Aztreonam

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei dem Wirkstoff Aztreonam handelt es sich um ein Monobactam-Antibiotikum. Das Mittel dient zur Behandlung von Infektionen mit aeroben gramnegativen Bakterien.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Aztreonam?

Zur Anwendung gelangt Aztreonam in erster Linie zur Behandlung von Mukoviszidose. Bei dieser cystischen Fibrose handelt es sich um eine erbliche Stoffwechselerkrankung.
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Aztreonam ist die Bezeichnung für ein Antibiotikum, das der Gruppe der Monobactame zugerechnet wird. Der Arzneistoff verfügt über ähnliche pharmakodynamische und pharmakokinetische Eigenschaften wie Penicillin. Seine Wirkung entfaltet Aztreonam ausschließlich gegen gramnegative Bakterien.

Die klinische Relevanz des Wirkstoffs wird in der Medizin als gering eingestuft, sodass er zumeist als Reserveantibiotikum Verwendung findet. Auf grampositive Bakterien haben Monobactame keinen Einfluss.

In Europa erhielt Aztreonam Mitte der 1980er Jahre seine Zulassung. Als Trockensubstanz wird das Mittel parenteral (am Darm vorbei) verabreicht. Als Monopräparat ist das Antibiotikum, das den einzigen Vertreter der Monobactame bildet, unter den Handelsnamen Azactam® und Cayston® in deutschsprachigen Ländern vertreten.

Pharmakologische Wirkung

In seiner chemischen Struktur gehört Aztreonam der Subgruppe der Betalactam-Antibiotika an. Teil dieser Gruppe sind auch die Penicilline. So verfügt Aztreonam über die Eigenschaft, sich an die selben Eiweiße zu binden, an die sich auch Penicillin andocken kann.

Das Monobactam-Antibiotikum ist in der Lage, den Aufbau der Bakterien-Zellwände erheblich zu stören. Dies hat wiederum die Auflösung der Bakterienzelle zur Folge. Dabei bindet sich Aztreonam an das Penicillin-bindende-Protein und blockiert es mit seinem Lactamring derart, das Mucopeptide keine Verbindungen mehr miteinander eingehen können. Dadurch entsteht ein Wachstumsstopp, der Aztreonam zu seiner bakterienabtötenden Wirkung verhilft.

Zudem wirkt Aztreonam gegen aerobe (sauerstoffliebende) gramnegative Bakterien, zu denen auch Pseudomonas aeruginosa gehört. Dieser Keim gilt als sehr gefährlich und lässt sich nur schwer behandeln, sodass er häufig lebensbedrohliche Infektionen hervorruft.

Die Bioverfügbarkeit von Aztreonam liegt bei 100 Prozent. Im Blut bindet sich das Antibiotikum zu 56 Prozent an Plasmaproteine. Die Verstoffwechselung des Medikaments findet über die Leber statt. Die Plasmahalbwertszeit beträgt dabei im Durchschnitt 1,7 Stunden. Im Anschluss daran kommt es zum Abbau von Aztreonam aus dem Körper über die Nieren.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Zur Anwendung gelangt Aztreonam in erster Linie zur Behandlung von Mukoviszidose. Bei dieser cystischen Fibrose handelt es sich um eine erbliche Stoffwechselerkrankung. Dabei wird in den Atemwegen der betroffenen Personen ein Übermaß an zähem Schleim gebildet. Auf natürliche Weise lässt sich der Schleim nicht abhusten, sodass Bakterien einen idealen Nährboden erhalten. Daher gilt die Gefahr, an einer Infektion zu erkranken, bei Mukoviszidose-Patienten als besonders hoch.

Überaus wirksam ist Aztreonam zur Behandlung von chronischen Lungenentzündungen, für die das Bakterium Pseudomonas aeruginosa verantwortlich ist. Das Antibiotikum lässt sich ab einem Alter von sechs Jahren verabreichen.

In Kombination mit Metronidazol wird Aztreonam auch gegen Infektionen innerhalb des Bauchraums eingesetzt. Zusammen mit Clindamycin gilt das Monobactam-Antibiotikum als hilfreich gegen gynäkologische Infektionen.

Aztreonam kann durch Inhalationen oder intravenöse bzw. intramuskuläre Injektionen dargereicht werden. Die Aufnahme des Antibiotikums in den Organismus erfolgt dabei unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts.


Risiken & Nebenwirkungen

Eine Behandlung mit Aztreonam ruft bei manchen Patienten mitunter Nebenwirkungen hervor. Dabei zeigen sich in erster Linie Beschwerden wie Halsschmerzen, Schmerzen im Rachen, eine verstopfte Nase, pfeifende Atemgeräusche, Husten, Atemprobleme und Fieber.

Nicht selten kommt es außerdem zu blutigem Husten, einer laufenden Nase, Bronchialkrämpfen, Schmerzen in der Brust, Gelenkbeschwerden sowie Ausschlägen auf der Haut. Bei Lungenfunktionstests ergeben sich bei einigen Betroffenen herabgesetzte Werte. In manchen Fällen ist ein Anschwellen von Gelenken zu verzeichnen.

Wird Aztreonam über die Vene verabreicht, drohen unerwünschte Nebeneffekte wie ein allergischer Schock, schwere Hautreaktionen, punktförmige Hautblutungen, Blutungen in der Unterhaut, Schweißausbrüche, Juckreiz und Nesselfieber.

Gar nicht erst zum Einsatz gelangen darf Aztreonam, wenn beim Patienten eine Überempfindlichkeit gegen das Monobactam-Antibiotikum vorliegt. Eine sorgfältige Prüfung durch den behandelnden Arzt ist erforderlich, wenn eine Allergie gegen Betalactam-Antibiotika wie Cephalosporine, Penicilline oder Carbapeneme besteht, der Patient zu blutigem Husten oder Bronchialkrämpfen bei der Darreichung von Aerosolen neigt oder eine mangelhafte Lungenfunktion bzw. Störungen der Nierenfunktionen vorliegen. Gleiches gilt bei einem bereits bestehenden Befall mit resistenten Keimen wie Pseudomonas aeruginosa und Burkholderia cepacia.

Erkenntnisse über eine Gabe von Aztreonam in der Schwangerschaft liegen bislang nicht vor. Trotzdem wird empfohlen, das Antibiotikum nur dann zu verabreichen, wenn der Arzt dies unbedingt für nötig hält. Weil Aztreonam im Falle einer Inhalation nur in geringen Mengen beim Stillen in den Körper des Kindes übergeht, ist seine Einnahme während der Stillzeit gestattet. Bei Kindern unter sechs Jahren sollte auf die Darreichung von Aztreonam verzichtet werden, da keine Erkenntnisse über die Wirkung auf Kleinkinder vorliegen.

Wechselwirkungen zwischen Aztreonam und anderen Medikamenten sind nicht bekannt. Darüber hinaus kommt es bei einer Inhalation kaum zur Aufnahme des Wirkstoffes in den Körper.

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