Dermatika
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Dermatika sind Arzneimittel, die bei verschiedenen Erkrankungen der Haut und ihrer Anhangsorgane Anwendung finden. Diese Erkrankungen rufen meist Veränderungen der Haut hervor. Diese können unter anderem in Form eines Ausschlags, Ekzems, Erythems, Furunkels, Herpes oder einer Warze auftreten.
Was sind Dermatika?
Dermatika werden bei vielen verschiedenen Hauterkrankungen eingesetzt und häufig von Hautärzten, also Dermatologen, verordnet. Die Präparate für die äußerliche Anwendung können in Form von Cremes, Salben, Gels oder Puder aufgetragen werden. In diesem Fall dringt der Wirkstoff in die Haut ein und wirkt überwiegend dort.
Für bestimmte Hautveränderungen können auch Tropfen und Tabletten verschrieben werden, die vom Inneren des Körpers aus wirken. Hauterkrankungen können die Folge oder eine Begleiterscheinung einer bereits bestehenden anderen Krankheit sein. Diese Möglichkeit muss vor der Wahl des Hautmedikamentes in Betracht gezogen werden. Infektionen, die durch Viren, Bakterien oder Pilze ausgelöst wurden, werden jeweils unterschiedlich behandelt.
In diesem Fall ist eine äußerliche Anwendung nicht immer ausreichend. Einige Präparate fördern den Wundheilungsprozess, desinfizieren die Wunde oder lindern den Juckreiz. Hautpflegeprodukte aus den Drogeriemärkten werden umgangssprachlich ebenfalls als Dermatika bezeichnet, sind rechtlich aber Kosmetika. Diese heilen die Haut nicht, sondern pflegen, regenerieren, schützen oder befeuchten diese. Als kosmetische Mittel durchlaufen sie weder eine arzneimittelrechtliche Zulassung noch eine behördliche Wirksamkeitsprüfung; vor dem Inverkehrbringen sind nach der EU-Kosmetikverordnung eine Sicherheitsbewertung und eine Meldung an die Europäische Kommission vorgeschrieben. Mit der Heilung oder Linderung von Krankheiten dürfen sie nicht beworben werden. Das therapeutische Ziel ist die Regenerierung von Aufbau und Funktion der Haut sowie die Sicherung einer funktionierenden Barriere.
Medizinische Anwendung, Wirkung & Gebrauch
Die Ursache der Entzündung wird nicht bekämpft, aber deren Symptome wie Rötung, Schwellung und Juckreiz gelindert. Die Steroide werden von den Hautzellen aufgenommen und halten diese davon ab, bestimmte entzündliche Stoffe zu produzieren. Bei diesen Stoffen handelt es sich unter anderem um Prostaglandine, die diese Symptome hervorrufen. Wundbehandlungsmittel sind Dermatika, die zur Reinigung von Wunden eingesetzt werden und deren Heilung fördern.
Bei einer bakteriellen Infektion kann ein spezielles Enzympräparat die Fibrinbeläge und nekrotischen Schichten ablösen. Desinfektionsmittel können sowohl bei infektionsgefährdeten als auch bei bereits kontaminierten Wunden zur Säuberung genutzt werden. Diese Antiseptika haben ein breites Wirkungsspektrum und töten Bakterien, Pilze oder auch Viren. Lokalantibiotika wirken dagegen ausschließlich gegen Bakterien und auch dort nur gegen einen Teil der Erreger. Diese greifen in den Zellaufbau oder Stoffwechsel der Erreger ein und töten oder hemmen diese.
Wund- und Heilsalben sind weitere Mittel, die zur Anwendung auf der Haut bestimmt sind. Diese haben entzündungshemmende, juckreizmildernde oder wundheilende Wirkungen. Oft fungieren diese auch als eine Art schützender Film, der vor weiteren Keiminfektionen schützen soll. Die Bepanthen® Salbe enthält z.B. den Wirkstoff Dexpanthenol. Dieser beschleunigt den Heilungsprozess bei Haut- und Schleimhautverletzungen. Für die Anwendung am Auge gibt es eigens dafür zugelassene Augensalben; Wund- und Heilsalben für die Haut sind dafür nicht bestimmt.
Zinkoxid deckt die verletzte Haut ab und verhindert den Kontakt mit weiteren Erregern. Es lindert Reizungen und Schmerzen, hemmt Entzündungen und das Wachstum von Keimen auf der Haut. Zinkoxid wirkt zusammenziehend, bindet Wundsekret und unterstützt dadurch den Verschluss der Wunde. Hautpflegeprodukte spenden Feuchtigkeit.
Pflanzliche, natürliche, homöopathische & pharmazeutische Dermatika
Dermatika sind in verschiedenen Formen und Typen erhältlich. Diese können sowohl homöopathischer Natur als auch chemisch hergestellt sein. Die Grundstoffe können fest, halbfest, flüssig und fettig sein. Zu den festen zählen Puder, zu den flüssigen Lotionen und zu den halbfesten Pasten. Diese haben einen kühlenden und deckenden Effekt. Wasser und Alkohole sind flüssig, kühlen, weichen auf und entfetten.
Salben und Öle sind fettig, decken ab und spenden Feuchtigkeit. Cremes sind ein Gemisch aus Wasser und Öl. Wasser-in-Öl-Emulsionen sind fettiger als Öl-in-Wasser-Emulsionen. Fettige Cremes eignen sich für trockene Hauttypen und trockene Wunden. Wasserhaltige Emulsionen eignen sich für fettige Hauttypen und nässende Wunden. Natürliche Dermatika können in Form von Kräutern, Salben, Cremes, Gels, Tinkturen und Ölen verabreicht werden. Die Medikamente bestehen aus rein natürlichen Substanzen.
Diese werden aus der Welt der Pflanzen, Mineralien oder Tiere gewonnen. Zu den pflanzlichen zählen Kamille, Arnika, Eichenrinde, Mahonie, Ringelblume, Sonnenhut, Melisse, Aloe vera und Grüntee. Solche pflanzlichen Zubereitungen sind nicht mit homöopathischen Mitteln zu verwechseln: Homöopathische Zubereitungen sind so stark verdünnt, dass sie meist gut verträglich sind, eine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung ließ sich für die Homöopathie in kontrollierten Studien aber nicht nachweisen. Einige Pflanzen besitzen allergene Stoffe. Die chemischen Dermatika, die Lipidkomponenten enthalten, sind als Silikonöle, Paraffine, Fettalkohole, Wachse, Fette und Partialglyceride erhältlich. Diese Mischungen sind wasserfrei oder besitzen einen sehr geringen Wassergehalt.
Je weniger Wasser in der Mischung enthalten ist, umso fettiger und klebriger ist diese. Hydrophile Dermatika besitzen wasserliebende Bestandteile. Diese können eine feste und flüssige Beschaffenheit haben. Das Medikament ist meist aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzt und vermischt sich gleichmäßig im Wasser. Die wichtigsten Elemente wären kurzkettige Alkohole, nichtalkoholische Lösungsmittel, Glycole, Macrogole und Polyole. Welche Mischung die richtige Wahl für die verschiedenen Hauterkrankungen ist, hängt davon ab, ob die Wunde trocken oder feucht, chronisch oder akut ist.
Risiken & Nebenwirkungen
Salben, welche die Immunabwehr der Haut unterdrücken, können lokale Entzündungsreaktionen hervorrufen. Diese Medikamente werden Immunsuppressiva genannt und werden vor allem bei Neurodermitis-Patienten eingesetzt. Der Einsatz von Desinfektionsmitteln sollte bedacht erfolgen. Eine unprofessionelle Verwendung kann zu einer Resistenz der Bakterien führen. Eine sehr häufige Händedesinfektion schädigt die Haut und trocknet diese aus. Die natürliche Hautflora wird geschädigt und kann die Haut nicht mehr von außen schützen.
Salben, die zur Anwendung gegen Entzündungen, Schmerzen oder Schwellungen angewendet werden, können Überempfindlichkeitsreaktionen hervorrufen. Diese zeigen sich in Form von Magen-Darm-Beschwerden und allergischen Hautreaktionen. Allergische Hautreaktionen wären Juckreiz und Rötung der Haut. Allergische Reaktionen können auch Schwindel, Atemnot und Krämpfe auslösen. Lokale Hautveränderungen wie die Kontaktdermatitis sind dagegen deutlich häufiger.
Wie ein Wirkstoff durch die Haut kommt
Damit ein äußerlich aufgetragener Stoff überhaupt wirken kann, muss er mehrere Zellschichten überwinden. Als geschwindigkeitsbestimmende Schranke gilt dabei die Hornschicht, die oberste, aus abgestorbenen und verhornten Zellen bestehende Lage der Oberhaut. Der wissenschaftliche Ausschuss der EU-Kommission für Verbrauchersicherheit zählt in seinem Leitfaden zur Sicherheitsbewertung eine ganze Reihe von Größen auf, die bestimmen, wie viel eines Stoffes tatsächlich hindurchgelangt: die Größe des Moleküls, seine elektrische Ladung, seine Fettlöslichkeit, außerdem Dicke und Zusammensetzung der Hornschicht, ferner ein luftdichtes Abdecken der behandelten Stelle, die Grundlage, in die der Stoff eingearbeitet ist, und schließlich die Unversehrtheit der Haut.
Für den Alltag folgt daraus zweierlei. Erstens ist die Grundlage kein bloßer Träger, sondern beeinflusst das Ergebnis mit: Derselbe Wirkstoff kommt aus einer fetten Salbe anders an als aus einer wässrigen Lotion. Zweitens ist die Hornschicht nicht überall gleich dick – sie hängt von der Körperstelle ab, weshalb dünnhäutige Bereiche wie die Augenlider durchlässiger sind als eine Fußsohle. Und wo die Haut ohnehin schon aufgebrochen, entzündet oder wund ist, fehlt die Schranke ganz oder teilweise. Der genannte Ausschuss hält dazu ausdrücklich fest, dass es für Untersuchungen an geschädigter Haut weder ein Standardverfahren noch ein einheitliches Verständnis davon gibt, was „geschädigt“ überhaupt bedeutet – er zieht deshalb Messungen an intakter Haut vor und lässt Daten von verletzter Haut nur als ergänzenden Hinweis gelten. Die Aufnahme über kranke Haut ist damit größer und zugleich schlechter vorhersagbar als über gesunde. Aus demselben Grund ist „äußerlich“ nicht gleichbedeutend mit „nur örtlich“: Was durch die Hornschicht gelangt, erreicht Blut- und Lymphgefäße und kann den ganzen Körper betreffen.
Die Wirkstoffgruppen der Dermatika im Überblick
Wie umfangreich das Gebiet ist, zeigt die amtliche Arzneimittelsystematik. In der von der Weltgesundheitsorganisation gepflegten ATC-Klassifikation, die jedes Arzneimittel nach Organsystem und Wirkprinzip einordnet, bildet die Hauptgruppe D die Dermatika ab. Sie gliedert sich in elf Untergruppen: Mittel gegen Pilzerkrankungen der Haut (Antimykotika, etwa gegen Fußpilz oder Nagelpilz), rückfettende und schützende Zubereitungen, Mittel zur Behandlung von Wunden und Geschwüren, juckreizstillende Mittel einschließlich Antihistaminika und örtlicher Betäubungsmittel, Mittel gegen Schuppenflechte, Antibiotika und Chemotherapeutika zur Anwendung auf der Haut, Kortikosteroide, Antiseptika und Desinfektionsmittel, wirkstoffhaltige Verbandmittel, Mittel gegen Akne sowie eine Sammelgruppe für alles Übrige. Die Systematik weist zugleich darauf hin, dass die Gruppe zwar überwiegend äußerlich anzuwendende Zubereitungen enthält, daneben aber auch innerlich wirkende Substanzen, sofern deren Anwendungsgebiet ein Hautleiden ist – so das Antipilzmittel Griseofulvin und die Retinoide, zu denen etwa Isotretinoin gehört.
Innerhalb der Kortikosteroide nimmt die Systematik eine weitere Unterteilung vor, die für das Verständnis von Kortisonpräparaten zentral ist: Sie ordnet die Wirkstoffe vier Wirkstärkeklassen zu, von schwach über mäßig stark und stark bis sehr stark. Maßgeblich ist dabei die Wirkstärke des Steroids selbst; Zusätze zur besseren Durchdringung der Haut, die Konzentration im Präparat und die gewählte Grundlage ändern an der Einstufung nichts. Zwei Cremes, die beide „Kortison enthalten“, können deshalb in völlig verschiedenen Klassen liegen – ein Unterschied, der sich weder am Aussehen noch am Preis ablesen lässt, wohl aber an der Bezeichnung des Wirkstoffs.
Arzneimittel, Medizinprodukt oder Kosmetikum?
Zwischen Arzneimittel und kosmetischem Mittel steht eine dritte Kategorie, die auf der Haut besonders häufig vorkommt: das Medizinprodukt. Nach der europäischen Medizinprodukteverordnung darf ein Medizinprodukt durchaus dazu bestimmt sein, Krankheiten zu behandeln oder zu lindern oder Verletzungen zu kompensieren. Es unterscheidet sich vom Arzneimittel allein dadurch, dass seine bestimmungsgemäße Hauptwirkung „weder durch pharmakologische oder immunologische Mittel noch metabolisch erreicht wird“ – durch solche Mittel unterstützt werden darf sie hingegen. Auf die Haut übertragen heißt das: Wo eine Zubereitung im Wesentlichen physikalisch arbeitet, indem sie einen Film bildet, Feuchtigkeit bindet oder eine Wunde abdeckt und feucht hält, kann sie als Medizinprodukt in Verkehr gebracht werden, obwohl sie mit einem Heilungsziel beworben wird. Genau das trennt sie vom Kosmetikum, dem eine solche Auslobung verwehrt ist.
Über die Zuordnung entscheidet nicht die Zutatenliste, sondern die Zweckbestimmung, die der Hersteller dem fertigen Erzeugnis gibt. Derselbe Stoff kann deshalb in allen drei Kategorien auftauchen. Das deutsche Arzneimittelgesetz nimmt kosmetische Mittel im Sinne der EU-Kosmetikverordnung ausdrücklich vom Arzneimittelbegriff aus, kennt für den Grenzfall aber eine Auffangregel: Erzeugnisse, die zugleich unter die Arzneimitteldefinition und unter eine der anderen Kategorien fallen könnten, gelten als Arzneimittel. Im Zweifel gewinnt also die strengere Ordnung – ein Grund dafür, dass Hersteller die Formulierungen auf der Packung sorgfältig wählen.
Der Weg auf den Markt ist für Medizinprodukte ein anderer als für Arzneimittel. An die Stelle einer behördlichen Zulassung tritt eine Konformitätsbewertung, die der Hersteller vor dem Inverkehrbringen durchläuft und an deren Ende die CE-Kennzeichnung steht; sie besagt, dass das Produkt den Anforderungen der Verordnung entspricht. Wie aufwendig dieses Verfahren ausfällt, richtet sich nach der Risikoklasse, in die ein Produkt anhand seiner Zweckbestimmung eingestuft wird – die Verordnung kennt vier Stufen. Für die niedrigste erklärt der Hersteller die Übereinstimmung im Regelfall selbst, gestützt auf eine technische Dokumentation; erst in den höheren Klassen wird eine unabhängige Prüfstelle beteiligt. Eine Barrierecreme oder eine Wundauflage durchläuft also weder das Zulassungsverfahren eines Arzneimittels noch bleibt sie ungeprüft – sie steht in einem eigenen, gestuften System.
Zulassung, Rezeptur und Verschreibungspflicht
Ein industriell gefertigtes Hautarzneimittel darf in Deutschland nur in den Verkehr gebracht werden, wenn es die zuständige Bundesoberbehörde zugelassen hat oder eine europäische Genehmigung vorliegt. Diese Pflicht knüpft am Begriff des Fertigarzneimittels an, worunter das Gesetz Arzneimittel versteht, die im Voraus hergestellt und in einer zur Abgabe an den Verbraucher bestimmten Packung vertrieben werden. Eine Salbe, die eine Apotheke auf ärztliche Verschreibung eigens für einen einzelnen Patienten anfertigt, ist danach kein Fertigarzneimittel und braucht deshalb keine Zulassung. Zubereitungen, die eine Apotheke wegen nachweislich häufiger ärztlicher Verschreibung auf Vorrat herstellt, sind zwar Fertigarzneimittel, das Gesetz nimmt sie aber ausdrücklich von der Zulassungspflicht aus. Solche Rezepturen sind in der Dermatologie keine Randerscheinung, weil sich Wirkstoff und Grundlage auf diesem Weg auf einen bestimmten Hautzustand abstimmen lassen.
Unabhängig von der Zulassung regelt die Arzneimittelverschreibungsverordnung, was nur auf Rezept abgegeben werden darf. Auf der Haut gebräuchliche Wirkstoffe wie Betamethason und seine Ester, Tacrolimus, Fusidinsäure oder Isotretinoin sind dort aufgeführt und damit verschreibungspflichtig. Hydrocortison steht ebenfalls in der Liste, allerdings mit Ausnahmen für schwach konzentrierte äußerliche Zubereitungen in kleinen Packungen, die für eine kurzzeitige Anwendung bei leichteren entzündlichen, allergischen oder juckenden Hauterkrankungen bestimmt sind und deren Anwendung auf der Packung entsprechend eingegrenzt wird. Darin liegt die Erklärung dafür, dass es schwache Kortisonpräparate frei in der Apotheke gibt, stärkere dagegen nicht.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
ISBN: 9783132446052
- Altmeyer, P.: Therapielexikon Dermatologie und Allergologie.
ISBN: 9783540237815
- Zink, A. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Dermatologie und Allergologie.
ISBN: 9783437238376
- Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
ISBN: 9783804746541
