Insulinresistenz

Letzte Aktualisierung am 16. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Eine Insulinresistenz ist eine Störung im Zuckerstoffwechsel. Die Bauchspeicheldrüse muss mehr Insulin produzieren, da es von den Zellen schlechter aufgenommen wird und diese sozusagen "resistent" sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Insulinresistenz?

Die Insulinresistenz steht im Zusammenhang mit der Diabeteserkrankung. Sie wird auch als Prädiabetes bezeichnet. Diabetes nimmt in den Industrienationen eine immer größere Rolle ein. Der Ernährung wird viel Verantwortung zugesprochen, auch einem Mangel an Sport.

Die Insulinresistenz bildet die Vorstufe von Diabetes. Es wird immer mehr Insulin benötigt, um eine gleiche Menge Zucker im Körper zu verarbeiten. Die Bauchspeicheldrüse kann über Jahre hinweg den Blutzuckerspiegel normal halten, doch die Insulinwerte sind bereits erhöht.

Wenn die Bauchspeicheldrüse nach vielen Jahren Überbelastung nicht mehr in der Lage zum Ausgleich ist, kommt es zur Diabeteserkrankung. Ein dauerhaftes Übergewicht begünstigt die Insulinresistenz. Besondere Bedeutung soll dabei das Körperfett in der Bauchregion haben.

Ursachen

Die hauptsächliche Ursache der Insulinresistenz ist auf eine stark zucker- und fetthaltige Ernährung zurückzuführen in Kombination mit zu wenig Bewegung. Einfache Kohlenhydrate wie Haushaltszucker und Weißmehl lassen den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen. Die Bauchspeicheldrüse versucht, den Blutzuckerspiegel wieder in den Normbereich zu regulieren.

Durch die ständige Aufnahme von Einfachzuckern wird der Körper unempfindlich gegenüber dem Insulin, sodass dies den Beginn eines Teufelskreislauf darstellt. Durch eingelagerte Fette kommt es zu freien Fettsäureanstiegen, diese wiederum regen die Leber an, mehr Zucker zu produzieren. Dieser Zucker kann durch die Muskulatur schlechter abgebaut werden. Die Ursache liegt somit nicht an der Zuckeraufnahme allein, sondern wird durch zu viele und schlechte Fette bedeutend begünstigt.

Da Bewegung Zucker und Fette verbrennt führt ein Bewegungsmangel weiter dazu, dass der Körper schlechter mit den Stoffen arbeiten kann, beziehungsweise eine weit höhere Belastung des Stoffwechsels die Folge ist. Adipositas durch übermäßige Kalorienzufuhr in Form von Einfachzuckern in Kombination mit wenig oder fehlender Bewegung stellt somit die Hauptsäule der Insulinresistenz dar.

Untergeordnete Faktoren sind Rauchen und dauerhafter Stress - der Körper reagiert mit "Stresskontrolle". Dies versucht er durch eine Mehrproduktion an Adrenalin zu erreichen und stellt dabei ebenso mehr Zucker zur Verfügung, um eine "Flucht" zu ermöglichen. Mit vorgenannten Faktoren erhöht sich die Wahrscheinlichkeit an einer Insulinresistenz zu erkranken um ein Vielfaches.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu Beginn ruft eine Insulinresistenz oft keine spezifischen Symptome hervor. Aus diesem Grund wird sie oft erst diagnostiziert, wenn ernsthafte Komplikationen auftreten. Die Beschwerden gleichen denen eines Diabetes: Trockene Haut, Sehstörungen und eine gestörte Wundheilung. Mögliche Begleitsymptome sind Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Abgeschlagenheit.

Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt, und oft haben die Betroffenen Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Bei Beteiligung der Muskulatur kann eine Insulinresistenz Funktionsstörungen der Muskeln sowie eine ausgeprägte Muskelschwäche hervorrufen. Zudem kann sich eine kurzfristige Gewichtsabnahme einstellen, die oft mit Mangelerscheinungen einhergeht. Im Bereich des Abdomens kann es zu einer Gewichtszunahme kommen.

Infolge des hohen Blutzuckerspiegels stellt sich meist ein starkes Durstgefühl ein, gefolgt von einem gesteigerten Harndrang. Weitere Anzeichen sind ein erhöhter Idl-Cholesterinspiegel und ein erniedrigter hdl-Cholesterinspiegel. Dieser Systemkomplex wird auch als Metabolisches Syndrom bezeichnet und weist auf eine Insulinresistenz hin.

Äußerlich ist die Störung meist nicht zu erkennen. Allerdings können typische Krankheitszeichen auftreten, also Gewichtsprobleme, blasse Haut und Schweißausbrüche. Langfristig kann eine unbehandelte Insulinresistenz massive Folgeschäden hervorrufen. Betroffen sind sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch die Organe selbst, bei denen es infolge des erhöhten Blutzuckerspiegels zu Funktionsstörungen kommen kann.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose erfolgt über einen oralen Glukosetoleranztest. Dafür wird zunächst der Nüchternblutzucker gemessen und anschließend eine zuckerhaltige Lösung zügig getrunken. Ein erhöhter Nüchternblutzucker kann ein erster Hinweis auf eine manifestierte Insulinresistenz sein.

Nach Einnahme der Glukoselösung wird in bestimmten zeitlichen Abständen dem Patienten Blut abgenommen. Nun wird geschaut wie die Blutzuckerwerte aussehen und wie viel Insulin ausgeschüttet wurde. Dazu gibt es einen Vergleichswert, den so genannten HOMA-IR. Dabei wird das Verhältnis von Insulin zu Glukose berechnet. Werte größer als 2,0 deuten auf eine Insulinresistenz hin, bei Werten ab 2,5 gilt die Insulinresistenz als gesichert. Werte bei 5,0 finden sich bei Typ 2-Diabetikern regelmäßig.

Bleibt die Insulinresistenz unbehandelt verschlimmert sie sich schleichend und führt schlussendlich zur Diabeteserkrankung beziehungsweise zum metabolischen Syndrom mit Begleiterscheinungen wie Bluthochdruck und starker Fettleibigkeit.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Menschen, die plötzlich und ohne erkennbaren Grund stark an Gewicht zunehmen, sollten ein Arzt aufsuchen. Kommt es zu Übergewicht oder Fettleibigkeit, wird Hilfe benötigt. Führen ausreichend Bewegung oder sportliche Aktivitäten zu keiner Verbesserung der Gesundheit oder einer Gewichtsabnahme, ist ein Arzt zu konsultieren. Bei einem allgemeinen Krankheitsgefühl, emotionalen Problemen, einem Unwohlsein oder einer erhöhten Reizbarkeit sollten medizinische Untersuchungen zur Abklärung der Ursache eingeleitet werden.

Kommt es zu Veränderungen der Muskulatur, einer Abnahme der körperlichen Leistungsmöglichkeiten oder Auffälligkeiten des Stoffwechsels, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Bei Störungen des Herz-Rhythmus, einem Bluthochdruck oder anhaltendem Herzrasen, ist ein Arzt aufzusuchen. Zur Vermeidung eines lebensbedrohlichen Zustandes sind Untersuchungen der Herztätigkeit erforderlich. Stellen sich ohne das Vorhandensein weiterer gesundheitlicher Probleme oder anderer Erkrankungen Schlafstörungen ein, kommt es zu Unregelmäßigkeiten der Atmung sowie einem deutlichen Verlust des Wohlbefindens, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Hautveränderungen, Verfärbungen oder Hautunreinheiten sind ebenfalls untersuchen und behandeln zu lassen. Einschränkungen der Bewegungsmöglichkeiten, Störungen der Mobilität oder Probleme bei der Bewältigung der Anforderungen des Alltags sind Hinweise, denen nachgegangen werden sollte. Ein Arztbesuch ist zu empfehlen, sobald die Beschwerden über einen längeren Zeitraum anhalten, es zu einer Zunahme der vorhandenen Symptome kommt oder sie an Intensität zunehmen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Insulinresistenz wird durch eine langfristige Ernährungsumstellung erreicht. Umstritten sind spezielle Diäten, da sich diese von den Betroffenen dauerhaft schwer durchhalten lassen. Besser ist, den Betroffenen auf eine vollwertige, aber fettarme Ernährung mit komplexen Kohlenhydraten wie Vollkornprodukten und Gemüse umzustellen.

Es ist wichtig, nicht nur die Einfachzucker um ein Vielfaches zu reduzieren, sondern mit den Fetten- vor allem dabei tierischen Fetten- sparsam umzugehen. Die zweite wichtige Behandlungssäule stellt die Aufnahme von mehr Bewegung dar. Dabei sind grundsätzlich alle Ausdauersportarten geeignet. Sehr übergewichtige Menschen sollten bei beiden Behandlungsformen auf eine stetige Gewichtsreduktion hinarbeiten und auf die tägliche Kalorienzufuhr achten.

Da die Insulinresistenz bei nicht stark übergewichtigen Menschen ebenso auftreten kann, ist nicht als erstes die Gewichtsreduktion im Vordergrund stehend, sondern eine Verbesserung der gesamten Stoffwechselsituation durch bessere Ernährung und Sport. Zusätzlich kann die Insulinresistenz mit Medikamenten behandelt werden. Hier kommt vor allem Metformin zum Einsatz, welches sein Wirkzentrum in der Leber hat und dort dafür sorgt, dass weniger Zucker gebildet wird.

Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel und die Bauchspeicheldrüse wird entlastet. Weitere Medikamente sind Insulin- Sensitizer, welche die Empfindlichkeit auf Insulin in den Zellen verbessern und Acarbose, welches einen Zuckerumwandlungsprozess im Darm hemmt.

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Aussicht & Prognose

Die Aussicht auf eine Heilung ist bei einer Insulinresistenz nicht gegeben. Es handelt sich um eine gesundheitliche Störung, die eine Langzeittherapie erfordert. Diese ist neben einer medizinischen Versorgung auf die Mitarbeit des Patienten zwingend angewiesen. Bei einer Einhaltung der Vorgaben, ist eine deutliche Verbesserung der Gesundheit möglich.

Die Betroffenen können durch eine Umstellung ihrer täglichen Ernährung sowie ihres derzeitigen Lebenswandels eine wesentliche Linderung der vorhandenen Beschwerden erzielen. Mit einer ausgewogenen und gesunden Nahrungsmittelzufuhr, einer ausreichenden Bewegung und der Vermeidung von Übergewicht ist es in vielen Fällen möglich, eine Beschwerdefreiheit im Alltag zu erreichen. Eine gute Lebensqualität mit der Erkrankung wird dadurch erreicht.

Sobald der aktuelle Lebensstil beibehalten wird, ist mit einer Zunahme der Beschwerden und damit einer verschlechterten Prognose zu rechnen. Zudem besteht das Risiko, Folgeerkrankungen zu erleiden. Mit einer Diabetes beispielsweise erkrankt der Betroffene an einer chronisch verlaufenden Krankheit, die weitreichende Folgen haben kann.

Patienten, die sich an den Behandlungsplan halten und eine Beschwerdefreiheit erreicht haben, können jederzeit einen Rückfall erleben. Sobald der gesunde Lebenswandel nicht dauerhaft eingehalten wird, kehren die Beschwerden der Insulinresistenz zurück. Zudem steigt die Gefahr von organischen Schäden. Die Leber und die Bauchspeicheldrüse erleiden Funktionsstörungen und können zu irreparablen Störungen führen.

Vorbeugung

Der Insulinresistenz wird vorgebeugt durch eine gesunde Lebensweise mit vielen Mehrfachzuckern, wie Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten sowie Gemüse. Außerdem ist die Aufnahme von Einfachzuckern und Weißmehl sehr gering zu halten, sowie die Fettzufuhr zu reduzieren. Notwendige Fette sollten zu einem Großteil aus pflanzlichen Ölen bestehen. Viel Sport trägt zu einer besseren Verstoffwechselung von Zucker bei und sollte deshalb regelmäßig betrieben werden.

Das können Sie selbst tun

Die Insulinresistenz ist die Vorstufe von Diabetes mellitus. Bei dieser Störung wird nach und nach immer mehr Insulin benötigt, um die gleiche Menge Zucker im Körper zu verarbeiten. Irgendwann ist die Bauchspeicheldrüse schließlich überlastet und der Betroffene wird zuckerkrank. Soweit muss es aber gar nicht erst kommen. Insulinresistenz ist eine der Störungen, bei der der Patient selbst sehr viel zur Besserung seines Befindens beitragen kann. Diabetes und seine Vorstufe gehören zu den typischen Zivilisationskrankheiten, die sehr stark durch die Lebensweise beeinflusst werden. Insulinresistenz wird zum Beispiel auf starkes Übergewicht, insbesondere eine hohe Fettkonzentration in der Körpermitte sowie chronischen Bewegungsmangel zurückgeführt.

Sobald eine Insulinresistenz diagnostiziert wird, müssen Übergewichtige zunächst ihr Körpergewicht verringern. Dies ist meist nicht einfach, weshalb die Patienten auf professionelle Hilfe zurückgreifen sollten. Mit Hilfe eines Ernährungsberaters können sie die schlimmsten Ernährungssünden identifizieren und eliminieren. Vielfach müssen tierische Produkte wie Fleisch, Wurst und fetter Käse durch gesündere Alternativen ersetzt werden. Die Umstellung auf eine vitamin- und ballaststoffreiche, vorwiegend pflanzliche Kost ist aber auch eine Frage der Motivation. Neben dem Ernährungsberater kann hier auch die Mitgliedschaft in einer Selbsthilfegruppe eine große Unterstützung sein. Auch zum Sport können sich viele Betroffene oft nicht regelmäßig aufraffen. Die Mitgliedschaft in einem Sportverein oder einem Fitnessstudio ist eine gute Strategie, um sich selbst zu überwinden und Sport regelmäßig in den Alltag zu integrieren.

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013


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