Enoxacin
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Enoxacin ist ein medizinischer Wirkstoff aus der Gruppe der synthetisch hergestellten Antibiotika. In Medikamenten wird es eingesetzt, um durch Enoxacin-empfindliche Bakterien verursachte Infektionen zu behandeln. Die Fachinformation nennt dafür Blasenentzündungen der Frau, Entzündungen der Vorsteherdrüse und die akute Gonorrhoe des Mannes, also Infektionen der Harnwege und der Geschlechtsorgane. Bei Infektionen der Haut und der Atemwege wurde Enoxacin früher ebenfalls angewendet. In Deutschland ist Enoxacin allerdings seit Februar 2016 nicht mehr im Handel.
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Was ist Enoxacin?
Bei Enoxacin handelt es sich um ein synthetisch hergestelltes Antibiotikum. Aufgrund seiner chemischen bzw. pharmakologischen Eigenschaften sowie seiner Wirkweise wird die Substanz der Gruppe der Fluorchinolone zugeordnet. Teil dieser Gruppe sind auch die Wirkstoffe Norfloxacin und Ofloxacin.
Enoxacin ist einer der älteren Vertreter dieser Gruppe. Der Arzneistoff weist ein breites Anwendungsfeld auf. So können mit Enoxacin insbesondere gramnegative Bakterien behandelt werden. Gramnegativ sind alle infektiösen Bakterien, die sich bei Durchführung eines Differentialfärbungsverfahrens rot einfärben. Sie werden durch diese Färbung von grampositiven Erregern abgegrenzt, die sich im Zuge der Differentialfärbung blau färben.
Die Wirkung von Enoxacin ist bakterizid. Das Antibiotikum tötet Bakterien gezielt ab, indem es deren Enzym Gyrase hemmt. Enoxacin wird deshalb auch als Gyrasehemmer kategorisiert. Der weiße bis weißgelbliche Stoff wird in der Chemie durch die Summenformel C 15 – H 17 – F – N 4 – O 3 beschrieben und weist eine molare Masse von 320,32 g/mol auf. Die Einnahme erfolgt meist oral.
Pharmakologische Wirkung
Die Fachinformation beschreibt die Wirkung von Enoxacin als einen Eingriff in die Verdopplung der bakteriellen Erbsubstanz über die Hemmung der Gyrase. Bei den Fluorchinolonen kommt ein zweiter Angriffspunkt hinzu: Sie hemmen neben der Gyrase auch das verwandte bakterielle Enzym Topoisomerase IV. Die Gyrase kommt im menschlichen Körper nicht vor; der Angriff richtet sich an dieser Stelle deshalb nicht gegen die Zellen des Behandelten, sondern allein gegen das Bakterium.
Obwohl Enoxacin grundsätzlich als recht effektiv eingeschätzt wird und ein breites Wirkungsspektrum aufweist, kann es nicht gegen alle Bakterien eingesetzt werden. Unter den Bakterien der Überkategorie Kokken fällt die Wirksamkeit sehr unterschiedlich aus: Gegenüber Streptokokken und den zu ihnen zählenden Pneumokokken ist Enoxacin nach der Fachinformation von Natur aus unwirksam, während dieselbe Quelle die Staphylokokken zu den üblicherweise empfindlichen Arten rechnet, solange sie nicht gegen Methicillin unempfindlich geworden sind.
Darüber hinaus hat Enoxacin in den letzten Jahren an Bedeutung verloren, da neue Vertreter derselben Wirkstoffklasse (z. B. Levofloxacin oder Ciprofloxacin) eine intensivere pharmakologische Wirkung entfalten. Diese weisen im Vergleich zu Enoxacin ein geringeres Interaktionspotenzial sowie eine stärkere bakterizide Wirkung auf. Das hohe Wechselwirkungspotenzial von Enoxacin beruht darauf, dass der Wirkstoff das abbauende Enzym CYP1A2 besonders stark hemmt. Die Fachinformation führt die gleichzeitige Anwendung von Theophyllin deshalb unter den Gegenanzeigen, weil dessen Spiegel im Blut gefährlich ansteigen kann; von der Verbindung mit Koffein rät sie ab.
Enoxacin wird oral eingenommen und in Form von Filmtabletten vertrieben. Präparate, die den Wirkstoff enthalten, sind verschreibungs- und apothekenpflichtig und damit nur auf Rezept abzugeben. In Deutschland wurde der Vertrieb enoxacinhaltiger Fertigarzneimittel zum Februar 2016 eingestellt.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Enoxacin wird bei Infektionen eingesetzt, die durch Enoxacin-empfindliche Bakterien verursacht werden. Hierzu zählen einige gramnegative Bakterien. Eine medizinische Indikation von Enoxacin liegt u. a. bei Infektionen der Harnwege, Nieren oder der Prostata vor. Darüber hinaus wird Enoxacin bei einer Gonorrhoe (umgangssprachlich „Tripper“ genannt) verschrieben. Bei bakteriellen Infektionen der oberen und unteren Atemwege, einschließlich des Hals-, Nasen-, Ohrenbereichs, wurde der Wirkstoff früher ebenfalls verabreicht; die Fachinformation führt diese Anwendungsgebiete nicht auf.
Gegen Pneumokokken und Streptokokken ist Enoxacin nach der Fachinformation von Natur aus unwirksam; für Infektionen durch diese Erreger liegt deshalb keine Indikation vor. Auch für Infektionen durch Staphylokokken führt die Fachinformation kein Anwendungsgebiet auf. Da die meisten Lungenentzündungen, die außerhalb von Krankenhäusern erworben wurden, durch Pneumokokken verursacht werden, liegt hier in der Regel keine Verschreibung von Enoxacin vor.
Bei Infektionen der Haut oder der Hautanhangsgebilde wurde Enoxacin früher ebenfalls eingesetzt; weil an ihnen häufig die von Natur aus unempfindlichen Streptokokken beteiligt sind, ist der Nutzen dort jedoch begrenzt. Die zuletzt veröffentlichte Fachinformation nennt als Anwendungsgebiete nur Blasenentzündungen der Frau, Entzündungen der Vorsteherdrüse und die akute Gonorrhoe des Mannes.
Solange enoxacinhaltige Präparate erhältlich waren, richtete sich die Dosierung nach der zu bekämpfenden Erkrankung. Meist wurden zwei bis vier Tabletten täglich eingenommen, verordnet für eine Dauer von sieben bis 14 Tagen. Um den Magen zu schonen, erfolgte die Einnahme zu oder kurz nach einer Mahlzeit.
Risiken & Nebenwirkungen
Eine Kontraindikation (medizinische Gegenanzeige) besteht auch bei Kindern und Jugendlichen in der Wachstumsphase. Bei dieser Gruppe liegen keine hinreichend gesicherten Erkenntnisse in Bezug auf die Anwendungssicherheit vor. Eine Kontraindikation besteht zudem bei Epileptikern. Bei einer Kreatinin-Clearance von unter 30 ml/min ist Enoxacin dagegen nicht ausgeschlossen; hier sind die Dosis zu verringern und das Anwendungsgebiet einzuschränken, weil die im Urin erreichte Wirkstoffmenge dann für die Behandlung einer Harnwegsinfektion nicht mehr ausreicht.
Drei weitere Gegenanzeigen nennt die Fachinformation. Die erste knüpft an die Sehnenschäden an, die für die ganze Wirkstoffgruppe beschrieben sind: Wer unter einem Chinolon bereits einmal eine Sehnenerkrankung entwickelt hat, darf Enoxacin nicht mehr erhalten. Ausgeschlossen ist die Anwendung außerdem während der Stillzeit, weil Chinolone in die Muttermilch übergehen und für den gestillten Säugling ein Risiko für die Gelenke besteht. Die dritte Gegenanzeige betrifft die gleichzeitige Anwendung von Duloxetin, einem Mittel gegen Depressionen: Enoxacin hemmt dessen Abbau in der Leber, sodass mit vermehrten Nebenwirkungen des Duloxetins zu rechnen ist. Umgekehrt führt auch die Produktinformation des Duloxetins Enoxacin unter den Gegenanzeigen und ordnet es dort ausdrücklich den starken Hemmstoffen des Enzyms CYP1A2 zu.
Für die im Körperinneren wirkenden Chinolone und Fluorchinolone – also auch für das geschluckte Enoxacin – haben die europäischen Arzneimittelbehörden 2019 die Anwendung eingeschränkt. Anlass waren sehr seltene, aber über Monate oder Jahre anhaltende und mitunter bleibende Schäden an Sehnen, Muskeln, Gelenken und Nerven. Seither kommen diese Wirkstoffe bei leichten, von selbst ausheilenden Infektionen nicht mehr in Betracht und bei leichten bis mittelschweren Infektionen nur dann, wenn die sonst üblichen Antibiotika ungeeignet sind. Bereits 2018 war ein Warnhinweis auf ein erhöhtes Risiko für ein Aortenaneurysma und eine Aufspaltung der Hauptschlagaderwand hinzugekommen. Für örtlich angewendete Zubereitungen wie Augen- oder Ohrentropfen gelten diese Einschränkungen nicht.
Bei der Behandlung mit Enoxacin können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Ihre statistische Verteilung sieht dabei folgendermaßen aus:
- Sehr häufig (bei mehr als einem von 10 Behandelten) treten Appetitlosigkeit und Durchfall, eine Erhöhung der Leberenzyme sowie Hautreaktionen (z. B. leichte Ausschläge) auf.
- Häufig (bei mehr als einem von 100 Behandelten) kommt es zu Magenbeschwerden, Erbrechen und Übelkeit sowie zu einer erhöhten Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenlicht. Aber auch eine Erhöhung des Kreatininwerts im Serum sowie anaphylaktische Reaktionen sind nach einer Verabreichung von Enoxacin möglich.
- Gelegentlich (bei mehr als einem von 1.000 Behandelten) kann sich eine Anämie bilden. Denkbar sind auch Seh- und Geschmacksstörungen sowie Bauchschmerzen.
- Selten (bei mehr als einem von 10.000 Behandelten aber weniger als einem von 1.000) treten schwere Hautreaktionen (z. B. Stevens-Johnson-Syndrom oder Lyell-Syndrom) auf. Ebenfalls selten ist Unruhe.
- Sehr selten (bei weniger als einem von 10.000 Behandelten) sind Schläfrigkeit, Krampfanfälle und Hyperglykämie.
Wirkungsspektrum & Resistenz
Die Fachinformation ordnet die Erreger nach ihrer Empfindlichkeit. Als natürlich unempfindlich gegenüber Enoxacin führt sie die Streptokokken sowie Enterococcus faecium auf. Eine weitere Gruppe umfasst Arten, bei denen der Anteil erworbener Unempfindlichkeit über einem Zehntel liegt und deshalb schwankt, darunter Escherichia coli, Klebsiellen, Proteus mirabilis, Enterobacter cloacae, Citrobacter freundii, Serratia, Providencia, Acinetobacter und Pseudomonas aeruginosa.
Wie verbreitet die Unempfindlichkeit ist, ändert sich von Ort zu Ort und im Lauf der Zeit. Bei Escherichia coli, dem häufigsten Erreger von Harnwegsinfektionen, schwankt der Anteil unempfindlicher Stämme innerhalb der Europäischen Union; Angaben zur örtlichen Lage sind deshalb vor Beginn einer Behandlung von Bedeutung. Die Fachinformation weist ferner darauf hin, dass im Verlauf einer Behandlung von Infektionen durch Pseudomonas aeruginosa und durch Staphylococcus aureus die Entstehung unempfindlicher Abkömmlinge beschrieben worden ist; dort kann die Verbindung mit einem zweiten Antibiotikum angezeigt sein, und bei Verdacht auf ein Versagen der Behandlung ist eine mikrobiologische Kontrolle zu erwägen.
Eine eigene Einschränkung gilt für die Gonorrhoe. Die Erreger dieser Erkrankung können gegenüber Fluorchinolonen unempfindlich sein; Enoxacin kommt für die akute Harnröhrenentzündung des Mannes deshalb nur in Betracht, wenn sich ein unempfindlicher Stamm ausschließen lässt. Mit der Auslese widerstandsfähiger Stämme ist außerdem bei länger dauernden Behandlungen und bei im Krankenhaus erworbenen Infektionen zu rechnen, namentlich unter Staphylokokken und Pseudomonaden; eine längere Anwendung kann darüber hinaus das Wachstum ohnehin unempfindlicher Keime begünstigen.
Aufnahme & Ausscheidung im Körper
Enoxacin wird nach der Einnahme rasch aus dem Darm aufgenommen und erreicht schon in den ersten Stunden seinen höchsten Blutspiegel; der Anteil des Wirkstoffs, der dabei in den Kreislauf gelangt, ist hoch und hängt nicht von der eingenommenen Menge ab. Eine kohlenhydrat- oder fettreiche Mahlzeit verzögert die Aufnahme geringfügig, verändert die übrigen Kenngrößen aber nicht.
An die Eiweiße des Blutplasmas bindet sich Enoxacin nur mäßig, und es verteilt sich weit über den Körper. Messungen an Geweben ergaben im Nierengewebe und im Gewebe der Prostata höhere Spitzenwerte als im Blut; auch in der Lunge und im Bronchialsekret ließ sich der Wirkstoff nachweisen. Umgebaut wird nur ein kleiner Teil, wobei als Hauptabbauprodukt das Oxo-Enoxacin entsteht.
Ausgeschieden wird Enoxacin vorwiegend über die Nieren, und zwar überwiegend unverändert. Nach wiederholter Einnahme ist die Halbwertszeit etwas länger als nach einer einzelnen Gabe, bei eingeschränkter Nierenfunktion nochmals länger. Der Wert hängt dabei nicht vom Ausmaß der Nierenschwäche ab, was die Fachinformation vermutungsweise auf eine zusätzliche Ausscheidung außerhalb der Nieren zurückführt. Durch eine Dialyse lässt sich Enoxacin praktisch nicht entfernen.
Mit zunehmender Nierenschwäche sinkt zugleich die Konzentration des Wirkstoffs im Urin. Unterhalb einer Kreatinin-Clearance von 30 ml/min reicht sie nach Angabe der Fachinformation nicht mehr aus, um eine Harnwegsinfektion zu behandeln; die Fachinformation sieht bei dieser Nierenleistung denn auch nur noch die Behandlung der Prostataentzündung vor. Bei älteren Menschen ist die Nierenleistung zwar geringer und die Belastung des Körpers mit dem Wirkstoff höher als bei jüngeren, eine Änderung der Menge hält die Fachinformation dort aber nicht für erforderlich.
Weitere Warnhinweise
Enoxacin kann eine Überempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht auslösen. Während der Behandlung und noch einige Tage darüber hinaus ist Sonne und ultraviolette Strahlung zu meiden. Überempfindlichkeits- und allergische Reaktionen bis hin zu anaphylaktischen Reaktionen sind für Chinolone beschrieben; sie können bereits bei der ersten Einnahme auftreten und lebensbedrohlich verlaufen, weshalb die Behandlung bei entsprechenden Anzeichen sofort abzubrechen ist.
Sehnenentzündungen, die in einen Sehnenriss übergehen können, betreffen vor allem die Achillessehne und treten mitunter beidseitig auf. Sie können kurz nach Beginn der Behandlung einsetzen, aber auch noch mehrere Monate nach deren Ende. Erhöht ist das Risiko bei älteren Menschen, bei gleichzeitiger Behandlung mit Kortikosteroiden und bei intensiver sportlicher Betätigung. Beim ersten Anzeichen einer Sehnenentzündung wird die Behandlung beendet, die betroffene Sehne ruhiggestellt und fachärztlicher Rat eingeholt.
Chinolone können Krampfanfälle auslösen und die Krampfschwelle herabsetzen. Bei Erkrankungen des Zentralnervensystems und bei anderen Umständen, die Krampfanfälle begünstigen, ist Enoxacin deshalb nur mit Vorsicht anzuwenden. Fluorchinolone wirken außerdem hemmend auf die Übertragung vom Nerv auf den Muskel; bei einer Myasthenia gravis kann sich die Erkrankung dadurch verschlimmern. Für andere Wirkstoffe derselben Gruppe ist eine Verlängerung des QT-Intervalls im EKG beschrieben.
Bei einem Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel sind unter Chinolonen Fälle einer akuten Hämolyse, also eines Zerfalls roter Blutkörperchen, berichtet worden. Für Enoxacin selbst liegt kein solcher Bericht vor; die Fachinformation empfiehlt in dieser Gruppe dennoch, nach Möglichkeit auf ein anderes Mittel auszuweichen. Beschrieben sind ferner Schädigungen der peripheren Nerven, die sich als Schmerzen, Brennen, Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Schwäche äußern, sowie seelische Auffälligkeiten wie eine Depression oder psychotische Reaktionen, die bereits bei der ersten Einnahme auftreten können.
Wie bei nahezu allen antibakteriellen Mitteln sind unter Enoxacin Darmentzündungen beschrieben, die von leichten Verläufen bis zu lebensbedrohlichen reichen. Tritt während oder nach der Behandlung Durchfall auf, ist an diese Ursache zu denken; die Behandlung mit Enoxacin wird dann sofort beendet und eine gezielte Therapie gegen Clostridium difficile eingeleitet. Mittel, die die Darmbewegung hemmen, sind in dieser Lage ausgeschlossen. Bei einer Verschlechterung des Sehvermögens oder anderen Augenbeschwerden ist umgehend ein Augenarzt aufzusuchen.
Wechselwirkungen
Ihr Abraten von der Verbindung mit Koffein begründet die Fachinformation damit, dass Enoxacin den Abbau des Koffeins in der Leber vermindert; Erregungszustände und Halluzinationen können die Folge sein. Eine Reihe weiterer Kombinationen ist nicht verboten, verlangt aber Vorsichtsmaßnahmen.
Bei gleichzeitiger Behandlung mit Gerinnungshemmern vom Typ der Vitamin-K-Gegenspieler verstärkt sich deren Wirkung, und das Blutungsrisiko steigt; der INR-Wert wird deshalb häufiger kontrolliert, auch noch nach dem Ende der Behandlung mit dem Fluorchinolon. Didanosin kann mit Enoxacin schwer lösliche Verbindungen bilden und den Säuregrad im Magen verändern, was die Aufnahme des Antibiotikums vermindert; ein zeitlicher Abstand zwischen beiden Einnahmen beugt dem vor. Denselben Abstand empfiehlt die Fachinformation für Eisen- und Zinksalze, für Strontium, für Sucralfat sowie für Antazida und andere Mittel, die sich an die Magen-Darm-Schleimhaut legen.
Kortikosteroide erhöhen zusammen mit Enoxacin das Risiko für eine Sehnenerkrankung und in seltenen Fällen für einen Sehnenriss, besonders bei längerer Kortisonbehandlung. Unter Mycophenolatmofetil, einem Mittel zur Unterdrückung der Abwehr, sinkt die Konzentration der wirksamen Mycophenolsäure um etwa ein Drittel, sodass die Wirksamkeit nachlassen kann. Beim Parkinsonmittel Ropinirol steigen dagegen die Blutspiegel an, weil Enoxacin auch dessen Abbau in der Leber hemmt; hier sind eine klinische Überwachung und eine Verringerung der Ropinirol-Menge während und nach der Behandlung vorgesehen.
Schwangerschaft & Stillzeit
Für die Schwangerschaft hält die Fachinformation die vorliegenden klinischen Daten für unzureichend und rät vorsorglich von einer Anwendung ab, obwohl sich in Tierversuchen kein fruchtschädigender Effekt gezeigt hat. Gelenkschäden sind bei Kindern beschrieben, die selbst mit Chinolonen behandelt wurden; eine Gelenkschädigung infolge einer Belastung im Mutterleib ist dagegen bislang nicht berichtet worden. Für die Stillzeit gilt die Anwendung als ausgeschlossen. Bei Behandlungen, die neurologische Erscheinungen hervorrufen können, weist die Fachinformation außerdem auf die eingeschränkte Eignung zum Führen eines Fahrzeugs und zum Bedienen von Maschinen hin.
Quellen
- Frank, U.: Antibiotika am Krankenbett.
ISBN: 9783662583371
- Brodt, H.-R., Simon, C. (Hrsg.): Infektionstherapie.
ISBN: 9783132423435
- Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132423558
- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
ISBN: 9783437426223
- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
ISBN: 9783437223228

