Phoniatrie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Phoniatrie bildet eine eigene medizinische Fachrichtung, die bis Anfang der 1990er Jahre ein Teilgebiet der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) war. Die Phoniatrie beschäftigt sich mit den Themen Hör-, Stimm- und Sprachstörungen sowie mit Schluckbeschwerden und trägt stark interdisziplinäre Züge.

Zusammen mit der Pädaudiologie, bei der es vornehmlich um Probleme bei der kindlichen Stimm- und Sprachentwicklung und der Hörwahrnehmung geht, begründet die Phoniatrie in Deutschland und Europa ein selbständiges fachärztliches Gebiet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Phoniatrie?

Phoniatrie
Das medizinische Fachgebiet der Phoniatrie ist rund um die Themen Hörprobleme, Störungen von Stimme und Sprechen und Störungen beim Schlucken angesiedelt.

Das medizinische Fachgebiet der Phoniatrie ist rund um die Themen Hörprobleme, Störungen von Stimme und Sprechen und Störungen beim Schlucken angesiedelt. Die Phoniatrie ist stark interdisziplinär ausgerichtet, weil es nicht nur um medizinisch-physiologische, sondern teilweise auch um nicht-medizinische Probleme geht. Deshalb werden auch andere medizinische und nicht-medizinische Fachrichtungen wie Neurologie, Psychiatrie, Geriatrie, Kieferorthopädie, Logopädie und einige andere einbezogen.

In Deutschland bildet die Phoniatrie zusammen mit der Pädaudiologie, bei der es um entsprechende kindliche Entwicklungs- und Wahrnehmungsstörungen geht, eine eigenständige fachärztliche Ausrichtung. Für einige Jahre lautete die Facharztbezeichnung dabei Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen; die heute geltende Weiterbildungsordnung führt sie wieder als Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie.

Die fachärztliche Weiterbildung dauert fünf Jahre und wird im Gebiet Phoniatrie und Pädaudiologie abgeleistet; bis zu zwölf Monate davon können zum Kompetenzerwerb in anderen Gebieten erfolgen, etwa in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Die Ursprünge der medizinischen Fachausrichtung Phoniatrie gehen auf Hermann Gutzmann sen. zurück, der das Thema Sprachstörungen 1905 in seiner Habilitationsschrift behandelte.

Von der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, aus der die Phoniatrie hervorgegangen ist, unterscheidet sich die Phoniatrie weniger durch das Organ als durch die Fragestellung. Der HNO-Arzt beurteilt in erster Linie Bau und Zustand von Ohr, Nase, Rachen und Kehlkopf; die Phoniatrie fragt nach deren Leistung – wie gut jemand hört, wie belastbar seine Stimme ist, wie verständlich er spricht und ob er sicher schluckt. Ebenso deutlich verläuft die Grenze zur Sprachtherapie: Die eigentliche Übungsbehandlung führen Logopäden und Sprachtherapeuten durch, während der Phoniater die Störung einordnet, organische Ursachen abklärt sowie die Behandlung verordnet und im Verlauf überprüft. Das Fach steht damit zwischen einem ärztlichen und einem nichtärztlichen Versorgungsbereich und ist auf die Zusammenarbeit mit beiden angewiesen.

Die Pädaudiologie, die mit der Phoniatrie ein gemeinsames Gebiet bildet, richtet den Blick auf das Kind. Sie befasst sich damit, wie sich Hören, Stimme und Sprachentwicklung im Zusammenspiel entfalten, und mit den Folgen, die eine früh einsetzende Hörstörung für das Sprechenlernen hat. Weil ein Kind vor allem das sprechen lernt, was es hört, gilt hier jede Verzögerung beim Erkennen einer Hörstörung als kritisch. Ein Hörscreening bei Neugeborenen gehört in Deutschland deshalb zu den Früherkennungsuntersuchungen, die die Kinder-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses vorsieht.

Phoniater bilden zahlenmäßig eine kleine Gruppe. Entsprechende Abteilungen und Ambulanzen finden sich vor allem an Universitätskliniken und an größeren Häusern mit Hals-Nasen-Ohren-Schwerpunkt, daneben an sozialpädiatrischen Zentren, die Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten betreuen. Für Patienten bedeutet das mitunter längere Anfahrtswege, dafür aber eine Untersuchung mit apparativer Ausstattung, die in der allgemeinen Praxis nicht vorgehalten wird. Überwiesen wird häufig durch Haus-, Kinder- oder HNO-Ärzte, bei Erwachsenen nicht selten auch aus der Neurologie heraus.

Der Begriff Phoniatrie kam im frühen 20. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum auf und bezeichnete zunächst die Lehre von der Stimme; das Hören und das Schlucken kamen erst später hinzu. Hermann Gutzmann arbeitete zu einer Zeit an Sprachstörungen, als diese überwiegend als Erziehungs- und nicht als medizinische Frage galten. Diese Entstehungsgeschichte erklärt, warum das Gebiet bis heute Aufgaben umfasst, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben.

Ein phoniatrischer Termin beginnt in aller Regel mit einer ausführlichen Befragung, die über die Beschwerden hinausreicht: Beruf und Stimmbelastung, Rauchgewohnheiten, Vorerkrankungen, Eingriffe im Hals- und Brustbereich, eingenommene Medikamente sowie die Frage, seit wann und in welchen Situationen die Beschwerden auftreten. Erst danach folgt die apparative Untersuchung. Weil sich Stimm-, Sprech- und Schluckstörungen über Wochen und Monate verändern, ist die Betreuung häufig auf längere Zeit angelegt, mit wiederholten Kontrollen und einer Anpassung der Therapie an den Verlauf.

Behandlungen & Therapien

Krankheiten und Symptome, die in der Phoniatrie diagnostiziert und behandelt werden können, stehen typischerweise mit Störungen der Stimme, des Sprechens und des Redeflusses (Stottern) oder mit Schluckstörungen oder Hörproblemen in Zusammenhang. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Probleme medizinisch-physiologischen Ursprungs sind, z. B. aufgrund einer Verletzung, einer Operation oder einer Krankheit oder ob die Probleme auf sozial-psychologischen Gegebenheiten basieren.

Das verdeutlicht auch den ganzheitlichen, interdisziplinären Ansatz der Phoniatrie, der sich auch bei der Behandlung von Stimmstörungen zeigt, die aufgrund organischer Ursachen auftreten können oder funktionell bedingt sind, etwa durch Überlastung oder in seltenen Fällen auch durch Schockeinwirkung verursacht werden können. Sprech- und Sprachstörungen (Dysarthrie und Aphasie) von Erwachsenen können sich aufgrund von Stimmstörungen einstellen, beruhen aber meist auf neurologischen Problemen durch Ausfall bestimmter Gehirnareale nach einem Schlaganfall oder aufgrund eines Hirntumors. Auch Störungen des Redeflusses wie Stottern sind ein Krankheitsbild, das in das Behandlungsspektrum der Phoniatrie fällt.

Der Schluckvorgang, der ebenfalls Gegenstand der Phoniatrie ist, umfasst die Aufnahme, Zerkleinerung und Beförderung von fester oder flüssiger Nahrung und Speichel vom Mund in den Magen, wobei die Beförderung durch die Speiseröhre unwillkürlich durch entsprechende peristaltische Bewegungen der Speiseröhre erfolgt. Neben organischen Problemen gibt es eine Reihe von Gründen, warum Schluckstörungen (Dysphagie) auftreten können und sorgfältiger Diagnostik und Therapie bedürfen.

Auch Hörstörungen im Erwachsenenalter können neben organischen Veränderungen durch Verletzung, Operation oder altersbedingt vielfältige andere Ursachen haben und fallen daher ebenfalls in das Behandlungsspektrum der Phoniatrie. Ein besonderes Behandlungsgebiet mit großen Herausforderungen bietet die Stimmangleichung bei Geschlechtsangleichungen, um bei den betroffenen Frauen oder Männern auch die Stimmlage an das neue Geschlecht anzupassen.

Einen großen Anteil der erwachsenen Patienten stellen Menschen, die beruflich auf ihre Stimme angewiesen sind: Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Sängerinnen und Sänger, Schauspieler sowie Beschäftigte in Callcentern, im Verkauf und in der Gastronomie. Bei ihnen entstehen Beschwerden oft nicht durch eine Erkrankung im engeren Sinn, sondern durch dauerhafte Überlastung unter ungünstigen Bedingungen – laute Räume, trockene Luft, ungünstige Körperhaltung, ständiges Sprechen gegen Nebengeräusche. Heiserkeit, ein Kloßgefühl, rasche Ermüdung der Stimme und Missempfindungen im Hals sind typische Schilderungen. Bleibt die Belastung bestehen, können sich an den Stimmlippen Knötchen bilden; die entsprechende Veränderung bei Kindern wird gelegentlich als Schreiknötchen bezeichnet. Die Behandlung zielt dann weniger auf einen Eingriff als auf das Sprechverhalten selbst und auf die Bedingungen, unter denen gesprochen wird.

Organisch bedingte Stimmstörungen gehen unter anderem auf Entzündungen zurück, auf zurückfließende Magensäure, die den Kehlkopf reizt und mit Sodbrennen einhergehen kann, auf gutartige Veränderungen an den Stimmlippen oder auf eine Stimmbandlähmung. Letztere tritt vor allem nach Eingriffen an der Schilddrüse, an der Halswirbelsäule oder im Brustraum auf, weil der versorgende Nerv dort verläuft. Eine anhaltende Heiserkeit ohne erkennbaren Anlass gilt als Warnzeichen, das eine Kehlkopfspiegelung erfordert – unter anderem, um Kehlkopfkrebs auszuschließen.

Ein eigener Schwerpunkt ist die Stimmrehabilitation nach vollständiger Entfernung des Kehlkopfes. Den Betroffenen fehlt das schwingende Organ, mit dem der Klang erzeugt wird; die Aufgabe besteht darin, einen Ersatzklang verfügbar zu machen. Dafür stehen mehrere Wege offen: eine Ventilprothese, die Luft aus der Luftröhre in die Speiseröhre leitet und deren Gewebe zum Schwingen bringt, die erlernte Ösophagusersatzstimme, bei der Luft geschluckt und wieder abgegeben wird, sowie elektronische Sprechhilfen, die von außen an den Hals gehalten werden. Welcher Weg trägt, hängt vom Umfang der Operation, vom Gewebe und von der Übungsbereitschaft ab und wird gemeinsam mit der Sprachtherapie erarbeitet.

Bei Kindern gehören verzögerte Sprachentwicklung, Aussprachestörungen, ein eingeschränkter Wortschatz und auffällige Grammatik zum Alltag des Fachs. Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Bevor eine Übungsbehandlung beginnt, wird das Hören geprüft, denn ein länger unbemerkter Paukenerguss oder wiederholte Mittelohrentzündungen können das Sprechenlernen bremsen, ohne dass die Eltern ein Hörproblem vermuten. Auch nach der operativen Versorgung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bleibt häufig eine Behandlung des Näselns und der Aussprache nötig. Von einer Lese-Rechtschreib-Störung (Legasthenie) sind solche Störungen abzugrenzen, auch wenn beides nebeneinander bestehen kann.

Auf der Hörseite reicht das Aufgabenfeld von der Anpassung und Kontrolle von Hörgeräten über die Vorbereitung und Nachsorge einer Versorgung mit einem Cochlea-Implantat bis zur Beratung bei Tinnitus und nach einem Hörsturz. Gerade bei Kindern endet die Versorgung nicht mit dem Gerät: Erst das anschließende Hör- und Sprachtraining entscheidet darüber, wie gut das Gehörte verarbeitet und in eigenes Sprechen umgesetzt wird.

Schluckstörungen sind der Bereich mit den unmittelbarsten Folgen. Sie treten nach einem Schlaganfall auf, bei fortschreitenden neurologischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose, bei Demenz sowie nach Operationen oder Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich. Gelangen Nahrung oder Speichel in die Luftwege (Aspiration), droht eine Lungenentzündung; zugleich führen unbemerkte Schluckstörungen zu Gewichtsverlust und Flüssigkeitsmangel. Die Behandlung verbindet deshalb Übungen und veränderte Schlucktechniken mit einer Anpassung der Nahrungsbeschaffenheit, die zusammen mit einer Ernährungsberatung festgelegt wird. Bei weit fortgeschrittenen Erkrankungen geht es weniger um Wiederherstellung als darum, das Essen so sicher und so lange wie möglich zu erhalten – eine Aufgabe, die sich mit der Palliativmedizin berührt.


Diagnose & Untersuchungsmethoden

Hörstörungen beim Erwachsenen äußern sich meist symptomatisch als Schwerhörigkeit. Die Ursachen können sehr vielfältig sein und decken ein breites Spektrum ab, das von einfachem Verschluss des äußeren Gehörgangs durch Ohrenschmalz über Verknöcherungen im Mittelohr oder Beschädigungen des Trommelfells bis hin zu Störungen der Schallumwandlung in nervliche Impulse im Innenohr oder Problemen der Weiterverarbeitung der Nervenimpulse im Gehirn reicht. Für die Diagnose stehen neben der Ohrenspiegelung (Otoskopie) mehrere subjektive und objektive audiometrische Verfahren zur Verfügung, mit denen sich die Ursachen der Hörprobleme lokalisieren lassen.

Bei Verdacht auf Vorliegen einer Stimmstörung erfolgt zunächst eine sorgfältig durchgeführte Anamnese, um aus den Vorbedingungen und dem Verlauf der Beschwerden bestimmte Ursachen für die mögliche Stimmstörung ausschließen zu können. Weitere diagnostische Verfahren wie Elektromyographie (EMG) der Kehlkopfmuskulatur und/oder eine Elektroglottographie können sich anschließen, um organische Probleme zu erkennen oder auszuschließen. Die Elektroglottographie ist ein nicht-invasives Verfahren, das die Funktion der beiden Stimmlippen, also ihren Vibrationszyklus, in einem Elektroglottogramm aufzeichnet und Rückschlüsse über die Funktionstüchtigkeit beider Stimmlippen erlaubt.

Weitere Untersuchungen wie die Kernspintomographie vom Kopf bis zum oberen Brustraum können Rückschlüsse auf eventuell vorliegende Infektionen und die Unversehrtheit des Kehlkopfnervs liefern. Als Therapiemöglichkeiten bieten sich je nach Diagnose logopädische Behandlungen an, die auch durch logopädische Therapiegeräte ergänzt werden können, die der Patient zuhause unter laufender Erfolgskontrolle selbst einsetzen kann. In einigen Fällen stehen auch verschiedene operative Behandlungsmethoden (Phonochirurgie) zur Auswahl. Im Falle einer spasmodischen Dysphonie, bei der die Stimmlippen durch Muskelverkrampfungen ihre Funktion weitgehend verlieren, kann die Injektion des Botulinumtoxins in den Kehlkopf zumindest für einige Zeit Abhilfe schaffen.

Bei Stimm- und Sprachstörungen ohne erkennbare organische Ursachen gibt es eine Reihe logopädischer Stimmtherapien, die Stimmerzeugung, Atmung, Artikulation und die Persönlichkeit des Patienten einbeziehen. Begleitend wird gelegentlich eine Reizstromtherapie im Bereich des Kehlkopfes eingesetzt; ihr Nutzen bei Stimmstörungen ist wissenschaftlich umstritten und nicht durch belastbare Studien belegt. Im Falle vorliegender Schluckbeschwerden kommt als Diagnose-Verfahren häufig die fiberendoskopische Schluckuntersuchung (FEES) zum Einsatz, um den Schluckvorgang mit einer flexiblen Optik, die durch die Nase eingeführt wird, visuell beurteilen zu können. Als Therapien stehen eine logopädische Schlucktherapie oder bei Vorliegen lokalisierbarer organischer Schäden auch entsprechende chirurgische Maßnahmen zur Wahl.

Das wichtigste Werkzeug der Stimmdiagnostik ist die Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie). Sie erfolgt entweder mit einer starren Lupenoptik durch den Mund oder mit einem biegsamen Endoskop durch die Nase; Letzteres hat den Vorteil, dass der Patient dabei sprechen und singen kann. Ergänzt wird sie durch die Stroboskopie: Eine getaktete Lichtquelle macht die für das Auge viel zu schnelle Schwingung der Stimmlippen als scheinbar verlangsamte Bewegung sichtbar. So lässt sich beurteilen, ob beide Stimmlippen gleichmäßig schwingen, ob sie vollständig schließen und ob eine Veränderung nur an der Oberfläche liegt oder tiefer reicht.

Daneben steht die Beurteilung der Stimme selbst. Der Höreindruck wird nach festen Merkmalen beschrieben – Rauigkeit, Behauchtheit und der Gesamteindruck der Heiserkeit –, damit sich der Verlauf über mehrere Termine hinweg vergleichen lässt. Mit der Stimmfeldmessung wird aufgezeichnet, welche Tonhöhen und welche Lautstärken der Patient erreicht; das Ergebnis zeigt als Fläche, wie groß der verfügbare Stimmumfang ist, und macht Einschränkungen sichtbar, die im Gespräch nicht auffallen. Ergänzend wird erfasst, wie lange ein Ton bei ruhigem Ausatmen gehalten werden kann, weil sich daran das Zusammenspiel von Atmung und Stimmgebung ablesen lässt.

Auf der Hörseite steht ein abgestuftes Vorgehen zur Verfügung. Die Audiometrie prüft, ab welcher Lautstärke einzelne Töne wahrgenommen werden, die Sprachaudiometrie darüber hinaus, wie gut Wörter und Sätze verstanden werden – beides setzt die Mitarbeit des Untersuchten voraus. Die Tympanometrie misst, wie beweglich das Trommelfell ist, und deckt damit einen Erguss oder einen gestörten Druckausgleich im Mittelohr auf. Objektive Verfahren kommen dort zum Einsatz, wo eine Mitarbeit nicht möglich ist, etwa bei Säuglingen: Die Messung otoakustischer Emissionen prüft die Funktion der äußeren Haarzellen im Innenohr, die Hirnstammaudiometrie zeichnet die Antwort der Hörbahn auf Schallreize auf. Auf diesen Verfahren beruht auch das Hörscreening bei Neugeborenen.

Bei Kindern wird die Sprachentwicklung mit standardisierten Verfahren erfasst, die Wortschatz, Aussprache, Grammatik und Sprachverständnis getrennt betrachten und das Ergebnis mit dem Entwicklungsstand Gleichaltriger vergleichen. Für die Schluckdiagnostik steht neben der endoskopischen Untersuchung die Videofluoroskopie zur Verfügung, eine Röntgenaufzeichnung des Schluckvorgangs in Bewegung; sie zeigt Abschnitte, die der Endoskopie in dem Moment verborgen bleiben, in dem der Schluckreflex ausgelöst wird. Welche der beiden Untersuchungen gewählt wird, richtet sich nach der Fragestellung und danach, was dem Patienten zumutbar ist. Alle Befunde werden dokumentiert, weil sich der Nutzen einer Stimm-, Sprech- oder Schlucktherapie erst im Vergleich mehrerer Untersuchungen zeigt.

Quellen

  • Wendler, J. (Hrsg.): Lehrbuch der Phoniatrie und Pädaudiologie.
    ISBN: 9783131022950
  • Eichel, H. W.: HNO-Heilkunde, Phoniatrie und Pädaudiologie.
    ISBN: 9783437061226
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783131190338
  • Grohnfeldt, M. (Hrsg.): Kompendium der akademischen Sprachtherapie und Logopädie.
    ISBN: 9783170292970
  • Brügge, W., Mohs, K.: Therapie funktioneller Stimmstörungen.
    ISBN: 9783497032280

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