H2-Rezeptorantagonisten

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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H2-Rezeptorantagonisten sind Wirkstoffe, welche die Magensäureproduktion hemmen. Als Antihistaminika blockieren sie die Bindung von Histamin an die H2-Rezeptoren der Parietalzellen des Magens. Neben den Protonenpumpenhemmern werden sie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sowie bei der Refluxkrankheit häufig eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was sind H2-Rezeptorantagonisten?

H2 Rezeptorantagonisten
H2-Rezeptorantagonisten sind Wirkstoffe, welche die Magensäureproduktion hemmen.

H2-Rezeptorantagonisten konkurrieren mit Histamin um die Besetzung der H2-Rezeptoren der Parietalzellen. Es sind Arzneimittel, welche die Magensäureproduktion einschränken. Daher werden sie neben Protonenpumpenhemmern bei schweren Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren eingesetzt.

Des Weiteren kommen die H2-Rezeptorantagonisten auch bei der Refluxkrankheit zur Anwendung. Bei der Refluxkrankheit gelangt Magensäure durch eine Fehlfunktion des Schließmuskels zwischen Ösophagus (Speiseröhre) und Magen in die Speiseröhre. Dieser Magensäurerückfluss macht sich durch Sodbrennen bemerkbar.

Durch die Hemmung der Magensäureproduktion verringert sich auch der Rückfluss von Magensäure sehr stark. In der Nacht wird die Magensäureproduktion bei Einsatz von H2-Rezeptorantagonisten bis zu 90 Prozent verringert. Allerdings beträgt ihre Wirksamkeit bei Nahrungsaufnahme nur noch ca. 50 Prozent.

H2-Rezeptorantagonisten verringern zwar die Salzsäureproduktion und die Sezernierung des Enzyms Pepsin im Magen, sie können jedoch die Ursache für die gesteigerte Säureproduktion nicht beseitigen. Mit ihrer Hilfe können allerdings die negativen Auswirkungen der Säure auf den Magen, den Zwölffingerdarm und die Speiseröhre eingedämmt werden.

Als Ursachen für eine erhöhte Magensäureproduktion kommen unter anderem die Aktivität der Magenbakterien Helicobacter pylori oder hormonelle Störungen wie beim Zollinger-Ellison-Syndrom infrage. H2-Rezeptorantagonisten besitzen keine einheitliche chemische Struktur, sondern nur eine gemeinsame Funktion. Sie binden an H2-Rezeptoren und können so die Bindung von Histamin an diese Rezeptoren blockieren.

Der Gruppenname beschreibt zugleich die Grenze der Wirkung. H2-Rezeptorantagonisten besetzen sehr gezielt den Histaminrezeptor vom Typ 2 und greifen kaum am Typ-1-Rezeptor an, den die gegen allergische Beschwerden gebräuchlichen Antihistaminika blockieren. Aus diesem Unterschied folgt, dass die Mittel gegen Heuschnupfen oder Nesselsucht die Magensäure nicht senken. Umgekehrt sind die H2-Rezeptorantagonisten keine Mittel gegen Heuschnupfen; ob sie als Ergänzung zu den üblichen Antihistaminika bei Nesselsucht etwas beitragen, ist nicht ausreichend geklärt.

Zur Dämpfung der Magensäure stehen drei Arzneimittelgruppen nebeneinander, die an verschiedenen Stellen ansetzen. Antazida binden die bereits gebildete Säure im Magen chemisch ab. H2-Rezeptorantagonisten greifen eine Stufe früher ein und drosseln die Bildung der Säure in den Belegzellen. Protonenpumpenhemmer blockieren mit der Protonen-Kalium-Pumpe den letzten gemeinsamen Schritt der Säureabgabe; von den drei Gruppen hemmen sie die Säurebildung am stärksten.

Pharmakologische Wirkung

Die Hauptwirkung von H2-Rezeptorantagonisten auf den Organismus besteht also darin, mit Histamin bei der Besetzung der H2-Rezeptoren in Konkurrenz zu treten. Histamin ist ein Gewebshormon, welches für viele physiologische Vorgänge im Körper eine große Rolle spielt. Es kommt überall im Körper vor und entfaltet seine Wirkung durch die Bindung an die Histaminrezeptoren H1, H2, H3 oder H4.

Neben seiner Funktion als Mediator bei Entzündungsreaktionen ist es auch für die Säurebildung im Magen verantwortlich. Zur Bildung und Sezernierung von Magensäure und Pepsin bindet es sich an die H2-Rezeptoren der Parietalzellen des Magens.

Die Wirkung der H2-Rezeptorantagonisten besteht darin, möglichst viele Rezeptoren für die Bindung mit Histamin zu blockieren. So binden sich die H2-Rezeptorantagonisten zwar an die H2-Rezeptoren, allerdings lösen sie dabei keine Produktion von Magensäure oder Pepsin aus. Je weniger H2-Rezeptoren für Histamin zur Verfügung stehen, desto weniger Magensäure kann somit gebildet werden.

Die Hemmung betrifft nicht nur die Säure selbst. Vermindert wird ebenso die Abgabe des eiweißspaltenden Enzyms Pepsin und, in geringerem Maße, die Menge des gebildeten Magensaftes insgesamt. Am zuverlässigsten wirken H2-Rezeptorantagonisten auf die nächtliche und die im nüchternen Zustand ablaufende Säurebildung. Gerade diese Grundsekretion spielt für die Abheilung eines Geschwürs eine wichtige Rolle. Die durch eine Mahlzeit angeregte Säurebildung dämpfen sie dagegen weniger ausgeprägt.

Bei täglicher Einnahme über längere Zeit lässt die säurehemmende Wirkung nach. Dieses Nachlassen wird als Toleranzentwicklung bezeichnet und ließ sich bei gesunden Versuchspersonen regelmäßig beobachten; bei Patienten mit einem Zwölffingerdarmgeschwür fand eine Untersuchung mit fortlaufender Messung des Magen-pH-Werts dagegen keine bedeutsame Abschwächung. In einer weiteren Untersuchung trat die Toleranz unter durchgehender Einnahme auf, unter einer nur jeden zweiten Tag fortgesetzten Gabe dagegen nicht.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Zur Behandlung von Magengeschwüren und Sodbrennen kommen neben Protonenpumpenhemmern in starkem Maße auch H2-Rezeptorantagonisten zur Anwendung. Dabei besitzen sie eine etwas geringere Wirksamkeit gegen verstärkte Säurebildung im Magen als die Protonenpumpenhemmer.

Die Wirkstoffklasse der H2-Rezeptorantagonisten wird heute durch die Arzneimittel Cimetidin, Ranitidin, Famotidin, Roxatidin, Nizatidin oder Lafutidin repräsentiert. Cimetidin war das erste Arzneimittel dieser Wirkstoffe und wurde in den 1970er Jahren auf den Markt gebracht. Aufgrund häufiger Nebenwirkungen und der Störung der Metabolisierung vieler Medikamente wurde es durch andere Wirkstoffe mit gleicher Funktion heute weitgehend verdrängt. Ranitidin steht als Vertreter der Gruppe inzwischen nicht mehr zur Verfügung: Die Zulassungen ranitidinhaltiger Arzneimittel ruhen in der Europäischen Union, nachdem in ihnen die als wahrscheinlich krebserzeugend eingestufte Verunreinigung N-Nitrosodimethylamin gefunden worden war.

Jeder H2-Rezeptorantagonist zeigt eine individuelle Wirkstärke. Am wirkungsvollsten hat sich Famotidin erwiesen. Während für die gleiche Wirkung nur 40 Milligramm notwendig sind, müssen bei Nizatidin und Ranitidin bereits 300 Milligramm angewendet werden. Cimetidin erfordert für gleiche Effekte sogar 800 Milligramm. Aus diesem Grund entwickeln sich bei dessen Anwendung stärkere Nebenwirkungen.

Auch die Wirkdauer der einzelnen H2-Rezeptorantagonisten ist unterschiedlich. Die längste Wirkdauer weist Famotidin mit zwölf Stunden auf. Bei den anderen H2-Rezeptorantagonisten beträgt die Dauer der Wirkung zwischen vier und sechs Stunden. Die Anwendung dieser Wirkstoffe soll den schädlichen Einfluss der Säure auf Magen, Zwölffingerdarm oder Speiseröhre verhindern.

Magensäure kann besonders die durch Bakterien beschädigten Schleimhäute des Magens und des Zwölffingerdarms weiter zerstören und dadurch die Grundlage für Geschwüre bilden. In der Speiseröhre gibt es keine schützende Schleimschicht. Wenn die Magensäure dorthin gelangt, resultiert daraus eine sofortige Verätzung, die sich durch Sodbrennen bemerkbar macht.

H2-Rezeptorantagonisten schützen die Schleimhäute von Magen, Zwölffingerdarm und Speiseröhre zwar nicht direkt, aber sie verringern den schädlichen Einfluss der Magensäure dadurch, dass deren Konzentration im Magen abnimmt.

Die zugelassenen Anwendungsgebiete sind eng gefasst. Die deutsche Fachinformation des heute gebräuchlichsten Vertreters Famotidin nennt ausschließlich Zwölffingerdarmgeschwüre, gutartige Magengeschwüre und das Zollinger-Ellison-Syndrom, also Erkrankungen, bei denen eine Verminderung der Magensäure ausdrücklich angezeigt ist. Bei nur geringfügigen Magen-Darm-Beschwerden ist eine solche Behandlung nach derselben Quelle nicht angezeigt. Famotidinhaltige Arzneimittel sind in Deutschland verschreibungspflichtig.

Vor jeder Behandlung eines Magengeschwürs ist zwei Fragen nachzugehen. Zum einen ist zu klären, ob dem Geschwür ein bösartiger Tumor zugrunde liegt. Zum anderen wird bei Geschwüren des Magens und des Zwölffingerdarms der Befall mit dem Bakterium Helicobacter pylori bestimmt; ist er nachweisbar, wird nach Möglichkeit eine Behandlung angestrebt, die das Bakterium beseitigt. Eine Säurehemmung allein beseitigt die Ursache in diesem Fall nicht.

Im heutigen Behandlungsablauf stehen die H2-Rezeptorantagonisten hinter den Protonenpumpenhemmern. Deren Säurehemmung ist stärker, und sie greifen am letzten gemeinsamen Schritt der Säurebildung an. Die H2-Rezeptorantagonisten kommen deshalb vor allem dort in Betracht, wo eine mildere Hemmung ausreicht oder wo Protonenpumpenhemmer nicht vertragen werden. Die Behandlung eines länger bestehenden Geschwürs sollte nach dem Abklingen der Beschwerden nicht abrupt beendet werden.


Risiken & Nebenwirkungen

Bei der Einnahme von H2-Rezeptorantagonisten kann allerdings auch mit Nebenwirkungen gerechnet werden. Da Cimetidin seine Wirkung erst beim Einsatz hoher Konzentrationen entfaltet, treten hier auch die stärksten Nebenwirkungen auf. Bei Überempfindlichkeit können Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Schwindelanfälle, Schlafstörungen, Depressionen oder gar Halluzinationen auftreten. Des Weiteren kann es zu allergischen Hautreaktionen, Verdauungsstörungen oder Herzrhythmusstörungen kommen. Insbesondere die Störung der Metabolisierung anderer Arzneimittel durch die Hemmung des Cytochrom-P450-Systems hat Cimetidin weitgehend vom Markt verdrängt. Hinzu kommt eine antiandrogene Eigenschaft, die den übrigen H2-Rezeptorantagonisten in dieser Stärke fehlt und eine Vergrößerung der männlichen Brustdrüse (Gynäkomastie) sowie Störungen der Sexualfunktion nach sich ziehen kann.

Die anderen H2-Rezeptorantagonisten stören den Entgiftungsprozess in der Leber nicht in diesem Ausmaß. Allerdings zeigen auch sie Nebenwirkungen, die jedoch durch den Einsatz geringerer Mengen seltener sind. So entwickeln Ranitidin oder Famotidin teilweise ähnliche Nebenwirkungen. Es kann zu allergischen Hautreaktionen mit Juckreiz und Hautausschlägen kommen. Magen-Darm-Probleme mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung werden ebenfalls beobachtet. Schließlich können in seltenen Fällen auch Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen auftreten. Allen H2-Rezeptorantagonisten gemeinsam ist die Gegenanzeige bei Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff. Sie reicht über den einzelnen Stoff hinaus: Weil zwischen den Vertretern der Gruppe Kreuzempfindlichkeiten beobachtet wurden, dürfen die übrigen nach einer solchen Reaktion ebenfalls nicht angewendet werden. In der Schwangerschaft sind sie dagegen nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sondern werden nur nach einer Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet. Für die Stillzeit gilt eine strengere Vorgabe: Weil die Wirkstoffe in die Muttermilch übergehen, soll während einer Behandlung nicht gestillt werden.

Ein eigener Warnhinweis gilt nicht einer Nebenwirkung, sondern der Gefahr, eine ernste Erkrankung zu übersehen. H2-Rezeptorantagonisten können die Beschwerden eines Magenkarzinoms lindern, ohne den Tumor zu beeinflussen, und dadurch seine Erkennung verzögern. Bevor ein Magengeschwür mit ihnen behandelt wird, muss eine bösartige Ursache durch geeignete Untersuchungen ausgeschlossen werden. Dass die Beschwerden unter der Behandlung nachlassen, schließt einen bösartigen Tumor gerade nicht aus.

Weil die Wirkstoffe zum größten Teil über die Nieren ausgeschieden werden, ist bei eingeschränkter Nierenfunktion besondere Vorsicht geboten; die Tagesdosis wird dann verringert. Bei eingeschränkter Leberfunktion gilt ebenfalls Vorsicht. In dieser Gruppe stehen auch die seltenen Nebenwirkungen am Nervensystem: Verwirrtheit, Unruhe, Halluzinationen und Krampfanfälle werden überwiegend bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion beschrieben. Bei einer Langzeitbehandlung mit hohen Mengen empfiehlt sich eine Kontrolle des Blutbildes und der Leberwerte.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Stoffwechselbedingte Wechselwirkungen sind bei den neueren Vertretern der Gruppe kaum bekannt. Der wichtigere Weg ist ein anderer: Indem H2-Rezeptorantagonisten den Säuregehalt des Magens senken, verändern sie die Bedingungen, unter denen andere Arzneistoffe aus dem Magen aufgenommen werden.

Betroffen sind vor allem Wirkstoffe, die für ihre Aufnahme ein saures Milieu brauchen. Die Aufnahme der Pilzmittel Ketoconazol und Itraconazol kann vermindert sein, ebenso die des HIV-Mittels Atazanavir und die einer Reihe von Krebsmedikamenten aus der Gruppe der Tyrosinkinasehemmer. Bei gleichzeitiger Anwendung von Antazida oder des Schleimhautschutzmittels Sucralfat wird umgekehrt die Aufnahme des H2-Rezeptorantagonisten selbst verringert, weshalb die Fachinformationen einen zeitlichen Abstand zwischen den Einnahmen vorsehen. Das Gichtmittel Probenecid verzögert die Ausscheidung über die Nieren. Bei Dialysepatienten kann Calciumcarbonat seine Wirkung als Phosphatbinder verlieren, wenn es gleichzeitig mit Famotidin eingenommen wird.

Eine Sonderstellung nimmt Cimetidin ein. Es hemmt als einziger Vertreter der Gruppe in nennenswertem Ausmaß die Cytochrom-P450-Enzyme der Leber, über die zahlreiche andere Arzneistoffe abgebaut werden. Deren Spiegel im Blut können dadurch ansteigen. Genau dieser Punkt hat Cimetidin in der Praxis weitgehend verdrängt.

Aufnahme und Ausscheidung im Körper

Die Wirkstoffe werden nach dem Schlucken rasch aus dem Magen-Darm-Trakt ins Blut aufgenommen; die Wirkung setzt bei Famotidin innerhalb der ersten Stunde ein und erreicht ihren Höhepunkt wenige Stunden später. Die Bindung an die Eiweiße des Blutplasmas ist gering, sodass ein großer Teil des Wirkstoffs frei verfügbar bleibt. Eine wiederholte Einnahme führt nicht dazu, dass sich der Wirkstoff im Körper anreichert.

Abgebaut wird nur ein kleinerer Teil, und zwar in der Leber; der größere Teil verlässt den Körper unverändert mit dem Urin. In die Muttermilch geht Famotidin über, in die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit nur in geringem Umfang. Weil der Hauptweg über die Nieren führt, verlängert sich der Verbleib des Wirkstoffs im Körper, wenn die Nierenfunktion nachlässt – der Grund für die verringerten Mengen bei Nierenkranken und Dialysepatienten.

Geschichte

Bis zum Auftreten dieser Wirkstoffgruppe standen gegen zu viel Magensäure vor allem die Antazida zur Verfügung, die die bereits gebildete Säure neutralisieren, an ihrer Entstehung aber nichts ändern. Die Suche nach einem Gegenspieler des Histamins am Magen begann in den 1960er Jahren beim britischen Unternehmen SmithKline and French. 1972 stellten dort James W. Black und seine Mitarbeiter in einer Veröffentlichung den Histaminrezeptor vom Typ 2 und zugleich den ersten Wirkstoff vor, der ihn blockiert. Bis zur Marktreife vergingen danach noch einige Jahre. Den ersten marktreifen Vertreter entwickelten die Chemiker John Colin Emmett, Graham J. Durant und Robin Ganellin, die dafür in die „National Inventors Hall of Fame“ aufgenommen wurden.

1976 kam Cimetidin unter dem Namen Tagamet® auf den Markt und wurde rasch zu einem gefragten Erfolgsmedikament. In den folgenden Jahren traten nacheinander Ranitidin, Famotidin und Nizatidin hinzu, die bei gleicher Grundwirkung mit geringeren Mengen auskommen und die Enzyme der Leber weit weniger beeinflussen. Damit verlor Cimetidin seine führende Stellung.

Eine zweite Verschiebung brachten die Protonenpumpenhemmer, deren Säurehemmung stärker ausfällt. Seither sind die H2-Rezeptorantagonisten in der Dauerbehandlung des Geschwürleidens in die zweite Reihe gerückt. Den vorläufig letzten Einschnitt setzte das Ruhen der Ranitidin-Zulassungen: Ausgerechnet der Vertreter, der die Gruppe jahrzehntelang mitgetragen hatte, steht seither nicht mehr zur Verfügung.

Der Wirkmechanismus der Gruppe gehört zu den anschaulichen Beispielen einer gezielt entwickelten Arzneimittelwirkung. Der Wirkstoff besetzt den H2-Rezeptor, ohne ihn anzuregen, und verdrängt das Histamin im Wettbewerb um diese Bindungsstelle. Eine solche Verdrängung ist umkehrbar: Steigt die Menge des freigesetzten Histamins, kann sie die Blockade teilweise überwinden. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu den Protonenpumpenhemmern, die ihr Zielenzym dauerhaft ausschalten.

Quellen

  • Riemann, J. F., Fischbach, W., Galle, P. R., Mössner, J. (Hrsg.): Checkliste Gastroenterologie und Hepatologie.
    ISBN: 9783132454217
  • Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
    ISBN: 9783132405233
  • Rosien, U., Berg, T., Layer, P. (Hrsg.): Facharztwissen Gastroenterologie und Hepatologie.
    ISBN: 9783437213038
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223

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