Levofloxacin
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 12. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei Levofloxacin handelt es sich um einen antibiotisch wirkenden Arzneistoff, der im Jahr 1992 zunächst in Japan und in den Folgejahren auch in Europa und den USA auf den Markt kam. Seine Wirkung erlangt der Stoff durch eine Hemmung des Enzyms Gyrase, das infektiösen Bakterien entstammt. In Präparaten kommt Levofloxacin zum Einsatz, um bakterielle Infektionen der Harnwege, der Atemwege und des Hals-Nasen-Ohren-Areals zu bekämpfen.
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Was ist Levofloxacin?
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Der Wirkstoff Levofloxacin wird der Fluorchinolon-Gruppe zugeordnet, zu der auch der eng verwandte Wirkstoff Ofloxacin gehört. Ebenfalls ein Teil dieser Gruppe von Antibiotika sind Moxifloxacin und Ciprofloxacin.
Als Medikament wurde Levofloxacin im Jahr 1992 zuerst in Japan zugelassen. Weitere Zulassungen erfolgten 1996 in den USA und sodann in Deutschland (1998). Als Antibiotikum kommt Levofloxacin zum Einsatz, um bakterielle Infektionen zu behandeln, die die Harnwege, die Prostata, die Atemwege oder den Hals-Nasen-Ohren-Bereich befallen haben.
Seine Wirksamkeit erlangt der Arzneistoff durch eine Hemmung des Enzyms Gyrase, welches an der DNA der infektiösen Bakterien angreift. Levofloxacin wird in der Chemie mit der Summenformel C 18 – H 20 – F – N 3 – O 4 beschrieben und weist eine molare Masse von 361,37 g/mol auf. Das leicht gelbliche Pulver wird üblicherweise als Filmtablette verabreicht und oral eingenommen. Es ist auch als Infusionslösung erhältlich.
Das Verhältnis zu Ofloxacin ist dabei ein besonderes: Levofloxacin ist keine eigenständige Neuentwicklung, sondern eine der beiden spiegelbildlichen Formen des Ofloxacins. Die amerikanischen Produktinformationen halten fest, dass die antibakterielle Wirkung des Ofloxacins im Wesentlichen von dieser einen Form ausgeht. Im Blut und im Harn bleibt Levofloxacin nach denselben Dokumenten chemisch stabil und wandelt sich im Körper nicht in die spiegelbildliche Form zurück.
Nach dem Schlucken wird Levofloxacin rasch und nahezu vollständig aufgenommen; die Einnahme zu einer Mahlzeit ändert daran nach denselben Dokumenten nichts Wesentliches. Weil die Menge, die aus der Tablette in den Körper gelangt, derjenigen aus der Infusion praktisch entspricht, lassen sich beide Wege gegeneinander austauschen. Die Infusion bringt gegenüber der Tablette also keine höhere Wirkstoffmenge in den Körper.
Pharmakologische Wirkung
In der medizinischen Literatur wird berichtet, dass Levofloxacin eine ganz besonders hohe Wirksamkeit gegenüber den Bakterien Moraxella catarrhalis und Haemophilus influenzae, einem Auslöser diverser Infektionen der Atemwege, aufweist. Auch Chlamydien und Pneumokokken sind sehr empfindlich gegenüber Levofloxacin, sodass die pharmakologische Wirkung äußerst hoch ist.
Eine längere Anwendung von Levofloxacin wird nach Möglichkeit vermieden: Für die Fluorchinolone sind schwerwiegende Nebenwirkungen an Sehnen, Muskeln, Gelenken und Nerven beschrieben, die über Monate oder Jahre anhalten und bleiben können.
Genau genommen greift Levofloxacin an zwei Enzymen der Bakterienzelle an. Neben der Gyrase hemmt es nach den amerikanischen Produktinformationen auch die Topoisomerase IV. Beide gehören zur selben Enzymfamilie und werden gebraucht, um die Erbsubstanz zu vervielfältigen, abzulesen, zu reparieren und neu zusammenzusetzen.
An denselben beiden Enzymen setzt auch die Unempfindlichkeit an. Sie entsteht durch Veränderungen in eng umgrenzten Abschnitten der Erbanlagen für Gyrase oder Topoisomerase IV oder dadurch, dass die Bakterienzelle den Wirkstoff verstärkt wieder hinausbefördert. Von selbst tritt eine solche Veränderung nach den amerikanischen Produktinformationen nur sehr selten auf. Untereinander sind die Fluorchinolone teilweise kreuzresistent, sodass ein gegen einen Vertreter unempfindlicher Keim häufig auch gegen die übrigen unempfindlich ist. Weil der Angriffspunkt sich aber von dem der Aminoglykoside, der Makrolide und der Betalaktam-Antibiotika unterscheidet, bleiben Fluorchinolone gegen Erreger, die gegen diese Gruppen unempfindlich geworden sind, häufig wirksam.
Im Körper verteilt sich Levofloxacin weiträumig in die Gewebe. In der Haut und in der Flüssigkeit von Blasen erreicht es nach den amerikanischen Produktinformationen Werte in der Größenordnung der Blutwerte, im Gewebe der Lunge liegt es deutlich darüber. An Bluteiweiße ist nur ein kleiner Teil gebunden. Umgebaut wird der Wirkstoff kaum; er verlässt den Körper überwiegend unverändert über die Nieren, wobei er nicht nur gefiltert, sondern zusätzlich aktiv in den Harn abgegeben wird. Bei eingeschränkter Nierenfunktion verbleibt er entsprechend länger im Körper, und eine Blutwäsche entfernt ihn nicht.
Das Erregerspektrum umfasst grampositive wie gramnegative Bakterien. Genannt werden unter anderem Staphylococcus aureus, soweit er nicht gegen Methicillin unempfindlich ist, Pneumokokken einschließlich mehrfach unempfindlicher Stämme, Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis, Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Legionellen (Legionella pneumophila) und Pseudomonas aeruginosa.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Levofloxacin wird in Breitband- und Reserveantibiotika verarbeitet. Es wird verschrieben, um leichte bis mittelschwere bakterielle Infektionen bei Erwachsenen zu behandeln, sofern diese durch Levofloxacin-empfindliche Bakterien verursacht worden sind. Hierzu zählen u. a.: komplizierte Infektionen der Harnwege, eine Entzündung der Atemwege wie eine akute Verschlimmerung einer chronischen Bronchitis oder eine Pneumonie (Lungenentzündung), eine Entzündung der Nasen-Nebenhöhlen (akute bakterielle Sinusitis), Infektionen der Haut und des Unterhautgewebes (Weichteilgewebe), inklusive der Muskeln, und letztlich auch langanhaltende Infektionen der Prostata (Vorsteherdrüse).
Damit entspricht das Anwendungsgebiet von Levofloxacin weitestgehend dem des eng verwandten Wirkstoffs Ofloxacin. Levofloxacin ist dabei das spiegelbildliche Einzelmolekül des Ofloxacins, auf das dessen antibakterielle Wirkung im Wesentlichen zurückgeht.
Für die genannten Anwendungsgebiete gilt allerdings die Einschränkung, die im Abschnitt über die Risiken beschrieben ist: Bei leichten bis mittelschweren Infektionen kommt Levofloxacin nur noch dann in Betracht, wenn die sonst üblichen Antibiotika ungeeignet sind.
Levofloxacin wird in der Regel als Filmtablette verabreicht und oral eingenommen. Insbesondere bei schwereren Erkrankungen kann auch eine Behandlung mittels Infusionslösung angezeigt sein.
Für die Einnahme der Tablette ist der zeitliche Abstand zu bestimmten anderen Mitteln wichtig. Antazida, die Magnesium oder Aluminium enthalten, außerdem Sucralfat, eisenhaltige Präparate und Vitaminpräparate mit Zink binden Levofloxacin im Verdauungstrakt, sodass wesentlich weniger davon ins Blut gelangt. Die amerikanischen Produktinformationen verlangen deshalb einen deutlichen zeitlichen Abstand vor oder nach der Einnahme; sie merken zugleich an, dass diese Bindung bei Levofloxacin schwächer ausfällt als bei anderen Fluorchinolonen.
Während der Behandlung wird auf eine ausreichende Trinkmenge geachtet, damit der Harn nicht zu stark eingedickt wird; für die Chinolone insgesamt sind Kristallbildungen im Harn beschrieben worden. Und noch eine Grenze ziehen die Produktinformationen: Wird ein Antibiotikum ohne nachgewiesene oder zumindest begründet vermutete bakterielle Ursache verordnet, bringt es dem Behandelten keinen Nutzen und erhöht lediglich die Gefahr, dass unempfindliche Keime entstehen.
Risiken & Nebenwirkungen
In medizinischen Studien konnten die folgenden unerwünschten Nebenwirkungen mit der Behandlung mit Levofloxacin in Verbindung gebracht werden:
- Häufig (bei weniger als einem von 10, aber mindestens einem von 100 Behandelten): Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Schlafprobleme und Schwindelgefühle.
- Gelegentlich (bei weniger als einem von 100 Behandelten): Juckreiz und Hautausschlag, Magenverstimmungen oder Störungen der Verdauung, Appetitlosigkeit, allgemeines Schwächegefühl, Veränderung der Anzahl der im Blut enthaltenen weißen Blutkörperchen, Nervosität und Schläfrigkeit.
- Selten (bei weniger als einem von 1.000 Behandelten): Kribbeln in Händen und Füßen ohne dass eine adäquate Verursachung von außen vorliegt (Parästhesie), Zittern, Angstzustände, Unruhe- und Stressgefühle, Depressionen, Erhöhung der Herzfrequenz, Atemprobleme bzw. pfeifende Atmung (Bronchospasmus) oder Kurzatmigkeit (Dyspnoe).
- Ebenfalls selten sind ein Abfall des Blutzuckerspiegels (Hypoglykämie), Sehstörungen und Fieber. Ohne Angabe einer Häufigkeit führen die deutschen Fachinformationen Hörstörungen, Störungen des Geruchssinns und eine erhöhte Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenlicht auf sowie Herzrhythmusstörungen, die bis zum Kreislaufstillstand führen können; Störungen des Geschmackssinns und ein anhaltendes Gefühl von Krankheit stehen dort unter „gelegentlich".
Für die im Körperinneren wirkenden Chinolone und Fluorchinolone – also die geschluckten, gespritzten und eingeatmeten Zubereitungen – haben die europäischen Arzneimittelbehörden die Anwendung im Jahr 2019 eingeschränkt. Anlass waren sehr seltene, aber über Monate oder Jahre anhaltende und mitunter bleibende Schäden an Sehnen, Muskeln, Gelenken und Nerven; bereits im Jahr zuvor war ein Warnhinweis auf ein erhöhtes Risiko für ein Aortenaneurysma und eine Aufspaltung der Hauptschlagaderwand aufgenommen worden. Levofloxacin soll seither nicht mehr bei leichten, von selbst ausheilenden Infektionen wie einer Rachen- oder Mandelentzündung verordnet werden, ebenso wenig zur Vorbeugung von Reisedurchfall oder wiederkehrenden Infektionen der unteren Harnwege; bei leichten bis mittelschweren Infektionen kommt es nur in Betracht, wenn die sonst üblichen Antibiotika ungeeignet sind. Wer schon einmal eine schwerwiegende Nebenwirkung unter einem Chinolon hatte, soll keines mehr erhalten, und beim ersten Anzeichen einer solchen Nebenwirkung ist die Behandlung zu beenden und ärztlicher Rat einzuholen. Das Risiko für Sehnenentzündungen und Sehnenrisse ist bei älteren Menschen, bei eingeschränkter Nierenfunktion, nach einer Organtransplantation und bei gleichzeitiger Behandlung mit Kortikosteroiden erhöht; die gleichzeitige Anwendung von Kortikosteroiden soll deshalb vermieden werden. Bei örtlich angewendeten Zubereitungen wie Augen- oder Ohrentropfen greifen diese Einschränkungen nicht.
Zur selben Einschränkung gehört ein weiterer Punkt: Der zugehörige Rote-Hand-Brief, mit dem die Ärzteschaft 2019 unterrichtet wurde, nennt ausdrücklich auch Beschwerden, die gar nicht von Bakterien herrühren – als Beispiel eine chronische Entzündung der Prostata ohne bakterielle Ursache. Bei derselben europaweiten Überprüfung wurden Arzneimittel mit vier älteren Vertretern der Gruppe – Cinoxacin, Flumequin, Nalidixinsäure und Pipemidsäure – vom Markt genommen; in Deutschland waren sie ohnehin nicht oder schon seit Längerem nicht mehr zugelassen.
Die amerikanischen Produktinformationen beschreiben die Schäden an Sehnen, Muskeln, Gelenken und Nerven ebenfalls und ordnen sie einer gemeinsamen Warnung zu: Sehnenentzündung und Sehnenriss, Gelenk- und Muskelschmerzen, Schädigungen der peripheren Nerven (Polyneuropathie) sowie Wirkungen auf das Zentralnervensystem können bei ein und demselben Patienten zusammen auftreten, und zwar von wenigen Stunden bis zu mehreren Wochen nach Behandlungsbeginn. Betroffen waren dabei auch Menschen jeden Alters ohne vorbestehende Risikofaktoren. Am häufigsten betroffen ist die Achillessehne; berichtet wurden außerdem die Sehnen an Schulter, Hand, Oberarm und Daumen. Beide Seiten können zugleich betroffen sein, und die Beschwerden können noch Monate nach Abschluss der Behandlung einsetzen. Zu den Wirkungen auf das Nervensystem zählen Halluzinationen, Verwirrtheit, Erregung, Albträume, Gedächtnisstörungen, Depressionen bis hin zu Selbsttötungsgedanken sowie Krampfanfälle; bei einer bekannten Erkrankung des Zentralnervensystems, die Krampfanfälle begünstigt, ist besondere Vorsicht geboten.
Weiter aufgeführt werden schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, die schon nach der ersten Gabe auftreten können, Veränderungen des Blutbilds und Schäden an den Nieren nach mehrfacher Gabe sowie eine schwere, mitunter tödlich verlaufende Schädigung der Leber. Treten Zeichen einer Leberentzündung auf, wird die Behandlung sofort beendet. Levofloxacin kann außerdem die Zeitspanne verlängern, die der Herzmuskel nach jedem Schlag für seine elektrische Erholung benötigt; bei einer bereits bekannten Verlängerung, bei Kaliummangel und bei gleichzeitiger Einnahme anderer Mittel mit derselben Eigenschaft wird die Anwendung vermieden.
Wie andere Antibiotika kann Levofloxacin die Darmbesiedlung so weit verändern, dass sich das Bakterium Clostridium difficile ausbreitet und eine Entzündung des Dickdarms auslöst. Sie reicht von leichtem Durchfall bis zu schweren Verläufen und kann nach den amerikanischen Produktinformationen noch Monate nach der letzten Gabe beginnen. Bei Durchfall während oder nach einer Behandlung ist deshalb ärztlicher Rat einzuholen. Besteht der Verdacht, wird geprüft, ob die laufende Antibiotikabehandlung abgebrochen werden muss; behandelt wird mit Flüssigkeit und Salzen, mit einem gegen den Erreger gerichteten Antibiotikum und in schweren Fällen chirurgisch. Die Bakterien bilden zwei Gifte, die die Entzündung hervorrufen; besonders giftbildende Stämme verlaufen schwerer und sprechen auf Antibiotika mitunter nicht an.
Zwei weitere Wechselwirkungen sind zu beachten. Unter blutgerinnungshemmenden Mitteln vom Typ des Warfarins kann die Wirkung verstärkt werden, sodass die Blutgerinnung überwacht und auf Blutungszeichen geachtet wird. Bei Menschen mit Diabetes mellitus, die blutzuckersenkende Tabletten oder Insulin erhalten, sind sowohl Anstiege als auch Abfälle des Blutzuckers beschrieben worden; schwere Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit und tödlichem Ausgang sind vorgekommen. Der Blutzucker wird deshalb sorgfältig überwacht, und bei einer Unterzuckerung wird Levofloxacin abgesetzt.
Die erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut kann sich als übersteigerter Sonnenbrand mit Rötung, Brennen, Bläschen und Schwellung äußern, und zwar an den belichteten Stellen wie Gesicht, Halsausschnitt, Streckseiten der Unterarme und Handrücken. Starke Sonnen- oder UV-Bestrahlung wird während der Behandlung gemieden; treten solche Reaktionen auf, wird die Behandlung beendet. Für junge Tiere beschreiben die amerikanischen Produktinformationen zudem Schäden am Knorpel: In Versuchen an jungen Hunden blieben die Veränderungen bestehen, und ähnliche Schäden an den tragenden Gelenken sind auch für andere Fluorchinolone bei jungen Tieren verschiedener Arten beschrieben.
Quellen
- Frank, U.: Antibiotika am Krankenbett.
ISBN: 9783662583371
- Ackermann, G. (Hrsg.): Antibiotika und Antimykotika.
ISBN: 9783804729407
- Brodt, H.-R. (Hrsg.): Infektionstherapie.
ISBN: 9783132423435
- Jung, N., Rieg, S., Lehmann, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
ISBN: 9783437223228
- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
ISBN: 9783437426223
