Pramipexol

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Pramipexol gehört zu den Dopaminantagonisten. Das Mittel dient zur Behandlung der Parkinson-Krankheit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pramipexol?

Pramipexol gehört zu den Dopaminantagonisten. Das Mittel dient zur Behandlung der Parkinson-Krankheit.

Bei Pramipexol handelt es sich um einen Arzneistoff aus der Gruppe der Dopaminantagonisten. Das bedeutet, dass die Substanz die Wirkung von natürlichem Dopamin nachahmt. Zur Anwendung gelangt das Medikament zur Therapie von Morbus Parkinson. So gilt Pramipexol als Standardpräparat bei Menschen unter 70 Jahren mit dieser Erkrankung.

Eine positive Eigenschaft von Pramipexol ist, dass sich durch seinen Einsatz die Anwendung des Arzneistoffs Levodopa im anfänglichen Stadium der Parkinson-Krankheit aufschieben lässt. Dies gilt als Vorteil, da Levodopa erhebliche Nebenwirkungen aufweist.

Durch Pramipexol wird in erster Linie das Zittern bekämpft, das als typisch für Morbus Parkinson gilt. Unabhängig von seiner Dosierung unterliegt Pramipexol stets der Verschreibungspflicht. In Deutschland wurde Pramipexol 1997 von der Arzneimittelfirma Boehringer in Umlauf gebracht. Der Patentschutz lief im Jahr 2009 aus, wodurch mehrere Generika in den Handel gelangen konnten, die Pramipexol als Wirkstoff aufweisen.

Pharmakologische Wirkung

Im Rahmen der Parkinson-Krankheit leiden die betroffenen Personen aus bisher nicht vollständig geklärten Gründen an dem Untergang von Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin freisetzen. Der Mensch kann jedoch auf Dopamin nicht verzichten, weil er es für seine Bewegungsabläufe benötigt. Aufgrund der betroffenen Nervenzellen (Neuronen) in der Substantia nigra leiden die Parkinson-Patienten unter typischen Symptomen wie Zittern, Bewegungsstörungen und Muskelstarre. Im weiteren Verlauf kommt es zum kontinuierlichen Voranschreiten der Parkinson-Krankheit.

Zur Behandlung der Symptome dient Pramipexol, das entweder allein oder gemeinsam mit Levodopa verabreicht wird. Durch Pramipexol ist es möglich, das Zittern der Patienten wirkungsvoll zu bekämpfen. Dabei wird der Dopaminantagonist vor allem an D3-Dopaminrezeptoren gebunden, die sich an den Gehirnzellen befinden. Der Bindungsvorgang führt dazu, dass sich die Reize innerhalb des Gehirns von den Neuronen untereinander besser weiterleiten lassen. Auf diese Weise erhält der Patient die Gelegenheit, seine Bewegungen effektiver zu koordinieren und umzusetzen.

Liegt noch das Frühstadium der Parkinson-Krankheit vor, basiert die Wirkung von Pramipexol auf seiner Einwirkung auf die Regelkreis-Selbststeuerung. Dabei täuscht der Wirkstoff vor, dass genügend Dopamin vorhanden ist. Die Nervenzellen überanstrengen sich deswegen nicht mehr, indem sie ständig Dopamin herstellen.

Im späten Stadium von Morbus Parkinson sind die meisten dopamin-ausschüttenden Neuronen innerhalb der Substantia nigra bereits abgestorben. Das Pramipexol entfaltet dann seinen Wirkungseffekt unmittelbar an den Nervenzellen des Striatums.

Es wird vermutet, dass sich das Binden von Pramipexol an die D3-Dopaminrezeptoren auch positiv auf das Restless-Legs-Syndrom auswirkt. Neueren Studien zufolge besteht außerdem ein positiver Einfluss des Arzneistoffs auf bipolare Störungen und Depressionen.

Die Aufnahme von Pramipexol in die Blutbahn des menschlichen Körpers findet über den Darm statt. Nach ein bis drei Stunden erzielt der Wirkstoff dort seine Höchstmenge. Über die Blut-Hirn-Schranke wird das Pramipexol bis ins Gehirn weitergeleitet. Innerhalb des Körpers erfolgt kein wesentlicher Abbau des Dopaminantagonisten. Rund 50 Prozent des Mittels werden ohne Veränderungen über den Urin aus dem Körper geleitet.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Pramipexol kommt in sämtlichen Stadien der Parkinson-Krankheit zum Einsatz. Dabei kann das Mittel allein oder kombiniert mit Levodopa verabreicht werden. Wichtig ist, dass die Gabe des Mittels kontinuierlich und über einen längeren Zeitraum erfolgt.

Eine weitere Indikation von Pramipexol stellt das Restless-Legs-Syndrom dar. Das Arzneimittel wird dem Patienten zu dessen Behandlung in mittelschweren und schweren Fällen der Erkrankung zugeführt. Beim Restless-Legs-Syndrom kommt es an den Beinen zu nervlichen Missempfindungen. Diese sind im Ruhezustand noch schlimmer ausgeprägt, wodurch sich die Beine ständig bewegen müssen. Zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms wird Pramipexol einzeln verabreicht.

Die Einnahme von Pramipexol erfolgt in Form von Tabletten. Dabei beginnt der Patient anfangs mit einer niedrigen Dosis. Im weiteren Verlauf steigert sich die Dosierung auf das optimale Maß. Eingenommen werden die Tabletten drei Mal pro Tag. Die empfohlene Dosis liegt bei 3,3 Milligramm. Kommt gleichzeitig Levodopa zur Anwendung, fällt die Pramipexol-Dosis geringer aus. Handelt es sich um Retard-Tabletten, bedarf es nur einer einzigen Einnahme am Tag, denn von diesen Präparaten lässt sich der Wirkstoff den ganzen Tag über freisetzen.


Risiken & Nebenwirkungen

Die Einnahme von Pramipexol kann mit störenden Nebenwirkungen verbunden sein. Nicht bei allen Patienten kommt es zum Auftreten von lästigen Nebeneffekten, da jeder Patient individuell unterschiedlich reagiert. In den meisten Fällen leiden die betroffenen Personen unter unwillkürlichen Gesichtsbewegungen, niedrigem Blutdruck, Schwindelgefühlen, Übelkeit und Schläfrigkeit. Als weitere mögliche Nebenwirkungen kommen Verwirrtheit, Verhaltensauffälligkeiten, Kopfschmerzen, Gedächtnisprobleme, Sehstörungen, Ruhelosigkeit, Schlafprobleme, Müdigkeit, Gewichtsabnahme, Ödeme in den Gliedmaßen, Verstopfung und Erbrechen infrage.

Selten zeigen sich auch Störungen der Libido, plötzliches Einschlafen, Atembeschwerden, Hautauschläge, Juckreiz und Wahnvorstellungen. Da durch die Einnahme von Pramipexol Schlafattacken auftreten können, wird von dem Führen von Kfz-Fahrzeugen sowie risikoreichen Arbeitstätigkeiten abgeraten.

Bei der zeitgleichen Darreichung von Pramipexol und dem Parkinson-Mittel Amatadin sowie dem Magenpräparat Cimetidin besteht das Risiko von Wechselwirkungen. So behindern diese Medikamente das Ausscheiden des Dopaminantagonisten über die Niere. Eine Verringerung der Pramipexol-Dosierung gilt aus diesem Grund als sinnvoll.

Schwangere und stillende Frauen sollten Pramipexol nicht einnehmen, da die Auswirkungen auf sie und das Kind nicht bekannt sind. Weitere Kontraindikationen stellen eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff sowie das Durchführen einer Blutwäsche dar. Ebenfalls als bedenklich eingestuft werden ernsthafte Herz- und Gefäßerkrankungen, Wahnvorstellungen sowie psychotische Störungen. Bei einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion muss der Arzt die Pramipexol-Dosis entsprechend anpassen.

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