Lopinavir

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 12. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei Lopinavir handelt es sich um ein Arzneimittel, das bei der Therapie von HIV-Infektionen zur Anwendung kommt und dabei als Proteaseinhibitor fungiert. Der HIV-Proteaseinhibitor kommt in Kombination mit dem Produkt Ritonavir der Firma AbbVie zum Einsatz und ist auf dem Markt mit dem Handelsnamen Kaletra® bekannt. Das Medikament erhielt im Jahr 2001 die Zulassung von der zuständigen EU-Kommission.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lopinavir?

Lopinavir
Bei Lopinavir handelt es sich um ein Arzneimittel, das bei der Therapie von HIV-Infektionen zur Anwendung kommt und dabei als Proteaseinhibitor fungiert.

Lopinavir hat die Funktion eines Proteaseinhibitors und wird im Rahmen der Behandlung von HIV-Infektionen angewendet. Dabei eignet sich das Medikament sowohl für eine Therapie von Erwachsenen als auch von Jugendlichen und Kindern. Die Altersgrenze hängt dabei von der Darreichungsform ab: Die Filmtabletten sind für Kinder ab zwei Jahren zugelassen, die Lösung zum Einnehmen bereits ab einem Alter von 14 Tagen. Die gängige Wirkstoffkombination mit der Bezeichnung Kaletra® ist bei Erwachsenen und Kindern zugelassen. Im Rahmen von klinischen Studien und Prüfungen hat sich gezeigt, dass Lopinavir über eine höhere Wirksamkeit verfügt als vergleichbare Wirkstoffe. Dieser Vergleich stammt aus der Anfangszeit der Proteasehemmer. Heute stehen mit Darunavir besser verträgliche Vertreter derselben Gruppe zur Verfügung, und Lopinavir wird seltener eingesetzt als früher.

Das Arzneimittel Lopinavir ist sowohl in der Form von Filmtabletten als auch als Sirup erhältlich. In beiden Fällen handelt es sich um eine Fixkombination mit dem Stoff Ritonavir. Die Fixkombination hat in der Schweiz im Jahr 2000 eine Zulassung erhalten. Aus chemischer Sicht handelt es sich bei Lopinavir um ein weißes oder auch gelblich weißes Pulver. Dieses Pulver ist in Wasser kaum löslich.

Pharmakologische Wirkung

Bei Lopinavir handelt es sich um einen HIV-Protease-Inhibitor, der die Weiterverarbeitung von viralen Vorläufereiweißstoffen, die vom HI-Virus neu gebildet werden, zu voll funktionsfähigen Enzymen und Strukturproteinen reduziert. Durch diesen Wirkmechanismus hemmt das Medikament die Vermehrung des HI-Virus.

Bedingt durch das Cytochrom P450-System wird der Stoff Lopinavir vom Organismus des Menschen in relativ kurzer Zeit metabolisiert. Wird Lopinavir allein verabreicht, wäre die mögliche Konzentration des Medikaments im Plasma des Blutes zu gering, um einen therapeutischen Effekt herbeizuführen. Aus diesem Grund kommt der Stoff in der Regel mit Ritonavir in einer fixen Kombination zum Einsatz.

Bei Ritonavir handelt es sich um ein Arzneimittel, das zur gleichen Gruppe wie Lopinavir zählt. In dieser Verbindung wirkt Ritonavir jedoch nicht als zweiter Proteasehemmer, sondern als pharmakokinetischer Verstärker, ein sogenannter Booster: Es kommt in einer niedrigen Dosis zum Einsatz und hemmt die Cytochrom-P450-Monooxygenasen, die Lopinavir abbauen. Die antivirale Wirkung des Kombinationspräparates geht nach der Fachinformation auf Lopinavir zurück. Dadurch ist es möglich, dass im Organismus eine höhere Konzentration an Lopinavir vorhanden ist, die ausreichend für eine wirksame Reduzierung der HIV-Proteasen ist.

Ein Vorteil dieser Strategie liegt insbesondere in der drastischen Herabsetzung der Dosis für den betroffenen Patienten, sodass deutlich weniger Tabletten konsumiert werden müssen.

Grundsätzlich wird Lopinavir vom Cytochrom-System rasch in der Leber abgebaut. Dieser hepatische Abbau des Wirkstoffs wird durch die zusätzliche Gabe des HIV-Proteaseinhibitors Ritonavir stark in seiner Geschwindigkeit verlangsamt. Dadurch ist das Lopinavir in der Lage, länger zu wirken.

Der überwiegende Teil des Wirkstoffs bindet sich im Blut an Eiweißstoffe. Darüber hinaus ist auch eine Kombination mit den sogenannten nukleosidischen Reverse-Transkriptaseinhibitoren möglich.

Diese starke Eiweißbindung hat eine praktische Folge: Weder eine Blutwäsche über das Blut noch eine über die Bauchhöhle dürfte Lopinavir und Ritonavir in nennenswertem Umfang aus dem Körper entfernen. Über die Nieren verlassen beide Stoffe den Körper ohnehin kaum, sodass bei eingeschränkter Nierenfunktion nach beiden Fachinformationen keine erhöhten Blutspiegel zu erwarten sind.

Das Lopinavir bindet sich an die virale HIV-Protease. Diese ist für die Vermehrung und Ausbreitung des Virus von Bedeutung. Durch das Medikament werden virale Enzyme eingedämmt, sodass die Vermehrung gestört wird. In der Folge nimmt die Viruslast für den Organismus des betroffenen Patienten stark ab.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Der Wirkstoff Lopinavir kommt zur Therapie von Infektionen mit dem Virus HIV-1 im Rahmen einer antiretroviralen Kombinationstherapie zum Einsatz. Bei Lopinavir handelt es sich um einen antiviralen Wirkstoff, der zur Kategorie der sogenannten HIV-Proteasehemmer zählt und die Vermehrung des HI-Virus stoppt.

Die entsprechenden Effekte ergeben sich daraus, dass Lopinavir die virale Protease reduziert. Diese nimmt eine besondere Bedeutung und Funktion bei der Reifung und Vermehrung des Virus ein.

In der Regel erfolgt die Einnahme des Medikaments ein- oder zweimal am Tag. Meist wird das Medikament in Form von Filmtabletten verabreicht, die entweder gemeinsam mit den Mahlzeiten oder unabhängig davon eingenommen werden. Der Sirup ist mit den Mahlzeiten einzunehmen.

Eine antiretrovirale Behandlung während der Schwangerschaft verringert das Risiko, dass das Virus auf das Neugeborene übergeht. Für Lopinavir in Verbindung mit Ritonavir liegen Daten von mehreren tausend Frauen vor, darunter von über tausend Frauen aus dem ersten Schwangerschaftsdrittel; ein erhöhtes Risiko für Geburtsfehler ergab sich daraus nicht, und ein bestimmtes Fehlbildungsmuster wurde nicht beobachtet. Beide Fachinformationen halten deshalb fest, dass Lopinavir während einer Schwangerschaft angewendet werden kann, wenn es medizinisch angezeigt ist. Vom Stillen wird HIV-infizierten Müttern allgemein abgeraten, damit das Virus nicht auf das Kind übertragen wird.

Eine Einschränkung nennen beide Fachinformationen unabhängig von allen Nebenwirkungen: Weder Lopinavir noch das Kombinationspräparat können die HIV-Infektion oder AIDS heilen. Wer das Mittel einnimmt, kann weiterhin an Infektionen und an anderen Krankheiten erkranken, die mit der HIV-Erkrankung oder mit AIDS in Verbindung stehen.


Verabreichung & Dosierung

Bei der Verabreichung und Dosierung von Lopinavir, das in Kombination mit Ritonavir zur Behandlung von HIV-Infektionen eingesetzt wird, sind mehrere wichtige Aspekte zu beachten. Lopinavir/Ritonavir wird üblicherweise als feste Kombination in Tablettenform oder als Lösung eingenommen. Die Standarddosis für Erwachsene beträgt in der Regel 400 mg Lopinavir in Kombination mit 100 mg Ritonavir zweimal täglich. Alternativ kann eine höhere Einzeldosis von 800 mg Lopinavir und 200 mg Ritonavir einmal täglich verabreicht werden, sofern der Patient keine weiteren antiretroviralen Medikamente einnimmt, die die Wirksamkeit beeinflussen könnten.

Bei Kindern, Schwangeren und Menschen mit eingeschränkter Leberfunktion ist eine besondere Dosisanpassung erforderlich, da das Medikament in diesen Fällen anders verstoffwechselt wird. Die Lösung zum Einnehmen ist stets zusammen mit einer Mahlzeit einzunehmen; die Filmtabletten können dagegen unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Bei der flüssigen Form sollte auf den Alkohol- und Propylenglykolgehalt geachtet werden, insbesondere bei Neugeborenen und Kleinkindern, da dies zu toxischen Wirkungen führen kann.

Wichtig ist auch, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu berücksichtigen, da Lopinavir/Ritonavir Enzyme in der Leber hemmen kann, was die Konzentration anderer Arzneimittel im Blut erhöht. Hierzu zählen Antikoagulanzien, Statine und bestimmte Antiepileptika. Regelmäßige Überwachung der Viruslast und mögliche Nebenwirkungen, wie Übelkeit, Durchfall oder Leberfunktionsstörungen, sind ebenfalls essenziell.

Risiken & Nebenwirkungen

Im Rahmen der Einnahme von Lopinavir sind zahlreiche unerwünschte Nebenwirkungen möglich. Zu den häufigsten Nebeneffekten zählen Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und ein allgemeines Gefühl der Schwäche. Hinzu kommen oftmals Schwitzen, Hautausschlag, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit.

Auch abnormaler Stuhl, Blähungen und weitere gastrointestinale Störungen treten teilweise auf. Mitunter zeigen sich bei Blutuntersuchungen erhöhte Werte an Triglyceriden und Cholesterin. Zudem sind Allergien und Reaktionen des Zentralnervensystems möglich.

Patienten, die an Herz-Rhythmus-Störungen, einer strukturellen Erkrankung des Herzens oder einem schlecht durchbluteten Herz leiden, sind bei einer Einnahme von Lopinavir besonders gefährdet.

Zum Herzen halten beide Fachinformationen eine Beobachtung am Reizleitungssystem fest: Bei einem Teil gesunder erwachsener Probanden verlängerte sich unter Lopinavir und Ritonavir das PR-Intervall im EKG mäßig, ohne Beschwerden zu verursachen. Vereinzelt wurde bei Behandelten mit einer strukturellen Herzerkrankung und einer vorbestehenden Störung des Reizleitungssystems über einen AV-Block zweiten bis dritten Grades berichtet; dasselbe gilt für Behandelte, die zugleich Arzneimittel einnehmen, die das PR-Intervall bekanntermaßen verlängern.

Häufigste Nebenwirkungen in den klinischen Studien waren nach beiden Fachinformationen Durchfall, Übelkeit, Erbrechen sowie erhöhte Blutfettwerte in Form einer Hypertriglyzeridämie und einer Hypercholesterinämie. Die Beschwerden am Magen-Darm-Trakt treten eher zu Beginn der Behandlung auf, die erhöhten Blutfettwerte eher im weiteren Verlauf. Aus den Nebenwirkungstabellen gehen daneben eine Blutarmut, eine Verminderung der weißen Blutkörperchen und der neutrophilen Granulozyten, Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Nesselsucht und Quincke-Ödem, Störungen des Blutzuckerhaushalts bis hin zum Diabetes mellitus sowie Angstzustände hervor.

Drei weitere Warnhinweise beider Fachinformationen betreffen nicht das Mittel allein, sondern das Zusammenspiel mit der Grunderkrankung. Bei Menschen mit einer Bluterkrankheit wurde unter Proteasehemmern über vermehrte Blutungen berichtet, darunter über Blutergüsse der Haut und Einblutungen in Gelenke; ein ursächlicher Zusammenhang wird vermutet, der Wirkmechanismus ist nicht geklärt. Über eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse wurde ebenfalls berichtet, überwiegend bei Behandelten, die eine solche Entzündung bereits durchgemacht hatten oder erhöhte Triglyzeridwerte aufwiesen; bei Übelkeit, Erbrechen oder Oberbauchbeschwerden wird sie in Betracht gezogen und die Behandlung bei gesicherter Diagnose unterbrochen. Und insbesondere bei fortgeschrittener HIV-Erkrankung oder langer antiretroviraler Behandlung wurden Fälle von Osteonekrose beobachtet, also ein Absterben von Knochenabschnitten; Gelenkbeschwerden, Gelenksteife und Bewegungseinschränkungen sollen deshalb ärztlich abgeklärt werden.

Zu Beginn einer antiretroviralen Kombinationsbehandlung kann bei ausgeprägter Immunschwäche eine entzündliche Reaktion auf bis dahin unbemerkte Infektionen auftreten, das entzündliche Immunrekonstitutionssyndrom. Es zeigt sich typischerweise in den ersten Wochen oder Monaten; als Beispiele nennen beide Fachinformationen eine Netzhautentzündung durch Zytomegalieviren, mykobakterielle Infektionen und eine besondere Form der Lungenentzündung. Auch Autoimmunerkrankungen wurden in diesem Zusammenhang beschrieben, allerdings mit sehr unterschiedlichem zeitlichem Abstand zum Behandlungsbeginn.

Darüber hinaus sind Wechselwirkungen mit anderen Stoffen und Medikamenten möglich. Durch die Herabsetzung von Enzymen in der Leber erhöht sich nicht nur die Konzentration von Proteaseinhibitoren im Blut, sondern auch die von Arzneistoffen, die auf gleiche Weise abgebaut werden. Dazu zählen beispielsweise Antiarrhythmika, Benzodiazepine oder Mutterkornalkaloide.

Kontraindikationen

Typische Kontraindikationen bei der Verwendung von Lopinavir, insbesondere in Kombination mit Ritonavir, betreffen vor allem bestimmte Vorerkrankungen und die gleichzeitige Einnahme bestimmter Medikamente. Eine der Hauptkontraindikationen ist eine schwere Lebererkrankung, insbesondere Leberinsuffizienz, da Lopinavir in der Leber verstoffwechselt wird und bei beeinträchtigter Leberfunktion die Gefahr einer toxischen Überdosierung besteht.

Auch bei Überempfindlichkeit oder Allergie gegen Lopinavir, Ritonavir oder andere Bestandteile des Medikaments darf es nicht verwendet werden. Zudem ist die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten, deren Abbau in hohem Maße vom Leberenzym CYP3A abhängt, kontraindiziert. Beispiele hierfür sind bestimmte Herzmedikamente wie Amiodaron, Antipsychotika wie Quetiapin und einige Cholesterinsenker wie Lovastatin oder Simvastatin. Diese können zu lebensbedrohlichen Wechselwirkungen führen, da Lopinavir den Abbau dieser Medikamente hemmt, was zu einer gefährlichen Erhöhung ihrer Konzentration im Blut führen kann.

Schwangere und Neugeborene sollten Lopinavir mit Vorsicht verwenden, da in diesen Fällen eine spezielle Dosisanpassung erforderlich ist. Auch bei Patienten mit Pankreatitis oder einer Vorgeschichte von Leberentzündungen, insbesondere bei HIV-Patienten mit Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Koinfektion, sollte das Medikament nur unter strenger ärztlicher Aufsicht angewendet werden, da es die Leber weiter schädigen kann.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Lopinavir, insbesondere in Kombination mit Ritonavir, weist zahlreiche Interaktionen mit anderen Medikamenten auf, da es die Aktivität des Leberenzyms CYP3A beeinflusst, das für den Abbau vieler Arzneimittel verantwortlich ist. Lopinavir und Ritonavir hemmen dieses Enzym beide, was zu einer Erhöhung der Plasmakonzentration bestimmter Medikamente führen kann; in klinisch bedeutsamen Konzentrationen hemmt die Kombination dagegen weder CYP2D6 noch CYP2C9, CYP2C19, CYP2E1, CYP2B6 oder CYP1A2.

Einige der wichtigsten Arzneimittel, die in Wechselwirkung mit Lopinavir stehen, sind Cholesterinsenker wie Simvastatin und Lovastatin, da ihre Konzentrationen auf ein gefährliches Niveau ansteigen können, was das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen wie Rhabdomyolyse erhöht. Unter den Gegenanzeigen beider Fachinformationen stehen ferner die Neuroleptika Quetiapin, Lurasidon und Pimozid: Erhöhte Plasmaspiegel können dort schwere Folgen haben, für Quetiapin bis zur Bewusstlosigkeit, für Pimozid bis zu schweren Blutbildveränderungen.

Die Herzmedikamente Amiodaron und Dronedaron dürfen nicht zusammen mit Lopinavir eingenommen werden; beide Fachinformationen führen sie unter den Gegenanzeigen, weil erhöhte Plasmakonzentrationen das Risiko von Herzrhythmusstörungen und anderen schweren Nebenwirkungen erhöhen.

Bestimmte Antikoagulanzien sind ebenfalls betroffen. Für Warfarin empfehlen beide Fachinformationen eine Überwachung der Gerinnungswerte, für Dabigatranetexilat und Edoxaban eine klinische Überwachung und gegebenenfalls eine Verringerung der Menge. Von Rivaroxaban raten sie bei gleichzeitiger Behandlung ab, weil dessen Blutspiegel deutlich ansteigen und das Blutungsrisiko zunimmt.

Auf der anderen Seite kann Lopinavir die Wirksamkeit von hormonellen Verhütungsmitteln reduzieren, was das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft erhöht. Auch bei der gleichzeitigen Einnahme von Antiepileptika wie Carbamazepin und Phenytoin kann es zu wechselseitigen Wirkungsabschwächungen kommen, da diese die Wirksamkeit von Lopinavir verringern können.

Dieselbe Richtung schlägt eine pflanzliche Zubereitung ein: Johanniskraut senkt die Blutspiegel von Lopinavir und Ritonavir und kann dadurch die Wirksamkeit der Behandlung mindern; beide Fachinformationen führen es deshalb unter den Gegenanzeigen. Aus demselben Grund wird von einer gemeinsamen Anwendung mit Rifampicin abgeraten, das die Lopinavirkonzentration erheblich absenkt.

Beide Fachinformationen führen darüber hinaus eine Reihe von Arzneistoffen auf, deren Abbau stark von dem Leberenzym CYP3A abhängt und bei denen erhöhte Blutspiegel schwere oder lebensbedrohliche Folgen haben können. Dazu zählen unter anderem Alfuzosin, Ranolazin, Fusidinsäure bei Hautinfektionen, Colchicin bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion, die Antihistaminika Astemizol und Terfenadin, die Neuroleptika Lurasidon, Pimozid und Quetiapin, die Mutterkornalkaloide einschließlich Ergotamin, das die Darmbewegung beeinflussende Cisaprid sowie die Beruhigungsmittel Midazolam zum Einnehmen und Triazolam. Für Sildenafil gilt die Gegenanzeige nur dann, wenn es zur Behandlung eines Lungenhochdrucks eingesetzt wird.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Lopinavir nicht vertragen wird, gibt es mehrere alternative antiretrovirale Medikamente zur Behandlung von HIV. Eine der häufigsten Alternativen sind Integrase-Inhibitoren wie Dolutegravir oder Bictegravir, die sehr wirksam sind und in der Regel gut vertragen werden. Diese Wirkstoffe blockieren das Enzym Integrase, das HIV zur Vermehrung benötigt, und haben weniger Nebenwirkungen auf die Leber im Vergleich zu Protease-Inhibitoren wie Lopinavir.

Eine weitere Alternative sind Protease-Inhibitoren wie Darunavir, das häufig in Kombination mit einem Verstärker wie Ritonavir oder Cobicistat verwendet wird. Darunavir weist im Vergleich zu Lopinavir ein besseres Nebenwirkungsprofil auf und wird oft bei Patienten eingesetzt, die gegen andere Protease-Inhibitoren Resistenzen entwickelt haben.

Nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTIs) wie Efavirenz oder Rilpivirin sind ebenfalls gängige Alternativen, insbesondere wenn eine Kombinationstherapie angestrebt wird. Diese Medikamente blockieren die Umwandlung der viralen RNA in DNA, was die Virusvermehrung verhindert.

In bestimmten Fällen können auch CCR5-Antagonisten wie Maraviroc oder Fusionshemmer wie Enfuvirtid zum Einsatz kommen, insbesondere bei Patienten mit komplexen Resistenzen oder Unverträglichkeiten gegenüber den gängigen Therapien.

Jede alternative Therapie sollte jedoch individuell auf den Patienten abgestimmt werden, um die Wirksamkeit sicherzustellen und Nebenwirkungen zu minimieren.

Quellen

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    ISBN: 9783662617809
  • Brodt, H.-R. (Hrsg.): Infektionstherapie.
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  • Salzberger, B. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Infektionskrankheiten und Impfungen.
    ISBN: 9783437238178

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