Nefazodon

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei Nefazodon handelt es sich um einen pharmakologischen Wirkstoff, der im Rahmen der Behandlung von Depressionen zur Anwendung kommt. Die Substanz zählt zur Gruppe der sogenannten dualserotonergen Antidepressiva. Nefazodon ist ein Phenylpiperazin-Derivat und weist im Hinblick auf seine Struktur sowie teilweise auch bezüglich seiner Wirkung Ähnlichkeiten zu dem Antidepressivum Trazodon auf, das bereits früher entdeckt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Nefazodon?

Bei Nefazodon handelt es sich um einen pharmakologischen Wirkstoff, der im Rahmen der Behandlung von Depressionen zur Anwendung kommt.

Nefazodon ist ein Wirkstoff, der zur Gruppe der Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Inhibitoren gehört. Damit zählt der Wirkstoff zu den Antidepressiva. Bedingt durch schwerwiegende lebertoxische Nebenwirkungen wird Nefazodon in der heutigen Zeit nicht mehr vertrieben. Davor war das Medikament ab 1997 in Deutschland unter dem Handelsnamen Nefadar® erhältlich. Mehrere Fälle mit schwerem Versagen der Leber hatten zur Folge, dass das Arzneimittel Nefazodon im Jahr 2003 in Deutschland vom Markt genommen wurde.

Grundsätzlich liegt die Substanz Nefazodon in der pharmakologischen Nutzung als Nefazodonhydrochlorid vor. Dabei handelt es sich um ein kristallines Pulver von weißer Farbe, das eine geringe Wasserlöslichkeit aufweist. Nefazodon ist ein Derivat von Triazol und Phenylpiperazin. Außerdem weist es strukturelle Ähnlichkeiten zu dem Stoff Trazodon auf.

Pharmakologische Wirkung

Nefazodon ist ein Antidepressivum, dessen exakter Wirkmechanismus noch nicht vollständig geklärt ist. Relevant ist in jedem Fall die Wechselwirkung mit sogenannten serotoninergen Mechanismen. Denn Nefazodon verfügt über eine zweifache Wirkung auf serotoninerge Neurotransmissionen. Zum einen reduziert die Substanz spezielle postsynaptische Rezeptoren, die auf Serotonin ausgelegt sind. Auf der anderen Seite stoppt Nefazodon zum Teil die präsynaptische Aufnahme des Stoffes.

Auch bestimmte aktive Metaboliten beeinträchtigen die Serotonin-Rezeptoren. Für die Wirkung relevant ist auch, dass Nefazodon keine nennenswerte Affinität zu dopaminergen, histaminergen und cholinergen Rezeptoren aufweist.

Neben Serotonin hemmt Nefazodon auch die neuronale Wiederaufnahme des Botenstoffes Noradrenalin. Zudem verfügt das Medikament Nefazodon über hepatotoxische Merkmale, weshalb es in einigen Fällen zu schwerwiegenden Leberkrankheiten geführt hat.

Die Wirkung am Serotonin-Rezeptor erfolgt in erster Linie antagonistisch. Somit steigt die Konzentration des Monoamins. Die Konzentration an Serotonin erhöht sich erst dann wieder, wenn der zuständige Serotonin-Transportstoff eingeschränkt wird. Dieser ist dafür verantwortlich, dass das Monoamin wieder aus dem synaptischen Spalt gelangt. Nefazodon entfaltet dabei seine Wirkung als Hemmstoff für das Serotonin und dessen erneute Aufnahme.

Darüber hinaus hemmt Nefazodon bestimmte Enzyme jedoch nur schwach, weshalb es über weniger unerwünschte Nebenwirkungen als ähnliche Medikamente aus der gleichen Kategorie wie zum Beispiel Paroxetin und Fluoxetin verfügt.

Das Arzneimittel Nefazodon wird auf gastrointestinalem Weg komplett und in relativ kurzer Zeit resorbiert. Die maximalen Konzentrationen im Plasma des Blutes ergeben sich circa zwei Stunden nach der Einnahme. Da der präsystemische Metabolimus sehr stark ist, liegt die Bioverfügbarkeit der pharmazeutischen Substanz bei nur etwa 20 Prozent. Daher empfiehlt es sich, den Arzneistoff gemeinsam mit einer Mahlzeit einzunehmen, da unter diesen Umständen die sogenannte systemische Verfügbarkeit um bis zu 18 Prozent steigen kann.

Die Metabolisierung des Medikaments Nefazodon findet in der Leber statt und erfolgt mit Hilfe des Zytochroms CYP3A4. Dabei handelt es sich zugleich um einen Stoff, der das Zytochrom stark beeinträchtigt. Die drei aktiven Metaboliten sind die Stoffe Meta-Chlorphenylpiperazin, Hydroxynefazodon und Triazoldion. Von besonderer klinischer Bedeutung ist jedoch hauptsächlich Hydroxynefazodon. Dieser Stoff ist in der Lage, hohe Konzentrationen zu erreichen und weist Ähnlichkeiten zu Nefazodon auf.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Das Medikament Nefazodon kommt bei einer Reihe von psychischen Krankheiten zum Einsatz. In erster Linie handelt es sich um ein Arzneimittel, dass im Rahmen der Therapie von Depressionen angewendet wird. Darüber hinaus wird Nefazodon zum Beispiel auch bei Zwangsstörungen, dem Borderline-Syndrom oder auch Panikattacken verordnet.

Die Einnahme des Medikaments erfolgt in der Regel oral. Dabei liegt die Bioverfügbarkeit der Substanz bei circa 20 Prozent. Der Wirkstoff bindet sich im Blut vollständig an Plasmaproteine. Nefazodon wird zum überwiegenden Teil über den Urin und minimal über den Stuhlgang ausgeschieden.

Wird die Dosis von Hydroxynefazodon nur leicht erhöht, sind überproportional erhöhte Konzentrationen im Plasma die Folge. Grundsätzlich liegt die Plasmahalbwertszeit der beiden Substanzen bei etwa zwei Stunden und nach erneuter Einnahme bei dreieinhalb Stunden. Bei Menschen, die über 65 Jahre alt sind sowie Personen, die unter einer eingeschränkten Funktion der Leber leiden, liegen die Plasmaspiegel deutlich höher als bei Patienten, die jung und ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen sind.


Risiken & Nebenwirkungen

Im Rahmen der Einnahme von Nefazodon sind eine Reihe diverser unerwünschter Nebenwirkungen möglich. Diese sind zum Teil von der Dosis abhängig. So kommt es mitunter zu Schläfrigkeit, Schwindel, Brechreiz und Mundtrockenheit. Außerdem sind Sehstörungen wie zum Beispiel verschwommenes Sehen möglich. In einigen Fällen lassen die Beschwerden mit zunehmender Behandlungsdauer allmählich leicht nach.

Zu den selteneren Nebenwirkungen zählen Entzugserscheinungen, Haarausfall und Hypoglykämie. Zudem sind sexuelle Störungen möglich. In Einzelfällen wurden schwere Funktionsstörungen der Leber beobachtet, die auch noch Wochen oder Monate nach der Therapie auftreten können. Wird Nefazodon gemeinsam mit MAO-Hemmern eingenommen, leiden die betroffenen Patienten zum Teil unter Suizidgedanken.

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