Cabazitaxel

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Der medizinische Wirkstoff Cabazitaxel wird halbsynthetisch gewonnen und zählt zu den sogenannten Zytostatika. Als solches kommt Cabazitaxel im Rahmen der Behandlung eines bereits fortgeschrittenen Prostatakrebs zum Einsatz. Eine Indikation besteht vor allem bei Krebsformen, die durch eine Kastration nicht behoben werden können. Seine Wirksamkeit erreicht Cabazitaxel durch eine Hemmung der Zellteilungsphase der Krebszellen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Cabazitaxel?

Cabazitaxel
Die Herstellung von Cabazitaxel erfolgt halbsynthetisch aus dem Naturstoff 10-Deacetylbaccatin III. Dieser wird durch Extraktion aus Eibennadeln gewonnen.
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Cabazitaxel ist ein wichtiges Zytostatikum. Unter diesem Begriff werden verschiedene Substanzen zusammengefasst, die als Teil einer umfassenden Chemotherapie zur Behandlung verschiedener Krebsformen eingesetzt werden können.

Das Anwendungsgebiet von Cabazitaxel stellen diverse Formen des Prostatakrebs dar. Hierbei wird der Wirkstoff hauptsächlich als Zweitlinienmedikament eingesetzt. Das bedeutet, dass Cabazitaxel vorrangig dann eingesetzt wird, wenn eine vorangegangene Behandlung nicht mehr ausreichend wirkt. Der Stoff wird halbsynthetisch gewonnen und in der Chemie und Pharmakologie durch die Summenformel C 45 – H 57 – N – O 14 beschrieben.

Cabazitaxel liegt bei Zimmertemperatur als weißer Feststoff vor und wird u. a. in dem Präparat Jevtana® verwendet. Es besteht eine Zulassung für die Europäische Union (EU). Allerdings unterliegt Cabazitaxel in jedem Mitgliedsstaat der Verschreibungs- und Apothekenpflicht. Die Verabreichung erfolgt, da es sich um eine Chemotherapie handelt, ausschließlich als Infusionslösung unter medizinischer Aufsicht. Die selbständige Einnahme durch den Patienten ist damit ausgeschlossen.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Die Herstellung von Cabazitaxel erfolgt halbsynthetisch aus dem Naturstoff 10-Deacetylbaccatin III. Dieser wird durch Extraktion aus Eibennadeln gewonnen.

Seine Wirksamkeit erreicht Cabazitaxel durch eine Hemmung der Zellteilungsphase. Hierdurch wird es Krebszellen unmöglich, den einmal aufgebauten Spindelapparat wieder abzubauen. Die Effekte von Cabazitaxel gelten deshalb als zytotoxisch.

Aufgrund der Funktionsweise des Wirkmechanismus kann Cabazitaxel auch als Mitosehemmer bezeichnet werden.

Der Angriffspunkt ist das Netzwerk der Mikrotubuli, feiner röhrenförmiger Gebilde im Inneren der Zelle. Cabazitaxel bindet an deren Baustein Tubulin, unterstützt dessen Einbau in die Röhrchen und wirkt zugleich ihrem Abbau entgegen. Die Mikrotubuli werden dadurch festgelegt, und die Zelle verliert die Fähigkeit, sie umzubauen. Gehemmt werden auf diese Weise nicht nur die Vorgänge der Zellteilung selbst, sondern auch Zellfunktionen in der Zeit zwischen zwei Teilungen.

Bemerkenswert ist die Wirkung des Stoffes in Modellen, in denen eine Chemotherapie einschließlich Docetaxel nicht angesprochen hatte: Auch dort zeigte Cabazitaxel eine Aktivität. Dazu passt die Stellung des Wirkstoffs als Mittel für die Zeit nach dem Versagen der ersten Chemotherapie. Die Befunde zum erbgutschädigenden Potenzial der Substanz, das sich in Untersuchungen als vermehrtes Auftreten überzähliger Chromosomensätze gezeigt hat, decken sich nach der Fachinformation mit eben dieser pharmakologischen Wirkung, der Hemmung des Tubulinabbaus.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Eine Indikation von Cabazitaxel besteht zusammen mit den Wirkstoffen Prednisolon oder Prednison zur Therapie von Erwachsenen, die an einem hormonrefraktären metastasierten Karzinom an der Prostata erkrankt sind, und bereits mit einem Docetaxel-basierten Therapiekonzept behandelt wurden.

Demnach stellt das wichtigste Anwendungsgebiet von Cabazitaxel die Behandlung von kastrationsresistentem Prostatakrebs dar, der bereits im Voraus mit einer Chemotherapie behandelt wurde. Folglich handelt es sich bei Cabazitaxel um ein Zweitlinienmedikament. Es kommt somit erst dann zum Einsatz, wenn eine vorangegangene Behandlung versagt hat (sogenannte Zweitlinientherapie).

Cabazitaxel wird ausschließlich als Konzentrat zusammen mit einem entsprechenden Lösungsmittel vertrieben. Medizinisches Fachpersonal stellt aus dem Konzentrat und dem Lösungsmittel eine Infusionslösung her. Diese klare, gelbe oder bräunlich-gelbe Infusionslösung wird als ölig beschrieben und dem Patienten intravenös verabreicht. Dieses Vorgehen ist typisch für eine Chemotherapie, da hierdurch eine Einnahme unter Bewachung durch qualifiziertes Personal gesichert ist. Eine selbständige Einnahme durch den Patienten (etwa oral in Form von Filmtabletten) findet nicht statt.

Die Vergabe erfolgt im dreiwöchigen Turnus. Die jeweilige Dosierung wird mit 25 mg/m2 KOF festgesetzt. Die Dauer der Infusion beträgt in der Regel eine Stunde, wobei mit dieser, zusätzlich zu Cabazitaxel, oft auch andere Wirkstoffe wie Prednison oder Prednisolon verabreicht werden. Voraussetzung des Einsatzes von Cabazitaxel ist, dass der Patient mehr als 1500 neutrophile Granulozyten pro Kubikmillimeter im Blut aufweist.


Verabreichung & Dosierung

Die Verabreichung und Dosierung von Cabazitaxel erfordert besondere Sorgfalt, da es sich um ein stark wirksames Zytostatikum handelt, das vor allem bei metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs eingesetzt wird.

Die empfohlene Standarddosis beträgt 25 mg/m² Körperoberfläche, verabreicht als intravenöse Infusion über eine Stunde alle drei Wochen. Da Cabazitaxel schwere Nebenwirkungen wie Neutropenie verursachen kann, wird die Dosis beim Auftreten solcher Beschwerden auf 20 mg/m² verringert; auch bei leicht eingeschränkter Leberfunktion ist diese verringerte Dosis vorgesehen. Für ältere Patienten sieht die Fachinformation dagegen keine gesonderte Dosisanpassung vor.

Vor der Infusion muss eine Prämedikation erfolgen, um Überempfindlichkeitsreaktionen und Nebenwirkungen zu minimieren. Diese umfasst üblicherweise:

  • Antihistaminikum (z. B. Diphenhydramin, ein H1-Blocker)
  • Kortikosteroid (z. B. Dexamethason 8 mg)
  • H2-Blocker

Früher wurde für den letzten Punkt meist Ranitidin verwendet. Die Zulassungen ranitidinhaltiger Arzneimittel ruhen in der Europäischen Union jedoch seit Ende 2020, weil in ihnen die als wahrscheinlich krebserzeugend eingestufte Verunreinigung N-Nitrosodimethylamin gefunden wurde.

Da Cabazitaxel überwiegend über die Leber abgebaut wird, ist es bei schwerer Leberfunktionsstörung kontraindiziert; bereits bei einer leichten Einschränkung der Leberfunktion muss die Dosis verringert werden.

Die Infusion darf nicht als Bolusinjektion erfolgen und muss über einen Infusionsschlauch mit 0,22-µm-Filter verabreicht werden. Eine sorgfältige Kontrolle der Blutwerte ist vor jeder Gabe erforderlich, insbesondere von Neutrophilen, um das Risiko schwerer Infektionen zu minimieren. Im ersten Behandlungszyklus und vor jedem weiteren Zyklus ist dafür ein Differenzialblutbild in wöchentlichem Abstand vorgesehen, damit die Dosis bei Bedarf angepasst werden kann. Die Behandlung darf erst wieder aufgenommen werden, wenn die Zahl der neutrophilen Granulozyten den in der Fachinformation genannten Wert wieder erreicht hat.

Neben dem Blutbild ist auf den Flüssigkeits- und Salzhaushalt zu achten. Treten Durchfälle auf, werden die üblichen Mittel dagegen eingesetzt und der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen; besonderes Augenmerk gilt dabei dem Kaliumwert. Nach einer vorangegangenen Bestrahlung im Bauch- und Beckenbereich treten Durchfälle häufiger auf, bei älteren Menschen häufiger eine Austrocknung. Bei Übelkeit und Erbrechen stehen ebenfalls die üblichen Mittel zur Verfügung. Vor Behandlungsbeginn, bei jeder Blutuntersuchung und bei jeder gemeldeten Veränderung der Urinmenge wird außerdem der Kreatininwert im Blut bestimmt.

Risiken & Nebenwirkungen

Cabazitaxel kann – wie alle anderen Zytostatika, die zur Behandlung einer Krebserkrankung eingesetzt werden – zu teils schweren Nebenwirkungen führen. Hierzu zählen u. a. eine länger andauernde, d. h. mehr als eine Woche anhaltende Neutropenie, febrile Neutropenie oder starker Durchfall (Diarrhö). Einer auftretenden Diarrhö kann zwar mit Elektrolyt- und Flüssigkeitssubstitution begegnet werden, allerdings sollte dennoch die Behandlung vorübergehend ausgesetzt und die Dosis sodann verringert werden.

Zu den weiteren Nebenwirkungen von Cabazitaxel zählen Fieber, allgemeine Schwächegefühle, generelles Unwohlbefinden, starke und andauernde Ermüdung, Rücken- sowie Abdominalschmerzen.

Da Cabazitaxel vorwiegend über die Leber verstoffwechselt (metabolisiert) wird, besteht für Patienten mit schweren Leberschäden eine Kontraindikation. Sie dürfen Cabazitaxel nicht einnehmen. Menschen, die an leichten oder mittleren Funktionsstörungen der Leber leiden, müssen ihren Arzt informieren. Die Dosierung ist entsprechend zu verringern oder ein anderer Wirkstoff einzusetzen.

Cabazitaxel kann zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen. Das kann insbesondere bei einer Einnahme von CYP3A-Inhibitoren wie Ketoconazol oder von CYP3A-Induktoren wie Rifampicin der Fall sein.

Nach der Einnahme von Cabazitaxel können Müdigkeitssymptome auftreten. Schwere Maschinen dürfen deshalb nicht bedient werden. Auch die Teilnahme am Straßenverkehr ist eingeschränkt. Darüber hinaus darf Cabazitaxel nicht verabreicht werden, wenn eine Unverträglichkeit bekannt ist.

Die Fachinformation hebt über die bereits genannten Punkte hinaus mehrere Warnbereiche hervor. Der erste betrifft Überempfindlichkeitsreaktionen, die schon wenige Minuten nach Beginn der Infusion auftreten können; besonders während der ersten beiden Infusionen ist deshalb eine engmaschige Überwachung erforderlich, und es muss die Möglichkeit bestehen, einen Blutdruckabfall und eine Verkrampfung der Bronchien sofort zu behandeln. Bei einer schwerwiegenden Reaktion ist die Infusion sofort abzubrechen und die Behandlung mit dem Wirkstoff zu beenden.

Der zweite Bereich betrifft den Magen-Darm-Trakt. Bauchschmerzen und Druckempfindlichkeit, Fieber, anhaltende Verstopfung oder Durchfall können erste Anzeichen einer schwerwiegenden Schädigung sein und müssen sofort abgeklärt werden. Berichtet wurden Blutungen, Durchbrüche der Darmwand, ein Darmverschluss und eine Dickdarmentzündung, auch mit tödlichem Ausgang. Ein erhöhtes Risiko tragen Menschen mit einer Verminderung der neutrophilen Granulozyten, ältere Menschen, Menschen unter gerinnungshemmender Begleitbehandlung sowie Menschen mit einer Bestrahlung des Beckens oder mit Magen-Darm-Erkrankungen in der Vorgeschichte.

Ein dritter Bereich sind Nervenschädigungen. Beobachtet wurden Erkrankungen der peripheren Nerven, die sich als Schmerzen, Brennen, Kribbeln, Gefühllosigkeit oder Schwäche äußern. Vor jeder Behandlung ist zu prüfen, ob eine solche Nervenschädigung vorliegt oder sich verschlechtert hat.

Hinzu kommen die Blutarmut, für die vor Behandlungsbeginn und bei entsprechenden Anzeichen der Hämoglobinwert zu bestimmen ist, das Risiko eines Nierenversagens, dem durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Bestimmung des Kreatininwertes begegnet wird, sowie Erkrankungen der Atemwege in Gestalt einer Entzündung des Lungengewebes. Schließlich hat Cabazitaxel wegen der Erschöpfung und des Schwindels, die es auslösen kann, einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit.

Zur Verminderung der neutrophilen Granulozyten, der häufigsten unerwünschten Wirkung, kann vorbeugend ein Wachstumsfaktor für weiße Blutkörperchen gegeben werden. Empfohlen wird das vor allem bei Menschen mit besonderen Risikofaktoren, etwa höherem Lebensalter, schlechtem Allgemein- oder Ernährungszustand, vorangegangener febriler Neutropenie, intensiver vorheriger Strahlenbehandlung oder schwerwiegenden Begleiterkrankungen.

Kontraindikationen

Die Verwendung von Cabazitaxel ist bei bestimmten Patienten kontraindiziert, da das Medikament schwere Nebenwirkungen verursachen kann. Eine der wichtigsten Kontraindikationen ist eine schwere Neutropenie (Anzahl der Neutrophilen < 1.500/mm³). Da Cabazitaxel das Knochenmark stark beeinträchtigt, kann es das Infektionsrisiko erheblich erhöhen.

Auch bei schwer eingeschränkter Leberfunktion – bemessen unter anderem am Bilirubin-Wert – ist Cabazitaxel kontraindiziert, da das Medikament in der Leber metabolisiert wird und eine unzureichende Ausscheidung zu toxischen Wirkungen führen kann.

Patienten mit schweren Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Cabazitaxel oder einen der Hilfsstoffe, insbesondere Polysorbat 80, dürfen das Medikament nicht erhalten, da es zu potenziell lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen führen kann. Dasselbe gilt für eine bekannte Überempfindlichkeit gegen andere Taxane.

Als weitere Gegenanzeige führt die Fachinformation die gleichzeitige Impfung mit einem Gelbfieberimpfstoff auf. Bei einer kürzlich aufgetretenen oder aktiven schweren Infektion, insbesondere bei Sepsis oder febriler Neutropenie, ist dagegen besondere Vorsicht geboten, da das Immunsystem durch die Therapie weiter geschwächt würde.

Bei einer Nierenerkrankung im Endstadium (Kreatinin-Clearance < 15 ml/min) wird Cabazitaxel wegen des Zustands dieser Patienten und der begrenzten Datenlage nur mit Vorsicht und unter sorgfältiger Überwachung angewendet; bei geringerer Einschränkung der Nierenfunktion ist keine Anpassung der Dosis nötig.

Cabazitaxel ist nicht zur Anwendung bei Frauen bestimmt; es wirkt fruchtschädigend und kann ein ungeborenes Kind gefährden. Männer sollten während der Behandlung und für vier Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Der Grund für diese Verhütungsempfehlung ist das erbgutschädigende Potenzial des Wirkstoffs. Ebenso sollen Männer vor Beginn der Behandlung darauf hingewiesen werden, sich hinsichtlich einer Konservierung von Samenzellen beraten zu lassen: Ein Einfluss der Taxane auf die männliche Fruchtbarkeit lässt sich beim Menschen nicht ausschließen.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Cabazitaxel wird vorwiegend durch das Cytochrom-P450-Enzymsystem (CYP3A4) in der Leber metabolisiert, wodurch es mit zahlreichen Medikamenten interagieren kann.

Starke CYP3A4-Inhibitoren wie Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin und Ritonavir sowie Grapefruitsaft können den Abbau von Cabazitaxel hemmen, was zu erhöhten Plasmaspiegeln und verstärkten Nebenwirkungen führt. Deshalb sollte die gleichzeitige Einnahme vermieden oder die Dosis von Cabazitaxel bei unvermeidbarer Gabe angepasst werden.

Starke CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin oder Johanniskraut können den Abbau von Cabazitaxel beschleunigen, was die Wirksamkeit verringern kann. Falls diese Medikamente erforderlich sind, kann eine alternative Therapie oder engmaschige Überwachung der Cabazitaxel-Wirkung notwendig sein.

Cabazitaxel kann die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen: Es hemmt das Transporteiweiß OATP1B1, sodass Wirkstoffe wie Statine, Valsartan oder Repaglinid im Blut ansteigen können. Zwischen deren Einnahme und der Infusion wird deshalb ein zeitlicher Abstand eingehalten. Patienten, die Antikoagulanzien einnehmen, sollten sorgfältig überwacht werden, da Cabazitaxel die Zahl der Blutplättchen senken und dadurch das Blutungsrisiko erhöhen kann.

Zusätzlich kann Cabazitaxel in Kombination mit anderen myelosuppressiven Medikamenten wie Cisplatin oder anderen Zytostatika zu einer verstärkten Knochenmarkssuppression führen. Daher sollte die gleichzeitige Gabe sorgfältig abgewogen und das Blutbild regelmäßig überwacht werden.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Cabazitaxel nicht vertragen wird oder Kontraindikationen bestehen, gibt es verschiedene alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe, die je nach Krankheitsverlauf und Patientenstatus eingesetzt werden können.

Eine Sonderstellung nimmt Docetaxel ein, der andere Taxan-Wirkstoff in dieser Erkrankung. Es ist keine Alternative im eigentlichen Sinne, sondern der Vorgänger: Docetaxel ist die erste Chemotherapie beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakrebs, und Cabazitaxel kommt gerade dann zum Einsatz, wenn eine Behandlung mit Docetaxel vorangegangen ist. Als Ausweichmöglichkeit kommt Docetaxel deshalb nur dort in Betracht, wo es zuvor nicht ausgeschöpft wurde.

Falls eine Chemotherapie nicht möglich oder gewünscht ist, stehen neue Hormontherapien zur Verfügung. Abirateronacetat (ein CYP17-Inhibitor) und Enzalutamid (ein Androgenrezeptor-Antagonist) sind effektive Wirkstoffe, die das Wachstum von Prostatakrebs durch Hemmung der Androgenproduktion oder Blockade der Androgenrezeptoren verlangsamen. Diese Medikamente sind besonders für Patienten geeignet, die nicht auf Chemotherapie ansprechen oder sie nicht vertragen.

Eine weitere Option ist die Radionuklidtherapie mit Lutetium-177-PSMA, die gezielt Krebszellen mit PSMA-Expression angreift. Auch Bisphosphonate oder Denosumab können ergänzend eingesetzt werden, um Komplikationen bereits bestehender Knochenmetastasen wie Brüchen vorzubeugen.

Zu den zielgerichteten Möglichkeiten zählen die Hemmstoffe des Enzyms PARP, das an der Reparatur von Schäden am Erbgut beteiligt ist. Sie kommen für jene Erkrankten in Betracht, deren Tumor bestimmte Veränderungen in den Reparaturgenen aufweist; die Auswahl setzt also eine molekulargenetische Untersuchung voraus. Bei Knochenmetastasen steht darüber hinaus das radioaktive Radium-223 zur Verfügung, das sich im Knochen anreichert und dort gezielt wirkt.

Schließlich können je nach individueller Situation Immuntherapien, weitere zielgerichtete Therapien oder klinische Studien mit neuen Substanzen eine Alternative sein.

Quellen

  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Engelhardt, M., Mertelsmann, R., Duyster, J. (Hrsg.): Das Blaue Buch – Chemotherapie-Manual Hämatologie und Onkologie.
    ISBN: 9783662677483
  • Eucker, J., Scholz, C. W. (Hrsg.): Facharztwissen Hämatologie Onkologie.
    ISBN: 9783437212079
  • Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J.: Das Rote Buch – Hämatologie und Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783609512242
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223

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