Gebärmutterhalsentzündung

Letzte Aktualisierung am 9. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Vermehrter gelblicher-eitriger, übelriechender Ausfluss aus der Scheide kann ein Anzeichen für eine Gebärmutterhalsentzündung sein, die häufig durch Bakterien oder Viren ausgelöst wird. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, droht ein Übergreifen der Infektion auf die Gebärmutter, die Eileiter und die Eierstöcke. Eine Verklebung der Eileiter, Eileiterschwangerschaften oder Unfruchtbarkeit können die Folge sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Gebärmutterhalsentzündung?

Als Gebärmutterhalsentzündung (Zervizitis) bezeichnen Mediziner eine Infektion der Schleimhäute sowie der tieferen Gewebeschichten des Gebärmutterhalses.

Normalerweise verfügt der Gebärmutterhals über Abwehrmechanismen, die ein Aufsteigen der Keime aus dem Vaginalbereich behindern: Das zähe, leicht alkalische Sekret, das in Richtung der Scheide abfließt, bewirkt eine Neutralisierung der Erreger. Zusätzlich wirkt der Isthmus, eine kurze Engestelle, die den Gebärmutterhals vom Gebärmutterkörper trennt, wie ein physiologischer Verschluss.

Verschiedene Umstände wie häufiger Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern, mangelnde Hygiene, ein operativer Eingriff, das Einsetzen der Spirale oder Gewebewucherungen bewirken eine Schwächung der Schutzfunktion oder führen zur Weitung der Gebärmutteröffnung, sodass Keime mühelos eindringen können.

Ursachen

Die Ursachen für eine Gebärmutterhalsentzündung sind vielfältig, je nachdem ob eine unspezifische, eine chronische oder eine akute Zervizitis vorliegt. Bei einer unspezifischen Gebärmutterhalsentzündung ermöglicht die Entnahme einer Gewebeprobe oder eine Ausschabung mitunter die Ausbreitung von Krankheitskeimen in den Gebärmutterhals, die dort entzündliche Prozesse auslösen.

Auch das Einbringen der Spirale kann eine Infektion fördern. Ebenso kann sie auf einen bösartigen Tumor hinweisen. Als häufigste Ursache der chronischen Gebärmutterhalsentzündung kommt eine Veränderung der Anatomie des Gebärmutterhalses in Betracht: Neben Polypen begünstigen auch Risse im Gebärmutterhals oder ein extremes Vorwölben der Muttermundlippen nach außen das Aufsteigen von Erregern.

Die akute Gebärmutterhalsentzündung ist häufig Folge einer Kolpitis (Scheidenentzündung) oder einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Erregern wie Chlamydien, Gonokokken oder Herpes-Viren. Die akute Form geht häufig mit stärkeren Symptomen einher.

Neben dem stark-riechenden, gelblich-eitrigen Ausfluss und gelegentlichen abnormen Blutungen leiden Betroffene bei gleichzeitigem Keimbefall der Scheide häufig unter Juckreiz sowie Schmerzen beim Urinieren und beim Geschlechtsverkehr. Sind tiefere Gebärmutterschichten von der Entzündung betroffen, können sich Schmerzen im Unterbauch und Fieber ausbilden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Beschwerden bei einer Gebärmutterhalsentzündung richten sich nach dem jeweiligen Erreger. Häufig vorkommende Symptome sind vermehrter Ausfluss, der gelblich gefärbt und übel riechend ist. Meistens besitzt dieser auch eine eitrige Konsistenz. Auffällig sind auch Blutungen während und nach dem Geschlechtsverkehr.

Wenn umliegende Bereiche der inneren Geschlechtsorgane mitbetroffen sind, können zusätzlich auch noch häufig schmerzhaftes und vermehrtes Wasserlassen, Brennen und Juckreiz an der Vagina, Zwischenblutungen, eine verlängerte Periode sowie Unterbauchschmerzen und Fieber auftreten. Die Zwischenblutungen sowie verlängerten Blutungen deuten auf eine Ausweitung der Gebärmutterhalsentzündung auf die Gebärmutterschleimhaut hin.

Bei Übergreifen der Infektion auf die Gebärmuttermuskulatur kommt es zu starken Unterbauchschmerzen und gelegentlichem Fieber. Als Erreger kommen verschiedene Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten infrage. Eine Infektion mit Herpesviren führt neben der Entzündung auch zu kleinen Bläschen, die in Gruppen zusammenstehen. Bei HP-Viren entwickeln sich flache, gutartige Gewebswucherungen im Übergangsbereich von der Scheide zum Gebärmutterhals, die auch als Feigwarzen bezeichnet werden.

Meist bilden sich die Feigwarzen nach der Infektion von alleine wieder zurück. In seltenen Fällen bleiben sie jedoch bestehen und können dann mit Auftupfen von Trichloressigsäure oder chirurgisch entfernt werden. Als Komplikation bei einer Gebärmutterhalsentzündung kann sich eine Eileiterentzündung entwickeln, die unter Umständen zur Verklebung des Eileiters und zur Unfruchtbarkeit führt. Des Weiteren besteht bei der Infektion mit HPV das Risiko zur Entstehung eines Gebärmutterhalskrebses.

Diagnose & Verlauf

Bei den ersten Anzeichen einer Gebärmutterhalsentzündung sollte ein Gynäkologe zu Rate gezogen werden, um eine Ausbreitung der Infektion auf weitere Teile des weiblichen Genitals zu verhindern.

In einem ersten Anamnesegespräch erkundigt sich der Arzt zunächst ausführlich über die Beschwerden und die Krankengeschichte der Frau. Anschließend folgt eine gynäkologische Untersuchung, bei der mittels Spekulum-Untersuchung oder Kolposkopie die Muttermundoberfläche und die Schleimhaut eingehend betrachtet sowie die Farbe, der Geruch und die Beschaffenheit des Scheidenausflusses beurteilt wird.

Ein Abstrich, der später im Labor mikroskopisch analysiert wird, gibt Auskunft über die Art des Erregers. Weitere Untersuchungen wie Ultraschall, Röntgenkontrastmitteldarstellungen, serologische Untersuchungen oder ein Schwangerschaftstest können zum Ausschluss anderer Erkrankungen eingesetzt werden.

Komplikationen

In der Regel ist eine Gebärmutterhalsentzündung mit sehr unangenehmen Beschwerden und Symptomen verbunden. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an einem verstärkten Scheidenausfluss. Ebenso kommt es zu Schmerzen und zu einem Juckreiz in der betroffenen Region. Die Schmerzen sind dabei brennend und stechend und wirken sich damit sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus. Nicht selten kommt es dadurch zu depressiven Verstimmungen oder zu anderen psychischen Beschwerden.

Weiterhin treten auch Schmerzen in der Region des Bauches und im Unterleib auf. Die Patientinnen leiden dabei auch an verstärkten Blutungen, die sich in Form von Schmierblutungen oder Zwischenblutungen bemerkbar machen. Im Allgemeinen sinkt die Belastbarkeit des Patienten stark ab und die Betroffenen ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück. Die Diagnose und Behandlung der Gebärmutterhalsentzündung erfolgt in der Regel durch einen Gynäkologen und führt weiterhin nicht zu besonderen Komplikationen.

In den meisten Fällen können die Gebärmutterhalsentzündungen mit Hilfe von Antibiotika behandelt werden und die Beschwerden verschwinden relativ schnell wieder. In schwerwiegenderen Fällen kann auch ein Tumor die Gebärmutterhalsentzündung verursachen und muss aus diesem Grund entfernt werden. Dabei ist in der Regel ein operativer Eingriff notwendig. In den meisten Fällen wird die Lebenserwartung durch diese Entzündung allerdings nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Unregelmäßigkeiten des weiblichen Zyklus sind von einem Arzt untersuchen und abklären zu lassen. Kommt es zu Schmierblutungen, Zwischenblutungen oder einer verkürzten sowie verlängerten Menstruation, sind dies Warnhinweise des Körpers, denen nachgegangen werden sollte. Setzen Blutungen nach dem Überschreiten der Menopause ein, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es zu Veränderungen des vaginalen Ausfluss, einer unangenehmen Geruchsbildung im Intimbereich oder einem eitrigen Ausfluss, ist ein Arzt zu konsultieren.

Bei Fieber, erhöhter Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder einer inneren Schwäche sollten medizinische Untersuchungen eingeleitet werden. Kommt es zu Gereiztheit, einem Krankheitsempfinden oder einem allgemeinen Unwohlsein, ist es ratsam, einen Arzt zu kontaktieren. Treten Schmerzen ein, die nicht mit der Menstruation oder dem Eisprung in Verbindung stehen, muss ein Arzt aufgesucht werden. Ziehende oder brennenden Schmerzen gelten als ungewöhnlich und sind abklären zu lassen. Bei Beschwerden während des sexuellen Aktes oder Bewegungsabläufen sollten Untersuchungen für eine Ursachenklärung eingeleitet werden.

Kommt es zu Schmerzen während des Wasserlassens oder des Stuhlgangs, ist ein Arztbesuch notwendig. Ein Juckreiz im Intimbereich gilt als ungewöhnlich. Tritt er auf und entstehen durch ihn offene Wunden, muss ein Arztbesuch erfolgen. Andernfalls gelangen Krankheitserreger in den Organismus und es droht eine Blutvergiftung.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Gebärmutterhalsentzündung hängt ganz entscheidend von der zugrundeliegenden Ursache ab. Eine Infektion mit Gonokokken (Erreger der Gonorrhö) oder Chlamydien kann erfolgreich mit Antibiotika therapiert werden. Wichtig ist hier die Mitbehandlung des Partners, da nur so dem Ping-Pong-Effekt, der Wiederansteckung des geheilten Partners durch den unbehandelten, infizierten Partner, vorgebeugt werden kann.

Zusätzlich werden entzündungshemmende Arzneimittel verabreicht, damit Schwellungen und Schmerzen schnell abklingen. Eine Heilung von Herpes-Infektionen ist derzeit nicht möglich. Virustatika können zur Linderung der Beschwerden und zur Verkürzung des Krankheitsverlaufs beitragen. Die Viren verbleiben aber weiterhin im Körper und können bei Stress eine erneute Infektion auslösen.

Sind anatomische Veränderungen wie Polypen oder Feigwarzen für die Gebärmutterhalsentzündung verantwortlich, besteht die Möglichkeit einer Entfernung mittels Laser, Messer oder Elektroschlinge. Bei einem bösartigen Tumor muss je nach Größe ein Teil des Muttermunds und der Schleimhaut des Gebärmutterhalskanals oder die gesamte Gebärmutter samt den Halteapparaten operativ entfernt werden.

Ist ein durch die Wechseljahre bedingter Hormonmangel der Auslöser für die Gebärmutterhalsentzündung, können weibliche Geschlechtshormone wie Östrogen oder Gestagen über einen Zeitraum von etwa 20 Tagen verabreicht werden, sodass die Schleimhaut wieder dicker wird.

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Aussicht & Prognose

Eine Gebärmutterhalsentzündung heilt bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung in der Regel ohne weitere Schwierigkeiten ab und lässt sich gut behandeln, ohne dass es zu Komplikationen kommt. Wird allerdings nichts unternommen, besteht das Risiko, dass sich die Erreger auf weitere Teile der inneren Geschlechtsorgane ausbreiten und dort zu Komplikationen führen.

Handelt es sich beim Erreger um Bakterien wie Chlamydien, kann das die Eileiter und Eierstöcke betreffen, wodurch es zu Verklebungen kommt und eine mögliche Unfruchtbarkeit riskiert wird. Eine Gebärmutterhalsentzündung durch Herpesviren kann nicht geheilt werden, allerdings klingen auch ihre Symptome wieder ab. Die Herpesviren hingegen bleiben im Körper und können immer wieder unter für sie günstigen Bedingungen zu Infektionen führen. Tritt diese Art von Gebärmutterhalsentzündung bei einer schwangeren Frau auf, besteht durch eine natürliche Geburt das Risiko der Ansteckung des Säuglings. Dieser Fall ist eine Indikation für einen geplanten Kaiserschnitt, um die gefährliche Infektion mit Neugeborenenherpes zu verhindern.

Falls sich Feigwarzen gebildet haben, können auch diese bei einer Geburt problematisch werden. Ihre Größe ist selten das Problem, vielmehr kann sich das auslösende humane Papillomvirus auf das Neugeborene übertragen und auch bei ihm in seltenen Fällen zu Feigwarzen oder gutartigen Kehlkopftumoren führen. Deswegen sollten Feigwarzen bei einer Gebärmutterhalsentzündung vor der Geburt sicherheitshalber entfernt werden.

Vorbeugung

Schutz vor einer Gebärmutterhalsentzündung bietet die Verwendung von Kondomen vor allem bei häufig wechselnden Geschlechtspartnern. Auch eine Impfung gegen Humane Papillomviren ist sinnvoll, da diese nicht nur einen Schutz vor Zervizitis bietet, sondern auch maßgeblich dazu beiträgt, dass Gebärmutterhalskrebs nicht entsteht.

Die frühzeitige Behandlung von Scheideninfektionen verhindert ein Aufsteigen der Erreger in den Gebärmutterhals und von dort gegebenenfalls weiter in die Gebärmutter oder die Eierstöcke. Wichtig ist hierbei auf Intimhygiene und regelmäßiges Händewaschen zu achten.

Nachsorge

Bei einer Gebärmutterhalsentzündung sind die Möglichkeiten der Nachsorge sehr stark eingeschränkt. Dabei ist der Betroffene in erster Linie auf die Behandlung dieser Krankheit angewiesen, um weitere Komplikationen und Beschwerden zu verhindern. Sollte die Gebärmutterhalsentzündung nicht behandelt werden, kann es im schlimmsten Fall zu einer vollständigen Unfruchtbarkeit der Patientin kommen.

Je früher die Gebärmutterhalsentzündung dabei erkannt und behandelt wird, desto besser ist die weitere Prognose der Krankheit. In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung mit Hilfe von Antibiotika. Dabei ist auf eine richtige Dosierung und auf eine regelmäßige Einnahme zu achten, um die Beschwerden zu lindern. Möglicherweise müssen dabei auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachtet werden.

Bei der Einnahme von Antibiotika ist auf Alkohol zu verzichten, da dieser die Wirkung des Medikaments lindert. Auch nach einer erfolgreichen Behandlung sind regelmäßige Untersuchungen durch einen Arzt sehr sinnvoll, um weitere Beschwerden festzustellen und dann zu behandeln. In einigen Fällen werden dabei auch Hormone eingenommen, um die Gebärmutterhalsentzündung vollständig zu behandeln. Besondere Komplikationen treten meist nicht auf, wobei auch die Lebenserwartung der Patientin durch die Gebärmutterhalsentzündung in der Regel nicht eingeschränkt wird.

Das können Sie selbst tun

Die ärztliche Behandlung einer Gebärmutterhalsentzündung kann durch einige Maßnahmen und Präparate aus dem Haushalt und der Natur unterstützt werden.

Zunächst gilt allerdings Schonung und Bettruhe. Betroffene Frauen sollten sich für einige Tage krankschreiben lassen und darauf achten, die einzelnen Symptome zu lindern. So kann Unterleibsschmerzen durch warme Wickel oder eine Wärmflasche entgegengewirkt werden. Sanfte Beruhigungsmittel wie Baldrian oder Rosenwurz reduzieren die Schmerzen und wirken insgesamt lindernd auf die typischen Beschwerden. Ein bewährtes Mittel sind Sitzbäder mit ätherischen Ölen und anderen Zusätzen. Bei einer Idealtemperatur von 37 Grad wird der Unterleib entspannt und die schmerzhaften Krämpfe gehen zurück. Die Naturheilkunde bietet bei Entzündungen die Schüßler-Salze Nr. 3 Nr. 7 an. Daneben gelten allgemeine Maßnahmen wie ausreichende Hygiene im Genitalbereich und die Vermeidung anstrengender Tätigkeiten.

Um eine Ansteckung des Partners zu vermeiden, sollte nach Möglichkeit auf Geschlechtsverkehr verzichtet oder ein Kondom getragen werden. Sollten die Beschwerden trotz aller Maßnahmen nach spätestens einer Woche nicht abgeklungen sein, muss noch einmal ein Arzt konsultiert werden. Dann ist womöglich eine weitergehende Behandlung mit Arzneimitteln erforderlich.

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013

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