Candida parapsilosis
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheitserreger Candida parapsilosis
Candida parapsilosis ist ein Hefepilz mit diploidem Chromosomensatz, der menschliche Schleimhäute befallen und eine Pilzinfektion verursachen kann. Der Pilz ist fast ubiquitär verbreitet und tritt beim Menschen normalerweise als heterotropher Kommensale auf, der sich von abgestorbenen Zellresten ernährt, ohne Schaden anzurichten. Pathogen wird Candida parapsilosis hauptsächlich bei Personen mit geschwächtem oder künstlich supprimiertem Immunsystem.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist Candida parapsilosis?
Candida parapsilosis gehört zu den Arten von Hefepilzen, die beim Menschen eine Candida-Infektion, eine Candidose, verursachen können. Der Pilz ist fast allgegenwärtig und tritt normalerweise als wenig störender Kommensale auf, der sich als Heterotroph von abgestorbenem Gewebe ernährt. Im Gegensatz zu anderen Candida Arten ist Candida parapsilosis daher kein obligat menschlicher Erreger.
Ausgesprochen pathogen kann Candida parapsilosis werden, wenn er auf ein durch Krankheit geschwächtes oder künstlich supprimiertes Immunsystem trifft. Er wird daher als opportunistischer Erreger eingestuft und tritt auch als krankenhaustypischer nosokomialer Erreger auf. Der Pilz kann auf den Schleimhäuten in Mund- und Rachenraum, im Bereich der Genitalien oder im Verdauungstrakt eine leichte bis schwerwiegende Candidose auslösen.
An den Candida-Nachweisen aus dem Blut ist Candida parapsilosis je nach Region mit einem erheblichen Anteil beteiligt. Der Pilz besitzt als besonderes Merkmal einen diploiden Chromosomensatz, pflanzt sich allerdings ausschließlich asexuell fort. Aufgrund voneinander unterscheidbarer DNA lässt sich Candida parapsilosis in die Gruppen I, II oder III unterteilen. Seit 2005 werden die Gruppen II und III allerdings als eigenständige Arten unter den Namen Candida orthopsilosis und Candida metapsilosis geführt.
Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften
Ein eventueller direkter Nachweis des Pilzes an Organen – solange keine Symptome erkennbar sind – ist schwierig. Vereinzelt wurde Candida parapsilosis eine krebserregende Wirkung zugeschrieben. Belastbare Belege dafür liegen nicht vor. Wenn eine systemische Infektion vorliegt, können schlimmstenfalls außer der Haut Muskeln, Herz und Nervensystem betroffen sein, mit z. T. schwerwiegendem Verlauf.
Insgesamt zeigt der Pilz eine Vorliebe für Schleimhäute, beispielsweise im Mund- und im Rachenbereich sowie im Darm. Da eine Besiedelung der Schleimhäute mit Candida parapsilosis als eher normal eingestuft werden kann, ist eine Abgrenzung zwischen einer eher harmlosen Besiedelung und einer pathologischen Candidose in vielen Fällen nur schwer zu treffen.
Bedeutung & Funktion
Welche positive Bedeutung Candida parapsilosis für den Körper und für den Stoffwechsel hat, wenn er als Kommensale in der Darmschleimhaut und in anderen Schleimhäuten auftritt, ist nicht hinreichend erforscht. Offensichtlich steht die potenzielle Pathogenität des Pilzes mehr im Fokus des Interesses als seine möglichen positiven Bedeutungen.
Vereinzelt wird Candida parapsilosis mit der Ausleitung giftiger Schwermetalle aus dem Körper in Verbindung gebracht. Kontrollierte Untersuchungen, die diese Annahme stützen, liegen nicht vor.
Besser belegt ist die Rolle der Art außerhalb des menschlichen Körpers. Candida parapsilosis wird regelmäßig aus Böden, aus Meerwasser, von Pflanzen und aus Lebensmitteln gewonnen und lässt sich auch bei Insekten und anderen Tieren nachweisen. Sie ist damit eine der wenigen medizinisch bedeutsamen Hefen, die nicht auf einen warmblütigen Wirt angewiesen ist – und genau das erklärt die Vielzahl möglicher Eintragswege in eine Klinik.
In der Biotechnologie ist die Art als Bildnerin fettspaltender Enzyme von Interesse. Solche Lipasen werden genutzt, um Fette gezielt umzubauen, etwa bei der Herstellung von Fettmischungen für die Lebensmittelindustrie. Weil die Art beim Menschen Infektionen auslösen kann, wird sie dafür allerdings nicht in großem Maßstab eingesetzt; bevorzugt werden Organismen ohne Krankheitswert oder es wird nur das gewonnene Enzym verwendet.
Für die Einordnung eines Laborbefundes ist dieses Umweltvorkommen wichtig: Der Nachweis der Hefe auf der Haut oder in einer Probe aus der Umgebung ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Erst wenn sie aus einem Bereich stammt, der normalerweise keimfrei ist – etwa aus dem Blut –, spricht der Befund für eine Infektion.
Krankheiten & Beschwerden
Das Risiko, an einer Candidose zu erkranken, steigt deutlich bei Menschen, deren Immunsystem durch Krankheit oder Mangelernährung geschwächt ist oder deren Immunsystem künstlich supprimiert wurde, um beispielsweise Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen mit körperfremdem Gewebe zu unterdrücken. Auch bei verschiedenen Krebsbehandlungen, die von Chemo- oder Strahlentherapien begleitet sind, steigt das Risiko einer Pilzinfektion.
Typische Erkrankungen, die mit einem erhöhten Candidose-Risiko korrelieren, sind Immunschwäche-Krankheiten wie AIDS und Diabetes mellitus. Ebenso kann sich die Infektionsgefahr durch die Einnahme bestimmter Medikamente in Form unerwünschter Nebenwirkungen erhöhen. Das ist besonders nach Behandlungen mit Antibiotika der Fall.
Ein Problem bereitet den Klinken die Eigenschaft des Candida parapsilosis, an Kathetern und Implantaten wie Herzklappenersatz oder ähnlichen Gegenständen anzuhaften und dadurch direkt in das Herz oder in andere Organe eingeführt zu werden, wo der Pilz eine schwerwiegende Infektion verursachen kann. Beispielsweise besteht nach dem Einsetzen einer synthetischen Herzklappe ein Restrisiko, an einer Endokarditis, einer Herzinnenhautinfektion, zu erkranken, die von Candida parapsilosis verursacht wird. Ein ähnliches postoperatives Risiko besteht nach dem Einsatz einer künstlichen Augenlinse. Durch anhaftende Candida-Pilze kann sich eine Endophthalmitis, eine Entzündung des Augapfels, entwickeln.
Auch Bauchfellentzündungen wurden nach Bauchfelldialysen beobachtet. In seltenen Fällen kann Candida parapsilosis eine Lungenentzündung verursachen. Zudem zeigen Neugeborene, bei denen das Immunsystem noch nicht vollständig ausgeprägt ist, eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infektionen mit Candida parapsilosis.
Systematik und Namensgebung
Candida parapsilosis gehört zur Abteilung der Schlauchpilze (Ascomycota) und dort zur Ordnung der Echten Hefen. Innerhalb der Gattung Candida zählt die Art zu der engeren Verwandtschaftsgruppe um Candida albicans und Candida tropicalis. Diese Hefen teilen eine Besonderheit im genetischen Code: Das Basentriplett CUG, das bei nahezu allen Lebewesen für den Eiweißbaustein Leucin steht, wird bei ihnen überwiegend als Serin gelesen.
Der Artname geht auf die Umstände der Erstbeschreibung zurück. Der Pilz wurde in den 1920er Jahren in Puerto Rico aus dem Stuhl eines Durchfallkranken gewonnen. Weil er dem damals mit dieser Krankheit in Verbindung gebrachten Erreger ähnelte, sich von ihm aber unterschied, erhielt er den Namenszusatz para-, also „daneben". Die Art wurde damit von Anfang an über die Abgrenzung zu Candida albicans bestimmt.
Die eingangs genannte Aufteilung in drei Gruppen hat die Systematik weiter beschäftigt. Heute spricht man von einem Artenkomplex, dem neben Candida parapsilosis im engeren Sinne die Arten Candida orthopsilosis und Candida metapsilosis angehören. Sie lassen sich mit den klassischen biochemischen Laborverfahren nicht auseinanderhalten, unterscheiden sich aber in ihrer Häufigkeit und in ihrer Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten. Ältere Angaben zu Candida parapsilosis beziehen sich daher stets auf den gesamten Komplex.
Bau und Wachstumsformen
Die Zellen sind oval bis länglich und vermehren sich durch Sprossung. Bleiben die Tochterzellen in Ketten beisammen, entstehen Pseudohyphen; echte Hyphen mit durchgehenden parallelen Wänden bildet die Art nicht. Auffällig sind ungewöhnlich große, gekrümmte Zellen, die neben den gewöhnlichen Sprosszellen auftreten können und im mikroskopischen Bild als Hinweis auf die Art gelten.
Auf Nährböden wachsen weiße bis cremefarbene Kolonien, deren Aussehen innerhalb derselben Art stark schwanken kann: Manche Stämme bilden glatte, glänzende Kolonien, andere gefaltete oder von Furchen durchzogene. Diese Vielgestaltigkeit erschwert die Beurteilung nach dem bloßen Augenschein.
Der Aufbau der Zelle entspricht dem anderer Hefen. Eine zweischichtige Zellwand aus Chitin, Glucanen und Mannoproteinen umschließt die Zelle, die Zellmembran darunter enthält Ergosterol anstelle des menschlichen Cholesterins. An diesen Bausteinen greifen die gängigen Antimykotika an. Das Erbgut liegt im Zellkern auf mehreren Chromosomen; eine geschlechtliche Vermehrung ist nicht bekannt, was bedeutet, dass sich Nachkommen genetisch kaum von der Mutterzelle unterscheiden.
Krankheitsentstehung
Candida parapsilosis unterscheidet sich von den übrigen krankmachenden Hefen vor allem darin, woher er kommt. Bei Candida albicans stammt der Erreger einer schweren Infektion in der Regel aus der eigenen Besiedlung des Betroffenen. Bei Candida parapsilosis ist das anders: Der Pilz besiedelt regelmäßig die gesunde menschliche Haut und die Umgebung der Fingernägel, und von dort gelangt er über die Hände des Personals, über Infusionslösungen, Schläuche und Geräte an den Patienten. Infektionen mit dieser Art treten daher gehäuft als Ausbrüche auf, bei denen sich mehrere Erkrankte auf eine gemeinsame Quelle zurückführen lassen.
Der entscheidende Virulenzfaktor ist die Fähigkeit, auf glatten Kunststoffoberflächen Biofilme zu bilden — dichte Zellverbände unter einer selbst gebildeten Schleimschicht. In einem solchen Verband sind die Hefen gegenüber Medikamenten und Abwehrzellen erheblich unempfindlicher als einzeln schwimmende Zellen; deshalb lässt sich eine an einen Katheter gebundene Infektion häufig erst beherrschen, wenn dieser entfernt wird. Begünstigt wird die Biofilmbildung durch zucker- und fettreiche Lösungen, wie sie bei künstlicher Ernährung über die Vene verwendet werden. Dazu passt, dass der Pilz Fett spaltende Enzyme ausscheidet und solche Nährstoffe gut verwerten kann.
Gewebeauflösende Eigenschaften sind bei dieser Art schwächer ausgeprägt als bei Candida albicans; die Art gilt als vergleichsweise wenig aggressiv. Ihre Bedeutung erklärt sich weniger aus der Angriffskraft als aus dem Zugangsweg: Wird sie über einen Zugang unmittelbar in die Blutbahn eingebracht, entfallen die Barrieren aus Haut und Schleimhaut, die sie sonst nicht überwinden könnte.
Nachweis und Diagnostik
Untersucht werden je nach Fragestellung Abstriche, Nagel- und Hautmaterial, Blut, Kathetermaterial oder Flüssigkeit aus Körperhöhlen. Unter dem Mikroskop zeigen sich Sprosszellen und Pseudohyphen; die beiden klassischen Schnelltests, mit denen Candida albicans erkannt wird, fallen bei Candida parapsilosis negativ aus: Der Pilz treibt in Blutserum keine Keimschläuche aus und bildet keine dickwandigen Dauerzellen.
Angezüchtet wird auf Sabouraud-Agar; auf chromogenen Nährböden hebt sich die Art farblich von Candida albicans ab. Verlässlich bestimmt wird sie heute massenspektrometrisch, indem das Eiweißmuster einer Kolonie mit einer Datenbank verglichen wird; nur so lassen sich auch die drei Arten des Komplexes voneinander trennen. Ergänzend kommen Verfahren zum Einsatz, die Abschnitte des Erbguts vervielfältigen (Polymerase-Kettenreaktion).
Wird der Pilz aus dem Blut angezüchtet, gehört zur Abklärung stets die Suche nach der Quelle. Untersucht werden dabei liegende Zugänge und Katheterspitzen. Bei einem Verdacht auf einen Ausbruch werden die Stämme mehrerer Erkrankter miteinander verglichen, um festzustellen, ob es sich um denselben Stamm handelt. Ein Nachweis auf der Haut oder von einem Abstrich beweist dagegen keine Erkrankung, da die Besiedlung weit verbreitet ist.
Resistenzlage
Die im Abschnitt über Vorkommen genannte verminderte Empfindlichkeit gegenüber Echinocandinen hat eine genetische Grundlage: Das Enzym, das die Glucane der Zellwand herstellt und von diesen Wirkstoffen gehemmt wird, ist bei Candida parapsilosis von Natur aus etwas anders gebaut. Das ist keine erworbene Resistenz einzelner Stämme, sondern ein Merkmal der Art. Die Wirkstoffe werden dennoch eingesetzt, wirken bei dieser Art aber schwächer als bei anderen Hefen; ein Nachweis von Candida parapsilosis unter einer laufenden Echinocandin-Behandlung ist deshalb ein häufiger Befund.
Gegenüber Azolen wie Fluconazol und gegenüber Amphotericin B ist die Art in der Regel gut empfindlich, sodass diese Wirkstoffe bei ihr eine größere Rolle spielen als bei anderen Candidaarten. Erworbene Unempfindlichkeit gegenüber Azolen ist beschrieben und nimmt in manchen Regionen zu; sie beruht wie bei verwandten Hefen auf Veränderungen des Zielenzyms und auf Pumpen, die den Wirkstoff aus der Zelle befördern. Auch deshalb wird bei schweren Verläufen geprüft, welche Mittel das Wachstum des konkreten Stammes hemmen.
Vorbeugung und Hygiene
Weil der Pilz von außen an den Patienten herangetragen wird, greifen bei ihm die üblichen Hygienemaßnahmen besonders gut. Die wichtigste ist die Desinfektion der Hände vor und nach jedem Patientenkontakt und vor jedem Umgang mit Zugängen. Da die Umgebung der Fingernägel ein bevorzugter Standort ist, kommt der Nagelpflege und dem Verzicht auf künstliche Nägel und Nagellack im Pflegeberuf besondere Bedeutung zu.
Zu berücksichtigen ist dabei die Vielzahl möglicher Quellen. Candida parapsilosis wird regelmäßig auch außerhalb von Menschen und Tieren gefunden — in Böden, in Meerwasser, auf Pflanzen und auf Lebensmitteln. Während Candida albicans praktisch an warmblütige Wirte gebunden ist, kann Candida parapsilosis auf vielen Wegen in eine Klinik gelangen. Das erklärt, weshalb bei Ausbrüchen neben den Händen des Personals auch Geräte, Lösungen und Oberflächen untersucht werden.
Daneben zählen der sachgerechte Umgang mit Gefäßzugängen, der Verzicht auf unnötig lange Liegedauern und das saubere Herstellen und Verabreichen von Infusions- und Ernährungslösungen zu den wirksamen Maßnahmen. Hefen sind gegenüber Hitze und den üblichen Desinfektionsmitteln empfindlich, sofern diese als wirksam gegen Hefen gekennzeichnet sind; auf trockenen Oberflächen können sie jedoch längere Zeit vermehrungsfähig bleiben. Besondere Aufmerksamkeit gilt Stationen für Neugeborene und Frühgeborene, da unreife Abwehr, dünne Haut und die Notwendigkeit von Zugängen dort zusammentreffen.
Quellen
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132443174
- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
ISBN: 9783437223228
- Kramer, A., Assadian, O., Exner, M., et al. (Hrsg.): Krankenhaus- und Praxishygiene.
ISBN: 9783437223136
- Marx, G., Muhl, E., Zacharowski, K., Zeuzem, S. (Hrsg.): Die Intensivmedizin.
ISBN: 9783662686997

