Bakterien

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bakterien kommen im und am Menschen in einer großen Vielzahl vor. Während einige Bakterien die Gesundheit fördern, können sich andere Bakterien gesundheitsschädigend auswirken. Bakterien sollten nicht mit Bazillen, einer stäbchenförmigen Gattung beweglicher Bakterien, verwechselt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Bakterien?

Bakterium
Schematische Darstellung der Bestandteile und des Aufbaus eines Bakteriums. Klicken, um zu vergrößern.

Bakterien sind Mikroorganismen und erreichen im Schnitt eine Größe von 0,5 bis 5 Mikrometern. Bakterien sind einzellig und vermehren sich über eine einfache Zellteilung. Anders als viele lebende Zellen haben Bakterien keinen Zellkern.

Je nach Form und Struktur lassen sich Bakterien in drei Grundformen unterteilen. Zu diesen Grundtypen zählen die Kokken (z.B. Staphylokokken), die Stäbchen (z.B. Bazillen oder Salmonellen) und die schraubenförmigen Bakterien. Der Begriff der Kokken leitet sich dabei aus dem Griechischen ab und bedeutet soviel wie Beeren oder Kugeln.

Der ungefähre Durchmesser dieser Bakterien beträgt einen Mikrometer. Bakterien, die als Stäbchen bezeichnet werden, sind entsprechend ihrer Namensgebung stäbchenförmig. Die Windungen von schraubenförmigen Bakterien sind unter einem Lichtmikroskop häufig deutlich zu erkennen.

Bedeutung & Funktion

Im gesunden Körper übernehmen Bakterien viele wichtige Funktionen. So finden sich beispielsweise im menschlichen Darm viele Arten gesundheitsfördernder Bakterien. In ihrem Zusammenwirken bilden diese Bakterien die sogenannte Darmflora, die sich fördernd auf die Verdauungsprozesse auswirkt. Hier finden sich ca. 99 % aller Mikroorganismen des menschlichen Körpers.

Auch auf der Haut des Menschen findet sich eine Vielzahl von Bakterien, die hier die sogenannte Hautflora bilden. Die Hautflora übernimmt unter anderem die Aufgabe, die Haut und auch den Organismus vor eindringenden, pathogenen (krankheitserregenden) Keimen zu schützen. Weitere gesundheitsfördernde Bakterien sind im Dünndarm, dem Rachen, der Mundhöhle oder an der Schleimhaut der weiblichen Vagina angesiedelt.

Damit gesundheitsfördernde Bakterien ihre Aufgaben uneingeschränkt übernehmen können, ist es wichtig, dass die Bakterienflora des Organismus richtig zusammengesetzt ist; nützliche Bakterien müssen hierzu in einer gleich bleibenden und ausreichenden Menge vorhanden sein.

Viele Bakterien sind in der Lage, für den Menschen wichtige Enzyme oder antibiotisch wirkende Substanzen zu bilden. Diese Eigenschaft macht sich auch die Medizin zunutze. So werden beispielsweise mithilfe von Bakterien wie den sogenannten Escherichia coli-Bakterien Medikamente wie Antibiotika oder Insulin hergestellt. Dies geschieht, indem der Stoffwechsel entsprechender Bakterien gezielt genutzt wird.

Bakterien im menschlichen Körper, die weder einen wissenschaftlich messbaren Nutzen noch einen messbaren Schaden bringen, werden als sogenannte Kommensale bezeichnet. Des Weiteren gibt es Bakterien im menschlichen Körper, die zwar Nährstoffe aus dem Körper ziehen, aber auch ein Ansiedeln schädigender Bakterien verhindern können. Diese Formen von Bakterien werden daher als Symbionten bezeichnet.


Biologische Eigenschaften

Bakterien sind einzellige Mikroorganismen, die eine enorme Vielfalt an biologischen Eigenschaften aufweisen. Sie gehören zu den Prokaryoten, das heißt, sie besitzen keinen echten Zellkern. Ihre Klassifikation erfolgt anhand verschiedener Kriterien, wie Morphologie, Zellwandstruktur und genetischen Merkmalen. Bakterien bilden die Domäne Bacteria, die von der Domäne der Archaeen (Archaea) zu unterscheiden ist; innerhalb der Domäne werden sie weiter in verschiedene Phyla und Gattungen unterteilt, basierend auf phylogenetischen Analysen und taxonomischen Kriterien.

Morphologisch können Bakterien unterschiedliche Formen annehmen, darunter Kokken (kugelförmig), Stäbchen (stäbchenförmig), Spirillen (spiralförmig) und Vibrionen (kommaförmig). Die Zellwandstruktur unterscheidet sich zwischen grampositiven und gramnegativen Bakterien, was durch die Gram-Färbung nachgewiesen wird. Diese Unterschiede beeinflussen ihre Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika.

Das Wachstum von Bakterien erfolgt durch Zweiteilung und wird durch Umweltfaktoren wie Temperatur, pH-Wert und Nährstoffverfügbarkeit beeinflusst. Sie können unter aeroben oder anaeroben Bedingungen wachsen.

Das bakterielle Genom besteht in der Regel aus einem zirkulären Chromosom, das frei im Zytoplasma liegt. Viele Bakterien besitzen zudem Plasmide, extrachromosomale DNA-Stücke, die oft Gene für Antibiotikaresistenzen oder andere Überlebensvorteile tragen. Bakterien zeigen genetische Besonderheiten wie die Fähigkeit zur horizontalen Genübertragung durch Konjugation, Transformation und Transduktion, was ihre Anpassungsfähigkeit fördert.

Vorkommen & Verbreitung

Bakterien kommen nahezu überall in der Natur vor und sind eine der am weitesten verbreiteten Lebensformen. Sie besiedeln eine Vielzahl von Umgebungen, darunter Boden, Wasser, Luft, sowie extreme Habitate wie heiße Quellen, Tiefseehydrothermalquellen und salzhaltige Seen. In der Umwelt spielen sie eine entscheidende Rolle im Kreislauf von Nährstoffen, indem sie organisches Material abbauen und Stickstoff, Kohlenstoff und andere Elemente umwandeln.

Ein bedeutendes Vorkommen von Bakterien findet sich im menschlichen Körper, insbesondere in der Darmflora. Hier leben sie in einer symbiotischen Beziehung und unterstützen die Verdauung, die Synthese von Vitaminen und die Abwehr von Krankheitserregern. Auch auf der Haut, im Mund und in anderen Körperregionen gibt es eine Vielzahl an bakteriellen Gemeinschaften.

Die Übertragungswege von Bakterien sind vielfältig. Sie können durch direkten Kontakt, Tröpfcheninfektion, verunreinigte Nahrungsmittel oder Wasser und über Insekten verbreitet werden. Pathogene Bakterien nutzen diese Wege, um Infektionen beim Menschen und Tieren zu verursachen.

In Ökosystemen erfüllen Bakterien eine Schlüsselrolle. Sie zersetzen organische Materie, tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei und fördern das Pflanzenwachstum durch Stickstofffixierung. In marinen Ökosystemen sind sie entscheidend für den Kohlenstoffkreislauf. Bakterien beeinflussen somit die Gesundheit von Organismen und die Stabilität von Ökosystemen auf vielfältige Weise.

Krankheiten

Bazillen
Bazillen sind stäbchenförmige Bakterien. Klicken, um zu vergrößern.

Gelegentlich können eigentlich gesundheitsfördernde Bakterien auch schädigende Einflüsse auf den Körper ausüben. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn Bakterien ihr eigentliches Milieu im menschlichen Körper verlassen und in ein anderes Milieu gelangen. So können etwa nützliche Bakterien des Dickdarms in den Harnwegen zu Blasenentzündungen führen.

Neben den nützlichen Bakterien gibt es eine Vielzahl von Bakterien, die den menschlichen Körper schädigen und daher auch als Krankheitserreger bezeichnet werden. Der schädigende Einfluss solcher Bakterien geht von den sogenannten Bakteriengiften aus, die von Bakterien abgesondert werden. Nicht alle krankmachenden Bakterien wirken jedoch über Gifte; manche schädigen den Körper vor allem dadurch, dass sie in Gewebe eindringen und dort Entzündungen auslösen. Verschiedene Gifte, die von lebenden Bakterien abgegeben werden, können beispielsweise Auslöser sein für Infektionserkrankungen wie Scharlach, Tetanus (auch als Wundstarrkrampf bezeichnet), Keuchhusten oder Diphtherie (eine Erkrankung der oberen Atemwege).

Auch von absterbenden Bakterien können im Zuge des Abbaus Gifte ausgehen. So kann beispielsweise eine bestimmte Form des Typhus durch Salmonellen (stäbchenförmige Bakterien) hervorgerufen werden. Einige Bakteriengifte sind so wirksam, dass sie als biologische Waffen missbraucht werden können; das gilt etwa für die Erreger von Milzbrand und Botulismus.

Je nach Form können krankheitserregende Bakterien auf verschiedenen Wegen von einem Menschen auf den anderen übertragen werden. Eine mögliche Übertragung von Bakterien ist etwa durch die Luft möglich, durch Wasser oder auch durch verschiedene Körperflüssigkeiten wie beispielsweise Speichel, Urin oder Blut.

Bakterien sind außerdem in der Lage, im Rahmen bestimmter Zeitspannen zu mutieren, sodass sie beispielsweise mit Medikamenten wie bestimmten Antibiotika nicht mehr bekämpft werden können. Diese Bakterien entwickeln sogenannte Resistenzen und stellen daher eine große Gesundheitsbedrohung dar. Zu Letzterem lesen Sie auch unsere Artikel: MRSA-Infektion und ESBL-Infektion.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung bakterieller Infektionen erfolgt in der Regel durch den Einsatz von Antibiotika, die die Vermehrung der Bakterien hemmen oder sie abtöten. Zu den gängigen Antibiotika-Klassen gehören Penicilline, Cephalosporine, Tetracycline, Makrolide und Fluorchinolone. Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach der Art des Erregers und der Schwere der Infektion. Standardtherapien sind in der Regel wirksam, wenn das verantwortliche Bakterium empfindlich gegenüber dem gewählten Antibiotikum ist. Fluorchinolone wurden lange breit verordnet; seit einem Rote-Hand-Brief im Jahr 2019 dürfen sie wegen des Risikos schwerwiegender und teils lang anhaltender Nebenwirkungen nur noch eingeschränkt eingesetzt werden.

Eine wachsende Herausforderung stellt jedoch die Behandlung von Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien dar, wie Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) oder multiresistente gramnegative Bakterien. Diese Stämme sind gegen viele Standardantibiotika resistent, was die Behandlung erschwert. In solchen Fällen kommen Reserveantibiotika wie Vancomycin oder Linezolid zum Einsatz, die jedoch oft nur als letztes Mittel verwendet werden können.

Neben den herkömmlichen Antibiotika werden neue und experimentelle Therapieansätze entwickelt, um der Resistenzproblematik zu begegnen. Phagentherapie, bei der bakterieninfizierende Viren, sogenannte Bakteriophagen, verwendet werden, ist eine vielversprechende Alternative. Als Arzneimittel zugelassen ist die Phagentherapie in Deutschland allerdings bislang nicht; sie kommt hier nur im Rahmen von Studien oder als individueller Heilversuch infrage. Auch Ansätze wie die Entwicklung von Antibiotika, die auf neue molekulare Ziele abzielen, sowie die Verwendung von antimikrobiellen Peptiden und Immunmodulatoren, werden erforscht. Diese neuen Therapien könnten helfen, resistente Infektionen effektiver zu bekämpfen und die Wirksamkeit von Antibiotika zu verbessern.

Die Bedeutung des Mikrobioms für die Gesundheit

Das menschliche Mikrobiom, insbesondere das der Darmflora, spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit. Es besteht aus Billionen von Bakterien, Viren, Pilzen und anderen Mikroorganismen, die in einer symbiotischen Beziehung mit dem menschlichen Körper leben. Der größte Teil des Mikrobioms befindet sich im Darm und beeinflusst verschiedene physiologische Prozesse, darunter Verdauung, Stoffwechsel und Immunsystem.

Eine gesunde Darmflora trägt zur Verdauung von Nahrungsmitteln bei, die der Mensch allein nicht verarbeiten kann. Bestimmte Bakterien sind in der Lage, Ballaststoffe zu fermentieren und daraus kurzkettige Fettsäuren zu produzieren, die für die Darmgesundheit und Energieversorgung wichtig sind. Darüber hinaus helfen die Mikroben bei der Synthese von Vitaminen, wie Vitamin K und einigen B-Vitaminen, die für den Stoffwechsel und die Blutgerinnung unerlässlich sind.

Das Mikrobiom spielt eine Schlüsselrolle im Immunsystem. Es hilft dabei, das Immunsystem zu trainieren, zwischen harmlosen und gefährlichen Mikroorganismen zu unterscheiden. Bakterien des Mikrobioms produzieren antimikrobielle Substanzen und konkurrieren mit potenziellen Krankheitserregern um Nährstoffe und Platz, wodurch sie die Ansiedlung schädlicher Bakterien verhindern. Eine gestörte Darmflora, auch als Dysbiose bezeichnet, kann jedoch zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen führen. Dysbiose ist mit Erkrankungen wie Reizdarmsyndrom, entzündlichen Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes und sogar mit psychischen Störungen wie Depressionen und Angstzuständen assoziiert.

Der Einfluss des Mikrobioms auf das Gehirn wird als Darm-Hirn-Achse bezeichnet. Diese wechselseitige Kommunikation erfolgt über das Nervensystem, das Immunsystem und hormonelle Signale. Es wird vermutet, dass bestimmte Bakterien über die Produktion von Neurotransmittern wie Serotonin das Verhalten und die Stimmung beeinflussen können. Studien deuten darauf hin, dass eine gesunde Darmflora möglicherweise das Risiko für neuropsychiatrische Erkrankungen reduziert.

Die Pflege des Mikrobioms ist daher ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Ballaststoffen, Präbiotika und Probiotika ist, kann das Gleichgewicht der Darmflora fördern. Probiotische Lebensmittel wie Joghurt oder fermentierte Produkte unterstützen das Wachstum nützlicher Bakterien, während Präbiotika wie Inulin als Nahrung für diese Bakterien dienen. Zudem ist es wichtig, den unnötigen Einsatz von Antibiotika zu vermeiden, da diese das Mikrobiom schädigen können, indem sie nicht nur schädliche, sondern auch nützliche Bakterien abtöten.

Nachweis und Diagnostik

Der erste Schritt zur Bestimmung eines Bakteriums ist meist die Färbung des Untersuchungsmaterials. Bei der nach dem dänischen Arzt Hans Christian Gram benannten Gramfärbung nehmen Bakterien mit dicker Zellwandschicht einen blauvioletten Farbstoff auf und behalten ihn beim Auswaschen – sie heißen grampositiv. Bakterien mit dünner Zellwand und zusätzlicher äußerer Membran verlieren den Farbstoff wieder und werden mit einem roten Gegenfarbstoff sichtbar gemacht; sie heißen gramnegativ. Zusammen mit der Form der Zelle ergibt sich daraus schon eine erste Zuordnung, die für die Wahl der Behandlung von Bedeutung ist. Für Erreger mit besonders wachsartiger Zellwand, etwa die der Tuberkulose, reicht die Gramfärbung nicht aus; hier kommen Färbungen zum Einsatz, bei denen der Farbstoff auch durch Säure nicht wieder ausgewaschen wird.

Der zweite Schritt ist die Anzucht auf Nährböden. Verwendet werden feste, mit einem Gelierstoff aus Rotalgen versetzte Platten, die je nach Fragestellung unterschiedlich zusammengesetzt sind: Nährböden mit Zusatz von Blut machen sichtbar, ob ein Erreger rote Blutkörperchen auflöst; Nährböden mit hemmenden Zusätzen lassen nur bestimmte Gruppen wachsen und unterdrücken die Begleitflora. Aus dem Wachstumsverhalten – Größe, Farbe und Gestalt der Kolonien, Bedarf an Sauerstoff, bevorzugte Temperatur – ergeben sich weitere Hinweise. Bei Verdacht auf eine Sepsis wird Blut in besondere Flaschen gefüllt und bebrütet, bis sich ein Wachstum anzeigt.

Zur endgültigen Bestimmung dienten lange bunte Reihen biochemischer Tests, in denen geprüft wird, welche Zucker ein Erreger verwerten und welche Enzyme er bilden kann. Heute wird die Art häufig massenspektrometrisch bestimmt: Aus einer einzelnen Kolonie wird das Muster der Zelleiweiße gemessen und mit einer Datenbank abgeglichen, was innerhalb kurzer Zeit ein Ergebnis liefert. Daneben haben molekularbiologische Verfahren wie die Polymerase-Kettenreaktion und die Entzifferung von Erbgutabschnitten an Bedeutung gewonnen. Sie erfassen auch Erreger, die sich schlecht oder gar nicht anzüchten lassen, und liefern rasch ein Ergebnis, wenn bereits mit Antibiotika behandelt wurde. Ergänzt wird die Bestimmung durch die Empfindlichkeitsprüfung: Der Erreger wird verschiedenen Antibiotika ausgesetzt, um festzustellen, welche Mittel wirken und welche nicht.

Sporen, Überdauerung und Hygiene

Einige Bakteriengattungen, darunter Bazillen und Clostridien, können bei ungünstigen Bedingungen Dauerformen bilden, sogenannte Endosporen. Dabei zieht sich das Erbgut in einen abgekapselten Bereich der Zelle zurück, der Wasser abgibt und sich mit mehreren festen Hüllen umgibt. In diesem Zustand findet praktisch kein Stoffwechsel statt. Endosporen überstehen Trockenheit, Hitze, Strahlung und viele Desinfektionsmittel weit besser als wachsende Zellen; kehren günstige Bedingungen zurück, keimen sie aus. Auf dieser Widerstandsfähigkeit beruhen Krankheiten wie Milzbrand, Tetanus und Botulismus, deren Erreger über Jahre im Boden oder in Lebensmitteln überdauern können.

Für die Hygiene folgt daraus ein wichtiger Unterschied: Eine Desinfektion tötet wachsende Bakterien ab, erfasst Sporen aber nicht zuverlässig. Erst die Sterilisation – etwa mit gespanntem Wasserdampf unter Druck – macht auch Sporen unschädlich; sie ist deshalb bei chirurgischen Instrumenten unverzichtbar. Eine weitere Schutzform ist der Biofilm: Viele Bakterien betten sich in eine selbst gebildete Schleimschicht ein, die auf Oberflächen haftet und in der sie gegen Desinfektionsmittel und gegen die körpereigene Immunabwehr deutlich unempfindlicher sind als frei schwimmende Zellen. Solche Beläge finden sich auf Zähnen, in Wasserleitungen und auf Kathetern oder Gelenkersatz und sind ein Grund dafür, warum Infektionen an Fremdmaterial so hartnäckig verlaufen. Im Alltag bleiben Händewaschen und Händedesinfektion, das Trennen von rohen und verzehrfertigen Lebensmitteln sowie das Einhalten der Kühlkette die wirksamsten Maßnahmen gegen die Weitergabe von Bakterien.

Geschichte der Bakterienkunde

Sichtbar wurden Bakterien erstmals durch die selbst geschliffenen Linsen des niederländischen Tuchhändlers Antoni van Leeuwenhoek, der die von ihm beobachteten beweglichen Gebilde als „Tierchen“ beschrieb. Dass Mikroorganismen Gärung und Fäulnis verursachen und nicht spontan aus toter Materie entstehen, wies später der französische Chemiker Louis Pasteur nach; auf ihn geht auch das nach ihm benannte schonende Erhitzungsverfahren zur Haltbarmachung von Lebensmitteln zurück. Der deutsche Arzt Robert Koch entwickelte die Verfahren, mit denen sich Bakterien in Reinkultur züchten und färben lassen, und wies die Erreger von Milzbrand, Tuberkulose und Cholera nach. Die von ihm mitformulierten Regeln, nach denen ein Erreger bei jedem Erkrankten nachweisbar sein, in Reinkultur gezüchtet werden und bei Übertragung dieselbe Krankheit auslösen muss, prägen die Infektionsforschung bis heute – auch wenn sie sich, wie bei symptomlosen Trägern, nicht auf jeden Erreger anwenden lassen.

Die Behandlung bakterieller Infektionen veränderte sich grundlegend mit der Beobachtung des britischen Bakteriologen Alexander Fleming, dass ein Schimmelpilz auf einer verunreinigten Kulturplatte das Wachstum von Bakterien hemmte. Aus dieser Beobachtung ging das Penicillin hervor, dessen Reindarstellung und Herstellung im großen Maßstab erst später durch andere Arbeitsgruppen gelang. Seither wurden zahlreiche weitere Wirkstoffgruppen erschlossen. Ebenso alt wie ihre Anwendung ist allerdings die Beobachtung, dass Bakterien unempfindlich gegen sie werden können – ein Zusammenhang, auf den bereits die frühen Entdecker hinwiesen und der heute unter dem Stichwort Antibiotikaresistenz zu den drängendsten Fragen der Medizin gehört.

Quellen

  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132443174
  • Kayser, F. H., Böttger, E. C., Deplazes, P., et al.: Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132447936
  • Holtmann, H., Holtmann, J., Lommen, J., Schorn, L. K.: BASICS Medizinische Mikrobiologie, Hygiene und Infektiologie.
    ISBN: 9783437414718
  • Pschyrembel, W.: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch.
    ISBN: 9783110783346

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