Anxiolyse

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Ängste sind ein natürlicher Bestandteil der menschlichen Empfindung. Jeder hat sie und jeder benötigt sie, um in Gefahrensituationen vorteilhaft reagieren zu können. Nehmen sie jedoch überhand, handelt es sich um pathologische Formen der Angst (Angststörung), die behandlungsbedürftig sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Anxiolyse?

Anxiolyse
Unter einer Anxiolyse versteht die Medizin bzw. Psychiatrie die Auflösung von Ängsten. Dazu werden meist chemische Mittel (Psychopharmaka) eingesetzt.

Unter einer Anxiolyse versteht die Medizin bzw. Psychiatrie die Auflösung von Ängsten. Dazu werden meist chemische Mittel (Psychopharmaka) eingesetzt. Sie gehören verschiedenen Wirkstoff-Klassen an und werden oft auch als Minor Tranquilizer (schwache Beruhigungsmittel) bezeichnet.

Die Hauptgruppe der Anxiolytika (angstlösenden Medikamente) bilden die Benzodiazepine. Die Tranquilizer/Sedativa haben eine beruhigende Wirkung und dämpfen Emotionen, sind aber wegen ihres hohen Suchtpotenzials und ihrer diversen Nebenwirkungen nicht unumstritten. Da jedoch vielen Ängsten seelische Verletzungen zugrunde liegen, die nicht, nur teilweise oder inadäquat verarbeitet wurden, kann die Anxiolyse nur dann erfolgreich sein, wenn sie parallel zu einer geeigneten Psychotherapie erfolgt. Die symptomatische Behandlung mithilfe von angsthemmenden Medikamenten kann in keinem Fall die Psychotherapie ersetzen.

Depressiven Patienten mit Angst-Symptomatik werden andere Medikamente verschrieben als Menschen mit Phobien und Betroffenen, die an einer schizophrenen Psychose leiden. In bestimmten Fällen können dem an Ängsten oder Phobien Leidenden auch pflanzliche Mittel verabreicht werden. Als Psychotherapie der ersten Wahl gilt bei Angststörungen die kognitive Verhaltenstherapie. Sie ist ursachenorientiert und gibt dem Patienten das Verhaltensinstrumentarium an die Hand, das er benötigt, um mit den angstauslösenden Gedanken, Personen und Situationen angemessen umzugehen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Gabe von Anxiolytika ist sinnvoll, wenn der Patient in seiner Lebensführung schon stark eingeschränkt ist. Hegt er sogar Selbstmordabsichten, ist unverzüglich fachärztliche Hilfe nötig; Medikamente allein reichen dann nicht aus. Zu den hauptsächlich verordneten chemischen Mitteln gehören Tranquilizer/Sedativa, Antidepressiva, Neuroleptika und Betablocker.

Die meisten Anxiolytika haben eine den gestörten Neurotransmitter-Haushalt ausgleichende Wirkung. Andere Mittel (Betablocker) sind eigentlich keine Anxiolytika, werden aber häufig verschrieben, da sie die körperlichen Angst-Symptome wie Zittern, Schweißausbrüche, Durchfall, Herzrasen etc. reduzieren. Tranquilizer werden am häufigsten verabreicht. Gegen starke Ängste und Panikzustände helfen Benzodiazepine. Sie haben einen beruhigenden, angstlösenden, krampfhemmenden und emotional dämpfenden Effekt und sind innerhalb kurzer Zeit wirksam. Häufig verordnete Medikamente dieses Typs enthalten Oxazepam, Alprazolam und Diazepam.

Bei depressiven Patienten, die zugleich an einer Angststörung leiden, verschreibt der Arzt Antidepressiva wie beispielsweise Clomipramin, Maprotilin oder Imipramin. Sie wirken nicht nur stimmungsaufhellend, sondern auch beruhigend und emotional abschirmend. Um eventuellen anfänglichen Nebenwirkungen zu begegnen, werden die Antidepressiva einschleichend gegeben. Daher erreichen sie meist auch erst 2 bis 3 Wochen später ihre optimale Wirkung.

Sie haben im Gegensatz zu anderen Anxiolytika kein großes Suchtpotenzial und können daher auch zur Langzeitbehandlung von Ängsten eingesetzt werden. Neuroleptika werden meist schizophrenen Patienten verschrieben, da sie die Übermittlung von Dopamin an den Synapsen im Gehirn hemmen. Lediglich niederpotente Neuroleptika wie Melperon und Promethazin haben eine angstreduzierende Wirkung. Sie dämpfen und entspannen, sodass der schizophrene Patient therapiefähig wird.

Betablocker mindern die körperlichen Symptome der Angststörung und wirken zudem blutdrucksenkend. Auf die Ängste selbst und die damit verbundene Reizbarkeit und Nervosität haben sie jedoch keinen Einfluss. Sie haben keine suchterzeugende Wirkung, können aber müde machen und die körperliche Leistungsfähigkeit herabsetzen. Zur Langzeitbehandlung von Ängsten werden Betablocker nicht eingesetzt. Vor der Verabreichung von chemischen Mitteln zur Anxiolyse steht eine genaue Anamnese; je nach Wirkstoff werden zusätzlich Laborwerte wie das Blutbild kontrolliert. Verordnet werden die Medikamente ärztlich, häufig durch Fachärzte für Psychiatrie oder Neurologie, und sie werden meist einschleichend und ausschleichend dosiert, um das Risiko von Nebenwirkungen zu verringern.

Wann und wie oft ein Mittel einzunehmen ist, richtet sich nach dem Wirkstoff und wird vom behandelnden Arzt festgelegt. Mitunter kommt es zu einer Erst-Verschlimmerungsreaktion, die nach einiger Zeit wieder nachlässt. Bei weniger starken Ängsten werden auch pflanzliche Präparate eingesetzt. Nebenwirkungsfrei sind sie jedoch nicht: Johanniskraut etwa erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut und schwächt die Wirkung zahlreicher anderer Medikamente ab, darunter die der Antibabypille. Auch pflanzliche Mittel sollten deshalb mit dem Arzt abgesprochen werden. Traditionell bei innerer Unruhe und Ängsten angewendet werden Baldrian, Johanniskraut, Hopfen, Kamille, Lavendel und Passionsblume. Für das im Weihrauch enthaltene Incensol ist eine angstdämpfende Wirkung bislang nur im Tierversuch beschrieben worden.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Insbesondere die Benzodiazepine haben zum Teil schwere Nebenwirkungen und ein hohes Suchtpotenzial, das sich schon nach wenigen Wochen regelmäßiger Einnahme entwickeln kann. Neuroleptika haben insbesondere bei einer Langzeittherapie nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen und sogar Spätfolgen. Auch sie schränken die Reaktionsfähigkeit des Patienten stark ein, sodass er idealerweise auf eine Teilnahme am Straßenverkehr und das Bedienen von Maschinen verzichtet.

Eine Sucht im eigentlichen Sinn erzeugen Neuroleptika nicht; nach längerer Einnahme kann es beim abrupten Absetzen aber zu Absetzbeschwerden kommen. Außer zum Erst-Verschlimmerungseffekt kann es bei der Einnahme der Substanz-Gruppen zu folgenden negativen Auswirkungen kommen: Übelkeit, Erbrechen, Verdauungsprobleme, eingeschränkte Bewegungsfähigkeit und Koordinationsstörungen, Schädigung der Entgiftungsorgane Leber und Nieren, Verringerung oder totaler Verlust der Libido wegen des sedierenden Effekts, Gewichtszunahme durch die Verlangsamung des Stoffwechsels bis hin zur Fettleibigkeit, hormonelle Störungen, bei Daueranwendung möglicherweise eine verkürzte Lebenserwartung (nicht bei Betablockern!), Beeinflussung des Nervensystems (Zittern, nervöse Unruhe, Sensibilitätsstörungen an den Gliedmaßen, Schlafstörungen) sowie kardiovaskuläre Probleme wie Tachykardie, Hypotonie und Herzrhythmusstörungen.

Bei Sedativa kann es außerdem zum Gewöhnungseffekt kommen, sodass die Dosis in Abständen erhöht werden muss, um eine gleichbleibende Wirkung zu erzielen. Viele der zur Anxiolyse verordneten Mittel gehen in die Muttermilch über und können auch das ungeborene Kind erreichen. In Schwangerschaft und Stillzeit werden sie deshalb nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko verordnet. Das gilt insbesondere für den Einsatz von Benzodiazepinen.

Anxiolyse vor medizinischen Eingriffen

Neben der Behandlung von Angststörungen gibt es ein zweites, ganz anders gelagertes Anwendungsgebiet der Anxiolyse: die Angstlösung vor und während medizinischer Eingriffe. Hier geht es nicht um eine Erkrankung, sondern um eine verständliche Reaktion auf eine belastende Lage.

Vor Operationen ist die Furcht vor dem Eingriff, vor der Narkose und vor dem zu erwartenden Befund weit verbreitet. Sie ist nicht nur unangenehm, sondern wirkt sich körperlich aus, etwa durch einen Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz. Die Anästhesiologie begegnet ihr zunächst mit dem Gespräch: Dem Vorgespräch, in dem der Ablauf erklärt und Fragen beantwortet werden, wird dabei ein hoher Stellenwert zugeschrieben. Darüber hinaus kann am Vorabend oder am Morgen des Eingriffs ein angstlösendes Medikament gegeben werden, meist ein Benzodiazepin. Diese Gabe wird als Prämedikation bezeichnet. Sie wird heute zurückhaltender gehandhabt als früher, weil ältere Menschen davon noch Stunden später benommen sein können und die Nachwirkung den Verlauf nach der Operation belastet.

Auch bei Untersuchungen, die für sich genommen wenig schmerzhaft, aber angstbesetzt sind, wird angstlösend behandelt: bei der Magenspiegelung und der Darmspiegelung, bei Untersuchungen in der engen Röhre der Kernspintomographie, die bei Klaustrophobie kaum zu ertragen ist, und bei zahnärztlichen Behandlungen. Bei Kindern hat die Angstlösung besonderes Gewicht, weil sich die Erfahrung der ersten Behandlung auf alle späteren auswirken kann; neben Medikamenten werden hier die Anwesenheit der Eltern, altersgerechte Erklärungen und Ablenkung genutzt.

Von der Sedierung unterscheidet sich diese Form der Anxiolyse dem Ziel nach: Die Angstlösung soll die Furcht nehmen, ohne notwendigerweise die Wachheit zu dämpfen. Bei den gebräuchlichen Wirkstoffen gehen beide Wirkungen jedoch ineinander über, sodass die Grenze in der Praxis eher eine Frage der verabreichten Menge als der Substanz ist.

Nichtmedikamentöse Wege der Angstlösung

Die Anxiolyse mit Medikamenten ist nur ein Teil der Behandlung von Ängsten. Bei den krankhaften Formen stehen Verfahren im Vordergrund, die ohne Wirkstoffe auskommen.

An erster Stelle steht die Aufklärung über die Erkrankung selbst. Vielen Betroffenen ist nicht bekannt, dass die körperlichen Beschwerden einer Panikattacke – Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern – Ausdruck einer Alarmreaktion des Körpers sind und für sich genommen nicht bedrohlich. Allein diese Einordnung kann jene Furcht vor der Furcht mindern, die viele Angsterkrankungen aufrechterhält.

Die Kognitive Verhaltenstherapie arbeitet an den Gedanken, die der Angst zugrunde liegen, und an dem Verhalten, das aus ihr folgt. Ein Kernstück ist die schrittweise Annäherung an die gemiedene Situation unter therapeutischer Begleitung: Wer eine Situation dauerhaft meidet, macht nie die Erfahrung, dass das Befürchtete ausbleibt – die Vermeidung entlastet kurzfristig und hält die Angst langfristig aufrecht. Daneben werden psychodynamische Verfahren eingesetzt, die stärker auf die Entstehungsgeschichte der Angst blicken.

Entspannungsverfahren wie das autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung werden begleitend genutzt, um die körperliche Anspannung zu verringern; Ähnliches gilt für Übungen der Achtsamkeit und für Meditation. Auch regelmäßige körperliche Bewegung wird bei Angsterkrankungen empfohlen. Als ungünstig gilt dagegen der Griff zu Alkohol: Er dämpft die Angst kurzfristig, verstärkt sie auf längere Sicht und kann in eine Alkoholabhängigkeit führen. Selbsthilfegruppen und die Einbeziehung von Angehörigen können die Behandlung ergänzen, weil Angststörungen das Zusammenleben in Familie und Beruf oft stark verändern.

Ob eine Behandlung mit Medikamenten, eine Psychotherapie oder beides gemeinsam gewählt wird, hängt von Art und Schwere der Angststörung, von Begleiterkrankungen und vom Patienten selbst ab.

Formen der Angststörung & ihre Behandlung

Angst ist nicht gleich Angst, und dementsprechend richtet sich die Anxiolyse nach der Form der Störung. Die Medizin unterscheidet mehrere Krankheitsbilder, die sich in Auslöser, Verlauf und Behandlung deutlich unterscheiden.

Bei der Panikstörung treten die Angstanfälle plötzlich und ohne erkennbaren äußeren Anlass auf; im Vordergrund stehen heftige körperliche Beschwerden, die von den Betroffenen häufig als Herzinfarkt gedeutet werden. Viele Betroffene beginnen daraufhin, Orte zu meiden, an denen ein solcher Anfall unangenehm wäre – Menschenmengen, öffentliche Verkehrsmittel, weite Plätze. Diese Vermeidung wird als Agoraphobie bezeichnet und schränkt den Alltag oft stärker ein als die Anfälle selbst.

Die generalisierte Angststörung äußert sich nicht in Anfällen, sondern in einer anhaltenden, auf viele Lebensbereiche verteilten Sorge, die kaum abzustellen ist und von Anspannung, Unruhe und Schlafstörungen begleitet wird. Bei der sozialen Phobie bezieht sich die Angst auf die Bewertung durch andere Menschen; gemieden werden Vorträge, Prüfungen, Gespräche mit Fremden. Die spezifischen Phobien schließlich richten sich auf einen eng umschriebenen Gegenstand oder eine einzelne Situation, etwa auf bestimmte Tiere, auf Höhe, auf Blut oder auf enge Räume (Klaustrophobie). Von all diesen Bildern abzugrenzen sind die Ängste, die im Rahmen einer Depression, einer Zwangsstörung oder nach schweren Belastungen auftreten.

Für die Behandlung hat diese Unterscheidung erhebliche Folgen. Bei den spezifischen Phobien wird in der Regel ohne Medikamente gearbeitet; im Mittelpunkt steht die begleitete Annäherung an das gemiedene Objekt. Bei der Panikstörung, der generalisierten Angststörung und der sozialen Phobie werden dagegen häufig Antidepressiva eingesetzt, meist gemeinsam mit einer Psychotherapie. Betablocker kommen bei einzelnen, vorhersehbaren Auftrittssituationen in Betracht, weil sie die körperlichen Begleiterscheinungen wie Zittern und Herzrasen dämpfen, an der Angst selbst jedoch nichts ändern. Benzodiazepine bleiben schweren Zuständen und kurzen Zeiträumen vorbehalten.

Verlauf & Beendigung der Behandlung

Eine Behandlung mit Anxiolytika ist kein einmaliger Vorgang, sondern wird über ihre gesamte Dauer ärztlich begleitet.

Vor Beginn werden die Beschwerden geordnet. Angststörungen treten häufig gemeinsam mit einer Depression oder mit einer Suchterkrankung auf, und körperliche Ursachen können ähnliche Beschwerden hervorrufen – etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, Herzrhythmusstörungen oder der übermäßige Gebrauch anregender Substanzen. Erst wenn diese Möglichkeiten bedacht sind, wird über Wirkstoffgruppe und Vorgehen entschieden.

Im Verlauf wird geprüft, ob die erhoffte Wirkung eintritt und welche Nebenwirkungen auftreten. Bei den Antidepressiva ist zu berücksichtigen, dass die Wirkung erst nach einiger Zeit voll einsetzt und anfangs sogar eine Zunahme der Unruhe möglich ist; eine Behandlung wird deshalb nicht vorschnell als erfolglos beurteilt. Bei den Benzodiazepinen verhält es sich umgekehrt: Sie wirken rasch, büßen bei fortgesetzter Einnahme aber an Wirkung ein und sind für eine dauerhafte Anwendung nicht geeignet.

Das Ende der Behandlung verlangt besondere Aufmerksamkeit. Werden angstlösende Mittel plötzlich abgesetzt, kann es zu Unruhe, Schlafstörungen, Schwitzen und einem vorübergehenden Wiederaufflammen der Angst kommen; nach längerer Einnahme von Benzodiazepinen sind auch schwerere Entzugserscheinungen möglich. Die Mittel werden deshalb in der Regel schrittweise verringert. Ein solches Ausschleichen erfolgt nach ärztlichem Plan und kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken; Rückschläge sind dabei kein Zeichen des Scheiterns. Nach dem Absetzen bleibt die Frage, wie einem Rückfall begegnet wird – hier zeigt sich, ob die begleitende Psychotherapie die Grundlage dafür gelegt hat.

Anxiolyse bei besonderen Patientengruppen

Alter, Begleiterkrankungen und Lebensumstände verändern sowohl die Wirkung der Mittel als auch die Abwägung, ob sie überhaupt eingesetzt werden.

Bei Kindern und Jugendlichen wird zurückhaltend verordnet. Ängste gehören in bestimmten Lebensabschnitten zur normalen Entwicklung, und für viele Wirkstoffe fehlt in dieser Altersgruppe die arzneimittelrechtliche Zulassung. Im Vordergrund stehen deshalb psychotherapeutische Verfahren und die Einbeziehung der Familie; kommen Medikamente in Betracht, wird die Behandlung fachärztlich geführt und engmaschig überprüft.

Bei älteren Menschen wirken beruhigende Mittel stärker und länger. Sie können Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung und Standsicherheit beeinträchtigen; daraus ergibt sich eine erhöhte Gefahr von Stürzen und Knochenbrüchen, die bei bestehender Osteoporose besonders schwer wiegen. Bei Menschen mit einer Demenz können solche Mittel die Verwirrtheit verstärken. Die Benzodiazepine gelten in dieser Altersgruppe daher als besonders kritisch zu prüfende Wirkstoffe.

Bei Erkrankungen von Leber und Nieren verzögert sich der Abbau vieler Substanzen, sodass geringere Mengen genügen. Bei Herzerkrankungen ist zu beachten, dass einzelne Anxiolytika und Antidepressiva die Erregungsleitung des Herzens beeinflussen können; bei Erkrankungen der Atemwege ist Vorsicht geboten, weil dämpfende Mittel den Atemantrieb schwächen. Menschen mit einer Suchterkrankung in der Vorgeschichte erhalten Benzodiazepine nur in begründeten Ausnahmen, da das Abhängigkeitsrisiko bei ihnen besonders hoch ist. In Schwangerschaft und Stillzeit gelten die weiter oben genannten Einschränkungen.

Abgrenzung zu Sedierung, Analgesie & Anästhesie

Die Anxiolyse gehört zu einer Reihe von Behandlungszielen, deren Wirkungen sich überschneiden, die aber Verschiedenes bezeichnen.

Die Anxiolyse löst die Angst. Der Patient bleibt wach und ansprechbar, seine Empfindungen bleiben erhalten; verändert wird allein das Gefühl der Bedrohung. Die Sedierung dämpft dagegen die Wachheit – ein sedierter Mensch ist schläfrig und reagiert verzögert, kann aber weiterhin Angst und Schmerz empfinden, ohne sich gut mitteilen zu können. Beide Wirkungen treten bei den gebräuchlichen Wirkstoffen häufig gemeinsam auf, was ihre Unterscheidung im Alltag erschwert.

Die Analgesie nimmt den Schmerz, nicht die Angst. Die Anästhesie hebt die Empfindung insgesamt auf und in Gestalt der Vollnarkose auch das Bewusstsein. Eine Anxiolyse ist damit weder eine Betäubung noch eine Schmerzbehandlung – auch wenn Angst das Schmerzerleben verstärken kann und eine gute Schmerzbehandlung umgekehrt die Angst mindert.

Von den Wirkstoffen her betrachtet heißen die zur Anxiolyse verwendeten Mittel Anxiolytika, die schmerzstillenden Analgetika und die betäubenden Anästhetika. Da einzelne Substanzen – allen voran die Benzodiazepine – mehrere dieser Wirkungen zugleich entfalten, wird ein und derselbe Stoff je nach Zweck der Anwendung unterschiedlichen Gruppen zugeordnet. Nicht zu den Anxiolytika zählen die Hypnotika, die dem Einschlafen dienen, auch wenn sich die Wirkstoffe teilweise überschneiden.

Quellen

  • Laux, G., Dietmaier, O.: Praktische Psychopharmakotherapie.
    ISBN: 9783437213229
  • Falkai, P., Wittchen, H.-U. (Hrsg.): Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen.
    ISBN: 9783801732172
  • Larsen, R.: Anästhesie.
    ISBN: 9783437225123
  • Baron, R., Koppert, W., Strumpf, M., Willweber-Strumpf, A. (Hrsg.): Praktische Schmerzmedizin.
    ISBN: 9783662574867
  • Lüllmann, H., Mohr, K., Wehling, M., Hein, L.: Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783133685184

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