Clonidin
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Clonidin ist ein Antisympathotonikum aus der Gruppe der Imidazoline. Es wird hauptsächlich zur Behandlung der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) eingesetzt. Aufgrund starker Nebenwirkungen gilt es als Reservetherapeutikum.
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Was ist Clonidin?
Der Arzneistoff Clonidin ist ein Antisympathotonikum, das der Gruppe der Imidazoline zuzuordnen ist. Es wirkt als Agonist an α2-Adrenorezeptoren und dämpft über diesen Angriffspunkt die Aktivität des sympathischen Nervensystems, sodass Blutdruck und Herzfrequenz sinken. Es kann zur Behandlung der Hypertonie, zur Unterstützung beim Drogenentzug, im Rahmen des sog. Clonidin-Hemmtests, bei der hypertensiven Krise, gegen das chronische Offenwinkelglaukom und zur Beruhigung eingesetzt werden.
Eingeschränkt kann es auch bei der Sedierung und in der Analgesie zum Einsatz kommen. Aufgrund relativ starker Nebenwirkungen kommt es allerdings nur noch als Reservetherapeutikum bei der Behandlung der Hypertonie und beim Drogenentzug zum Einsatz.
Pharmakologische Wirkung
Clonidin bindet sich sowohl im zentralen Nervensystem, als auch in der Peripherie an präsynaptischen α2-Adrenorezeptoren. Durch diese Bindung kommt es über die G-Protein gekoppelte Signalkaskade zu einer verminderten Freisetzung von Noradrenalin. Durch diese verminderte Freisetzung des Noradrenalins kommt es zu einer Senkung des Sympathikotonus.
Weiterhin aktiviert Clonidin auch die postsynaptischen α2-Adrenorezeptoren. Dies geschieht besonders im Bereich des Nucleus tractus solitarii, der Umschaltstelle des Barorezeptorreflexes (durch die Barorezeptoren ausgelöste Reaktion auf die Veränderung des Blutdrucks). Die Hemmung der Adrenalinfreisetzung im Nebennierenmark führt gemeinsam mit der Stimulation zentraler Imidazolinrezeptoren zu einer weiteren Verstärkung der sympathikolytischen Wirkung.
Die Affinität von Clonidin zu den α2-Rezeptoren ist deutlich stärker ausgeprägt als die zu den α1-Rezeptoren und bestimmt damit den Charakter der Wirkung. Die verminderte Sympathikusaktivität geht mit einer gleichzeitigen Steigerung des Vagotonus einher, also des Einflusses jenes Nervs, der Herz und Verdauung im Ruhezustand steuert. Beides zusammen senkt zunächst die Herzfrequenz und damit die vom Herzen in einer bestimmten Zeit geförderte Blutmenge; erst danach sinkt auch der Widerstand in den peripheren Gefäßen. Unterstützt wird die Blutdrucksenkung nach den Fachinformationen dadurch, dass Clonidin die Freisetzung des Nierenhormons Renin vermindert, das über Zwischenstufen den Blutdruck steigen lässt.
Clonidin entfaltet schon in sehr geringen Dosen von wenigen Mikrogramm eine Wirkung. Die Plasmahalbwertszeit schwankt von Mensch zu Mensch erheblich und ist bei eingeschränkter Nierenfunktion deutlich verlängert. Verstoffwechselt wird es teilweise in der Leber, allerdings wird ein Großteil des Wirkstoffs unverändert über die Niere ausgeschieden.
Clonidin kann sowohl peroral in Form einer Tablette, als auch intravenös appliziert werden. Clonidin überwindet die Blut-Hirn-Schranke und geht in die Muttermilch über. Die Bioverfügbarkeit beträgt ca. 75%.
Nach der Einnahme über den Mund wird Clonidin rasch und nahezu vollständig aufgenommen; die höchsten Blutspiegel werden innerhalb weniger Stunden erreicht. Clonidin verteilt sich rasch im Gewebe und passiert wegen seiner ausgeprägten Fettlöslichkeit die Blut-Hirn-Schranke. Der in der Leber entstehende Hauptabbaustoff p-Hydroxy-Clonidin ist pharmakologisch unwirksam. Ein kleinerer Teil der aufgenommenen Menge verlässt den Körper über den Stuhl.
Auch bei der Anwendung als Augentropfen bleibt die Wirkung nicht auf das Auge beschränkt. Weil Clonidin die Blut-Hirn-Schranke passiert, ist nach der Fachinformation der Augentropfen auch nach dem Eintropfen von einer zentralen Wirkung auszugehen. Beobachtet wurden unter der örtlichen Behandlung Blutdruckabfälle zu Beginn und krisenhafte Blutdrucksteigerungen nach dem Absetzen; das Rebound-Phänomen ist also auch bei dieser Darreichungsform möglich. Am Auge selbst senkt Clonidin den Innendruck sowohl in Augen mit erhöhtem als auch in solchen mit normalem Druck.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Clonidin kann zur Behandlung der folgenden Erkrankungen eingesetzt werden: arterielle Hypertonie; therapierefraktäre Schwangerschaftshypertonie; hypertensive Krise; chronisches Offenwinkelglaukom; Migräne; Opioidentzugssyndrom; Alkoholentzugssyndrom und Postoperatives Shivering.
Zugelassen ist Clonidin in Deutschland zur Behandlung der arteriellen Hypertonie, bei hypertensiven Notfällen und – als Augentropfen – bei erhöhtem Augeninnendruck. Ein Teil der übrigen genannten Anwendungen, etwa bei Migräne oder gegen postoperatives Kältezittern, erfolgt außerhalb der Zulassung. Die Fachinformationen sehen vor, dass Clonidin in Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden soll; eine therapierefraktäre Schwangerschaftshypertonie wird deshalb nur in Ausnahmefällen und nach ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung mit Clonidin behandelt.
Eine Grenze der Zulassung betrifft eine besondere Ursache des Bluthochdrucks. Beruht dieser auf einem Phäochromozytom, einem hormonbildenden Tumor des Nebennierenmarks, ist von Clonidin nach den Fachinformationen kein therapeutischer Effekt zu erwarten. Diese Form des Hochdrucks ist vom Anwendungsgebiet daher ausdrücklich ausgenommen.
Bei Kindern und Jugendlichen ist die Lage besonders eng gefasst. Die Fachinformationen halten fest, dass Anwendung und Sicherheit von Clonidin in dieser Altersgruppe nicht ausreichend durch randomisierte, kontrollierte Studien belegt sind, und sprechen sich gegen eine Behandlung aus. Für die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), bei der Clonidin gelegentlich als nicht stimulierendes Mittel erwogen wird, besteht in Deutschland keine Zulassung. Für die nicht zugelassene Verbindung von Clonidin mit Methylphenidat bei ADHS sind schwerwiegende unerwünschte Reaktionen einschließlich Todesfällen beobachtet worden; von dieser Kombination raten die Fachinformationen ausdrücklich ab.
Aufgrund hoher Nebenwirkungen wird Clonidin hauptsächlich als Reservetherapeutikum im Rahmen einer Kombinationstherapie zur Behandlung der arteriellen Hypertonie, sowie zur unterstützenden Behandlung von Entzugssyndromen verwendet.
Insgesamt liegen folgende Wirkungen vor: Senkung des Blutdruckes, Verminderung der Herzfrequenz, Senkung des Sympathikotonus im Entzug, Sedierung (gering ausgeprägt), sowie Schmerzlinderung.
Das Hauptanwendungsgebiet des Clonidins - die Therapie der arteriellen Hypertonie- geht auf eine eher zufällige Entdeckung in den 1960er Jahren zurück. Verschiedene Substanzen, u.a. Clonidin, wurden auf ihre Fähigkeit, die Nasenschleimhaut abschwellen zu lassen, getestet. Im Zuge dieser Tests fielen die starke Verringerung der Herzfrequenz und die Senkung des Blutdrucks auf. Diese Effekte machte sich die Medizin anschließend therapeutisch zu Nutze. Das Clonidin wurde so hauptsächlich zu einem Therapeutikum bei der arteriellen Hypertonie. Im Tierversuch wurden später außerdem sedierende und analgetische Effekte festgestellt.
Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass Clonidin relativ starke Nebenwirkungen aufweist und aus diesem Grund andere Wirkstoffe mit geringeren Nebenwirkungen bevorzugt werden sollten.
Risiken & Nebenwirkungen
Bei gleichzeitiger Anwendung von Diuretika oder Vasodilatoren ist Vorsicht geboten, da sich die blutdrucksenkende Wirkung gegenseitig verstärkt. Unter Clonidin können Hypnotika, Beruhigungsmittel und Alkohol stärker oder in unvorhersehbarer Weise wirken. Neuroleptika und trizyklische Antidepressiva schwächen die blutdrucksenkende Wirkung des Clonidins dagegen ab oder heben sie auf und können Kreislaufstörungen beim Aufstehen auslösen oder verstärken. Nach intravenöser Applikation ist ein initialer Blutdruckanstieg möglich.
Clonidin darf nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit (Allergie) gegenüber Clonidin bekannt ist. Weitere Kontraindikationen bestehen in dem Sinusknotensyndrom, gewissen Herzrhythmusstörungen wie einem AV-Block zweiten oder dritten Grades, einer Bradykardie (Herzfrequenz unter 50/Minute) und einer endogenen Depression. Eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung verlangen dagegen die koronare Herzkrankheit, insbesondere in der Zeit nach einem Herzinfarkt, eine schwere Herzschwäche, die fortgeschrittene arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), das Raynaud-Syndrom, die Thrombangiitis obliterans, eine zerebrovaskuläre Insuffizienz, eine fortgeschrittene Niereninsuffizienz, eine Obstipation (Verstopfung) und eine Polyneuropathie. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit ist Clonidin kontraindiziert.
Clonidin darf nicht abrupt abgesetzt werden. Bei plötzlichem Absetzen kann es zu Unruhe, Herzrasen, Kopfschmerzen und einem starken Blutdruckanstieg über den Ausgangswert hinaus kommen. Die Dosis wird deshalb am Ende einer Behandlung schrittweise verringert; wird Clonidin mit einem Betablocker kombiniert, ist zuerst der Betablocker auszuschleichen.
Kontraindikationen
Die Fachinformationen unterscheiden zwei Stufen. Auf der einen Seite stehen die Gegenanzeigen, also die Umstände, unter denen Clonidin nicht angewendet werden darf; auf der anderen die Warnhinweise, unter denen eine Behandlung möglich bleibt, aber eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung verlangt. Diese Trennung ist für die Praxis wichtig, weil sie darüber entscheidet, ob eine Erkrankung den Wirkstoff ausschließt oder nur zusätzliche Kontrollen nötig macht.
Innerhalb der laufenden Behandlung kommt der Herzschlagfolge besondere Bedeutung zu. Clonidin verlangsamt den Puls; nach den Fachinformationen soll ein Absinken der Herzschlagfolge unter 56 Schläge pro Minute während der Behandlung vermieden werden. Bestimmte Störungen der Erregungsbildung und Erregungsleitung am Herzen sowie eine bereits bestehende zu langsame Herzschlagfolge zählen zu den Gegenanzeigen.
Ein praktisch bedeutsamer Hinweis betrifft Kontaktlinsenträger. Clonidin kann den Tränenfluss vermindern; die Fachinformationen weisen Kontaktlinsenträger eigens auf diese selten zu beobachtende Nebenwirkung hin. Bei den Augentropfen kommt hinzu, dass Kontaktlinsen vor der Anwendung herauszunehmen und erst nach einer Wartezeit wieder einzusetzen sind.
Bei den Tabletten ist außerdem der Hilfsstoff zu beachten: Sie enthalten Milchzucker. Menschen mit einer seltenen erblichen Unverträglichkeit gegenüber Galactose, einem vollständigen Mangel des abbauenden Enzyms Lactase oder einer gestörten Aufnahme von Glucose und Galactose im Darm sollen sie nicht einnehmen.
Für Schwangerschaft und Stillzeit fallen die Fachinformationen der einzelnen Zubereitungen unterschiedlich streng aus. Die Fachinformation der Augentropfen führt beide ausdrücklich unter den Gegenanzeigen. Die Fachinformation der Tabletten nennt unter den Gegenanzeigen nur die Stillzeit, hält im Abschnitt zu Schwangerschaft und Stillzeit aber fest, dass Clonidin in beiden Fällen nicht angewendet werden soll; für eine abschließende Beurteilung der Sicherheit reichen die vorliegenden Daten nicht aus. Clonidin ist plazentagängig und geht in die Muttermilch über, wobei die Konzentration in der Milch höher liegt als im mütterlichen Blut.
Schließlich kann Clonidin die Fähigkeit beeinträchtigen, am Straßenverkehr teilzunehmen oder Maschinen zu bedienen. Die Fachinformationen weisen darauf hin, dass dies in verstärktem Maß zu Beginn der Behandlung, bei einer Erhöhung der Dosis, beim Wechsel des Präparats und im Zusammenwirken mit Alkohol gilt. Bei den Augentropfen kann unmittelbar nach dem Eintropfen vorübergehend verschwommenes Sehen auftreten.
Bei einer Vergiftung mit Clonidin stehen Blässe, enge Pupillen, Mundtrockenheit, zunehmende Schläfrigkeit, ein niedriger Blutdruck und ein verlangsamter Puls im Vordergrund; in schweren Fällen kommt es zu Aussetzern der Atmung. Ein gesichertes Gegenmittel gibt es nicht – der Nutzen der als Antidot erwogenen Alpha-Blocker ist umstritten –, und die Blutwäsche entfernt den Wirkstoff nur unvollständig. Die Behandlung richtet sich auf die Überwachung und Stützung von Kreislauf und Atmung.
Interaktionen mit anderen Medikamenten
Clonidin greift in die Steuerung von Blutdruck und Herzfrequenz ein, und entsprechend betreffen die meisten Wechselwirkungen genau diese beiden Größen. Die Fachinformationen ordnen sie danach, ob sie die blutdrucksenkende Wirkung verstärken, sie abschwächen oder den Puls zusätzlich verlangsamen.
Verstärkt wird die Blutdrucksenkung durch andere blutdrucksenkende Arzneimittel; die Fachinformationen nennen Entwässerungsmittel, gefäßerweiternde Substanzen, ACE-Hemmer und Betablocker. In dieselbe Richtung wirkt eine kochsalzarme Kost. Dass Clonidin mit solchen Mitteln zusammentrifft, ist bei einem Reservemittel für die Kombinationstherapie die Regel und kein Anwendungshindernis; die Dosierung der beteiligten Arzneimittel wird in diesem Fall ärztlich angepasst.
Abgeschwächt bis aufgehoben wird die blutdrucksenkende Wirkung dagegen von blutdrucksteigernden sowie von natrium- und wasserzurückhaltenden Substanzen, zu denen die nichtsteroidalen Antirheumatika gehören – also ein großer Teil der frei verkäuflichen Schmerz- und Rheumamittel. Dasselbe gilt für α2-Rezeptorenblocker wie Tolazolin und Phentolamin. Gerade diese Eigenschaft macht die beiden Substanzen zugleich nützlich: Ein überschießender Blutdruckanstieg nach dem Absetzen von Clonidin lässt sich nach der Fachinformation durch ihre Gabe in eine Vene behandeln.
Trizyklische Antidepressiva und Neuroleptika schwächen die blutdrucksenkende Wirkung ebenfalls ab oder heben sie auf und können zusätzlich Kreislaufstörungen beim Lagewechsel auslösen oder verstärken. Für Haloperidol ist aus Beobachtungen bei Patienten im Alkoholdelir die Vermutung geäußert worden, dass hohe Dosen von Clonidin in die Vene die rhythmusstörende Wirkung hoher Haloperidol-Dosen verstärken könnten; ein ursächlicher Zusammenhang ist nach der Fachinformation nicht gesichert.
Eine dritte Gruppe betrifft den Puls. Herzwirksame Glykoside und Betablocker können gemeinsam mit Clonidin die Herzschlagfolge verlangsamen und Rhythmusstörungen der langsamen Form hervorrufen. Bei gleichzeitiger Gabe eines Betablockers lässt sich nach den Fachinformationen zudem nicht ausschließen, dass eine Gefäßerkrankung der Gliedmaßen ausgelöst oder verstärkt wird.
Nicht sinnvoll ist die gleichzeitige Anwendung von Wirkstoffen, die pharmakologisch ähnlich arbeiten wie Clonidin selbst. Die Fachinformationen führen hier Alpha-Methyldopa, Guanfacin, Guanabenz und Reserpin auf. Für die Augentropfen kommt ein einfacher praktischer Hinweis hinzu: Werden weitere Augentropfen oder Augensalben angewendet, ist zwischen den Anwendungen ein zeitlicher Abstand einzuhalten, und Augensalben werden zuletzt aufgetragen.
Alternative Behandlungsmethoden
Clonidin ist in der Behandlung des Bluthochdrucks ein Reservemittel. Vor ihm stehen die Wirkstoffgruppen, mit denen eine Hochdruckbehandlung üblicherweise beginnt. Die Fachinformationen führen unter den blutdrucksenkenden Arzneimitteln, mit denen Clonidin zusammentreffen kann, Entwässerungsmittel, ACE-Hemmer, gefäßerweiternde Substanzen und Betablocker auf. Erst wenn sich der Blutdruck damit nicht ausreichend einstellen lässt oder diese Mittel nicht vertragen werden, rückt Clonidin in Betracht.
Unter den Wirkstoffen, die an derselben Stelle im Nervensystem angreifen, nennen die Fachinformationen Alpha-Methyldopa, Guanfacin, Guanabenz und Reserpin. Sie wirken über denselben Mechanismus wie Clonidin, weshalb ihre gleichzeitige Anwendung nicht sinnvoll ist; als Ausweichmöglichkeit bei Unverträglichkeit eines einzelnen Vertreters kommen sie dagegen in Betracht. In dieselbe Gruppe der zentral wirkenden Blutdrucksenker gehört Moxonidin, das seine Wirkung vor allem über Imidazolinrezeptoren entfaltet.
Für den erhöhten Augeninnendruck und das Glaukom stehen neben den clonidinhaltigen Augentropfen weitere Wirkstoffgruppen zur Verfügung, unter ihnen Betablocker in Tropfenform, Prostaglandin-Analoga und Carboanhydrasehemmer. Welcher Wirkstoff gewählt wird, richtet sich nach der Form der Erkrankung, nach den Begleiterkrankungen und nach der Verträglichkeit. Dass Clonidin auch nach dem Eintropfen ins Auge auf Kreislauf und Wachheit wirkt, spielt bei dieser Entscheidung eine Rolle.
Bei den Anwendungen außerhalb der Zulassung liegen die Verhältnisse anders. Beim Opioid- und Alkoholentzug ist die dämpfende Wirkung auf das sympathische Nervensystem gerade der erwünschte Effekt, und Clonidin wird dort unterstützend neben der eigentlichen Entzugsbehandlung eingesetzt. Bei der Migräne und beim Kältezittern nach einer Operation, die beide außerhalb der Zulassung liegen, bestehen eigene, besser untersuchte Behandlungswege; die Entscheidung für oder gegen Clonidin trifft der behandelnde Arzt nach Abwägung von Nutzen und Risiko.
Quellen
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- Weil, J., Stierle, U. (Hrsg.): Klinikleitfaden Kardiologie.
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- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
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- Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
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