Norfloxacin

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Norfloxacin ist ein bakterizider Wirkstoff, der in der Humanmedizin in einigen Breitband-Antibiotika verwendet wird und zur Gruppe der sogenannten Gyrasehemmer gehört. Norfloxacin und andere Vertreter dieser Wirkstoffgruppe töten Bakterien ab, indem sie deren Enzym Gyrase hemmen. Präparate, die vorwiegend oder ausschließlich Norfloxacin enthalten, werden u. a. zur Behandlung von akuten Infektionen der Harnwege (z. B. Blasenentzündung) eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Norfloxacin?

Norfloxacin
Norfloxacin gilt als ein Antibiotikum mit breitem Wirkstoffspektrum. Es ist somit in der Lage, eine Vielzahl verschiedener Bakterien hochwirksam abzutöten.
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Aufgrund seiner Wirkung sowie weiterer Eigenschaften stellt Norfloxacin ein Antibiotikum dar. Der Stoff erreicht seine Wirkung, indem das bakterieneigene Enzym Gyrase gehemmt wird. Dieses ist für die Bakterien lebenswichtig, da es wesentlich für das sogenannte DNA-Supercoiling verantwortlich ist.

Norfloxacin zählt deshalb zur Wirkstoffklasse der Gyrase-Hemmer. Teil dieser Wirkstoffklasse sind auch die eng verwandten Antibiotika Levofloxacin und Ofloxacin. Darüber hinaus wird Norfloxacin auch der Substanzklasse der Fluorchinolone zugerechnet.

Präparate, die Norfloxacin als aktiven Wirkstoff enthalten, werden verschrieben, um Infektionen der Harnwege zu behandeln. Üblicherweise wird der farblose bis blassgelbe Wirkstoff in Form von Filmtabletten verschrieben und von den Patienten oral eingenommen. In der Chemie und Pharmakologie wird Norfloxacin durch die Summenformel C 16 – H 18 – F – N 3 – O 3 beschrieben. Das entspricht einer molaren Masse von 319,33 g/mol.

Pharmakologische Wirkung

Norfloxacin wirkt stark bakterizid. Hieraus folgt, dass es infektiöse Bakterien gezielt und effizient abtötet. Typisch für die Wirkstoffklasse der Gyrase-Hemmer, verursacht Norfloxacin eine Inhibition (Hemmung) des Enzyms Gyrase. Hierbei handelt es sich um ein Eiweiß, das von den infektiösen Bakterien selbst produziert wird. Sie benötigen es, um die Raumorientierung ihrer DNA zu gestalten.

Aufgrund der immensen Bedeutung von Gyrase für das DNA-Supercoiling (Verdrillung der DNA) sind Bakterien nach der vollzogenen Hemmung nicht lange lebensfähig. Sie können sich nicht mehr vermehren und sterben ab.

Da Norfloxacin besonders wirksam gegen solche Bakterien ist, die Infektionen der Harnwege oder eine Gonorrhoe (umgangssprachlich „Tripper“) verursachen, kommt das Antibiotikum vorwiegend in diesem Bereich zum Einsatz.

Der Wirkstoff wird üblicherweise in Monopräparaten (Medikamente, die auf einen Wirkstoff setzen) verwendet. Norfloxacin wird zügig aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Es wird nur zu einem kleinen Teil an Plasmaproteine gebunden und hat eine kurze Halbwertszeit. Aufgrund der stofflichen Eigenschaften von Norfloxacin ist es möglich, dass ein Opiattest ein falsch positives Ergebnis aufweist.

Wie stark ein Wirkstoff aus dieser Gruppe wirkt, hängt nach den Angaben der Fachinformation vor allem vom Verhältnis zweier Größen ab: vom höchsten erreichten Spiegel im Blut auf der einen Seite und von jener Konzentration auf der anderen Seite, ab der das Wachstum des jeweiligen Erregers gehemmt wird. Je günstiger dieses Verhältnis ausfällt, desto zuverlässiger greift die Behandlung.

Nur ein Teil der geschluckten Menge gelangt aus dem Darm ins Blut. Das ist bei den Anwendungsgebieten von Norfloxacin kein Nachteil, denn der Wirkstoff sammelt sich im Harn: Die dort erreichten Konzentrationen liegen nach Angabe der Fachinformation über der Hemmschwelle der meisten empfindlichen Erreger von Harnwegsinfektionen. Ausgeschieden wird Norfloxacin teils unverändert, teils in Form mehrerer Abbauprodukte, die zwar noch antibakteriell wirken, aber schwächer als die Ausgangssubstanz. Der Weg führt überwiegend über die Nieren, zu einem kleineren Teil über die Galle. Ob der Harn eher sauer oder eher basisch ist, ändert an der antibakteriellen Wirkung nichts.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion verbleibt der Wirkstoff länger im Körper; die Fachinformation sieht für diesen Fall eine verringerte Menge vor. Bei älteren Menschen verlangsamt sich die Ausscheidung entsprechend der im Alter üblichen Nierenleistung, während die Aufnahme aus dem Darm davon unberührt bleibt.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Norfloxacin gilt als ein Antibiotikum mit breitem Wirkstoffspektrum. Es ist somit in der Lage, eine Vielzahl verschiedener Bakterien hochwirksam abzutöten. Gemäß seiner Eigenschaft als Antibiotikum der Klasse der Gyrase-Hemmer wird Norfloxacin zur Behandlung von Infektionskrankheiten eingesetzt. Es besteht eine Indikation bei komplizierten und unkomplizierten, chronischen oder akuten Infektionen der Harnwege.

Die Arznei kann sowohl an den oberen als auch unteren Harnwegen eingesetzt werden. Ausgenommen ist jedoch die komplizierte Nierenbeckenentzündung (komplizierte Pyelonephritis). Denn die Europäische Arzneimittelagentur sowie das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte haben im Jahr 2009 ihre Nutzen-Risiko-Abwägung dahingehend geändert, dass eine Indikation bei diesen Erkrankungen nicht mehr vorliegt. Als Grund wurde eine nicht ausreichend nachweisbare Wirksamkeit bei einer komplizierten Pyelonephritis bzw. einer Nierenbeckenentzündung angegeben.

Für Infektionen der Harnwege, die im Zusammenhang mit chirurgischen oder urologischen Eingriffen auftreten, besteht allerdings weiterhin eine Indikation. Auch bei Harnwegsinfektionen im Zusammenhang mit Nierensteinen wird Norfloxacin verabreicht. Zu den weiteren typischen Anwendungsgebieten des Antibiotikums zählen Blasenentzündungen der Frau, bakterielle Gastroenteritis und Gonorrhoe.

Norfloxacin kann auch verschrieben werden, um möglichen Blutvergiftungen, die im Zusammenhang mit einer Granulozytopenie entstehen könnten, vorzubeugen. Die Einnahme von Norfloxacin erfolgt in der Regel oral. Das Antibiotikum wird in Tablettenform vertrieben und ist verschreibungs- sowie apothekenpflichtig.

Die in diesem Abschnitt genannten Anwendungsgebiete geben den früheren, weit gefassten Zulassungsumfang wieder. Nach einem europäischen Risikobewertungsverfahren wurden die Anwendungsgebiete aller systemisch angewendeten Fluorchinolone im Jahr 2019 durch einen Rote-Hand-Brief deutlich eingeschränkt, weil in sehr seltenen Fällen lang anhaltende und möglicherweise nicht mehr rückbildungsfähige Beschwerden an Sehnen, Muskeln, Gelenken und Nervensystem auftreten können. Die heutige Fachinformation nennt für Norfloxacin nur noch die unkomplizierte und die komplizierte akute Blasenentzündung, die Harnröhrenentzündung einschließlich der durch Gonokokken verursachten Fälle sowie komplizierte Harnwegsinfektionen außerhalb der Nierenbeckenentzündung. Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung soll Norfloxacin zudem nur noch dann eingesetzt werden, wenn die sonst empfohlenen Antibiotika nicht in Frage kommen.

Was eine solche Einschränkung für die behandelte Person bedeutet, lässt sich an der Formulierung der Fachinformation ablesen: Norfloxacin soll bei der unkomplizierten Blasenentzündung nur angewendet werden, wenn andere, für diese Infektion üblicherweise empfohlene Antibiotika als ungeeignet erachtet werden. In der Praxis rückt der Wirkstoff damit an die zweite Stelle. Er kommt etwa dann in Betracht, wenn die sonst gebräuchlichen Mittel nicht vertragen werden, wenn der nachgewiesene Erreger gegen sie unempfindlich ist oder wenn ihnen eine andere Erkrankung entgegensteht. Die Fachinformation verweist zusätzlich auf die offiziellen Empfehlungen zum angemessenen Gebrauch von Antibiotika. Der Grund für diese Zurückhaltung liegt nicht in einer schwachen Wirkung, sondern im Nebenwirkungsprofil der gesamten Wirkstoffgruppe.

Zwei weitere Grenzen zieht die Fachinformation ausdrücklich. Besteht der Verdacht auf eine Infektion, die den ganzen Körper erfasst, sind Norfloxacin-Tabletten dafür nicht geeignet, weil der Wirkstoff nur in vergleichsweise geringem Umfang aus dem Darm ins Blut übergeht. Und für die Behandlung einer akuten oder chronischen komplizierten Nierenbeckenentzündung werden Norfloxacin-Zubereitungen zum Einnehmen nicht empfohlen, was sich mit der bereits 2009 geänderten Nutzen-Risiko-Bewertung deckt.


Risiken & Nebenwirkungen

Norfloxacin darf nicht eingenommen werden, wenn eine Überempfindlichkeit (Allergie) gegen den Wirkstoff besteht. Auch bei Allergien gegen andere Arzneimittel derselben Wirkstoffklasse (Chinolon-Antibiotika z. B. Levofloxacin, Moxifloxacin, Ciprofloxacin, oder Ofloxacin) liegt eine Kontraindikation vor. Das bedeutet, das Medikament darf aus medizinischer Sicht nicht eingenommen werden, da eine Gegenanzeige vorliegt.

Eine solche ist auch bei Schwangeren, Kindern und Jugendlichen sowie während der Stillzeit gegeben. Eine Anwendung hat dann zu unterbleiben. Auch wenn es im Zusammenhang mit einer Therapie mit Fluorchinolonen bereits zu Komplikationen der Sehnen (insbesondere Sehnenentzündungen und Sehnenrisse) kam, darf Norfloxacin nicht eingenommen werden.

Norfloxacin kann unerwünschte Nebenwirkungen verursachen. Zwingend ist das jedoch nicht. Studien ergaben folgende Nebenwirkungserscheinungen:

Für Herzrhythmusstörungen einschließlich einer Verlängerung der QT-Zeit im EKG lässt sich aus den vorliegenden Daten dagegen keine Häufigkeit abschätzen; berichtet wurden sie vor allem bei Patienten, die ohnehin ein erhöhtes Risiko für eine QT-Verlängerung tragen.

Die Fachinformation führt darüber hinaus weitere Blutbildveränderungen auf: gelegentlich einen Mangel an Blutplättchen, sehr selten ein weitgehendes Verschwinden einer bestimmten Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Agranulozytose). Ohne Häufigkeitsangabe stehen dort ein Leberversagen einschließlich tödlich verlaufener Fälle, eine gestörte Regulation des Wasserhaushalts durch vermehrte Ausschüttung des antidiuretischen Hormons sowie eine schwere Unterzuckerung bis hin zur Bewusstlosigkeit. Für die Gruppe der Fluorchinolone insgesamt sind zudem Aussackungen und Einrisse der Hauptschlagader (Aortenaneurysma und Aortendissektion) sowie eine Schlussunfähigkeit einer Herzklappe berichtet worden.

Worauf während der Behandlung zu achten ist

Einige Hinweise der Fachinformation richten sich unmittelbar an die behandelte Person. Treten die ersten Anzeichen einer schwerwiegenden Nebenwirkung auf, soll Norfloxacin abgesetzt und der verordnende Arzt eingeschaltet werden. Hintergrund ist, dass unter Chinolonen und Fluorchinolonen in sehr seltenen Fällen über Beschwerden berichtet wurde, die über Monate oder Jahre anhielten, die Lebensqualität beeinträchtigten und sich möglicherweise nicht mehr zurückbilden; betroffen waren Bewegungsapparat, Nerven, Psyche und Sinnesorgane.

Ein eigener Warnhinweis gilt den Sehnen. Eine Sehnenentzündung oder ein Sehnenriss kann bereits in den ersten Tagen der Behandlung auftreten, nach den Angaben der Fachinformation aber auch noch Monate nach dem Absetzen. Das Risiko ist bei älteren Menschen erhöht, ebenso bei eingeschränkter Nierenfunktion, nach der Verpflanzung eines Organs und bei gleichzeitiger Behandlung mit Kortikosteroiden, deren Kombination mit Norfloxacin deshalb vermieden werden soll. Beim ersten Anzeichen, etwa einer schmerzhaften Schwellung, soll die Behandlung beendet und das betroffene Glied geschont werden.

Bei plötzlich einsetzenden Bauch-, Brust- oder Rückenschmerzen ist wegen der möglichen Gefäßkomplikationen sofort die Notaufnahme aufzusuchen. Gleiches gilt sinngemäß bei neu auftretender Atemnot, neu bemerktem Herzklopfen oder Wassereinlagerungen am Bauch oder an den Beinen.

Norfloxacin kann die Haut lichtempfindlich machen, sodass sie leichter mit einem Sonnenbrand reagiert. Während der Behandlung sind längere und starke Sonnenbestrahlung sowie der Besuch im Solarium zu meiden; zeigen sich Anzeichen einer Lichtempfindlichkeit, soll die Therapie beendet werden. Eine ausreichende Trinkmenge beugt dem Auskristallisieren des Wirkstoffs im Harn vor, weshalb die empfohlene Tagesmenge nicht überschritten werden soll.

Schwerer oder anhaltender Durchfall während oder nach der Behandlung kann auf eine Entzündung der Darmschleimhaut durch Clostridien hinweisen. Mittel, die die Darmbewegung hemmen, sind in diesem Fall nicht erlaubt. Menschen mit Diabetes mellitus sollten ihren Blutzucker sorgfältig überwachen, weil sowohl ein Abfall als auch ein Anstieg beschrieben ist, besonders bei gleichzeitiger Behandlung mit blutzuckersenkenden Mitteln oder mit Insulin. Bei einem angeborenen Mangel des Enzyms Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase kann es zum Zerfall roter Blutkörperchen kommen.

Bei einer Myasthenia gravis kann Norfloxacin die Muskelschwäche verstärken und bis zur Beeinträchtigung der Atemmuskulatur führen; eine Verschlimmerung der Beschwerden ist deshalb rasch ärztlich abzuklären. Anzeichen einer Nervenschädigung wie Schmerzen, Brennen, Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Schwäche sollten vor dem Fortsetzen der Behandlung gemeldet werden, um einer bleibenden Schädigung vorzubeugen. Sehstörungen gehören in augenärztliche Hand. Da Norfloxacin das Reaktionsvermögen verändern kann, ist beim Führen eines Fahrzeugs Vorsicht geboten, besonders zu Beginn der Behandlung und im Zusammenwirken mit Alkohol.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Eine Kombination schließt die Fachinformation ausdrücklich aus: Das muskelentspannende Tizanidin darf nicht gleichzeitig mit Norfloxacin gegeben werden. Bei anderen Chinolon-Antibiotika stieg dessen Spiegel im Blut an, was zu verstärktem Blutdruckabfall und ausgeprägter Müdigkeit führen kann.

Norfloxacin hemmt ein Abbauenzym der Leber und kann dadurch den Abbau anderer Stoffe verzögern. Betroffen sind unter anderem Theophyllin, ein Mittel gegen verengte Atemwege, und Coffein: Der Spiegel im Blut kann steigen, im Fall des Coffeins verlängert sich zudem die Verweildauer im Körper, weshalb coffeinhaltige Arzneimittel während der Behandlung möglichst gemieden werden. Auch für das immunsystemdämpfende Ciclosporin ist ein Anstieg im Blut berichtet worden, der eine Kontrolle der Spiegel nahelegt.

Bei gerinnungshemmenden Mitteln vom Typ des Warfarins kann Norfloxacin die Wirkung verstärken; die Gerinnungswerte sind dann engmaschig zu überwachen. Probenecid, ein Gichtmittel, vermindert die Ausscheidung von Norfloxacin über den Harn, ohne den Spiegel im Blut zu verändern. Mit Nitrofurantoin, einem anderen Mittel gegen Harnwegsinfekte, wurde im Reagenzglas ein gegenseitiges Entgegenwirken beobachtet, weshalb die gemeinsame Gabe zu vermeiden ist.

Entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika können zusammen mit Chinolonen die Krampfbereitschaft erhöhen; für den Vertreter Fenbufen ist dieser Zusammenhang im Tierversuch beschrieben. Vorsicht gilt ferner bei Arzneimitteln, die ihrerseits die QT-Zeit verlängern, etwa bestimmten Mitteln gegen Herzrhythmusstörungen, trizyklischen Antidepressiva, Makrolid-Antibiotika und Antipsychotika.

Eine praktische Rolle spielt schließlich der zeitliche Abstand zu anderen Präparaten. Antazida gegen Sodbrennen, Sucralfat sowie Präparate mit Eisen, Zink, Magnesium, Aluminium oder Calcium binden Norfloxacin im Darm und mindern dadurch dessen Aufnahme; sie werden deshalb zeitlich versetzt eingenommen. Für Mittel, die die Bildung von Magensäure hemmen (H2-Rezeptorantagonisten), gilt diese Einschränkung nicht. Milch, flüssige Milchprodukte und flüssige Nährlösungen vermindern die Aufnahme ebenfalls, weshalb die Fachinformation auch hier einen zeitlichen Abstand vorsieht. Für einige Antibiotika liegen zudem Berichte vor, wonach die Wirkung der Pille beeinträchtigt wurde.

Resistenzen

Eine Unempfindlichkeit gegenüber Norfloxacin entsteht nach den Angaben der Fachinformation auf mehreren Wegen. Am häufigsten verändert sich durch eine Mutation das Zielenzym selbst, sodass der Wirkstoff dort nicht mehr angreifen kann. Daneben können Bakterien die Menge des Wirkstoffs an seinem Wirkort verringern: entweder indem sie weniger Kanäle in ihrer Hülle ausbilden und den Stoff so schlechter einlassen, oder indem sie ihn mithilfe von Pumpen wieder nach außen befördern. Bei Escherichia coli, Klebsiellen und verwandten Darmbakterien ist außerdem eine auf Plasmiden liegende und damit zwischen Bakterien übertragbare Resistenz beobachtet worden.

Weil der Angriffspunkt innerhalb der Wirkstoffgruppe derselbe ist, besteht eine teilweise oder vollständige Kreuzresistenz zwischen Norfloxacin und anderen Fluorchinolonen. Ein Erreger, der gegen den einen Vertreter unempfindlich geworden ist, spricht deshalb oft auch auf die anderen nicht mehr an.

Die Resistenzlage schwankt örtlich und im Lauf der Zeit. Die Fachinformation führt für Deutschland mehrere Erreger, bei denen erworbene Resistenzen ein Problem darstellen können, darunter Escherichia coli als häufigsten Erreger von Harnwegsinfektionen, Klebsiellen, Staphylokokken und die Erreger der Gonorrhoe. Von Natur aus unempfindlich sind unter anderem bestimmte Enterokokken sowie Chlamydien und Mykoplasmen. Bei schwer verlaufenden Infektionen oder wenn die Behandlung nicht anspricht, ist deshalb der Nachweis des Erregers samt Empfindlichkeitsprüfung anzustreben. Dieselbe Überlegung steht hinter dem Grundsatz, ein Antibiotikum nicht vorsorglich und nicht länger als nötig einzusetzen: Mit dem Gebrauch steigt der Druck, unter dem sich Antibiotikaresistenzen ausbreiten.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Ackermann, G. (Hrsg.): Antibiotika und Antimykotika.
    ISBN: 9783804729407
  • Brodt, H.-R., Simon, C. (Hrsg.): Infektionstherapie.
    ISBN: 9783132423435
  • Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
    ISBN: 9783437223228
  • Gschwend, J. E., Hautmann, R.: Urologie.
    ISBN: 9783662736524

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