Dexrazoxan

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Dexrazoxan ist ein Arzneistoff, der in der Humanmedizin Verwendung findet. Er wird im Rahmen einer Chemotherapie verschiedener Krebsformen eingesetzt, richtet sich dabei aber nicht gegen den Tumor selbst. Dexrazoxan wird zusammen mit Anthracyclinen verabreicht, wodurch deren schädigende Wirkung auf den Herzmuskel abgemindert wird. Aufgrund seiner pharmakologischen Eigenschaften sowie des spezifischen Einsatzgebietes zählt Dexrazoxan nicht zu den Zytostatika, sondern zu den Mitteln, die die Schäden einer zytostatischen Behandlung abwenden sollen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Dexrazoxan?

Dexrazoxan
Die Verstoffwechselung (Metabolisierung) von Dexrazoxan erfolgt über die Leber und damit hepatisch.
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Bei Dexrazoxan handelt es sich um einen Wirkstoff, der in der Humanmedizin eingesetzt wird. Er wird im Rahmen einer Chemotherapie mit Anthracyclinen gegeben, um den Herzmuskel vor deren Schädigung zu schützen. In der Forschungsliteratur wird der Stoff auch als ICRF-187 geführt; vertrieben wird er unter den Handelsnamen Cardioxane® und – für die Behandlung von Paravasaten – Savene®. In der Chemie und Pharmakologie wird Dexrazoxan durch die Summenformel C11H16N4O4 beschrieben, was einer molaren Masse von ca. 268,27 g/mol entspricht.

Dexrazoxan wurde im Jahr 1964 gemeinsam mit einigen anderen Substanzen entdeckt und ist seit den 1990er Jahren in der Humanmedizin im Einsatz. Zunächst wurde die Substanz als mögliches Mittel gegen Krebs erprobt; ihre schützende Wirkung auf den Herzmuskel fiel erst im Verlauf dieser Untersuchungen auf. Heute bestehen Zulassungen in mehreren Ländern. In jedem Land, für das eine Zulassung zur Therapie von Menschen besteht, unterliegt Dexrazoxan einer umfassenden Apotheken- und Verschreibungspflicht.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Dexrazoxan liegt bei Raumtemperatur als weißes bis grauweißes Pulver vor und weist nach der Gabe eine sehr hohe Bioverfügbarkeit von knapp 100 % auf. Im menschlichen Blut liegt der Arzneistoff zu weniger als zwei Prozent an den Plasmaproteinen in gebundener Form vor. Die Verstoffwechselung (Metabolisierung) von Dexrazoxan erfolgt über die Leber und damit hepatisch. In der Literatur wird die Plasmahalbwertszeit des Wirkstoffs – je nach Lage des konkreten Einzelfalls - mit etwa zwei bis zweieinhalb Stunden festgesetzt. Die Elimination erfolgt zu 42 % über die Nieren und damit renal.

Die zytostatischen Wirkungen von Dexrazoxan beruhen auf einer Inhibition von Topoisomerase II α. Hierbei handelt es sich um ein Enzym, das die Doppelhelix der menschlichen DNS entwindet und hierdurch die Replikation von Erbinformationen möglich macht. Darüber hinaus wird durch Topoisomerase II α auch die Zellteilung ermöglicht. Da Dexrazoxan die Funktionslosigkeit von Topoisomerase II α bewirkt, wird es den Zellen erschwert, sich zu teilen. Gegen den Tumor wird diese Eigenschaft nicht eingesetzt; Dexrazoxan belastet jedoch selbst das Knochenmark, weshalb sein Einsatz sorgfältig abgewogen wird.

Daneben entfaltet Dexrazoxan auch zytoprotektive Effekte. Diese beruhen auf der Fähigkeit des Arzneistoffs, Eisenionen in den Zellen des Herzens abzufangen. Den Herzzellen wird hierdurch die Einbindung in die Anthrazyklin-induzierte Bildung toxischer Radikale unmöglich gemacht. Dexrazoxan wirkt damit auch kardioprotektiv. Lange Zeit galten diese eisenabhängig entstehenden Radikale als alleinige Ursache der Herzschädigung durch Anthracycline. Nach heutigem Kenntnisstand tritt hinzu, dass Anthracycline die in den Herzmuskelzellen vorkommende Topoisomerase II β angreifen; ein Widerspruch ist das nicht, denn dieses Enzym greift seinerseits in das Redox-Gleichgewicht der Herzmuskelzelle ein.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Der Wirkstoff wird als weißes bis grauweißes Pulver vertrieben, aus welchem kurz vor der Applikation eine Infusionslösung hergestellt wird. Die gängige Applikationsform ist demgemäß intravenös, was auch für die begleitend gegebenen Zytostatika gilt.

Üblicherweise wird Dexrazoxan zusammen mit Anthracyclinen verabreicht. Zugelassen ist es dafür bei Erwachsenen mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, und zwar erst dann, wenn die betroffene Person bereits eine kumulative Dosis von 300 mg pro Quadratmeter Körperoberfläche Doxorubicin oder 540 mg pro Quadratmeter Epirubicin erhalten hat und weiter mit dem Anthracyclin behandelt werden soll. Zu Beginn einer Anthracyclin-Behandlung wird es also nicht gegeben.

Davon zu unterscheiden ist eine zweite, ganz andere Anwendung: Tritt die Infusionslösung eines Anthracyclins aus der Vene in das umliegende Gewebe aus – Fachleute sprechen von einem Paravasat –, droht dort eine tief reichende Nekrose. Für diesen Notfall ist Dexrazoxan gesondert zugelassen. Es wird dann so früh wie möglich nach dem Vorfall an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen über eine große Vene abseits der betroffenen Stelle infundiert; kühlende Auflagen werden vorher entfernt, damit die Durchblutung ausreicht. Gegen Paravasate anderer gewebeschädigender Wirkstoffe, die nicht zur Anthracyclin-Gruppe gehören, wirkt Dexrazoxan dagegen nicht.


Die Behandlung eines Paravasats

Die Anwendung bei einem Paravasat ist ein eigenes Anwendungsgebiet mit eigener Zulassung und folgt einer anderen Logik als der Herzschutz während der Chemotherapie. Zugelassen ist es für Erwachsene; für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren liegen dazu keine Daten vor, und bei älteren Menschen wurde die Anwendung nicht untersucht und wird nicht empfohlen. Beim Herzschutz geht es um eine vorhersehbare Belastung, die sich über viele Behandlungszyklen aufbaut; beim Paravasat um einen einzelnen Zwischenfall, der unmittelbar behandelt werden muss.

Gelangt die Infusionslösung eines Anthracyclins neben die Vene, kann an dieser Stelle eine tief reichende Nekrose entstehen, die sich chirurgisch nicht immer auf eine kleine Fläche begrenzen lässt. Wie häufig ein solcher Eingriff vor der Einführung von Dexrazoxan nötig wurde, lässt sich nur aus älteren Beobachtungen abschätzen; die Zulassungsunterlagen nennen dafür für ein Land Operationsraten zwischen 35 und 50 Prozent und für durch Gewebeprobe gesicherte Fälle 100 Prozent. Ein Vergleich mit einer unbehandelten Kontrollgruppe war wegen der Seltenheit des Ereignisses nicht möglich.

Die Zulassung für dieses Anwendungsgebiet stützt sich auf zwei offene, einarmige Studien an mehreren Zentren, in die zusammen 80 Betroffene aufgenommen wurden. In der ersten Studie benötigte keiner der Behandelten einen chirurgischen Eingriff, in der zweiten war es einer von 36 auswertbaren Fällen. Das am häufigsten beteiligte Anthracyclin war Epirubicin. In beiden Studien verhinderte die Behandlung die Ausbildung einer Nekrose, bei 70,4 Prozent der Behandelten ließ sich die Krebstherapie planmäßig fortsetzen, und es blieben nur wenige und leichte Spätfolgen zurück.

Der Vorbeugungscharakter der Behandlung bringt zwei praktische Einschränkungen mit sich. Erstens wirkt Dexrazoxan nur gegen Anthracycline: Läuft über denselben Zugang ein anderer gewebeschädigender Wirkstoff wie Vincristin, Mitomycin oder Vinorelbin daneben, bleibt es gegen dessen Gewebereaktion wirkungslos. Zweitens darf Dimethylsulfoxid, ein örtlich aufzutragendes Mittel, hier nicht zusätzlich verwendet werden. Nach der Gabe wird die betroffene Stelle bis zum Rückgang der Krankheitserscheinungen regelmäßig untersucht.

Auch die Zusammensetzung der Infusion spielt eine Rolle. Das mitgelieferte Lösungsmittel enthält Kalium in einer Menge, die bei eingeschränkter Nierenfunktion und bei kontrollierter Kaliumzufuhr ins Gewicht fällt; bei einer Neigung zu erhöhten Kaliumwerten wird der Kaliumspiegel im Blut engmaschig kontrolliert. Der Natriumgehalt einer Flasche entspricht darüber hinaus einem erheblichen Teil der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Tageshöchstmenge für Erwachsene.

Verabreichung & Dosierung

Dexrazoxan ist ein Arzneimittel, das vorwiegend eingesetzt wird, um die kardiotoxischen Nebenwirkungen von Anthrazyklin-Chemotherapien wie Doxorubicin zu vermindern. Bei der Verabreichung und Dosierung von Dexrazoxan sind mehrere wichtige Aspekte zu beachten.

Dexrazoxan wird intravenös verabreicht, und zwar etwa 30 Minuten vor der Gabe von Anthrazyklinen, um eine maximale Schutzwirkung auf das Herz zu gewährleisten. Die Dosierung von Dexrazoxan richtet sich in der Regel nach der Dosis des Anthrazyklins. Typischerweise wird eine Dosis im Verhältnis von 10:1 (Dexrazoxan zu Doxorubicin) angewendet, was bedeutet, dass auf 50 mg/m² Doxorubicin etwa 500 mg/m² Dexrazoxan verabreicht werden.

Es ist wichtig, Dexrazoxan unter strenger ärztlicher Überwachung zu verabreichen, da das Medikament selbst potenziell myelosuppressive Wirkungen haben kann, die zu einer Verringerung der weißen Blutkörperchen, roten Blutkörperchen und Thrombozyten führen können. Regelmäßige Blutbildkontrollen sind daher unerlässlich, um frühzeitig auf mögliche Komplikationen reagieren zu können.

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dexrazoxan-Dosis angepasst werden, da ein erheblicher Teil des Medikaments über die Nieren ausgeschieden wird. Die Überwachung der Nierenfunktion ist bei diesen Patienten besonders wichtig, um eine Akkumulation des Wirkstoffs und damit verbundene Nebenwirkungen zu vermeiden.

Zudem darf DMSO (Dimethylsulfoxid) nicht örtlich aufgetragen werden, solange ein Paravasat mit Dexrazoxan behandelt wird, da dies dessen Wirksamkeit beeinträchtigt. Es ist auch wichtig, Patienten über die potenziellen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit zu informieren, damit sie angemessen darauf vorbereitet sind.

Risiken & Nebenwirkungen

Da es sich bei Dexrazoxan um einen hochwirksamen Arzneistoff handelt, sind schwere Nebenwirkungen möglich. Die Anwendung darf nur unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal erfolgen. Aus diesem Grund ist die Substanz nicht frei erhältlich. Darüber hinaus ist auch auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu achten.

Die Anwendung hat gänzlich zu unterbleiben, wenn eine Allergie bzw. Unverträglichkeit bekannt ist oder eine Kontraindikation besteht. Eine solche liegt vor, wenn konkrete Tatsachen die Anwendung aus medizinischer Sicht unvernünftig erscheinen lassen, also eine Gegenanzeige bekannt ist. Das ist insbesondere während der Stillzeit der Fall sowie bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine zuverlässige Verhütung anwenden. In der Schwangerschaft wird Dexrazoxan nur angewendet, wenn dies unbedingt erforderlich ist. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren galt Dexrazoxan lange Zeit ohne Einschränkung als kontraindiziert, weil für sie ein erhöhtes Risiko für Zweittumoren, Infektionen und Knochenmarkdepressionen befürchtet wurde. Seit 2017 gilt diese Gegenanzeige nur noch für jene jungen Patienten, bei denen eine niedrige Anthracyclin-Gesamtmenge vorgesehen ist; ist ihr Herz durch eine hohe Gesamtmenge besonders gefährdet, darf Dexrazoxan auch in dieser Altersgruppe gegeben werden.

Zu den wichtigsten unerwünschten Nebenwirkungen, die während oder kurz nach einer Behandlung mit Dexrazoxan auftreten können, zählen Fieber, starke Müdigkeit, ein allgemeines Schwächegefühl und Störungen des Gastrointestinaltrakts (Magen-Darm-Trakt). Diese zeichnen sich vor allem durch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (Diarrhoe), Verstopfung (Obstipation) und Appetitlosigkeit aus.

Zu den weiteren Nebenwirkungen zählen Anämie, Neutropenie, Leukopenie, Herzrhythmusstörungen, Thrombozytopenie, Asthenie und Schwindelgefühle. Darüber hinaus kann es auch zu Husten, Kopfschmerzen, Pharyngitis und Reaktionen der Haut kommen. Letztere äußern sich häufig durch Jucken, rote Stellen, Ausschlag oder ein Brennen.

Kontraindikationen

Typische Kontraindikationen bei der Verwendung von Dexrazoxan betreffen Patienten mit bestimmten gesundheitlichen Bedingungen, bei denen das Medikament das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen erhöhen könnte. Bei einer mittelschweren bis schweren Niereninsuffizienz wird Dexrazoxan nicht verboten, sondern in verringerter Menge gegeben: Da ein erheblicher Teil des Wirkstoffs über die Nieren ausgeschieden wird, kann eine eingeschränkte Nierenfunktion sonst zu einer Akkumulation im Körper führen, was das Risiko für toxische Wirkungen erhöht.

Eine echte Kontraindikation ist dagegen die gleichzeitige Impfung mit einem Gelbfieberimpfstoff, weil die geschwächte Abwehr eine schwer verlaufende Impfkrankheit zulassen kann; von anderen Lebendimpfstoffen wird aus demselben Grund abgeraten. Dexrazoxan ist speziell dafür entwickelt worden, die kardiotoxischen Effekte von Anthrazyklinen zu verringern. Dass es daneben mit weiteren Zytostatika zusammentrifft, ist dagegen der Regelfall, denn Anthracycline werden fast immer im Verbund mit anderen Krebsmitteln gegeben.

Patienten mit bestehenden Knochenmarkssuppressionen oder schweren Blutbildveränderungen sollten Dexrazoxan ebenfalls mit Vorsicht anwenden oder meiden, da das Medikament selbst myelosuppressiv wirken kann. Dies kann das Risiko für Infektionen, Anämie und Blutungen erhöhen, was bei bereits geschwächten Patienten zu erheblichen Komplikationen führen kann.

Darüber hinaus wird Dexrazoxan während der Schwangerschaft nur angewendet, wenn dies unbedingt erforderlich ist, da es das Erbgut angreift und das Risiko für Fehlbildungen beim ungeborenen Kind erhöhen kann. Frauen wie Männer müssen während der Behandlung und noch einige Monate darüber hinaus eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden; ohne eine solche ist die Anwendung bei Frauen im gebärfähigen Alter ausgeschlossen.

Schließlich sollten Patienten, die gegen Dexrazoxan oder einen seiner Bestandteile allergisch sind, das Medikament nicht verwenden, um das Risiko schwerer allergischer Reaktionen, wie Anaphylaxie, zu vermeiden.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Bei der Verwendung von Dexrazoxan können mehrere potenzielle Interaktionen mit anderen Medikamenten auftreten, die sowohl die Wirksamkeit von Dexrazoxan als auch die Sicherheit des Patienten beeinflussen können. Eine der wichtigsten betrifft Impfstoffe: Lebendimpfstoffe dürfen unter der Behandlung nicht oder nur nach sorgfältiger Abwägung gegeben werden, für den Gelbfieberimpfstoff gilt ein ausdrückliches Verbot.

Beschrieben sind daneben Wechselwirkungen mit Phenytoin, dessen Aufnahme vermindert werden kann, mit gerinnungshemmenden Mitteln, die dann engmaschiger überwacht werden müssen, und mit Ciclosporin.

Dexrazoxan kann auch die Knochenmarkssuppression verstärken, wenn es zusammen mit anderen myelosuppressiven Medikamenten, wie zum Beispiel bestimmten Chemotherapeutika oder Strahlentherapie, angewendet wird. Dies kann das Risiko für schwere Nebenwirkungen wie Anämie, Neutropenie und Thrombozytopenie erhöhen.

Eine weitere wichtige Interaktion besteht mit Dimethylsulfoxid (DMSO). Die gleichzeitige Anwendung von Dexrazoxan und DMSO ist zu vermeiden, weil DMSO den Schutz aufhebt, den Dexrazoxan bei einem Paravasat entfaltet. Im Tierversuch verhinderte Dexrazoxan allein die Hautnekrose vollständig, während bei zusätzlicher örtlicher Behandlung mit DMSO Hautwunden entstanden.

Patienten, die gleichzeitig andere Medikamente einnehmen, die die Nierenfunktion beeinträchtigen, sollten besonders überwacht werden, da ein erheblicher Teil des Dexrazoxans über die Nieren ausgeschieden wird. Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann zu einer erhöhten Konzentration von Dexrazoxan im Blut und damit zu verstärkten Nebenwirkungen führen.

Insgesamt ist es wichtig, dass Patienten ihren Arzt über alle eingenommenen Medikamente informieren, um potenzielle Interaktionen zu vermeiden und die Sicherheit der Behandlung zu gewährleisten.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Dexrazoxan nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist, gibt es alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe, die zur Reduzierung der kardiotoxischen Nebenwirkungen von Anthrazyklin-Chemotherapien eingesetzt werden können.

Eine der häufigsten Alternativen ist die Verwendung von Liposomalen Anthrazyklinen, wie pegyliertem liposomalem Doxorubicin (in Europa als Caelyx® im Handel). Diese Formulierung ist so konzipiert, dass das Medikament gezielt in das Tumorgewebe abgegeben wird, wodurch die Exposition des Herzens reduziert und somit das Risiko für kardiotoxische Nebenwirkungen verringert wird. Diese liposomale Darreichungsform hat sich als wirksam erwiesen und wird insbesondere bei Patienten angewendet, die ein erhöhtes Risiko für Herzprobleme haben.

Eine weitere Alternative ist die sorgfältige Dosierung und Überwachung von Anthrazyklinen, um die kumulative Dosis zu minimieren und das Risiko für Herzschäden zu reduzieren. Dies kann durch regelmäßige kardiologische Untersuchungen, einschließlich Echokardiogrammen und der Messung von Biomarkern wie Troponin, unterstützt werden.

Ein anderer Ansatz ist die Anwendung von Herzschutzmedikamenten wie ACE-Hemmern oder Beta-Blockern, die das Herz vor den schädlichen Auswirkungen von Chemotherapie schützen können. Diese Medikamente werden häufig prophylaktisch verabreicht, um das Risiko einer Herzinsuffizienz zu verringern.

Für Patienten, die besonders empfindlich auf Anthrazykline reagieren, kann auch der Einsatz von weniger kardiotoxischen Chemotherapeutika, wie beispielsweise Mitoxantron, in Betracht gezogen werden. Dieses Medikament hat eine ähnliche Wirkung wie Anthrazykline, jedoch mit einem geringeren Risiko für kardiotoxische Nebenwirkungen. Frei von diesem Risiko ist es allerdings nicht: Auch für Mitoxantron ist eine kumulative Höchstmenge festgelegt, und eine vorangegangene Behandlung damit zählt zur Gesamtbelastung des Herzens.

Die Wahl der besten Alternative hängt von der individuellen Situation des Patienten ab, einschließlich seiner Krankengeschichte, des Risikoprofils und der spezifischen Anforderungen der Krebsbehandlung.

Quellen

  • Engelhardt, M., Mertelsmann, R., Duyster, J. (Hrsg.): Das Blaue Buch – Chemotherapie-Manual Hämatologie und Onkologie.
    ISBN: 9783662677483
  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J.: Das Rote Buch – Hämatologie und Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783609512242
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
    ISBN: 9783662629314

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