährliche Strahlung – der korrekte Sitz der Schwangerschaft und die zeitgerechte Entwicklung des Embryos überprüft werden. Bei Beschwerdebildern im Bereich der Atemwege oder des Brustkorbs kann die Endosonographie auch im Rahmen einer Bronchoskopie angewandt werden. Hier können die Bronchien von innen ausgiebig beurteilt werden und zur weiteren Abklärung im gleichen Diagnoseschritt auch Gewebeproben entnommen werden.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Das Untersuchungsverfahren kommt deshalb auch für Allergiker infrage und kann bei entsprechender Fragestellung wiederholt werden. Risiken – wenngleich meist sehr gering – entstehen lediglich durch das Einführen des Endoskops in die diversen Körperhöhlen. Wie bei den klassischen Endoskopien besteht auch bei der Endosonographie die (sehr geringe) Gefahr, Gewebe zu verletzen und eine Blutung auszulösen. Mit unterschiedlich großen Risiken für den Patienten sind die verschiedenen Formen von Narkose oder Sedierung verbunden. Die Palette der Wahlmöglichkeiten von der leichten Schlafspritze bis zur Vollnarkose hängt mit der untersuchten Region und dem körperlichen wie psychischen Zustand des Patienten zusammen.
Auch die Vorbereitung auf die Endosonographie ist – in Abhängigkeit von der zu untersuchenden Körperregion – unterschiedlich. Für Untersuchungen in Narkose muss der Patient grundsätzlich nüchtern sein. Das gilt auch für die Diagnostik des Magen-Darm-Trakts, da die Sonographie – wie auch Gastroskopie und Koloskopie – durch Nahrungsreste erschwert beziehungsweise unmöglich gemacht wird. Für die Enddarmspiegelung braucht es keine Nahrungskarenz, da das Untersuchungsgebiet unkompliziert mit einem Einlauf vorbereitet werden kann. Der Vaginalultraschall sollte nach Möglichkeit außerhalb der Regelblutung stattfinden, ist in dringenden Fällen aber jederzeit möglich.
Ablauf der Untersuchung
Vor einer Endosonographie steht ein Aufklärungsgespräch, in dem der Arzt den Anlass der Untersuchung, den geplanten Zugangsweg und die möglichen Komplikationen erläutert. Dabei wird auch erfragt, welche Medikamente eingenommen werden, ob Allergien bekannt sind und ob eine Störung der Blutgerinnung vorliegt – letzteres vor allem dann, wenn im selben Termin eine Gewebeentnahme vorgesehen ist. Ob und wie lange gerinnungshemmende Mittel vor dem Termin abgesetzt werden, entscheidet der behandelnde Arzt; eigenmächtig sollte an einer solchen Medikation nichts geändert werden.
Für die Spiegelung des oberen Verdauungstrakts legt sich der Patient am Untersuchungstag auf die linke Seite. Ein Beißring schützt das Gerät und die Zähne. In der Regel wird über eine Vene ein kurz wirksames Beruhigungsmittel gegeben, sodass der Patient von der Untersuchung selbst wenig oder nichts mitbekommt; auf Wunsch ist sie in vielen Fällen auch ohne Sedierung möglich, dann wird der Rachen örtlich betäubt. Während der gesamten Zeit werden Puls, Blutdruck und die Sauerstoffsättigung überwacht, weil Beruhigungsmittel die Atmung dämpfen können.
Das Echoendoskop ist etwas dicker und an der Spitze etwas starrer als ein gewöhnliches Gerät für die Magenspiegelung, weil dort neben der Optik auch der Schallkopf untergebracht ist. Um einen guten Schallkontakt zur Organwand herzustellen, wird an der Spitze ein kleiner Ballon mit Wasser gefüllt oder etwas Wasser in den Hohlraum eingebracht: Luft zwischen Sonde und Gewebe würde das Ultraschallbild unbrauchbar machen. Der Untersucher fährt anschließend die interessierenden Abschnitte systematisch ab und hält die Bilder fest.
Eine Endosonographie nimmt in aller Regel mehr Zeit in Anspruch als eine einfache Spiegelung, weil jede Struktur in mehreren Ebenen dargestellt und beurteilt werden muss. Kommt eine Gewebeentnahme hinzu, verlängert sich die Untersuchung weiter.
Radiale, longitudinale und Miniatursonden
Für die Endosonographie werden Schallköpfe in zwei Bauarten verwendet, die sich in der Schnittebene unterscheiden. Radiale Geräte erzeugen ein ringförmiges Bild quer zur Längsachse des Endoskops; der Untersucher sieht die Wandschichten und die Umgebung gleichsam als Scheibe, was die Orientierung erleichtert und sich für die Übersicht und für die Beurteilung der Ausdehnung eines Befundes eignet. Longitudinale – auch lineare – Geräte schallen längs zum Instrument. Ihr Vorteil liegt darin, dass eine Nadel, die durch den Arbeitskanal vorgeschoben wird, in der Bildebene liegt und deshalb auf ihrem gesamten Weg verfolgt werden kann. Das ist die Voraussetzung für jede gezielte Punktion.
Daneben gibt es Miniatursonden, die durch den Arbeitskanal eines gewöhnlichen Endoskops geschoben werden. Sie arbeiten mit hoher Frequenz und bilden dafür nur eine geringe Tiefe ab; eingesetzt werden sie unter anderem in den Gallenwegen, wo diese Anwendung als intraduktaler Ultraschall bezeichnet wird. Für die Atemwege existiert eine eigene Bauform, der endobronchiale Ultraschall, mit dem sich im Rahmen einer Bronchoskopie die Lymphknoten neben den Bronchien darstellen und punktieren lassen. Für den Enddarm und für die Frauenheilkunde kommen kürzere, starre Sonden zum Einsatz, die kein vollständiges Endoskop benötigen.
Die Gewebeentnahme unter Ultraschallsicht
Ein wesentlicher Grund, warum die Endosonographie bei bestimmten Fragestellungen anderen Verfahren vorgezogen wird, ist die Möglichkeit, im selben Termin eine Probe zu gewinnen. Unter ständiger Ultraschallsicht wird eine dünne Nadel durch die Wand von Magen, Zwölffingerdarm oder Speiseröhre in den auffälligen Bezirk vorgeschoben und Zellmaterial oder ein kleiner Gewebezylinder entnommen. Auf diesem Weg sind Strukturen erreichbar, die von außen durch die Bauchdecke nur schwer oder gar nicht sicher zu treffen sind – etwa Veränderungen der Bauchspeicheldrüse oder Lymphknoten im Mittelfellraum.
Die Aussagekraft hängt davon ab, ob genügend verwertbares Material gewonnen wurde. Gelegentlich bleibt der Befund unklar, und die Punktion muss wiederholt oder durch ein anderes Verfahren ergänzt werden; ein unauffälliges Ergebnis schließt eine bösartige Erkrankung deshalb nicht mit Sicherheit aus. Zu den Risiken der Punktion selbst zählen Blutungen, Entzündungen entlang des Stichkanals und – bei Punktionen im Bereich der Bauchspeicheldrüse – die Reizung des Organs.
Was der Befund aussagt
Im endosonographischen Bild stellt sich die Wand des Verdauungstrakts in mehreren, abwechselnd hellen und dunklen Schichten dar. Diese Schichtung ist der Schlüssel zu einem großen Teil der Befunde: Sie erlaubt die Einschätzung, wie tief eine Veränderung in die Wand hineinreicht und ob sie diese bereits überschritten hat. Bei bösartigen Tumoren der Speiseröhre, des Magens oder des Enddarms geht diese Einschätzung zusammen mit dem Befund an den benachbarten Lymphknoten in die Stadieneinteilung ein, von der wiederum abhängt, ob zuerst operiert oder zuerst mit anderen Mitteln behandelt wird.
Auch bei gutartigen Befunden ist die Frage nach der Wandschicht entscheidend. Eine Vorwölbung der Schleimhaut kann von außen auf die Wand drücken oder aus einer der Wandschichten selbst hervorgehen; erst die Endosonographie unterscheidet das zuverlässig, und erst daraus ergibt sich, ob ein Befund abgetragen, beobachtet oder weiter abgeklärt werden sollte. Bei Zysten der Bauchspeicheldrüse geht es um die Frage, ob eine harmlose Flüssigkeitsansammlung vorliegt oder eine Veränderung, aus der sich ein Tumor entwickeln kann.
Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Endosonographie wie jede Ultraschalluntersuchung untersucherabhängig ist. Die Beurteilung setzt Erfahrung voraus; dieselbe Aufnahme kann von zwei Untersuchern unterschiedlich eingeordnet werden. Aus diesem Grund wird ein Befund, an dem eine weitreichende Entscheidung hängt, häufig in einer Fallkonferenz mit den Ergebnissen der übrigen Untersuchungen zusammengeführt.
Grenzen und Gegenanzeigen
Nicht jede Fragestellung lässt sich endosonographisch beantworten. Die Reichweite des Ultraschalls ist begrenzt; weiter entfernte Organe und Tochtergeschwülste in Leber oder Lunge werden mit der Computertomographie oder der Magnetresonanztomographie gesucht. Luft und Knochen behindern die Ausbreitung der Schallwellen, sodass hinter gashaltigen Darmschlingen nichts zu erkennen ist.
Weitere Grenzen ergeben sich aus dem Zugangsweg. Hochgradige Engstellen der Speiseröhre können das vergleichsweise dicke Echoendoskop unpassierbar machen. Bei frischen Verletzungen oder Durchbrüchen des Verdauungstrakts, bei instabilem Kreislauf und bei fehlender Nüchternheit wird der Eingriff verschoben, sofern er nicht dringlich ist. Vor einer geplanten Punktion sind eine Störung der Blutgerinnung und die Einnahme von Blutverdünnern besonders zu bedenken. Ob und wann eine Endosonographie durchgeführt wird, entscheidet der Arzt daher im Einzelfall und nicht nach einer starren Regel.
Abgrenzung zu anderen Verfahren
Vom Ultraschall durch die Bauchdecke unterscheidet die Endosonographie vor allem die Nähe zum Organ: Weil kaum Gewebe und keine Luft zwischen Schallkopf und Ziel liegen, lassen sich höhere Frequenzen nutzen, die feinere Einzelheiten sichtbar machen, dafür aber weniger tief reichen. Von der gewöhnlichen Endoskopie unterscheidet sie sich darin, dass diese die Oberfläche der Schleimhaut zeigt, während die Endosonographie in die Wand und über sie hinaus blickt; beide Verfahren ergänzen einander und werden häufig im selben Termin durchgeführt.
Gegenüber der ERCP ist die Endosonographie das schonendere Verfahren, wenn es allein um die Frage geht, ob ein Stein oder eine Engstelle vorliegt; die ERCP wird heute vor allem dann eingesetzt, wenn im selben Eingriff behandelt werden soll. Die Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP) kommt ohne jeden Eingriff aus, erlaubt aber keine Gewebeentnahme. Computertomographie und Magnetresonanztomographie liefern die Übersicht über den gesamten Bauchraum und den Brustkorb, während die Endosonographie den Ausschnitt in hoher Auflösung darstellt.
Nach der Untersuchung
Nach einer Sedierung bleibt der Patient noch eine Weile unter Beobachtung, bis er wieder wach und ansprechbar ist. Am Tag der Untersuchung darf er weder selbst ein Fahrzeug führen noch Maschinen bedienen; für den Heimweg wird eine Begleitperson benötigt. Wurde der Rachen örtlich betäubt, wird erst wieder gegessen und getrunken, wenn das Taubheitsgefühl vollständig abgeklungen ist, weil sonst Speisen oder Flüssigkeit in die Luftröhre geraten können.
Ein leichtes Kratzen im Hals, ein Druckgefühl im Bauch und vermehrte Blähungen durch die eingebrachte Luft sind gewöhnliche Begleiterscheinungen und klingen von selbst ab. Anders zu bewerten sind starke oder zunehmende Bauchschmerzen, Schmerzen hinter dem Brustbein, Fieber und Schüttelfrost, das Erbrechen von Blut, schwarz gefärbter Stuhl oder Atemnot: Bei diesen Zeichen sollte unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, auch wenn sie erst Stunden nach der Untersuchung auftreten. Das gilt besonders nach einer Gewebeentnahme, weil sich eine Blutung oder eine Entzündung mit Verzögerung bemerkbar machen kann.
Den bildgebenden Befund teilt der Untersucher meist unmittelbar nach der Untersuchung mit. Das Ergebnis einer Gewebeprobe liegt dagegen erst vor, wenn sie im Labor aufgearbeitet und beurteilt worden ist; es wird in einem gesonderten Termin besprochen, in dem sich auch das weitere Vorgehen klären lässt.
Typische & häufige Erkrankungen des Verdauungstraktes
- Magengeschwür
- Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
- Magen-Darm-Grippe
- Reizmagen
- Magenkrebs
- Morbus Crohn (chronische Darmentzündung)
- Blinddarmentzündung
Quellen
- Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
ISBN: 9783132405240
- Riemann, J. F., Fischbach, W., Galle, P. R., et al.: Referenz Gastroenterologie.
ISBN: 9783132405004
- Delorme, S., Debus, J., Jenderka, K.-V.: Sonografie.
ISBN: 9783131519139
- Rosien, U., Berg, T., Layer, P. (Hrsg.): Facharztwissen Gastroenterologie und Hepatologie.
ISBN: 9783437213038
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
