Nierenschäden durch Medikamente

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Eine unkontrollierte Einnahme von Medikamenten kann bei stark nephrotoxisch (nierenschädigend) wirkenden Substanzen zu ausgeprägten Nierenschäden bis hin zu einer akuten oder chronischen Niereninsuffizienz führen. In Abhängigkeit vom Ausmaß der Nierenschädigung durch die eingenommenen Medikamente ist die Erkrankung in aller Regel bei frühzeitigem Therapiebeginn gut behandelbar.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nierenschäden durch Medikamente?

Nierenschaeden durch Medikamente
Medikamente können eine Vielzahl von Nierenerkrankungen begünstigen oder sogar selbst Nierenschäden hervorrufen.
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Nierenschäden durch Medikamente bzw. infolge der Einnahme nierenschädigender Arzneimittel gehören zum Erkrankungsspektrum einer toxischen Nephropathie. Als toxische Nephropathie wird eine durch Noxen (schädigende Substanzen) bedingte chronische oder akute Schädigung der Nieren bezeichnet.

Durch Medikamente bedingte Nierenschädigungen manifestieren sich häufig anhand einer akuten Nierenentzündung, die durch Hypersensitivitätsreaktionen der Nieren auf die eingenommenen Medikamente hervorgerufen wird und mit allergietypischen Symptomen wie Gelenk- und Gliederschmerzen sowie Hautausschlag und Fieber einhergeht.

Zudem kann die Harnflüssigkeit eine blutige und trübe Verfärbung aufweisen, da infolge der Beeinträchtigung der Nierenfunktion Proteine und rote Blutkörperchen nicht mehr im Blut zurückgehalten werden und in den Urin übertreten. Im weiteren Verlauf stellen Hypertonie (erhöhter Blutdruck), erhöhte Konzentrationen harnpflichtiger Substanzen im Blut, Ödeme (Wassereinlagerungen) in den Beinen und Armen, fahlgraue Haut, Schlaflosigkeit, Herzrhythmusstörungen, Nervosität sowie Konzentrationsstörungen und Mundgeruch (Foetor uraemicus) weitere Symptome einer Nierenschädigung durch Medikamente dar.

Ursachen

Zahlreiche Medikamente besitzen nephrotoxische Eigenschaften, insbesondere, wenn diese langfristig und/oder hochdosiert eingenommen werden. Aus diesem Grund werden bei einer Vielzahl von Medikamenten regelmäßig die Blutwerte und Nierenfunktion kontrolliert.

Da die Nieren unter anderem eine entscheidende Rolle bei der Entgiftung und dem Abbau von pathogen wirkenden Substanzen spielen, stellen Medikamente oftmals eine zusätzliche Belastung für die zudem sehr stark durchbluteten Nieren dar, die dadurch den Substanzen selbst sowie deren Abbauprodukten im besonderen Maße ausgesetzt sind.

Weil die Nieren dem Primärharn den größten Teil des Wassers wieder entziehen, reichern sich die auszuscheidenden Substanzen im Röhrensystem der Niere stark an; die dort erreichten hohen Konzentrationen rufen die charakteristischen Schädigungen am Nierengewebe hervor.

Darüber hinaus stellen die Abbauprodukte bestimmter Medikamente toxische Substanzen dar, die die Nieren zusätzlich schädigen. Neben Schmerzmitteln gehören Chemotherapeutika, Blutdruck regulierende Substanzen, Diuretika, Antibiotika sowie Rheuma- und Gichtmedikamente zu den Arzneimitteln, die eine Nierenschädigung hervorrufen können.

Praktisch am wichtigsten sind entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen, außerdem bestimmte Antibiotika – vor allem Aminoglykoside wie Gentamicin sowie Vancomycin –, jodhaltige Röntgenkontrastmittel, das in der Psychiatrie eingesetzte Lithium und Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol, die eine schleichende Entzündung des Nierengewebes auslösen können.

Besonders gefährlich ist das Zusammentreffen dreier Wirkstoffgruppen, das Fachleute im Englischen „triple whammy“ nennen: ein NSAR zusammen mit einem ACE-Hemmer oder Sartan und einem entwässernden Medikament (Diuretikum). Jedes dieser Mittel greift an einer anderen Stelle in die Durchblutung der Niere ein; zusammen können sie – vor allem bei Flüssigkeitsmangel durch Fieber, Erbrechen, Durchfall oder große Hitze – innerhalb weniger Tage ein akutes Nierenversagen auslösen. Wer wegen Bluthochdruck oder Herzschwäche ein solches Blutdruckmittel und ein Entwässerungsmittel einnimmt, sollte rezeptfreie Schmerzmittel dieser Gruppe deshalb nur nach ärztlicher Rücksprache und nicht über mehrere Tage hinweg anwenden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Medikamente können eine Vielzahl von Nierenerkrankungen begünstigen oder sogar selbst Nierenschäden hervorrufen. Zu den möglichen Symptomen einer medikamenteninduzierten Nierenstörung zählen Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Mattigkeit und ein generelles Krankheitsgefühl. Typische körperliche Symptome sind Wassereinlagerungen und Atemnot.

Bedingt durch die eingeschränkte Nierentätigkeit ist auch die Harnausscheidung reduziert. Hinzukommen können Fieber und Harnwegsinfekte. Weiterhin kann es zu Herz-Kreislauf-Beschwerden wie zum Beispiel Blutdruckanstieg, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen kommen. Äußerlich ist eine Nierenerkrankung an Blässe und einem generell kränklichen Aussehen zu erkennen.

Außerdem kann es zu Haarausfall kommen. Einige Betroffene leiden an Zitteranfällen oder sogar an Krämpfen. Das genaue Symptombild orientiert sich an dem auslösenden Medikament und der Art des Nierenschadens. Gemeinsam haben ausgeprägte Nierenschäden, dass sie die Lebensqualität und das Wohlbefinden des Erkrankten sehr stark reduzieren.

Häufig verläuft die Schädigung über lange Zeit schmerzlos, und die Beschwerden nehmen erst im Verlauf der Erkrankung zu. Fehlende Schmerzen sind deshalb kein Zeichen dafür, dass die Nieren ein Medikament gut vertragen – darüber gibt nur die Kontrolle der Nierenwerte im Blut Auskunft. Wenn das auslösende Medikament nicht abgesetzt wird, kann es im weiteren Verlauf zum Nierenversagen kommen, das ohne Dialyse tödlich endet. Verordnete Medikamente sollten deswegen aber nicht eigenmächtig abgesetzt werden: Wer den Verdacht hat, dass ein Arzneimittel seinen Nieren schadet, bespricht das mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt, die dann über Dosisanpassung, Umstellung oder Absetzen entscheiden. Durch den Wechsel auf ein unschädliches Präparat kann das Auftreten weiterer Symptome verhindert werden. Je nachdem, ob bereits bleibende Schäden entstanden sind, ist unter Umständen auch eine vollständige Genesung möglich.

Diagnose & Verlauf

Anhand der aktuell vorliegenden Symptome können erste Hinweise auf eine Nierenschädigung durch Medikamente gewonnen werden. Abgesichert werden kann die Diagnose durch eine Blut- und Urinanalyse, die Aussagen über Nierenfunktion und vorliegende Einschränkungen zulassen.

Liegt eine Nierenschädigung bzw. Einschränkung der Nierenfunktion vor, ist die Konzentration der harnpflichtigen Substanzen (Kreatinin, Harnstoff) im Blut erhöht. Aussagekräftiger als der Kreatininwert allein ist die daraus berechnete glomeruläre Filtrationsrate (eGFR); ergänzend wird der Urin auf Eiweiß untersucht. Darüber hinaus sind weitere Untersuchungen wie quantitative und qualitative Funktionsprüfungen zur Feststellung des Ausmaßes der Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) angezeigt.

Mit Hilfe bildgebender Verfahren (Sonographie, Computer-, Kernspintomographie, Szintigraphie) ist eine morphologische Beurteilung der Nieren sowie der ableitenden Harnwege möglich. Lässt sich die Ursache damit nicht klären, sichert eine Gewebeentnahme aus der Niere (Nierenbiopsie) die Diagnose und zeigt, um welche Art der Schädigung es sich handelt. Verlauf und Prognose hängen bei Nierenschäden durch Medikamente entscheidend vom Ausmaß der vorliegenden Beeinträchtigungen ab.

Während akute Nierenschäden durch das Absetzen der Medikamente in der Regel gut therapierbar sind, sind ausgeprägte Beeinträchtigungen der Nieren nach langfristiger Einnahme nephrotoxisch wirkender Medikamente oftmals irreversibel.

Komplikationen

Sowohl die Blutreinigung als auch der Salz- und Wasserhaushalt des Körpers sind aufgrund der geschädigten Niere gestört. Verschiedene Organe werden somit in ihrer Funktion eingeschränkt. Infolgedessen können trotz Behandlung diverse gesundheitsgefährdende Komplikationen entstehen.

Da der Körper weniger Urin produziert, können überschüssiges Wasser und Salze nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden. Deshalb steigt der Blutdruck an. Aufgrund der verminderten Urinausscheidung lagert der Körper Flüssigkeit ein. Ödeme entstehen. Primär kommt es zu Flüssigkeitseinlagerungen in den Beinen. Ödeme können in allen Körperregionen entstehen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Flüssigkeitseinlagerungen in der Lunge (Lungenödem).

Ein Lungenödem äußert sich durch weißes und schaumiges Hustensekret und kann zu starker Luftnot führen. Ein Lungenödem ist ein Notfall: Bei plötzlich einsetzender starker Atemnot ist unverzüglich der Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 zu alarmieren. Weil die Nierenschwäche den Mineralhaushalt stört und das Herz-Kreislauf-System belastet, entstehen ausgeprägte Verkalkungen der Arterien und der Herzklappen. Die Ausbildung von Herzklappenfehlern und einer Herzschwäche wird somit begünstigt. Die verkalkten Arterien können zudem einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall hervorrufen.

Da die Nieren zunehmend ihre Fähigkeit verlieren Kalium auszuscheiden, kann dies zu erhöhten Kaliumwerten im Blut führen (Hyperkaliämie). Indikatoren für einen erhöhten Kaliumwert sind ein verlangsamter Herzschlag, Schwindel, kurze Bewusstseinsverluste, Muskelschwäche und Kribbelgefühle. Stark erhöhte Kaliumwerte können zu Herzrhythmusstörungen und Herzstillstand führen. Ein sehr langsamer oder unregelmäßiger Herzschlag, plötzliche Bewusstseinsstörungen und ausgeprägte Muskelschwäche sind deshalb ein Notfall und ein Fall für den Notruf 112.

Der Wasserüberschuss im Körper kann zudem einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt auslösen. Häufig auftretende Komplikationen sind außerdem neurologische Störungen. Derartige Störungen des Nervensystems äußern sich etwa durch Müdigkeit, Gedächtnis-, Konzentrations-, Wahrnehmungs- und Schlafstörungen, Muskelschwäche, Juckreiz und Desorientiertheit. Aufgrund der schwächer werdenden Nierenfunktion produziert der Körper nur noch geringe Mengen blutbildender Hormone.

Daher wird die Entstehung einer Blutarmut begünstigt (Anämie). Diese kann sich durch nachlassende körperliche Belastbarkeit, Müdigkeit und Blässe der Haut äußern. Zudem gehen mit einer nachlassenden Nierenfunktion Störungen des Knochenstoffwechsels einher. Aus diesem Grund treten vermehrt Knochenbrüche, Knochen-, Muskel- und Gelenkschmerzen auf.

Die geschädigte Niere lässt den Phosphatspiegel im Blut ansteigen. Hohe Phosphatwerte lösen Juckreiz, Knochen- und Muskelschmerzen aus. Die erhöhten Werte intensivieren auch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Da der Körper mit abnehmender Nierenfunktion weniger Eiweiße aufnimmt, kann zusätzlich eine Mangelernährung des Patienten entstehen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Nierenschäden durch Medikamente sind immer ein Fall für den Arzt. Je früher die Schädigung der Nieren bemerkt wird, desto besser ist sie je nach Art des Medikaments, Dosis und Dauer der Einnahme behandelbar. Bestenfalls können sich frühzeitig erkannte Nierenschäden durch Medikamente vollständig wieder zurückbilden - Voraussetzung dafür ist aber, dass sich der Betroffene so schnell wie möglich ärztlich behandeln lässt und den notwendigen Arzttermin nicht hinauszögert. Wird das schädigende Medikament auf Verordnung des Arztes eingenommen, müssen die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen stringent eingehalten werden, da der Arzt hierbei auch Nierenwerte überprüft und bemerken kann, wenn eine Schädigung der Nieren aufgetreten ist.

Nimmt der Patient ohne ärztliche Empfehlung ein Medikament ein, das die Nieren schädigen kann, so muss er vor der Einnahme die Hinweise auf dem Beipackzettel lesen und während der Einnahme auf mögliche Symptome einer Schädigung der Nieren achten. Sollten diese auftreten, empfiehlt es sich, auch dann einen Arzt aufzusuchen, wenn sie nicht als schwer oder belastend wahrgenommen werden oder sich phasenweise wieder von alleine bessern. Erkennen, ob sie harmlos sind oder wirklich Nierenschäden durch Medikamente aufgetreten sind, kann nur der Arzt - daher sollten mögliche Symptome während der Einnahme von Medikamenten immer ernst genommen werden.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei Nierenschädigungen durch Medikamente maßgeblich vom Ausmaß des spezifischen Schadens sowie davon ab, ob eine akute oder chronische Beeinträchtigung der Nieren vorliegt.

So werden bei einem akut vorliegenden Nierenschaden oftmals in einem ersten Schritt die verursachenden Medikamente abgesetzt oder gegen ein nierenverträglicheres Präparat ausgetauscht. Zum Teil wird zusätzlich eine Hämodialyse durchgeführt, durch welche die Nierenfunktion zeitweise bis zur Normalisierung der Nieren ersetzt wird und die überschüssigen harnpflichtigen Substanzen sowie Elektrolyte aus dem Blut des Betroffenen gefiltert werden.

Die Hämodialyse entlastet den Körper von Wasser, Salzen und harnpflichtigen Substanzen, bis sich die Nieren erholt haben. Sie belastet allerdings den Kreislauf: Blutdruckabfälle während der Behandlung sind häufig und werden deshalb engmaschig überwacht. Während der Therapie sollten regelmäßig die Nierenfunktionswerte kontrolliert und bei einer Verschlechterung die Behandlung entsprechend angepasst werden. Darüber hinaus werden diätetische Maßnahmen wie eine salz-, eiweiß-, phosphat- sowie kaliumarme Ernährung empfohlen, um die Behandlung der Nierenschäden zu unterstützen.

Ferner sollte die tägliche Flüssigkeitsmenge an die aktuelle Leistungsfähigkeit der Nieren angepasst werden. Wird eine Anämie (Blutarmut) diagnostiziert, kommt das normalerweise in der gesunden Niere produzierte Hormon Erythropoetin zum Einsatz, das die Synthese der roten Blutkörperchen im Knochenmark stimuliert.

Bei einem fortgeschritteneren Erkrankungsstadium mit irreversiblen Schädigungen der Nieren infolge der Medikamenteneinnahme kann eine dauerhafte Dialyse oder gegebenenfalls eine Nierentransplantation erforderlich werden.


Aussicht & Prognose

Wie ein Nierenschaden durch Medikamente ausgeht, hängt vor allem davon ab, wie früh er erkannt wird. Wird das auslösende Mittel rechtzeitig abgesetzt oder ausgetauscht, erholt sich die Niere häufig wieder weitgehend oder sogar vollständig, denn das geschädigte Röhrengewebe der Niere kann sich erneuern. Bleibt die Schädigung dagegen über Monate oder Jahre bestehen – etwa bei dauerhaftem Gebrauch von Schmerzmitteln –, vernarbt das Nierengewebe, und die verlorene Funktion kehrt nicht mehr zurück.

In diesen Fällen besteht die Notwendigkeit einer Langzeittherapie, bei der es zur Gabe von ärztlich kontrollierten Medikamenten kommt, um eine Linderung der gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwirken. Ziel ist es, eine Verbesserung der Gesamtsituation zu erreichen und eine Zunahme von vorhandenen Beschwerden zu vermeiden. Bei einigen Betroffenen muss aufgrund der Schwere der Erkrankung eine Dialyse eingeleitet werden. Diese stellt häufig die einzige Möglichkeit einer Reduzierung von vorhandenen Beschwerden dar.

Die notwendigen Behandlungsmethoden bei Nierenschäden haben eine starke Auswirkung auf die Gestaltung des Alltags. Die körperlichen und emotionalen Belastungen sind aufgrund der notwendigen Therapien bei vielen Menschen immens. Es besteht daher bei diesen Patienten ein erhöhtes Risiko für die Ausbildung einer Folgeerkrankung sowie einer starken Minimierung des allgemeinen Wohlbefindens. Dieser Umstand ist bei der Stellung der Gesamtprognose zu berücksichtigen.

Sind die Nierenschäden durch die eingenommenen Medikamente sehr stark, kann die Notwendigkeit eines Spenderorgans bestehen, um eine mögliche Lebensgefahr abzuwenden. Eine Transplantation ist mit zahlreichen Komplikationen verbunden, die zu beachten sind.

Vorbeugung

Die effektivste Maßnahme, um Nierenschäden durch Medikamente vorzubeugen, ist ein umsichtiger und vorsichtiger Umgang mit diesen potenziell nephrotoxisch wirkenden Substanzen. Zu den Medikamenten, bei deren Einnahme besondere Vorsicht geboten ist, gehören insbesondere Schmerzmittel wie Paracetamol und die nichtsteroidalen Antirheumatika (Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac).

Rezeptfreie Schmerzmittel sollten ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht an mehr als zehn Tagen im Monat eingenommen werden. Wer solche Mittel dauerhaft benötigt, etwa bei Rheuma oder Arthrose, sollte die Nierenwerte in Absprache mit dem Arzt regelmäßig kontrollieren lassen und darauf achten, nicht auszutrocknen. Wie viel getrunken werden darf, ist dabei zu besprechen: Bei einer Herzschwäche oder einer bereits eingeschränkten Nierenfunktion gibt der Arzt eine Trinkmenge vor, die deutlich unter dem sonst Üblichen liegen kann. Besondere Vorsicht gilt bei Fieber, Erbrechen, Durchfall oder starkem Schwitzen, weil die Nieren bei Flüssigkeitsmangel empfindlicher auf diese Substanzen reagieren.

Hilfreich ist außerdem, in Arztpraxis und Apotheke alle eingenommenen Präparate anzugeben – auch rezeptfreie Mittel und Nahrungsergänzungsmittel –, damit ungünstige Kombinationen auffallen. Ist die Nierenfunktion bereits eingeschränkt, muss die Dosis vieler Arzneimittel angepasst werden; das entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand der Nierenwerte.

Nachsorge

Bei Nierenschäden durch Medikamente sind Nachsorgeuntersuchungen und gegebenenfalls Nachsorgebehandlungen notwendig. Je nach Schädigung ist eine ambulante Nachsorge durch einen Nephrologen ratsam. Dies ist auch der Fall, wenn nach einer abgeschlossenen Behandlung der Nierenschäden die Nierenfunktion wieder weitestgehend hergestellt ist.

Damit wird das Risiko eingeschränkt, das sich als Folge der Schädigung der Nieren entwickeln kann. Durch eine frühzeitige Erkennung im Rahmen dieser Nachsorge sind entsprechende Behandlungsansätze möglich. Beschwerden, die auf Nierenerkrankungen oder Harnwegserkrankungen hinweisen, werden zeitnah diagnostiziert. Diagnostische und therapeutische Maßnahmen können bei der Früherkennung komplizierte, akute Nierenschädigungen vermeiden.

Empfehlenswert sind jährliche Kontrolluntersuchungen. In diesem Rahmen nimmt der Hausarzt Untersuchungen beim Patienten vor. Neben der Bestimmung des Urinstatus werden Blutbilduntersuchungen durchgeführt. Außerdem sollte sich der Patient mindestens einmal jährlich dem Facharzt für Nephrologie vorstellen. Bestätigt sich im Laufe der Nachsorge eine normale Nierenfunktion, werden die Intervalle der Untersuchungen durch den behandelnden Arzt verlängert.

Zur Nachsorge des Patienten gehört eine allgemein gesunde Lebensweise mit einer ausgewogenen Ernährung, mit einer ärztlich abgestimmten Trinkmenge und sportlichen Aktivitäten. Sind die Nierenschäden durch Medikamente sehr weit fortgeschritten und sehr schwerwiegend, sind nach medizinischer Nachsorgeabklärung auch vorübergehende oder dauerhafte Dialyse-Behandlungen notwendig.

Das können Sie selbst tun

Menschen, die Nierenschäden durch Medikamente erlitten haben, sollten die Rücksprache mit dem Arzt zur Abklärung von Nebenwirkungen bei jedem der verordneten Arzneien suchen. Zudem ist die Packungsbeilage sorgfältig zu lesen. Bei Fragen und Unklarheiten kann zudem der Apotheker fehlende Informationen liefern. Je nach den vorliegenden Nierenschäden wird ein individueller Therapieplan erarbeitet, an den sich der Betroffene halten sollte. Ausreichend Flüssigkeit ist zu konsumieren und schwere körperliche Tätigkeiten sollten vermieden werden. Bei fortgeschrittener Nierenschwäche gilt das mit der Flüssigkeit allerdings nicht: Dann gibt der Arzt eine Trinkmenge vor, die deutlich unter dem sonst Üblichen liegen kann. Sobald Unregelmäßigkeiten durch eine Überanstrengung wahrgenommen werden, sind Ruhe und Schonung notwendig.

Für die Aufrechterhaltung des Wohlbefindens ist ein guter und erholsamer Nachtschlaf wichtig. Die Schlafhygiene ist zu optimieren und Störfaktoren sind zu beseitigen. Die Ernährung sollte an die Bedürfnisse des Organismus angepasst werden. Die Zufuhr von ausreichend Vitaminen, Spurenelementen und Nährstoffen ist nötig, um das Immunsystem zu stabilisieren. Nahrungsergänzungsmittel sollten bei eingeschränkter Nierenfunktion jedoch nicht auf eigene Faust eingenommen werden: Kalium- und phosphathaltige Präparate können den Stoffwechsel zusätzlich belasten. Schadstoffe wie Nikotin, Alkohol oder Drogen sind grundsätzlich zu vermeiden. Sie verschlechtern den allgemeinen gesundheitlichen Zustand und können zu weiteren Beeinträchtigungen der Lebensqualität beitragen.

Trotz der Nierenschäden werden regelmäßige leichte sportliche Bewegungen sowie ein täglicher Aufenthalt im Freien empfohlen. Yoga oder Meditation helfen bei dem Aufbau der inneren Kräfte und tragen zu einer Harmonisierung der emotionalen Befindlichkeit bei. Insgesamt wird dadurch eine Steigerung des Wohlbefindens erreicht.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al. (Hrsg.): Nephrologie.
    ISBN: 9783131572868
  • Schwenger, V. (Hrsg.): Klinikleitfaden Nephrologie.
    ISBN: 9783437210358
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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