Chinin

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Chinin ist eine chemische Verbindung, die in der Rinde des Chinarindenbaumes vorkommt. Chinin wird medizinisch vor allem zur Therapie der Malaria, insbesondere der Malaria tropica, eingesetzt. Darüber hinaus wird es zur Prophylaxe und Therapie von Muskelkrämpfen eingesetzt; früher war es außerdem in Präparaten zur Symptomlinderung bei grippalen Infekten enthalten. Zudem findet es als Bitterstoff auch in einigen Lebensmitteln Verwendung.

In Deutschland sind chininhaltige Fertigarzneimittel heute verschreibungspflichtig und nur noch bei Erwachsenen zur Behandlung und Verhütung von Krämpfen der Skelettmuskulatur zugelassen, insbesondere nächtlicher Wadenkrämpfe. Nach der Fachinformation darf Chininsulfat dabei erst zum Einsatz kommen, wenn die Krämpfe sehr häufig oder besonders schmerzhaft sind, behandelbare Ursachen ausgeschlossen wurden und nichtmedikamentöse Maßnahmen die Beschwerden nicht ausreichend lindern konnten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Chinin?

Chinin
Chinin ist bei der schweren Malaria tropica heute das Ausweichmittel, wenn Artesunat nicht verfügbar ist. Bei der Malaria tropica handelt es sich um die durch den Erreger Plasmodium falciparum ausgelöste Form der Malaria.
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Chinin ist ein natürlicher Stoff, der in der Chinarinde, der Rinde des Chinarindenbaumes, vorkommt. Es handelt sich bei Chinin um eine chemische Verbindung, die der Gruppe der Chinolin-Alkaloide zugeordnet wird.

Chinin, das die chemische Summenformel C20H24N2O2 hat, liegt als weißes, sehr schwer wasserlösliches, kristallines Pulver vor und verfügt über einen bitteren Geschmack. Der Schmelzpunkt des Chinins liegt bei 177 Grad Celsius, der des Chinin-Trihydrats hingegen liegt bei 57 Grad Celsius. Die molare Masse des Chinins beträgt 324,44 Gramm x mol^-1.

Die geringste bekannte toxische Dosis, d. h. die geringste Dosis, die bei einem Menschen nachweislich toxisch wirkte, liegt nach oraler Applikation bei 74 mg x kg^-1. Die geringste nachweislich letale Dosis beim Menschen liegt bei 294 mg x kg^-1, wobei die Applikationsart in diesem Fall unbekannt ist.

Chinin wird sowohl als Arzneistoff, als auch als Bitterstoff in Lebensmitteln eingesetzt. Chinin ist ein seit langer Zeit bekannter Arzneistoff zur Behandlung der Malaria.

Pharmakologische Wirkung

Im Normalfall wird Chinin oral appliziert. Im Notfall ist jedoch auch eine intravenöse Applikation möglich. Nach oraler Gabe erfolgt die Resorption des Chinins relativ schnell und gut. Die maximale Wirkung wird nach 1–3 Stunden erreicht. Die Plasmaproteinbindung des Chinins beträgt etwa 70 %. Die Metabolisierung erfolgt fast vollständig in der Leber, nur 10 % des Chinins werden unverändert ausgeschieden.

Die Wirkung des Chinins beruht auf einer Hemmung der Hämopolymerase der Plasmodien. Hierbei verhindert das Chinin die Bildung von nicht toxischem β-Hämatin in den Vakuolen der Plasmodien aus toxischem Ferriprotoporphyrin IX. Plasmodien sind die Erreger der Malaria. Da die Umwandlung ausbleibt, reichert sich das toxische Ferriprotoporphyrin IX an und schädigt die Plasmodien. Hierbei sind zwar mehrere verschiedene Plasmodien zu unterscheiden. Chinin wirkt jedoch gegen sämtliche der Plasmodien-Arten. Erfasst werden dabei die Erreger im Blut. Die in der Leber ruhenden Dauerformen (Hypnozoiten) von Plasmodium vivax und Plasmodium ovale werden von Mitteln, die im Blut wirken, nicht abgetötet; um Rückfälle zu verhindern, ist bei diesen Malariaformen zusätzlich eine Behandlung mit Primaquin erforderlich.

Des Weiteren wirkt Chinin bereits in geringen Dosen lokalanästhetisch und fiebersenkend. Chininsulfat wirkt zudem krampflösend. Die krampflösende Wirkung des Chininsulfats ist auf eine Wirkung an der Verbindungsstelle zwischen Nerven und Muskelfasern der motorischen Endplatte zurückzuführen.

Genauer beschrieben greift Chinin bei den Muskelkrämpfen an zwei Stellen zugleich an. Es verlängert unmittelbar an der Muskelfaser jenen Zeitraum, in dem der Muskel auf einen neuen Reiz nicht antworten kann, und es setzt die Erregbarkeit an der Übergangsstelle zwischen Nerv und Muskel herab, indem es die Verteilung des Calciums innerhalb der Muskelfaser verändert. Auf Zellebene beruht beides auf einer Blockade von Ionenkanälen. Im Ergebnis muss ein Reiz stärker ausfallen, um überhaupt eine Antwort des Muskels auszulösen, und zwar unabhängig davon, ob er den Muskel unmittelbar oder über den Nerv erreicht.

Der Weg des Chinins durch den Körper ist ebenfalls bemerkenswert. Die Aufnahme erfolgt rasch und überwiegend im oberen Abschnitt des Dünndarms; sie bleibt selbst bei ausgeprägtem Durchfall weitgehend vollständig. Der Abbau findet hauptsächlich in der Leber statt, wo das Enzym CYP3A4 den Wirkstoff mit Hydroxylgruppen versieht. Die entstehenden Abbauprodukte werden mit dem Urin ausgeschieden, ein kleinerer Teil des Chinins auch unverändert. Die Ausscheidung über die Nieren hängt dabei vom Säuregrad des Harns ab: Im sauren Milieu verlässt der Wirkstoff den Körper deutlich schneller als im alkalischen, weil er dann weniger stark in den Nierenkanälchen zurückgeholt wird. Aus dieser Eigenschaft folgt unmittelbar eine der Wechselwirkungen des Wirkstoffs.

Bei einer Malariaerkrankung verhält sich der Wirkstoff anders als bei gesunden Menschen oder bei der Anwendung gegen Muskelkrämpfe: Die Zeit bis zum Erreichen des höchsten Blutspiegels ist länger, die Bindung an Bluteiweiße stärker und der erreichte Spiegel höher. Das Verteilungsvolumen nimmt mit der Schwere der Infektion ab.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Bei der Malaria ist Chinin heute nicht mehr das Mittel der ersten Wahl. Für die komplizierte Malaria tropica nennt der RKI-Ratgeber Malaria intravenöses Artesunat als Therapie der Wahl; auf Chinin i. v. in Kombination mit Doxycyclin oder Clindamycin wird nur ausgewichen, wenn Artesunat nicht verfügbar ist. Intravenöse Chininpräparate sind in Deutschland nicht zugelassen, stehen aber in infektiologischen und tropenmedizinischen Spezialzentren zur Verfügung. Soweit dieser Abschnitt die Anwendung bei der Malaria im Präsens beschreibt, gibt er daher überwiegend den früheren Stellenwert des Wirkstoffs wieder.

Chinin wird vor allem zur Therapie der schweren Malaria tropica verwendet. Bei der Malaria tropica handelt es sich um die durch den Erreger Plasmodium falciparum ausgelöste Form der Malaria. Sie ist durch eine relativ hohe Konzentration des Parasiten im Blut (Parasitämie) gekennzeichnet.

Bei der Malaria tropica kommt es häufig zu einer stark ausgeprägten Anämie und zu neurologischen Komplikationen. Der Fieberverlauf ist bei der Malaria tropica unregelmäßig; zu einem rhythmischen Wechselfieber wie bei anderen Malariaformen kommt es nicht. Bei der Malaria tropica kommt es außerdem häufig zu Komplikationen bzw. Veränderungen bestimmter Organe. So kann es auch zum Nierenversagen kommen.

Bei der Malaria tropica ist Chinin indiziert. Chinin wird vor allem eingesetzt, wenn die Erreger gegen Chloroquin resistent oder multiresistent sind. Zur Behandlung der Malaria wird Chinin in relativ hohen Dosen verabreicht. Die Therapie erfolgt zumeist oral in Form von Salzen des Chinins. Es kommen beispielsweise Dosierungen von 1,95 Gramm Chininsulfatdihydrat täglich zum Einsatz.

Bei allen anderen Indikationen des Chinins kommen deutlich geringere Dosierungen zum Einsatz. Weitere Indikationen sind die Prophylaxe und Therapie von Muskelkrämpfen. Die hierbei verabreichten Dosierungen liegen bei etwa 200 bis 400 Milligramm Chininsulfat pro Tag.

Außerhalb der Medizin kommt Chinin aufgrund seines bitteren Geschmacks in verschiedenen Lebensmitteln zum Einsatz. Vor allem das "Bitter Lemon" und das "Tonic Water" sind bekannte chininhaltige Getränke. Chinin als Lebensmittelzusatz und Chinin als Arzneistoff sind voneinander zu unterscheiden. Die Fachinformation nennt allerdings auch eine Überempfindlichkeit gegen chininhaltige Getränke als Gegenanzeige für chininhaltige Arzneimittel.


Risiken & Nebenwirkungen

Im Rahmen einer Einnahme von Chinin kann es bei Überdosierung zu einer Chininvergiftung kommen. Tritt diese ein, treten typische Symptome auf. Zu ihnen zählen Schwindel, Erbrechen, Ohrensausen, Sehstörungen, Spasmen der Netzhautgefäße, eine Schädigung des Sehnervs, eine meistens vorübergehende Erblindung, Erregungszustände und eine Zyanose (bläuliche Verfärbung der Haut und der Schleimhäute).

Schlimmstenfalls kann es zum Herztod durch Herzlähmung oder zum Tod durch zentrale Atemlähmung kommen. Die letale Dosis liegt bei etwa acht bis zehn Gramm. Zur Therapie der Chininvergiftung werden Aktivkohle (oder Natriumsulfat) und Benzodiazepine ( z. B. Diazepam) verabreicht. Die Aktivkohle soll das Chinin aufnehmen und somit die Resorption des Chinins ins Blut hemmen. Die Benzodiazepine dienen der Dämpfung von Erregungszuständen und Krampfanfällen.

Weiterhin kann es im Rahmen einer Therapie mit Chinin auch zu anderen Nebenwirkungen kommen. Übelkeit, Erbrechen (Emesis), Durchfall (Diarrhoe), Bauchschmerzen, allergische Symptome, Hautausschlag, Asthma, Thrombopenie, Leukopenie, Agranulozytose, Kopfschmerzen, Schwindel und Verwirrtheit können auftreten.

Weiterhin sind Doppeltsehen, Visusminderung (und andere Sehstörungen), Tinnitus, Schwerhörigkeit (und andere Störungen des Hörens), ein Abfallen des Blutdrucks, ein Schock und Herzrhythmusstörungen mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen, die durch Chinin hervorgerufen werden können.

Als Gegenanzeigen für die Anwendung bei Muskelkrämpfen nennt die Fachinformation unter anderem eine Überempfindlichkeit gegen Chinin oder chininhaltige Getränke, Schwangerschaft und Stillzeit, angeborene oder erworbene Herzrhythmusstörungen einschließlich einer Verlängerung der QT-Zeit, die gleichzeitige Einnahme anderer Arzneimittel, die Herzrhythmusstörungen begünstigen können, einen Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, Myasthenia gravis, Ohrgeräusche, eine Vorschädigung des Sehnervs, eine schwere Herzschwäche sowie Störungen des Salzhaushaltes. Als sehr seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung ist eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombopenie) beschrieben, die zu schweren Gerinnungs- und Nierenfunktionsstörungen bis hin zum Nierenversagen führen kann.

Für das Gesamtbild der Vergiftung mit Chinin hat die Fachsprache einen eigenen Begriff: den Cinchonismus, benannt nach dem lateinischen Namen des Chinarindenbaums. Er umfasst Hörverlust, Störungen des Gleichgewichtssinns, Sehstörungen und Magen-Darm-Beschwerden, dazu Wirkungen auf Herz und Kreislauf sowie auf das Nervensystem, etwa Fieber, Wahrnehmungsstörungen und Verwirrtheitszustände. Die Atmung kann beeinträchtigt sein, und es kann zu einer Unterzuckerung und einem Kaliummangel kommen. Bei Zeichen einer Vergiftung erfolgt eine Behandlung der Beschwerden einschließlich einer Magenspülung.

Zwei Eigenschaften des Wirkstoffs verdienen dabei eine eigene Erwähnung. Die erste ist die Verlängerung der QT-Zeit im EKG: Chinin birgt ein von der Höhe der Dosis abhängiges Risiko dafür. Besondere Vorsicht gilt deshalb bei Erkrankungen, die eine solche Verlängerung begünstigen, und bei einer Überleitungsstörung zwischen Vorhof und Herzkammer. Treten Herzklopfen, Schwindel oder eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit auf, ist unverzüglich eine Untersuchung einschließlich eines EKGs erforderlich. Die zweite ist die Empfindlichkeit gegenüber Störungen des Salzhaushaltes. Bestehen Risikofaktoren dafür, etwa die Einnahme von Entwässerungs- oder Abführmitteln, Erbrechen, Durchfall oder eine Nierenerkrankung, sind Laborkontrollen und gegebenenfalls ein Ausgleich der Blutsalze vorzunehmen.

Zu den selteneren unerwünschten Wirkungen zählen ferner Leberfunktionsstörungen, eine Blutgerinnung in den Gefäßen des ganzen Körpers sowie das hämolytisch-urämische Syndrom und das thrombotisch-thrombozytopenische Syndrom. An der Haut sind Nesselsucht, Ausschläge, Fieber, Knötchenflechte, Juckreiz, Lichtempfindlichkeit, Schwellungen des Unterhautgewebes, Anaphylaxie und Verkrampfungen der Bronchien beschrieben. Allergische Reaktionen können bereits zu Beginn der Behandlung auftreten.

Für mehrere dieser Erscheinungen gilt eine klare Regel: Treten Ohrgeräusche, Hör- oder Sehstörungen, Zeichen einer Verminderung der Blutplättchen oder einer Überempfindlichkeitsreaktion auf, ist Chinin unverzüglich abzusetzen. Wer bereits einmal eine durch Chinin ausgelöste Verminderung der Blutplättchen erlitten hat, sollte chininhaltige Erzeugnisse künftig meiden. Die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr ist durch Chinin im Allgemeinen nicht beeinträchtigt; treten allerdings Sehstörungen auf, sind das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen zu unterlassen, bis die Beschwerden vollständig abgeklungen sind.

Verabreichung & Dosierung

Bei der Behandlung von Muskelkrämpfen wird Chinin als Filmtablette nach dem Abendessen unzerkaut und mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen. Das Anwendungsgebiet sind vor allem nächtliche Wadenkrämpfe, die entweder sehr häufig oder besonders schmerzhaft sind. Vor dem Beginn einer solchen Behandlung müssen andere, behandelbare Ursachen der Krämpfe ausgeschlossen und nichtmedikamentöse Maßnahmen erprobt worden sein.

Zwei Vorgaben begrenzen die Behandlung zeitlich. Bessern sich die Beschwerden innerhalb des in der Fachinformation genannten Zeitraums nicht, ist der Wirkstoff abzusetzen. Und auch bei erfolgreicher Behandlung wird die Einnahme in regelmäßigen Abständen unterbrochen, um zu prüfen, ob sie weiterhin notwendig ist. Für Kinder und Jugendliche unter achtzehn Jahren wird die Anwendung nicht empfohlen.

Bei der Malaria unterscheidet sich die Anwendung grundlegend. Ein einfacher Malariaanfall wird über den Mund behandelt, entweder mit Chinin allein oder zusammen mit Doxycyclin oder Clindamycin. Bei einer schweren Malariainfektion wird Chinin dagegen in die Vene gegeben. Da chininhaltige Mittel zur Anwendung in der Vene in Deutschland nicht zugelassen sind, bleibt diese Anwendung den infektiologischen und tropenmedizinischen Zentren vorbehalten.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Die bedeutsamste Gruppe von Wechselwirkungen ergibt sich aus der Wirkung auf das Herz. Arzneimittel, die die QT-Zeit deutlich verlängern oder die als Torsade de pointes bezeichnete Rhythmusstörung auslösen können, stellen zusammen mit Chinin eine Gegenanzeige dar. Dazu zählen bestimmte Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, Neuroleptika, tri- und tetrazyklische Antidepressiva, einige Antibiotika aus den Gruppen der Makrolide und der Fluorchinolone, bestimmte Mittel gegen Pilzerkrankungen, weitere Malariamittel, einzelne Mittel gegen Krebs, einige nicht dämpfende Antihistaminika sowie Opioide wie Methadon. Auch Chinidin, der nächste Verwandte des Chinins, gehört hierher: Die gleichzeitige Anwendung erhöht das Risiko einer QT-Verlängerung und eines Cinchonismus.

Eine zweite Gruppe betrifft die Aufnahme und die Ausscheidung. Säurebindende Mittel, die Aluminium oder Magnesium enthalten, können die Aufnahme von Chinin verringern und damit seine Wirksamkeit mindern. Mittel, die den Harn alkalisch machen, verzögern die Ausscheidung, weil der Wirkstoff dann in den Nierenkanälchen stärker zurückgeholt wird. Cimetidin verringert die Ausscheidungsleistung und verlängert die Verweildauer des Chinins, indem es mehrere Enzyme der Leber hemmt.

Eine dritte Gruppe betrifft Arzneimittel, deren Wirkung durch Chinin verstärkt wird. Dazu zählen Herzglykoside wie Digoxin, deren Wirkung und Blutspiegel ansteigen können, muskelentspannende Mittel sowie gerinnungshemmende Arzneimittel. Bei gerinnungshemmenden Mitteln zum Einnehmen beruht die Verstärkung darauf, dass Chinin die Bildung der von Vitamin K abhängigen Gerinnungsfaktoren in der Leber vermindert. Bei blutzuckersenkenden Arzneimitteln steigt das Risiko einer Unterzuckerung. Umgekehrt kann Chinin die Blutspiegel von Phenobarbital und Carbamazepin erhöhen, sodass eine sorgfältige Überwachung erforderlich wird.

Alternative Behandlungsmethoden

Bei den nächtlichen Wadenkrämpfen, dem einzigen in Deutschland zugelassenen Anwendungsgebiet, stehen mehrere Möglichkeiten vor der Arzneimittelbehandlung. Genannt werden Magnesium sowie Maßnahmen ohne Arzneimittel: Massagen, das Dehnen der betroffenen Muskulatur, die Anwendung von Wärme und das Hochlagern der Beine. Da die Fachinformation die Anwendung von Chinin ausdrücklich davon abhängig macht, dass solche Maßnahmen nicht ausreichend geholfen haben, sind sie keine bloße Ergänzung, sondern der vorgeschaltete Schritt.

Bei der Malaria ist die Zahl der Alternativen groß und der Stellenwert des Chinins entsprechend gering geworden. Zur Verfügung stehen unter anderem Kombinationen auf der Grundlage der Artemisinin-Abkömmlinge, ferner die Kombination aus Atovaquon und Proguanil, außerdem Doxycyclin, Mefloquin und Chloroquin. Gegen die in der Leber ruhenden Dauerformen bestimmter Malariaformen wird Primaquin eingesetzt, gegen das Chinin wie die übrigen im Blut wirkenden Mittel nichts ausrichtet.

Für die Wahl zwischen diesen Möglichkeiten sind die Malariaform, die Resistenzlage im Infektionsgebiet und die Verträglichkeit maßgeblich. International wird Chinin weiterhin hauptsächlich gegen die Malaria eingesetzt; in Deutschland dagegen ist es für dieses Anwendungsgebiet nicht mehr zugelassen, und der RKI-Ratgeber nennt es bei der komplizierten Malaria tropica ausdrücklich als Ausweichmittel.


Quellen

  • Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
    ISBN: 9783437216428
  • Mehlhorn, H.: Die Parasiten des Menschen.
    ISBN: 9783662653142
  • Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
    ISBN: 9783437223228
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541

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