PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom)

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom) ist eine Störung des weiblichen Hormonhaushalts. Diese Störung führt zu einer Erhöhung der männlichen Hormone, der sog. Androgene, was neben Zyklusstörungen auch Unfruchtbarkeit zur Folge haben kann. Das PCO-Syndrom ist auch als Stein-Leventhal-Syndrom bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein PCO-Syndrom?

Polyzystisches Ovar Syndrom
Das Polyzystische Ovar-Syndrom ist eine der häufigsten Stoffwechselstörungen erwachsener Frauen. Kennzeichnend sind meist der erhöhte Androgenspiegel (Hyperandrogenismus), Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit bei Frauen.

Das PCO-Syndrom tritt meist bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter auf. Aufgrund der vermehrten Produktion von männlichen Hormonen (Androgene) kommt es zu Fehlfunktionen in den Eierstöcken (Ovarien). Damit die Diagnose PCO-Syndrom gestellt werden kann, müssen mindestens zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt sein. Diese Regel geht auf eine Fachtagung in Rotterdam zurück und ist deshalb als Rotterdam-Kriterien bekannt. Zusätzlich müssen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die dieselben Beschwerden hervorrufen können – etwa eine Störung der Nebennierenrinde, ein hormonbildender Tumor oder eine Schilddrüsenerkrankung.

Kriterium Nr. 1: Es müssen sog. polyzystische Ovarien vorliegen. Das bedeutet, dass in den Eierstöcken Zysten wachsen. Genau genommen handelt es sich dabei nicht um echte Zysten, sondern um unreif gebliebene Eibläschen (Follikel). Nach den heute gebräuchlichen Kriterien gilt ein Eierstock als polyzystisch, wenn sich in ihm 20 oder mehr solcher Eibläschen finden oder wenn sein Volumen mindestens 10 Milliliter beträgt. Ältere Angaben nannten hier deutlich niedrigere Zahlen; sie stammen aus einer Zeit, in der die Ultraschallgeräte noch nicht so fein auflösten wie heute. Bei Mädchen und jungen Frauen in den ersten Jahren nach der ersten Regelblutung wird der Ultraschall für die Diagnose gar nicht herangezogen, weil viele Eibläschen in diesem Alter normal sind.

Kriterium Nr. 2: Die Menstruationsblutung tritt nur sehr selten bzw. gar nicht auf. Es finden nur äußerst selten oder gar keine Eisprünge statt.

Kriterium Nr. 3: Die Konzentration an männlichen Hormonen ist sehr hoch. Das PCO-Syndrom tritt relativ häufig auf. Etwa 10 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden an dem PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom). Damit ist es die häufigste Hormonstörung bei Frauen in dieser Lebensphase.

Ursachen

Eine primäre Ursache für das PCO-Syndrom wurde bis heute nicht gefunden. Man konnte jedoch verschiedene Faktoren abgrenzen, die bei vielen Betroffenen vorhanden sind.

Bei vielen Frauen findet sich eine familiäre Disposition. Man geht deshalb von einer erblichen Komponente aus, wobei das verursachende Gen bisher nicht eindeutig bestimmt werden konnte.

Des Weiteren kommen auch Störungen im Gehirn infrage. Die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) schüttet bei einem PCO-Syndrom vermehrt das Hormon LH (luteinisierend) aus. Die Produktion des Hormon FSH (follikelstimulierend) wird hingegen verringert. Aufgrund dieses Ungleichgewichts kommt es in den Ovarien (Eierstöcken) zu einer vermehrten Bildung von männlichen Sexualhormonen.

Auch Störungen in der Bauchspeicheldrüse kommen als Ursache infrage. Beim PCO-Syndrom hat man eine erhöhte Konzentration von Insulin im Blut festgestellt. Durch den Insulinüberschuss werden die Eierstöcke angeregt, mehr männliche Hormone zu produzieren, wodurch im Verlauf die Hypophyse stimuliert wird, mehr LH auszuschütten. Grundlage dieses Insulinüberschusses ist eine verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin (Insulinresistenz). Sie findet sich bei einem großen Teil der Betroffenen und erklärt, warum das PCO-Syndrom langfristig das Risiko für einen Typ-2-Diabetes erhöht.

Als weitere Ursachen für ein polyzystisches Ovarialsyndrom kommen die Pubertät, Schilddrüsenunterfunktion, Stress als auch Tumorerkrankungen infrage.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das PCO-Syndrom ist ein vielseitiges Krankheitsbild, das mit verschiedenen Beschwerden einhergehen kann. Ein häufiges Symptom sind Zyklusstörungen. Die Patientinnen haben einen verlängerten Zyklus, der länger als 35 Tage dauert, und menstruieren seltener. Die Menstruationsblutung kann auch komplett ausbleiben. In diesem Fall spricht man von einer Amenorrhoe.

Im Zyklusverlauf kann es zu Zwischenblutungen oder gar zu zusätzlichen Blutungen kommen. Die Zyklusstörungen führen zu einer verminderten Fruchtbarkeit oder zur kompletten Unfruchtbarkeit. Aufgrund der erhöhten Konzentration an männlichen Geschlechtshormonen im Blut weisen viele Frauen mit dem polyzystischen Ovarialsyndrom einen männlichen Behaarungstyp (Hirsutismus) auf.

Die Haare wachsen nicht nur im Intimbereich, sondern auch auf den Oberschenkeln oder auf dem Bauch sowie im Bereich der Oberlippe. Die Patientinnen leiden ferner unter Haarausfall, fettiger Haut und Akne. Ebenso neigen sie zu Übergewicht und erhöhten Blutzuckerwerten. Eine echte Vermännlichung mit einer tiefer werdenden Stimme und einer Vergrößerung der Klitoris tritt eher selten auf.

Grundsätzlich sind nicht alle Symptome bei Frauen mit dem PCO-Syndrom gleich stark ausgeprägt. Ein Großteil der Betroffenen leidet jedoch stark unter den Beschwerden. Insbesondere die mangelnde Fruchtbarkeit oder die komplette Unfruchtbarkeit kann bei unerfülltem Kinderwunsch zu starken depressiven Verstimmungen führen.

Diagnose & Verlauf

Diagnostiziert wird das PCO-Syndrom durch den Gynäkologen. Neben einer allg. Anamnese (Krankengeschichte), erfolgt eine gynäkologische Untersuchung. Bei Verdacht auf ein PCO-Syndrom wird als bildgebendes Verfahren der Ultraschall durch die Scheide hinzugezogen, um die Eierstöcke sichtbar darzustellen. Auf diese Weise können die Eibläschen in den Ovarien gezählt und das Volumen der Eierstöcke bestimmt werden. Ein MRT ist für die Diagnose des PCO-Syndroms in der Regel nicht erforderlich; es kommt nur zum Einsatz, wenn andere Erkrankungen abgeklärt werden müssen.

Zur Diagnosesicherung erfolgt zudem eine Blutuntersuchung. Neben einem allg. Blutbild werden vor allem die verschiedenen Hormonwerte des Blutes untersucht. Insbesondere die Hormone LH und FSH sind richtungsweisende Werte für ein PCO-Syndrom. Entscheidend für die Diagnose ist darüber hinaus die Bestimmung der männlichen Hormone im Blut. Bei erwachsenen Frauen kann statt des Ultraschalls inzwischen auch der Wert des Anti-Müller-Hormons (AMH) im Blut herangezogen werden; er spiegelt die Zahl der herangereiften Eibläschen wider.

Liegt bei Betroffenen ein Kinderwunsch vor, so können auch Bauchspiegelungen durchgeführt werden. Hierbei werden insbesondere die Eierstöcke genau untersucht und zugleich andere Ursachen einer Kinderlosigkeit wie verklebte Eileiter abgeklärt. Gewebeentnahmen (Biopsien) aus den Eierstöcken gehören dagegen nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr zur Diagnostik des PCO-Syndroms; die Diagnose stützt sich auf die Zyklusanamnese, die Hormonwerte und den Ultraschall.

Der Verlauf bei einem PCO-Syndrom ist abhängig davon, wann die Erkrankung entdeckt und wie sie behandelt wurde. Da bei dieser Erkrankung häufig auch Adipositas (Fettleibigkeit) und erhöhte Insulinwerte vorliegen, bedeutet dies ein zusätzliches Risiko für die Patientinnen, da diese Symptome neben Herz-Kreislauferkrankungen auch Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen hervorrufen können. Bei frühzeitiger und adäquater Behandlung ist der Verlauf beim PCO-Syndrom gut und die Beschwerden lassen sich in der Regel gut kontrollieren. Heilbar ist die Erkrankung nach heutigem Kenntnisstand jedoch nicht; sie begleitet die Betroffenen in der Regel bis in die Wechseljahre. Bei unzureichender Behandlung kann es zu Spätfolgen wie Unfruchtbarkeit kommen.

Zu den Spätfolgen zählt außerdem ein erhöhtes Risiko für Krebs der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumkarzinom). Bleibt die Regelblutung über lange Zeit aus, wird die Schleimhaut nicht regelmäßig abgestoßen und wächst unter dem Einfluss der Östrogene ungebremst weiter. Aus diesem Grund wird bei einer über Monate ausbleibenden Blutung darauf geachtet, dass es wenigstens einige Male im Jahr zu einer Abbruchblutung kommt.

Wenn ein PCO-Syndrom diagnostiziert wurde, empfiehlt es sich für die Behandlung einen Spezialisten aufzusuchen. Vor allem bei unerfülltem Kinderwunsch verfügen Gynäkologen mit der Zusatzbezeichnung Reproduktionsmedizin über besondere Erfahrung in der Behandlung des PCO-Syndroms (polyzystisches Ovarialsyndrom).

Komplikationen

Das PCO-Syndrom wirkt sich in der Regel sehr negativ auf die Lebensqualität der betroffenen Frau aus. In den meisten Fällen sind damit die Konzentrationen der männlichen Hormone erhöht, sodass es zu einer Androgenisierung der Frau kommt. Dabei entwickeln sich in den meisten Fällen viele verschiedene psychische Beschwerden und in einigen Fällen auch Depressionen.

Die Betroffenen schämen sich dabei auch oft für die Beschwerden und leiden mitunter an Minderwertigkeitskomplexen und an einem deutlich verringerten Selbstwertgefühl. Auch soziale Beschwerden können aufgrund des PCO-Syndroms auftreten. Vor allem im jungen Alter kann dieses Syndrom zu Hänseleien oder zu Mobbing führen. Die Betroffenen leiden weiterhin an Pickeln und an einer unreinen Haut. Auch Übergewicht und Haarausfall können durch das PCO-Syndrom auftreten und sich sehr negativ auf die Ästhetik der Betroffenen auswirken.

Teilweise zeichnet sich bei den Patientinnen ein Damenbart ab, auch Unfruchtbarkeit kann ein Symptom der Erkrankung sein. Der Weg zum Wunschkind ist dabei oft langwierig; unerfüllt bleibt er jedoch keineswegs immer, denn mit einer Gewichtsabnahme und ovulationsauslösenden Medikamenten wird ein großer Teil der Betroffenen schwanger. In schwerwiegenden Fällen kann das PCO-Syndrom auch zu einer Fehlgeburt führen. Die Behandlung des PCO-Syndroms erfolgt in der Regel mit Hilfe von Medikamenten. Dabei kann sich auch eine gesunde Lebensweise sehr positiv auf die Erkrankung auswirken.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das PCO-Syndrom kann nur bei geschlechtsreifen und fortpflanzungsfähigen jungen und erwachsenen Frauen diagnostiziert werden. Haben die Betroffenen einen unerfüllten Kinderwunsch, empfiehlt sich ein Kontrollbesuch bei einem Arzt. Konnte trotz aller Bemühungen und bekannten Methoden der Empfängnis über mehrere Monate kein Nachwuchs gezeugt werden, ist ein Arztbesuch anzuraten. Unregelmäßigkeiten des weiblichen Monatszyklus oder ein Ausbleiben der Menstruationsblutung sind einem Arzt vorzustellen.

Zwischenblutungen oder eine sehr schwache Regelblutung weisen häufig auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung hin. Ein Arztbesuch ist notwendig, damit eine Ursachenforschung eingeleitet werden kann. Übergewicht oder Probleme mit dem Gewicht trotz einer kalorienarmen und ausgewogenen Ernährung können mit einem Arzt besprochen werden. Hautunreinheiten, Akne oder eine stark fettige Haut sind Anzeichen einer Erkrankung, bei der Behandlungsbedarf besteht. Stellen sich Verhaltensauffälligkeiten ein oder kommt es zu einer depressiven Verstimmung, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Wandlungen der Persönlichkeit, eine tiefe Stimmgebung sowie Unregelmäßigkeiten des Haarwuchses am Körper sind Beschwerden, die ärztlich abgeklärt werden sollten. Es empfiehlt sich, bei einer anhaltenden oder zunehmenden Unzufriedenheit des eigenen Lebens, einer Abnahme des Wohlbefindens sowie einer herabgesetzten Lebensqualität das Gespräch zu einem Arzt oder Therapeuten zu suchen. In vielen Fällen basieren die emotionalen Probleme auf körperlichen Unstimmigkeiten, die behandelt werden können.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines PCO-Syndroms beinhaltet mehrere Therapieziele. Primär werden die akuten Symptome behandelt. Das langfristige Therapieziel ist jedoch die Normalisierung des Stoffwechsels und die Vorbeugung evtl. Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus und Herz-Kreislauferkrankungen.

Da das polyzystische Ovarialsyndrom häufig mit Übergewicht einhergeht, ist es wichtig, die Ernährung umzustellen. Des Weiteren ist ausreichende körperliche Bewegung in Form von Sport wichtig. Vor allem im Anfangsstadium des PCO-Syndroms kann mit diesen beiden Maßnahmen sowohl der Menstruationszyklus als auch der Eisprung positiv beeinflusst werden.

Diese Veränderung des Lebensstils gilt heute als Basismaßnahme und steht bei übergewichtigen Betroffenen an erster Stelle – noch vor jedem Medikament. Schon eine Gewichtsabnahme um fünf bis zehn Prozent des Körpergewichts kann dazu führen, dass sich der Zyklus regelmäßiger einstellt und der Eisprung wieder in Gang kommt. Die zugrunde liegende Veranlagung verschwindet dadurch zwar nicht, die Beschwerden können sich aber deutlich bessern.

Bei der Behandlung des PCO-Syndroms muss auch berücksichtigt werden, ob die betroffenen Frauen einen Kinderwunsch haben. Bei Frauen ohne Kinderwunsch werden die Hormonstörungen oftmals mit der Antibabypille behandelt. Durch die Zusammensetzung verschiedener weiblicher Hormone wie Östrogen und Gestagen, gelingt es die Ausschüttung männlicher Hormone zu bremsen, so dass auch die Folgeerscheinungen wie verstärkte Körperbehaarung und Hautprobleme vermindert werden. Diese Art der Therapie ist jedoch nur für Frauen gedacht, die keinen Kinderwunsch haben, da die „Pille“ eine verhütende Wirkung hat. Zugleich schützt die regelmäßige Blutung unter der Pille die Gebärmutterschleimhaut vor einer übermäßigen Verdickung. Kombinierte Pillen erhöhen allerdings das Risiko für eine Thrombose; da beim PCO-Syndrom häufig weitere Risikofaktoren wie Übergewicht hinzukommen, wird die Wahl des Präparats im Einzelfall sorgfältig abgewogen.

Leiden Frauen mit Kinderwunsch am PCO-Syndrom, so ist die vorher genannte Therapie nicht zu empfehlen. In diesen Fällen wurden lange Zeit niedrig dosierte Kortisonpräparate eingesetzt, die auf die Nebennieren wirken, wo ein Teil der männlichen Hormone gebildet wird. Nach heutigem Kenntnisstand spielen sie bei der Behandlung des PCO-Syndroms nur noch eine untergeordnete Rolle und kommen allenfalls in Sonderfällen zum Einsatz. Setzt kein Eisprung ein, werden stattdessen ovulationsauslösende Medikamente verabreicht.

Auch bei diesen Medikamenten hat sich die Rangfolge geändert. Lange galt Clomifen als Mittel der ersten Wahl. In den heutigen internationalen Leitlinien steht dagegen der Wirkstoff Letrozol an erster Stelle, weil er bei Frauen mit PCO-Syndrom häufiger zu einem Eisprung und zu einer Geburt führt. Anders als Clomifen ist Letrozol in Deutschland für diesen Zweck allerdings nicht zugelassen, sondern nur zur Behandlung von Brustkrebs. Es wird deshalb außerhalb der Zulassung verordnet („off label“), worüber die Patientin vorher aufgeklärt werden muss.

Wurde als Ursache ein zu hoher Insulinspiegel diagnostiziert, so gilt es diesen in erster Linie zu senken. Dazu dienen vor allem eine Gewichtsabnahme und mehr Bewegung. Ergänzend wird das Diabetesmedikament Metformin eingesetzt, das die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin verbessert. Auch Metformin ist in Deutschland nicht für das PCO-Syndrom zugelassen, sondern nur für die Zuckerkrankheit; es wird bei dieser Erkrankung also ebenfalls off label verordnet. Bleibt der Eisprung weiterhin aus, kann in einem nächsten Schritt das Hormon FSH gespritzt werden. Jedoch muss die Patientin darauf hingewiesen werden, dass bei dieser Therapieform im Anschluss die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft sehr groß ist.

In Ausnahmefällen - besonders bei Frauen mit Kinderwunsch - kann es angezeigt sein, dass das PCO-Syndrom mittels eines operativen Eingriffs behandelt werden muss. Hierbei werden während einer Laparoskopie (Bauchspiegelung) mit einem Laser oder mit Hitze einige wenige kleine Löcher in die Oberfläche der Eierstöcke gesetzt (ovarielles Drilling). Dadurch sinkt die Produktion männlicher Hormone, und bei einem Teil der Frauen kommt der Eisprung wieder in Gang.


Aussicht & Prognose

Die Prognose beim Vorliegen eines PCO-Syndroms, auch als polyzystisches Ovarialsyndrom bekannt, hängt stark davon ab, wie früh die Erkrankung erkannt und wie konsequent sie behandelt wird. Neben körperlichen Symptomen, die belasten, ist auch die weibliche Fruchtbarkeit eingeschränkt. Beides kann zu seelischen Belastungen und sozialem Rückzug führen. So führt ein polyzystisches Ovarialsyndrom nicht nur zu vermehrten Fehlgeburten, sondern auch zu seelischen Befindlichkeitsstörungen oder behandlungsbedürftigen Depressionen.

Das PCO-Syndrom kann zu vermehrter Körperbehaarung, einer ausbleibenden Menstruation und Unfruchtbarkeit führen. Auch wenn es prinzipiell noch möglich ist, Kinder zu bekommen, wird das deutlich erschwert. Die Schwangerschaften bei Frauen mit PCO-Syndrom unterliegen höheren Risiken. Die Betroffenen werden durch Schwangerschafts-Diabetes, Fehlgeburten oder Mehrlingsschwangerschaften stärker belastet. Außerdem kommen häufiger Komplikationen während einer Schwangerschaft vor.

In der Folge entwickeln Frauen mit einem PCO-Syndrom erhöhte Risiken, an Herz- und Kreislauferkrankungen zu leiden. Medikamentöse Behandlungen und eine Umstellung der Ernährung können die Aussichten auf bessere Lebensqualität vergrößern. Regelmäßige gynäkologische Untersuchungen sind angeraten. In den Wechseljahren können sich die PCO-Beschwerden bessern. Sie können aber auch schlimmer werden. Warum das so ist, wird derzeit noch erforscht.

Die bisher existierenden Behandlungsansätze setzen an den Beschwerden an, die Ursache selbst lässt sich nicht beseitigen. Besteht kein Kinderwunsch, kann der zunehmenden Vermännlichung oder einer begleitenden Akne mit Ovulationshemmern entgegengewirkt werden. Aufwendiger ist die Behandlung bei einem Kinderwunsch. Das PCO-Syndrom trifft besonders junge Frauen hart. Dennoch bekommt ein großer Teil der betroffenen Frauen Kinder – bei vielen gelingt das nach einer Gewichtsabnahme oder mit Hilfe ovulationsauslösender Medikamente.

Vorbeugung

Bis heute sind keine direkten vorbeugenden Maßnahmen gegen das polyzystische Ovarialsyndrom bekannt. Da Übergewicht ein wichtiger Faktor beim PCO-Syndrom ist, sollte die Ernährung umgestellt und ausreichend Sport betrieben werden. Des Weiteren sollte die jährliche gynäkologische Vorsorgeuntersuchung in Anspruch genommen werden. Wurde ein PCO-Syndrom diagnostiziert, sollte so früh wie möglich mit einer adäquaten Therapie begonnen werden. Denn nur dadurch kann der Verlauf positiv beeinflusst und Spätfolgen vermieden werden.

Nachsorge

In den meisten Fällen erweist sich eine Nachsorge beim PCO-Syndrom als relativ schwierig, sodass die Maßnahmen einer direkten Nachsorge bei dieser Krankheit relativ stark eingeschränkt sind. Betroffene sollten aus diesem Grund schon frühzeitig einen Arzt aufsuchen, damit es im weiteren Verlauf nicht zu anderen Komplikationen oder Beschwerden kommt, die die Lebensqualität des Betroffenen einschränken können.

Von selbst heilt das PCO-Syndrom nicht aus, sodass die Betroffene ärztlich begleitet werden sollte. Das bedeutet aber nicht, dass sie den Beschwerden hilflos gegenübersteht: Bei Übergewicht gilt eine Gewichtsabnahme als Basismaßnahme, mit der sich der Zyklus und der Eisprung häufig wieder in Gang bringen lassen, und regelmäßige Bewegung wirkt der Insulinresistenz entgegen. In den Wechseljahren lassen die Beschwerden bei vielen Frauen nach. Werden Medikamente eingenommen, die die Beschwerden verstärken, wird ihr Absetzen geprüft. Allerdings sollte das Absetzen der Medikamente nur mit einer ärztlichen Zustimmung erfolgen. Ebenso sind während der Behandlung regelmäßige Kontrollen durch einen Arzt sehr wichtig, um weitere Schäden am Körper früh zu erkennen und zu behandeln.

Nur ein kleiner Teil der Betroffenen benötigt überhaupt einen operativen Eingriff; er kommt erst in Betracht, wenn Lebensstiländerung und Medikamente nicht ausreichen. Danach sollten sich die Betroffenen einige Tage schonen. Strikte Bettruhe ist dabei nicht ratsam, weil frühes Aufstehen und Umhergehen das Risiko einer Thrombose senken. Dabei ist auch die Unterstützung und die Pflege der eigenen Familie oder des Partners sehr wichtig, da dadurch auch Depressionen und andere psychische Verstimmungen verhindert werden können.

Das können Sie selbst tun

Neben der medikamentösen Behandlung können die Betroffenen zusätzlich selbst aktiv gegen die Symptome des PCO-Syndroms vorgehen. In den meisten Fällen ist eine Veränderung des Lebensstils notwendig.

Bei Patientinnen mit Übergewicht bewirken eine Reduktion des Körpergewichts sowie eine Ernährungsumstellung in der Regel eine deutliche Besserung. Vor allem Bauchfett sollte reduziert werden. Dabei kann sportliche Betätigung wie leichte Bauchmuskelübungen, Jogging oder Nordic Walking helfen. Unabhängig vom Körpergewicht der Betroffenen sollte auf kalorienreiche Kost generell verzichtet werden. Der Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Weißmehlprodukten ist zu vermeiden. Stattdessen empfiehlt es sich, viel Gemüse, sättigendes Eiweiß, Vollkorn und Öle mit Omega-3-Fettsäuren zu sich zu nehmen. Übermäßiger Alkoholkonsum sowie Rauchen sollten vermieden werden. Während einer Schwangerschaft sollte vermehrt auf eine gesunde Lebensweise und Ernährung geachtet werden, da bei bestehendem PCO-Syndrom gewisse Risiken wie Fehlgeburten oder Schwangerschaftsdiabetes bestehen.

Bei starker Körperbehaarung kann eine professionelle dauerhafte Haarentfernung helfen. Leiden betroffene Frauen an starker Akne, ist eine Laserbehandlung möglich. Zuvor sollte jedoch die ärztliche Behandlung ausgeschöpft werden, denn gegen eine ausgeprägte Akne stehen wirksame Medikamente zur Verfügung, und häufig bessert sich die Haut schon unter der Behandlung des Hormonungleichgewichts. Für viele Betroffene ist die Erkrankung vor allem eine psychische Belastung. In diesen Fällen kann auch psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden. Zudem gibt es eine Reihe von Selbsthilfegruppen sowie Internetforen, in denen sich Betroffene miteinander austauschen können.

Quellen

  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783132411012
  • Strowitzki, T., Ortmann, O. (Hrsg.): Klinische Endokrinologie für Frauenärzte.
    ISBN: 9783662655160
  • Kiechle, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783437424076
  • Allolio, B., Schulte, H. M. (Hrsg.): Praktische Endokrinologie.
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  • Diederich, S., Feldkamp, J., Grußendorf, M., Reincke, M.: Checkliste Endokrinologie und Diabetologie.
    ISBN: 9783132454132

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