Neisseria

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Neisseria sind Bakterien aus der Gruppe der gramnegativen Bakterien. Sie gehören zur Familie der Neisseriaceae.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Neisseria?

Neisseria
Neisseria gonorrhoeae, der Erreger der Gonorrhoe (Tripper), ist weltweit verbreitet. Der Tripper ist mit weltweit rund 80 Millionen Erkrankungsfällen pro Jahr eine der häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen (STI).
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Die Neisseriabakterien sind sogenannte Proteobacteria. Sie bilden eine eigene Gattung innerhalb der Familie Neisseriaceae und gehören zu den gramnegativen Bakterien. Gramnegative Bakterien erscheinen in der Gramfärbung rot. Sie besitzen im Gegensatz zu den grampositiven Bakterien keine dicke Zellwand, sondern sind nur von einer dünnen Mureinschicht umhüllt, über der zusätzlich eine äußere Membran liegt. Die Unterscheidung zwischen grampositiv und gramnegativ ist für die Wahl des richtigen Antibiotikums entscheidend.

Entdeckt wurde die Bakteriengruppe von dem Bakteriologen Albert Neisser. Er entdeckte als erstes Bakterium der Gruppe den Erreger der Gonorrhoe, Neisseria gonorrhoeae.

Neisserien liegen als Diplokokken vor. Kokken sind kugelförmige Bakterien. Diplokokken sind paarweise gelagert. Unter den vielen verschiedenen Arten der Neisseria befinden sich zwei, die für den Menschen regelmäßig krankheitserregend sind: Neisseria gonorrhoeae und Neisseria meningitidis. Andere Arten wie Neisseria flavescens und Neisseria sicca gehören zur normalen Schleimhautflora der oberen Atemwege und werden nur in Einzelfällen bei abwehrgeschwächten Menschen als Erreger gefunden.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Neisseria gonorrhoeae, der Erreger der Gonorrhoe (Tripper), ist weltweit verbreitet. Der Tripper ist mit weltweit rund 80 Millionen Erkrankungsfällen pro Jahr eine der häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen (STI). Die Erkrankung betrifft überwiegend Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. In Deutschland erkranken jährlich etwa 14 von 100.000 Einwohnern.

Der Mensch ist das einzige bekannte Erregerreservoir für Neisseria gonorrhoeae. Die Übertragung erfolgt nur durch direkten Schleimhautkontakt. Dieser entsteht beispielsweise beim Geschlechtsverkehr oder beim Geburtsvorgang. Neisseria gonorrhoeae fühlt sich insbesondere in den Zellen der weiblichen und männlichen Harnröhre, im Gebärmutterkanal, im Enddarm und in den Bindehäuten des Auges wohl.

Der Erreger der eitrigen Meningitis, Neisseria meningitidis, ist ebenfalls weltweit verbreitet. Die Bakterien sind auch als Meningokokken bekannt. Auch für Neisseria meningitidis ist der Mensch der einzige Wirt. Außerhalb des Körpers sterben die Erreger schnell ab. Somit ist für die Infektion ein sehr enger Kontakt erforderlich. Die Übertragung erfolgt in der Regel durch Nasen-Rachen-Sekret. So wird der Erreger beim Niesen, Küssen oder beim Anhusten übertragen.

Die Meningokokken können sich mit kleinen Pili an die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum heften und dort über Wochen oder Monate verbleiben. Wenn das Immunsystem geschwächt ist, vermehren sich die Bakterien, durchdringen die Schleimhäute und gelangen über das Blut ins Gehirn. Dort können sie Hirnhautentzündungen verursachen. Gefürchtet ist eine Blutvergiftung, die durch die Erreger ausgelöst wird.

Neisseria flavescens und Neisseria sicca leben beide in den Schleimhäuten der oberen Atemwege. Bisher ist noch nicht geklärt, welche Rolle sie als Krankheitserreger spielen. Neisseria flavescens wurde vereinzelt bei unterschiedlichen Entzündungen nachgewiesen. Neisseria sicca wurde in Einzelfällen bei Hirnhautentzündungen abwehrgeschwächter Patienten im Nervenwasser gefunden.


Krankheiten & Beschwerden

Bei einer Infektion mit Neisseria gonorrhoeae entwickelt sich die Gonorrhoe, die umgangssprachlich auch als Tripper bezeichnet wird. Sie gehört zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen. Die Inkubationszeit beträgt beim Mann meist zwei bis drei Tage. Bei Frauen ist sie länger und weniger scharf abzugrenzen. Ein erheblicher Teil der Infizierten – bei Frauen etwa die Hälfte – bildet keinerlei Symptome aus. Insbesondere diese symptomlosen Krankheitsträger spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung der Gonorrhoe.

Beim Mann zeigt sich die Erkrankung normalerweise durch eine Entzündung der Harnröhre (Urethritis). Es kommt zu Juckreiz und eitrigem Ausfluss. Durch die Entzündung ist das Wasserlassen schmerzhaft (Algurie). Ohne Behandlung kann die Entzündung der Harnröhre über Wochen bis Monate anhalten. In seltenen Fällen können sich zusätzlich die Nebenhoden oder die Prostata entzünden. Es kann sich auch eine Unfruchtbarkeit entwickeln.

Bei Frauen treten die ersten Symptome nach ungefähr zehn Tagen auf. Neben der Entzündung der Harnröhre liegt in der Regel auch eine Entzündung des Gebärmutterhalses vor. Beide Entzündungen verursachen einen eitrigen Ausfluss. Selten sind die Vaginalschleimhaut oder die Bartholinschen Drüsen ebenfalls entzündet. Gebärmutter und Eileiter können durch die Infektion verkleben, was zu Infertilität führen kann.

Die Gonokokkeninfektion der Augen ist bei Erwachsenen sehr selten. Bei Neugeborenen, die sich bei der Mutter angesteckt haben, kann sich jedoch die Gonoblennorrhoe entwickeln. Die Gonoblennorrhoe ist eine eitrige Bindehautentzündung, die zur Erblindung führen kann. Um dem vorzubeugen, wurden den Kindern nach der Geburt früher routinemäßig Augentropfen mit Silbernitrat verabreicht (Credé-Prophylaxe). In Deutschland wird diese Vorbeugung heute nicht mehr bei allen Neugeborenen durchgeführt, sondern nur noch bei bekanntem Infektionsrisiko der Mutter und dann mit einem antibiotischen Augenmittel.

Meningokokken (Neisseria meningitidis) können eine Hirnhautentzündung hervorrufen. Die Erkrankung kann leicht verlaufen und spontan abheilen oder einen hochakuten Verlauf mit tödlichem Ausgang nehmen. Die Erkrankung beginnt mit hohem Fieber, Erbrechen, Schüttelfrost und Krämpfen. Charakteristisches Symptom der Meningitis ist Nackensteife. Auch ein Opisthotonus wird häufig beobachtet. Der Opisthotonus ist ein Krampf der Rückenmuskulatur, der zur Überstreckung von Rumpf und Beinen führt. Säuglinge fallen zudem durch Apathie oder Unruhe auf. Sie verweigern die Nahrung und sind berührungs- und lichtempfindlich.

Eine gefürchtete Komplikation der Meningokokken-Meningitis ist das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom. Bei ihrem Zerfall setzen die Meningokokken Endotoxine frei. Dieser Prozess hat eine Aktivierung des Gerinnungssystems mit massiver Thrombenbildung in den Blutgefäßen zur Folge. Durch den thrombotischen Verschluss der Gefäße werden die peripheren Gebiete nicht mit ausreichend Blut versorgt. Zudem werden bei der Gerinnung die Gerinnungsfaktoren im Blut verbraucht. Dies führt zu starken Blutungen in die Haut, in die Schleimhäute und in die inneren Organe. Besonders stark ist die Nebennierenrinde betroffen. Sie kann komplett zerstört werden, sodass es zu einem akuten Mangel an dem Hormon Cortisol kommt. Unbehandelt verläuft das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom fast immer tödlich; auch bei sofortiger Behandlung ist die Sterblichkeit hoch.

Bau und Stoffwechsel

Die Arten der Gattung Neisseria sind überwiegend Kokken, also kugelige Bakterien; wenige Arten wie Neisseria elongata sind stäbchenförmig. Sie teilen sich in einer Ebene und bleiben anschließend paarweise beieinander, sodass die für die Gattung kennzeichnenden Diplokokken entstehen. An der Berührungsfläche sind die beiden Zellen abgeflacht oder leicht eingedellt. Unter dem Mikroskop erinnert ein solches Paar deshalb an zwei mit den flachen Seiten aneinandergelegte Kaffeebohnen – ein Bild, das in der Bakteriologie seit langem zur Beschreibung der Gattung dient.

Die Zellhülle folgt dem gramnegativen Bauplan. Auf die Zellmembran folgt eine dünne, formgebende Mureinschicht, darüber liegt eine zweite, äußere Membran. In deren äußerem Blatt sitzt bei den Neisserien kein langkettiges Lipopolysaccharid, wie es viele andere gramnegative Bakterien tragen, sondern ein deutlich kürzeres Lipooligosaccharid. Ihm fehlt der sich wiederholende Zuckeranteil, der bei anderen Arten als O-Antigen bezeichnet wird. Der in der Membran verankerte Fettanteil wirkt dennoch als Endotoxin, also als Giftstoff, der nicht abgegeben wird, sondern erst beim Zerfall der Bakterienzelle frei wird.

Geißeln besitzen Neisserien nicht; sie sind unbeweglich. Auch widerstandsfähige Dauerformen im Sinne von Sporen bilden sie nicht. Dafür tragen sie feine, fadenförmige Fortsätze, die Pili. Sie dienen der Anheftung an Zellen und Oberflächen, ermöglichen eine ruckartige Fortbewegung auf Unterlagen und sind daran beteiligt, freie Erbsubstanz aus der Umgebung aufzunehmen. Diese Fähigkeit, DNA aus dem Milieu aufzunehmen und in das eigene Erbgut einzubauen, wird als natürliche Kompetenz bezeichnet und ist innerhalb der Gattung besonders ausgeprägt.

Eine ausgeprägte Polysaccharidkapsel bildet regelmäßig nur Neisseria meningitidis. Bei den übrigen Arten fehlt sie oder ist nur schwach entwickelt; das gilt auch für den Erreger des Trippers. Dieser Unterschied erklärt einen Teil der unterschiedlichen Krankheitsbilder, denn die Kapsel schützt vor der Aufnahme durch Fresszellen und ist Voraussetzung dafür, dass ein Erreger im Blut überdauern kann.

Stoffwechselseitig sind Neisserien auf Sauerstoff angewiesen und besitzen die Enzyme Oxidase und Katalase. Einzelne Arten können bei Sauerstoffmangel ersatzweise Stickstoffverbindungen veratmen und wachsen dann auch ohne Sauerstoff. Wärme brauchen sie ebenfalls: Die krankmachenden Arten wachsen nur in einem engen Bereich um die Körpertemperatur, während die Arten der Standortflora auch deutlich darunter gedeihen. Ein erhöhter Kohlendioxidgehalt der Luft fördert die Anzucht der empfindlichen Arten. Aus Kohlenhydraten gewinnen die einzelnen Arten in unterschiedlichem Umfang Säure – ein Merkmal, das im Labor seit jeher zur Artbestimmung genutzt wird.

Nachweis im Labor

Der erste Schritt ist meist die Gramfärbung eines Ausstrichs. Neisserien färben sich rot an und erscheinen als paarweise gelagerte Kokken. Bei den beiden krankmachenden Arten liegen sie häufig innerhalb von Granulozyten, also innerhalb bestimmter weißer Blutkörperchen – ein Befund, der im Eiterausstrich schon vor jeder Anzucht einen starken Hinweis gibt.

Es folgt der Oxidasetest. Auf eine Kolonie wird ein farbloses Reagenz gegeben, das die Bakterien mit ihrem Enzym Oxidase innerhalb von Sekunden zu einem dunkelvioletten Farbstoff umsetzen. Zusammen mit dem mikroskopischen Bild grenzt dieser einfache Test gramnegative Diplokokken bereits weitgehend ein.

Für die Anzucht der empfindlichen Arten reicht gewöhnlicher Blutagar nicht aus. Verwendet wird Kochblut- oder Schokoladenagar. Sein Name hat nichts mit Schokolade zu tun, sondern beschreibt die braune Farbe, die entsteht, wenn dem Nährboden zugesetztes Blut vorsichtig erhitzt wird. Durch das Erhitzen platzen die roten Blutkörperchen, und Wuchsstoffe treten aus, die die Bakterien selbst nicht herstellen können. Bebrütet wird bei Körpertemperatur in einer Atmosphäre mit erhöhtem Kohlendioxidanteil. Stammt das Untersuchungsmaterial aus einem von Natur aus dicht besiedelten Bereich wie dem Rachen, kommen Selektivnährböden zum Einsatz: Ihnen sind Hemmstoffe zugesetzt, die die Begleitflora unterdrücken — darunter auch die harmlosen Arten der Gattung —, die krankmachenden Neisserien aber wachsen lassen.

Die Artbestimmung stützte sich lange auf die Frage, aus welchen Zuckern ein Stamm Säure bildet. Heute wird sie meist durch die massenspektrometrische Bestimmung des Eiweißmusters einer Kolonie ersetzt oder ergänzt, die innerhalb von Minuten ein Ergebnis liefert. Aus Untersuchungsmaterial, das keine anzüchtbaren Bakterien mehr enthält – etwa nach begonnener Gabe von Antibiotika –, lässt sich Erbsubstanz mit der Polymerase-Kettenreaktion nachweisen.

Eine Fehlerquelle zieht sich durch die ganze Gattung: Die Arten der Standortflora sehen im Ausstrich aus wie die krankmachenden und sind ebenfalls oxidasepositiv. Ein Rachenabstrich, in dem gramnegative Diplokokken wachsen, beweist deshalb noch keine Meningokokken. Umgekehrt gilt: Werden Neisserien aus einem Material angezüchtet, das keine Bakterien enthalten sollte – Nervenwasser, Blut oder eine Herzklappe –, hat derselbe Keim ein ganz anderes Gewicht als aus dem Rachen.

Widerstandsfähigkeit und Hygiene

Neisserien gehören zu den empfindlichsten Bakterien der medizinischen Routine. Austrocknung, Kälte, Sonnenlicht und Temperaturschwankungen setzen ihnen zu, gebräuchliche Desinfektionsmittel und Seifen zerstören sie ohne weiteres. Weil sie keine Sporen bilden, fehlt ihnen jede überdauernde Form. Ein Reservoir außerhalb des Menschen gibt es für die krankmachenden Arten und die Arten der menschlichen Standortflora nicht, weder im Wasser noch im Boden. Einzelne andere Arten der Gattung leben in der Maulflora von Hunden und Katzen und werden beim Menschen nur nach Bissverletzungen gefunden.

Daraus folgt unmittelbar, welche Übertragungswege überhaupt in Frage kommen. Türklinken, Handtücher oder Trinkgläser spielen praktisch keine Rolle, weil die Erreger dort binnen kurzer Zeit absterben. Notwendig ist der unmittelbare Kontakt von Schleimhaut zu Schleimhaut oder der direkte Weg über frisch ausgehustete Tröpfchen auf kurze Entfernung. Umgekehrt bedeutet die Empfindlichkeit, dass eine aufwendige Desinfektion der Umgebung nach einem Krankheitsfall nicht erforderlich ist; die übliche Hygiene genügt.

Im Labor kehrt sich dieselbe Eigenschaft in ein Problem um. Proben, in denen Neisserien vermutet werden, dürfen nicht gekühlt werden und sollten möglichst rasch verarbeitet werden; für längere Wege stehen besondere Transportmedien zur Verfügung. Wird das versäumt, bleibt die Anzucht negativ, obwohl der Erreger im Material vorhanden war.

Die Arten der Standortflora

Die Gattung umfasst weit mehr Arten, als in der Krankheitslehre eine Rolle spielen. Der größere Teil lebt als harmlose Standortflora auf den Schleimhäuten der oberen Atemwege und in der Mundhöhle – neben Neisseria flavescens und Neisseria sicca etwa Neisseria mucosa, Neisseria subflava, Neisseria cinerea und Neisseria lactamica. Erworben wird diese Besiedelung in den ersten Lebensjahren; welche Arten ein Mensch trägt, wechselt im Lauf des Lebens, und mehrere kommen regelmäßig nebeneinander vor.

Diese Arten sind aus zwei Gründen mehr als eine Randnotiz. Zum einen besetzen sie Haftstellen und Nährstoffe, die damit anderen Keimen nicht mehr zur Verfügung stehen; eine dicht bewachsene Schleimhaut ist schwerer neu zu besiedeln als eine leere. Für Neisseria lactamica ist darüber hinaus beschrieben, dass ihr Trägertum im Kindesalter eine Abwehrreaktion hervorruft, die sich auch gegen Meningokokken richtet – die harmlose Verwandtschaft schützt hier also vor dem Krankheitserreger.

Zum anderen sind sie ein Erbgut-Reservoir für ihre krankmachenden Verwandten. Weil Neisserien freie Erbsubstanz aufnehmen und einbauen, können Abschnitte von der einen Art zur anderen übergehen, wenn beide dieselbe Schleimhaut bewohnen. Bei Gonokokken und Meningokokken sind Bauanleitungen für die Angriffspunkte des Penicillins beschrieben, die abschnittsweise aus solchen harmlosen Arten stammen. Auf diesem Weg kann sich eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika ausbreiten, ohne dass in dem betroffenen Bakterium selbst eine Mutation stattgefunden hätte.

Namensgebung und Entdeckungsgeschichte

Albert Neisser wies 1879 in Breslau im Eiter von Erkrankten regelmäßig paarweise gelagerte Kokken nach und brachte sie mit dem Tripper in Verbindung. Der Befund fiel in eine Zeit, in der es überhaupt erst zum Programm der jungen Bakteriologie wurde, einzelne Bakterien einzelnen Krankheiten zuzuordnen. Wenige Jahre später erhielt die Gattung ihm zu Ehren den Namen Neisseria. Neisser befasste sich später auch mit der Lepra und mit der Syphilis.

Die zweite krankmachende Art wurde unabhängig davon gefunden. Der Wiener Pathologe Anton Weichselbaum wies 1887 im Nervenwasser von Verstorbenen mit eitriger Gehirnhautentzündung denselben Zelltyp nach und erkannte ihn als deren Ursache. Beide Erreger trugen zunächst andere Namen und wurden mehrfach umbenannt, bevor sie als Neisseria gonorrhoeae und Neisseria meningitidis in derselben Gattung zusammengeführt wurden. Die eingedeutschten Kurzformen Gonokokken und Meningokokken haben sich daneben bis heute gehalten.

Die Arten der Standortflora wurden erst im 20. Jahrhundert nach und nach voneinander abgegrenzt, überwiegend anhand von Koloniefarbe, Wachstumsansprüchen und Zuckerverwertung. Diese Merkmale erwiesen sich als weniger verlässlich, als sie zunächst schienen. Seit Verfahren zur Verfügung stehen, die das Erbgut selbst vergleichen, ist die Einteilung mehrfach überarbeitet worden. Einige Arten, die früher zu Neisseria gezählt wurden, stehen heute in anderen Gattungen – der als Neisseria catarrhalis beschriebene Erreger von Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündungen etwa wird inzwischen als Moraxella catarrhalis geführt. Bei anderen ist bis heute umstritten, ob es sich um eigenständige Arten oder um Spielarten derselben Art handelt.

Quellen

  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Hof, H., Dörries, R. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132423558
  • Kayser, F. H., Böttger, E. C., Deplazes, P., et al.: Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132447936
  • Neumeister, B., Geiss, H. K., Braun, R. W., Kimmig, P. (Hrsg.): Mikrobiologische Diagnostik.
    ISBN: 9783137436027
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783131416537

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