Biperiden

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Biperiden gehört zur Gruppe der Antiparkinsonmittel. Die Basis seiner Wirkung beruht auf der Hemmung von Acetylcholin. In der Behandlung der Parkinson-Krankheit selbst wird es heute nur noch selten eingesetzt; im Vordergrund stehen dort Levodopa und Dopaminagonisten. Sein wichtigstes Einsatzgebiet sind arzneimittelbedingte Bewegungsstörungen. Der Wirkstoff ist seit 1953 unter dem Handelsnamen Akineton® auf dem Markt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Biperiden?

Biperiden
Biperiden gehört zur Gruppe der Antiparkinsonmittel. Der Wirkstoff ist seit 1953 unter dem Handelsnamen Akineton® auf dem Markt.

Biperiden ist ein Anticholinergikum. Es wirkt derart auf die muskarinischen Acetylcholinrezeptoren ein, dass die Wirksamkeit von Acetylcholin besonders im Parasympathikus herabgesetzt wird.

Der Wirkstoff wird u. a. zur symptomatischen Behandlung von Parkinson eingesetzt. Auch bei der Dämpfung der Nebenwirkungen von Psychopharmaka hat Biperiden gute Erfolge aufzuweisen und findet dementsprechend auch auf diesem Gebiet Anwendung. In Arzneimitteln liegt der Wirkstoff als Biperidenhydrochlorid vor.

Das ist chemisch ein weißes, kristallines Pulver, welches sich in Wasser nur schwer auflöst. Neben seinem anticholinergen Einfluss wirkt Biperiden auch stimmungsaufhellend und euphorisierend. Deshalb besteht die Gefahr des Missbrauchs. Biperiden wird in Tablettenform und in Notfällen, etwa bei akut auftretenden Bewegungsstörungen oder bei Vergiftungen, auch als Injektionslösung verabreicht.

Pharmakologische Wirkung

Biperiden entfaltet seinen Einfluss über die Hemmung der Muskarinrezeptoren für Acetylcholin im Parasympathikus. Dabei wird die Wirkung von Acetylcholin unterdrückt mit der Folge der Reduzierung wichtiger Körperfunktionen, die mit dem Parasympathikus zusammenhängen.

Über welchen Mechanismus können nun die Symptome von Parkinson behandelt werden? Dazu muss man wissen, dass Parkinson durch einen Mangel des Neurotransmitters Dopamin ausgelöst wird. Dieser Mangel resultiert aus dem Absterben von Dopamin produzierenden Nervenzellen. Dopamin sorgt für die Koordinierung der Bewegungsabläufe. Neben Dopamin sind aber auch noch andere Neurotransmitter für die Reizweiterleitung in den Nervenzellen verantwortlich, darunter Acetylcholin.

Durch den Dopaminmangel besteht jedoch ein unausgeglichenes Verhältnis zwischen Acetylcholin und Dopamin. So liegt nun Acetylcholin relativ im Überschuss vor und verstärkt damit die unkoordinierte Reizweiterleitung. Zur Behandlung von Parkinson stehen nun verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Entweder werden Dopaminvorstufen bzw. Abbauhemmer für Dopamin eingesetzt oder der relative Überschuss an Acetylcholin wird reduziert.

Auch eine Kombinationsbehandlung ist möglich. Für die Hemmung der Acetylcholinwirkung kommen Anticholinergika, wie Biperiden, in Betracht. Bei der Behandlung mit Anticholinergika muss man jedoch gleichzeitig die Nebenwirkungen, die mit der Hemmung von Acetylcholin einhergehen, in Kauf nehmen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Ein Anwendungsgebiet von Biperiden ist, wie bereits dargelegt, die Behandlung der Symptome von Parkinson. Parkinson zeichnet sich allgemein dadurch aus, dass die Bewegungsabläufe zunehmend verlangsamt und unkoordiniert ablaufen. Ein Hauptsymptom ist die Bewegungsarmut.

Bei schnellen Bewegungen lässt die Geschicklichkeit nach. Hinzu kommen noch Tremor (Zittern) und Muskelsteifheit (Rigor). Weiterhin kommt es zu Gang- und Standunsicherheit. Wie bereits erwähnt, geht Parkinson mit einem Ungleichgewicht von Dopamin und Acetylcholin einher; Ursache ist das Absterben Dopamin produzierender Nervenzellen. Eine Einflussmöglichkeit ist die Behandlung mit Anticholinergika, wie Biperiden.

Bei der Wahl der Mittel muss natürlich auch das Verhältnis von Behandlungserfolg und Nebenwirkungen betrachtet werden. Im Falle von Parkinson schneiden die Anticholinergika im Vergleich zu anderen Mitteln diesbezüglich weniger gut ab. Die auf die Acetylcholinhemmung zurückgehenden Nebenwirkungen spielen doch eine erhebliche Rolle. Häufiger werden Anticholinergika, wie Biperiden, heute beim sekundären Parkinson-Syndrom aufgrund der Behandlung mit Psychopharmaka angewendet.

Bei dieser Behandlung können sogenannte Dyskinesien auftreten. Das sind Störungen des physiologischen Bewegungsablaufs von Organen, Körperteilen oder einer ganzen Körperregion. Diese treten häufig in Form von Krämpfen, krampfartigen Bewegungen oder Tics auf. Hier zeigt der Einsatz von Biperiden gute Erfolge. Weitere Anwendungsgebiete sind noch Vergiftungen mit Pflanzenschutzmitteln oder Nikotin.


Verabreichung & Dosierung

Biperiden ist ein Anticholinergikum, das häufig zur Behandlung von Parkinson-Symptomen sowie zur Linderung von extrapyramidalen Störungen, die durch neuroleptische Medikamente verursacht werden, eingesetzt wird. Bei der Verabreichung und Dosierung von Biperiden gibt es mehrere wichtige Aspekte zu beachten.

Die Dosierung von Biperiden wird individuell angepasst und beginnt in der Regel mit einer niedrigen Dosis, die schrittweise erhöht wird, um die optimale Wirkung zu erzielen und Nebenwirkungen zu minimieren. Typische Anfangsdosierungen liegen bei 2 mg ein- bis zweimal täglich, die je nach Ansprechbarkeit des Patienten auf bis zu 16 mg pro Tag gesteigert werden können. Die maximale Tagesdosis sollte jedoch 16 mg nicht überschreiten.

Biperiden kann oral in Form von Tabletten oder als Injektion verabreicht werden. Bei akuten Parkinson-Symptomen oder medikamentös induzierten Bewegungsstörungen kann die Injektion verwendet werden, um eine schnellere Wirkung zu erzielen.

Es ist wichtig, Biperiden regelmäßig zur gleichen Tageszeit einzunehmen, um gleichbleibende Wirkstoffspiegel im Blut aufrechtzuerhalten.

Patienten mit Glaukom, Prostatahypertrophie oder anderen Harnverhaltungsproblemen sollten Biperiden nur unter strenger ärztlicher Aufsicht einnehmen, da das Medikament die Symptome dieser Erkrankungen verschlimmern kann. Beim unbehandelten Engwinkelglaukom geht die Einschränkung weiter: Dort darf Biperiden gar nicht angewendet werden. Auch bei älteren Patienten ist besondere Vorsicht geboten, da sie anfälliger für Nebenwirkungen wie Verwirrtheit, Schwindel und Mundtrockenheit sind; wegen der zentralen anticholinergen Wirkung wird Biperiden für ältere Menschen als ungeeignet eingestuft.

Darüber hinaus kann Biperiden Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben, insbesondere mit zentral dämpfenden Substanzen wie Alkohol, Beruhigungsmitteln und anderen Anticholinergika. Daher sollten Patienten ihren Arzt über alle anderen eingenommenen Medikamente informieren.

Der Zeitpunkt der Einnahme lässt sich zur Verträglichkeit nutzen. Die Tagesmenge wird auf mehrere Einzelgaben aufgeteilt und gleichmäßig über den Tag verteilt; die Tabletten werden mit ausreichend Flüssigkeit vorzugsweise während oder nach einer Mahlzeit eingenommen. Beschwerden im Magen-Darm-Bereich lassen sich abmildern, wenn die Einnahme unmittelbar nach dem Essen erfolgt. Bei bestehenden Blasenentleerungsstörungen wird die Blase vor der Einnahme entleert.

Wie lange behandelt wird, hängt vom Anlass ab. Bei medikamentös bedingten Bewegungsstörungen kann eine kurzfristige Gabe genügen, bei der Parkinson-Krankheit ist eine Dauerbehandlung die Regel. Abgesetzt wird schrittweise: Außer beim Auftreten lebensgefährlicher Komplikationen ist ein plötzliches Beenden der Behandlung zu vermeiden.

Bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion ist eine vorsichtige Dosierung erforderlich; auch dort wird mit der niedrigstmöglichen Menge begonnen und je nach Ansprechen langsam gesteigert. Während der Behandlung wird der Augeninnendruck regelmäßig augenärztlich kontrolliert. Auf Alkohol wird während der Behandlung verzichtet, weil Biperiden dessen Wirkung verstärkt.

Eine Überdosierung ist ein Notfall. Zu ihren Anzeichen gehören weite, träge Pupillen, trockene Schleimhäute, ein gerötetes Gesicht, ein beschleunigter Herzschlag, Störungen der Darm- oder Blasenentleerung, erhöhte Temperatur, Erregung, Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit und Wahnvorstellungen; bei schweren Vergiftungen drohen Kreislaufversagen und Atemstillstand.

Risiken & Nebenwirkungen

Der Einsatz von Biperiden ruft aufgrund seiner anticholinergen Eigenschaften verschiedene typische Nebenwirkungen hervor. Dazu gehört Mundtrockenheit durch die Reduzierung der Sekret- und Speichelproduktion, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Harnverhalten und vermindertes Schwitzen.

Auch Sehstörungen und die Erhöhung der Herzfrequenz können auftreten. Weiterhin beobachtet man auch zentralnervöse Störungen, wie Schwindel, Müdigkeit, Erregbarkeit oder gar Halluzinationen. Diese Nebenwirkungen sind die Folge einer reduzierten Acetylcholinwirkung. Es gibt aber auch wie bei allen Medikamenten direkte Überempfindlichkeiten gegen Biperiden.

Der Häufigkeit nach sind diese unerwünschten Wirkungen unterschiedlich einzuordnen. Als selten, also bei bis zu einem von tausend Behandelten, gelten Unruhe, Erregtheit, Angst, Verwirrtheit, delirante Zustände und Sinnestäuschungen bei höheren Mengen, Schlaflosigkeit, eine Beeinflussung der Schlafphasen, Müdigkeit, Schwindelgefühl, Gedächtnisstörungen, Herzklopfen, Mundtrockenheit, Magenbeschwerden, Übelkeit, Muskelzuckungen und Benommenheit. Als sehr selten, also bei bis zu einem von zehntausend Behandelten, sind Überempfindlichkeitsreaktionen, Nervosität, eine unnatürlich gehobene Stimmung, Kopfschmerzen, unwillkürliche Bewegungsstörungen, Störungen der Bewegungskoordination und der Sprache, Krampfanfälle, Sehstörungen, eine Pupillenerweiterung mit Lichtempfindlichkeit, eine Verlangsamung des Herzschlags, Verstopfung, eine verminderte Schweißabsonderung, allergische Hautausschläge sowie Störungen der Harnentleerung bis hin zur Harnverhaltung beschrieben. Ohne Angabe einer Häufigkeit ist eine Schwellung oder Entzündung der Speicheldrüsen berichtet worden.

Unerwünschte Wirkungen treten besonders zu Beginn der Behandlung und bei zu rascher Steigerung der Menge auf. Bei Menschen mit Hirnleistungsstörungen ist eine zentral erregende Wirkung häufig und kann eine Verringerung der Menge erzwingen. Auch das Auftreten eines grünen Stars ist möglich; deshalb wird der Augeninnendruck regelmäßig kontrolliert. Kommt es zu einer Harnverhaltung, ist sofort ärztliche Hilfe nötig, weil eine Verringerung der Menge oder die Gabe eines Gegenmittels erforderlich sein kann.

In diesem Fall sowie bei Verengungen im Magen-/Darmkanal ist sein Einsatz kontraindiziert. Bei erhöhter Krampfbereitschaft, bei Herzrhythmusstörungen und bei Muskelschwäche ist er dagegen nicht verboten, aber nur unter besonderer Vorsicht vertretbar. Bei Demenz und anderen Hirnleistungsstörungen ist wegen der zentralen anticholinergen Wirkung besondere Zurückhaltung geboten. Während der Schwangerschaft und der Stillzeit sollte Biperiden nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.

Kontraindikationen

Typische Kontraindikationen bei der Verwendung von Biperiden betreffen vor allem Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen, bei denen das Medikament zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands führen könnte. Eine der wichtigsten Kontraindikationen ist ein unbehandeltes Engwinkelglaukom. Biperiden kann den Augeninnendruck erhöhen, was bei Patienten mit dieser Form des Glaukoms eine akute Verschlechterung auslösen kann und unter Umständen zu dauerhaften Sehschäden führen könnte.

Ein weiteres wesentliches Risiko besteht bei Patienten mit Prostatahypertrophie und Harnverhalt. Da Biperiden die Blasenmuskulatur beeinflusst und die Fähigkeit zur Blasenentleerung beeinträchtigen kann, erhöht sich das Risiko für einen akuten Harnverhalt, was zu ernsthaften Komplikationen führen könnte.

Bei Patienten mit mechanischen Stenosen im Magen-Darm-Trakt darf Biperiden nicht angewendet werden. Das Medikament kann die Magen- und Darmmotilität reduzieren, was bei diesen Patienten zu einer Verschlechterung der Symptome und möglicherweise zu einem Darmverschluss führen kann.

Ebenfalls nicht angewendet werden darf Biperiden bei einer krankhaften Erweiterung des Dickdarms und bei einem bereits bestehenden Darmverschluss. Beide Zustände stehen in der Gebrauchsinformation neben den mechanischen Verengungen unter den Gegenanzeigen und nicht unter den Vorsichtsmaßnahmen.

Von diesen Verboten zu unterscheiden ist eine Reihe von Zuständen, bei denen Biperiden erlaubt bleibt, aber ärztlich abgewogen wird: eine Vergrößerung der Vorsteherdrüse mit Restharnbildung, eine bestehende Harnverhaltung oder Blasenentleerungsstörung, Erkrankungen, die zu einer Beschleunigung des Herzschlags führen können, eine erhöhte Krampfbereitschaft sowie Schwangerschaft und Stillzeit. In der Stillzeit kommt ein besonderer Punkt hinzu: Biperiden kann die Milchbildung hemmen, und es ist anzunehmen, dass der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht.

Bei Kindern und Jugendlichen sind die Erfahrungen begrenzt und beziehen sich in erster Linie auf die zeitlich befristete Anwendung bei anhaltenden Muskelverkrampfungen, die durch Neuroleptika oder ähnlich wirkende Arzneimittel ausgelöst wurden.

Bei Patienten mit Myasthenia gravis ist Biperiden zwar nicht verboten, erfordert aber besondere Vorsicht: Die zur Behandlung eingesetzten Cholinesterasehemmer hemmen das Enzym Acetylcholinesterase und steigern dadurch das Angebot an Acetylcholin, während Biperiden dessen Wirkung an den muskarinischen Rezeptoren blockiert; die Warnzeichen einer Überdosierung dieser Mittel können dadurch verschleiert werden.

Schließlich sollten Patienten, die auf Biperiden oder ähnliche Anticholinergika allergisch reagieren, das Medikament nicht einnehmen. Überempfindlichkeitsreaktionen können sich in Form von Hautausschlägen, Atemnot oder anderen allergischen Symptomen äußern und erfordern eine sofortige ärztliche Intervention.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Bei der Verwendung von Biperiden bestehen mehrere potenzielle Interaktionen mit anderen Medikamenten, die zu verstärkten Nebenwirkungen oder verminderten therapeutischen Effekten führen können. Biperiden ist ein Anticholinergikum und kann durch seine Wirkung auf das zentrale Nervensystem und den Körper generell die Effekte anderer Medikamente beeinflussen.

Eine wichtige Interaktion besteht mit anderen zentral dämpfenden Substanzen wie Benzodiazepinen, Barbituraten, Schlafmitteln und Alkohol. Die gleichzeitige Einnahme kann zu einer verstärkten Sedierung, Schläfrigkeit und Verwirrung führen. Dies ist besonders bei älteren Patienten riskant, da es das Risiko für Stürze und andere Unfälle erhöht.

Biperiden kann auch die Wirkung anderer Anticholinergika wie Atropin oder bestimmte Antihistaminika verstärken, was zu einer additiven anticholinergen Belastung führt. Dies kann Symptome wie Mundtrockenheit, Verstopfung, Harnverhalt und Sehstörungen verstärken.

Die gleichzeitige Anwendung von Biperiden mit Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmern) kann zu einer Erhöhung des Blutdrucks und anderen zentralen Effekten führen, weshalb diese Kombination vermieden oder nur unter strenger ärztlicher Überwachung angewendet werden sollte.

Mit Chinidin, einem Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, können sich die Wirkungen auf Herz und Kreislauf verstärken. Umgekehrt schwächt Biperiden als Anticholinergikum die Wirkung von Metoclopramid und ähnlich auf den Magen-Darm-Trakt wirkenden Mitteln ab. Die Nebenwirkungen des starken Schmerzmittels Pethidin auf das Nervensystem können durch Biperiden verstärkt werden.

Zwei Wechselwirkungen betreffen ausgerechnet den Bereich, für den Biperiden häufig verordnet wird. Bei gleichzeitiger Anwendung von Levodopa können unwillkürliche Bewegungen zunehmen; bei Levodopa-Carbidopa-Präparaten wurden zusätzlich tanzähnliche Bewegungsstörungen beobachtet. Und die durch Neuroleptika ausgelösten unwillkürlichen Bewegungen im Hand-, Fuß- und Gesichtsbereich, etwa Schmatz- und Kaubewegungen, können durch Biperiden nicht nur unbeeinflusst bleiben, sondern sich verstärken. Treten sie auf, gehört das in ärztliche Hand.

Außerdem kann Biperiden die Wirkung von Medikamenten gegen Parkinson, wie Levodopa, verändern. Während es helfen kann, die Parkinson-Symptome zu kontrollieren, kann die Kombination die Nebenwirkungen von Levodopa, wie Halluzinationen oder Verwirrung, verstärken.

Auch die Einnahme von Antipsychotika kann durch Biperiden beeinflusst werden. Obwohl Biperiden verwendet wird, um extrapyramidale Nebenwirkungen von Antipsychotika zu behandeln, kann es auch die Wirkung dieser Medikamente verändern und das Risiko von zentralnervösen Nebenwirkungen erhöhen.

Patienten sollten ihren Arzt über alle Medikamente informieren, die sie einnehmen, um potenziell gefährliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Biperiden nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist, gibt es mehrere alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe, die zur Linderung von Parkinson-Symptomen oder medikamentös bedingten Bewegungsstörungen eingesetzt werden können.

Eine Alternative zu Biperiden ist Amantadin, ein Antiparkinsonmittel, das sowohl dopaminerge als auch anticholinerge Eigenschaften besitzt. Amantadin kann bei der Linderung von Parkinson-Symptomen wie Tremor, Rigor und Bradykinesie hilfreich sein und wird oft gut vertragen.

Ein weiterer alternativer Wirkstoff ist Levodopa, das in Kombination mit einem Decarboxylase-Hemmer (wie Carbidopa oder Benserazid) eingesetzt wird. Levodopa wird im Gehirn in Dopamin umgewandelt und ist besonders wirksam bei der Behandlung von Parkinson-Symptomen. Allerdings muss die Dosierung sorgfältig überwacht werden, da langfristige Einnahme zu Wirkungsfluktuationen und Dyskinesien führen kann.

Eine wichtige Einschränkung ist dabei zu beachten: Levodopa ist zwar für die Parkinson-Krankheit und für Parkinson-Syndrome nach Vergiftungen, Hirnentzündungen oder arteriosklerotischen Hirnveränderungen zugelassen, ausdrücklich aber nicht für das medikamentös ausgelöste Parkinson-Syndrom. Gerade dort, wo Biperiden heute seinen Schwerpunkt hat, ist Levodopa also kein Ersatz. Amantadin dagegen ist für beides zugelassen, für die Symptome der Parkinson-Krankheit ebenso wie für die durch Neuroleptika und ähnlich wirkende Arzneimittel bedingten Bewegungsstörungen, darunter Frühdyskinesien, Bewegungsunruhe und das arzneimittelbedingte Parkinsonoid. Erkauft wird das mit einem eigenen Aufwand: Vor Beginn der Behandlung und in festgelegten Abständen danach ist ein EKG zu schreiben, aus dem die frequenzkorrigierte QT-Zeit bestimmt wird.

Dopaminagonisten wie Pramipexol oder Ropinirol bieten eine weitere Option. Sie stimulieren die Dopaminrezeptoren direkt und können bei Patienten eingesetzt werden, die empfindlich auf Levodopa reagieren oder bei denen Levodopa nicht ausreichend wirkt. Diese Medikamente haben den Vorteil, dass sie weniger motorische Komplikationen verursachen. Ein Fortschreiten der Erkrankung können sie jedoch nicht aufhalten. Als Dopaminagonisten können sie außerdem Impulskontrollstörungen auslösen, etwa Spielsucht, zwanghaftes Geldausgeben oder einen gesteigerten Sexualtrieb.

Für Patienten mit medikamentös induzierten Bewegungsstörungen, wie durch Antipsychotika verursachte Dyskinesien, kann die Umstellung auf ein atypisches Antipsychotikum wie Clozapin oder Quetiapin eine Option sein. Diese Medikamente haben ein geringeres Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen und können so das Auftreten von Bewegungsstörungen verringern.

Nicht-medikamentöse Ansätze wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in der Behandlung von Parkinson-Symptomen, indem sie die Beweglichkeit, Kraft und Kommunikationsfähigkeiten der Patienten verbessern.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742
  • Diener, H.-C., Gerloff, C., Dieterich, M., Endres, M. (Hrsg.): Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen.
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  • Hufschmidt, A., Rauer, S., Glocker, F. X. (Hrsg.): Neurologie compact.
    ISBN: 9783132430358

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