Benzatropin

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Wirkstoffe Benzatropin

Benzatropin ist ein Arzneimittel aus der Wirkstoffklasse der Anticholinergika. Es wird zur Behandlung von motorischen Bewegungsstörungen eingesetzt. Hauptsächlich wird dieser Wirkstoff bei Parkinson-Patienten und Bewegungsstörungen, die als Nebenwirkungen von Neuroleptika auftreten, verschrieben. Aufgrund positiver Forschungsergebnisse werden auch klinische Testreihen im Bereich der Multiplen Sklerose in Erwägung gezogen. Zu einer Anwendung bei dieser Erkrankung haben die Untersuchungen bislang nicht geführt. In Deutschland ist kein Fertigarzneimittel mit Benzatropin im Handel; das Arzneimittelverzeichnis Rote Liste führt zu diesem Wirkstoff kein Präparat. Die folgenden Angaben beschreiben deshalb die Anwendung in Ländern, in denen der Wirkstoff verfügbar ist. Bei denselben Beschwerden werden hierzulande andere Anticholinergika wie Biperiden eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Benzatropin?

Benzatropin
Hauptsächlich wird der Wirkstoff bei Parkinson-Patienten und Bewegungsstörungen, die als Nebenwirkungen von Neuroleptika auftreten, verschrieben.

Pharmazeutisch wird Benzatropinmesilat eingesetzt. Es handelt sich um das Salz aus Benzatropin und Methansulfonsäure, das aus der Reaktion dieser beiden Stoffe entsteht. Benzatropinmesilat wirkt als zentrales Anticholinergikum.

Hauptaufgabe dieses Arzneimittels ist es, das Gleichgewicht der drei wichtigen Botenstoffe Dopamin, Acetylcholin und Glutamat im Gehirn wiederherzustellen, das durch die Parkinson-Erkrankung empfindlich gestört ist. Diese Störung verursacht die typischen Begleiterscheinungen der Schüttellähmung wie Tremor, Bewegungsarmut, Muskelversteifung und motorische Störungen.

Pharmakologische Wirkung

Das menschliche Gehirn weist ein komplex vernetztes System motorischer Schaltstellen auf, das für einen reibungslosen Bewegungsablauf und eine angemessene Muskelaktivität sorgt, ohne dass sich der Mensch bewusst Gedanken über diese Abläufe machen muss. Das Gehirn und die zuständigen Botenstoffe berücksichtigen nicht nur die Tiefensensibilität, die Stellung und Bewegung von Gelenken, sondern auch die emotional vorherrschende Situation wie Gefühl und Körpersprache, für die die Großhirnrinde (Kortex) zuständig ist. Mit diesem komplexen System ist der Mensch in der Lage, seine Feinmotorik zu kontrollieren.

Benzatropin wird zur Behandlung von Parkinson-Patienten eingesetzt. Obwohl diese Erkrankung des zentralen Nervensystems in Form einer Schüttellähmung bisher noch nicht heilbar ist, wirkt sich der Arzneistoff Benzatropin positiv auf die begleitenden Beschwerden wie Zittern (Tremor), Bewegungseinschränkung, Bewegungsverlangsamung (Bradykinese), Muskelstarre, Bewegungsstarre, Störung der Stell- und Haltereflexe (posturale Instabilität) und instabile Körperhaltung aus.

Häufig werden leichte Krankheitsverläufe beobachtet, die mit dem Wirkstoff so gut kontrolliert werden können, dass nur geringfügige Einschränkungen bestehen. Für Menschen, die aufgrund ihres Berufes auf die Ausführung einer perfekten Feinmotorik angewiesen sind, zum Beispiel Ärzte oder Uhrmacher, kann die Parkinson-Erkrankung jedoch zum existenziellen Problem werden.

Den richtigen Therapieansatz zu finden, ist oft nicht leicht, da nicht feststeht, wie diese Schüttellähmung entsteht. Verschiedene Faktoren können Auslöser sein. Dopamin in seiner Rolle als Botenstoff beeinflusst maßgeblich die Steuerungsvorgänge des Bewegungsapparates. Er wird vorwiegend in den speziellen Nervenzellen des Gehirns, der sogenannten Schwarzen Substanz (Substantia nigra) gebildet. Über einen kompliziert aufgebauten Regelkreis wirkt der Botenstoff bewegungsaktivierend. In einem gesunden Gehirn wirkt er sich jedoch auch regulierend auf die cholinergen Interneurone aus, die Acetylcholin als Transmitter benutzen. Im Fall von Morbus Parkinson fehlt diese Dopamin-Hemmung und die cholinergen Interneurone sind zu stark aktiv. Kehrt sich das Verhältnis um und überwiegt die dopaminerge Wirkung, kommt es umgekehrt zu überschießenden Bewegungen, wie sie für die Chorea Huntington typisch sind.

Weitere an der Bewegungssteuerung beteiligte Botenstoffe sind Acetylcholin als Neurotransmitter zur Regulierung verschiedener Bewegungsabläufe und Glutamat. Acetylcholin ist hauptsächlich für die Erregungsübertragung zwischen Nerven und Muskeln zuständig und wirkt als Transmitter innerhalb des zentralen Nervensystems. Glutamat regt als Transmitter das Striatum (Streifenkörper) der Großhirnhälfte an.

Bei der Parkinson-Erkrankung sterben die Nervenzellen der Schwarzen Substanz ab. Anticholinergika in Form von Benzatropin wirken dem Ungleichgewicht der Botenstoffe entgegen und können die Beschwerden verringern. Genauer geschieht das über eine gezielte Blockade bestimmter Andockstellen für Acetylcholin, der muskarinischen Rezeptoren im Streifenkörper. Weil diese Andockstellen ihrerseits die Freisetzung von Dopamin in den Basalganglien mitsteuern, wirkt der Stoff nicht nur über eine Dämpfung des cholinergen Übergewichts, sondern greift auch mittelbar in den Dopamin-Haushalt ein. Neben der anticholinergen besitzt Benzatropin eine antihistaminische Eigenschaft; für die Behandlung von Bewegungsstörungen gilt jedoch allein die erste als belegt. Anticholinergika sind die am längsten verwendete Substanzgruppe der Parkinson-Behandlung überhaupt; ihr Einsatz beginnt lange vor der Einführung der dopaminergen Wirkstoffe. Die Lebenserwartung von Parkinson-Patienten ist heute nur wenig eingeschränkt.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Benzatropin wird als Anti-Parkinson-Mittel, bei medikamentös bedingten Parkinson-Symptomen, Sitzunruhe (Akathisie), akuter Dystonie (neurologische Bewegungsstörung), sekundärer Dystonie und beim idiopathischen Parkinson-Syndrom (Parkinson-Krankheit ohne erkennbare äußere Ursache) eingesetzt.

Benzatropin ist ein Anticholinergikum, das ausgleichend auf das zentrale Nervensystem wirkt. Anticholinergika werden bei Patienten angewendet, die nicht älter als 70 Jahre sind und die nur gering ausgeprägte Beschwerden aufweisen. Hauptsächlich geht dieses Medikament gegen das Zittern vor, das für die meisten Patienten eine große Belastung im Alltag darstellt. Als alleinige Behandlung des frühen Stadiums der Parkinson-Erkrankung werden Anticholinergika nach den heutigen Empfehlungen jedoch nicht mehr eingesetzt. Bei älteren Menschen sind zentral wirksame Anticholinergika wegen der Gefahr von Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen und Harnverhalt problematisch und gelten für diese Altersgruppe als wenig geeignet.

Die Patienten nehmen Benzatropin zwei- bis dreimal täglich in Tablettenform ein. Es kann einige unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, und auch Kontraindikationen sind zu beachten. Lange Zeit galt Benzatropin bei jüngeren Patienten als Alternative zur Levodopa-Therapie, weil Levodopa möglichst lange aufgespart werden sollte. Nach heutigem Kenntnisstand ist Levodopa das wirksamste Mittel gegen die Bewegungsstörungen der Parkinson-Krankheit; Anticholinergika werden nur noch in Ausnahmefällen und vor allem gegen ausgeprägtes Zittern eingesetzt.

Praktisch am bedeutsamsten ist heute der zweite Einsatzbereich: Bewegungsstörungen, die als unerwünschte Wirkung von Neuroleptika auftreten. Setzen solche Störungen kurz nach dem Beginn einer Neuroleptika-Behandlung ein, sind sie meist vorübergehend, und ein Anticholinergikum lindert sie in der Regel binnen weniger Tage. Nach einer gewissen Zeit wird die Behandlung deshalb versuchsweise beendet, um zu prüfen, ob sie überhaupt noch gebraucht wird; kehren die Beschwerden zurück, kann sie erneut aufgenommen werden. Bewegungsstörungen, die sich unter einer Neuroleptika-Behandlung erst langsam entwickeln, sprechen dagegen häufig nicht auf ein Anticholinergikum an. Für die Spätdyskinesie, eine solche spät auftretende Bewegungsstörung, wird Benzatropin ausdrücklich nicht empfohlen: Mittel gegen Parkinson bessern sie nicht und können sie im Einzelfall sogar verstärken.

Verabreichung & Dosierung

Benzatropin wirkt kumulativ, das heißt seine Wirkung baut sich mit fortgesetzter Einnahme auf. Die Behandlung beginnt deshalb mit einer kleinen Menge, die in mehrtägigen Abständen schrittweise erhöht wird, bis die Beschwerden bestmöglich zurückgehen, ohne dass unerwünschte Wirkungen überhandnehmen. Aus demselben Grund bleibt eine fortlaufende ärztliche Begleitung auch dann angezeigt, wenn eine passende Menge gefunden ist.

Wie viel benötigt wird, hängt von Alter und Körpergewicht sowie von der Art der behandelten Bewegungsstörung ab. Ältere und sehr schlanke Menschen vertragen größere Mengen in der Regel schlechter. Wegen der langen Wirkdauer eignet sich eine Gabe am Abend besonders gut: Die Wirkung kann über die Nacht anhalten und das Umdrehen im Bett sowie das Aufstehen am Morgen erleichtern.

Wird Benzatropin neu hinzugenommen, werden bereits bestehende Parkinson-Mittel nicht abrupt beendet. Sollen sie verringert oder abgesetzt werden, geschieht das schrittweise. Eine gleichzeitige Anwendung mit Levodopa oder mit der Kombination aus Levodopa und Carbidopa ist möglich; die Mengen werden dann von Zeit zu Zeit neu aufeinander abgestimmt. Auch Beschwerden, die durch die Behandlung selbst entstehen, führen eher zu einer Anpassung als zum sofortigen Abbruch: Bei starker Mundtrockenheit mit Schluck- oder Sprechschwierigkeiten oder mit Appetit- und Gewichtsverlust wird die Menge verringert oder die Einnahme vorübergehend unterbrochen; bei Übelkeit genügt oft schon eine geringfügige Verringerung.

Ein besonderer Hinweis gilt der Muskelkraft. Vor allem bei größeren Mengen können Schwäche und die Unfähigkeit auftreten, einzelne Muskelgruppen zu bewegen. Löst sich beispielsweise eine zuvor steife Nackenmuskulatur plötzlich, kann sich das schwach anfühlen; auch das ist ein Anlass, die Menge anzupassen.


Risiken & Nebenwirkungen

Zu den registrierten Nebenwirkungen gehören: Mundtrockenheit, Erbrechen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Darmverschluss, Verstopfung, Harnverhalt, Sehstörungen, Pupillenerweiterung, erschwerte Harnentleerung, psychische Veränderungen, verlangsamtes Reaktionsvermögen, abnorme Erhöhung der Körpertemperatur, Hautveränderungen und Tachykardie (beschleunigter Puls).

Eine Einordnung nach Häufigkeitsklassen, wie sie deutsche Fachinformationen ausweisen, fehlt für diesen Wirkstoff. Die Produktinformation des Herstellers ordnet die unerwünschten Wirkungen stattdessen nach Organgruppen und innerhalb jeder Gruppe nach abnehmendem Schweregrad. Erschwertes Wasserlassen kommt danach vor, wird jedoch nur selten zum Problem. Zu den Beschwerden des Nervensystems zählen neben Verwirrtheit, Orientierungsstörungen und Gedächtnisproblemen auch Nervosität, gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit und ein Taubheitsgefühl in den Fingern. Gelegentlich entwickelt sich eine allergische Reaktion, meist als Hautausschlag; lässt sie sich durch eine geringere Menge nicht beherrschen, wird die Behandlung beendet.

Kontraindikationen

Die folgenden Krankheitsbilder bilden eine Kontraindikation: Zerebralparese, toxisches Megakolon (akute, lebensbedrohliche Erweiterung des Dickdarms bei schwerer Darmentzündung), akutes Lungenödem, mechanische Darmstenose, Engwinkelglaukom, Tachyarrhythmie (Herzrhythmusstörung), Pylorusstenose (Verengung des Magenausgangs), Verwachsung, Ileus mit Obstruktionen in Magen und Darm, paralytischer Ileus, schwere Colitis ulcerosa (chronisch entzündliche Darmerkrankung), Überempfindlichkeit gegen einen der Wirkstoffe des Medikaments sowie weitere Anticholinergika.

Vorsicht bei der Anwendung ist geboten, wenn die Patienten über 65 Jahre alt sind, eine Schwangerschaft besteht oder bei Kindern und Patienten, die zur Verwirrtheit und Harnverhalt neigen. Eine Überprüfung ist gleichfalls bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen, Angina pectoris (Brustenge) und allen Erkrankungen, die eine erhöhte Pulsfrequenz verursachen können, z. B. Hyperthyreose geboten. Ein organisches Psychosyndrom kann der Einnahme von Benzatropin gleichfalls entgegenstehen. Hitzeexposition und vermindertes Schwitzen können in Kombination mit diesem Medikament gleichfalls gefährlich werden. Weil der Wirkstoff Bauelemente des Atropins enthält, kann er die Schweißbildung unterdrücken. Bei Hitze, bei körperlicher Arbeit in warmer Umgebung, bei chronisch kranken oder alkoholkranken Menschen und bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems ist deshalb Zurückhaltung geboten: Ohne Schwitzen kann der Körper seine Wärme nicht abgeben, und es drohen ein gefährlicher Anstieg der Körpertemperatur und ein Hitzschlag. Schwere Fälle mit tödlichem Ausgang sind beschrieben.

Die Produktinformation des Herstellers nennt als eigentliche Gegenanzeigen die Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff sowie die Anwendung bei Kleinkindern; bei älteren Kindern ist Vorsicht angezeigt. Bei einem Glaukom, das durch einen verengten Kammerwinkel bedingt ist, wird von der Anwendung abgeraten, während ein einfaches Glaukom nach bisherigem Kenntnisstand nicht ungünstig beeinflusst wird. Menschen mit einer Neigung zu beschleunigtem Puls und Männer mit einer vergrößerten Prostata werden während der Behandlung besonders aufmerksam beobachtet.

Die deutsche Leitlinie zur Parkinson-Krankheit geht über eine bloße Vorsichtsmaßnahme hinaus: Sie hält Anticholinergika bei älteren und mehrfach erkrankten Menschen für kontraindiziert und spricht sich ausdrücklich dagegen aus, sie bei Betroffenen mit eingeschränkter geistiger Leistungsfähigkeit einzusetzen. Hintergrund ist der Befund, dass eine über die Jahre aufsummierte anticholinerge Belastung mit einem erhöhten Risiko für Störungen von Gedächtnis und Denkvermögen einhergeht.

Vorsicht gilt schließlich bei bestehenden seelischen Erkrankungen. Werden Bewegungsstörungen unter Neuroleptika behandelt, können sich die zugrunde liegenden psychischen Beschwerden verstärken; im ungünstigen Fall lösen Parkinson-Mittel eine durch das Medikament bedingte Psychose aus. Größere Mengen können auch bei anderen Menschen zu Verwirrtheit und Erregung führen, gelegentlich sind Trugbilder beschrieben worden.

Interaktionen

Mögliche Wechselwirkungen bestehen zudem mit trizyklischen Antidepressiva und Phenothiazinen (Neuroleptika). Diese Kombinationen sind der wichtigste Punkt überhaupt, denn sie treten in der Praxis häufig auf: Benzatropin wird gerade dann verordnet, wenn ein Neuroleptikum Bewegungsstörungen ausgelöst hat, und viele Neuroleptika sowie die trizyklischen Antidepressiva wirken ihrerseits anticholinerg. Die einzelnen Wirkungen addieren sich dabei.

Beschrieben sind unter solchen Kombinationen ein Stillstand der Darmtätigkeit, ein Anstieg der Körpertemperatur und ein Hitzschlag – Ereignisse, die tödlich verlaufen können. Magen-Darm-Beschwerden, Fieber und eine auffällige Empfindlichkeit gegenüber Wärme gelten deshalb als Warnzeichen, die ärztlich abgeklärt werden. Dasselbe gilt für die gleichzeitige Anwendung weiterer Arzneimittel mit atropinartiger Wirkung.

Bei einer Vergiftung mit Benzatropin ähnelt das Bild dem einer Atropin-Vergiftung: Verwirrtheit, Unruhe, Trugbilder, Schwindel, Muskelschwäche, Gangunsicherheit, Mundtrockenheit, weite Pupillen, verschwommenes Sehen, Herzklopfen, beschleunigter Puls, erhöhter Blutdruck, heiße und trockene Haut, in schweren Fällen bis hin zu Bewusstlosigkeit und Krampfanfällen. Als Gegenmittel steht ein Wirkstoff zur Verfügung, der den Abbau von Acetylcholin hemmt und die anticholinergen Zeichen umkehrt; die übrige Behandlung richtet sich nach den Beschwerden.

Alternative Behandlungsmethoden

Für die Parkinson-Krankheit selbst sind Anticholinergika heute die schwächste der verfügbaren Möglichkeiten. Die deutsche Leitlinie stellt fest, dass es seit langem keine neuen randomisierten Studien zu dieser Substanzgruppe gibt, dass sich ihre Wirksamkeit deshalb nicht verlässlich beziffern lässt und dass sie insgesamt eher schwach ausfällt. Sie spricht sich daher dagegen aus, Anticholinergika als alleinige Behandlung des frühen Stadiums einzusetzen, und lässt einen Einsatz nur in absoluten Ausnahmefällen bei einem Zittern zu, das sich anders nicht beherrschen lässt. Einzelne Untersuchungen deuten dabei an, dass die Wirkung auf das Zittern stärker ausfällt als auf Muskelstarre und Bewegungsverlangsamung, dass sie jedoch schwächer bleibt als die von Levodopa.

Als Alternativen stehen Levodopa in Verbindung mit einem Decarboxylase-Hemmer, Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer und Amantadin zur Verfügung. Gegen ein Zittern, das auf diese Mittel nicht ausreichend anspricht, kommen außerdem Betablocker außerhalb ihrer Zulassung und in ausgewählten Fällen die tiefe Hirnstimulation infrage; vom Einsatz von Primidon rät die deutsche Leitlinie wegen unzureichender Datenlage ausdrücklich ab. Treten unter der Parkinson-Behandlung Trugbilder oder wahnhafte Gedanken auf, werden die Medikamente in einer festgelegten Reihenfolge verringert – und die Anticholinergika stehen darin an erster Stelle, werden also als Erstes zurückgenommen.

In Deutschland stellt sich die Frage nach Benzatropin ohnehin nur mittelbar, weil kein entsprechendes Fertigarzneimittel im Handel ist. Wird ein zentral wirkendes Anticholinergikum benötigt, stehen hierzulande andere Vertreter derselben Gruppe zur Verfügung, unter ihnen Biperiden, Bornaprin, Metixen und Trihexyphenidyl. Bei Bewegungsstörungen, die durch Neuroleptika ausgelöst wurden, liegt der wirksamste Ansatz zudem oft nicht in einem zusätzlichen Medikament, sondern in der Überprüfung des auslösenden Mittels selbst.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Geisslinger, G., Menzel, S., Gudermann, T., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804736634
  • Diener, H.-C., Gerloff, C., Dieterich, M., et al. (Hrsg.): Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen.
    ISBN: 9783170399662
  • Diener, H.-C., Fink, G. R. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Neurologie.
    ISBN: 9783437210044
  • Benkert, O., Hippius, H. (Hrsg.): Kompendium der psychiatrischen Pharmakotherapie.
    ISBN: 9783662676844

Das könnte Sie auch interessieren