Trazodon

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Trazodon ist die Bezeichnung für einen Arzneistoff, der zur Behandlung von Depressionen dient. Darüber hinaus entfaltet das Mittel eine beruhigende Wirkung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Trazodon?

Trazodon ist die Bezeichnung für einen Arzneistoff, der zur Behandlung von Depressionen dient.

Trazodon zählt zur Gruppe der Psychopharmaka. So kommt das Medikament als Antidepressivum und Sedativum zur Anwendung.

Die Entwicklung des Wirkstoffs fand 1966 in Italien durch die Firma Angelini Research Laboratories statt. Bis zur ersten Zulassung des Mittels dauerte es noch bis 1981. Dann gelangte Trazodon auf den amerikanischen Markt. Ab 1985 folgte auch seine Verbreitung in Europa. Nach dem Ablauf des Patentschutzes wurden zudem zahlreiche kostengünstige Generika zugelassen.

Die Darreichung von Trazodon erfolgt oral in Form von Filmtabletten oder Retardtabletten.

Pharmakologische Wirkung

Trazodon gehört zu den Antidepressiva. Das bedeutet, dass es sich zur Behandlung von Depressionen eignet. Im Falle einer Depression leiden die betroffenen Personen unter Stimmungsstörungen sowie einem Mangel an Antrieb.

Innerhalb des Gehirns findet die Kommunikation unter den Neuronen (Nervenzellen) durch sogenannte Neurotransmitter statt. Diese Botenstoffe werden von den Zellen ausgeschüttet und binden sich an speziellen Andockstellen, die die Bezeichnung Rezeptoren tragen. Erreicht der Botenstoff den passenden Rezeptor, führt dies zu einer Signalübermittlung. Für das Beenden der Signale kehrt der Neurotransmitter wieder zu seiner Ursprungszelle zurück.

Besteht im Gehirn ein Überschuss oder Mangel an Botenstoffen, hat dies oftmals organische Erkrankungen zur Folge. So kann ein Mangel an dem Neurotransmitter Serotonin eine Depression hervorrufen, da Serotonin auch als Glückshormon gilt. Ein Überschuss an diesem Botenstoff führt wiederum zu Schizophrenie oder Wahnvorstellungen. Trazodon verfügt über die Fähigkeit, die Wiederaufnahme von Serotonin zu hemmen. Aus diesem Grund trägt es auch die Bezeichnung „Serotonin-Wiederaufnahmehemmer“. Dabei sorgt das Antidepressivum dafür, dass das Serotonin für längere Zeit zwischen den Neuronen verbleiben kann und eine umfangreichere Wirkungsdauer erzielt. Ein Serotonin-Mangel lässt sich dadurch wieder ausgleichen.

Eine weitere Eigenschaft von Trazodon stellt das Hemmen von Serotoninrezeptoren (5HT2-Rezeptoren) dar. Das übermäßige Aktivieren der Serotoninrezeptoren soll Angstzustände, sexuelle Unlust, Unruhe und Schlafprobleme auslösen. Aufgrund dieses doppelten Effektes zählt Trazodon auch zu den dualserotonergen Antidepressiva. Außerdem verfügt Trazodon über Effekte, die den Sexualtrieb fördern. So bewirkt die Einnahme des Stoffes eine Steigerung der Erektionsfähigkeit und der Libido.

Die Aufnahme des Arzneistoffes erfolgt rasch im Darm. Schon nach 30 bis 60 Minuten bringt Trazodon es auf seinen Höchstspiegel im Blut. Nach dem Abbau des Antidepressivums verlässt es über die Nieren und den Urin den Körper wieder.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Zum Einsatz gelangt Trazodon, um depressive Erkrankungen zu therapieren. Dabei kann es sich neben Depressionen um eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Panikattacken, das Borderline-Syndrom oder Zwangsstörungen handeln. Durch die Anwendung ist es möglich, depressive Phasen zu unterdrücken oder zumindest abzuschwächen.

Die Einnahme von Trazodon erfolgt durch Tabletten. Bei deren Anwendung ist auf das langsame Steigern der Dosis zu achten. In der Regel liegt die Anfangsdosis bei 100 Milligramm Trazodon am Tag. Nach einer Woche lässt sich die tägliche Dosis um 100 Gramm steigern. Die Maximaldosis wird mit 400 Milligramm erreicht. Dabei kann das Medikament sowohl einmal täglich als auch in mehreren Abschnitten verabreicht werden. Die Einnahme von Trazodon findet nach dem Essen statt. Während die beruhigende Wirkung von Trazodon umgehend zu verspüren ist, muss auf die stimmungsaufhellenden Effekte bis zu drei Wochen gewartet werden. Um die Therapie mit Trazodon zu Ende zu bringen, wird empfohlen, die Dosis allmählich abzusenken.


Risiken & Nebenwirkungen

Die Einnahme von Trazodon ist mitunter mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden, die jedoch nicht bei jedem Patienten auftreten. Am häufigsten leiden die betroffenen Personen unter Schwindelgefühlen, Unruhe, einem Abfall des Blutdrucks, Kopfschmerzen, Schlafproblemen, Müdigkeit, Herzrhythmusstörungen, einem trockenen Mund, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Außerdem kann es zu Ausschlägen auf der Haut, Sehstörungen, Zittern, Verstopfung, erhöhtem Blutdruck sowie einer Abnahme oder Zunahme des Gewichts kommen.

Wird die Therapie mit Trazodon abrupt beendet, drohen ebenfalls unangenehme Wirkungen. Dies können Schlafstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche und Unruhe sein. Deswegen erfolgt das Behandlungsende durch den Arzt stets mit einer kontinuierlichen Verringerung der Dosis.

Als Kontraindikationen für eine Behandlung mit Trazodon gelten eine Überempfindlichkeit gegen den Arzneistoff sowie akute Vergiftungen mit Schlafmitteln, Schmerzmitteln oder Alkohol. Ferner sollte der Patient nicht unter Herzrhythmusstörungen und Lebererkrankungen leiden oder Selbstmordgedanken aufweisen.

Während der Schwangerschaft muss eine strenge ärztliche Abwägung für den Einsatz von Trazodon erfolgen, was besonders für die ersten drei Schwangerschaftsmonate gilt. So lassen sich mögliche Risiken für das Kind nicht gänzlich ausschließen. Weil Trazodon in die Muttermilch gelangen kann, darf das Mittel während der Stillzeit überhaupt nicht zur Anwendung kommen. Nicht geeignet ist der Einsatz des Antidepressivums für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Auch Wechselwirkungen können durch die Einnahme von Trazodon auftreten. So wirkt sich das Mittel verstärkend auf Medikamente aus, die die Gehirnfunktion dämpfen. Abgeraten wird außerdem von einer gleichzeitigen Zufuhr von MAO-Hemmern oder weiteren Antidepressiva, die den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern entstammen. Es besteht dadurch die Gefahr von ausgeprägten Nebenwirkungen. Ein erhöhter Trazodon-Spiegel im Blut kann durch die gleichzeitige Anwendung von Wirkstoffen wie Fluoexetin, Haloperidol und Thioridazin zustande kommen. Daher sollte von einer zeitgleichen Darreichung dieser Mittel abgesehen werden.

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