Amfepramon

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 7. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Amfepramon ist ein indirektes Alpha-Sympathomimetikum und wurde in Deutschland als Appetitzügler eingesetzt. Aufgrund eines nicht unerheblichen Missbrauchspotenzials wurde der Wirkstoff nur in dringenden Fällen kurzzeitig zur unterstützenden Behandlung von Übergewicht verschrieben. Die Europäische Kommission hat die Zulassungen Amfepramon-haltiger Arzneimittel im Januar 2023 widerrufen; die Präparate sind seither nicht mehr im Handel.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Amfepramon?

Amfepramon
Aufgrund eines nicht unerheblichen Missbrauchspotenzials wurde der Wirkstoff nur in dringenden Fällen kurzzeitig zur unterstützenden Behandlung von Übergewicht verschrieben.

Amfepramon wird auch als 2-Diethylamino-1-phenylpropan-1-on, 2-Diethylaminopropiophenon, Amfepramonum oder Diethylpropion bezeichnet. Es gehört zu der Gruppe der Phenylethylamin-Derivate. Das sind chemische Verbindungen, die sich vom Phenylethylamin ableiten. Phenylethylamine sind in der Natur weit verbreitet (zum Beispiel der Neurotransmitter Dopamin oder die Aminosäure-ähnliche Substanz Tyramin) oder werden künstlich hergestellt (zum Beispiel bestimmte Amphetamine).

Im Bereich der Phenylethylamine reiht sich Amfepramon in die Untergruppe der Cathinone ein. Namensgebend für die Cathinone ist die Verbindung Cathinon, die zu den Amphetaminen gehört und stimulierend wirkt. Auch Amfepramon wirkt als Stimulans und regt den Sympathikus, einen Teil des autonomen (vegetativen) Nervensystems, an.

Es wird der Wirkstoffgruppe der Alpha-Sympathomimetika zugeordnet. Im Handel war es als verschreibungspflichtiges Medikament unter den Handelsnamen Regenon und Tenuate erhältlich. Amfepramon fällt in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz, ist aber verkehrsfähig und darf vom Arzt verschrieben werden. Seit dem Widerruf der Zulassungen steht dafür allerdings kein zugelassenes Fertigarzneimittel mehr zur Verfügung.

Chemisch trägt Amfepramon eine Ketogruppe an dem Kohlenstoffatom, das dem aromatischen Ring benachbart ist; diese Gruppe unterscheidet die Cathinone von den Amphetaminen im engeren Sinn. Im Körper wurde der Stoff rasch umgebaut, unter anderem durch Abspaltung der Ethylgruppen am Stickstoff und durch Reduktion der Ketogruppe. Ein Teil der Wirkung ging auf diese Abbauprodukte zurück, die selbst anregende Eigenschaften besitzen; ausgeschieden wurden sie überwiegend über die Nieren.

Die Einordnung in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes ist mit Ausnahmen verbunden. Zubereitungen, die je abgeteilter Form unterhalb eines dort festgelegten Gehalts bleiben und keinen weiteren Stoff der Anlagen enthalten, sind von den betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften ausgenommen. Ob ein einzelnes Präparat diesen Vorschriften unterlag, hing damit von seiner Zusammensetzung ab.

Pharmakologische Wirkung

Alpha-Sympathomimetika (auch als Alpha-Adrenozeptor-Agonisten bezeichnet) wirken auf das vegetative Nervensystem. Dieses wird auch unwillkürliches oder autonomes Nervensystem genannt, weil es sich nicht willentlich beeinflussen lässt. Die Wirkstoffe stimulieren einen bestimmten Teil dieses Nervensystems, den Sympathikus.

Amfepramon fungiert als indirektes Alpha-Sympathomimetikum. Während direkte Alpha-Sympathomimetika die Wirkung des Adrenalins nachahmen, indem sie an die gleichen Rezeptoren binden, führen indirekte Alpha-Sympathomimetika zu einer Freisetzung von Dopamin und Noradrenalin. Diese regen dann den Sympathikus an. Auf diesem Weg stimuliert Amfepramon das Herz-Kreislauf-System und bestimmte Organe, wirkt aber auch zentralnervös über eine Durchquerung der Blut-Hirn-Schranke auf die Gehirnaktivität.

Der Wirkstoff steigert dadurch kurzzeitig die physische und psychische Leistungsfähigkeit und erhöht die Aufmerksamkeit. Blutdruck und Herzfrequenz erhöhen sich. Außerdem unterdrückt Amfepramon das Gefühl der Müdigkeit, hemmt den Durst und bewirkt (über einen im Hypothalamus lokalisierten Angriffspunkt) eine Verminderung der Nahrungsaufnahme und des Appetits.

Aufgrund der vielfältigen Wirkungen auf den ganzen Organismus wurde eine Verschreibung von Amfepramon vom Arzt sehr genau abgewogen, um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden.

Die appetithemmende Wirkung ging auf einen Angriffspunkt im Hypothalamus zurück, also in jenem Teil des Zwischenhirns, der Hunger und Sättigung steuert. Sie ließ im Verlauf der Anwendung nach: Der Körper gewöhnte sich an die vermehrte Freisetzung der Botenstoffe, sodass die anfängliche Wirkung auf den Appetit schwächer wurde. Genau diese Gewöhnung war der sachliche Grund dafür, dass die Anwendung von vornherein nur kurzzeitig vorgesehen war, und zugleich einer der Wege, über die ein Missbrauch entstand, weil eine nachlassende Wirkung zur Steigerung der zugeführten Menge verleitete.

Vom Amphetamin selbst unterschied sich Amfepramon durch eine schwächer ausgeprägte euphorisierende Komponente; die Freisetzung von Noradrenalin stand gegenüber der von Dopamin stärker im Vordergrund. Ein Missbrauchspotenzial blieb dennoch bestehen, was sich in der Einordnung in das Betäubungsmittelrecht widerspiegelt. Die anregende Wirkung auf Kreislauf und Psyche war dabei keine unerwünschte Zugabe zur Appetithemmung, sondern deren Kehrseite: Beide beruhten auf derselben vermehrten Freisetzung der Botenstoffe.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Amphetaminartige indirekte Sympathomimetika werden unter anderem als Anorektika (Appetitzügler) eingesetzt. Amfepramon wurde zur unterstützenden Behandlung bei Patienten mit Übergewicht (Adipositas) verwendet, deren Body-Mass-Index (BMI) über 30 liegt.

Der BMI berechnet sich nach folgender Formel: BMI = Körpergewicht in Kilogramm / (Körpergröße in Metern)². Allerdings sollte der Wirkstoff nur dann verwendet werden, wenn andere geeignete Maßnahmen zur Reduktion des Gewichtes nicht erfolgreich waren. Bei Patienten, die durch Diäten und Sport keine Gewichtsabnahme erreichen konnten, aber aus medizinischen Gründen dringend abnehmen sollten, konnte sich der Arzt für eine kurzzeitige Behandlung mit Amfepramon entscheiden.

Da es sich um ein zentralnervös wirkendes Anorektikum handelt, sind Nebenwirkungen häufig und es besteht ein Missbrauchspotenzial. Im Sommer 2001 hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgrund von Nebenwirkungen Appetitzüglern mit Amfepramon die Zulassung entzogen.

Dagegen klagten die Hersteller erfolgreich. Von 2004 an waren die Präparate wieder auf dem Markt. Die Wirksamkeit zur tatsächlichen, langfristigen Gewichtsreduktion ist aber umstritten. Deshalb wurde Amfepramon nur noch in Einzelfällen verschrieben und grundsätzlich nur zur kurzzeitigen Behandlung der Adipositas eingesetzt. 2021 leitete die rumänische Arzneimittelbehörde ein erneutes europäisches Risikobewertungsverfahren ein, weil die Mittel in einem nicht mehr hinnehmbaren Anteil der Fälle länger als die zugelassenen drei Monate und trotz Herz- oder psychischer Vorerkrankungen angewendet wurden. Die Europäische Kommission widerrief daraufhin im Januar 2023 die Zulassungen; seither sind in der Europäischen Union keine Amfepramon-haltigen Arzneimittel mehr zugelassen.

Der Widerruf stand am Ende einer langen Reihe von Prüfungen. Bereits in den 1990er Jahren war der Wirkstoff zweimal Gegenstand europäischer Risikobewertungsverfahren; darauf folgte der Zulassungsentzug des BfArM von 2001, den die Hersteller vor Gericht abwehrten. Nach der Rückkehr auf den Markt waren die Zulassungen mit Auflagen versehen, die die Anwendung auf kurze Behandlungen und auf Patienten ohne Herz- und ohne psychische Vorerkrankungen begrenzen sollten. Ausschlaggebend für die endgültige Entscheidung war, dass diese Auflagen die tatsächliche Anwendung nicht wirksam eingegrenzt hatten.

In Deutschland ging der Marktrückzug der europäischen Entscheidung sogar voraus: Die Zulassungsinhaber verzichteten bereits zum Dezember 2022 auf ihre Zulassungen und riefen die Präparate zurück; Anfang 2023 stellte das BfArM förmlich fest, dass die Arzneimittel nicht mehr in den Verkehr gebracht werden dürfen. Ein Nachfolgepräparat mit demselben Wirkstoff trat nicht an ihre Stelle.


Verabreichung & Dosierung

Dieser Abschnitt gibt die Vorgaben wieder, die für die inzwischen widerrufenen Amfepramon-Präparate zugelassen waren. Bei der Verabreichung von Amfepramon, einem Appetitzügler zur Behandlung von Adipositas, waren mehrere wichtige Punkte zu beachten. Amfepramon ist ein verschreibungspflichtiges Medikament und sollte nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Die übliche Dosierung liegt bei 25 mg bis 75 mg pro Tag, verteilt auf ein bis drei Dosen, abhängig von der Schwere der Adipositas und der Reaktion des Patienten auf das Medikament. Es wird empfohlen, die Tabletten 30 bis 60 Minuten vor den Mahlzeiten einzunehmen, um den appetitzügelnden Effekt zu maximieren.

Amfepramon ist nur für eine kurzfristige Anwendung von bis zu 12 Wochen geeignet, da eine längere Einnahme zu Toleranzentwicklung und Abhängigkeit führen kann. Patienten mit einer Vorgeschichte von Drogenabhängigkeit, Herzerkrankungen, Hypertonie oder Psychosen sollten das Medikament nicht verwenden. Zudem muss bei gleichzeitiger Einnahme von anderen Medikamenten, insbesondere Monoaminooxidase-Hemmern (MAO-Hemmern), besondere Vorsicht walten, da es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen kann.

Die Einnahme am späten Nachmittag oder Abend sollte vermieden werden, da Amfepramon eine stimulierende Wirkung hat und Schlaflosigkeit verursachen kann. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind während der Behandlung notwendig, um Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, erhöhte Herzfrequenz oder Nervosität zu überwachen.

Die ärztliche Begleitung war bei diesem Wirkstoff kein bloßer Formalismus. Weil sich die erwünschte Wirkung auf den Appetit und die unerwünschten Wirkungen auf Kreislauf und Psyche nicht voneinander trennen ließen, gehörte die regelmäßige Überprüfung, ob die Behandlung überhaupt noch einen Nutzen brachte, zu ihren Voraussetzungen. Blieb eine Gewichtsabnahme aus, war eine Fortsetzung nicht vorgesehen; verlief die Behandlung erfolgreich, endete sie gleichwohl mit dem Ablauf der zugelassenen Anwendungsdauer.

Risiken & Nebenwirkungen

Amfepramon besitzt (wie viele amphetaminartige Wirkstoffe) ein nicht unerhebliches Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial. Deshalb wurde es als Betäubungsmittel eingestuft und in Anlage 3 des deutschen Betäubungsmittelgesetzes aufgenommen (verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel).

Das deutsche BfArM und andere Arzneimittelbehörden der EU weisen ausdrücklich auf den geringen medizinischen Nutzen im Verhältnis zu den schwerwiegenden Nebenwirkungen hin. Zu den Nebenwirkungen gehören Psychosen, Depressionen, Halluzinationen, Unruhe, Schlafstörungen, Herzrasen, Bluthochdruck, Schwindel und Benommenheit. Amfepramon scheint außerdem die Entstehung eines Lungenhochdrucks (pulmonal-arterielle Hypertonie) zu begünstigen.

Bei einigen Patienten kann es bei der Behandlung mit Amfepramon zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen, bis hin zum Herzinfarkt oder Herzstillstand kommen. Bei längerer Anwendung von Amfepramon können eine Abhängigkeit und nach Absetzen des Medikaments Entzugserscheinungen auftreten.

Kontraindikationen

Soweit dieser Abschnitt Anwendungshinweise gibt, beziehen sich diese auf die Zeit, in der Amfepramon-haltige Arzneimittel zugelassen waren; die zugrunde liegenden Eigenschaften des Wirkstoffs beschreibt er unabhängig davon. Typische Kontraindikationen für die Verwendung von Amfepramon sind vielfältig, da dieses Medikament potenziell schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen kann. Eine der wichtigsten Kontraindikationen betrifft Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie etwa Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit oder Herzinsuffizienz, da Amfepramon eine stimulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem hat und den Blutdruck sowie die Herzfrequenz erhöhen kann.

Auch Menschen mit einer Vorgeschichte von psychischen Erkrankungen, insbesondere Anorexia nervosa, Bulimie oder Depressionen, sollten Amfepramon nicht einnehmen, da es das Risiko für Stimmungsschwankungen oder psychotische Episoden erhöht. Patienten mit Glaukom sind ebenfalls ausgeschlossen, da das Medikament den Augeninnendruck steigern kann.

Darüber hinaus ist Amfepramon bei Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), schweren Leber- oder Nierenerkrankungen, sowie einer Vorgeschichte von Drogenabhängigkeit kontraindiziert. Personen, die Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) einnehmen, dürfen Amfepramon nicht verwenden, da dies zu gefährlichen Wechselwirkungen wie hypertensiven Krisen führen kann.

Schwangere und stillende Frauen sollten Amfepramon ebenfalls nicht einnehmen, da mögliche Risiken für den Fötus oder das Kind bestehen.

Die Gegenanzeigen ordnen sich nach den beiden Wirkrichtungen des Stoffes. Die eine Gruppe folgt aus der Kreislaufwirkung: Alles, was Herz und Gefäße bereits belastete, verbot eine zusätzliche Steigerung von Blutdruck und Herzfrequenz. Die zweite Gruppe folgt aus der zentralnervösen Wirkung: Erkrankungen, bei denen Antrieb, Stimmung oder Essverhalten gestört sind, konnten durch ein anregendes und appetithemmendes Mittel verstärkt werden. Dass Amfepramon bei Essstörungen wie der Magersucht ausgeschlossen war, ist deshalb kein Widerspruch dazu, dass es einer Gewichtsabnahme dienen sollte, sondern die Folge derselben Wirkung.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Soweit dieser Abschnitt Anwendungshinweise gibt, beziehen sich diese auf die Zeit, in der Amfepramon verordnet wurde; die beschriebenen Wechselwirkungen folgen aus Eigenschaften des Wirkstoffs und gelten unabhängig davon. Bei der Verwendung von Amfepramon bestehen zahlreiche Interaktionen mit anderen Medikamenten, die das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen oder die Wirksamkeit der Therapie beeinträchtigen können. Eine besonders gefährliche Wechselwirkung tritt auf, wenn Amfepramon zusammen mit Monoaminooxidase-Hemmern (MAO-Hemmern) eingenommen wird. Dies kann zu einer hypertensiven Krise führen, da MAO-Hemmer die Abbauwege von Neurotransmittern blockieren, was in Kombination mit der stimulierenden Wirkung von Amfepramon zu einem starken Anstieg des Blutdrucks führen kann.

Weitere potenzielle Interaktionen bestehen mit Sympathomimetika wie Ephedrin oder Pseudoephedrin, die ebenfalls den Blutdruck und die Herzfrequenz erhöhen können. Eine gleichzeitige Anwendung kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen verstärken. Auch Antidepressiva, insbesondere Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, da Amfepramon die Freisetzung von Neurotransmittern beeinflusst und das Risiko eines Serotoninsyndroms erhöhen kann.

Die gleichzeitige Einnahme von Antihypertensiva kann die blutdrucksenkende Wirkung dieser Medikamente abschwächen, da Amfepramon eine stimulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem hat, die den Blutdruck steigern kann. Zudem kann die Wirkung von Insulin oder oralen Antidiabetika beeinträchtigt werden, da Amfepramon den Blutzuckerspiegel erhöhen kann.

Ein gemeinsamer Nenner verbindet diese Wechselwirkungen: Amfepramon greift in den Haushalt der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin ein. Alles, was denselben Haushalt von einer anderen Seite beeinflusst, sei es durch Hemmung ihres Abbaus, durch eine ebenfalls gesteigerte Freisetzung oder durch einen Angriff an denselben Rezeptoren, konnte die Wirkung unberechenbar verstärken. Umgekehrt geriet alles unter Druck, was der Kreislaufwirkung entgegenarbeitete; deshalb steht die Abschwächung blutdrucksenkender Mittel in derselben Aufzählung wie die hypertensive Krise unter Monoaminooxidase-Hemmern.

Alternative Behandlungsmethoden

Zur medikamentösen Unterstützung einer Gewichtsabnahme stehen heute mehrere andere Wirkstoffe und Behandlungsmethoden zur Verfügung. Ein gängiger Ersatz ist Orlistat, ein Medikament, das die Aufnahme von Fett im Darm hemmt. Orlistat bindet an Enzyme, die Fette spalten, sodass diese unverdaut ausgeschieden werden. Es ist weniger systemisch wirksam als Amfepramon und zeigt eine andere Wirkweise, indem es die Kalorienaufnahme reduziert.

Ein weiteres Medikament ist Liraglutid, ein GLP-1-Agonist, der ursprünglich für die Behandlung von Diabetes entwickelt wurde, aber auch zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird. Liraglutid senkt den Appetit und verlangsamt die Magenentleerung, was zu einem längeren Sättigungsgefühl führt. Es wird als tägliche Injektion verabreicht und bietet eine Alternative zu Appetitzüglern wie Amfepramon.

Für Menschen, die auf pharmakologische Ansätze verzichten möchten, gibt es nicht-medikamentöse Behandlungsoptionen wie Verhaltenstherapie, Ernährungsberatung und Bewegungstherapie. Diese Methoden konzentrieren sich darauf, langfristige Lebensgewohnheiten zu ändern, um eine nachhaltige Gewichtsreduktion zu erreichen. Auch bariatrische Chirurgie kann bei starkem Übergewicht eine Option sein, insbesondere wenn andere Therapien erfolglos geblieben sind.

Der Rückzug von Amfepramon steht nicht für sich. Die zentral wirksamen Appetitzügler sind über mehrere Jahrzehnte hinweg nahezu vollständig aus dem europäischen Markt verschwunden: Fenfluramin und Dexfenfluramin wurden 1997 nach Berichten über Herzklappenschäden zurückgezogen, für Sibutramin ordnete die Europäische Union 2010 wegen kardiovaskulärer Risiken das Ruhen der Zulassungen an. Was an ihre Stelle getreten ist, greift anderswo an: Die heute eingesetzten Wirkstoffe wirken entweder im Darm oder über die Sättigungssignale des Verdauungstrakts, nicht über eine allgemeine Anregung des Nervensystems.

Zu den neueren Vertretern der zweiten Gruppe gehört neben dem bereits genannten Liraglutid auch Semaglutid, das demselben Wirkprinzip folgt. Daneben steht eine feste Kombination aus Naltrexon und Bupropion zur Verfügung. Allen diesen Mitteln ist gemeinsam, dass sie eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung nicht ersetzen, sondern begleiten sollen, ein Anspruch, an dem schon Amfepramon gemessen wurde.

Diese Alternativen bieten verschiedene Mechanismen zur Gewichtsreduktion und können individuell an die Bedürfnisse und gesundheitlichen Voraussetzungen des Patienten angepasst werden.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Soyka, M., Batra, A., Moggi, F., Walter, M. (Hrsg.): Suchtmedizin.
    ISBN: 9783437210747
  • Weber, M. M., Parhofer, K. G. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel.
    ISBN: 9783437238574
  • Hahn, A., Ströhle, A., Wolters, M.: Ernährung.
    ISBN: 9783804739628

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