Daunorubicin

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Daunorubicin ist ein Arzneistoff aus der Wirkstoffklasse der Zytostatika und der Anthracycline. Das Mittel wird als Zytostatikum eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Daunorubicin?

Daunorubicin
Daunorubicin ist verschreibungspflichtig und wird zur Behandlung von verschiedenen Krebserkrankungen eingesetzt. Dafür wird der Arzneistoff intravenös infundiert.

Daunorubicin ist Glykosid und Antibiotikum zugleich. Es stammt aus der Gruppe der Anthracycline. Anthracycline sind Antibiotika, die in der Chemotherapie als Zytostatika gegen verschiedene maligne Krebsarten verwendet werden.

Das Antibiotikum Daunorubicin wird von den Bakterienarten Streptomyces peucetius und Streptomyces coeruleorubidus produziert. Chemisch betrachtet besteht das molekulare Grundgerüst des Arzneistoffes aus vier aneinandergereihten Ringen mit einem aromatischen System, an das ein Aminozucker gebunden ist. Demnach gehört Daunorubicin zu den Glykosiden mit aromatischem Grundgerüst und nicht zu den reinen Kohlenwasserstoffen.

Bei Zimmertemperatur liegt Daunorubicin in Festform vor. Der Schmelzpunkt liegt bei 208 Grad Celsius, die Löslichkeit in Wasser ist schlecht. Daunorubicin ist verschreibungspflichtig und wird zur Behandlung von verschiedenen Krebserkrankungen eingesetzt. Dafür wird der Arzneistoff intravenös infundiert. Im Gegensatz zu einigen anderen Zytostatika wird Daunorubicin nicht als immunsupprimierendes Medikament bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt.

Pharmakologische Wirkung

Daunorubicin ist ein sogenannter DNA-Interkalator. Die planare Struktur des Arzneistoffes ruft in den Nukleinbasen der DNA eine Interkalation hervor. Der Begriff Interkalation bezeichnet die reversible Einlagerung von Atomen, Molekülen, Ionen oder anderen chemischen Verbindungen in die DNA. Im Fall des Daunorubicins legt sich der Arzneistoff in die DNA. Durch den Vorgang der Interkalation wird die Replikation der DNA gestört. Auch die Transkription der DNA ist beeinträchtigt.

Wenn die Replikation gestört ist, kann keine Mitose stattfinden. Bei der Mitose teilt sich der Zellkern und die DNA wird aufgeteilt. Ohne Mitose kann keine Zellteilung stattfinden bzw. die Zellen, die bei einer gestörten Mitose entstehen, sterben den programmierten Zelltod (Apoptose). Da sich Krebszellen besonders oft und besonders schnell teilen, sind sie von Arzneistoffen, die die Mitose beeinflussen, am stärksten betroffen. Viele der Nebenwirkungen entstehen jedoch, da die Zellen des Körpers insgesamt von Medikamenten dieser Art im Wachstum gehemmt werden.

Neben der Replikation und der Transkription ist auch die an die RNA-Synthese anschließende Polypeptidbildung von der Wirkung des Daunorubicins betroffen. Zudem besitzt Daunorubicin eine hemmende Wirkung auf die Topoisomerase II. Dieses Enzym spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Zellteilung.

Daunorubicin verfügt jedoch noch über einen dritten Wirkungsmechanismus. Nach der Aufnahme von Daunorubicin wird der Arzneistoff aktiviert. Es entsteht in einer Redoxreaktion ein Zwischenprodukt, das ähnlich wie die freien Radikale wirkt. Es überträgt Elektronen auf molekularen Sauerstoff. Dieser wird dann wiederum zu Hydroxyl- und Superoxid-Radikalen umgewandelt. Beide Formen der Radikale haben eine zytotoxische Wirkung. Sie schädigen die DNA und verursachen dabei bevorzugt Strangbrüche.

Am empfindlichsten reagieren Zellen, die sich gerade in der S-Phase des Zellzyklus befinden; ruhende Zellen sind deutlich weniger betroffen. Werden Zellen gegen Daunorubicin unempfindlich, lässt sich das häufig an einem Transporteiweiß in ihrer Hülle ablesen, dem P-Glykoprotein: Es befördert den Wirkstoff rasch wieder aus dem Zellinneren hinaus.

Nach der Infusion verteilt sich Daunorubicin schnell im Körper. Die höchsten Konzentrationen finden sich in Niere, Leber, Milz, Lunge, Herz und Dünndarm; die Blut-Hirn-Schranke überwindet der Wirkstoff praktisch nicht. In der Leber entsteht durch Umbau einer Seitengruppe das Daunorubicinol, das selbst noch zellschädigend wirkt; weitere Umwandlungsschritte führen zu unwirksamen Abbauprodukten. Der Blutspiegel fällt in zwei Stufen ab, zunächst mit einer Halbwertszeit von etwa 45 Minuten, danach mit einer von rund 55 Stunden. Ausgeschieden wird der Stoff überwiegend über die Galle, zu einem kleineren Teil über die Niere. Eine eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion verzögert die Ausscheidung und erhöht damit die Gefahr einer Anhäufung im Körper.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Daunorubicin ist ein Zytostatikum, das zur Behandlung von bösartigen Krebserkrankungen eingesetzt wird. Bei Erwachsenen wird der Arzneistoff bei der Behandlung der akuten myeloischen und der akuten lymphatischen Leukämie verabreicht. Bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) ist das blutbildende System betroffen. Es kommt zu einer massiven Vermehrung der unreifen Vorstufen der Blutzellen im Knochenmark. Bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) entarten die Vorläuferzellen der Lymphozyten.

Die Therapie der beiden Leukämieformen erfolgt fast immer in der Kombination mit anderen zytostatischen Arzneistoffen. Auch bei Kindern wird Daunorubicin zur Behandlung der akuten myeloischen Leukämie und zur Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie verwendet. Daunorubicin wird hier ebenfalls mit anderen Zytostatika kombiniert. Bei der akuten lymphatischen Leukämie wird Daunorubicin in der sogenannten Induktionsphase, also zu Beginn der Behandlung, verabreicht.


Risiken & Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Daunorubicin beruhen auf der zytotoxischen und wachstumshemmenden Wirkung. Generell sind vor allem die Gewebe betroffen, die eine hohe Zellteilungs- und / oder Wachstumsrate aufweisen. Dazu gehören zum Beispiel die Schleimhäute, die Haare und das Knochenmark. Im Gastrointestinaltrakt kann Daunorubicin eine Schleimhautschädigung bedingen. Der Schaden kann geringfügig sein, es können sich aber auch Geschwüre entwickeln. Dadurch kommt es je nach Lokalisation zu Schmerzen im Mund- oder im Bauchbereich.

Infolge der Schleimhautschädigung kann sich auch eine Übelkeit entwickeln. Teilweise müssen die Patienten mehrmals täglich erbrechen. Dies ist einerseits auf die Schleimhautschädigung und andererseits direkt auf Daunorubicin zurückzuführen. Die Schleimhautschädigung kann so stark sein, dass die Darmfunktion beeinträchtigt ist. In der Folge kann es zu behandlungsbedürftigen Durchfällen kommen.

Daunorubicin schädigt ferner die Blutbildung im Knochenmark. Dadurch entsteht ein Mangel an Leukozyten (Leukopenie), Thrombozyten (Thrombopenie) und Erythrozyten (Anämie). Der Tiefpunkt der Blutbildung ist acht bis zehn Tage nach der Daunorubicin-Gabe erreicht. Etwa drei Wochen nach der Gabe hat sich das blutbildende System in der Regel erholt.

Als Folge des Mangels an weißen Blutkörperchen treten während und nach der Therapie mit Daunorubicin vermehrt Infektionen auf. Dabei handelt es sich vorwiegend um Infektionen mit Bakterien und Pilzen. Diese können lebensbedrohlich sein. Durch die Thrombopenie ist die Blutungsgefahr bei den Patienten erhöht.

Eine typische Nebenwirkung der Daunorubicin-Therapie ist Haarausfall. Es kann zum Stillstand des Haarwuchses oder zum kompletten Haarausfall kommen. Diese Nebenwirkung des Daunorubicins ist in der Regel voll reversibel.

Hingegen kann die kardiotoxische Wirkung von Daunorubicin irreversible Schäden hinterlassen. Bei der akuten Kardiotoxizität entstehen Rhythmusstörungen, Angina pectoris und Entzündungen des Herzmuskels. Der Spättyp äußert sich oft erst Wochen, Monate oder Jahre nach der Gabe von Daunorubicin. Die Patienten entwickeln ein Lungenödem oder eine Herzinsuffizienz. Die Kardiomyopathie kann so ausgeprägt sein, dass eine Herztransplantation erforderlich wird.

Anders als die übrigen Nebenwirkungen hängt diese späte Herzschädigung nicht von der einzelnen Gabe ab, sondern von der Gesamtmenge, die im Lauf des Lebens verabreicht wurde. Für Daunorubicin ist deshalb eine kumulative Höchstmenge festgelegt, die für Kinder niedriger liegt als für Erwachsene. Ist sie durch eine frühere Behandlung mit Daunorubicin oder einem anderen Anthracyclin bereits ausgeschöpft, darf der Wirkstoff nicht erneut gegeben werden – auch dann nicht, wenn Jahre später eine neue Krebserkrankung auftritt. Vor und während der Behandlung wird die Pumpfunktion des Herzens regelmäßig kontrolliert.

Eine weitere Eigenheit betrifft die Einstichstelle. Tritt die Infusionslösung aus der Vene in das umliegende Gewebe aus – Fachleute sprechen von einem Paravasat –, entstehen dort eine ausgedehnte Entzündung, schmerzhafte Geschwüre und eine tief reichende Nekrose. Der Schaden kann bleiben und chirurgische Eingriffe erforderlich machen. Die Infusionsstelle wird deshalb während der gesamten Gabe beobachtet, und beim ersten Brennen wird die Zufuhr sofort gestoppt. Für Erwachsene steht mit Dexrazoxan ein für diesen Fall zugelassenes Gegenmittel bereit; bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist es nicht zugelassen.

Eine späte und seltene, aber schwerwiegende Folge ist eine zweite Leukämie, die nach einer Behandlung mit Anthracyclinen auftreten kann, mit oder ohne vorangehende Vorstufe. Häufiger beobachtet wird sie, wenn Anthracycline zusammen mit erbgutschädigenden Krebsmitteln oder mit einer Bestrahlung gegeben wurden, wenn bereits zuvor stark mit Zytostatika behandelt worden war oder wenn die Anthracyclin-Menge gesteigert wurde. Zwischen der Behandlung und dem Auftreten liegen meist ein bis drei Jahre.

Die Unterdrückung des Knochenmarks trifft die Zellreihen nicht gleichmäßig. Betroffen sind in erster Linie die weißen Blutkörperchen, darunter besonders die Granulozyten, sowie die Blutplättchen; eine Blutarmut tritt seltener hinzu. Aus dieser Verschiebung folgen die beiden Hauptgefahren dieser Phase, Infektionen bis hin zur Blutvergiftung und Blutungen. Deshalb wird das Blutbild vor und während der Behandlung sorgfältig kontrolliert, mit besonderem Augenmerk auf weiße Blutkörperchen, Granulozyten, Blutplättchen und rote Blutkörperchen.

Aufgrund der schwerwiegenden Nebenwirkungen darf Daunorubicin während der Stillzeit nicht verabreicht werden. In der Schwangerschaft kommt es nur in Betracht, wenn der Zustand der Frau eine Behandlung erfordert und diese sich nicht aufschieben lässt. Auch schwere Herzerkrankungen, eine anhaltende Schädigung des Knochenmarks, schwere Infektionen sowie ausgeprägte Leber- und Nierenfunktionsstörungen gehören zu den Kontraindikationen.

Kontraindikationen

Die Gegenanzeigen von Daunorubicin lassen sich in drei Gruppen ordnen. Die erste betrifft die Substanz selbst: Eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile schließt die Anwendung aus.

Die zweite Gruppe betrifft den Zustand des Körpers. Nicht behandelt werden darf, wer eine anhaltende Schädigung der Blutbildung, eine schwere Infektion, eine schwere Einschränkung der Leberfunktion oder eine schwere Einschränkung der Nierenfunktion aufweist. Hinzu kommen eine Herzmuskelschwäche, ein kürzlich durchgemachter Herzinfarkt und schwere Herzrhythmusstörungen. Während der Stillzeit ist die Anwendung ebenfalls ausgeschlossen, und das Stillverbot endet nicht mit der letzten Gabe, sondern reicht darüber hinaus.

Die dritte Gegenanzeige ist eine Rechengröße: Ist die kumulative Höchstmenge an Daunorubicin oder an einem anderen herzschädigenden Anthracyclin bereits in einer früheren Behandlung erreicht worden, darf nicht erneut behandelt werden, weil sonst die Gefahr einer lebensbedrohlichen Herzschädigung deutlich ansteigt. Diese Grenze ist bei Kindern niedriger angesetzt als bei Erwachsenen und wird bei Kleinkindern noch einmal enger gefasst.

Von den Gegenanzeigen zu unterscheiden sind Umstände, die eine Abwägung im Einzelfall verlangen. Dazu zählen eine ausgeprägte Verminderung aller Blutzellreihen oder ein isolierter Mangel an weißen Blutkörperchen oder Blutplättchen, schwere Herzrhythmusstörungen mit Auswirkungen auf den Kreislauf, eine bestehende oder früher durchgemachte Herzschwäche, schwere Nieren- und Lebererkrankungen, die Schwangerschaft sowie ein schlechter Allgemeinzustand.

Eine eigene Warnung gilt nicht behandelten Infektionen. Weil Daunorubicin die körpereigene Abwehr unterdrückt, können sie unter der Gabe lebensbedrohlich aufflammen; ausdrücklich genannt sind virale Infektionen wie die Gürtelrose. Besondere Vorsicht gilt außerdem bei einer vorangegangenen, gleichzeitigen oder geplanten Bestrahlung: Im Bestrahlungsfeld können örtliche Reaktionen wieder aufflackern, ein als Recall-Phänomen bezeichnetes Geschehen. Eine frühere Bestrahlung des Mittelfellraums erhöht zudem die Herzschädlichkeit. Vor dem Beginn einer Behandlung mit Daunorubicin sollen sich die Betroffenen von den akuten Folgen einer vorangegangenen Chemotherapie erholt haben.

Für den Umgang mit der Substanz selbst gelten erhöhte Sicherheitsvorschriften. Jeder Kontakt mit Haut und Schleimhäuten ist zu vermeiden, und auch Ausscheidungen und Erbrochenes der Behandelten können den Wirkstoff oder ein wirksames Abbauprodukt enthalten. Schwangeres Personal wird vom Umgang mit Zytostatika ausgeschlossen.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Weil Daunorubicin meist als Teil einer Kombinationsbehandlung mit anderen Zytostatika gegeben wird, ist die wichtigste Wechselwirkung zugleich die naheliegendste: Die Gesamtbelastung steigt, vor allem für das Knochenmark und für den Magen-Darm-Trakt. Ausdrücklich genannt sind Kombinationen mit Cytarabin und Cyclophosphamid, die die giftigen Wirkungen verstärken können.

Ein zweiter Strang betrifft das Herz. Herzschädigende Begleitmittel und eine Bestrahlung des Mittelfellraums verstärken die Herzschädlichkeit von Daunorubicin. Dasselbe gilt für Stoffe, die auf die Herzkraft wirken, etwa Calciumantagonisten; in diesen Fällen wird die Herzfunktion während der gesamten Behandlung besonders sorgfältig überwacht. Auch Mittel mit langer Verweildauer im Körper spielen hier hinein: Nach einer Behandlung mit ihnen wird ein anthracyclinhaltiges Schema nach Möglichkeit erst begonnen, wenn ihre Wirkung abgeklungen ist.

Ein dritter Strang betrifft die Blutbildung. Arzneimittel, die das Knochenmark ihrerseits belasten, können die Blutbildung ausgeprägt stören; genannt werden Sulfonamide, Chloramphenicol, Diphenylhydantoin, Amidopyrin-Derivate und Mittel gegen Virusinfektionen. Wer zugleich Hemmstoffe der Blutplättchen wie Acetylsalicylsäure einnimmt, muss bei einem Mangel an Blutplättchen mit einer zusätzlich erhöhten Blutungsneigung rechnen.

Ein vierter Strang führt über die Leber. Daunorubicin wird dort verstoffwechselt, weshalb jede Begleitmedikation, die die Leberfunktion beeinflusst, auch Abbau, Wirksamkeit und Giftigkeit von Daunorubicin verändern kann. Die Kombination mit lebergiftigen Mitteln wie Methotrexat kann die Giftigkeit erhöhen.

Hinzu kommen zwei praktische Punkte. Mittel, die die Ausscheidung von Harnsäure verzögern, etwa Sulfonamide und bestimmte Entwässerungsmittel, können den Harnsäurespiegel zusätzlich ansteigen lassen. Und die Aufnahme von Arzneimitteln zum Einnehmen kann erheblich gestört sein, weil eine intensive Chemotherapie häufig die Schleimhäute von Mund und Darm schädigt. Impfungen mit lebenden Erregern unterbleiben während der Behandlung. In der Infusionsflasche verträgt sich Daunorubicin nicht mit Heparin, und der Kontakt mit Aluminium wird vermieden.

Alternative Behandlungsmethoden

Ein einzelner Ersatzwirkstoff für Daunorubicin steht nicht bereit. Innerhalb der Anthracycline gibt es jedoch verwandte Substanzen, die in Behandlungsschemata an seine Stelle treten können, darunter Doxorubicin, Idarubicin und Epirubicin. Weil die Herzschädlichkeit eine Eigenschaft der ganzen Gruppe ist, wird die im Lauf des Lebens erhaltene Gesamtmenge über die Substanzgrenzen hinweg zusammengezählt; ein Wechsel innerhalb der Gruppe entlastet das Herz also nicht.

Für die akute myeloische Leukämie steht daneben eine liposomale Zubereitung zur Verfügung, in der Daunorubicin und Cytarabin gemeinsam in winzige Fetthüllen eingeschlossen sind. Sie wurde bei unbehandelter Hochrisiko-Erkrankung gegen die herkömmliche Zusammenstellung beider Wirkstoffe geprüft. Ausgetauscht werden dürfen die Zubereitungen nicht gegeneinander, weil sich ihre Verteilung im Körper und damit ihre Bemessung grundlegend unterscheiden.

Eine zweite Richtung zielt nicht auf den Ersatz, sondern auf den Schutz. Vor, während und nach der Behandlung wird die Herzfunktion überwacht, wofür sich das EKG und die Bestimmung der Auswurfleistung der linken Herzkammer eignen. Gerät Infusionslösung neben die Vene, steht für Erwachsene mit Dexrazoxan ein zugelassenes Gegenmittel bereit.

Eine dritte Richtung betrifft die Folgen der Behandlung: Der Mangel an Blutzellen wird mit Transfusionen und mit Wachstumsfaktoren aufgefangen, Infektionen werden vorbeugend oder gezielt behandelt, und gegen Übelkeit und Erbrechen stehen eigene Mittel zur Verfügung. Bei einem Teil der Erkrankten tritt schließlich die Übertragung blutbildender Stammzellen an die Stelle einer allein medikamentösen Behandlung.

Quellen

  • Engelhardt, M., Mertelsmann, R., Duyster, J. (Hrsg.): Das Blaue Buch – Chemotherapie-Manual Hämatologie und Onkologie.
    ISBN: 9783662677483
  • Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J.: Das Rote Buch – Hämatologie und Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783609512242
  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Eucker, J., Scholz, C. (Hrsg.): Facharztwissen Hämatologie Onkologie.
    ISBN: 9783437212079
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223

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