Hyperventilation
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Symptome Hyperventilation
Hyperventilation, hyperventilieren und schnelles Atmen sind Begriffe für eine Atmung, die entweder in ihrer Frequenz oder Atemtiefe unnatürliche Wesenszüge besitzt. Ein Beispiel für eine Hyperventilation ist ein unbegründetes, überhöhtes und schnelles Atmen im Ruhezustand aufgrund von Schock oder Erregung. Meist tritt eine Hyperventilation im Zuge von Anfällen auf und kann dabei wiederum andere Symptome, wie Schwindel, Sehstörungen, Atemnot und Brustschmerzen hervorrufen. Manchmal kommt es gar zu einer Bewusstlosigkeit.
Inhaltsverzeichnis |
Ursachen
Hyperventilation kann schon im Kindesalter auftreten. Eine geschlechtsspezifische Veranlagung bezüglich des Hyperventilierens gibt es nicht.
Anders als man vermuten könnte, ist eine Hyperventilation zumeist nicht körperlich bedingt, sondern psychisch. Dabei spielen vor allem Situationen mit psychischen Belastungen eine zentrale Rolle. Besonders Stress, Angst und Erregung sind typische Auslöser. Eher selten tritt eine Hyperventilation im Rahmen einer neurologischen Erkrankung auf. Hierbei können mögliche Tumore das Atemzentrum im Gehirn nachhaltig stören.
Ist die Hyperventilation krankheitsbedingt, kommen jedoch meist Ursachen wie Vergiftungen, Sauerstoffmangel, Lungenembolie, Herzinsuffizienz und Fieber in Frage und sollten ärztlich untersucht werden.
Krankheiten mit diesem Symptom
Verlauf
Kommt es zu einer Hyperventilation, bei der in der Regel eine schnelle und tiefe Atmung erfolgt, wird der Sauerstoffanteil im Blut kaum erhöht, da die Sättigung bereits durch die normale Atmung ermöglicht wurde.
Allerdings wird nunmehr Kohlendioxid ungleich mehr ausgeatmet, sodass dessen Konzentration im Blut sinkt. Der Effekt ist dann ein erhöhter pH-Wert, der zu einer respiratorischen Alkalose führt.
Die Folge können dann Muskelkrämpfe, die sogenannten Hyperventilationstetanien, sein. Dies kann bis zur Bewusstlosigkeit führen.
Komplikationen
Eine Hyperventilation ist meist psychogener Natur, sprich sie ist nur in seltenen Fällen aufgrund einer körperlichen Ursache zu erklären. Komplikationen betreffen zum einen beispielsweise, dass die Hyperventilation somatisiert wird. Eine Somatisierung beschreibt das Zuschreiben der Hyperventilation zu einer körperlichen Krankheit, obwohl keinerlei körperlicher Befund vorhanden ist.
Die Patienten erreichen damit unbewusst, eine Therapie zu starten, die gar nicht nötig wäre. Somatisierung geschieht aufgrund einer psychosozialen Belastung des Patienten. Eine weitere Komplikation ist die Chronifizierung der Hyperventilation. Dadurch, dass immer mehr Kohlendioxid abgeatmet wird, verliert der Körper an Säuren im Blut. Der pH-Wert des Blutes steigt an. Es kommt zur Respiratorischen Alkalose.
Aber auch neben der chronischen Hyperventilation kann eine akute Hyperventilation eine respiratorische Alkalose hervorrufen. Durch das schnelle Atmen kann der Körper in eine Art Trancezustand versetzt werden. Zudem wird die Erregbarkeit der Muskeln erhöht, so dass es zu Krampfanfällen kommen kann.
Typisch ist die Pfötchenstellung der Hände und Arme. Daneben kommt es zur Kontraktion der zerebralen Gefäße, das Gehirn bekommt weniger Blut zugeführt und es kommt zu Schwindel, der bis hin zu Ohnmachtsanfällen führen kann. Die Sturz- und Verletzungsgefahr ist dabei sehr groß. Es kann ebenfalls zu epileptischen Anfällen kommen. Daneben kann das Hirn schwere Schäden davontragen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Die Hyperventilation ist charakterisiert durch eine schnellere und tiefere Atmung, als sie für den Körper in dem Moment nötig wäre. Sie hat fast immer eine psychische Ursache. Bei einer Hyperventilation ist trotzdem an einen eventuell tatsächlich bestehenden Sauerstoffmangel zu denken sowie an weitere Ursachen wie eine Vergiftung, Lungenembolie oder Herzschwäche. Beim Auftreten einer Hyperventilation sollte daher sicherheitshalber stets ein Arzt konsultiert werden.
Bei einer Hyperventilation wird die aktuell in dem Ausmaß nicht benötigte inhalierte Atemluft nicht einfach als Überschuss wieder ausgeatmet. Vielmehr kommt es im Körper zu einem Abfall der Kohlendioxidkonzentration mit negativen Folgen wie Muskelkrämpfen oder sogar Bewusstlosigkeit. Gerade wenn es schon mehrfach zur Hyperventilation kommt, ist ihr Auftreten ärztlich abzuklären. Erster Ansprechpartner sollte der Hausarzt sein.
Er kennt seinen Patienten bereits und kann gut im Vorfeld abschätzen, ob ein psychischer Hintergrund wahrscheinlich ist oder möglicherweise doch eine körperliche Erkrankung. Dementsprechend wird er eine Überweisung zum zuständigen Facharzt ausstellen, zum Beispiel einem Psychologen oder Psychotherapeuten, einem Internisten, Kardiologen oder Pulmologen.
Behandlung & Therapie
Nicht jeder Betroffene sucht bei Hyperventilation sofort einen Arzt auf. Treten die Anfälle jedoch öfter auf oder bereiten sie Grund zur Sorge, sollte man sich untersuchen lassen. Beim Gespräch erkundigt sich der Arzt nach Vorerkrankungen, genommenen Medikamenten und den Situationen, bei denen es zu einer Hyperventilation gekommen ist. Meistens ergeben sich hierbei die Ursachen Stress und Erregung.
Zur Differentialdiagnose wird der Arzt gegebenenfalls weitere Untersuchungen anstreben (Elektrokardiogramm (EKG), Röntgenaufnahmen, Blutuntersuchung).
Nach erfolgreicher Ursachenfeststellung wird die passende Therapie ausgewählt. Sind Stress und Aufregung für die Hyperventilation verantwortlich, sollte der Patient beruhigt werden. Die Verschreibung von Autogenem Training ist sinnvoll. Beim akuten Anfall kann auch in eine Plastiktüte geatmet werden, um den Kohlendioxidwert wieder zu normalisieren und die Hyperventilation zu beenden. Lange Zeit wurde diese Rückatmung ohne Einschränkung empfohlen. Heute wird sie zurückhaltender beurteilt: Sie sollte nur bei gesicherter psychischer Ursache, unter Beobachtung und besser mit einer Papiertüte erfolgen, da bei einer körperlichen Ursache wie einer Lungenembolie ein gefährlicher Sauerstoffmangel entstehen kann. An erster Stelle stehen nach heutigem Kenntnisstand Beruhigung und eine angeleitete, verlangsamte Atmung. Bei Krämpfen erfolgt gegebenenfalls die Verabreichung von Beruhigungsmitteln (Benzodiazepine).
Vorbeugend und therapeutisch sollte eine sogenannte Atemtherapie gemacht werden, bei der der Patient besondere Atemtechniken erlernen kann. Weiterhin sollte der Gebrauch von Entspannungstechniken wie Progressive Muskelrelaxation, Yoga oder Autogenem Training gemacht werden. Bei einer Angststörung als Ursache sollte zusätzlich eine Psychotherapie in Erwägung gezogen werden. Eingesetzte Psychopharmaka sollten jedoch nur als letztes Mittel einer Genesung in Betracht kommen.
Bei organischen Ursachen wie Herzinsuffizienz, Blutvergiftung oder Blutarmut sollten diese Krankheiten zuerst behandelt werden.
Aussicht & Prognose
Menschen, die hyperventilieren, beginnen in Angstsituationen extrem zu atmen. Der Atem wird kurz und stoßartig, die Frequenz erhöht sich rasant. Ursache für Hyperventilation ist meist keine organische Erkrankung, sondern psychischer Stress. Trotzdem kann sich die unnatürliche Atmung bis zur Ohnmacht steigern.
Weil sich die Muskulatur im Brustraum stark anspannt, haben Hyperventilierende das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Das Beklemmungsgefühl erzeugt Panik und die Atmung wird noch unnatürlicher. Beruhigung ist daher sehr wichtig. Löst sich die Anspannung, sind die Symptome bald verschwunden.
Kommen zur Hyperventilation jedoch Beschwerden wie starke Kopfschmerzen, Herzbeschwerden und Harndrang hinzu, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dann könnte die Erkrankung chronisch sein und körperliche Ursachen haben.
Normalerweise ist Hyperventilation harmlos und leicht zu behandeln. Eine verbreitete Erste-Hilfe-Maßnahme ist eine Papiertüte, in die der Betreffende ein- und ausatmen muss. Eine Plastiktüte ist dafür ungeeignet, weil sie luftdicht am Gesicht anliegen kann. Nach einigen Minuten reichert sich das Kohlenstoffdioxid im Blut an und der pH-Wert normalisiert sich wieder. Die Atmung wird unauffällig. Betroffene können auch selbst etwas tun: Durch eine konzentrierte Zwerchfellatmung werden die Beschwerden schnell gelindert.
In 90 % der Fälle ist Stress der Auslöser, daher sollten die Stressursachen beseitigt werden. Häufig helfen Entspannungsübungen. In einigen Fällen ist eine Psychotherapie sinnvoll. Durch sie lernt der Erkrankte, mit Stress besser umzugehen.
Vorbeugung
Einer nicht krankhaften Hyperventilation kann man durch ein gesundes, stressfreies Leben ohne ungesunde Aufregung mit viel Bewegung, frischer Luft, gesunder Ernährung und den Verzicht auf Rauchen und Alkohol gut vorbeugen. Vorbeugend ist ebenso das Autogene Training, welches nicht nur zur Beruhigung dient, sondern auch insgesamt mehr Entspannung im Alltag bringen kann.
Das können Sie selbst tun
In den meisten Fällen muss bei einer Hyperventilation kein Arzt gerufen werden. Es handelt sich zwar um einen unangenehmen Zustand, welcher allerdings mit einfachen Mitteln behandelt werden kann. Auf jeden Fall muss der Betroffene bei einer Hyperventilation in erster Linie beruhigt werden. Dabei müssen ihm Helfer, Freunde oder Bekannte gut zusprechen und ihn anweisen, dass er langsamer und ruhiger atmen soll. In den meisten Fällen helfen schon diese Anweisungen, die Hyperventilation zu überwinden.
Allerdings wird die Hyperventilation oft von Angst und einer starken Erregung begleitet. Sollte dies der Fall sein, muss der Patient in ein Gefäß zurückatmen. Dadurch wird die Konzentration an Kohlendioxid in diesem Gefäß stark erhöht, sodass diese Konzentration auch im Blut wieder ansteigt und sich der Zustand des Patienten wieder normalisiert. Als Gefäß kann zum Beispiel eine Tüte oder eine Atemmaske verwendet werden.
Sollte die Hyperventilation nicht mit diesen Mitteln aufhören, so sollte ein Arzt aufgesucht oder gerufen werden. Dieser kann dem betroffenen Menschen auch Beruhigungsmittel geben, um die Hyperventilation zu stoppen. In den meisten Fällen treten nach dem Symptom keine weiteren Beschwerden auf.
Quellen
- Ermann, M.: Psychotherapie und Psychosomatik.
ISBN: 9783170368002
- Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin.
ISBN: 9783662703977
- Lorenz, J., Bals, R.: Checkliste Pneumologie.
ISBN: 9783131150745
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
ISBN: 9783132443488
- Silbernagl, S., Lang, F.: Taschenatlas Pathophysiologie.
ISBN: 9783132429130
