Butyrophenon

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Butyrophenon ist eine chemische Grundstruktur, von der sich eine ganze Gruppe von Arzneimitteln ableitet, die als Butyrophenone bezeichnet werden. Butyrophenon selbst ist kein Arzneistoff; ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Butyrophenon gibt es nicht. Die Butyrophenone dienen unter anderen als Antipsychotika zur Behandlung von Schizophrenie und Manie. Dabei treten sie als Antagonisten des Neurotransmitters Dopamin auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Butyrophenon?

Butyrophenon
Die Butyrophenone dienen unter anderen als Antipsychotika zur Behandlung von Schizophrenie und Manie.

Butyrophenon stellt die Leitsubstanz für eine ganze Reihe von Wirkstoffen dar, die als Butyrophenone bezeichnet werden. Dabei zeichnen sich alle Butyrophenone durch die gleiche chemische Grundstruktur aus. Die exakte Bezeichnung für Butyrophenon ist nach chemischer Nomenklatur 1-Phenylbutan-1-on.

Butyrophenone werden hauptsächlich als Neuroleptika (Antipsychotika) eingesetzt. Unter diesen Neuroleptika gibt es sowohl hochpotente als auch mittel- und niedrigpotente Wirkstoffe. Allein die Zugehörigkeit zur Gruppe der Butyrophenone sagt noch nichts über die Stärke der Wirksamkeit der Verbindungen aus. Zu den stark wirkenden Butyrophenonen zählen unter anderem Haloperidol, Benperidol, Trifluperidol und Bromperidol. Andere Wirkstoffe wie Droperidol, Melperon oder Pipamperon weisen eine mittlere oder schwache Wirksamkeit auf. Trifluperidol ist in Deutschland allerdings nicht als Fertigarzneimittel im Handel.

Als Fertigarzneimittel angeboten werden hierzulande Präparate mit Haloperidol, Melperon, Pipamperon, Benperidol, Bromperidol und Droperidol. Die Zahl der Präparate ist dabei sehr unterschiedlich: Auf Haloperidol, Melperon und Pipamperon entfallen die meisten Einträge des Arzneimittelverzeichnisses, auf Benperidol, Droperidol und Bromperidol nur wenige. Für Trifluperidol führt das Verzeichnis zwar einen Wirkstoffeintrag, aber kein einziges Präparat.

Die Butyrophenone zählen zur ersten Generation der Antipsychotika und werden deshalb als klassische oder typische Neuroleptika bezeichnet. Von den später entwickelten atypischen Antipsychotika wie Risperidon, Olanzapin und Quetiapin unterscheidet sie vor allem, dass unter den atypischen Wirkstoffen schwere Bewegungsstörungen seltener auftreten.

Einige Butyrophenone besitzen neben der antipsychotischen auch eine antiemetische Wirkung. Als Antiemetika können diese Medikamente unter anderem auch Übelkeit und Brechreiz unterdrücken.

Bereits seit Mitte der Fünfziger Jahre werden Butyrophenone zunächst zu Forschungszwecken und seit Anfang der Sechziger Jahre auch zum klinischen Einsatz in der Psychiatrie eingesetzt.

Pharmakologische Wirkung

Die Wirkungsweise der Butyrophenone beruht auf ihrer starken Affinität zu den Dopaminrezeptoren. Bei ihrem Einsatz konkurrieren sie mit Dopamin um die entsprechenden Rezeptoren. Die Folge ist eine Hemmung der Dopaminwirkung. Dopamin ist ein vielseitiger Neurotransmitter, welcher besonders für seine aufmunternde Wirkung bekannt ist. Daher wird er im Volksmund auch als Glückshormon bezeichnet. Seine Hauptfunktion besteht in der Motivation und Antriebssteigerung.

Wenn jedoch zu viel Dopamin ausgeschüttet wird, kommt es zu psychotischen Symptomen, die dem Krankheitskomplex der Schizophrenie zuzuordnen sind. So sind im Organismus vier verschiedene Wirkungspfade von Dopamin bekannt. Dazu zählen das mesolimbische System, das mesostriatale System, das mesocortikale System und das tuberoinfundibuläre System.

Das mesolimbische System wird auch als positives Belohnungssystem bezeichnet, da es maßgeblich an der Entstehung von positiven Emotionen wie beispielsweise der Freude beteiligt ist. Bei einer Überaktivität in diesem Bereich werden jedoch die Positivsymptome der Schizophrenie erzeugt, die mit Übersteigerungen und Fehldeutungen der Wahrnehmungen einhergehen. Das mesostriatale System spielt unterdessen eine wichtige Rolle bei der Bewegungssteuerung und erzeugt bei einer Unterfunktion durch eine zu geringe Dopaminaktivität die Symptome von Parkinson. Das mesocorticale System steuert die sogenannten exekutiven Funktionen, die sich in den höheren mentalen und kognitiven Prozessen äußern. Schließlich ist das tuberoinfundibuläre System für die Freisetzung von Prolaktin verantwortlich.

Zwar teilen die Butyrophenone ihren Hauptangriffspunkt, im Einzelnen unterscheiden sich ihre Rezeptorprofile jedoch deutlich. Haloperidol blockiert vor allem den Dopamin-D2-Rezeptor und wirkt daneben an einigen Serotoninrezeptoren als Gegenspieler. Bromperidol zeigt zusätzlich eine schwache Wirkung an den alpha-1-adrenergen und eine mittelstarke an den 5-HT2-Rezeptoren, während anticholinerge und antihistaminerge Eigenschaften fehlen. Pipamperon bindet dagegen stärker an den Dopamin-D4- als an den D2-Rezeptor und besitzt ebenfalls eine Affinität zu Serotoninrezeptoren; es gilt als schwach potentes Neuroleptikum. Benperidol hemmt über das Dopamin hinaus auch die Botenstoffe Acetylcholin, Adrenalin und Histamin.

Im Rahmen der Blockierung der Dopaminwirkung durch die Butyrophenone werden alle diese Prozesse gleichzeitig beeinflusst. So können Überaktivitäten von Dopamin abgemildert werden, gleichzeitig führt die verringerte Dopaminwirkung in bestimmten Bereichen des Systems jedoch zu unerwünschten Nebenwirkungen.

Besonders anschaulich ist das am tuberoinfundibulären System. Dopamin bremst dort die Ausschüttung von Prolaktin; wird diese Bremse gelöst, steigt der Prolaktinspiegel an. Für Bromperidol ist dieser Vorgang ausdrücklich beschrieben. Ein erhöhter Prolaktinspiegel kann sich in Milchfluss, Zyklusstörungen bis hin zum Ausbleiben der Regelblutung, in einer Vergrößerung der Brust sowie in sexueller Unlust und Potenzstörungen äußern.

Über die Aufnahme und den Abbau im Körper lässt sich für die Gruppe wenig Gemeinsames sagen. Haloperidol überwindet die Blut-Hirn-Schranke leicht, passiert die Plazenta und geht in die Muttermilch über; abgebaut wird es überwiegend in der Leber, woran die Enzyme CYP3A4 und CYP2D6 beteiligt sind. Pipamperon wird nach der Einnahme rasch aus dem Darm aufgenommen, in der Leber zu Abbauprodukten umgewandelt und anschließend über die Nieren ausgeschieden. Die Halbwertszeiten der einzelnen Vertreter liegen weit auseinander; aus der Zugehörigkeit zur Gruppe allein lässt sich deshalb keine Aussage über die Wirkdauer ableiten.

Auch die Darreichungsformen unterscheiden sich. Neben Tabletten und Lösungen zum Einnehmen stehen für mehrere Butyrophenone Injektionslösungen zur Verfügung. Für Haloperidol gibt es darüber hinaus eine Depotform: Aus dem in den Muskel gespritzten Haloperidol-Decanoat wird der Wirkstoff langsam und gleichmäßig freigesetzt, sodass zwischen zwei Gaben ein deutlich längerer Abstand liegen kann als bei Tabletten. Sowohl die gewöhnliche Injektionslösung als auch die Depotform des Haloperidols sind nur zur Anwendung in den Muskel bestimmt.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Alle Wirkstoffe der Wirkstoffklasse der Butyrophenone sind Antagonisten des Neurotransmitters Dopamin und werden bei einer Dopaminüberaktivität eingesetzt. Da eine Überaktivität von Dopamin im mesolimbischen System zu den Positivsymptomen der Schizophrenie führt, erfolgt in diesen Fällen der Einsatz der Butyrophenone als Psychopharmaka zur Milderung der Symptome.

Gleichzeitig zeigen einige Butyrophenone auch eine gute Wirkung gegen Übelkeit und Erbrechen. Die Wirkung der einzelnen Wirkstoffe ist jedoch unterschiedlich. Das hängt unter anderem von ihrer Affinität zu den Dopaminrezeptoren ab. So gehören Haloperidol und Benperidol zu den hochwirksamen Antipsychotika. Bei Haloperidol tritt nach der Behandlung zunächst eine beruhigende Wirkung ein. Erst nach einigen Tagen erfolgt die eigentliche antipsychotische Wirkung. Das Medikament wird deshalb gerne bei den akuten Phasen der Schizophrenie und bei einer Manie eingesetzt.

Benperidol wiederum gilt heute nur noch als Reservemittel, da neben den erwünschten antipsychotischen Wirkungen verstärkt auch Nebenwirkungen in Form von parkinsonähnlichen Symptomen auftreten. Droperidol hat einen großen Einfluss auf das Brechzentrum des Gehirns und wird vor allem bei Übelkeit und Erbrechen, welche nach Operationen empfunden werden, eingesetzt. Allerdings zeigt es auch viele Nebenwirkungen und darf bei einer Vielzahl von Erkrankungen, wie unter anderem bei Parkinson, Depressionen, zu geringem Puls oder komatösen Zuständen, nicht eingesetzt werden.

Melperon findet als mittel- beziehungsweise niederpotentes Neuroleptikum Anwendung bei älteren Patienten zur Behandlung von Verwirrtheit, Spannungszuständen oder Schlafstörungen. Pipamperon wirkt hauptsächlich beruhigend ohne große antipsychotische Wirkung. Es kommt vor allem bei Schlafstörungen, inneren Erregungszuständen oder erhöhter Aggressivität zum Einsatz. Daher wird es häufig auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie eingesetzt.

Die zugelassenen Anwendungsgebiete unterscheiden sich von Vertreter zu Vertreter erheblich. Für Haloperidol werden die Schizophrenie und andere psychotische Störungen genannt, ferner akute psychotische Episoden, manische Episoden im Rahmen einer bipolaren Störung, Verhaltensstörungen bei Erwachsenen und Kindern, wenn andere Behandlungen nicht gewirkt haben, sowie das Tourette-Syndrom zur Kontrolle von Tics und unwillkürlichen Lautäußerungen. Bei Unruhe und Aggressivität im Rahmen einer Demenz ist der Einsatz begrenzt und sorgfältig abzuwägen. In niedriger Dosierung dient Haloperidol als Antiemetikum, vor allem gegen Erbrechen, das durch opioide Schmerzmittel ausgelöst wird.

Benperidol ist für akute psychotische Syndrome mit Wahnvorstellungen, Halluzinationen sowie Denk- und Ich-Störungen vorgesehen, außerdem für katatone, delirante und andere exogen-psychotische Syndrome, für chronisch verlaufende Psychosen, für maniforme Syndrome und für psychomotorische Erregungszustände. Bromperidol wird bei akuten, subakuten und chronischen Formen der Schizophrenie bei Erwachsenen angewendet; bei besonders ausgeprägten Erregungszuständen gilt es in der Regel als nicht geeignet. Droperidol hat ein ganz anderes Anwendungsgebiet: Es dient der Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen nach Operationen sowie der Vorbeugung solcher Beschwerden, wenn sie bei der patientengesteuerten Schmerzbehandlung durch Morphinabkömmlinge ausgelöst werden. Für Pipamperon nennt die Wirkstoffmonografie chronische Psychosen und, bei älteren Menschen, Schlafstörungen sowie psychomotorische Erregungszustände.


Risiken & Nebenwirkungen

Butyrophenone können je nach ihrer Wirksamkeit auch erhebliche Nebenwirkungen hervorbringen. Während bei niederpotenten Butyrophenonen in der Regel seltener Bewegungsstörungen auftreten, zeigen hochpotente Butyrophenone oft unangenehme Nebenwirkungen. Diese äußern sich in unwillkürlichen Bewegungen. Der Patient ist unruhig und kann seine sich stets wiederholenden Bewegungen nicht mehr unter Kontrolle bringen. Die Nebenwirkungen gehen in Richtung parkinsonähnlicher Bewegungsstörungen. Bei diesen Bewegungsstörungen wird zwischen zwei Formen unterschieden: Frühdyskinesien zeigen sich vor allem zu Beginn der Behandlung, während Spätdyskinesien erst unter einer langdauernden Anwendung entstehen und bei älteren Menschen häufiger vorkommen. Niederpotente Butyrophenone wirken dafür stärker dämpfend als die hochpotenten.

Auch Depressionen, Krampfanfälle, Hormonstörungen, Blutbildungsstörungen und Kopfschmerzen werden teilweise beobachtet. Eine besonders dramatische Komplikation stellt das sogenannte maligne neuroleptische Syndrom dar, welches im Extremfall tödlich verlaufen kann. Bei diesem Syndrom treten massive motorische, vegetative und psychische Symptome auf. Diese Nebenwirkung ist zwar sehr selten, das Syndrom kann jedoch bei Vorliegen eines bestimmten Risikopotenzials durch Anwendung jedes Butyrophenons hervorgerufen werden. Als wichtigste Maßnahme gilt in diesem Fall das sofortige Absetzen des entsprechenden Medikamentes.

Ein weiteres Risiko, das für mehrere Vertreter der Gruppe ausdrücklich beschrieben ist, betrifft das Herz. Unter Haloperidol, Benperidol, Bromperidol und Droperidol kann sich das QT-Intervall im EKG verlängern und damit schwere Herzrhythmusstörungen bis hin zur Torsade de Pointes begünstigen. Vor Beginn und im Verlauf der Behandlung wird deshalb ein Elektrokardiogramm abgeleitet. Ein Mangel an Kalium oder Magnesium im Blut wird vor Behandlungsbeginn ausgeglichen und anschließend regelmäßig kontrolliert.

Für Haloperidol und Benperidol nennen die Wirkstoffmonografien übereinstimmend eine erhöhte Sterblichkeit älterer Menschen mit einer Demenz unter der Behandlung sowie ein erhöhtes Risiko für Ereignisse an den Hirngefäßen bis hin zum Schlaganfall. Für beide Wirkstoffe ist außerdem vorgesehen, vor Behandlungsbeginn die Risikofaktoren für venöse Thromboembolien zu erfassen und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Beide können die Anfallsschwelle senken, was bei Epilepsie und bei Erkrankungen des Gehirns zur Vorsicht mahnt. Für Benperidol nennt die Fachinformation ferner eine Gewichtszunahme und erhöhte Blutzuckerwerte; in seltenen Fällen wurde das Auftreten eines Diabetes mellitus beobachtet.

Für Benperidol führt die Fachinformation als häufige Nebenwirkung eine Störung der Kreislaufregulation beim Aufstehen mit einem Blutdruckabfall und einer reflektorischen Beschleunigung des Herzschlags auf, vor allem zu Beginn der Behandlung. Unter Pipamperon sind darüber hinaus Schläfrigkeit und ein Zahnradphänomen, eine Sonderform der Muskelsteifigkeit, als sehr häufige Nebenwirkungen verzeichnet; als häufig gelten dort unter anderem Akathisie, Bewegungsstörungen, ein beschleunigter Herzschlag, Erbrechen, Nesselsucht und das Ausbleiben der Regelblutung.

Kontraindikationen

Eine Gegenanzeigenliste, die für sämtliche Butyrophenone gleichermaßen gilt, gibt es nicht; sie unterscheidet sich von Wirkstoff zu Wirkstoff und von Präparat zu Präparat. Gemeinsam ist den Vertretern, dass eine bekannte Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff oder gegen die Gruppe der Butyrophenone die Anwendung ausschließt.

Für Haloperidol kommen komatöse Zustände, eine Dämpfung des Zentralnervensystems, die Parkinson-Krankheit, die Lewy-Körper-Demenz, die progressive supranukleäre Blickparese, eine bekannte Verlängerung des QTc-Intervalls oder ein angeborenes Long-QT-Syndrom, ein kurz zurückliegender Herzinfarkt, eine dekompensierte Herzinsuffizienz, in der Vorgeschichte aufgetretene Rhythmusstörungen der Herzkammern, ein nicht ausgeglichener Kaliummangel sowie die gleichzeitige Behandlung mit Arzneimitteln hinzu, die das QT-Intervall verlängern.

Für Droperidol nennt die Wirkstoffmonografie zusätzlich ein Phäochromozytom, einen zu langsamen Herzschlag, eine Begleitmedikation, die den Herzschlag verlangsamt, einen Mangel an Kalium oder Magnesium und eine schwere Depression. Benperidol darf bei einem Parkinson-Syndrom nicht angewendet werden und auch dann nicht, wenn in der Vorgeschichte bereits ein malignes neuroleptisches Syndrom nach diesem Wirkstoff aufgetreten ist.

Keine Gegenanzeige, wohl aber ein Grund zu besonderer Vorsicht sind bei Benperidol unter anderem akute Vergiftungen durch Alkohol, Opioide oder dämpfende Arzneimittel, eine eingeschränkte Leberfunktion, prolaktinabhängige Tumoren wie der Brustkrebs, ein stark erniedrigter Blutdruck, eine bestehende depressive Erkrankung, Erkrankungen des blutbildenden Systems, eine Schilddrüsenüberfunktion und ein zu langsamer Herzschlag.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Die wichtigste Wechselwirkung der Gruppe ergibt sich aus der Wirkung auf das Herz. Arzneimittel, die ihrerseits das QT-Intervall verlängern, erhöhen gemeinsam mit einem Butyrophenon das Risiko für lebensbedrohliche Rhythmusstörungen. Dazu zählen Antiarrhythmika der Klasse IA wie Chinidin und der Klasse III wie Amiodaron und Sotalol, einzelne Antidepressiva wie Citalopram und Escitalopram, bestimmte Antibiotika aus den Gruppen der Makrolide und der Fluorchinolone, weitere Antipsychotika wie Pimozid, Mittel gegen Übelkeit wie Ondansetron sowie Methadon. Für Haloperidol ist die gleichzeitige Anwendung solcher Arzneimittel nicht nur eine Vorsichtsmaßnahme, sondern eine Gegenanzeige.

Eine zweite Gruppe von Wechselwirkungen betrifft den Abbau in der Leber. Hemmstoffe der Enzyme CYP3A4 und CYP2D6 lassen den Haloperidolspiegel im Blut ansteigen, während Stoffe, die CYP3A4 anregen, ihn absinken lassen; zu den Letzteren gehören Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Rifampicin und Johanniskraut. Die volle Wirkung einer solchen Enzymanregung stellt sich erst nach etwa zwei Wochen ein und hält nach dem Absetzen ebenso lange an, weshalb die Behandlung in dieser Zeit besonders überwacht wird.

Haloperidol verstärkt die Wirkung zentral dämpfender Arzneimittel, darunter Schlafmittel, Beruhigungsmittel und starke Schmerzmittel. Umgekehrt schwächt es die Wirkung von Levodopa und anderer Dopamin-Agonisten sowie von Adrenalin und verwandten Substanzen ab. Da es selbst das Enzym CYP2D6 hemmt, können die Blutspiegel trizyklischer Antidepressiva ansteigen. In Verbindung mit Lithium wurden in seltenen Fällen schwere, meist rückbildungsfähige Beschwerden beobachtet, darunter Bewegungsstörungen, ein malignes neuroleptisches Syndrom und komatöse Zustände. Alkohol verstärkt die dämpfende Wirkung der Butyrophenone.

Alternative Behandlungsmethoden

Reicht ein Butyrophenon nicht aus oder wird es nicht vertragen, stehen andere Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Innerhalb der klassischen Neuroleptika sind das vor allem die Phenothiazine mit Chlorpromazin, Fluphenazin, Levomepromazin, Perazin, Perphenazin und Thioridazin, ferner die Thioxanthene und die Diphenylbutylpiperidine, zu denen Pimozid gehört.

Die atypischen Antipsychotika bilden die zweite große Alternative. Risperidon wird oft bevorzugt, wenn eine Langzeitbehandlung erforderlich ist; schwere Bewegungsstörungen sind unter diesem Wirkstoff weniger wahrscheinlich. Olanzapin und Quetiapin kommen vor allem dann in Betracht, wenn neben der Psychose auch Angst- oder Schlafstörungen bestehen.

Für die antiemetische Anwendung der Butyrophenone gibt es eigene Alternativen: Gegen Übelkeit und Erbrechen nach Operationen werden neben Droperidol auch Wirkstoffe aus anderen Gruppen eingesetzt, etwa Ondansetron. Welcher Weg gewählt wird, hängt von der Vorgeschichte, den Begleiterkrankungen und der übrigen Medikation ab; die Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Quellen

  • Benkert, O., Hippius, H. (Hrsg.): Kompendium der psychiatrischen Pharmakotherapie.
    ISBN: 9783662676844
  • Falkai, P., Laux, G., Deister, A., Möller, H.-J. (Hrsg.): Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
    ISBN: 9783132432659
  • Laux, G., Dietmaier, O.: Praktische Psychopharmakotherapie.
    ISBN: 9783437213229
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
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  • Freissmuth, M., Offermanns, S., Böhm, S.: Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783662684696

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