Lyse

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Der Begriff Lyse kennzeichnet allgemein eine Auflösung, die sich auf unterschiedliche Sachverhalte beziehen kann. Selbst innerhalb der Medizin besitzt dieser Begriff unterschiedliche Bedeutung. So steht die Lyse in der Medizin unter anderem als Kurzform für die Thrombolyse, die als medikamentöse Therapie zur Thrombusauflösung bei Herzinfarkten oder Lungenembolien angewendet wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Lyse?

Lyse ist u.a. die Auflösung von abgestorbenen Zellen oder der Auflösung von Blutgerinnseln bei einer Thrombose.
Lyse ist ein griechischer Begriff und bedeutet Auflösung oder Lösung. Viele chemische und biologische Prozesse werden mit dem Begriff Lyse verknüpft. Dabei kommen selbst innerhalb der Medizin diesem Begriff unterschiedliche Bedeutungen zu.

Neben der Auflösung von abgestorbenen Zellen oder der Auflösung von Blutgerinnseln bei einer Thrombose ist die Lyse auch ein Begriff für das allmähliche Abklingen einer Erkrankung.

Für die Thrombolyse von Blutgerinnseln bei Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Lungenembolien wird der Begriff Lyse als Kurzform der Therapie angewendet. Die Auflösung pathologischer Ängste wird beispielsweise als Anxiolyse bezeichnet. Dagegen kennzeichnet eine Hämolyse sowohl eine physiologische als auch eine pathologische Auflösung der roten Blutkörperchen.

In der Chemie werden mit der Silbe 'Lyse' Auflösungen von bestimmten Verbindungen durch einwirkende Agenzien charakterisiert. So kommt es bei der sogenannten Ozonolyse zur Zerstörung von Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindungen durch die Einwirkung von Ozon. Bei der Hydrolyse spalten Wassermoleküle und bei der Elektrolyse elektrischer Strom bestimmte chemische Verbindungen auf.

Funktion & Aufgabe

In der Biologie und Medizin spielt die Lyse eine große Rolle. So besitzt sie eine große Bedeutung bei der Nekrose oder Apoptose von Körperzellen. In beiden Fällen sterben Körperzellen ab. Während bei der Nekrose krankhafte Prozesse ursächlich für das Absterben sind, geht es bei der Apoptose um ein gezieltes Selbstmordprogramm der Zellen, um neuen Körperzellen Platz zu machen. Während der nachfolgenden Lyse werden die Zellbestandteile durch Enzyme völlig aufgelöst. Dieser Vorgang ist lebensnotwendig, da er den Körper vor Vergiftungen und Infektionen schützt.

Ein weiterer Lyseprozess wird durch die T-Zellen des Immunsystems ausgelöst. Die T-Lymphozyten sorgen dafür, dass infizierte Zellen oder Tumorzellen aufgelöst werden. Da ständig entartete Zellen entstehen oder ständig Zellen mit Viren oder Parasiten infiziert werden, findet die durch T-Lymphozyten ausgelöste Lyse immerwährend statt.

Ständig befinden sich auch die Organe und Gewebe im Umbau. So sterben fortwährend alte Zellen ab, während sich neue Zellen bilden. In manchen Organen laufen diese Prozesse sehr intensiv ab, in anderen weniger intensiv. So befindet sich das Knochen- und Skelettsystem im ständigen Umbau.

Durch die Beanspruchung der Knochen treten dauernde Strukturdefekte auf, welche durch den Abbau der Knochen (Osteolyse) und Neuaufbau immer wieder korrigiert werden.

Auch die Blutzellen werden innerhalb von 120 Tagen wieder erneuert. Der Abbau der roten Blutkörperchen wird als Hämolyse bezeichnet. Um die Erneuerung des Blutes zu gewährleisten, findet eine ständige physiologische Hämolyse statt.

Bei der Thrombolyse werden Blutgerinnsel medikamentös aufgelöst, um Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Embolien zu verhindern oder zu behandeln. In der biologischen Forschung wird auch das Aufbrechen von Zellen durch Ultraschall oder durch chemische Prozesse, um ihre Proteine oder ihre DNA untersuchen zu können, als Lyse bezeichnet.


Krankheiten & Beschwerden

Bei der Infektion von Körperzellen mit Viren kommt es nach einigen Replikationszyklen, bei denen neue Viren erzeugt werden, zur Zerstörung der Zelle ohne eine nachfolgende Auflösung der Zellbestandteile. Das ermöglicht es den Viren, sich im Körper weiter auszubreiten. In diesem Fall führt der fehlende Lyseprozess zu einer Ausbreitung der Infektion. Erst die gezielte Zerstörung und Auflösung der infizierten Zellen durch T-Lymphozyten, die sich im Verlauf der Infektion verstärkt bilden, stoppt die Weiterverbreitung der Viren und leitet den Heilungsprozess ein.

Wenn jedoch das Gleichgewicht zwischen Abbau und Neuaufbau von Körperzellen gestört ist, kommt es zu krankhaften Prozessen. So sind Osteolyse und Hämolyse in der Regel normale Prozesse, die für die Erneuerung von Skelettsystem oder Blut sorgen. Überwiegen jedoch die Abbauprozesse, kann es zu schweren Erkrankungen kommen.

Eine verstärkte Osteolyse führt unter anderem zu Osteoporose (Knochenabbau) oder Osteomalazie (Mineralmangel im Knochen). Die Folge ist eine hohe Knochenbrüchigkeit. Ein verstärkter Abbau von Blutzellen wird als gesteigerte Hämolyse bezeichnet und führt zu Blutarmut (Anämie). Als Abbauprodukt des Hämoglobins entsteht Bilirubin. Bilirubin ist gelblich und verursacht die typischen Symptome einer Gelbsucht. Während bei der physiologischen Hämolyse die roten Blutkörperchen nach 120 Tagen abgebaut werden, verringert sich die Lebensdauer der Erythrozyten bei einer gesteigerten Hämolyse. Die Stärke der Anämie hängt daher von der Lebensdauer der roten Blutkörperchen ab.

Ursachen der verstärkten Hämolyse können Gefäßveränderungen, Herzklappenprothesen, genetische Bluterkrankungen (z. B. Sichelzellenanämie), Infektionen (z.B. Malaria), immunologische Störungen, Gifte (u. a. durch Streptokokken) oder Blutkrebs sein.

Auch alle anderen Organe sind vom physiologischen Zellabbau und der Zellauflösung betroffen. So stehen die Auf- und Abbauprozesse normalerweise miteinander im Gleichgewicht. Wenn allerdings die Abbauprozesse überwiegen, kommt es zur Erkrankung des betreffenden Organs.

Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich die Zellneubildung, ohne dass sich die Abbauprozesse verzögern. Dadurch finden ein allmählicher Abbau der Körperzellen und ihre Auflösung statt.

Zur Lyse zählt auch der Verdauungsprozess. Für die Verdauung sind die sogenannten Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse verantwortlich. Wenn die Verdauungssäfte vor der Freisetzung aus der Bauchspeicheldrüse aktiviert werden oder ihre Freisetzung gestört ist, kann es im Rahmen einer akuten Pankreatitis zur vollständigen Selbstauflösung (Verdauung) des Pankreas kommen.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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