Kokken

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Kokken kommen in mehreren Organisationsformen vor und können zu schweren Infektionen führen, wenn sie sich stark vermehren und der Infizierte über eine geschwächte Immunabwehr verfügt. Verschiedene Kokken-Arten sind derart anpassungsfähig, dass sie mittlerweile schon Stämme entwickelt haben, die gegen herkömmliche Antibiotika resistent sind. Besonders tückisch ist auch, dass Kokken trotz guter Lebensmittelhygiene immer wieder schwere Lebensmittelvergiftungen auslösen können.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Kokken?

Kokken
Die kugeligen Bakterien sind in Zweier-Gruppen (Diplokokken), Tetraden (Vierergruppen), oder als Kettenkokken, Paket-Kokken (viereckige Zusammenballung von 8 und mehr Kugelbakterien) oder Haufen-Kokken (in Traubenform) organisiert.
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Kokken sind kugelförmige Bakterien, die entweder völlig rund oder eiförmig bzw. elliptisch geformt sind. Die Bezeichnung beschreibt allein die Form der Zellen und keine Verwandtschaft: Kugelbakterien finden sich in ganz unterschiedlichen, nicht näher miteinander verwandten Bakteriengruppen. Dass es sich bei bestimmten Bakterien-Arten um Kokken handelt, kann der medizinische Laie an der Namensendung -coccus erkennen. Kokken kommen in verschiedenen Organisationsformen vor, je nachdem, auf welcher Teilungsebene sie sich nicht voneinander getrennt haben. Die bekanntesten Vertreter sind Staphylokokken, Streptokokken und Enterokokken.

Treffen die Bakterien, die normalerweise in jedem Menschen und Tier vorhanden sind, auf besonders günstige Bedingungen und vermehren sie sich rasch, können sie gefährliche Erkrankungen auslösen und sogar zum Tod führen. Vor allem immungeschwächte Personen, Diabetiker, Neurodermitiker und hospitalisierte Personen (Patienten und Krankenhaus-Personal) sind besonders gefährdet, sich eine Kokken-Infektion zuzuziehen. Meist werden Kokken mit den gängigen Antibiotika behandelt. Allerdings gibt es mittlerweile bereits Stämme, die gegen bestimmte Antibiotika resistent sind.

Den Namen Staphylokokken prägte um 1880 der schottische Chirurg Alexander Ogston; die formale wissenschaftliche Beschreibung mit der Benennung der einzelnen Arten nahm 1884 Friedrich Julius Rosenbach vor. Enterokokken galten früher als Streptokokken der Serogruppe D, da sie wie Streptokokken das Gruppe D-Lancefield-Antigen haben. Seit 1984 werden sie jedoch wegen ihrer abweichenden genetischen Struktur als eigenständige Kokken-Gattung angesehen. Sie gehören zur Ordnung der Lactobacillales (Milchsäurebakterien).

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Die kugeligen Bakterien sind in Zweier-Gruppen (Diplokokken), Tetraden (Vierergruppen), oder als Kettenkokken, Paket-Kokken (viereckige Zusammenballung von 8 und mehr Kugelbakterien) oder Haufen-Kokken (in Traubenform) organisiert. Staphylokokken kommen als Haufen vor und besiedeln die Oberflächen von Haut und Schleimhäuten in großer Anzahl - was Menschen mit intaktem Immunsystem jedoch nichts ausmacht.

Die gram-positiven Erreger verfügen über keine Eigenbewegung und leben auf Haut und Schleimhäuten von den dort vorhandenen Nährstoffen. Sie vertragen Salz, Trockenheit und weite pH-Bereiche und überstehen deshalb auf Oberflächen und in Lebensmitteln lange Zeiträume; gegen Desinfektionsmittel sind sie dadurch vergleichsweise widerstandsfähig. Auch Austrocknung kann ihnen nichts anhaben.

Da sie sich durch Mutation schnell an neue Umgebungen anpassen können, verbreiten sie sich rasant und können Epidemien auslösen. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch über direkten Kontakt mit einer infizierten Person, über infizierte Gegenstände und Nahrungsmittel. Wie lange es von der Aufnahme bis zu den ersten Beschwerden dauert, hängt von der Art der Erkrankung ab. Bei Wund- und Hautinfektionen liegen meist einige Tage dazwischen. Infizierte Patienten können auch erst Monate später Symptome zeigen. Bei Lebensmittelvergiftungen kommt es nach wenigen Stunden zu ersten Krankheitsanzeichen.

Wichtigste Vertreter sind Staphylococcus aureus, der Haut und Schleimhäute besiedelt und Staphylococcus epidermidis, der auf der Haut und anderen Oberflächen lebt und in Krankenhäusern wegen seiner Resistenz gegen Penicillin und Methicillin gefürchtet ist. Er wird dort über infizierte Geräte, Blut, Husten-Sekret, Wundsekret und Hautkontakt übertragen. Über transplantierte Herzklappen, künstliche Gelenke und über Venen-Dauerkatheter gelangt er in den Körper des Patienten.

Streptokokken besiedeln die Mundhöhle und sind normalerweise harmlos. Die gram-positiven Kugelbakterien organisieren sich einzeln oder paarweise in mehr oder weniger langen Ketten. Sie können sich nicht von selbst bewegen und bilden keine Sporen aus. Manche Stämme sind von einer Schleim-Hülle umgeben. Sie leben anaerob, können aber Sauerstoff ausgesetzt werden und gewinnen ihre Energie durch Fermentationsprozesse. Enterokokken bilden ebenfalls Ketten aus und gehören bei Tier und Mensch zur normalen Darmflora. Außerdem kommen sie in Lebensmitteln wie Käse und Wurst vor.


Krankheiten & Beschwerden

Staphylococcus aureus dringt über Wunden und Verletzungen in die Blutbahn ein. Äußerlich verursacht er Ekzeme, Furunkel und Karbunkel. Verbreitet er sich über den Blutkreislauf, kann er Herz- und Lungenentzündungen, Hepatitis, Meningitis und sogar Blutvergiftungen hervorrufen. Besonders gefährdet sind Patienten mit einer geschädigten Hautbarriere (Neurodermitiker) und Menschen mit Durchblutungsstörungen der Haut.

Problematisch sind insbesondere die Staphylococcus-aureus-Stämme, die inzwischen durch übermäßigen Antibiotika-Einsatz resistent sind (MRSA-Stämme). Sehr gefährlich für den Patienten ist auch das Toxic-Shock-Syndrom (Kreislaufversagen durch explosionsartige Vermehrung von Staphylokokken im Körper). Außerdem können Staphylokokken Lebensmittelvergiftungen hervorrufen, da sogar die Wärmebehandlung das von ihnen gebildete Gift (Enterotoxin) nicht zerstört. Dieses Gift bleibt selbst dann wirksam, wenn die Bakterien durch Erhitzen bereits abgetötet sind. Staphylococcus epidermidis lagert sich gern an Fremdmaterialien an und gelangt so trotz ausreichender Desinfektion in den Körper der Patienten, wo er Infektionen und sogar Blutvergiftungen verursachen kann. Alte Menschen mit Herzerkrankungen und geschwächter Immunabwehr sowie frisch operierte Patienten sind besonders gefährdet. Nach Amputationen verzögern die eingedrungenen Kugelbakterien den Heilungsprozess.

Streptokokken verursachen Karies, indem sie den Zahnschmelz angreifen und sind für viele Infektionen im HNO-Bereich wie Mittelohr- und Mandelentzündungen verantwortlich. Außerdem gelten sie als Verursacher von Lungenentzündungen, eitrigen Bindegewebsentzündungen (Phlegmonen), der Eiterflechte (Impetigo), Wund- und Harnwegsinfektionen, Scharlach, Kindbettfieber und dem Toxic Shock Syndrom (TSS).

Streptokokken lassen sich meist gut mit Penicillin behandeln. Enterokokken können zu chronischen Harnweg-Entzündungen führen, wenn sie vom Darm aus in die Harnweg-Organe gelangen. Außerdem können sie Brustfell- und Herzinnenhautentzündungen hervorrufen. Sie werden mit einer Kombination von Aminopenicillin und Aminoglykosiden behandelt. Gegen Oxacillin und Cephalosporine sind Enterokokken von Natur aus unempfindlich; bei einer Resistenz gegen Ampicillin wird Vancomycin eingesetzt.

Bau der Kokkenzelle

Alle Kokken teilen die Kugelform, im Bau ihrer Zellhülle unterscheiden sie sich jedoch grundlegend. Die Gramfärbung, benannt nach dem dänischen Arzt Hans Christian Gram, macht diesen Unterschied sichtbar: Gram-positive Bakterien besitzen eine dicke, netzartige Stützschicht aus Murein, die den blauvioletten Farbstoff auch beim Auswaschen festhält; gram-negative haben nur eine dünne Stützschicht, über der eine zusätzliche äußere Membran liegt — sie verlieren den Farbstoff wieder und nehmen den roten Gegenfarbstoff an. Für die Behandlung ist diese Unterscheidung folgenreich, denn viele Antibiotika greifen genau an dieser Hülle an.

Manche Kokken umgeben sich zusätzlich mit einer Kapsel aus langkettigen Zuckern. Sie wirkt wie ein Tarnmantel: Die Fresszellen der Abwehr finden an der glatten Oberfläche keinen Halt, und Antikörper erreichen die darunterliegenden Angriffspunkte schlechter. Bei den Pneumokokken ist die Kapsel die entscheidende krankmachende Eigenschaft, und weil sie in vielen verschiedenen Bauformen vorkommt, richtet sich auch die Einteilung dieser Erreger nach ihr.

Bewegungsorgane fehlen den meisten Kokken; sie werden passiv verbreitet. Dafür tragen einige feine Fortsätze, sogenannte Pili, mit denen sie sich an Schleimhautzellen festhalten. Widerstandsfähige Dauerformen, wie sie manche stäbchenförmigen Bakterien ausbilden, gibt es bei den medizinisch wichtigen Kokken nicht — ihre oft erstaunliche Zähigkeit beruht nicht auf einem Ruhestadium, sondern auf der Zellhülle selbst.

Die wichtigsten Kokken im Überblick

Zu den gram-positiven Kokken zählen neben den drei bereits genannten Gattungen die Mikrokokken, die vor allem auf der Haut und in der Umwelt vorkommen und beim gesunden Menschen keine Rolle spielen, sowie eine Reihe von Kugelbakterien, die ausschließlich unter Luftabschluss wachsen. Letztere gehören zur normalen Besiedlung von Mund, Darm und Genitalbereich und finden sich vor allem in Mischinfektionen, etwa in Abszessen.

Die gram-negativen Kokken bilden eine deutlich kleinere Gruppe, sind medizinisch aber von erheblichem Gewicht. Ihre wichtigsten Vertreter gehören zur Gattung Neisseria und treten paarweise auf, weshalb sie zu den Diplokokken gerechnet werden: Meningokokken als Erreger von Gehirnhautentzündung und Blutvergiftung sowie Gonokokken als Erreger des Trippers. Die meisten übrigen Neisseria-Arten besiedeln den Rachen, ohne zu schaden. Ebenfalls gram-negativ und paarweise gelagert ist Moraxella catarrhalis, ein Bakterium der oberen Atemwege, das an Mittelohrentzündungen und Nasennebenhöhlenentzündungen beteiligt sein kann.

Die Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen sagt für sich genommen nichts über die Gefährlichkeit aus. Auch innerhalb einer Gattung liegen harmlose und gefürchtete Arten dicht beieinander: Bei den Staphylokokken etwa unterscheidet sich Staphylococcus aureus in seinem Krankheitspotenzial erheblich von den zahlreichen anderen Arten, die die menschliche Haut besiedeln.

Nachweis im Labor

Der erste Schritt ist fast immer das Mikroskop. Ausstriche aus Eiter, Wundabstrich, Blut, Urin oder Nervenwasser, nach Gram gefärbt, zeigen bereits, ob Kugelbakterien vorliegen, ob sie sich blau oder rot anfärben und wie sie angeordnet sind — Traube, Kette oder Paar. Diese Angaben grenzen die Möglichkeiten so weit ein, dass eine erste Behandlung begonnen werden kann, noch bevor die Anzucht abgeschlossen ist.

Auf der Anzucht bauen einfache, seit Langem bewährte Prüfungen auf. Der Katalase-Test trennt die Staphylokokken, bei denen ein Tropfen Wasserstoffperoxid sichtbar aufschäumt, von Streptokokken und Enterokokken, bei denen nichts geschieht. Der Koagulase-Test weist die Fähigkeit nach, Blutplasma gerinnen zu lassen, und hebt Staphylococcus aureus aus seiner Gattung heraus. Auf bluthaltigen Nährböden zeigt sich, ob und wie vollständig ein Stamm die roten Blutkörperchen auflöst; diese sogenannte Hämolyse ordnet vor allem die Streptokokken vor. Zur Feinunterscheidung dienen Empfindlichkeitsprüfungen gegen einzelne Prüfsubstanzen, und die serologische Einteilung nach Zuckerbausteinen der Zellwand ordnet die Streptokokken den bekannten Buchstabengruppen zu.

Weitgehend abgelöst wurden diese Testreihen durch die Massenspektrometrie: Aus einer einzelnen Bakterienkolonie wird ein Eiweißmuster gemessen und mit einer Datenbank verglichen, was die Art meist binnen Minuten benennt. Für Erreger, die sich schlecht anzüchten lassen, treten molekularbiologische Verfahren wie die Polymerase-Kettenreaktion hinzu; sie vervielfältigen Erbgutabschnitte gezielt und schlagen auch dann noch an, wenn bereits Antibiotika gegeben wurden. Welche Mittel tatsächlich wirken, klärt am Ende die Empfindlichkeitsprüfung des angezüchteten Stammes.

Kokken als Teil der normalen Besiedlung

Der Mensch trägt Kokken von Geburt an in großer Zahl mit sich: auf der Haut, in den Nasenvorhöfen, im Rachen, im Mund, im Darm und im Genitalbereich. Diese Besiedlung ist kein Zustand, den es zu beseitigen gälte. Die ansässigen Bakterien besetzen die Anheftungsstellen auf den Schleimhäuten, verbrauchen die vorhandenen Nährstoffe und geben Stoffe ab, die Konkurrenten hemmen. Fachlich heißt das Kolonisationsresistenz — der Schutz, den eine eingespielte Bakteriengemeinschaft gegen fremde Eindringlinge bietet.

Zwischen Besiedlung und Infektion liegt deshalb ein Unterschied, der im Alltag oft verwischt wird. Der Nachweis eines Kokkus in einem Abstrich belegt zunächst nur seine Anwesenheit. Ob er eine Erkrankung verursacht, entscheidet sich erst im Zusammenspiel mit dem Beschwerdebild, mit dem Ort der Probenentnahme und mit der Abwehrlage des Betroffenen. Erreger, die sich so verhalten, nennt man opportunistisch: Sie nutzen eine Gelegenheit, statt sie zu schaffen.

Solche Gelegenheiten sind vor allem Eintrittspforten. Eine Verletzung der Haut, ein liegender Katheter, ein Beatmungsschlauch, ein eingesetztes Fremdmaterial oder eine geschädigte Schleimhaut nach einer vorangegangenen Virusinfektion bringen Bakterien an Orte, an denen sie normalerweise nichts zu suchen haben. Auch eine Antibiotikabehandlung kann eine Gelegenheit schaffen, indem sie die angestammte Bakteriengemeinschaft ausdünnt und den überlebenden, unempfindlicheren Kokken Raum verschafft.

Eine besondere Rolle spielen dabei Biofilme. Auf Kunststoffoberflächen — an Kathetern, Beatmungsschläuchen, künstlichen Gelenken oder Herzklappen — lagern sich Kokken an und überziehen sich mit einer selbst gebildeten Schleimschicht. In diesem Verbund sind sie sowohl für die Abwehrzellen als auch für Antibiotika schwer erreichbar. Das erklärt, warum Infektionen an einliegendem Fremdmaterial hartnäckig verlaufen und häufig erst nach dessen Entfernung ausheilen.

Geschichte & Namensgebung

Das Wort geht auf das griechische „kokkos“ zurück, das Kern oder Beere bedeutet und die runde Gestalt beschreibt. Die Namen der großen Gruppen entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als das Mikroskop zum Werkzeug der Krankheitsforschung wurde und man die Bakterien zunächst nach dem benannte, was man sah. Der Chirurg Theodor Billroth prägte 1874 den Ausdruck Streptokokken für die kettenförmig gelagerten Kugelbakterien, die er in Wunden fand; der schottische Chirurg Alexander Ogston führte um 1880 die Bezeichnung Staphylokokken für die traubenförmigen Haufen ein, die er in Eiter beobachtete. Der Breslauer Arzt Albert Neisser beschrieb 1879 den Erreger des Trippers, der später nach ihm benannt wurde.

Die Kokken haben die Medizingeschichte an mehreren Stellen mitgeschrieben. Die serologische Einteilung der Streptokokken nach Zuckerbausteinen ihrer Zellwand, die bis heute in Gebrauch ist, geht auf Arbeiten der amerikanischen Bakteriologin Rebecca Lancefield aus den 1930er Jahren zurück. Die ersten Behandlungserfolge mit Penicillin wurden an Staphylokokken- und Streptokokken-Infektionen erzielt, die zuvor häufig tödlich verliefen. Und an einem Kugelbakterium — den Pneumokokken — wurde in Versuchen zwischen den 1920er und den 1940er Jahren nachgewiesen, dass Erbinformation von einem Bakterium auf ein anderes übergehen kann und dass die DNA der Träger dieser Information ist. Diese Erkenntnis gehört zu den Grundlagen der modernen Biologie.

Kokken außerhalb der Krankheitslehre

Nicht jede Bedeutung der Kugelbakterien liegt in der Medizin. In der Lebensmittelherstellung sind sie seit Jahrhunderten im Einsatz, lange bevor man wusste, dass es sie überhaupt gibt. Milchsäurebildende Kokken der Gattung Lactococcus säuern die Milch bei der Herstellung von Käse; Streptococcus thermophilus gehört gemeinsam mit stäbchenförmigen Partnern zu den Kulturen, mit denen Joghurt hergestellt wird. Die dabei entstehende Milchsäure senkt den pH-Wert so weit, dass Verderbniserreger sich nicht mehr vermehren können — Konservierung und Geschmacksbildung fallen hier zusammen.

Auch in der Forschung haben Kokken einen festen Platz. Sie lassen sich einfach anzüchten, wachsen rasch und sind gut untersucht, weshalb sie in der Mikrobiologie regelmäßig als Übungs- und Modellorganismen dienen. In der Umweltüberwachung schließlich werden Darmkokken als Anzeiger genutzt: Weil sie den Darm von Mensch und Tier praktisch immer besiedeln, in Gewässern aber nicht dauerhaft wachsen, verrät ihr Nachweis in einer Wasserprobe eine Verunreinigung mit Fäkalien.

Quellen

  • Hof, H., Dörries, R. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132423558
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Kayser, F. H., Böttger, E. C., Deplazes, P., et al.: Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132447936
  • Neumeister, B., Geiss, H. K., Braun, R. W., Kimmig, P. (Hrsg.): Mikrobiologische Diagnostik.
    ISBN: 9783137436027
  • Fuchs, G. (Hrsg.): Allgemeine Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132434776

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