Pflanzenheilkunde
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Pflanzenheilkunde, auch Phytotherapie genannt, ist die Lehre der Anwendung von Heilpflanzen zur Heilung und Linderung von Krankheiten. Sie gehört zu den ältesten medizinischen Therapien und ist Teil der Heilkunde auf allen Kontinenten.
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Was ist die Pflanzenheilkunde?
Bei der Pflanzenheilkunde kommen ausschließlich Bestandteile von Pflanzen zur Behandlung von Erkrankungen zum Einsatz. So können Blätter, Wurzeln, Blüten, Rinden oder Samen arzneilich verwendet werden. Isolierte Wirkstoffe kommen hingegen nicht zur Anwendung.
Die Pflanzenbestandteile werden pharmakologisch auch als Drogen bezeichnet und können frisch, als Teeaufguss, Auskochung, Kaltauszug, Saft, Tinktur, Pulver, ätherisches Öl oder Extrakt zubereitet werden. Heilpflanzen sind Naturprodukte und somit unterliegen ihre Inhaltsstoffe natürlichen Schwankungen. Standort, Klima, Ernte und Lagerung beeinflussen den Gehalt an Inhaltsstoffen. Zu den bekannten Wirkstoffen in der Pflanzenheilkunde gehören ätherische Öle, Alkaloide, Bitterstoffe, Cumarine, Gerbstoffe, Glykoside, Schleimstoffe und Saponine.
Die schriftliche Überlieferung der Heilpflanzenkunde reicht weit zurück. Ägyptische Papyri aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus verzeichnen bereits pflanzliche Zubereitungen samt ihren Anwendungsgebieten. Die Arzneimittellehre des griechischen Arztes Pedanios Dioskurides aus dem ersten Jahrhundert nach Christus beschrieb mehrere hundert Drogen und blieb über anderthalb Jahrtausende das maßgebliche Nachschlagewerk des Abendlandes. Im Mittelalter wurde dieses Wissen in den Klöstern gepflegt und weitergegeben; die Schriften Hildegards von Bingen gehören zu den bekanntesten Zeugnissen dieser Zeit. Mit dem Buchdruck erschienen im 16. Jahrhundert die großen Kräuterbücher, die Pflanzen erstmals systematisch abbildeten und beschrieben und damit die Verwechslungsgefahr verringerten.
Der entscheidende Einschnitt kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als es erstmals gelang, einen Wirkstoff in reiner Form aus einer Heilpflanze zu gewinnen: Morphin aus dem Schlafmohn. Von da an trennten sich zwei Wege. Die Arzneimittelforschung wandte sich dem isolierten und später dem künstlich hergestellten Einzelstoff zu, dessen Menge sich genau bemessen lässt; die Pflanzenheilkunde blieb bei der Zubereitung aus der ganzen Droge. Diese Trennung erklärt zugleich, warum manche heute selbstverständliche Arznei pflanzlichen Ursprungs ist, ohne noch zur Phytotherapie gezählt zu werden.
Von benachbarten Verfahren unterscheidet sich die Pflanzenheilkunde deutlich. Sie ist keine Homöopathie: Dort werden Ausgangsstoffe – pflanzliche wie andere – schrittweise verdünnt und verschüttelt, während phytotherapeutische Zubereitungen die Inhaltsstoffe der Pflanze in pharmakologisch wirksamer Größenordnung enthalten. Sie ist auch keine Behandlung mit Blütenessenzen, die auf einem gänzlich anderen Konzept beruht. Kennzeichnend für die Phytotherapie ist vielmehr, dass der gesamte Auszug als Wirkstoff gilt und nicht ein einzelner Inhaltsstoff daraus. Welche Stoffe in welchem Verhältnis in einem Auszug enthalten sind, hängt davon ab, welcher Pflanzenteil verwendet wird, mit welchem Mittel ausgezogen wird – Wasser und Alkohol lösen Unterschiedliches – und in welchem Verhältnis Droge und fertiger Auszug zueinander stehen. Zwei Zubereitungen aus derselben Pflanze können sich deshalb erheblich unterscheiden und sind nicht ohne Weiteres gegeneinander austauschbar.
In Deutschland sind pflanzliche Arzneimittel rechtlich Arzneimittel und unterliegen dem Arzneimittelgesetz. Für sie stehen zwei Wege offen: die reguläre Zulassung, für die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit zu belegen sind, und die Registrierung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel nach § 39a des Arzneimittelgesetzes, bei der die langjährige Anwendungserfahrung an die Stelle des Wirksamkeitsnachweises tritt. Solche Präparate tragen deshalb den ausdrücklichen Hinweis, dass ihre Anwendung ausschließlich auf langjähriger Erfahrung beruht. Auf europäischer Ebene erstellt der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur Monographien zu einzelnen Drogen und unterscheidet dabei zwischen einer allgemein anerkannten medizinischen Verwendung und einer traditionellen Verwendung. In Deutschland hatte zuvor die beim damaligen Bundesgesundheitsamt eingerichtete Kommission E vergleichbare Monographien erarbeitet, die die Bewertung pflanzlicher Arzneimittel über lange Zeit geprägt haben.
Von den Arzneimitteln zu trennen sind Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel, die ebenfalls Pflanzenauszüge enthalten können, aber weder ein Zulassungsverfahren durchlaufen noch mit einer Heilaussage beworben werden dürfen. Die Qualitätsanforderungen an arzneilich verwendete Drogen sind im Europäischen Arzneibuch festgelegt; geprüft werden Identität, Reinheit und Gehalt an kennzeichnenden Inhaltsstoffen, außerdem die Belastung mit Rückständen, Schwermetallen und Keimen. Für die Kosten gilt: Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sind nach § 34 des Fünften Sozialgesetzbuchs grundsätzlich von der Versorgung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen; Ausnahmen bestehen für Kinder sowie für die vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegte Liste von Mitteln, die bei schwerwiegenden Erkrankungen als Therapiestandard gelten.
Funktion, Wirkung & Ziele
Spezielle Formen der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde sind die Spagyrik und die Aromatherapie. Auf der traditionellen Phytotherapie basiert die rationale Phytotherapie. Die Wirksamkeit der Pflanzen wird hier nach naturwissenschaftlichen Bewertungsmaßstäben überprüft. Auch in Japan gibt es eine traditionelle Pflanzenheilkunde.
Diese wird auch als Kampo bezeichnet. Ebenso wie die traditionelle japanische Medizin greift auch die traditionelle chinesische Medizin bei der Therapie auf Pflanzen zurück. In der chinesischen Heilpflanzenkunde ist es üblich, dass jeder Patient eine Mixtur erhält, die nach den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin individuell auf ihn zugeschnitten ist. Auch in der Tradition des indischen Ayurveda werden Heilpflanzen eingesetzt.
Die Anwendungsmöglichkeiten der Pflanzenheilkunde sind sehr breit gefächert. Ätherische Öle, Saponine, Schleimstoffe, Gerbstoffe und Flavonoide haben sich bei der Therapie von Atemwegserkrankungen bewährt. Pflanzen wie Thymian, Efeu, Spitzwegerich, Fenchel, Anis, Eibisch, Fichte, Primel oder Süßholz beruhigen gereizte Atemwege, wirken schleimlösend, hustenstillend und teilweise sogar antibakteriell oder antiviral.
Gewächse wie Löwenzahn, Mariendistel, Artischocke, Boldo oder Erdrauch werden bei Beschwerden von Leber und Galle eingesetzt. Sie sollen eine Regeneration des Lebergewebes unterstützen und die Leberzellen stabilisieren. Schöllkraut wurde früher ebenfalls dazugezählt; nach Berichten über Leberschäden wird davon heute abgeraten. Da alle diese Pflanzen den Gallefluss anregen, dürfen sie bei einem Verschluss der Gallenwege nicht angewendet werden. Außerdem können sie Begleiterscheinungen von Lebererkrankungen wie Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Druckgefühl im Oberbauch lindern. Zudem regen einige dieser Arzneipflanzen die Galleproduktion an und/oder beschleunigen den Gallefluss. Dadurch wird auch die Verdauung stimuliert. Ebenfalls verdauungsanregend wirken die sogenannten Bitterstoffdrogen.
Bitterstoffe regen die Speichel- und Magensaftsekretion an. Auch die Sekretion von Verdauungssäften aus der Bauchspeicheldrüse wird gefördert. Bitterstoffdrogen wie Enzian, Wermut, Tausendgüldenkraut, Schafgarbe, Kalmus, Ingwer oder Pfeffer wirken appetitanregend, krampflösend, gallefördernd und lindern Blähungen. Deshalb werden sie am besten eine halbe Stunde vor dem Essen verabreicht.
Weißdorn ist eine bekannte Pflanze zur Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems. Die im Weißdorn enthaltenen Procyanidine und Flavonoide wirken kontraktionssteigernd und gefäßerweiternd. Weißdorn wird deshalb gerne bei nachlassender Leistungsfähigkeit des Herzens und bei leichter Herzinsuffizienz eingesetzt. Zur Behandlung von Bluthochdruck ist er dagegen kein Ersatz für blutdrucksenkende Medikamente. Auch der Fingerhut (Digitalis) enthält herzwirksame Inhaltsstoffe. Die Pflanze selbst ist stark giftig und darf nicht in Eigenregie verwendet werden. Die aus ihr gewonnenen Herzglykoside sind in der Lage, die Schlagkraft des Herzens zu steigern und die Herzfrequenz zu senken. Auch die Herzglykoside kommen bei der Behandlung der Herzinsuffizienz zum Einsatz. Streng genommen gehört die Therapie mit Herzglykosiden aber nicht zur Pflanzenheilkunde, da für die Therapie in der Regel nicht die gesamte Pflanze oder Teile der Pflanze genutzt werden, sondern der Wirkstoff isoliert wird.
Auch zur Steigerung der Immunabwehr kommen Mittel aus der Pflanzenheilkunde zum Einsatz. Die bekannteste immunstimulierende Pflanze ist sicherlich der Sonnenhut (Echinacea). Aber auch Pflanzen wie die Kapland-Pelargonie oder der Wasserdost haben eine positive Wirkung auf das Immunsystem. Weiteres Anwendungsgebiet der Heilpflanzenkunde sind Erkrankungen des Urogenitaltraktes. Hier kommen insbesondere pflanzliche Diuretika wie Birke, Goldrute, Brennnessel oder Ackerschachtelhalm zum Einsatz, die eine Durchspülung der Harnwege bewirken sollen. Bei Herz- oder Nierenschwäche, bei der die Trinkmenge begrenzt werden muss, dürfen sie nicht angewendet werden. Bei Entzündungen der Harnwege oder der Blase werden zudem Pflanzen mit antibakterieller Wirkung wie Kapuzinerkresse oder Meerrettich eingesetzt.
Ein weiteres, traditionell bedeutsames Feld sind Unruhezustände und Ein- und Durchschlafstörungen. Hier werden Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume eingesetzt, häufig auch als Mischung; ihnen wird eine beruhigende und den Schlaf anbahnende Wirkung zugeschrieben, ohne dass sie nach dem Konzept dieser Therapie eine Betäubung hervorrufen sollen. Johanniskrautzubereitungen werden traditionell bei leichteren depressiven Verstimmungen angewendet. Bei anhaltender oder schwerer Niedergeschlagenheit gehört die Behandlung in ärztliche Hand, und die Wechselwirkungen dieser Pflanze sind gesondert zu beachten.
Bei Erkrankungen der Haut steht die äußerliche Anwendung im Vordergrund. Kamille und Ringelblume werden für Umschläge, Spülungen und Salben verwendet, Hamamelis bei nässenden und juckenden Hautstellen, Arnika herkömmlich bei stumpfen Verletzungen und Blutergüssen – Letztere ausschließlich äußerlich und nicht auf offenen Wunden. Für die Venen sind Zubereitungen aus Rosskastanie, rotem Weinlaub und Mäusedorn gebräuchlich, denen bei Beschwerden im Rahmen von Krampfadern eine abschwellende und die Gefäßwand festigende Wirkung zugeschrieben wird; die ärztlich empfohlene Kompressionsbehandlung ersetzen sie nach diesem Verständnis nicht, sondern begleiten sie.
Im Magen-Darm-Bereich reicht das Spektrum von den bereits genannten Bitterstoffdrogen über krampflösend wirkende Zubereitungen aus Pfefferminze, Kümmel und Fenchel bis zu den Quellstoffen. Flohsamen und Leinsamen binden Wasser, vergrößern damit das Volumen des Darminhalts und werden bei träger Verdauung eingesetzt; ihre Anwendung setzt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr voraus, weil sie sonst den Darm verlegen können. In der Frauenheilkunde sind Mönchspfeffer und Traubensilberkerze gebräuchlich, in der Behandlung von Beschwerden beim Wasserlassen infolge einer vergrößerten Prostata Zubereitungen aus Sägepalmenfrüchten, Brennnesselwurzel und Kürbissamen.
Ebenso vielfältig wie die Anwendungsgebiete sind die Darreichungsformen. Am bekanntesten ist der Tee, entweder als einzelne Droge oder als Mischung, daneben stehen Tinkturen, Frischpflanzenpresssäfte und industriell hergestellte Fertigarzneimittel mit gleichbleibend eingestelltem Auszug. Äußerlich kommen Salben, Cremes, Umschläge, Wickel, Bäder und Einreibungen zur Anwendung, bei Erkrankungen der Atemwege außerdem die Inhalation ätherischer Öle. Angewendet wird die Pflanzenheilkunde von Ärztinnen und Ärzten, die eine entsprechende Zusatzqualifikation im Bereich der Naturheilverfahren erworben haben, von Apothekerinnen und Apothekern im Rahmen der Beratung sowie von Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern; ein großer Teil der Anwendung findet darüber hinaus in der Selbstbehandlung statt.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Aus arzneimittelrechtlichen Gründen und aufgrund fehlender klinischer Studien sollte die Pflanzenheilkunde in der Schwangerschaft, während der Stillzeit und bei Kindern unter 12 Jahren nur mit äußerster Bedacht ausgeübt werden. Ein verantwortungsvoller Einsatz von Phytotherapeutika ist hier allerdings möglich, sollte aber nur durch erfahrene Ärzte oder Heilpraktiker erfolgen.
Für einige Heilpflanzen oder Inhaltsstoffe gibt es spezielle Beschränkungen und Gegenanzeigen. Vorsicht ist immer bei Allergien gegen Korbblütler geboten. Viele der bekannten Heilpflanzen gehören zur Familie der Korbblütler. Kommen Allergiker mit den Pflanzen in Kontakt, kann dies schlimmstenfalls zu einem allergischen Schock führen. Auch bei der Verwendung von ätherischen Ölen sollten Personen, die gegen Korbblütler allergisch sind, vorsichtig sein. Absolute Kontraindikationen für eine Behandlung mit Pflanzen, die Anthranoide beinhalten, sind Darmverschluss oder akut-entzündliche Erkrankungen des Darms.
Anthranoide wirken abführend und sind unter anderem in der Kap-Aloe, in Sennesfrüchten oder in der Rhabarberwurzel enthalten. Da Bitterstoffe die Produktion von Verdauungssäften anregen, dürfen sie nicht bei Magen- und Darmgeschwüren verwendet werden. Durch die vermehrt produzierte Magensäure würde die Schleimhaut von Magen und Darm nur zusätzlich gereizt werden.
Die bereits erwähnten Wechselwirkungen verdienen eine genauere Betrachtung, weil sie in der Praxis am häufigsten übersehen werden. Zubereitungen aus Johanniskraut regen körpereigene Abbauwege an und können dadurch die Wirkung anderer Arzneimittel abschwächen – betroffen sind unter anderem Mittel zur Empfängnisverhütung, gerinnungshemmende Mittel und Arzneien, die nach einer Organverpflanzung eingenommen werden. Ginkgo- und Knoblauchzubereitungen werden mit einer erhöhten Blutungsneigung in Verbindung gebracht, was besonders dann von Belang ist, wenn ohnehin gerinnungshemmende Mittel eingenommen werden oder ein operativer Eingriff bevorsteht. Aus diesem Grund sollten pflanzliche Mittel bei jedem Arzt- und Apothekenbesuch ebenso genannt werden wie verschriebene Arzneimittel; dass sie rezeptfrei erhältlich sind, macht sie nicht bedeutungslos für den Behandlungsplan.
Bei einzelnen Pflanzen sind konkrete Schäden bekannt geworden, die zu Anwendungsbeschränkungen geführt haben. Für Drogen, die Pyrrolizidinalkaloide enthalten – dazu zählen unter anderem Beinwell und Huflattich –, bestehen Einschränkungen, weil diese Stoffe die Leber schädigen können; auch als Verunreinigung in Kräutertees sind sie ein bekanntes Thema der Qualitätsüberwachung. Aristolochiasäurehaltige Pflanzen sind wegen schwerer Nierenschäden aus dem Arzneischatz genommen worden, meist nachdem sie in Zubereitungen mit anderen Pflanzen verwechselt worden waren. Auch Zubereitungen aus Kava-Kava sind wegen Berichten über Leberschäden Gegenstand behördlicher Auflagen gewesen. Diese Beispiele zeigen, dass die pflanzliche Herkunft eines Mittels für sich genommen nichts über seine Unbedenklichkeit aussagt.
Weitere Vorsichtsregeln betreffen bestimmte Personengruppen und Anwendungsformen. Ätherische Öle mit Menthol oder Kampfer werden bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Bereich von Gesicht und Nase angewendet, weil sie dort einen Atemstillstand auslösen können. Manche pflanzlichen Inhaltsstoffe erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut, sodass es unter Sonnenbestrahlung leichter zu Hautreaktionen kommt. Abführend wirkende Zubereitungen sind für den kurzfristigen Gebrauch gedacht; bei längerer Anwendung kann sich der Darm daran gewöhnen, und der Wasser- und Salzhaushalt kann aus dem Gleichgewicht geraten.
Ein eigenes Kapitel ist die Selbstversorgung mit Pflanzenmaterial. Beim Sammeln in der Natur besteht Verwechslungsgefahr, die im Einzelfall lebensgefährlich sein kann: Bärlauch ist von Maiglöckchen und Herbstzeitlose nur bei genauem Hinsehen zu unterscheiden, und beide Verwechslungspartner sind stark giftig. Bei importierter Ware sind Verunreinigungen, falsche Bezeichnungen und nicht angegebene Beimischungen von Arzneistoffen beschrieben worden. Wer pflanzliche Mittel anwenden möchte, ist deshalb mit geprüfter Apothekenware besser beraten als mit Bezugsquellen unklarer Herkunft. Und schließlich gilt für jede Selbstbehandlung dieselbe Grenze: Anhaltendes Fieber, starke oder zunehmende Schmerzen, Blut im Stuhl oder Urin, Atemnot sowie Beschwerden, die trotz Anwendung nicht zurückgehen, gehören ärztlich abgeklärt und nicht weiter in Eigenregie behandelt.
Quellen
- Bühring, U.: Lehrbuch Heilpflanzenkunde.
ISBN: 9783132455290
- Bühring, U., Girsch, M.: Praxis Heilpflanzenkunde.
ISBN: 9783132460522
- Kraft, K., Stange, R. (Hrsg.): Lehrbuch Naturheilverfahren.
ISBN: 9783830453338
- Schmiedel, V., Matejka, R. (Hrsg.): Leitfaden Naturheilkunde.
ISBN: 9783437056390
- Beer, A.-M., Adler, M. (Hrsg.): Leitfaden Naturheilverfahren für die ärztliche Praxis.
ISBN: 9783437319365
