Vegetative Dystonie


Aktualisiert am 24. April 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Vegetative Dystonie bezeichnet vielfältige Symptome von Fehlfunktionen des vegetativen Nervensystems. Betroffen sind Nerven, die nicht willkürlich angesteuert werden und gesundheitliche oder psychische Symptome auslösen. Von Betroffenen wird die vegetative Dystonie als sehr belastend empfunden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine vegetative Dystonie?

Die vegetative Dystonie zeigt sich unterschiedlich. Eigentlich ist sie eine fehlgeleitete Spannung, die durch das vegetative Nervensystem Einfluss auf den Herzschlag, die Verdauung oder die Atmung nimmt. Dabei können Beschwerden vom Herz bis zum Kreislauf, Kopfschmerzen oder Durchfall auftreten.

Die vegetative Dystonie ist bei Ärzten umstritten, weil die unterschiedlichen Symptome eine konkrete Diagnose erschweren. Sie reichen von Kopfschmerzen, starkem Schwitzen über Schlafstörungen oder Schwindel. Es kommt zu einem höheren oder niedrigeren Pulsschlag und die Hände des Betroffenen zittern.

Viele Symptome treten oft gleichzeitig auf. Das vegetative Nervensystem ist auch mitverantwortlich für eine Reizblase, die ständiger Harndrang kennzeichnet. Treten chronische Schmerzen auf, deren Ursache nicht geklärt werden kann, wird eine Erkrankung des vegetativen Nervensystems vermutet, eine vegetative Dystonie.

Ursachen

Die Ursachen für eine vegetative Dystonie sind oftmals körperliche und seelische Faktoren, aber auch das Soziale übt Einfluss auf das Wohlbefinden aus. Seelische Belastungen beeinträchtigen dieses sensible Gleichgewicht.

Der Verlust des Partners oder Probleme bei der Arbeit verursachen körperliche Beschwerden, die vom Arzt als vegetative Dystonie diagnostiziert werden könnten. Auch Risikofaktoren wie Stress, ungesunde Ernährung, Alkohol und das Rauchen schaden. Ein Ungleichgewicht zwischen dem Sympathikus und dem Parasympathikus kann eine vegetative Dystonie verursachen.

Der Sympathikus sorgt für die Anspannung, beschleunigte Atmung und er lässt den Körper wie den früheren Jäger und Sammler auf Flucht oder Kampf verharren. Ganz anders der Parasympathikus, der für die Regeneration und die notwendige Entspannung sorgt. Das vegetative Nervensystem, dem der Sympathikus und der Parasympathikus untergeordnet sind, kontrolliert alle automatisierten Funktionen des menschlichen Körpers.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine vegetative Dystonie kann sich durch einen Vielzahl unterschiedlicher, nur schwer einzuordnender Symptome bemerkbar machen. Zu diesen unspezifischen Anzeichen zählen Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Verdauungsbeschwerden wie Durchfall oder Verstopfung, Ein- und Durchschlafstörungen und vermehrtes Schwitzen.

Die Herzfrequenz kann leicht erhöht, aber auch erniedrigt sein, oftmals fällt leichtes Zittern der Hände auf. Im Rahmen einer vegetativen Dystonie tritt häufig ein sogenannten hyperkinetisches Herzsyndrom auf, das mit einen beschleunigten Herzschlag und deutlichen Blutdruckschwankungen verbunden ist. Ein Reizdarmsyndrom macht sich durch Bauchschmerzen, Blähungen und eine Veränderung der Stuhlgewohnheiten bemerkbar, während bei einem Reizmagen Völlegefühl und Appetitlosigkeit im Vordergrund stehen.

Oft leiden die Patienten aufgrund einer überaktiven Blase unter ständigem Harndrang und müssen häufig Wasser lassen. Atemnot, Kurzatmigkeit und durch vermehrtes Einatmen (Hyperventilation) bedingte Benommenheit kommen vor, auch Krämpfe in den Extremitäten und Rückenschmerzen infolge verkrampfter Muskeln sind möglich. Die Konzentrationsfähigkeit kann eingeschränkt sein, oftmals werden ein Nachlassen der Gedächtnisleistung, starke Müdigkeit, erhöhte Reizbarkeit und Nervosität beobachtet.

Viele Patienten berichten über ein Nachlassen der sexuellen Lust. Von einer vegetativen Dystonie kann ausgegangen werden, wenn die Symptomatik im Zusammenhang mit großen oder lange anhaltenden psychischen Belastungen, chronischem Stress oder einer anderen psychischen Störung wie etwa einer Angsterkrankung steht und körperliche Ursachen ausgeschlossen werden können.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnosestellung über eine vegetative Dystonie braucht eine genaue Abklärung in Form eines Gesprächs mit dem Arzt. Bei der Erhebung der Krankengeschichte werden mögliche Risikofaktoren, verschriebene Medikamente und aufgetretene Beschwerden abgeklärt.

Durch eine körperliche Untersuchung können die Symptome eingehender betrachtet werden. Blutdruckmessungen und eine Blutuntersuchung schließen mögliche Entzündungen im Körper und Kreislaufschwankungen aus. EKG oder Röntgen sowie Ultraschalluntersuchungen klären ebenfalls weiter ab. Vielleicht liegt ein Nährstoffmangel oder eine Hormonstörung vor, die sich in körperlichen Symptomen zeigt.

Gibt es keine Anzeichen für tatsächliche körperliche Ursachen, bleibt oft der Schluss, dass es sich um eine vegetative Dystonie handeln. In der Regel ist eine solche Diagnose vom Arzt nicht eindeutig zu beweisen, aber auch nicht auszuschließen aufgrund des Mangels an körperlichen Befunden.

Komplikationen

Diese Erkrankung führt zu verschiedenen Beschwerden. Sie wirken sich alle sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus und können diese erheblich verringern. In der Regel leiden diese dabei an einer starken inneren Unruhe und an einer Reizbarkeit.

Auch eine Schlaflosigkeit und eine dauerhafte Nervosität können auftreten und zu deutlichen Beschwerden im Alltag des Patienten führen. Die meisten Betroffenen leiden dabei auch an Schwindelgefühlen und weiterhin an Erbrechen oder an einer Übelkeit. Ebenso kommt es zu Kopfschmerzen und zu einer dauerhaften Müdigkeit und Abgeschlagenheit des Patienten.

Aufgrun der verschlechterten Durchblutung kommt es zu kalten Händen, Verstopfungen oder zu Blähungen. In einigen Fällen kann die Erkrankung auch zu einer sexuellen Unlust führen und damit zu Beschwerden oder zu Komplikationen mit dem eigenen Partner begünstigen. Sollte die Erkrankung nicht behandelt werden, treten häufig auch Herzbeschwerden auf, die im schlimmsten Fall zum Tode des Betroffenen führen könne.

Die Behandlung wird mit Hilfe von Medikamenten und verschiedenen Therapien durchgeführt. In der Regel kommt es dabei nicht zu weiteren Komplikationen. Eine vollständige Heilung wird dabei nicht immer garantiert. Eventuell wirkt sich die Erkrankung auch negativ auf die Lebenserwartung des Betroffenen aus und verringert diese.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wiederholt auftretende Störungen des Magen-Darm-Traktes weisen auf gesundheitliche Unregelmäßigkeiten hin. Ein Arzt wird benötigt, wenn Beschwerden wie Durchfall, Unterleibsschmerzen oder Verstopfungen regelmäßig über mehrere Wochen oder sporadisch über mehrere Monate auftreten. Wiederkehrende Kopfschmerzen, Schwindel oder Magenbeschwerden sind ebenfalls mit einem Arzt zu besprechen. Auffälligkeiten des Herzrhythmus, unangenehme Blähungen, Appetitlosigkeit oder ein Völlegefühl sind Anzeichen einer bestehenden Erkrankung.

Einbußen der Konzentration, der Verlust der körperlichen sowie geistigen Leistungsfähigkeit und eine erhöhte emotionale Reizbarkeit sollten mit einem Arzt besprochen werden. Schwankungen des Blutdrucks, ein diffuses Unwohlsein oder ein Krankheitsgefühl sind weitere Anzeichen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung. Der Verlust der Libido, Angstzustände oder Probleme der Muskulatur müssen ebenfalls näher untersucht werden. Ein Arztbesuch ist anzuraten, wenn Auffälligkeiten des Toilettenganges, Störungen der Atemtätigkeit oder Krämpfe auftreten.

Ein häufiges Urinieren ist eine typische Beschwerde bei einer vegetativen Dystonie. Können die alltäglichen Verpflichtungen aufgrund der Beschwerden nicht wie gewohnt erfüllt werden, ist eine ärztliche Untersuchung zu empfehlen. Der Verlust der Lebensfreude sowie eine anhaltende Verminderung des Wohlbefindens gelten unter Medizinern als Warnsignale des Organismus. Ein Kontrollbesuch sollte initiiert werden, damit geklärt werden kann, ob Handlungsbedarf besteht und ein Therapieplan erstellt werden muss.

Behandlung & Therapie

Über die Behandlung für eine vegetative Dystonie entscheidet der Arzt. Bleiben die Beschwerden bestehen, wird unter Umständen angeraten, eine Psychotherapie zu beginnen. Abhängig vom tatsächlichen Auslöser für eine vegetative Dystonie spricht diese Erkrankung in der Regel gut auf psychotherapeutische Maßnahmen an.

Sinn ist es dabei, dem Betroffenen Mittel und Wege anzubieten, die auftretenden Beschwerden leichter zu handhaben und den Alltag trotzdem zu bewältigen. In einer kognitiven Verhaltenstherapie finden solch unterstützende Prozesse statt. Oft sind die Symptome nur Warnzeichen für andere Vorgänge, die es gilt aufzulösen und zu verarbeiten. Betroffene vermeiden auslösende Situationen erneut zu erleben, was einen Teufelskreis in Gang setzt. Ein geschulter Psychotherapeut versucht, Betroffenen Wege zur Bewältigung anzubieten und die vegetative Dystonie zu beherrschen. Auch Entspannungstechniken wie Qigong, Autogenes Training und Spaziergänge helfen, eine vegetative Dystonie leichter zu verarbeiten.

Medikamente finden für die vegetative Dystonie nur dann zum Einsatz, wenn sie den Druck auf Betroffene mindern. Das sind zum Beispiel Schmerzmittel, aber auch Antidepressiva, die der Arzt nach Absprache mit dem Patienten verschreibt. Damit wird die vegetative Dystonie nur kurzfristig behandelt. Medikamente sind nicht für den längerfristigen Behandlungsweg für eine vegetative Dystonie gedacht.

Mehr als die Hälfte der an vegetativer Dystonie erkrankten Personen erlebt die auftretenden Symptome leicht und die Situation bessert sich auch wieder. Lediglich ängstliche oder negativ eingestellte Personen leiden länger unter dieser Symptomatik und vermeiden weiter bestimmte Situationen. Hinzu kommen oftmals Depressionen oder Angststörungen, die die Prognose einer vegetativen Dystonie verschlechtern.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer vegetativen Dystonie helfen eine positive Lebenseinstellung und ein gesunder Lebensstil, kombiniert mit nährstoffreicher Ernährung und Bewegung. Vom Rückzug aus Familie und Freundeskreis ist bei einer vegetativen Dystonie abzuraten, da sie den Verlauf ungünstig beeinflusst. Eine vegetative Dystonie ist kein Endurteil. Auch bei schwerem Verlauf mit stärker werdenden Symptomen, teils chronisch auftretend, besteht natürlich Hoffnung. Generell kann sich eine vegetative Dystonie zurück entwickeln.

Nachsorge

Nach Diagnose einer vegetativen Dystonie ist es für den Betroffenen wichtig, seinen bisherigen Lebensstil zu überdenken. Spezielle Psychotherapien können dem Patienten helfen, sein seelisches Gleichgewicht wiederherzustellen und die mit der Krankheit verbundenen Symptome zu lindern. Auch Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Yoga wirken sich positiv auf die Erkrankung aus.

Allgemeine Unruhe und nervöse Schlafstörungen sind typische Symptome einer vegetativen Dystonie und können mit dem Einsatz pflanzlicher Präparate gemindert werden. Bei vielen Patienten hat sich die regelmäßige Einnahme von Baldrian bewährt, der nächtliches Aufwachen reduziert und auch entspannend und krampflösend bei der häufig auftretenden Reizblase wirkt. Hopfenextrakte und Präparate aus der Passionsblume beruhigen bei nervöser Unruhe und Angstzuständen.

Melisse hilft bei Magen- und Darmstörungen und hat ebenfalls beruhigende Wirkung. Extrakte aus Johanniskraut beeinflussen den Stoffwechsel im Gehirn und helfen besonders gegen depressive Verstimmungen und psychovegetative Störungen. Ein intaktes soziales Umfeld ist wichtig und hilft dem Patienten häufig, besser mit der Krankheit umgehen zu können.

Ausreichende Freizeitaktivitäten sind dabei ebenso notwendig wie soziale Kontakte. Eine insgesamt positive Lebenseinstellung, ein entspannter Lebensstil mit gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung können dem Betroffenen helfen, die vegetative Dystonie zu lindern oder ganz zu überwinden.

Das können Sie selbst tun

Betroffene können durch spezielles Training die vorhandenen Empfindlichkeiten, in bestimmtem Maße, verringern. Zudem können alle Krankheitsprozesse positiv beeinflusst werden, wenn bei den Patienten ein nervliches und seelisches Gleichgewicht herrscht. Eine innere Ruhe ist bei dem Heilungsprozess von hohem Wert. Die Symptome sollten ein Anlass für Betroffene sein, ihren Lebensstil zu Überdenken.

Es gibt auch Hausmittel die sich gut zur Therapie von vegetativer Dystonie eignen. Bewährt ist Baldrian, denn er beruhigt bei Unruhezuständen, mindert die Erregung und kann die Schlafbereitschaft bei besonders nervösen Einschlafstörungen fördern. Zudem reduziert Baldrian nächtliches Aufwachen und kann auch die Tagesbefindlichkeit verbessern. Er wirkt außerdem entspannend und krampflösend bei der oft vorkommenden Reizblase, bei Gastritis und Bettnässen. Auch Hopfenextrakt wirkt beruhigend bei Angstzuständen, Unruhe und fördert die Magensaftproduktion als Hilfe bei einer nervösen Appetitlosigkeit sowie Magenproblemen.

Besonders erwähnenswert ist auch die Passionsblume. Sie hilft bei nervöser Unruhe und ist angstlösend. Auch wirkt sie auf die bei Betroffenen unbewusst gesteuerte Muskulatur, wie beispielsweise den Darm, krampflösend. Dies gilt ebenso für die Melisse. Sie lindert Magen-Darmstörungen und wirkt beruhigend im Falle nervös bedingter Einschlafstörungen. Vor allem aber Johanniskrautextrakt kann den Stoffwechsel von neuralen Botenstoffen sowie ihrer Rezeptoren im Gehirn beeinflussen. Es hilft bei depressiven Verstimmungszuständen und psychovegetativen Störungen.

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013


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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Richard kommentierte am 01.12.2016

Meine diagnostizierte vegetative Dystonie hat sich nach 18 Jahren mit viel Leid, Yoga, Meditation und letztlich sechs Jahre Psychotherapie als Phäochromozytom entpuppt. Ein Beispiel für medizinisches Totalsystemversagen, da auch mehrere Krankenhausaufenthalte, wegen Komplikationen durch das Phänomen, ohne Entdeckung desselben durchlaufen wurden.

Bärbel kommentierte am 09.06.2017

Ich bin jetzt 62 Jahre alt und habe viele Jahre unter vegetativer Dystonie gelitten. Ich war 22 Jahre alt als es anfing. Ich probierte damals vieles aus, nichts half. Nach 30 Jahren wurde es besser und war dann auch fast weg, so dass ich wieder am Leben teilnehmen konnte. Es hielt zehn Jahre an. Vor drei Jahren fing alles wieder von vorn an. Seitdem geht es mir wieder schlecht. Ich bin zwar verzweifelt, aber ich weiß, dass es nicht so bleiben muss, ich gebe die Hoffnung nicht auf.