Kieferhöhlenentzündung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine Kieferhöhlenentzündung ist eine meist virale, seltener bakterielle Infektion in den Hohlräumen des Kiefers. Sie folgt oft auf eine Erkältung und verursacht Druck und Schmerzen im Gesicht.
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Was ist eine Kieferhöhlenentzündung?
Eine Kieferhöhlenentzündung ist, wie der Name bereits verrät, eine Entzündung innerhalb der kleinen Hohlräume im Kieferknochen. Die Kieferhöhlen befinden sich im Wangenbereich unterhalb der Augenhöhlen.
Kieferhöhlenentzündungen folgen meist auf eine Erkältung und verursachen Schmerzen und unangenehmen Druck. Die Entzündung kann akut sein oder chronisch. Bei einer chronischen Kieferhöhlenentzündung bleiben die Symptome für 8 Wochen oder länger bestehen. Nach der heute gebräuchlichen Definition spricht man von einer chronischen Entzündung, wenn die Beschwerden mindestens zwölf Wochen anhalten. Die Entzündung kann eine bakterielle oder eine virale Ursache haben.
Bei einer viralen Entzündung mit starken Schwellungen kann es vorkommen, dass die Flüssigkeit nicht aus den Höhlen entweichen kann und sich das Virus darin weiter vermehrt. Bakterielle Entzündungen können mit Antibiotika behandelt werden, wobei bei einer viralen Kieferhöhlenentzündung lediglich die Symptome der Erkrankung gelindert werden.
Ursachen
Schleim und Flüssigkeit konzentrieren sich in den Höhlen und lösen unangenehmen Druck aus. Je weniger ein kontinuierlicher Ausfluss aus der Kieferhöhle gewährleistet ist, desto mehr steigt das Risiko für eine Verschlimmerung der Entzündung. Zwar sind es vor allem Erkältungen, die eine Kieferhöhlenentzündung auslösen, doch auch andere Gründe können zu Entzündungen führen.
Manche Allergien, die sich in der Nase bemerkbar machen, oder auch Fehlstellungen im Knochenbau können chronische Entzündungen unterstützen. Außerdem kann die Ursache in nasalen Polypen liegen oder in Fremdkörpern (meist bei Kindern), die sich in der Nase festgesetzt haben.
Eine eigene Gruppe bilden die vom Zahn ausgehenden Kieferhöhlenentzündungen. Da die Wurzeln der oberen Backenzähne bis an den Boden der Kieferhöhle heranreichen, kann eine Zahnwurzelentzündung, ein tief zerstörter Zahn oder eine Wurzelbehandlung die Entzündung unmittelbar in die Kieferhöhle fortleiten. Kennzeichnend ist eine einseitige, oft übelriechende Entzündung. In diesem Fall hilft die Behandlung der Nase allein nicht weiter, sondern der ursächliche Zahn muss zahnärztlich versorgt werden.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Typische Symptome einer akuten Kieferhöhlenentzündung (Sinusitis maxillaris) sind ein stetiges Druck- und Hitzegefühl sowie dumpfe oder pochende Schmerzen in der Wangenregion, welche sich beim Bücken in der Regel verstärken. Oftmals gehen mit einer Sinusitis maxillaris auch Zahnschmerzen einher, diese betreffen vorwiegend die Backenzähne im Oberkiefer, da deren Wurzeln meist bis in die Kieferhöhle hineinragen.
Bei heftigen Verläufen können die Schmerzen jedoch auch in den Unterkieferbereich ausstrahlen. Durch das Anschwellen der betroffenen Schleimhäute in der Kieferhöhlenregion kommt es außerdem häufig zu Druckkopfschmerzen im Stirnbereich. Nicht selten tritt parallel zur Sinusitis auch eine ein- oder beidseitige Augenentzündung auf, diese wird oftmals von eitrigem Augenausfluss und Lidschwellungen begleitet.
Nicht selten erhöht sich je nach Ausmaß der Entzündung zudem die Körpertemperatur, leichtes bis starkes Fieber mit Schüttelfrost ist möglich. Im Zuge dessen leiden viele Patienten unter allgemeinem Unwohlsein, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Reizbarkeit. Durch die Entzündung in den Kieferhöhlen bildet sich ein eitriges Sekret, welches über Nase und Rachen abfließt und vor allem im Halsbereich und in den Bronchien zu weiteren Infektionen und Husten führen kann.
Oftmals greift die Entzündung auch auf den Mundbereich (Zahnfleisch) über. Bei einer chronischen Kieferhöhlenentzündung leiden die Betroffenen zudem unter Geruchsstörungen und einer eingeschränkten Nasenatmung. In einigen Fällen kann eine chronische Sinusitis jedoch auch völlig beschwerdefrei verlaufen.
Diagnose & Verlauf
Die Diagnose für eine Kieferhöhlenentzündung basiert zumeist auf der Analyse der spezifischen Krankengeschichte und einer physischen Untersuchung. Eine genaue Kenntnis über Allergien oder Ursachen ist häufig effektiver als eine körperliche Untersuchung. Wenn Symptome und körperliche Anzeichen typisch sind für eine Kieferhöhlenentzündung, sind weitere Tests nicht notwendig. Zusätzliche Verfahren müssen jedoch ausgeführt werden, wenn ...
- die Diagnose uneindeutig bleibt
- die Behandlung mit Antibiotika erfolglos bleibt
- auch eine Infektion des Knochens vermutet wird
In diesen Fällen kann auf die Untersuchung mit Röntgenbildern oder CT zurückgegriffen werden, um ein genaueres Bild des Zustands zu bekommen. Lange Zeit war dabei die Röntgenaufnahme der Nasennebenhöhlen üblich. Heute wird stattdessen die Computertomographie bevorzugt, weil die einfache Röntgenaufnahme die Kieferhöhlen nur unzuverlässig beurteilen lässt. Des Weiteren existieren noch die Untersuchungen mit einem Endoskop oder einer direkten Laboranalyse der in den Kieferhöhlen befindlichen Flüssigkeit.
Komplikationen
Dadurch kommt es zu starken Schmerzen, einem eingeschränkten Riechvermögen und langfristig zu Schädigungen der Kieferhöhlen. Zudem kann sich die Entzündung auf die Zähne ausbreiten und zu schweren Erkrankungen und Entzündungen im Mundraum führen. So treten begleitend zu einer Kieferhöhlenentzündung oftmals auch Entzündungen der Stirnhöhle und der Nasennebenhöhlen auf, die weitere Komplikationen nach sich ziehen.
Verlagert sich die Sinusitis in die Augen- oder Ohrenregion, kann es zu weiteren Beschwerden wie einem eingeschränkten Seh- oder Hörvermögen, der Entstehung von Zysten und selten auch zu einer lebensbedrohlichen Sepsis kommen. Bei der Behandlung einer Kieferhöhlenentzündung kann es im Rahmen einer Operation zu Blutungen, Wundheilstörungen und Nervenverletzungen kommen.
Die verordneten Antibiotika, Nasensprays und Schmerzmittel können bei Risikogruppen Unverträglichkeiten und allergische Reaktionen hervorrufen. Bei einer zu späten oder unzureichenden Behandlung besteht das Risiko eines dauerhaften Verlustes des Riechvermögens.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn Riechstörungen, Fieber und andere typische Symptome einer Kieferhöhlenentzündung bemerkt werden, sollte zeitnah ein Arzt konsultiert werden. Bei anhaltenden Beschwerden, die das Wohlbefinden zunehmend beeinträchtigen, ist ein Besuch beim Hausarzt angezeigt. Auch ungewöhnliche Symptome, die auf keine andere Ursache zurückzuführen sind (z.B. druckempfindliche Augen oder chronischer Schnupfen), sollten von einem Arzt untersucht werden. Erfolgt die Behandlung frühzeitig, treten meist keine weiteren Beschwerden oder ernstzunehmende Komplikationen auf.
Bleibt die Kieferhöhlenentzündung allerdings unbehandelt, können die Erreger auf weitere Körperregionen übergreifen. Personen, bei denen begleitend zur Geruchsstörung Schmerzen in der Augen- oder Ohrenregion oder sogar im Bereich der Knochen auftreten, sollten umgehend einen Arzt aufsuchen. Falls sich Zysten entwickeln oder Anzeichen einer Sepsis bemerkt werden, muss der Erkrankte sofort ein Krankenhaus aufsuchen. Eine Schwellung oder Rötung des Augenlids, ein hervortretendes Auge, Doppelbilder oder eine Verschlechterung des Sehvermögens sprechen für ein Übergreifen der Entzündung auf die Augenhöhle. Heftige Kopfschmerzen mit Nackensteife, hohem Fieber, Erbrechen oder Verwirrtheit deuten auf eine Beteiligung des Schädelinneren hin. In beiden Fällen handelt es sich um einen Notfall, bei dem umgehend der Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 zu alarmieren ist. Allergiker und Grippe-Patienten sollten bei ersten Anzeichen einer Folgeerkrankung den Arzt informieren und eine Untersuchung veranlassen. Der richtige Ansprechpartner ist der Allgemeinmediziner oder ein HNO-Arzt. Mit Kindern sollte der Kinderarzt eingeschaltet werden.
Behandlung & Therapie
Eine Kieferhöhlenentzündung wird zumeist sowohl mit medizinischen Mitteln als auch mit Hausmitteln behandelt. Letztere beinhalten häufig die Behandlung der geschwollenen Regionen mit Wärme.
Die primären Ziele der Behandlung sind den Abfluss der Flüssigkeit aus den Kieferhöhlen wieder zu gewährleisten und somit den Druck abzubauen, sowie die Infektion auszuheilen und weitere Verletzungen und Narbenbildung zu verhindern. Medikamentöse Behandlung einer Kieferhöhlenentzündung erfolgt, wenn es sich um eine bakterielle Infektion handelt. Die akute Kieferhöhlenentzündung ist allerdings ganz überwiegend viral bedingt und heilt von selbst aus; ein Antibiotikum bleibt deshalb Ausnahmefällen vorbehalten, etwa bei hohem Fieber, starken einseitigen Schmerzen, einer erneuten Verschlechterung nach zwischenzeitlicher Besserung oder bei geschwächter Abwehrlage.
Die Behandlungszeiträume können hierbei von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen oder länger verlaufen. Die zur Heilung einer Kieferhöhlenentzündung eingesetzte Medizin beinhaltet eine Kombination aus ...
- Antibiotika um die Bakterien zu bekämpfen
- Dekongestivum um die Schwellung zu reduzieren
- Schmerzmittel wie Ibuprofen um die Schmerzen zu lindern
- Mukolytika um den Schleim zu lösen
- Corticosteroide um die Entzündung in der Nase zu lindern
Da die meisten Menschen an einer akuten viralen Kieferhöhlenentzündung erkranken, werden auch zwei Drittel aller Kieferhöhlenentzündungen ohne zusätzliche Medikamente auskuriert. Ein Gespräch mit dem Arzt ist jedoch ratsam, um sicher zu gehen, welche Art der Behandlung den größten Erfolg verspricht.
Aussicht & Prognose
Unter normalen Umständen, hat die Kieferhöhlenentzündung eine gute Prognose. Begibt sich der Betroffene in eine medizinische Behandlung, wird durch die Gabe von Arzneien versucht, den Krankheitsauslöser zu bekämpfen. Gelingt dies ohne weitere Komplikationen, stellt sich bereits innerhalb der Therapie eine Linderung der Beschwerden ein.
Nach wenigen Tagen oder Wochen kann der Patient beschwerdefrei aus der Behandlung entlassen werden. Treten Unverträglichkeiten gegenüber den Wirkstoffen in den verschriebenen Medikamenten auf, muss eine Umstellung der Präparate erfolgen. Es kommt zu Verzögerungen innerhalb des Heilungsverlaufes, aber dennoch wird innerhalb kurzer Zeit eine Beschwerdefreiheit erreicht.
Stellen Ärzte eine zusätzliche Infektion des Knochens fest, verschlechtert sich die Prognose. Gleiches gilt, wenn die Entzündung nicht vollständig auskuriert wurde. Eine Ausbreitung der Krankheitserreger auf weitere Körperregionen ist möglich. Diese führen zu einer Zunahme der Beschwerden und einer Abnahme des allgemeinen Wohlbefindens. Zudem können Funktionsstörungen eintreten und die Gefahr einer Blutvergiftung steigt an. Bei einem ungünstigen Krankheitsverlauf droht dem Patienten eine chronische Kieferhöhlenentzündung. Eine Langzeittherapie ist in diesen Fällen notwendig.
Je stabiler das körpereigene Abwehrsystem ist und je gesünder der Lebenswandel des Betroffenen ist, desto besser sind die Heilungsaussichten. Im weiteren Verlauf des Lebens kann es jederzeit zu einer erneuten Kieferhöhlenentzündung kommen. Die Prognose bleibt bei einem Wiederbefall unverändert.
Vorbeugung
Einer Kieferhöhlenentzündung kann vorgebeugt werden, indem eine Überfüllung (Nasenschleim, Naseputzen) der Nase bei Schnupfen oder einer Allergie vermieden wird. Auch das Meiden des Kontakts mit erkälteten Personen und gründliches Händewaschen verkleinern das Risiko. Zigarettenrauch und trockene Raumluft fördern Infektionen, sowie natürlich die spezifischen Allergene bei Allergikern.
Nachsorge
Eine Kieferhöhlenentzündung stellt in der Regel ein akutes Ereignis dar. Sie heilt innerhalb von zwei Wochen vollständig ab. Anschließend gibt es keinen Grund, planmäßige Nachsorgeuntersuchungen durchzuführen. Denn anders als bei einer Tumorerkrankung ist die Kieferhöhlenentzündung kein lebensbedrohliches Ereignis.
Der Aufwand für eine Diagnose des Frühstadiums wäre viel zu hoch und unwirtschaftlich. Auch besteht kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen einer ersten und jeder weiteren Kieferhöhlenentzündung. Der Infektionsherd ist bei der akuten Form stets ein anderer. Die Beschwerdefreiheit erlaubt ein normales Leben.
Eine erneute Erkrankung ist allerdings jederzeit möglich. Die Vermeidung einer weiteren Ansteckung fällt ausschließlich in den Zuständigkeitsbereich des Patienten. Dieser hat allgemeinübliche Vorsorgemaßnahmen in seinem Leben zu beachten. Bei einer chronischen Kieferhöhlenentzündung helfen Ärzte ihren Patienten im Rahmen einer Dauerbehandlung. Der Rhythmus zur Behebung der Beschwerden wird individuell festgelegt.
Wichtige Anhaltspunkte über den gesundheitlichen Zustand geben die Blutuntersuchung sowie das Röntgen, CT und Ultraschall wieder. Auch die körperliche Anamnese ist wichtig. Bei der chronischen Kieferhöhlenentzündung muss der Patient Medikamente einnehmen. Häufige Termine beim Arzt deuten nicht nur auf Komplikationen hin; vielmehr stellt sich auch die Frage, ob statt konservativer Verfahren eher eine Operation notwendig wird.
Das können Sie selbst tun
Wärme beschleunigt den Heilungsvorgang und lindert die Schmerzen. Dieser Effekt kann durch Bestrahlungen mit einer Rotlichtlampe oder durch feuchtwarme Umschläge erreicht werden. Frische Luft tut den Nasennebenhöhlen gut, Kopf und Gesicht sollten vor allem in der kalten Jahreszeit durch Mütze und Schal gut geschützt sein. Trockene Raumluft reizt die angegriffenen Schleimhäute, Luftbefeuchter und regelmäßiges Lüften sorgen für ein wohltuendes Raumklima. Zusätzlich unterstützen Dampfbäder mit dem Zusatz von Thymian, Kamillenblüten oder ätherischen Ölen das Abschwellen der Schleimhäute. Hilfreich können auch Nasenspülungen mit schwachen Salzlösungen sein, die ebenso wie abschwellende Nasensprays oder -tropfen in der Apotheke erhältlich sind.
Wie bei jedem Infekt ist bei der Kieferhöhlenentzündung eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr sehr wichtig. Kräuterteemischungen aus entzündungshemmenden und schleimlösenden Heilkräutern wie etwa Kamille, Thymian, Salbei, Schlüsselblumenblüten und Spitzwegerich werden am besten mit Honig gesüßt und möglichst warm getrunken. Ingwer, Kurkuma, Meerrettich und Knoblauch wirken ebenso entzündungshemmend wie die altbewährte Hühnersuppe, Obst und Gemüse liefern wichtige Vitamine zur Stärkung der Abwehrkräfte. Damit der Körper die Infektion erfolgreich bekämpfen kann, ist für einige Tage körperliche Schonung angezeigt.
Quellen
- Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
ISBN: 9783131190338
- Boenninghaus, H.-G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
ISBN: 9783642211300
- Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde.
ISBN: 9783662581773
- Strutz, J., Mann, W. (Hrsg.): Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie.
ISBN: 9783132454606
- Guntinas-Lichius, O.; Klußmann, J. P.; Lang, S.: Referenz HNO-Heilkunde.
ISBN: 9783132422421

