Andrologie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Behandlungen Andrologie

Andrologie ist die medizinische Wissenschaft der Männerheilkunde und umfasst Physiologie, Anatomie und Pathologie der männlichen Fortpflanzung. Andrologie beschäftigt sich auch mit endokrinologischen und sexualtherapeutischen Aspekten und der Problematik des alternden Mannes.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Andrologie?

Andrologie
Andrologie ist die medizinische Wissenschaft der Männerheilkunde und umfasst Physiologie, Anatomie und Pathologie der männlichen Fortpflanzung.

Andrologie beschäftigt sich als Lehre von den männlichen Fortpflanzungsorganen auch mit deren Pathologie und Störungen in allen Lebensphasen und in jedem Lebensalter. Dabei stehen verschiedene Schwerpunkte in Forschung und Lehre im Vordergrund der Andrologie als Teilgebiet der Medizin. Die Andrologie ist in Deutschland kein eigenes Facharztgebiet, sondern eine Zusatz-Weiterbildung. Andrologen sind zumeist Fachärzte für Urologie, daneben auch Fachärzte für Endokrinologie oder Dermatologie, die sich auf Männerheilkunde spezialisiert haben.

In der andrologischen Sprechstunde geht es vor allem um Störungen der Zeugungsfähigkeit von Männern, Infertilität. Darüber hinaus spielen Störungen der Hodenfunktion, beispielsweise Hypogonadismus, die sogenannte erektile Dysfunktion, Fragen zur männlichen Kontrazeption und Aspekte zur Sexualität im Alter eine Rolle.

Bei der Betreuung kinderloser Paare spielen Erkenntnisse aus der Andrologie eine ebenso große Rolle wie aus der Gynäkologie. In reproduktionsmedizinischen Praxen arbeiten daher Gynäkologen und Andrologen stets zusammen, denn ein unerfüllter Kinderwunsch geht oft auf die Zeugungsunfähigkeit von Männern zurück, die jedoch ganz unterschiedliche Ursachen haben kann. Die Andrologie arbeitet daher eng mit anderen medizinischen Disziplinen zusammen. Denn ohne diese medizinische Gesamtschau ist eine adäquate Behandlung nicht nur von Fertilitätsstörungen oft nicht möglich.

Behandlungen & Therapien

Das Behandlungsspektrum des medizinischen Teilgebiets Andrologie ist ganz auf die Bedürfnisse von Männern und deren Fortpflanzungsorgane ausgelegt. Insbesondere spielen bei Diagnose und Therapie auch hormonelle und psychosoziale Aspekte eine wichtige Rolle. Denn längst nicht alle Störungen der männlichen Fortpflanzung sind tatsächlich organischen Ursprungs.

Augenscheinlich tritt dies bei der sogenannten erektilen Dysfunktion zu Tage, an der bis zu jeder dritte Mann über 50 Jahre in den westlichen Industrienationen leidet. Mit zunehmendem Alter lässt die Produktion des männlichen Sexualhormons Testosteron in den Hoden nach. Die häufigsten Ursachen einer erektilen Dysfunktion im höheren Lebensalter sind allerdings Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen wie Arteriosklerose oder Diabetes mellitus. Auch bei entsprechendem sexuellen Stimulus bleibt eine Erektion dann oft aus. Bei jüngeren Patienten mit erektiler Dysfunktion liegen jedoch meist psychische Ursachen zugrunde. Gleichzeitig kann auch das Orgasmuserleben oder der Vorgang der Ejakulation selbst gestört sein.

Die Behandlung der erektilen Dysfunktion zieht sich oft über einen längeren Zeitraum und umfasst je nach Ursache auch eine Psychotherapie, die die Partnerin mit einbeziehen kann. Auch wenn es um Fragen der männlichen Verhütung geht, ist der Androloge der erste Ansprechpartner für den Mann. Die einzige dauerhafte operative Methode ist die Durchtrennung der Samenleiter, die sogenannte Vasektomie.

Der Eingriff ist als endgültig anzusehen: Eine operative Wiederherstellung der Samenleiter (Refertilisierung) ist zwar möglich, gelingt aber nicht zuverlässig, sodass sich die Zeugungsfähigkeit nicht sicher wiedererlangen lässt. Eine weitverbreitete andrologische Störung ist der Hypogonadismus. Durch eine Schädigung oder Fehlanlage der Hoden oder durch eine Störung ihrer hormonellen Steuerung ist die Testosteronbildung gestört, was weitreichende Auswirkungen auf Stimmung, Libido, kognitive Funktionen und Knochenstoffwechsel haben kann. Männliche Neugeborene mit Hodenhochstand, also Bauch- oder Leistenhoden, haben ein besonders stark ausgeprägtes Risiko für einen Hypogonadismus und eine damit in Verbindung stehende Unfruchtbarkeit.

Ein Testosteronmangel kann heute mit einer Substitutionstherapie mittels Gel oder Depotspritzen weitgehend ausgeglichen werden. Lange galt dabei ein erhöhtes Risiko für ein Karzinom der Vorsteherdrüse als Gegenargument; nach heutigem Kenntnisstand ist ein solcher Zusammenhang nicht belegt. Ein bereits bestehender Prostatakrebs gilt allerdings weiterhin als Gegenanzeige, weshalb die Vorsteherdrüse vor und während der Behandlung regelmäßig kontrolliert wird. Da Andrologen in der Regel zugleich Urologen sind, diagnostizieren und behandeln sie auch bösartige Neubildungen der Harn- und Geschlechtsorgane. Bei älteren Männern stehen dann nicht mehr die Fragen der Fertilität von Männern, sondern Erkrankungen der Vorsteherdrüse, Prostata, im Vordergrund. Ein zu spät erkanntes Prostatakarzinom kann unbehandelt zum Tode durch Metastasierung führen, die Früherkennung gehört daher zum Alltag der urologisch tätigen Andrologen.


Diagnose & Untersuchungsmethoden

Ärzten für Männerheilkunde, Andrologen, steht, wie jeder anderen medizinischen Fachrichtung auch, das gesamte diagnostische ambulante und stationäre Spektrum zur Verfügung. Im Rahmen der urologischen Andrologie und Fortpflanzungsmedizin kommen jedoch einige fachspezifische Diagnostika zum Einsatz. Zu den wichtigsten andrologischen Diagnose- und Untersuchungsverfahren gehören bildgebende Verfahren und Hormonuntersuchungen des Blutes.

Beim ersten Kontakt zwischen Patient und Androloge wird nach der Anamnese typischerweise eine Ultraschalluntersuchung der Hoden und der Nebenhoden durchgeführt. Mit einem speziellen Ultraschallkopf lassen sich Gewebestruktur und Gewebeveränderungen in den Hoden schnell erkennen und, falls erforderlich, einer erweiterten Diagnostik zuführen. Parallel dazu kann eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, um den Testosteronspiegel und andere wichtige Hormone wie FSH, LH und Prolaktin zu bestimmen. Auch ein Urinstatus gehört zur Standarduntersuchung in der andrologischen Sprechstunde.

So kann der Androloge entzündliche Veränderungen im Bereich der ableitenden Harnwege am besten diagnostizieren. Um eine Fertilitätsstörung besser eingrenzen zu können, bedient sich die Andrologie oft des sogenannten Spermiogramms als In-vitro-Diagnostikum. Im Ejakulat des Mannes werden Zahl und Motilität der vorhandenen Spermien unter dem Lichtmikroskop untersucht. Zudem kann das Ejakulat auch auf seine chemisch-biologische Zusammensetzung untersucht werden.

In der Reproduktionsmedizin ist es außerdem möglich, die gewonnenen Spermien für eine spätere künstliche Befruchtung in flüssigem Stickstoff bei -196 Grad Celsius in einer Samenbank tiefzugefrieren. Wird aufgrund eines Hypogonadismus eine Testosteronersatztherapie durchgeführt, dann gehört auch das frühzeitige Erkennen von Kontraindikationen zu den Aufgaben des Andrologen. Bei speziellen andrologischen Fragestellungen kommen darüber hinaus humangenetische Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Denn viele sogenannte Chromosomenaberrationen können nicht nur zu einer eingeschränkten Fertilität, sondern auch zu einer Unterentwicklung der primären und sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale führen.

Zusatz-Weiterbildung und Qualifikation

Der Weg zum Andrologen führt in Deutschland stets über eine bereits abgeschlossene Facharztweiterbildung. Erst darauf baut die Zusatz-Weiterbildung Andrologie auf, die an keinen bestimmten Facharzt gebunden ist, in der Praxis aber überwiegend von Urologen erworben wird. Daneben kommen Fachärzte für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Endokrinologie und Hautärzte in Betracht, weil beide Gebiete an den hormonellen und an den infektiologischen Fragestellungen der Männerheilkunde unmittelbar beteiligt sind.

Die Weiterbildung umfasst unter anderem die Bewertung von Hormonbefunden, die Untersuchung des Ejakulats im Labor, die Ursachenklärung von Fruchtbarkeitsstörungen, die Beratung zu Möglichkeiten und Grenzen der Fortpflanzungsmedizin sowie die Behandlung von Störungen der Sexualfunktion. Abgeschlossen wird sie mit einer Prüfung vor der zuständigen Landesärztekammer. Da das ärztliche Weiterbildungsrecht in Deutschland bei den Landesärztekammern liegt, unterscheiden sich die Anforderungen zwischen den Bundesländern im Detail.

Auf europäischer Ebene besteht darüber hinaus eine wissenschaftliche Gesellschaft, die ein eigenes Zertifikat für klinisch tätige Andrologen vergibt und dafür Prüfungen und regelmäßige Nachweise verlangt. Eine Besonderheit der Andrologie ist, dass an ihr auch nichtärztliche Berufe beteiligt sind: Die Untersuchung des Ejakulats setzt geschultes Laborpersonal voraus, und die Reproduktionsmedizin arbeitet mit spezialisierten Biologen zusammen.

Abgrenzung zu Nachbarfächern

Die Andrologie wird häufig mit der Urologie gleichgesetzt, was den Zuschnitt beider Fächer verfehlt. Die Urologie ist für die harnableitenden Organe bei Männern, Frauen und Kindern sowie für die männlichen Geschlechtsorgane zuständig – von der Nierensteinbehandlung über die Krebsbehandlung bis zur Inkontinenz. Die Andrologie greift daraus einen schmaleren Ausschnitt heraus: die Fortpflanzungsfähigkeit des Mannes, seinen Hormonhaushalt und die Sexualfunktion.

Als Gegenstück zur Gynäkologie wird die Andrologie oft bezeichnet, doch trägt der Vergleich nur zum Teil. Die Gynäkologie ist ein eigenes Facharztgebiet mit Geburtshilfe, Krebsvorsorge und operativer Tätigkeit, während die Andrologie eine Zusatzqualifikation innerhalb anderer Gebiete darstellt und keinen vergleichbaren Vorsorgeauftrag für alle Männer besitzt.

Zur Endokrinologie bestehen Überschneidungen überall dort, wo die Steuerung der Keimdrüsen durch übergeordnete Hirnanhangsdrüsenhormone betroffen ist, etwa bei Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse oder bei Störungen der Schilddrüse, die sich auf die Fruchtbarkeit auswirken können. Zur Dermatologie führt der Weg über die sexuell übertragbaren Erkrankungen, die traditionell in dieses Gebiet fallen. Von der Sexualmedizin unterscheidet sich die Andrologie dadurch, dass jene die seelischen und partnerschaftlichen Aspekte des Sexuallebens in den Mittelpunkt stellt, während die Andrologie von den körperlichen Grundlagen ausgeht; in der Behandlung von Erektionsstörungen greifen beide ineinander. Bei Jungen mit Störungen der Geschlechtsentwicklung oder ausbleibender Pubertät arbeitet die Andrologie mit der Kinder- und Jugendmedizin zusammen.

Der Weg in die andrologische Sprechstunde

Anders als bei Frauen, die über die Krebsvorsorge regelmäßig eine fachärztliche Anlaufstelle haben, fehlt Männern ein selbstverständlicher Zugang. Die meisten Patienten kommen daher erst, wenn ein konkreter Anlass besteht. Der häufigste ist ein unerfüllter Kinderwunsch, bei dem in der Regel zunächst die Partnerin untersucht wird und der Mann erst danach hinzugezogen wird – ein Ablauf, den die Andrologie kritisch sieht, weil die Ursachen bei beiden Partnern etwa gleich häufig liegen und die Untersuchung des Mannes vergleichsweise wenig aufwendig ist.

Weitere Zugangswege führen über den Hausarzt, der bei Erschöpfung, Antriebsverlust oder Erektionsstörungen den Verdacht auf eine hormonelle Ursache äußert, über den behandelnden Urologen oder über ein Kinderwunschzentrum, das eine andrologische Mitbeurteilung anfordert. In der Sprechstunde selbst steht am Anfang ein ausführliches Gespräch, in dem auch nach Vorerkrankungen, Operationen im Bereich des Unterleibs, durchgemachten Entzündungen wie Mumps nach der Pubertät, Medikamenten, beruflichen Belastungen und den Lebensgewohnheiten gefragt wird. Es folgt die körperliche Untersuchung mit Beurteilung von Größe und Beschaffenheit der Hoden, der Nebenhoden und der Samenstränge.

Weil viele der Beschwerden mit Scham besetzt sind, spielt die Gesprächsführung in diesem Fach eine besondere Rolle. Nicht selten schildern Patienten zunächst einen anderen Anlass und bringen das eigentliche Anliegen erst am Ende der Sprechstunde vor.

Behandlungswege bei unerfülltem Kinderwunsch

Zeigt die Untersuchung des Ejakulats eine eingeschränkte Zahl, Beweglichkeit oder Form der Spermien, schließt sich die Ursachensuche an. Findet sich eine Varikozele, also eine Erweiterung der Venen am Samenstrang, kommt ein Eingriff in Betracht, bei dem die betroffenen Gefäße unterbunden oder verschlossen werden; ob sich die Fruchtbarkeit dadurch verbessert, wird in der Fachliteratur unterschiedlich beurteilt. Liegt die Ursache in einer Störung der übergeordneten hormonellen Steuerung, kann eine Hormontherapie die Bildung der Samenzellen wieder in Gang bringen. Entzündungen der ableitenden Samenwege werden nach Erregernachweis behandelt.

Findet sich im Ejakulat gar keine Samenzelle, lässt sich in einem Teil der Fälle unmittelbar aus dem Hodengewebe Material gewinnen. Bei diesem operativen Eingriff werden kleine Gewebeproben aus dem Hoden entnommen und im Labor auf verwertbare Zellen durchsucht. Sind Samenzellen vorhanden, kommen die Verfahren der Fortpflanzungsmedizin in Betracht: die Übertragung aufbereiteter Samenzellen in die Gebärmutter, die In-vitro-Fertilisation oder die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion, bei der eine einzelne Samenzelle unmittelbar in die Eizelle eingebracht wird. Welches Verfahren infrage kommt, hängt vom Befund beider Partner ab; die Entscheidung fällt gemeinsam mit der Reproduktionsmedizin.

Einen eigenen Bereich bildet der Erhalt der Fruchtbarkeit vor Behandlungen, die die Samenbildung schädigen können. Vor einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung im Beckenbereich wird Männern deshalb angeboten, Samenzellen einfrieren und lagern zu lassen. Die Beratung darüber gehört zu den Aufgaben der Andrologie und sollte vor Beginn der Krebsbehandlung erfolgen, weil sie danach nicht nachgeholt werden kann.

Auch genetische Ursachen spielen eine Rolle. Das Klinefelter-Syndrom, bei dem ein zusätzliches Geschlechtschromosom vorliegt, zählt zu den häufigeren Chromosomenveränderungen beim Mann und bleibt oft bis zur Abklärung eines Kinderwunsches unerkannt. Bei Mukoviszidose und bei Anlageträgern dieser Erkrankung können die Samenleiter fehlen oder verschlossen sein. Vor einer künstlichen Befruchtung wird deshalb in bestimmten Fällen eine genetische Beratung empfohlen.

Männergesundheit und Vorsorge

Über die Fortpflanzung hinaus versteht sich die Andrologie zunehmend als Fach der Männergesundheit. Dahinter steht die Beobachtung, dass Männer ärztliche Angebote seltener und später in Anspruch nehmen als Frauen. Die gesetzliche Krebsfrüherkennung sieht für Männer ab einem bestimmten Lebensalter eine jährliche Untersuchung der Vorsteherdrüse und der äußeren Geschlechtsorgane vor; die Beteiligung daran gilt als niedrig.

Bösartige Hodentumoren betreffen im Unterschied zum Prostatakarzinom vor allem jüngere Männer. Sie fallen meist als schmerzlose Verhärtung oder Schwellung auf, weshalb der Tastbefund im Rahmen einer andrologischen Untersuchung Bedeutung hat. Ein früher Hodenhochstand gilt als Risikofaktor; deshalb werden Männer mit dieser Vorgeschichte besonders beobachtet.

Bei der Sprechstunde des älteren Mannes geht es neben der Vorsteherdrüse um Beschwerden, die sich nicht ohne Weiteres einem Organ zuordnen lassen: nachlassende Leistungsfähigkeit, Antriebsarmut, Abnahme der Muskelmasse, Zunahme des Bauchfetts und Verlust an Knochendichte. Die Andrologie prüft in solchen Fällen, ob ein messbarer Hormonmangel vorliegt oder ob die Beschwerden auf anderen Ursachen beruhen, etwa auf Übergewicht, Diabetes mellitus, Schlafstörungen oder einer Depression. Der Begriff der „Wechseljahre des Mannes“ ist in der Fachwelt umstritten, weil es beim Mann keinen dem Ende der weiblichen Fruchtbarkeit vergleichbaren Einschnitt gibt.

Zu den Faktoren, die die Samenqualität beeinträchtigen können, zählen nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand Rauchen, starker Alkoholkonsum, ausgeprägtes Übergewicht, anhaltende Wärmeeinwirkung auf den Hodenbereich sowie der Missbrauch von Anabolika, der die körpereigene Hormonbildung unterdrückt und die Samenbildung über längere Zeit zum Erliegen bringen kann. Auch bestimmte Medikamente und der berufliche Umgang mit einzelnen Chemikalien werden in diesem Zusammenhang untersucht.

Geschichte der Andrologie

Die Beobachtung menschlicher Samenzellen unter dem Mikroskop gelang im 17. Jahrhundert, doch blieb ihre Bedeutung lange umstritten. Über Jahrhunderte wurde Kinderlosigkeit fast ausschließlich der Frau zugeschrieben; eine ärztliche Untersuchung des Mannes war unüblich. Erst mit der Entwicklung verlässlicher Labormethoden ließ sich der männliche Anteil an der ungewollten Kinderlosigkeit belegen.

Einen entscheidenden Schub brachte die Hormonforschung. In den 1930er Jahren gelang die Isolierung und die künstliche Herstellung des Testosterons, wofür 1939 der Nobelpreis für Chemie verliehen wurde. Damit war die Grundlage sowohl für das Verständnis des Hormonmangels als auch für dessen Behandlung gelegt. Der Begriff Andrologie für ein eigenes Arbeitsgebiet setzte sich in Deutschland erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch; in dieser Zeit entstanden auch die ersten Fachgesellschaften und Lehrbücher.

Die Untersuchung des Ejakulats wurde durch international einheitliche Vorgaben vergleichbar gemacht, die von der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben und mehrfach überarbeitet wurden. Ein weiterer Einschnitt war Anfang der 1990er Jahre die Einführung der Spermieninjektion in die Eizelle: Seither können auch Männer mit sehr wenigen oder wenig beweglichen Samenzellen leibliche Kinder zeugen, was den Bedarf an andrologischer Abklärung erheblich vergrößert hat.

Rezeptfreier Fruchtbarkeitstest für Männer

Hier Informieren:

  • Wie gut ist Ihr Sperma? - Fruchtbarkeitstest zu Hause machen

Quellen

  • Nieschlag, E. (Hrsg.): Andrologie.
    ISBN: 9783662619018
  • Gschwend, J. E., Hautmann, R. (Hrsg.): Urologie.
    ISBN: 9783662736524
  • Schaaf, C. P., Zschocke, J.: Basiswissen Humangenetik.
    ISBN: 9783662561461
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443488

Das könnte Sie auch interessieren