Intensivmedizin

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Intensivmedizin beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie lebensbedrohlicher Krankheiten und Zustände. Sie ist eng mit der Notfallmedizin verbunden, da intensivmedizinische Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen dienen. In erster Linie geht es darum, das Leben des Patienten zu erhalten, wobei die Diagnose vorläufig sekundär ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Intensivmedizin?

Intensivmedizin
Die Intensivmedizin beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie lebensbedrohlicher Krankheiten und Zustände. Die drei Hauptaspekte der Intensivmedizin sind Monitoring, Beatmung und invasive Verfahren.

In Deutschland ist die Intensivmedizin kein eigenständiges Fachgebiet, sondern den verschiedenen Teilbereichen der Anästhesie, Chirurgie, Inneren Medizin, Neurochirurgie, Neurologie, Pädiatrie und Herzchirurgie zugeordnet. Fachärzte dieser Gebiete können die Zusatz-Weiterbildung „Intensivmedizin“ erwerben.

Der Gesundheitssektor verzeichnet eine wachsende Anzahl intensivmedizinischer Zentren für Intensivtherapie, Anästhesie, Intensivpflege und Intermediate Care. Sie firmieren unter der Fachbezeichnung „Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin“. Die Pflegekräfte verfügen über die Fachweiterbildung „Intensivpflege und Anästhesie“.

Behandlungen & Therapien

Die drei Hauptaspekte der Intensivmedizin sind Monitoring, Beatmung und invasive Verfahren. Das Monitoring erfasst die vitalen Funktionen des Patienten durch Erstellung und Erfassung seiner physiologischen Messwerte. Hierzu zählen die Überwachung von Herztätigkeit, Blutdruck, Sauerstoffsättigung in verschiedenen Kompartimenten, Hirndruck (ICP), zentraler Venendruck (ZVD) und Pulmonal-Arteriendruck (PAP).

Die Laborkontrollen sind engmaschig aufgestellt und erkennen umgehend Funktionsstörungen, auf die die Mediziner schnell reagieren können. Die Beatmung ist verbunden mit der Atemwegssicherung. Sie erfolgt durch die Tracheotomie oder die endotracheale Intubation. Invasive Verfahren sind die Voraussetzung zur Schaffung von Zugängen zu Körperhöhlen und Gefäßen. Sie werden eingesetzt bei Organersatzverfahren wie der Dialyse, der extrakorporalen Oxygenierung und dem kontinuierlichen Monitoring. Die intensivmedizinisch tätigen Ärzte und das Pflegepersonal arbeiten auf der Intensivstation, in der Anästhesie, Schmerztherapie, Notfallmedizin, Intermediate Care, im Rettungsdienst und in der Notaufnahme.

Patienten, die einen lebensbedrohlichen Zustand zeigen oder deren Zustand erwartungsgemäß bedrohlich werden kann, werden auf der Intensivstation aufgenommen. So führen nicht ausschließlich schwere Krankheiten zur intensivmedizinischen Überwachung und Therapie, sondern auch Zustände nach stark invasiven Operationen. Generell muss eine günstige Prognose gegeben sein, da Ziel die Wiederherstellung der Vitalfunktionen und der damit verbundenen Gesundheit ist, beziehungsweise ein weitgehend autonomer Zustand des Patienten erreicht werden soll. Bei terminalen Zuständen und Erkrankungen steht dagegen in der Regel nicht die Intensivstation, sondern die Palliativmedizin im Vordergrund.

Die Intensivmedizin behandelt elementare Störungen der Atmung, des Elektrolytehaushaltes, der Hämostase (Blutgerinnung), verschiedene Schockzustände (septisch, anaphylaktisch, hypovolämisch, kardiogen) und schwere Bewusstseinsstörungen. Auch für komplexe Krankheitsbilder wie Vergiftungen, Allgemeininfektionen, Schädel-Hirn-Trauma, Bauchfellentzündung, Bauchspeicheldrüsenentzündung, neurologische Erkrankungen (z. B. Schlaganfall, schwere Meningitis, zerebrale Blutungen, myasthenische Krisen, Subarachnoidalblutung, Delirium tremens), Herzerkrankungen, multiples Organversagen sowie Nieren- und Lungenversagen sind die Intensivmediziner zuständig.


Diagnose & Untersuchungsmethoden

Zur Diagnosesicherung gehören alle bildgebenden und endoskopischen Verfahren (Röntgen, Ultraschall, Kernspintomografie, CT). Intensivmedizin ist nicht gleichbedeutend mit der Gerätemedizin. Vielmehr arbeiten Ärzte und medizinisches Fachpersonal unterschiedlicher medizinischer Berufe bei der Versorgung von Patienten zusammen. Neben Behandlungen und Therapien, die auch von Normalstationen bekannt sind, setzt die Intensivmedizin eine große Anzahl moderner Geräte zur Umsetzung ihres Behandlungskonzeptes ein.

Damit die Intensivmediziner die Vitalfunktionen ihrer Patienten wie Herzfrequenz, Sauerstoffgehalt, Atmung, Hirntätigkeit, Kreislauf und die Tätigkeit der weiteren Organe überwachen können, sind die Patienten mit Überwachungsgeräten (Monitoren) verbunden. Die Erfassung der Vitalfunktionen erfolgt über Messfühler in Form von Elektroden und Sensoren, die diese Daten mittels einer Verkabelung an den Überwachungsmonitor weiterleiten. Dort werden die erfassten Daten ausgewertet und als Kurve dargestellt. Die Überwachungsgeräte verfügen über akustische und optische Alarmsignale. Aus Sicherheitsgründen reagieren diese intensivmedizinischen Geräte bereits auf die kleinsten Veränderungen. Zusätzlich erfolgt eine regelmäßige und persönliche Überwachung durch die Ärzte und das Pflegepersonal.

Infusionsleitungen sind weitere wichtige Instrumente der intensivmedizinischen Versorgung, da viele Patienten Medikamente oder eine künstliche Ernährung benötigen. Diese Zuführung erfolgt über die Infusionstherapie. Damit die entsprechenden Medikamente zugeführt werden können, legen die Mediziner den Patienten über einen Katheter einen Zugang in die Vene. Über Kunststoffleitungen werden die Ernährungslösungen und Medikamente dem Organismus zugeführt. Patienten, die ihre Nahrung nicht selbständig aufnehmen können, werden über eine Magensonde ernährt. Diese Ernährungssonden werden über die Speiseröhre in den Magen eingeführt. Viele Intensiv-Patienten benötigen zeitweise einen Harnkatheter zur Harnabführung. Über den Katheter wird der Urin in einen dünnen Plastikschlauch geleitet, der für die sichere Urinabführung in einen Auffangbeutel sorgt. Beatmungsgeräte unterstützen die Atmung des Patienten.

Der Patient ist mit dem Beatmungsgerät über einen Tubus (Beatmungsschlauch) verbunden, der über den Mund in die Luftröhre gelegt wird. Auf diese Weise gelangt die Atemluft aus dem Beatmungsgerät in die Lunge. Während der Beatmung über den Tubus kann der Patient nicht sprechen. Ist er jedoch bei Bewusstsein und ansprechbar, ist eine Kommunikation über Zeichentafeln oder Zeichensprache möglich. Hämodialyse- und Hämofiltrationsgeräte (künstliche Niere) werden bei Patienten mit einer gestörten Nierenfunktion eingesetzt. Sie ersetzen die gestörte natürliche Nierentätigkeit und ermöglichen die notwendige Blutwäsche. Diese Geräte entfernen Abbauprodukte, überschüssige Flüssigkeit, Medikamentenrückstände und sonstige Schadstoffe aus dem Körper. Die Verbindung zwischen Gerät und Blutkreislauf des Patienten erfolgt über Katheter, die das Blut zur Reinigung in das Gerät einleiten und von dort aus wieder zum Patienten zurückleiten.

Ergänzt werden diese invasiven Überwachungsmethoden durch die nicht-invasive Überwachung des Herz-Kreislaufsystems mittels EKG und Blutdrucküberwachung sowie der Messung von Körpertemperatur und Sauerstoffsättigung. Davon zu unterscheiden sind die invasiven Messmethoden des zentralen Venendrucks, die arterielle Blutdruckmessung und der Lungenarterienkatheter. Zudem unterstützen Laborautomaten die Mediziner bei der Erhebung häufig benötigter Werte wie Säure-Basen-Status, Blutgase, Hämoglobin und Elektrolyte im Point-of-Care-Testing.

Als Medikamente setzen die Intensivmediziner Analgetika (Schmerzmittel), Antiarrhythmika (gegen tachykarde Herzrhythmusstörungen), Antidota (Antitoxin, Gegengift), Injektionsnarkotika, Katecholamine (Adrenalin, Dopamin), Relaxantien, Sedativa (entspannende Pharmaka), Lokalanästhetika, Nitropräparate, Antiasthmatika, Antihypotonika (gegen niedrigen Blutdruck) und Spasmolytika/Vagolytika (Buscopan, Atropinsulfat) ein. Patienten in intensivmedizinischen Einrichtungen sind einem deutlich höheren Infektionsrisiko ausgesetzt als Patienten auf Normalstationen. Begünstigende Faktoren sind Alter, die Grunderkrankung, Begleiterkrankungen, schlechter Ernährungszustand und Bewusstseinsstörungen.

Therapieseitig kann eine große Anzahl von Maßnahmen zur Durchbrechung der Immunbarriere des Patienten führen. Daher bestehen außerordentlich hohe Anforderungen an die Hygiene. Aus diesem Grund sind die Stationen mit einem Schleusensystem ausgestattet, in dem Personal und eventuell erlaubte Besucher ihre Kleidung wechseln.

Das medizinische Personal trägt einen Mundschutz zur Abwehr von Tröpfcheninfektionen und spezielle Bereichskleidung. Die Hände sind der wichtigste Übertragungsweg und müssen daher konsequent desinfiziert werden. Patienten mit einer angegriffenen Abwehrlage werden auf spezielle Isolierstationen verbracht. Alle eingesetzten Geräte werden gleichfalls aufbereitet; was in den Körper eingebracht wird, muss steril sein.

Geschichte & Entwicklung

Die Intensivmedizin ist ein junges Fach. Ihre Wurzeln reichen in die Anfänge der maschinellen Atemunterstützung zurück: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Patienten mit Atemlähmung in der sogenannten eisernen Lunge behandelt, einem Unterdrucktank, der den Brustkorb von außen bewegte.

Zum Wendepunkt wurde eine schwere Kinderlähmungsepidemie, die 1952 Kopenhagen traf. Weil die vorhandenen Tankgeräte nicht ausreichten und die Sterblichkeit der Erkrankten mit Atemlähmung sehr hoch war, schlug der dänische Anästhesist Bjørn Ibsen vor, die Betroffenen über einen Luftröhrenschnitt mit Überdruck zu beatmen. Zunächst geschah das von Hand, in Schichten durch Medizinstudenten. Die Sterblichkeit sank deutlich. Kurz darauf entstand in Kopenhagen eine Station, auf der schwerkranke Patienten räumlich zusammengelegt und gemeinsam überwacht wurden — der Grundgedanke der heutigen Intensivstation.

In den folgenden Jahrzehnten kamen die technischen Voraussetzungen hinzu: verlässliche Beatmungsgeräte, die dauerhafte elektrische Überwachung der Herztätigkeit, die Möglichkeit, Blutgase zu messen, sowie Verfahren, die die Arbeit von Niere oder Lunge vorübergehend ersetzen. Ebenso wichtig war die Entwicklung der Pflege: Die dauerhafte Anwesenheit besonders geschulten Personals am Bett ist bis heute das eigentliche Kennzeichen der Intensivbehandlung.

Neuer ist die Einsicht, dass nicht jede mögliche Maßnahme auch sinnvoll ist. Seit den 1990er Jahren rückten die Folgen langer Intensivbehandlung, die Belastung durch tiefe Ruhigstellung und die Frage nach dem Willen des Patienten in den Vordergrund. Daraus entstand ein verändertes Vorgehen, das auf möglichst geringe Beruhigungsmittelgabe, frühe Mobilisierung und regelmäßige Überprüfung des Behandlungsziels setzt.

Wer auf der Intensivstation arbeitet

Die Intensivbehandlung ist ausgeprägte Teamarbeit. Den größten Anteil an der Versorgung tragen Pflegekräfte, die eine mehrjährige Fachweiterbildung für Intensivpflege und Anästhesie absolviert haben können. Sie überwachen den Zustand ununterbrochen, bedienen die Geräte, versorgen Zugänge und Wunden, lagern die Patienten zur Vermeidung von Druckgeschwüren um und bemerken Veränderungen oft als Erste. Der Betreuungsschlüssel ist deutlich enger als auf einer Normalstation.

Ärztlich wird die Station je nach Haus von der Anästhesie, der Inneren Medizin, der Chirurgie oder der Neurologie geführt; die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin steht Fachärzten dieser Gebiete offen. Rund um die Uhr ist ärztliche Präsenz erforderlich. Hinzu kommen weitere Berufsgruppen: Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten beginnen früh mit Bewegungsübungen und Atemtherapie, Logopäden beurteilen Schluckstörungen nach längerer Beatmung, Ergotherapeuten üben alltägliche Handgriffe wieder ein, und Fachkräfte für Ernährung, Apotheke, Mikrobiologie und Hygiene werden regelmäßig hinzugezogen. Seelsorge und psychologische Betreuung stehen für Patienten und Angehörige zur Verfügung.

Ein festes Element des Arbeitsalltags ist die gemeinsame Visite, in der der Zustand jedes Patienten besprochen und das Behandlungsziel für den Tag festgelegt wird. Weil auf einer Intensivstation viele Entscheidungen unter Zeitdruck fallen und viele Hände beteiligt sind, haben strukturierte Übergaben und Kontrolllisten einen hohen Stellenwert.

Ablauf für Patienten und Angehörige

Die Aufnahme erfolgt entweder geplant nach einem großen Eingriff oder ungeplant bei einer akuten Verschlechterung. In den ersten Stunden werden Zugänge gelegt, die Überwachung angeschlossen und die dringendsten Maßnahmen ergriffen; für Angehörige ist diese Phase häufig die belastendste, weil zunächst wenig gesagt werden kann.

Ob ein Patient wach ist, hängt vom Krankheitsbild ab. Viele sind ansprechbar, auch unter Beatmung; andere werden vorübergehend mit Medikamenten in einen schlafähnlichen Zustand versetzt. Über den Beatmungsschlauch ist Sprechen nicht möglich, wohl aber Verständigung über Zeichen, Tafeln oder Schrift. Der Tagesablauf ist von Untersuchungen, Pflegemaßnahmen und Übungen bestimmt; die dauernde Helligkeit, die Geräusche der Geräte und der unterbrochene Schlaf sind für viele Patienten belastend, weshalb versucht wird, Ruhephasen zu schaffen und den Tag-Nacht-Rhythmus zu unterstützen.

Angehörige sind ausdrücklich erwünscht. Besuchszeiten sind meist geregelt, werden aber vielerorts großzügig gehandhabt; vor dem Betreten sind Händedesinfektion und gegebenenfalls Schutzkleidung erforderlich. Vertraute Stimmen, Berührung und persönliche Gegenstände können zur Orientierung beitragen, gerade bei verwirrten Patienten. Auskünfte über den Zustand werden aus Gründen der Schweigepflicht nur an Bezugspersonen gegeben, die der Patient benannt hat oder die zur Vertretung befugt sind. Es ist üblich und sinnvoll, feste Ansprechpartner in der Familie zu bestimmen, mit denen das Behandlungsteam spricht.

Bessert sich der Zustand, wird zunächst auf eine Überwachungseinheit mit geringerer Betreuungsdichte und dann auf eine Normalstation verlegt. Dieser Schritt wird von manchen Patienten und Angehörigen als Verunsicherung erlebt, weil die ständige Überwachung wegfällt; er ist jedoch ein Zeichen der Besserung.

Was danach kommt

Eine überstandene Intensivbehandlung ist mit der Verlegung nicht abgeschlossen. Ein häufiges Ereignis ist das Delir, ein akuter Verwirrtheitszustand mit Desorientierung, Wahrnehmungsstörungen und verändertem Schlaf-Wach-Rhythmus. Es tritt vor allem bei älteren und schwer kranken Menschen auf, wird durch Schlafmangel, Schmerzen und Beruhigungsmittel begünstigt und bildet sich meist zurück, verlängert aber die Behandlung. Vorbeugend wirken Orientierungshilfen wie Uhr und Kalender, Brille und Hörgerät, Tageslicht, frühe Mobilisierung und der Besuch vertrauter Personen.

Nach längerer Behandlung entwickelt sich häufig eine ausgeprägte Muskelschwäche, die auf Bettlägerigkeit sowie auf krankheitsbedingte Schädigungen von Nerven und Muskeln zurückgeht. Betroffene benötigen oft Wochen bis Monate, um wieder gehen und alltägliche Verrichtungen bewältigen zu können; deshalb wird bereits auf der Station mit Bewegungsübungen begonnen, sobald der Kreislauf es zulässt. Häufig schließt sich eine Rehabilitation an.

Beschrieben sind darüber hinaus länger anhaltende Beschwerden nach Intensivbehandlung, die körperliche Schwäche, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie seelische Folgen umfassen. Manche Patienten haben keine Erinnerung an die Zeit auf der Station, andere behalten beängstigende Erinnerungsbruchstücke, aus denen sich Ängste, niedergedrückte Stimmung oder eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln können. Auch Angehörige sind belastet. Ein anerkanntes Hilfsmittel ist das Intensivtagebuch, in dem Pflegende und Angehörige den Verlauf festhalten, damit der Genesende die fehlende Zeit später einordnen kann. Nachsorgesprechstunden bieten die Möglichkeit, offene Fragen zu klären.

Grenzen der Intensivmedizin

Nicht jede Behandlung, die technisch möglich ist, dient dem Patienten. Deshalb wird das Behandlungsziel regelmäßig überprüft: Ist die Aussicht auf Besserung so gering, dass die Belastung nicht mehr zu rechtfertigen ist, kann das Ziel von der Lebensverlängerung auf die Linderung von Beschwerden umgestellt werden. Eine solche Therapiezieländerung ist kein Behandlungsabbruch, sondern ein Wechsel des Schwerpunkts hin zu Schmerzfreiheit, Ruhe und Begleitung, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit der Palliativmedizin.

Maßgeblich ist dabei der Wille des Patienten. Kann er sich nicht äußern, gilt, was er zuvor schriftlich festgelegt hat; liegt keine solche Verfügung vor, muss der mutmaßliche Wille ermittelt werden, wozu Angehörige und Vertrauenspersonen wesentlich beitragen. Wer eine Vertretung bestimmt hat, erleichtert diese Entscheidungen erheblich. Solche Gespräche werden in der Regel wiederholt und im Team getroffen, nicht von einer einzelnen Person.

Von der Notfallmedizin unterscheidet sich die Intensivmedizin darin, dass jene die erste Versorgung außerhalb des Krankenhauses und in der Notaufnahme leistet, während diese die anschließende Behandlung über Tage und Wochen übernimmt. Die Intermediate-Care-Einheit steht dazwischen: Sie bietet eine engere Überwachung als die Normalstation, aber nicht den vollen Umfang der Organersatzverfahren.

Quellen

  • Marx, G., Muhl, E., Zacharowski, K., Zeuzem, S. (Hrsg.): Die Intensivmedizin.
    ISBN: 9783662686997
  • Braun, J., Preuss, R. (Hrsg.): Klinikleitfaden Intensivmedizin.
    ISBN: 9783437237676
  • Michels, G., Kochanek, M. (Hrsg.): Repetitorium Internistische Intensivmedizin.
    ISBN: 9783662531815
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin.
    ISBN: 9783662703977
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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