Cobicistat

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Cobicistat ist ein medizinischer Wirkstoff, der weltweit im Rahmen der Therapie von HIV-Infektionen eingesetzt wird. Die Anwendung erfolgt ausschließlich in einer sogenannten HIV-Kombinations-Therapie, d. h. Cobicistat wird nur zusammen mit anderen HIV-Medikamenten angewandt. Es verstärkt deren Wirkung gegen das Virus; eine eigenständige Wirkung gegen HI-Viren hat Cobicistat nicht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Cobicistat?

Cobicistat
Cobicistat verstärkt lediglich die Wirkung anderer HIV-Präparate. Der Arzneistoff stellt sich bei pharmakologischer bzw. pharmakokinetischer Betrachtung also als bloßer Booster dar.
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Bei Cobicistat handelt es sich um einen Arzneistoff, der zur Behandlung von HIV-Infektionen entwickelt wurde. Die Substanz zählt zu den jüngeren Generationen von HIV-Medikamenten. In den USA findet Cobicistat seit dem Jahr 2012 Verwendung, zunächst als Bestandteil eines Kombinationspräparats; das Einzelpräparat wurde dort erst einige Jahre später zugelassen. Kurz darauf folgte die Zulassung in der Schweiz. In der Europäischen Union wurde die Genehmigung im Jahr 2013 erteilt. Dort wird der Wirkstoff vor allem unter dem Handelsnamen Tybost® vertrieben.

Darüber hinaus ist Cobicistat Bestandteil von Kombinationspräparaten, die es gemeinsam mit Wirkstoffen wie Emtricitabin, Tenofovirdisoproxil und Elvitegravir enthalten.

Die Europäische Arzneimittelbehörde stellte Cobicistat nach der Zulassung vorläufig unter eine zusätzliche Überwachung. Medizinisches Fachpersonal war dadurch aufgerufen, sämtliche Auffälligkeiten zu melden, damit die Behörde über bisher unbekannte Nebenwirkungen umfassend und zeitnah unterrichtet wurde. Diese Einstufung galt für die ersten Jahre nach der Zulassung und besteht inzwischen nicht mehr.

Cobicistat ist in seiner Grundform weiß bis weißgelblich. Die Substanz wird in der Chemie mit der Summenformel C40H53N7O5S2 beschrieben, was einer molaren Masse von 776,0 g/mol entspricht.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Cobicistat verstärkt lediglich die Wirkung anderer HIV-Präparate. Der Arzneistoff stellt sich bei pharmakologischer bzw. pharmakokinetischer Betrachtung also als bloßer Booster dar. Er selbst hat keinerlei Wirksamkeit gegenüber HIV.

Eine hohe Wirksamkeit konnte in Bezug auf die Proteaseinhibitoren Atazanavir und Darunavir nachgewiesen werden. Deren Wirksamkeit wird durch Cobicistat in besonderem Maße verstärkt. Deshalb bilden diese das Hauptanwendungsfeld von Cobicistat. Seine Effekte als Booster von Proteaseinhibitoren erzielt Cobicistat durch eine Hemmung des metabolischen Enzyms CYP3A4. Daneben hemmt Cobicistat in geringerem Ausmaß das Enzym CYP2D6 sowie das Transportprotein P-Glykoprotein.

Der Abbau im Körper erfolgt vorwiegend in der Leber über die Enzyme CYP3A und CYP2D6; ausgeschieden wird Cobicistat zum weitaus größten Teil über den Stuhl, nur ein kleiner Teil über die Nieren. Das Interaktionspotenzial von Cobicistat wird in der Literatur ähnlich dem von Ritonavir beschrieben.

Bei aller Ähnlichkeit besteht zu Ritonavir ein Unterschied, den die Produktinformation eigens hervorhebt: Cobicistat regt die Bildung der Enzyme CYP1A2, CYP2B6, CYP2C8, CYP2C9 und CYP2C19 sowie des Enzyms UGT1A1 nicht an, Ritonavir dagegen schon. Wird ein Behandlungsschema von Ritonavir auf Cobicistat umgestellt, ist deshalb in der Anfangszeit Vorsicht geboten – vor allem dann, wenn die Menge eines Begleitmedikaments zuvor unter Ritonavir angepasst worden war.

Über die Enzyme hinaus greift Cobicistat in den Transport von Arzneistoffen durch Zellwände ein. Gehemmt werden neben dem P-Glykoprotein die Transportproteine BCRP, MATE1, OATP1B1 und OATP1B3. Wird Cobicistat zusammen mit Arzneimitteln angewendet, die über diese Transporter bewegt werden, können deren Blutspiegel ansteigen. Damit reicht das Wechselwirkungspotenzial über die Stoffe hinaus, die allein über CYP3A abgebaut werden.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Cobicistat wurde speziell zur Behandlung von Infektionen mit dem Humanen Immundefizienzvirus vom Typ 1 entwickelt. Folglich besteht nur in diagnostizierten Fällen einer HIV-1-Infektion eine Indikation. Zur Therapie von HIV-2-Infektionen ist auf andere Medikamente bzw. Wirkstoffe zurückzugreifen.

Aufgrund seiner pharmakologischen bzw. pharmakokinetischen Eigenschaften wird Cobicistat als Verstärker der HIV-Medikamente Atazanavir oder Darunavir eingesetzt. Cobicistat selbst fungiert somit allein als Booster, sodass stets die Einnahme weiterer Medikamente erforderlich ist, um den gewünschten Behandlungserfolg herbeizuführen.

Die Zulassung umfasst nicht nur Erwachsene. Die Produktinformation nennt ausdrücklich auch Jugendliche ab zwölf Jahren, sofern sie ein Mindestkörpergewicht erreicht haben; dieses fällt je nachdem unterschiedlich aus, ob Cobicistat mit Atazanavir oder mit Darunavir verbunden wird. An die Kombination selbst ist die Zulassung eng gebunden: Als Verstärker anderer HIV-1-Proteaseinhibitoren oder anderer antiretroviraler Arzneimittel, die einen Booster benötigen, darf Cobicistat nicht verwendet werden, weil für solche Verbindungen keine Empfehlungen zur Dosierung vorliegen und die Spiegel der Begleitwirkstoffe unzureichend ausfallen könnten.

Aufgrund seiner Komplexität und intensiven Wirkung unterliegt Cobicistat der Apotheken- und Verschreibungspflicht. Die Behandlung darf nur durch einen Arzt eingeleitet werden, der mit HIV-Infektionen sowie der entsprechenden Therapie hinreichend vertraut ist. Cobicistat darf demzufolge nur durch Apotheken an die Behandelten ausgegeben werden, wenn eine ärztliche Verschreibung vorgelegt werden kann.

Bei der Einnahme ist zwingend auf die ärztlichen Anweisungen zu achten. Cobicistat wird ausschließlich in Form von Filmtabletten vertrieben. Diese sind ca. 10 mm groß, orange und rund. Sie werden über den Mund und zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen. Die Dosis des Boosters ist dabei dieselbe, gleich ob die Wirkung von Atazanavir oder von Darunavir verstärkt werden soll; unterschiedlich ist lediglich die Dosis des begleitenden Proteaseinhibitors. Üblicherweise ist es nicht notwendig, die Tabletten mehrmals täglich einzunehmen, sodass die einmal am Tag erfolgende Einnahme die Regel bildet.


Risiken & Nebenwirkungen

Cobicistat darf nicht eingenommen werden, wenn eine Gegenanzeige in Form einer Kontraindikation besteht. Das ist der Fall, wenn eine Allergie bzw. Unverträglichkeit bekannt ist oder Präparate eingenommen werden, die einen der folgenden Wirkstoffe beinhalten: Alfuzosin, Cisaprid, Pimozid, über den Mund eingenommenes Midazolam, Lovastatin, Johanniskraut, Chinidin, Rifampicin, Amiodaron sowie Sildenafil, sofern es gegen Lungenhochdruck angewendet wird. Denn mit diesen Wirkstoffen bestehen unkontrollierbare Wechselwirkungen, die die Anwendungssicherheit reduzieren und die Gefahr von unerwünschten Wirkungen massiv erhöhen. Da Cobicistat ein zentrales Abbauenzym der Leber hemmt, beeinflusst es darüber hinaus den Spiegel sehr vieler weiterer Arzneimittel, sodass vor jeder neuen Verordnung eine Prüfung auf Wechselwirkungen erforderlich ist.

Neben der Gefahr von Wechselwirkungen ist auch auf in Betracht kommende Nebenwirkungen zu achten. Zu diesen zählen u. a. Beschwerden des Gastrointestinaltrakts (starke Übelkeit, Durchfall, Schmerzen nach der Nahrungsaufnahme, Erbrechen, Verstopfungen oder ein stark vermehrter Appetit), die Ausbildung eines Ikterus (Gelbsucht, die sich durch eine gelbliche Einfärbung der Haut oder Augen zeigt) sowie Hautausschläge. Diese werden meist durch Pusteln oder Quaddeln erkennbar. Auch ein Juckreiz ist nicht außergewöhnlich.

Zu den weiteren in Betracht kommenden Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen, Schwindel sowie ein allgemeines Unwohl- und Schwächegefühl. Darüber hinaus sind auch Mundtrockenheit, ein gestörtes Geschmacksempfinden sowie erhöhte Bilirubinwerte typische Nebenwirkungen von Cobicistat.

Gelegentlich kann es auch zu Muskel- oder Gliederschmerzen, Fieber, Depressionen sowie einer Hämaturie (Blut im Urin) kommen.

Die Produktinformation ordnet die unerwünschten Wirkungen nach festgelegten Häufigkeitskategorien, die von „sehr häufig“ über „häufig“, „gelegentlich“ und „selten“ bis „sehr selten“ reichen. Die zugrunde liegenden Daten stammen aus einer Studie, in der Cobicistat als Verstärker von Atazanavir eingesetzt wurde. Als sehr häufig gelten danach die Gelbfärbung der Augen, die Gelbsucht und die Übelkeit. Häufig treten erhöhte Bilirubinwerte, Erbrechen, Durchfall, Oberbauchbeschwerden, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, Geschmacksstörungen, Schlaflosigkeit, ungewöhnliche Träume, Hautausschlag, erhöhte Blutzuckerwerte und ein vermehrter Appetit auf.

Die häufigsten gemeldeten Nebenwirkungen gingen dabei mit erhöhten Bilirubinwerten einher; zu ihnen zählt die Gelbfärbung von Haut und Augen. Insgesamt deckte sich das Sicherheitsprofil des mit Cobicistat verstärkten Atazanavirs nach der Produktinformation mit dem des mit Ritonavir verstärkten Atazanavirs. Im Einzelnen nennt sie gleichwohl Unterschiede: Unter Cobicistat stieg das Gesamtbilirubin bei einem höheren Anteil der Behandelten deutlich an, und die berechnete Nierenleistung nahm stärker ab als unter Ritonavir.

Cobicistat hemmt die Ausscheidung von Kreatinin über die Nierenkanälchen. Dadurch steigt der Kreatininwert im Blut, und die daraus berechnete Nierenleistung erscheint vermindert, ohne dass sich die tatsächliche Filtrationsleistung der Niere verschlechtert. Dieser Effekt tritt früh in der Behandlung auf und bleibt danach stabil; er ist bei der Beurteilung von Nierenwerten unter Cobicistat zu berücksichtigen. Für Cobicistat selbst ist bei eingeschränkter Nierenfunktion keine Anpassung der Dosis nötig, auch nicht bei schwerer Einschränkung. Eine Behandlung darf allerdings nicht begonnen werden, wenn die Nierenleistung deutlich herabgesetzt ist und zugleich ein Begleitwirkstoff angewendet wird, dessen Dosis sich nach der Nierenleistung richtet. Bei dialysepflichtigen Patienten ist Cobicistat nicht untersucht worden, sodass die Produktinformation für diese Gruppe keine Empfehlung ausspricht.

Aufgrund der Vielzahl an Nebenwirkungen darf Cobicistat nur eingenommen werden, wenn eine ärztliche Kontrolle gewährleistet ist. Auch muss die Virenlast des Patienten in regelmäßig wiederkehrenden Intervallen untersucht werden, um den Therapieerfolg bestimmen zu können.

Kontraindikationen

Die Gegenanzeigen von Cobicistat folgen fast vollständig aus seiner Wirkungsweise. Weil der Wirkstoff das Abbauenzym CYP3A hemmt, ist seine Anwendung überall dort ausgeschlossen, wo ein Arzneimittel stark von diesem Enzym abhängt und wo erhöhte Blutspiegel dieses Arzneimittels schwerwiegende oder lebensbedrohliche Folgen haben können. Die Produktinformation führt dazu unter anderem die Mutterkornalkaloide Dihydroergotamin, Ergometrin und Ergotamin, den Cholesterinsenker Simvastatin, das Neuroleptikum Lurasidon und das Schlafmittel Triazolam auf. Die Aufzählung ist dabei ausdrücklich nicht abschließend.

Aus demselben Mechanismus folgt die zweite Gruppe, allerdings mit umgekehrtem Vorzeichen. Arzneimittel, die die Bildung von CYP3A stark anregen, senken den Spiegel des Cobicistats so weit ab, dass die Verstärkung des Proteaseinhibitors ausbleibt; der Behandlungserfolg wäre damit in Frage gestellt. Zu diesen Substanzen zählen die Antiepileptika Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin, das Tuberkulosemittel Rifampicin und das pflanzliche Johanniskraut. Gesondert ausgeschlossen ist der Gerinnungshemmer Dabigatranetexilat, weil er über das P-Glykoprotein bewegt wird.

Die auffälligste Einschränkung betrifft die Schwangerschaft, und sie ergibt sich nicht aus einer Schädigung des Kindes, sondern aus einem zu schwachen Wirkspiegel. Nach der Produktinformation führt die Behandlung mit Cobicistat und Atazanavir oder Darunavir in der Schwangerschaft zu einer geringeren Menge des Proteaseinhibitors im Blut. Damit steigt das Risiko, dass die Virusvermehrung nicht mehr unterdrückt wird, und damit auch das Risiko einer Übertragung der HIV-Infektion von der Mutter auf das Kind. Eine solche Therapie soll in der Schwangerschaft deshalb nicht begonnen werden, und Frauen, die unter der Behandlung schwanger werden, werden auf ein anderes Behandlungsschema umgestellt.

Während der Stillzeit soll Cobicistat nicht angewendet werden. Ob der Wirkstoff beim Menschen in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt; im Tierversuch war das der Fall, und ein Risiko für das Kind lässt sich nicht ausschließen. Unabhängig davon wird HIV-infizierten Frauen empfohlen, nicht zu stillen, um eine Übertragung des Virus auf das Kind zu vermeiden.

Für Leber und Nieren fällt die Beurteilung unterschiedlich aus. Bei leichter und mittelgradiger Einschränkung der Leberfunktion ist keine Anpassung der Menge nötig; bei schwerer Einschränkung ist Cobicistat nicht untersucht worden, weshalb die Anwendung dort nicht empfohlen wird. Auf die Verkehrstüchtigkeit hat Cobicistat nach der Produktinformation keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss; über Schwindelgefühl ist im Zusammenhang mit cobicistathaltigen Behandlungsschemata allerdings berichtet worden.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Kaum ein anderer Wirkstoff wird so sehr über seine Wechselwirkungen definiert wie Cobicistat, denn eine Wechselwirkung ist hier der eigentliche Zweck der Anwendung. Die erwünschte Hemmung des Enzyms CYP3A, die Atazanavir und Darunavir länger im Blut hält, trifft zugleich andere Arzneimittel, die über dasselbe Enzym abgebaut werden.

Jenseits der ausdrücklich verbotenen Verbindungen gibt es deshalb eine große Zwischenzone. Steigen die Blutspiegel eines Begleitmedikaments an, können dessen erwünschte Wirkungen ebenso verstärkt oder verlängert sein wie seine Nebenwirkungen; eine Anpassung der Menge des Begleitmedikaments kann nötig werden. In die andere Richtung gilt: Arzneimittel, die ihre Wirkung erst über einen durch CYP3A gebildeten Abkömmling entfalten, können unter Cobicistat wirkungslos bleiben, weil dieser Abkömmling nicht mehr in ausreichender Menge entsteht. Umgekehrt kann Cobicistat selbst betroffen sein: Stoffe, die CYP3A hemmen, verzögern seinen Abbau und lassen seinen Blutspiegel steigen.

Praktisch bedeutsam ist die Wirkung auf die hormonelle Empfängnisverhütung. Wird ein Präparat aus Drospirenon und Ethinylestradiol zusammen mit Darunavir und Cobicistat eingenommen, sinkt der Spiegel des Ethinylestradiols; bei östrogenhaltigen Verhütungsmitteln empfiehlt die Produktinformation in dieser Verbindung andere oder zusätzliche Formen der Verhütung. Der Spiegel des Drospirenons steigt dagegen an, weshalb wegen einer möglichen Erhöhung des Kaliums im Blut eine ärztliche Überwachung angeraten ist. Für andere Verhütungsmittel zum Einnehmen liegen keine Daten vor, sodass eine andere Form der Verhütung in Betracht zu ziehen ist.

Auch außerhalb der HIV-Behandlung sind Verbindungen beschrieben, an die nicht ohne Weiteres zu denken ist. Für den Thrombozytenaggregationshemmer Clopidogrel etwa ist zu erwarten, dass unter Cobicistat weniger von seiner wirksamen Form entsteht und die Hemmung der Blutplättchen dadurch schwächer ausfällt; die gemeinsame Anwendung wird nicht empfohlen. Vor jeder neuen Verordnung ist deshalb eine Prüfung auf Wechselwirkungen erforderlich – auch bei Arzneimitteln, die mit der HIV-Behandlung nichts zu tun haben.

Alternative Behandlungsmethoden

Die naheliegende Alternative zu Cobicistat ist Ritonavir, der ältere pharmakokinetische Verstärker. Beide hemmen CYP3A und heben dadurch die Spiegel der Proteaseinhibitoren an; Ritonavir besitzt darüber hinaus eine eigene Wirkung gegen HIV, während Cobicistat ausschließlich verstärkt. Der Unterschied im Enzymverhalten – Ritonavir regt eine Reihe weiterer Enzyme an, Cobicistat nicht – führt dazu, dass sich die beiden Booster in ihren Wechselwirkungen nicht vollständig entsprechen. Beim Wechsel zwischen ihnen kann deshalb eine Überprüfung der Begleitmedikation nötig werden.

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, ganz auf einen Booster zu verzichten. Antiretrovirale Wirkstoffe, deren Abbau nicht in gleichem Maß von CYP3A abhängt, benötigen keine Verstärkung; Behandlungsschemata, die auf solchen Wirkstoffen aufbauen, umgehen damit auch das umfangreiche Wechselwirkungspotenzial, das jeden Booster begleitet. Gerade in der Schwangerschaft, in der Cobicistat wegen der zu niedrigen Wirkspiegel nicht in Betracht kommt, führt dieser Weg zur Umstellung auf ein anderes Schema.

Wo Cobicistat eingesetzt wird, steht meist nicht die Wahl zwischen einzelnen Tabletten zur Debatte, sondern zwischen Einzel- und Kombinationspräparaten. Cobicistat ist sowohl als eigenständiges Präparat erhältlich als auch als Bestandteil fester Kombinationen mit weiteren HIV-Wirkstoffen. Der Vorteil der Kombination liegt in der geringeren Zahl täglich einzunehmender Tabletten, ihr Nachteil in der geringeren Beweglichkeit, wenn einer der enthaltenen Wirkstoffe nicht vertragen wird oder ausgetauscht werden muss.

Keine Alternative bietet Cobicistat dagegen bei einer Infektion mit dem Humanen Immundefizienzvirus vom Typ 2. Die Zulassung ist auf HIV-1 beschränkt; für eine Infektion mit HIV-2 ist auf andere Wirkstoffe zurückzugreifen. Welche Behandlung gewählt wird, entscheidet ein in der HIV-Therapie erfahrener Arzt anhand der Virusart, der Vorbehandlung, der Begleiterkrankungen und der übrigen eingenommenen Arzneimittel.


Quellen

  • Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
    ISBN: 9783437223228
  • Suerbaum, S., Burchard, G. D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Brodt, H.-R. (Hrsg.): Infektionstherapie.
    ISBN: 9783132423435
  • Salzberger, B. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Infektionskrankheiten und Impfungen.
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  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541

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