Quetiapin

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 25. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Quetiapin ist die Bezeichnung für einen Arzneistoff, der zur Behandlung von psychischen Erkrankungen dient. Er gehört der Gruppe der atypischen Neuroleptika an.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Quetiapin?

Zur Anwendung gelangt Quetiapin zur Therapie von Psychosen. Dazu gehören besonders die Schizophrenie, bipolare Störungen sowie manische Erkrankungen.
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Als Quetiapin wird ein atypisches Neuroleptikum bezeichnet. Diese Wirkstoffgruppe kommt in erster Linie zur Therapie von bipolaren Störungen und Schizophrenie zum Einsatz. Quetiapin hat zudem den Vorteil, dass es ein Antipsychotikum der zweiten Generation darstellt, wodurch es weniger unerwünschte Nebeneffekte aufweist.

Entwickelt wurde Quetiapin in den 1990er Jahren von dem internationalen Pharmakonzern AstraZeneca. Dabei erfolgte eine Weiterentwicklung der ersten Generation von typischen Neuroleptika. Die Zulassung von Quetiapin fand 1997 in den USA statt. Kurze Zeit später folgten auch die europäischen Länder. Nach dem Auslaufen des Quetiapin-Patents im Jahr 2012 wurden zahlreiche Generika herausgebracht.

In Deutschland ist das atypische Neuroleptikum unter dem Handelsnamen Seroquel® auf dem Markt. Da Quetiapin der Verschreibungspflicht unterliegt, muss in der Apotheke die Vorlage eines Rezepts erfolgen.

Pharmakologische Wirkung

Zu den wichtigsten Botenstoffen zwischen dem Gehirn des Menschen und den Nervenzellen zählt Dopamin. Das Ausschütten des Neurotransmitters bewirkt, dass nachgeschaltete Nervenzellen über Rezeptoren, die als Andockstellen dienen, Signale erhalten.

Dabei handelt es sich um die Fähigkeit, sich Dinge zu merken, sich zu freuen, motiviert zu sein oder zielgerichtete Bewegungen vorzunehmen. Bei einem Überschuss an Dopamin drohen jedoch Probleme, die von manischer Freude über Schizophrenie bis hin zum Realitätsverlust reichen.

Zur Behandlung dieser dopaminbedingten psychischen Beschwerden kommt u. a. Quetiapin zur Anwendung. Durch das atypische Neuroleptikum werden die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn gebunden, ohne dass ihre Aktivierung stattfindet. Auf diese Weise findet eine Blockade statt, die für einen Rückgang des Dopamins auf normale Werte sorgt.

Ein Nachteil von Quetiapin ist allerdings, dass der Wirkstoff auch die Rezeptoren von Adrenalin und Noradrenalin besetzt. Dadurch besteht wiederum das Risiko von Nebenwirkungen wie niedrigem Blutdruck und Schläfrigkeit.

Im Anschluss an seine Aufnahme erfolgt die Verstoffwechselung des Quetiapins komplett innerhalb der Leber. Die Abbauprodukte des Arzneistoffs weisen ebenfalls antipsychotische Effekte auf. Rund 50 Prozent des Neuroleptikums haben nach ca. sieben Stunden den Organismus wieder verlassen. Das Ausscheiden des Quetiapins findet zu 75 Prozent mit dem Urin und 25 Prozent mit dem Stuhl statt.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Zur Anwendung gelangt Quetiapin zur Therapie von Psychosen. Dazu gehören besonders die Schizophrenie, bipolare Störungen sowie manische Erkrankungen. Außerdem wirkt sich der Arzneistoff lindernd auf Erregungszustände, Angststörungen und Depressionen aus. Depressiven oder manischen Phasen kann Quetiapin nicht vollständig entgegenwirken. Der Arzneistoff gilt jedoch als sinnvoll, um Rückfällen vorzubeugen.

Während im Rahmen einer Akutbehandlung höhere Dosen des Neuroleptikums verabreicht werden, erfolgt bei einer längeren Therapie ein Absenken der Dosis. Die Einnahme von Quetiapin findet in der Regel in Tablettenform statt. Dabei nehmen die Patienten zumeist Retard-Tabletten zu sich, die den Wirkstoff verzögert freisetzen. Dadurch lässt sich ein stabiler Blutspiegel erzielen.

Die Dosierung von Quetiapin richtet sich nach dem jeweiligen Anwendungsgebiet. In sämtlichen Fällen wird die Behandlung schleichend begonnen. Das bedeutet, dass der Patient zunächst nur kleinere Dosen erhält, die dann im weiteren Therapieverlauf allmählich gesteigert werden, bis sich die gewünschte Wirkung entfaltet. Im Rahmen der Erhaltungstherapie verringert der Arzt die Menge des Wirkstoffes auf die niedrigste sinnvolle Dosis.

Eingenommen wird Quetiapin ein oder zwei Mal am Tag, was unabhängig von den Mahlzeiten erfolgt. Wichtig ist, die Dosis individuell an den Patienten anzupassen.


Risiken & Nebenwirkungen

Die Anwendung von Quetiapin kann mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden sein, die jedoch nicht bei jedem Patienten vorkommen. In den meisten Fällen zeigen sich Nebeneffekte wie Kopfschmerzen, Benommenheit, Schläfrigkeit, die Zunahme von Gewicht, erhöhte Cholesterinwerte, die Abnahme des HDL-Cholesterins, ein Anstieg des Triglyceridwertes, Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Mundtrockenheit, Schnupfen, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, eine Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen) sowie ein erhöhter Blutzuckerspiegel.

Gelegentlich treten auch Tics oder Zuckungen, Diabetes mellitus Typ 2, Krampfanfälle, Ausschläge auf der Haut, Juckreiz, Angioödeme oder Ohnmacht auf. Kommt es durch die Einnahme von Quetiapin zu einem malignem neuroleptischen Syndrom, ist die Therapie umgehend abzubrechen.

Nicht zur Anwendung gelangen darf Quetiapin, wenn der Patient überempfindlich auf den Wirkstoff reagiert. Weil in der Leber ein intensiver Umbau des Stoffes erfolgt, dürfen keine weiteren Medikamente eingenommen werden, bei denen die gleiche Verstoffwechselung stattfindet. Bei diesen Arzneistoffen handelt es sich u. a. um HIV-1-Proteasehemmer, das Antidepressivum Nefazodon, das Antipilzmittel Ketoconazol sowie die Antibiotika Clarithromycin und Erythromycin.

Eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung durch den Arzt ist im Falle von eingeschränkter Leberfunktion, der Zuckerkrankheit, Krampfanfällen, zu niedrigem Blutdruck, schweren Erkrankungen von Herz und Kreislauf sowie nach einem Schlaganfall nötig. Dabei muss die Dosierung so gering wie möglich ausfallen. Außerdem sind die Funktionen der Organe und das Blutbild regelmäßig zu überprüfen.

Als nicht sinnvoll gilt eine Darreichung von Quetiapin bei älteren Menschen, die unter einer demenzbedingten Psychose leiden. So besteht bei ihnen während der Therapie eine erhöhte Sterblichkeitsrate.

Auch während Schwangerschaft und Stillzeit ist von der Einnahme von Quetiapin abzusehen. So ließ sich eine unbedenkliche Anwendung bei Mutter und Kind nicht nachweisen. Außerdem besteht durch Nebenwirkungen wie Bewegungsstörungen im letzten Drittel der Schwangerschaft eine erhöhte Gefahr für das ungeborene Kind.

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