Zu welchem Arzt bei Rückenschmerzen


Medizinische Qualitätssicherung am 9. Juni 2020 von Dr. med. Nonnenmacher

Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Volksleiden. Gerade junge Menschen messen dem keine große Bedeutung bei. Doch bei ihnen kann der Schmerz Symptom einer ernsten Erkrankung sein: Morbus Bechterew. Und die lässt sich nur vom Facharzt eindeutig diagnostizieren.

Muskeln und Bänder, Nerven und Wirbel: Rückenschmerzen können viele Ursachen haben. Fast jeder dritte Deutsche leidet regelmäßig unter Schmerzen im unteren Rückenbereich. Ist der Schmerz hartnäckig, greifen wir zum Wärmepflaster oder lassen uns beim Hausarzt eine Spritze geben. Und nehmen uns vor, künftig richtig zu heben, auf korrekte Körperhaltung zu achten, Gymnastik zu betreiben oder endlich eine neue Matratze anzuschaffen.

Tatsächlich gehen viele Betroffene mit ihren Rückenschmerzen fahrlässig um. Jüngere Menschen nehmen sie oft auf die leichte Schulter – Kreuzschmerzen sind schließlich häufig die Quittung für falsches Heben oder einseitige Belastung. Und wenn Büroarbeiter lange bewegungslos auf einen Bildschirm starren, kann der Nacken schon mal stechen.

Inhaltsverzeichnis

Symptome richtig deuten

Rückenschmerzen lassen sich in radikulären und pseudoradikulären Schmerz unterscheiden. Bei radikulären Rückenschmerzen ist zumeist ein Nerv gereizt.

Da Rückenschmerzen viele alltägliche Ursachen haben können, sind sie ein unspezifisches Symptom – und das macht die Situation so tückisch, wenn Morbus Bechterew die Ursache ist. Diese entzündlich-rheumatische Erkrankung beginnt zumeist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr und betrifft vor allem die Wirbelsäule.

Begleiterscheinungen sind starke nächtliche Schmerzen im unteren Wirbelsäulenbereich, ein Stechen im Nacken und eine eingeschränkte Beweglichkeit besonders morgens. Durch eine Fehlsteuerung im Körper kommt es zu entzündlichen Prozessen, die eine Verknöcherung im Achsenskelett bewirken – also in der Wirbelsäule, im Brustkorb und zwischen den Rippen. Der Körper wird unbeweglicher, die Gelenke versteifen.

Oft beginnt die Krankheit im Becken im Bereich der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke und äußert sich durch Schmerzen im Gesäß, besonders bei längerem Sitzen. Die Schmerzen können bis in die hinteren Oberschenkel ausstrahlen. Auch Hüfte, Knie und Sprunggelenke können – meist einseitig – schmerzen und anschwellen.

Wegen der unspezifischen Symptome müssen Betroffene oft einen langen Weg gehen, bevor sie ihre Diagnose erhalten. Denn erschwerend kommt hinzu, dass es bei Morbus Bechterew eine große Bandbreite an Symptomen gibt, etwa Entzündungen der Augen oder – seltener – der Lunge, des Herzens, des Darms oder der Haut.

Doch da sie in die Fachgebiete unterschiedlicher Ärzte fallen und nicht im Zusammenhang gesehen werden, wird oft nicht auf Morbus Bechterew als gemeinsame Ursache rückgeschlossen. Daher dauert es nicht selten sechs bis acht Jahre, bis die Krankheit eindeutig erkannt wird. Eine frühzeitige Diagnose ist jedoch entscheidend, um die Beschwerden dauerhaft und wirksam bekämpfen zu können.

Kompetente Fachärzte

Die Diagnose durch den Facharzt kann nur so gut sein, wie es ihm die Informationen über die Beschwerden ermöglichen. Der Orthopäde wird sich die Statik des Körpers und die Mechanik des Bewegungsapparates genauer anschauen – genau richtig bei klassischen Rückenschmerzen, die von falscher Körperhaltung, Verspannungen und zu schwerem Heben verursacht werden. Morbus Bechterew als rheumatisch-entzündliche Erkrankung fällt jedoch ins Gebiet des Rheumatologen. Und den bringt die ausführliche Schilderung auch von anderen Erkrankungen oder als merkwürdig empfundenen Symptome auf die richtige Spur.

Wen regelmäßig Schmerzen im unteren Rückenbereich plagen, ohne dass er eine Erklärung dafür hat, sollte darüber genaue Aufzeichnungen machen und diese um Informationen zum allgemeinen Wohlbefinden ergänzen. Auch Schlaflosigkeit und Abgeschlagenheit können auf Morbus Bechterew hindeuten. Je genauer der Rheumatologe die individuelle Krankengeschichte nachvollziehen kann, desto präziser fällt seine Diagnose aus.

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Morbus Bechterew im Griff

In vielen Fällen ist gezieltes Rückentraining ein erfolgreiches Mittel, um Rückenschmerzen zu lindern.

Früher war das Schicksal von Morbus-Bechterew-Patienten vorgezeichnet: Die unheilbare Krankheit führte zu einem extrem verkrümmten Rücken und stark in der Beweglichkeit eingeschränkten Gelenken. Doch der Einsatz sogenannter Biologika kann die Entstehung der entzündlichen Prozesse und die dadurch verursachte Verknöcherung des Achsenskeletts aufhalten.

Im Zusammenspiel mit regelmäßiger körperlicher Bewegung ermöglicht eine solche Behandlung, dass Patienten ein aktives und zufriedenes Leben führen. Voraussetzung ist jedoch das frühzeitige Erkennen von Morbus Bechterew. Unbehandelt kann die Entzündung zu bleibenden Schäden an der Wirbelsäule führen. Bei wiederkehrenden Rückenschmerzen und morgendlicher Gelenksteifigkeit sollte man sich deshalb Rat bei einem Rheumatologen holen.

Quellen

  • Eckardt, A.: Praxis LWS-Erkrankungen. Springer Medizin Verlag, Berlin Heidelberg 2011
  • Ernst, E.: Praxis Naturheilverfahren. Springer Medizin Verlag, Berlin 2009
  • Reining, R., Schweiger, A.: Endlich weniger Schmerzen. TRIAS, Stuttgart 2006

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