Midazolam
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 17. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Midazolam zählt zu den bekanntesten Beruhigungsmitteln. Der verschreibungspflichtige Wirkstoff gehört der Gruppe der Benzodiazepine an.
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Was ist Midazolam?
Bei Midazolam handelt es sich um ein Hypnotikum oder Sedativum, das zur Gruppe der kurzwirksamen Benzodiazepine zählt. Abgeleitet wird die Bezeichnung 'Midazolam' von 'Imidazol', einer heterozyklischen organischen Verbindung.
Midazolam gilt als noch verhältnismäßig junges Beruhigungsmittel. Während Benzodiazepine früherer Generationen über eine lang anhaltende Wirksamkeit verfügten, ist die Wirkdauer von Midazolam mit etwa vier Stunden kurz. Grund dafür ist sein Abbau innerhalb des Körpers, der rascher vorangeht als bei den Vorgängern.
In Europa kommt das Beruhigungsmittel seit den frühen 1980er Jahren zur Anwendung. Dabei dient es häufig als kurzwirksames Präparat zum Behandeln von Unruhezuständen.
In Deutschland stehen drei Zubereitungen zur Verfügung: Filmtabletten zum Einnehmen, Injektionslösungen, die nach ihrer Fachinformation für die Gabe in die Vene, für die Gabe in den Muskel und zugleich für die Anwendung über den Darmausgang bestimmt sind, und eine Lösung, die in die Mundhöhle gegeben wird. Die Filmtabletten enthalten Lactose und eignen sich deshalb nicht für Menschen mit einer seltenen erblichen Galactose-Unverträglichkeit, einem Lactase-Mangel oder einer Glucose-Galactose-Malabsorption.
Pharmakologische Wirkung
Der Botenstoff GABA (Gamma-Aminobuttersäure) wirkt sich nach seinem Anbinden an die entsprechenden Rezeptoren bremsend auf das Nervensystem aus. Durch die Einnahme von Midazolam lässt sich die Wirkung von GABA verstärken. Dies hat wiederum eine Entspannung der Muskeln sowie einen ausgeprägten Beruhigungseffekt zur Folge. Darüber hinaus fördert das Mittel den Schlaf des Patienten und mildert Ängste und Krämpfe ab.
Weil Midazolam im Organismus schnell abgebaut wird, ist seine Wirkdauer begrenzt. Wird der Arzneistoff in ein Blutgefäß oder einen Muskel gespritzt, führt dies beim Patienten zu einem kurzen Verlust des Gedächtnisses. Dadurch kann sich der Behandelte nicht an Dinge erinnern, die während der höchsten Wirkung von Midazolam geschehen.
Nach der Einnahme von Midazolam, die in der Regel oral vorgenommen wird, gelangt der Arzneistoff nach kurzer Zeit in den Darm. Von dort aus geht er ins Blut über. Hat sich der Wirkstoff innerhalb des Organismus verteilt, findet sein Abbau in der Leber statt. Über die Nieren gelangen die Abbauprodukte des Mittels wieder aus dem Körper heraus.
Der Abbau erfolgt fast ausschließlich über das Enzym Cytochrom P450 3A. Das erklärt, warum praktisch alle bedeutsamen Wechselwirkungen von Midazolam über dieses eine Enzym laufen: Ein anderer Mechanismus, der eine klinisch bedeutsame Wechselwirkung auslösen würde, ist nicht nachgewiesen. Umgekehrt verändert Midazolam den Abbau anderer Arzneimittel nach derzeitigem Kenntnisstand nicht.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Midazolam wird sowohl bei erwachsenen Menschen als auch bei Kindern eingesetzt, um sie für kurze Zeit in einen Schlaf zu versetzen. Außerdem stellt das Mittel die Patienten vor einem chirurgischen Eingriff, der zu therapeutischen oder diagnostischen Zwecken vorgenommen wird, ruhig. Eine eigene schmerzstillende Wirkung besitzt Midazolam nicht; bei der sogenannten Analgosedierung wird es deshalb mit einem Schmerzmittel kombiniert. Weiterhin eignet sich Midazolam als ruhigstellendes Mittel auf der Intensivstation.
Im Rahmen einer Narkose kommt Midazolam bei der Vorbereitung und Einleitung der Narkose im Falle von Kombinationsnarkosen zur Anwendung. Bei Kindern wird der Wirkstoff zwar nicht zur Narkoseeinleitung benutzt, findet jedoch zur Vorbereitung (Prämedikation) Verwendung. Als sinnvoll gilt der Gebrauch von Midazolam bei Babys und Kindern zur Therapie von akuten und länger andauernden Krämpfen. Zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen wurde Midazolam früher ebenfalls verordnet; die in Deutschland erhältlichen Filmtabletten tragen diese Zulassung nicht mehr.
Die Einnahme von Midazolam erfolgt in Form von Filmtabletten. Alternativ sind das unmittelbare Injizieren des Mittels in die Blutbahn sowie eine rektale Darreichung möglich. Für die Filmtabletten liegt die übliche Menge zwischen 7,5 und 15 Milligramm Midazolam; für die Gabe in die Vene liegen die Mengen erheblich darunter und werden ärztlich schrittweise nach Wirkung eingestellt. Aufgrund der kurzen Wirkung wird empfohlen, das Mittel etwa 30 Minuten vor der erwünschten Beruhigungswirkung einzunehmen. Die Darreichungsformen sind dabei unterschiedlich zugelassen: Die Filmtabletten dienen der Beruhigung im Vorfeld diagnostischer oder operativer Eingriffe, die Injektionslösung der Analgosedierung, der Narkose und der Sedierung auf der Intensivstation. Für länger anhaltende akute Krampfanfälle gibt es eine Lösung zur Anwendung in der Mundhöhle, die bei Kindern ab drei Monaten und bei Erwachsenen angewendet wird.
Damit es durch den Gebrauch von Midazolam nicht zu Entzugserscheinungen kommt, ist nach einer längeren Therapie ein ausschleichendes Absetzen des Beruhigungsmittels empfehlenswert.
Da Midazolam zu den verschreibungspflichtigen Medikamenten gehört, wird die Behandlung mit dem Mittel vom Arzt kontrolliert. Dieser verordnet das Präparat dem Patienten, der es durch die Vorlage eines Rezepts in der Apotheke erhält. Midazolam ist darüber hinaus in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes aufgeführt; Zubereitungen mit niedrigem Wirkstoffgehalt je abgeteilter Form sind davon ausgenommen und deshalb auf einem gewöhnlichen Rezept verordnungsfähig. Die Ausnahme des Betäubungsmittelgesetzes knüpft dabei nicht nur an den Gehalt je abgeteilter Form an, sondern auch an einen niedrigen Anteil des Wirkstoffs an der gesamten Zubereitung; gerade für flüssige Zubereitungen ist diese zweite Grenze die maßgebliche.
Die Lösung zur Anwendung in der Mundhöhle ist zur Behandlung länger anhaltender akuter Krampfanfälle bei Kindern ab drei Monaten und bei Erwachsenen zugelassen. Eltern oder Betreuungspersonen dürfen sie nur geben, wenn beim Patienten eine Epilepsie festgestellt wurde, und sie dürfen nur eine einzige Gabe verabreichen. Hört der Anfall nicht auf, ist der Rettungsdienst zu rufen; die leere Applikationsspritze wird dem medizinischen Personal übergeben, damit es die verabreichte Menge kennt. Eine zweite Gabe bei erneutem Anfall ist ohne ärztlichen Rat nicht zulässig. Bei Säuglingen zwischen drei und sechs Monaten gehört die Behandlung in eine Klinik, in der die Atmung überwacht werden kann und eine Ausrüstung zur Wiederbelebung bereitsteht, denn in dieser Altersgruppe lässt sich eine verzögert einsetzende Atemdämpfung nicht ausschließen.
Risiken & Nebenwirkungen
Des Weiteren sind Schwindelgefühle, vorübergehender Gedächtnisverlust, Kopfschmerzen, Gangunsicherheiten, niedriger Blutdruck, eine Verlangsamung des Herzschlags, Entzugskrämpfe, Entzündungen der Venen, erweiterte Blutgefäße, Schluckauf, Juckreiz, Nesselsucht, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, gerötete Haut, Mundtrockenheit und Atemfunktionsstörungen denkbar.
Im schlimmsten Fall kann es zu einem Atem- oder Herzstillstand kommen. Bei Babys sind Krämpfe im Bereich des Möglichen. Bei ausgeprägter Sedierung oder Atemdepression steht mit Flumazenil ein Gegenmittel zur Verfügung, das die Wirkung von Midazolam aufhebt.
Midazolam darf nicht verabreicht werden, wenn der Patient unter einer Überempfindlichkeit gegen den Arzneistoff oder andere Benzodiazepine leidet. Weitere Gegenanzeigen sind akute Atemaussetzer, schwere Störungen der Atemfunktion sowie die Nervenkrankheit Myasthenia gravis. Das Gleiche gilt für Menschen, bei denen die Leberfunktion erheblich eingeschränkt ist.
Bei einer Midazolam-Therapie ist eine strenge Kontrolle erforderlich, wenn der Patient älter als 60 Jahre ist oder ein schlechter allgemeiner Gesundheitszustand vorherrscht. Vorsicht ist zudem bei Menschen geboten, bei denen bereits in der Vergangenheit ein Missbrauch von Alkohol oder Drogen bestand. Sie können durch die Einnahme von Midazolam rasch süchtig werden.
Eine Anwendung von Midazolam bei schwangeren und stillenden Frauen wird nicht empfohlen. Während der Schwangerschaft darf es nur bei zwingender Indikation angewendet werden; nach einer Gabe von Midazolam sollten stillende Frauen ihr Kind vorübergehend nicht stillen.
Der Gebrauch von Midazolam und anderen Arzneimitteln kann mitunter Wechselwirkungen hervorrufen. So wird der Abbau des Präparats durch Pilzmittel gehemmt, was zu einer erheblichen Wirkungsverstärkung führt. Als besonders bedenklich gelten Itraconazol, Fluconazol, Posaconazol, Voriconazol und Ketoconazol. Aus den gleichen Gründen sollte die Einnahme des AIDS-Mittels Saquinavir, der Kalziumkanalblocker Diltiazem und Verapamil sowie der Makrolid-Antibiotika Clarithromycin und Erythromycin unterbleiben. Bei den zum Einnehmen bestimmten Darreichungsformen sind sehr starke Hemmstoffe des Enzyms CYP3A wie Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol und die HIV-Proteasehemmer sogar ausdrücklich als Gegenanzeige aufgeführt.
Besonders gefährlich ist die gleichzeitige Anwendung mit Opioiden. Sie kann zu Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod führen und ist nur bei Patienten vertretbar, für die keine andere Behandlungsmöglichkeit besteht. Ist sie unvermeidbar, sind die niedrigste wirksame Dosis, eine möglichst kurze Behandlungsdauer und eine engmaschige Überwachung erforderlich.
Die Gegenanzeige für die zum Einnehmen bestimmten Zubereitungen umfasst nicht nur die sehr starken Hemmstoffe des Enzyms CYP3A, sondern ausdrücklich auch dessen sehr starke Anreger. Namentlich genannt sind neben Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol und den HIV-Proteasehemmern auch die gegen Hepatitis C gerichteten Proteasehemmer Boceprevir und Telaprevir. Zu den starken Anregern des Enzyms zählen Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Enzalutamid und Mitotan; Johanniskraut wirkt mäßig anregend. Weil eine solche Anregung noch Tage bis Wochen nach der letzten Gabe des auslösenden Mittels anhalten kann, reicht es nicht, nur die gleichzeitige Einnahme zu betrachten.
Weitere Gegenanzeigen der Filmtabletten sind eine Abhängigkeit in der Vorgeschichte sowie eine akute Vergiftung mit Alkohol, Schlafmitteln, Schmerzmitteln oder Psychopharmaka. Kindern bis einschließlich zwölf Jahren dürfen die Filmtabletten nicht gegeben werden, weil die verfügbaren Stärken für diese Altersgruppe keine passende Abstufung erlauben. Bei schwerer Leberfunktionsstörung sind Benzodiazepine nicht angezeigt, weil sie eine Erkrankung des Gehirns durch die Leberschwäche auslösen können.
Besondere Vorsicht verlangen die Fachinformationen bei Patienten über sechzig Jahren, bei chronisch Kranken und geschwächten Menschen, bei dauerhafter Atemschwäche, bei chronischer Nierenschwäche, bei Leberfunktionsstörungen und Herzschwäche sowie bei Kindern mit Kreislaufschwäche. Bei Nierenschwäche und Leberfunktionsstörung kann sich Midazolam im Körper anreichern, bei eingeschränkter Herzfunktion wird es langsamer abgebaut. Auch bei starkem Übergewicht und bei Patienten auf der Intensivstation wurde eine verstärkte und verlängerte Wirkung beobachtet.
Benzodiazepine sind nicht zur Behandlung einer Psychose vorgesehen und sollten bei einer Depression oder bei Angst im Rahmen einer Depression nicht allein gegeben werden, weil in diesen Fällen die Gefahr einer Selbsttötung besteht. Die gleichzeitige Anwendung mit Alkohol oder anderen zentral dämpfenden Arzneimitteln ist zu vermeiden: Sie kann die Wirkung so verstärken, dass eine schwere Sedierung bis zum Koma oder Tod, eine bedeutsame Atemdämpfung oder eine Dämpfung des Kreislaufs eintritt.
Bei wiederholter Anwendung über einige Wochen kann die schlaffördernde Wirkung nachlassen. Midazolam kann außerdem körperlich und seelisch abhängig machen; das Risiko wächst mit der Dosis und der Dauer der Behandlung und ist bei Menschen mit früherem Alkohol- oder Drogenmissbrauch erhöht. Entzugserscheinungen reichen von Kopfschmerzen, Durchfall, Muskelschmerzen, ausgeprägter Angst, Anspannung, Ruhelosigkeit, Verwirrtheit und Reizbarkeit bis hin zu einem Gefühl der Unwirklichkeit, Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Berührung, Taubheit und Kribbeln in Armen und Beinen, Halluzinationen und Krampfanfällen. Wird die Behandlung unterbrochen, kann eine Schlaflosigkeit vorübergehend stärker zurückkehren, als sie vor der Behandlung war. Ein schrittweises Ausschleichen mindert beide Gefahren.
Benzodiazepine können eine anterograde Amnesie auslösen: Handlungen, die einige Stunden nach der Einnahme ausgeführt werden, sind später nicht mehr erinnerlich. Das Risiko steigt mit der Dosis, und die Gedächtnislücke kann in seltenen Fällen über das Ende der Behandlung hinaus bestehen. Vor allem bei älteren Menschen und bei Kindern kann es zu sogenannten paradoxen Reaktionen kommen, also zu Ruhelosigkeit, Erregung, Reizbarkeit, Aggressivität, Angst und seltener zu Wahnvorstellungen, Zorn, Albträumen, Halluzinationen, Psychosen und unangemessenem Verhalten. In solchen Fällen wird die Behandlung beendet.
Für die Injektionslösung ist keine der berichteten Nebenwirkungen mit einer Häufigkeit belegt; sie alle fallen in die Kategorie „nicht bekannt“. Genannt werden Überempfindlichkeit bis hin zum Angioödem und zum anaphylaktischen Schock, Herzstillstand und ein verlangsamter Herzschlag, Blutdruckabfall, Gefäßerweiterung, Venenentzündung mit Gerinnselbildung, Atemdämpfung bis zum Atemstillstand, Atemnot, Verkrampfung des Kehlkopfs und Schluckauf, ferner Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Mundtrockenheit, Hautausschlag, Nesselsucht und Juckreiz sowie Rötung und Schmerzen an der Einstichstelle. Bei Früh- und Neugeborenen wurden Krämpfe berichtet. Auch Stürze und Knochenbrüche sind aufgeführt, deren Risiko bei gleichzeitiger Einnahme anderer dämpfender Mittel oder von Alkohol und bei älteren Menschen erhöht ist.
Eine Überdosierung führt wie bei anderen Benzodiazepinen häufig zu Benommenheit, Gangunsicherheit, verwaschener Sprache und Augenzittern. Allein eingenommen ist sie selten lebensbedrohlich, kann aber zum Erlöschen der Reflexe, zu Atemstillstand, Blutdruckabfall sowie zu einer Dämpfung von Kreislauf und Atmung und in seltenen Fällen zum Koma führen. Ein solches Koma dauert in der Regel einige Stunden, kann sich aber besonders bei älteren Patienten länger hinziehen. Schwerwiegende Zwischenfälle an Herz und Atmung treten vor allem bei Erwachsenen über sechzig Jahren und bei Patienten mit vorbestehender Atem- oder Herzschwäche auf, insbesondere wenn zu rasch gespritzt wird.
Sedierung, Gedächtnislücken, verminderte Aufmerksamkeit und eine gestörte Muskelfunktion beeinträchtigen die Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen oder eine Maschine zu bedienen. Vor der Gabe wird der Patient darauf hingewiesen, dass er beides erst wieder tun darf, wenn er sich vollständig erholt hat; wann das der Fall ist, entscheidet der Arzt. Für den Heimweg nach einem Eingriff wird eine Begleitperson empfohlen. Zu wenig Schlaf und der Genuss von Alkohol verstärken die Beeinträchtigung zusätzlich.
Quellen
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