Tropenkrankheiten
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Tropenkrankheiten
Tropenkrankheiten sind heute nicht mehr auf ihre Ursprungsländer beschränkt. Mancher Urlauber bringt nichtsahnend ein unangenehmes Souvenir mit und in Flugzeugen und Frachtcontainern wurde schon öfter ein exotischer Überträger von Tropenkrankheiten als blinder Passagier eingeschleppt.
Inhaltsverzeichnis |
Was sind Tropenkrankheiten?
Als Tropenkrankheiten bezeichnet man Infektionen, die vorwiegend in tropischen und subtropischen Gebieten vorkommen, weil die Krankheitsüberträger ein wärmeres Klima zum Überleben brauchen.
Typisch für Tropenkrankheiten sind rasche Ausbreitung und oft epidemieartiges Auftreten. Zu den bekanntesten Tropenkrankheiten zählen heute neben Malaria, Gelb-, Dengue- und Krim-Kongo-Fieber auch Schlafkrankheit, Bilharziose, Lepra und Chagas-Krankheit.
Diese Infektionskrankheiten sind in vielen feuchtwarmen Regionen verbreitet, während andere wie Ebola, Lassa-Fieber und Marburgfieber gehäuft in Afrika auftreten.
Die Inkubationszeit der einzelnen Tropenkrankheiten ist unterschiedlich lang. Selten treten die Symptome schlagartig auf, meist entwickeln sie sich schleichend über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten. Sie können in Schüben auftretende Fieberanfälle, schwere Magen-Darm-Erkrankungen oder innere Blutungen auslösen. Bei der gefährlichsten Malariaform, der Malaria tropica, beginnen die Beschwerden dagegen in der Regel schon sieben bis dreißig Tage nach dem Stich und verschlechtern sich rasch.
Einige Tropenkrankheiten sind von Mensch zu Mensch übertragbar, andere – darunter die Malaria – nicht; manche lassen sich heute ausheilen, andere nur symptomatisch behandeln. Manchmal hinterlassen sie bleibende gesundheitliche Schäden, unbehandelt verlaufen Tropenkrankheiten oftmals tödlich.
Ursachen
Andere Tropenkrankheiten werden durch mangelnde Hygiene und fehlende Infrastruktur begünstigt. So bietet die Einleitung ungeklärter Abwässer in Seen vielen Saug- und Fadenwürmern und anderen Parasiten einen idealen Nährboden. Kommt es beim Baden oder Wäschewaschen in derartig belastetem Süßwasser zum Kontakt mit den Wurmlarven, kann eine Ansteckung mit Bilharziose die Folge sein.
Verunreinigtes Trinkwasser ist eine der Hauptursachen für Tropenkrankheiten wie Typhus, Cholera und Amöbenruhr, hervorgerufen durch Bakterien und Einzeller. Armut, Mangelernährung und schlechte Gesundheitsvorsorge schwächen die Abwehrkraft und erhöhen die Anfälligkeit der Bevölkerung für Tropenkrankheiten, die durch Tröpfcheninfektion und Körperflüssigkeiten verbreitet werden.
Typische & häufige Krankheiten
- Malaria
- Cholera
- Gelbfieber
- Dengue-Fieber
- Lepra
- Tuberkulose
- Schistosomiasis (Bilharziose)
- Chagas-Krankheit
- Ebola
- Fleckfieber
- Schlafkrankheit
- Japanische Enzephalitis
- Amöbenruhr
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Eine Tropenkrankheit in Form einer durch Insekten übertragenen Infektion zeigt zunächst Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost. In kurzzeitigem Wechsel zeigen sich Anzeichen einer Besserung sowie erneute Krankheitsschübe. Ebenso können sich Übelkeit, Erbrechen und Durchfall einstellen.
Außerdem kann ein Juckreiz entstehen. Je nach Art der Tropenkrankheit kann auch Hautausschlag auftreten. Juckende Quaddeln, Gesichtsschwellungen und Bauchschmerzen können auf eine Tropenkrankheit durch Wurmbefall hindeuten. Die grippeähnlichen Symptome einer Tropenkrankheit ähneln sich in der ersten Krankheitsphase häufig.
In der weiteren Entwicklung können verschiedene Symptome mit einem unterschiedlichen Gefahrenpotenzial auftreten. Bei einer Malaria können im weiteren Krankheitsverlauf starke Schweißausbrüche, Schwindel und Schwäche hinzukommen. Die Malaria tropica kann trockenen Husten sowie Atem- und Darmbeschwerden verursachen. Bei der Malaria tertiana und der Malaria quartana können die Symptome nach monate- bis jahrelanger Unauffälligkeit wieder erneut auftreten.
Bei einem schweren Verlauf von Gelbfieber kann es nach Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost und Übelkeit zu Gaumenblutungen, blutigem Erbrechen (dem sogenannten schwarzen Erbrechen) und zu einer versiegenden Urinproduktion kommen. Bei hämorrhagischen Tropenkrankheiten wie Ebola- und Lassafieber treten sehr schnell heftige Symptome wie lebensgefährliche äußere und innere Blutungen sowie Organschäden auf. Dabei kann es insbesondere zu Nieren- und Leberversagen kommen.
Diagnose & Verlauf
Tropenkrankheiten wie Malaria, bei denen die Erreger durch Insekten übertragen werden, führen zunächst zu grippeartigen Symptomen. Es kommt zu Fieberschüben, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Kurzzeitige Besserungen wechseln mit erneuten Krankheitsschüben. Die Diagnose erfolgt mit Hilfe einer Blutuntersuchung.
Bei Tropenkrankheiten durch Parasiten oder Würmer dringt die Larve durch die Haut ein und verbreitet sich über das Blut- und Lymphsystem. Diffuse Grippesymptome mit Fieberanfällen, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen können die Folge sein, abhängig vom Ort der Einnistung des Parasiten. Zeitweise treten noch weitere Symptome wie starker Juckreiz mit Hautausschlägen und tastbare Schwellungen an Milz und Leber auf.
Zur Diagnosestellung dient der Nachweis von Wurmeiern im Stuhl. Kennzeichnend für hämorrhagische Tropenkrankheiten wie Ebola- und Lassafieber sind kurze, heftige Krankheitsverläufe mit starken Grippesymptomen, Husten, Durchfall, multiplen Organschäden sowie innerlichen und äußerlichen Blutungen.
Komplikationen
Die Beschwerden und Symptome bei Tropenkrankheiten können sehr verschieden sein und hängen in der Regel von der genauen Erkrankung ab. Aus diesem Grund ist auch keine allgemeine Voraussage über die Komplikationen möglich. Im schlimmsten Falle können Tropenkrankheiten allerdings zum Tode des Patienten führen oder bleibende Schäden hinterlassen. Die Betroffenen leiden dabei meistens an einer starken Grippe und Schüttelfrost oder an Gliederschmerzen.
Auch starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen treten dabei auf und verringern die Lebensqualität des Patienten deutlich. Weiterhin kommt es zu Schwellungen an Leber und Milz, wobei die Organe geschädigt werden. Sollte es nicht zu einer Behandlung kommen, so tritt ein starker Juckreiz auf der Haut und eine Gelbsucht auf. Im weiteren Verlauf kommt es dann zum Tode des Patienten, falls die Organe vollständig geschädigt werden.
Die Behandlung von Tropenkrankheiten erfolgt in der Regel mit Hilfe von Medikamenten. Komplikationen treten vor allem dann auf, wenn die Behandlung nicht frühzeitig eingeleitet wird. Je nach Erreger können Antibiotika, Malaria- oder Wurmmittel die Krankheit ausheilen; gegen virusbedingte Tropenkrankheiten wirken Antibiotika dagegen nicht. Bei einer vollständigen Heilung wird auch die Lebenserwartung des Patienten in den meisten Fällen nicht verringert.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Bei Tropenkrankheiten sollte in der Regel immer sofort ein Arzt kontaktiert werden. Es kann im schlimmsten Fall auch zum Tod des Betroffenen kommen, wenn die Krankheit gar nicht behandelt wird, sodass sich eine frühzeitige Erkennung und Behandlung dieser Krankheit immer sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Beschwerden auswirkt.
Je früher ein Arzt kontaktiert wird, desto besser ist meistens auch der weitere Verlauf von Tropenkrankheiten. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn die Beschwerden beim Aufhalten in tropischen Ländern auftreten. Dabei kann ein hohes Fieber verbunden mit starken Schmerzen und einem Schüttelfrost auf diese Beschwerden hindeuten. Auch ein Juckreiz oder Pusteln und Papeln auf der Haut können dabei auf die Tropenkrankheiten hinweisen und sollten immer durch einen Arzt untersucht werden. Die meisten Betroffenen leiden dabei auch an Husten oder sogar an Erbrechen und auch an Durchfall.
Bei Tropenkrankheiten kann in erster Linie ein Allgemeinarzt kontaktiert werden. Der weitere Verlauf und auch die Behandlung hängen dabei sehr stark von der genauen Art und der Ausprägung der Krankheit ab, sodass dabei keine allgemeine Voraussage getroffen werden kann.
Fieber nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet ist allerdings kein Fall für einen Termin in den nächsten Tagen: Eine Malaria tropica kann innerhalb weniger Tage tödlich verlaufen, deshalb muss die Blutuntersuchung noch am selben Tag erfolgen – notfalls in der Notaufnahme einer Klinik oder in einem tropenmedizinischen Zentrum. Kommen Bewusstseinstrübung, Krampfanfälle, Atemnot oder Kreislaufversagen hinzu, ist sofort der Notruf 112 zu wählen; außerhalb solcher Notfälle vermittelt der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Behandlung & Therapie
Einige Tropenkrankheiten, wie Malaria, können heute geheilt werden, wenn Diagnose und Behandlung rechtzeitig erfolgen. Gerade bei Malaria gibt es gut wirksame Medikamente.
Gegen andere tropische Infektionskrankheiten, bei denen ein Virus durch Mücken oder Fliegen übertragen wird, gibt es bis heute keine wirkungsvolle Therapie. Bei Dengue- oder Gelbfieber kann nur eine medikamentöse Behandlung einzelner Symptome erfolgen, wobei auf acetylsalicylsäurehaltige Schmerzmittel (z.B. Aspirin) wegen der erhöhten Blutungsneigung verzichtet werden muss. Dasselbe gilt für die Hantavirus-Infektion, deren Erreger allerdings nicht von Insekten, sondern von Nagetieren übertragen werden – über eingeatmete Staubpartikel aus deren Ausscheidungen.
Bei der Schlafkrankheit wurden lange nur stark toxische Medikamente eingesetzt, die im Krankenhaus gegeben werden mussten. Für die westafrikanische Form steht mit Fexinidazol inzwischen ein rein orales Mittel zur Verfügung, das auch außerhalb der Klinik verabreicht werden kann; die älteren, nebenwirkungsreichen Wirkstoffe bleiben fortgeschrittenen Fällen vorbehalten. Auch gegen parasitäre Tropenkrankheiten wie Bilharziose, Chagas-Krankheit und Filariosen wie die Flussblindheit sind gängige Antibiotika wirkungslos. Behandelt wird stattdessen mit besonderen Wurm- und Antiparasitenmitteln: die Bilharziose mit Praziquantel, meist an einem einzigen Behandlungstag, die Flussblindheit mit Ivermectin, das in mehrmonatigen Abständen wiederholt gegeben wird. Beides ist in der Regel ambulant möglich. Die Chagas-Krankheit erfordert dagegen eine wochenlange Behandlung mit Mitteln, die häufig erhebliche Nebenwirkungen haben.
Tropenkrankheiten, deren Überträger Zecken oder Läuse sind, können nach eindeutiger Diagnose gut behandelt werden. So sind Q-Fieber und Rückfallfieber mit Antibiotika gut ausheilbar. Die Leishmaniose wird dagegen von Sandmücken übertragen und nicht mit gewöhnlichen Antibiotika, sondern mit speziellen Mitteln wie liposomalem Amphotericin B oder Miltefosin behandelt.
Vorbeugung
Vor manchen Tropenkrankheiten schützen Impfungen. Insektenspray und Moskitonetze halten die stechenden Überträger anderer Tropenkrankheiten fern. Wer bei Tisch auf Leitungswasser, Eiswürfel, rohes Fleisch und rohe Meeresfrüchte sowie ungeschälte Rohkost verzichtet, nicht barfuß läuft und Süßwasser meidet, senkt damit vor allem das Risiko für Durchfallerkrankungen, Wurmerkrankungen und Bilharziose; gegen die von Stechmücken übertragenen Krankheiten hilft es nicht. Vor einer Reise in ein Malariagebiet klärt eine reisemedizinische Beratung, ob vorbeugende Medikamente oder ein Notfallmedikament für die Reise sinnvoll sind; die Auswahl richtet sich nach Reiseziel, Reisezeit und Vorerkrankungen.
Nachsorge
Bei Tropenkrankheiten ist die Form einer medizinischen Nachsorge abhängig von der genauen Krankheit. Bei einigen, gut heilbaren Tropenkrankheiten ist überhaupt keine Nachsorge im medizinischen Sinne notwendig. Darunter fallen beispielsweise der Hakenwurmbefall, das O’nyong-nyong-Fieber und eine noch nicht lang andauernde Endemische Syphilis. In diesen Fällen endet die Krankheit von selbst oder kann durch schnelle Gabe von Antibiotika in der Regel vollständig besiegt werden.
Beim Großteil der Tropenkrankheiten handelt es sich allerdings um schwere Infektionskrankheiten. Vielfach haben diese das Potenzial, Organe und sonstiges Gewebe stark anzugreifen und den Körper zu schwächen. Die Nachsorge nach einer Behandlung mit Medikamenten zielt deshalb oftmals auf das Wiedererlangen von Kraft und eine gute Versorgung des Patienten ab.
Gerade bei Cholera und den sonstigen Tropenkrankheiten, die zu starkem Fieber führen, ist eine verstärkte Aufnahme von Flüssigkeit und Nährstoffen auch nach einer Behandlung noch für einige Zeit angezeigt. Bei Tropenkrankheiten, die die Haut stark schädigen, ist eine anschließende Wundpflege notwendig.
Bei einigen Tropenkrankheiten dient die Nachsorge vor allem der Kontrolle auf restliche Erreger. So kann eine Therapie notfalls fortgesetzt werden und es kann schließlich ausgeschlossen werden, dass Tropenkrankheiten in andere Gebiete verschleppt werden.
Das können Sie selbst tun
Patienten, die an einer Tropenkrankheit wie Malaria, Cholera, Onchozerkose oder Gelbfieber leiden, müssen sich ärztlich behandeln lassen. Die wichtigste Selbsthilfe-Maßnahme besteht immer in der Einhaltung der ärztlichen Vorgaben, begleitet von Schonung und Bettruhe. Je nach Erkrankung gelten weitere Maßnahmen.
Bei verschiedenen Krankheiten wie Cholera, Denguefieber oder Fleckfieber besteht eine Meldepflicht. Zur Meldung an das Gesundheitsamt sind nach dem Infektionsschutzgesetz der feststellende Arzt und das untersuchende Labor verpflichtet, nicht der Patient selbst. Um eine Übertragung des Krankheitserregers zu vermeiden, muss der Kontakt mit gesunden Personen eingeschränkt werden. Bei einer Cholera und anderen Tropenkrankheiten, die den Magen-Darm-Trakt betreffen, muss die Ernährung umgestellt werden. Die Patienten müssen ausreichend Wasser trinken und sicherstellen, dass ihr Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt ausgeglichen ist. Für homöopathische Mittel liegt kein über den Placeboeffekt hinausgehender Wirknachweis vor; sie ersetzen keine ärztliche Behandlung, und die verordneten Medikamente dürfen keinesfalls abgesetzt werden.
Bei schweren Erkrankungen wie Onchozerkose, die zu einer Erblindung führen kann, ist eine engmaschige ärztliche Überwachung notwendig. Die Patienten sollten sorgfältig auf ungewöhnliche Symptome achten und gegebenenfalls den Arzt informieren. Die wichtigste Maßnahme besteht immer darin, die medikamentöse Behandlung durchzuführen und ansonsten die Lebensumstände an das individuelle Symptombild anzupassen.
Quellen
- Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin. Reisemedizin – Globale Gesundheit.
ISBN: 9783437216428
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Suttorp, N., Mielke, M., Kiehl, W., Stück, B. (Hrsg.): Infektionskrankheiten.
ISBN: 9783131585813
- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
ISBN: 9783437223228
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
