Spitzwegerich

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. Mai 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Spitzwegerich (Plantago lanceolata) gehört zur Familie der Wegerichgewächse und ist im Volksmund bekannt als Roßrippe, Spießkraut oder Wegetritt.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau von Spitzwegerich

Die klebrigen Samen heften sich an die Füße und verbreiteten sich schnell über die ganze Welt.

Die mehrjährige Pflanze ist eine Rosette bildende Staude mit einer kahlen, seidig behaarten Blüte an einem 10 - 40 cm langen Stiel. Die lanzenförmigen Blätter sind kaum verzahnt, 3 - 5 stark verengte Adern führen parallel zum kurzen Blattstiel.

Spitzwegerich ist relativ widerstandsfähig gegenüber Trockenheit und in der Lage, auf trockenen Standorten wie Böschungen zu wachsen. Der deutsche Name bezieht sich auf die charakteristischen Blattadern, der lateinische Name leitet sich vom lateinischen planta = Fußsohle ab.

Die klebrigen Samen heften sich an die Füße und verbreiteten sich schnell über die ganze Welt. Die Indianer nannten Spitzwegerich daher auch "Des Weißen Mannes Fuß".

Spitzwegerich in der Natur finden

Spitzwegerich (Plantago lanceolata) ist eine weit verbreitete Pflanze, die in vielen Teilen der Welt vorkommt und leicht in der Natur zu finden ist. Hier sind einige Tipps, wie man Spitzwegerich in der Natur findet und erkennt:

Standort: Spitzwegerich wächst bevorzugt auf Wiesen, Weiden, an Wegesrändern und in offenen Wäldern. Er bevorzugt gut durchlässige Böden und kommt häufig in gemäßigten Klimazonen vor. Er kann sowohl in sonnigen als auch in halbschattigen Bereichen gedeihen.

Aussehen: Spitzwegerich ist leicht an seinen langen, schmalen, lanzettförmigen Blättern zu erkennen, die in einer Rosette aus dem Boden wachsen. Die Blätter sind etwa 10-30 cm lang und haben parallele Blattadern. Die Blattränder können leicht behaart sein. Bei Verletzung der Blätter tritt ein schleimiger Saft aus.

Blüten: Von Mai bis September bildet Spitzwegerich aufrechten, blattlosen Blütenstängel, die bis zu 50 cm hoch werden können. Die Blütenstände sind zylindrisch und ährenartig, mit kleinen, unscheinbaren, weißen bis hellbraunen Blüten, die eng beieinander sitzen.

Ernte: Die beste Zeit zur Ernte der Blätter ist im Frühjahr und Sommer, wenn die Blätter jung und zart sind. Die Blüten und Samen können im Spätsommer geerntet werden.

Verwechslungsgefahr: Spitzwegerich kann mit anderen Wegerich-Arten verwechselt werden, wie dem Breitwegerich (Plantago major), der breitere, ovale Blätter hat. Es ist wichtig, die Blattform und die Blattadern genau zu betrachten, um eine Verwechslung zu vermeiden.

Verwendung: Spitzwegerich wird traditionell zur Behandlung von Husten, Hautverletzungen und Insektenstichen verwendet. Die Blätter können frisch oder getrocknet als Tee, Umschlag oder in Salben verarbeitet werden.

Bei der Suche nach Spitzwegerich ist es wichtig, natürliche und wenig verschmutzte Standorte zu wählen, um eine Belastung der Pflanze durch Schadstoffe zu vermeiden.

Welche Inhaltsstoffe kommen im Spitzwegerich vor?

Spitzwegerich ist bekannt für seine vielseitigen gesundheitlichen Vorteile, die auf eine Vielzahl bioaktiver Inhaltsstoffe zurückzuführen sind. Hier sind einige der wichtigsten Inhaltsstoffe, die im Spitzwegerich vorkommen:

Schleimstoffe: Spitzwegerich enthält reichlich Schleimstoffe, die entzündungshemmende und reizlindernde Eigenschaften haben. Diese Schleimstoffe bilden einen schützenden Film über gereizten Schleimhäuten, was besonders bei Husten und Halsschmerzen hilfreich ist.

Glykoside: Aucubin ist ein bedeutendes Iridoidglykosid im Spitzwegerich. Es hat nachweislich antimikrobielle und entzündungshemmende Eigenschaften und spielt eine wichtige Rolle bei der Wundheilung.

Gerbstoffe: Diese adstringierenden Verbindungen helfen, Entzündungen zu reduzieren und Wunden schneller zu verschließen. Sie tragen auch zur antibakteriellen Wirkung des Spitzwegerichs bei.

Flavonoide: Spitzwegerich enthält Flavonoide wie Apigenin und Luteolin, die antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen haben. Diese Verbindungen tragen dazu bei, freie Radikale zu neutralisieren und das Immunsystem zu stärken.

Vitamine und Mineralstoffe: Spitzwegerich ist eine gute Quelle für Vitamin C und Vitamin K. Vitamin C unterstützt das Immunsystem und fördert die Kollagenbildung, während Vitamin K wichtig für die Blutgerinnung ist. Darüber hinaus enthält die Pflanze Mineralstoffe wie Kalium, Zink und Silizium, die für verschiedene Körperfunktionen notwendig sind.

Bitterstoffe: Diese fördern die Verdauung und regen den Appetit an. Sie können auch dazu beitragen, die Leberfunktion zu unterstützen und die Gallenproduktion zu stimulieren.

Ätherische Öle: Diese tragen zu den antiseptischen und entzündungshemmenden Eigenschaften des Spitzwegerichs bei und verleihen der Pflanze ihren charakteristischen Duft.

Enzyme: Spitzwegerich enthält Enzyme wie Invertase und Emulsin, die bei der Verdauung helfen und die Heilungsprozesse im Körper unterstützen können.

Dank dieser vielfältigen Inhaltsstoffe wird Spitzwegerich traditionell zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Hautproblemen und Verdauungsstörungen eingesetzt.

Anwendung & Verwendung

Für die medizinische Verwendung aufbereiteter Spitzwegerich stammt überwiegend aus gezieltem Anbau. Die Blätter weisen einen Gesamtgehalt von mindestens 1,5 Prozent an ortho-Dihydroxyzimtsäure-Derivaten auf und enthalten Kalzium, Phosphat, Kalium, Natrium sowie die Spurenelemente Kobalt und Kupfer.

Die Pflanzensäfte (Schleimstoffgehalt 2 %) des Spitzwegerich enthalten neben den hauptsächlich wirksamen Iridoidglykosiden Catalpol, Aucubin und Asperulosid (Gehalt 1,9 bis 2,4 %):

  • Flavonoide (Luteolin, Apigenin-7-O-monoglucosid)
  • Desacetylasperuloidsäuremethylester
  • Kaffeesäurederivate
  • Phenolcarbonsäuren
  • Cumarin
  • Phenylethanoide (Acteosid)
  • Gerbstoffe (6,5 %)
  • Globularin
  • Kieselsäure (1,3 %)

Spitzwegerich wird aufgrund seiner nachgewiesenen antibakteriellen, entzündungshemmenden und immunstimmulierenden Wirkung als Tee, Pflanzensaft sowie als wässriger Pflanzenextrakt aufbereitet. Die Blätter werden getrocknet oder für die Saftgewinnung gepresst. Zur inneren Anwendung werden die einhüllenden Eigenschaften der im Spitzwegerich enthaltenen Schleimstoffe, die antibakteriellen Effekte von Catalpol und Aucubin sowie die Wirkung der Gerbstoffe genutzt.

In der äußeren Anwendung werden vor allem entzündliche Hautveränderungen behandelt. Die Verwendung von Spitzwegerich als Hustenmittel war so sprichwörtlich, dass in Deutschland der Begriff "Spitzwegerichsaft" bis heute allgemeine Bezeichnung für ein Hustenmittel verwendet wurde.

Die seit Urzeiten hochgeschätzte Heilpflanze Spitzwegerich kann auch als Nahrungsmittel verwendet werden. Die frischen jungen Blätter sind vor der Blüte am schmackhaftesten und bilden eine gesunde Ergänzung zu Salaten und Dips. Sie eignen sich auch zur Zubereitung als Gemüse und für Suppen. Spitzwegerichsamen kann zu Pulver gemahlen und für die Herstellung von Brot oder Kuchen dem Mehl hinzugefügt werden.

Die Fasern aus den Blättern wurden für die Herstellung von Textilien verwendet und auch der Schleim aus den Samenschalen für die Versteifung von Stoff genutzt. Durch Einweichen der Samen in warmem Wasser können goldene und braune Farbstoffe gewonnen werden.

Bedeutung für Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Spitzwegerich wurde bereits in der Antike geschätzt. Die heutige Verwendung im medizinischen Bereich ist aufgrund der Inhaltsstoffe wie auch minimaler Kontraindikationen äußerst vielseitig. Sie bezieht sich nicht nur auf den Bereich der Volksmedizin sondern ist pharmazeutisch untersetzt.

Da Spitzwegerich epidermale Inhaltsstoffe enthält, die die Reparatur von beschädigtem Gewebe stimulieren, eignen sich Auszüge für die wirksame Behandlung von blutenden Wunden. Äußerlich kann eine Abkochung aus den Blättern zudem zur Behandlung von Entzündungen der Haut, Schnitten, Insektenstichen und bösartigen Geschwüren verwendet werden.

Die Aufbereitung der Wurzel des Spitzwegerichs hat sich als geeignet für die Versorgung von Schlangenbissen erwiesen. Die stark quellenden Samen sind ein hervorragendes Mittel gegen parasitäre Würmer oder als Tee hilfreich bei der Behandlung von Durchfall, Ruhr und Blutungen der Schleimhäute. Pflanzenauszüge können als Bestandteil in Augenspülungen zum Einsatz kommen.

Innerlich werden sie in der Behandlung einer Vielzahl von Beschwerden wie Durchfall, Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, Reizdarm, Blutungen, Hämorrhoiden, Blasenentzündung, Schnupfen, Sinusitis, Asthma und Heuschnupfen verwendet. Spitzwegerich beeinflusst sehr speziell Entzündungen der Bronchien und wird daher als Heilmittel gegen Husten und katarrhalische entzündliche Erkrankungen der Atemwege verwendet.

In der Volksmedizin wird der Saft für Blutreinigungskuren im Frühjahr eingesetzt. Verdünnt mit Kamillentee kommt Spitzwegerich für die Behandlung von schlecht heilenden Wunden zur Anwendung. Frisch gepflückte und zerquetschte Blätter können direkt auf frische Wunden gelegt werden, um Juckreiz und Schwellungen zu lindern.


Nebenwirkungen & Wechselwirkungen

Spitzwegerich ist eine Heilpflanze, die allgemein als sicher gilt, aber wie bei jeder medizinischen Anwendung können auch hier Nebenwirkungen und Wechselwirkungen auftreten.

Nebenwirkungen:

Allergische Reaktionen: Bei einigen Menschen kann Spitzwegerich allergische Reaktionen hervorrufen, die sich in Form von Hautausschlägen, Juckreiz oder Atembeschwerden äußern können. Personen mit einer bekannten Allergie gegen Pflanzen aus der Plantaginaceae-Familie sollten Spitzwegerich meiden.

Verdauungsbeschwerden: In seltenen Fällen kann der Konsum von Spitzwegerich zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Blähungen oder Durchfall führen, insbesondere wenn er in großen Mengen eingenommen wird.

Hautreaktionen: Bei äußerlicher Anwendung kann Spitzwegerich bei empfindlichen Personen Hautreizungen oder Kontaktdermatitis verursachen.

Wechselwirkungen:

Blutverdünner: Spitzwegerich enthält Vitamin K, das die Blutgerinnung beeinflussen kann. Dies könnte die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten wie Warfarin beeinträchtigen und das Risiko für Blutungen oder Gerinnungsprobleme erhöhen. Patienten, die Blutverdünner einnehmen, sollten die Anwendung von Spitzwegerich mit ihrem Arzt besprechen.

Diuretika: Spitzwegerich kann eine leicht harntreibende Wirkung haben. Die gleichzeitige Einnahme mit Diuretika könnte die harntreibende Wirkung verstärken und das Risiko einer Dehydratation oder eines Elektrolytungleichgewichts erhöhen.

Immunsuppressiva: Da Spitzwegerich immunmodulierende Eigenschaften haben kann, könnte er die Wirkung von immunsuppressiven Medikamenten beeinträchtigen.

Obwohl Spitzwegerich viele gesundheitliche Vorteile bietet, ist es wichtig, die Anwendung mit einem Arzt zu besprechen, insbesondere wenn man unter chronischen Erkrankungen leidet oder regelmäßig Medikamente einnimmt. Die sorgfältige Beachtung von möglichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen trägt dazu bei, die sichere und effektive Nutzung von Spitzwegerich zu gewährleisten.

Quellen

  • "Medicinal Plants of the World" von Ben-Erik Van Wyk und Michael Wink
  • "Phytotherapy: A Quick Reference to Herbal Medicine" von Francesco Capasso, Timothy S. Gaginella
  • "Medicinal Plants of the World: Chemical Constituents, Traditional and Modern Medicinal Uses" von Ivan A. Ross

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